Tag-Archiv für 'partei'

Organisationsdebatte. Ein Einwurf von G. Karfeld

In einer Antwort auf Wal Buchenbergs Text „Konkurrenz oder Kooperation“ schreibt G. Karfeld bei scharf-links.de:

Eitelkeit und Machtstreben sind menschliche Eigenschaften und sie sind auf allen Ebenen der Gesellschaft gegenwärtig. Ob im Arbeitsleben, in Familien, in den kapitalistischen oder in sozialistischen Parteien. (mehr…)

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Zwischen Skylla und Charybdis

Dieser Text geht auf die Kommentare zum Text „Es braucht eine Organisation – jetzt!“ ein, allerdings nicht in Form eines Pingpong mit den einzelnen Kommentaren. Das halte ich nicht für eine gute Diskussionsmethode, vielmehr erscheint es mir produktiver, wenn wir, auf dem Boden des im Ganzen gut brauchbaren Lancierungstextes der SIB, rund um Themenkomplexe debattieren, die für unser Projekt von aktueller Relevanz sind und das wären meiner Ansicht nach im Moment unter anderem folgende: Wieso braucht es diese neue Organisation und ist die Zeit reif dafür? Wie breit soll/darf sie sein? Welchen Zentralismus und welchen nicht? Wie gross soll/kann/muss sie zahlenmässig sein beim Start, wenn wir, wie wohl alle einverstanden sind, nicht die 27. Gruppe gründen wollen. (mehr…)

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»Revolutionärer Bruch«? Worüber reden wir hier überhaupt?

Karl Mueller hat in der neuen Ausgabe der Onlinezeitung Trend die Frage des „revolutionären Bruchs“ aufgegriffen. Unter dem Titel „Der Sturm auf das Winterpalais war gestern“ wirft der Autor der Sozialistischen Inititiative (SIB) vor, „dass ihr Verständnis vom ‚revolutionären Bruch‘ in erster Linie nur ein Lippenbekenntnis ist“.

Lassen wir mal beseite, ob das besonders glücklich formuliert ist. Richtig ist, dass die SIB bisher nicht dargelegt hat, was sie konkret unter einem „revolutionären Bruch“ versteht. Mueller macht es leider auch nicht besser. (mehr…)

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SCHLUSS MIT DER PRINZIPIENREITEREI

„Man kann sehr wohl eine Organisation gründen, und sich erst dann mit der Frage eines Grundsatzprogrammes beschäftigen.“ Michael Prütz (SIB) am 13.11.2011 hier im Blog

Die schlimmsten Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten.

Da das „Na endlich –Papier“ statt diskutierbarer programmatischen Positionen fast nur feuilletonistische Beschreibungen von derzeitigen Klassenverhältnissen und Mutmaßungen über den subjektiven Faktor enthält, wurde versucht diesen Mangel mit der Nennung von fünf Prinzipien auszugleichen. Ganz offensichtlich, um nicht mit jeder/m über alles diskutieren zu müssen.

Das positive Element an diesem Papier – nämlich für eine strömungsübergreifende Debatte unter antikapitalistischen Kräften jenseits der Linkspartei zu motivieren, die die Gründung einer neuen antikapitalistischen Organisation befördert – wird spätestens nach dem 13.11. in diesem Block mit einer unerträglichen, hohlen Prinzipienreiterei(*) kaputt gemacht. Von der sprachlichen Form, in der dies geschieht ganz zu schweigen. Es ist einfach nur noch lächerlich zu lesen, was hier so an Blasen(**) abgesondert wird, während inhaltliche Angebote, die sich auf die hiesigen Klassenverhältnisse beziehen, als reformistisch diffamiert werden.

Wer „subjektive Revolutionäre“ zusammenschließen will, sollte zunächst einmal akzeptieren, dass dieses Selbstbild bei jeder/m Einzelnen Bestand hat, anstatt mit einem willkürlichen Griff in die theoretische Mottenkiste eine ideologische Demontage des/der Anderen zu unternehmen.

Das „Na endlich-Papier“ beginnt mit einem „Manifesto-Zitat“ von 1972. Wenn dies nicht nur Zierrat gewesen sein soll, dann lasst Euch – liebe SIB-GenossInnen – auch von den Manifesto-Erfahrungen ein wenig leiten:

„Die Manifesto-Gruppe war nie spontaneistisch; sie war sich vielmehr stets bewußt, daß die Organisation sich nicht aus der Massenbewegung entwickelt, sondern als Beziehung zwischen dieser Bewegung, der bereits erarbeiteten revolutionären Theorie und der bisher angeeigneten geschichtlichen Erfahrung entsteht. Sie war allerdings stets überzeugt, daß der Kontakt zur Klasse, zur Bewegung, wenn auch nicht ausreichend, so doch unbedingt notwendig ist. Die Gültigkeit einer revolutionären Strategie und Organisation läßt sich nämlich mit Sicherheit nur außerhalb von ihr, in der engen Verbindung zu den Massen und ihren Bedürfnissen verifizieren. Deshalb konnte das Manifesto sich keine Organisation geben, ohne von Anfang an über eine bedeutende Massenbasis und über die Instrumente zur Verwirklichung einer bedeutsamen Praxis zu verfügen.
Fehlt es an diesen Elementen, so birgt eine neue Organisation bereits das Risiko der Zersplitterung, des Jakobinertums in sich, das sich in Ihrer ganzen weiteren Entwicklung noch zu verstärken droht. Darüber hinaus wird sie unweigerlich dazu tendieren, nicht die Linie der ganzen Klasse, sondern die der kleinen, in ihr organisierten Gruppe zum Ausdruck zu bringen.
Auch große revolutionäre Parteien – wie die bolschewistische und die chinesische – sind zwar auf einer sehr schmalen Basis entstanden, aber in einer ganz anderen historischen Situation, in der keine traditionsreiche und politisch aktive Massenbewegung wie die Italienische existierte, und nicht in einem Land und in einem Moment, dessen bedeutendstes Merkmal gerade darin besteht, daß die Massen als stark politisierte Protagonisten unmittelbar in den Kampf eingreifen. In diesem Kontext eine Organisation der Minderheit zu schaffen, konnte und kann daher nur bedeuten, die Weichen falsch zu stellen.“

Aus: WARUM UND WIE KONSTITUIEREN WIR UNS ALS ORGANISIERTE POLITISCHE BEWEGUNG DES MANIFESTO – Vorschläge der Versammlung der Delegierten der Manifesto- Zentren in Rimini am 5.11.1971 (der komplette Text erscheint in TREND 12/2011 am 2.12.2011)

Aus dem Org-Bericht für diese Versammlung:

„Bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge ist das Manifesto nach wie vor eine ungleichmäßig verbreitete Bewegung einer Minderheit. Zur Zeit gibt es 86 Zentren des Manifesto; unter Zentren verstehen wir Gruppen, die zwar verschieden groß, aber organisiert sind, die zu einer kontinuierlichen Aktion fähig sind und einen eigenen Sitz haben. Sie erfassen 57 Provinzhauptstädte, d.h. zwei Drittel des ganzen Landes. Außerdem existieren mehr als 10 Manifesto-Gruppen, die noch nicht in der Lage sind, eine systematische oder kontinuierliche Arbeit zu leisten, und die über keinen eigenen Sitz verfügen.“

*) Der so genannte „revolutionäre Bruch“ ist nichts anderes als ein Code für Lenins „Staat und Revolution“. Eine Diskussion über den Leninschen Staatsbegriff und die daraus abzuleitenden programmatischen Überlegungen, wären sicherlich eine lehrreiche und spannende Debatte, wenn dabei der Leninsche Staatsbegriff mit Rolle und Funktion des bürgerlichen Staats in den spätkapitalistischen Metropolen konfrontiert würde. Das Gesicht der Klassenwirklichkeit zuzuwenden, würde auch in der Parteifrage durchaus „zielfördernd“ sein, denn hinter der Phrase von der „Verbindlichkeit“ verbirgt sich ja nicht anderes als der Wunsch nach einer Org-Struktur und Aufgabenstellung, wie sie Lenin in „Was tun“ begründet hat.

**) Als DGS zwischendrin einmal, um gedanklichen Einhalt beim schnellen Posten anmahnte, verhallte diese Bitte recht schnell. Offensichtlich ist ein unmoderierter Blog ungeeignet, eine Debatte zwischen Personen zu befördern, die aus unterschiedlichen Spektren im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander losgehen.

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Rote Abend, 7.12. – Berlin: Occupy-Bewegung – Politik als Ich-AG?

Ist die Occupy-Bewegung wirklich der Beginn einer neuen sozialen Bewegung, wie auch manche in der außerparlamentarischen Linken hoffen?
Auf der Veranstaltung wird N.N. von den Internationalen Kommunist_innen diese Bewegung kritisch analysieren und hinterfragen, in welcher Tradition ihre Ablehnung von Parteien und Gewerkschaftsemblemen steht.
Anna von der Interventionistischen Linken (IL) wird sich mit den Protestbewegungen in Italien auseinandersetzen, und dabei auch auf die hierzulande wenig wahrgenommenen feministischen Interventionen gegen das patriarchale Frauenbild von Berlusconi und seines Regierungsblocks eingehen.
N.N. von der Berliner Gruppe Theorie Organisation Praxis wird ein bundesweites Demonstrationsprojekt vorstellen, das sich im März 2012 in Frankfurt/Main gegen die EU und die Rolle Deutschlands richtet.
Roter Abend: Mittwoch, 07. Dezember 2011 ab 20 Uhr
im Stadtteilladen Zielona Gora, Grünberger Str. 73, Berlin-Friedrichshain.
Link: http://jungle-world.com/artikel/2011/47/44397.html

www.interkomm.tk

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Formulierungen zum revolutionären Bruch

Die subjektiv revolutionäre Linke antwortet Robert Schlosser

[der folgende Text als .pdf-Datei]

Avanti:

S. 7: „Unsere Überzeugung war und ist, dass die heutige Gesellschaft revolutionär verändert werden muss und dass die hierfür notwendige gesellschaftliche Gegenmacht nicht allein aus spontanen Bewegungen bestehen kann, sondern die Beteiligung revolutionärer Organisationen braucht. Auch wenn das Ziel einer grundsätzlichen Gesellschaftsveränderung noch in weiter Ferne scheint, ist es unsere Aufgabe, heute mit der Organisierung von RevolutionärInnen zu beginnen, um die Voraussetzungen hierfür zu schaffen.“
S. 31: „Wir sind davon überzeugt, dass die Missstände und Probleme, die wir im vorigen Abschnitt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – aufgezählt haben, ohne eine grundlegende, revolutionäre Veränderung nicht zu lösen sind.“
S. 33: „Deswegen sagen wir, dass der Kapitalismus revolutionär überwunden werden und an seine Stelle der Sozialismus treten muss, der auf der Vergesellschaftung der Produktionsmittel und der demokratischen Organisation der Produktion und Verteilung beruht.“
S. 41: „Bürgerliche Demokratie stellt nur einen gewissen Teil der gesellschaftlichen Entscheidungen zur allgemeinen Abstimmung. Die ökonomische Basis der Gesellschaft, die Produktion, wird jedoch von den EigentümerInnen der Produktionsmittel bestimmt und ist jeder demokratischen Kontrolle entzogen. Die großen Konzerne und Banken sowie die kapitalistischen Interessenverbände erhalten dadurch eine gewaltige gesellschaftliche Macht, die jeder gewählten Regierung deutliche Grenzen setzt. Nichts anderes meint Kanzler Schröder, wenn er sagt, man könne nicht .gegen die Wirtschaft regieren.“
S. 41: „Zu dieser Funktion [des Staates] gehört es auch, die bestehenden Eigentumsverhältnisse – notfalls unter Einsatz des Gewaltapparates von Polizei und Militär – abzusichern.“
S. 42: „Die bürgerliche Demokratie ist nur eine der möglichen politischen Herrschaftsformen des Kapitals. Insbesondere, wenn die Eigentumsverhältnisse durch revolutionäre Bewegungen bedroht sind, in besonderen Krisensituationen oder zur Vorbereitung militärischer Expansion greift die herrschende Klasse oft zu diktatorischen Lösungen.“
S. 42: „Um eine […] tatsächliche, aktive und umfassende Demokratie durchzusetzen, muss aber die demokratisch nicht legitimierte Macht des Kapitals gebrochen werden. Alle geschichtliche Erfahrung lehrt, dass das Kapital seine Macht nicht kampflos preisgibt, nur weil etwa die Bevölkerungsmehrheit es so will. Deswegen gehen wir von der Notwendigkeit einer Revolution aus, die neue demokratische Strukturen schaffen wird, wie dies in vorangegangenen Revolutionen in Form der Räte der Fall war.“ (mehr…)

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Was spricht eigentlich gegen Lenins Parteitheorie?

[der folgende Text als .pdf-Datei]

Wal Buchenberg schreibt zu meinem Text „Für eine neue IAA? Oder für einen Bund der RevolutionärInnen?“:

„Weiter habe ich den Eindruck, dass du unter ‚Parteibildung’ an die (gescheiterten) Rezepte eines Lenin denkst, während ich bei ‚Parteibildung’ an die bewusste Gegnerschaft möglichst der 90 Prozent Besitzlosen gegen die herrschende Klasse der Kapitalisten samt Anhang denke.
Siehe dazu: http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_p/partei.html

Abgesehen davon, daß ich wohl von „Parteibildung“ bisher nur den Gen. Karl-Heinz Schubert zitierend gesprochen habe, liegst Du damit nicht falsch – nur, daß ich die sog. „Rezepte eines Lenins“ keinesfalls für gescheitert halte. Soweit ich mich auskenne, würde ich sagen: Diese „Rezepte“ wurden – außer von Lenin selbst (dessen ‚Anwendung’ immerhin in die Oktoberrevolution mündete) und vielleicht Mao (dessen eventuelle ‚Anwendung’ immerhin in die chinesische Revolution mündete) – bisher noch gar nicht ‚angewendet’ und vielfach nicht einmal verstanden!

Klar, es ist einfach Lenins, Parteikonzeption so abzubürsten, wie es Rudi Dutschke machte:

„So kam es denn zu einem Partei-Typus, in dem nicht die Klassenzugehörigkeit, sondern die politisch-menschliche Besonderheit, Berufsrevolutionär in der aufgezwungenen Illegalität des Zarismus zu sein, entscheidend war.“ (zit. nach Karl-Heinz Schubert in trend 7-8/2011)

Dutschke kritisiert hier Lenin zum einen für etwas, womit er – gegen den Proletkult (heutige De-KonstruktivistInnen würden sagen: gegen den Klassenessentialismus1) seiner Zeit, Stalins und der K-Gruppen der 70er Jahre – recht hatte: Bürgerliche Klassenherkunft steht einer (analytischen) Einsicht in die Funktionsweise der herrschenden Verhältnisse und der (gleichfalls: analytischen) Benennung, was erfolgsträchtige und was aussichtslose Strategien zu deren Veränderung sind, nicht entgegen2. Und bürgerliche Klassenherkunft steht selbst einer (politischen) Parteiergreifung gegen die herrschenden Verhältnisse nicht prinzipiell entgegen – auch, wenn sie sie eher unwahrscheinlich macht.
Marx hat brauchbare Analysen des Funktionierens der kapitalistischen Produktionsweise geschrieben, weil er wissenschaftliche Arbeit geleistet hat und nicht, weil er Fabrikarbeiter gewesen wäre. Und Friedrich Engels hat seine bourgeoise Herkunft nicht gehindert, sich dem Kampf gegen die kapitalistische Produktionsweise anzuschließen.
Deshalb war es richtig, daß Lenin sagte: Eine Organisation von RevolutionärInnen muß keine Organisation ausschließlich von Lohnabhängigen, gar ausschließlich manuellen FabrikarbeiterInnen sein, sondern die Mitgliedschaft in einer solchen Organisation ist eine Frage der analytischen Einsicht und der politischen Parteilichkeit und der Bereitschaft zu verläßlicher Mitarbeit.

Zum zweiten unterliegt Dutschke in dem angeführten Zitat einem grundlegenden Mißverständnis der leninschen Parteitheorie. Dutschke nimmt eine Gleichsetzung „politisch-menschliche Besonderheit“ = „Berufsrevolutionär“ = wegen der „aufgezwungenen Illegalität des Zarismus“ (gemeint: nicht Illegalität des Zarismus, sondern Illegalisierung zahlreicher politischer Tätigkeiten durch den Zarismus) vor.

Klar funktioniert Repression heute anders als unter der Zarenherrschaft – und deshalb halte ich nicht für sinnvoll, eine Organisation, deren Gründung wir hier diskutieren, klandestin zu organisieren.
Die Klandestinität ist nicht das charakteristische Merkmal einer revolutionären Organisation. Manchmal ist Klandestinität für RevolutionärInnen notwendig, manchmal sogar für reformistische Organisationen der ArbeiterInnenbewegung und unter faschistische Herrschaft sogar für bürgerliche DemokratInnen.

Die grundlegenden Einsichten Lenins betreffen nicht die Frage der Klandestinität, sondern das Verhältnis von Organisation und Bewegung, von theoretischer und politischer Praxis:
Eine zutreffende Analyse und die Entwicklung einer erfolgsträchtigen Strategie kommen nicht einfach dadurch zustande, daß sich etwas bewegt. Aufgrund der widersprüchlichen Struktur aller Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse (Widerspruch zwischen herrschender und ausbeutender Seite sowie beherrschter und ausgebeuteter Seite) bewegt sich immer irgend etwas; sind die gesellschaftliche Verhältnisse keine statischen – und indiziert „Bewegung“ folglich auch nicht einen nahen Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Ein Streik, eine Fabrikbesetzung, eine Hausbesetzung, (mehr…)

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Für eine neue Internationale Arbeiterassoziation? Oder für einen Bund der RevolutionärInnen?

[der folgende Text als .pdf-Datei]

Im Spätsommer fanden sich einige NutzerInnen des Marx-Forums zusammen, um ein – dann „Bochumer Programm“ genannten – Beitrag zur auch hier geführten Programm- und Organisierungsdebatte zu schreiben. Darüber hatte ich hier am 19. September – auch mit einigen knappen kommentierenden Anmerkungen versehen – berichtet. Rund einen Monat später äußerte ich anhand von weiteren Äußerungen aus dem Bochumer AutorInnenkreis (1 und 2) die Vermutung, daß hinter dem Programm-Entwurf eine gradualistische Konzeption der Gesellschaftsveränderung (= Vorstellung, eine qualitative Veränderung der Gesellschaftsstruktur sei – ohne revolutionären Bruch – durch eine Anhäufung einer Reihe von mehr oder minder radikalen Reformen möglich) stehe, und habe diese als illusorisch kritisiert. Außerdem äußerte ich mich in zwei weiteren Kommentaren (1 und 2) beiläufigen kritisch zu dem Bochumer Programm-Entwurf. – Darauf antwortet nun einer der Entwurfs-Autoren, Wal Buchenberg, im Marx-Forum.

Dort schreibt er:

1.

„Das Bochumer Programm zielt […] nicht nur auf einen Zusammenschluss der trotzkistischen Strömung in der Linken, sondern auf einen Zusammenschluss aller Kommunisten, Sozialisten und Anarchisten zunächst in Deutschland, dann in Europa. Vorbild für das Bochumer Programm ist deshalb nicht das ‚Kommunistische Manifest’ oder irgend ein späteres Parteiprogramm, sondern die Gründungsdokumente der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) von 1864.
Im Rückblick auf die IAA schrieb F. Engels 1887: ‚Als Marx die Internationale gründete, hat er die Allgemeinen Statuten so abgefasst, dass ihr alle proletarischen Sozialisten jener Zeit beitreten konnten … selbst der weiter fortgeschrittene Teil der englischen Gewerkschaftler; und nur dank dieser Breite ist die Internationale das geworden, was sie war, das Mittel zur allmählichen Auflösung und Aufsaugung all jener kleineren Sekten… Hätten wir von 1864 – 1873 darauf bestanden, nur mit denen zusammenzuarbeiten, die offen unsere kommunistische Plattform anerkannten wo wären wir heute? Ich denke, unsere ganze Praxis hat bewiesen, dass es wohl möglich ist, mit der allgemeinen Bewegung der Arbeiterklasse in jeder einzelnen Etappe zusammenzuarbeiten, ohne unsere eigene aparte Stellung oder gar Organisation aufzugeben oder zu verbergen …’ F. Engels an Kelley-Wischnewetzky (1887), MEW 36, 598.

Mit dem Engels-Zitat ist schon gesagt, warum ich mit der Bochumer Konzeption nicht einverstanden bin. Engels schrieb: „Ich denke, unsere ganze Praxis hat bewiesen, dass es wohl möglich ist, mit der allgemeinen Bewegung der Arbeiterklasse in jeder einzelnen Etappe zusammenzuarbeiten, ohne unsere eigene aparte Stellung oder gar Organisation aufzugeben oder zu verbergen …“ (meine Hv.)
Wenn „Sozialisten“ das Bochumer Wort für GradualistInnen ist, während AnarchistInnen und KommunistInnen RevolutionärInnen sind, dann werde ich jedenfalls keine gemeinsame Organisation mit „Sozialisten“ gründen, bevor nicht eine einigermaßen flächendeckend handlungsfähige Organisation der RevolutionärInnen existiert.
Ohne an dieser Stelle die Frage diskutieren zu wollen, ob denn für die Zusammenarbeit mit der „allgemeinen Bewegung der Arbeiterklasse“ – um Engels (dem Stand der Debatte nur noch teilweise gerecht werdende) Formulierung aufzugreifen – eine gemeinsame Organisation überhaupt die geeignete Form ist oder dafür nicht eher Bündnisse und Netzwerke in Betracht kommen,
war jedenfalls der grundlegende Fehler der ökosozialistischen Strömung bei den Grünen (und ist heute in abgeschwächter Form der Fehler der isl innerhalb der Linkspartei [vgl. dort]) auf eigene, auch nach außen handlungs- und bündnisfähige Organisationsstrukturen zu verzichten und in dem Bündnis mit GradualistInnen und ReformistInnen aufzugehen.
Der Fehler war also, das nicht zu machen, was Lenin mit Recht für unabdingbar erklärt hat: nämlich „in jeder Situa­tion – auch einer so schlechten wie heute –„revolutionäre Arbeit zu leisten“ (LW 31, 239 [engl.]). Statt dessen war die weitgehende Praxis des linken Flügels der Grünen und ist heute weitgehend die Praxis des linken Flügels der Linkspartei und der sozialen Bewegungen, nicht nur Bündnisse mit GradualistInnen und ReformistInnen einzugehen – was richtig ist, sondern sich selbst auf reformistische Arbeit zu beschränken, also die revolutionären Praxis aufzugeben und die „revolutionäre Arbeit […] durch reformistische [zu] ersetzen“ (vgl. krit. LW 23, 197 [engl.] – jew. meine Hv.), was falsch ist.
Der historische Bedeutung des „Na endlich“-Papiers liegt darin, vorzuschlagen, diese Selbstaufgabe der RevolutionärInnen, die zunächst Ende der 1970er / Anfang der 1980er Jahre die K-Gruppen, dann nach 1989 auch die autonome und antiimperialistische Szene und die Stadtguerillagruppen erfaßte, beenden zu wollen: (mehr…)

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Jan Weiser (RSB): ‚Es ist viel zu tun‘

Neu bei scharf-links:

„Zwei Modelle stehen europaweit zur Verfügung: zum einen die NPA, um die es bekanntermaßen nicht zum Besten steht, zum anderen das griechische Antarsya, beides Projekte an denen die GenossInnen der Vierten Internationale beteiligt sind. Ein deutsches Antarsya, also ein festes Bündnis von formal eigenständigen Organisationen ist möglich und wahrscheinlich. Es muss viel nachgeholt werden in Fragen wie zeitgemäßer Klassenanalyse, Ökologie und Feminismus“

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Eine weitere Antwort an Systemcrash

Im blog Systemcrash wurde unter der Überschrift „Linke Sammlung oder marxistischer Parteikern?“ ein weiterer Beitrag zu unserer Debatte gepostet. Hier meine Antwort:

Hallo Systemcrash,

1. Du bist hier ja eh schon angemeldet. Ich fände gut, wenn Du nicht nur Deine Kommentare, sondern auch Deine eigenständige Texte hier posten würdest. Da die Debatte eh schon auf vier Orte verteilt ist (trend, scharf-links, Marx-Forum und hier), würde dies erleichtern, den Überblick über neue Diskussionsbeiträge zu behalten.

2. Du schreibst:

„der gen. DGS (dem an dieser stelle mal ein DANK ausgesprochen gehört ) hat 20 kontroversen thematisiert und zur diskussion gestellt.
http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/13/20-kontroversen/
im grunde ist damit schon ein recht weites themenspektrum angerissen, was zwar auf der einen seite sicher eine politische notwendigkeit darstellt, auf der anderen seite aber fast schon eine überforderung darstellt, angesichts der realen kräfte, die im moment an diesem projekt mitwirken.“

Ja, das ist zu befürchten. Ich würde vorschlagen, dass wir vielleicht erst einmal nur die strittigen Punkte und die dazu vertretenen Positionen sammeln, aber noch nicht in tiefgehende Diskussionen eintreten, sondern dann so vorgehen, wie von Dir vorgeschlagen:

„von daher scheint es mir das oberste gebot zu sein, eine strenge konzentration auf eine (noch zu erstellende) priorität der wichtigkeiten einzuhalten.“

Das heißt: Wir müßten dann eine nicht allzu lange Liste von vorrangig zu diskutierenden Themen vereinbaren.

3. Du schreibst:

„ein gegensatz zwischen den anhängern des ‚bochumer programms‘
http://www.marx-forum.de/sozialismus/Bochum.pdf
und den vertretern des konzepts einer ‚revolutionären partei‘, den man klar als gegensatz von sozialreform vs revolution sehen kann. (vergl die debatte: http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/13/handlungsfaehigkeit-herstellen/).
meines erachtens sind da die gegensätze so gross, dass eine inhaltliche vermittlung innerhalb des NAO prozesses nicht möglich ist.“

Ja, das befürchte ich auch. Ich würde mich jedenfalls an keiner Organisationsgründung auf der Grundlage des Bochumer Textes beteiligen – und sei er auch etwas erweitert und modifiziert. Das ist m.E. – abgesehen von den inhaltlichen Differenzen, die sich abzeichnen – schon von seiner Form her weder ein Programm noch auch nur als Gründungserklärung einer Organisation geeignet (ich bin mir auch nicht sicher, ob er so gemeint ist). Was da vorliegt ist m.E. ein Katalog von Forderungen, von denen einige – wohl die Mehrheit – in ein programmatisches Dokument aufgenommen werden können, aber selbst kein Programm.
Ich würde allerdings die genannte Differenz auf der Form- und Inhaltsebene nicht mit der Differenz zwischen „revolutionäre[r] partei“ und anderen Organisierungsform-Präferenzen gleichsetzen. Denn ich würde jedenfalls meinerseits – trotz Bedenken gegen den Bochumer Text – den „Partei“-Begriff nicht (jedenfalls nicht kurzfristig) in den Vordergrund rücken.
Solange nicht klargelegt wird, was denn eine solche „Partei“ von anderen politischen Organisationsformen unterscheiden soll, würde der „Partei“-Begriff wohl eher zu Mißverständnissen als größerer Klarheit führen.

3. Weiter schreibst Du:

„im moment schält sich da wohl am ehesten eine netzwerkstruktur heraus, die den bestehenden inhaltlichen differenzen am weitesten gerecht werden kann. langfristig kann es im NAO projekt aber nur um die bildung der ‚revolutionären partei’ gehen (oder zumindest des kerns davon). ich glaube, in dem punkt bin ich mit DGS einig.“

Ja, das mit Netzwerk dürfte realistisch sein.

Zwar fände ich abstrakt weiterhin gut, wenn es uns gelingen würde, bis Ende des nächsten Jahres eine Organisation (zwar noch nicht mit einem Programm, aber einer brauchbaren Gründungserklärung) zu gründen.
Aber realistisch betrachtet dürfte ein solcher zeitlicher Parforceritt darauf hinauslaufen, daß inhaltliche Positionen mit knappen und eher zufällig (d.h.: ohne gründlicher Prüfung von Argumenten und Gegenargumenten) zustande gekommenen – Mehrheiten durchgestimmt werden. Das wäre m.E. keine verläßliche Grundlage für eine revolutionäre Organisation.
Ein statt dessen zunächst einmal zu gründendes Netzwerk, sollte aber meiner Überzeugung nach nicht einfach irgendein Netzwerk sein, sondern Arbeits- und Diskussionsstrukturen haben, die auf die Organisationsgründung hinarbeiten.
Es sollte aber gleichfalls Einigkeit bestehen, daß eine Organisation nur dann an die Stelle des Netzwerkes tritt, wenn darüber Einigkeit im Netzwerk besteht. Anderenfalls müßte eine Organisationsgründung – bei Fortsetzung einer konstruktiven Mitarbeit in dem Netzwerk – neben dem Netzwerk erfolgen.
Auch die GenossInnen aus dem Netzwerk, die einen Schritt zur Organisationsgründung nicht mitgehen, wären vermutlich dennoch die ersten und nächsten BündnispartnerInnen einer etwaigen neuen Organisation.

4. Zur Vermittlung von (revolutionärer) Theorie / eines (revolutionären) Programms und Massenaktivität schreibst Du: (mehr…)

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ORGANISIERUNGSDEBATTE: