Archiv der Kategorie 'Presseberichte'

Nicht die siebenundzwanzigste Kleingruppe

In der neuen SoZ. Sozialistische Zeitung berichtet Manuel Kellner über seine Eindrücke von der Veranstaltung am 3. Nov. in der Berliner Werkstatt der Kulturen mit VertreterInnen isl, des RSB, der SAV und der SIB. (mehr…)

»Geht was links von der Linkspartei?«

Berlin: Kontroverse Diskussion über Vorschlag für »neue antikapitalistische Organisation«

Von Johannes Schulten, junge Welt, 5./6. Nov. 2011

Gründung der »27. Kleingruppe« oder ernstzunehmender Versuch einer Vereinigung der zersplitterten radikalen Linken? Man weiß es noch nicht. Im März hatte eine Berliner Initiative unter dem Titel »Neue Antikapitalistische Organisation? Na endlich!« ein 35seitiges Diskussionspapier veröffentlicht, das in linksradikalen Kreisen auf recht reges Interesse stieß. Die »Sozialistische Initiative Berlin-Schöneberg«, ein Kreis um den langjährigen Berliner Polit­aktivisten Michael Prütz, sollte ein Versuch sein, »eine solidarische und kontroverse, ergebnisoffene und zielgerichtete Debatte« über den Aufbau einer antikapitalistischen Organisation links von der Linkspartei zu führen. Sechs Monate, einige Vernetzungstreffen und unzählige vor allem auf einschlägigen Internetforen geführte kontroverse Debatten später, sollte eine »Zwischenbilanz« gezogen werden.

Wie sich bei einer Veranstaltung der »Sozialistischen Initiative Berlin« (wie es jetzt heißt) am Donnerstag abend in der »Werkstatt der Kulturen« in Berlin-Neukölln zeigte, wird immer noch das Terrain sondiert. Mit rund 60 Interessierten diskutierten SIB und Gäste, was links von der Linken geht. (mehr…)

Unsere Initiative könnte auf fruchtbaren Boden fallen

Ende März 2011 verfasste die Sozialistische Initiative Berlin-Schöneberg (SIBS) einen Text, mit dem sie zur Gründung einer revolutionären Organisation aufrief, die bedeutende Teile der radikalen Linken umfassen soll. Seitdem entwickelte sich vornehmlich im Netz ein reger Austausch, ob und wie das unter heutigen Bedingungen möglich ist. Avanti sprach mit Michael Prütz über die Krise des Kapitalismus, den Zustand der Linken und schichtarbeitende Krankenschwestern. Das Interview führte Tom Bogen

Avanti: Michael, niemand kannte die SIBS bevor sie den Text veröffentlicht hat. Wer steckt dahinter?

Michael Prütz: Bis Mitte August waren wir 6 Männer, eine Frau und eine Trans*, von denen der jüngste 22 und der älteste 59 war. Gerade haben wir uns übrigens – nach Aufnahme neuer Mitglieder – in Sozialistische Initiative Berlin (SIB) umbenannt. Die meisten von uns arbeiten schon sehr lange in politischen Zusammenhängen, z. B. im Antikrisenbündnis oder in den Neuen Mieterprotesten in Berlin. Viele beschäftigen sich auch schon lange mit internationalen Um- und Neugruppierungsprozessen der radikalen Linken. Wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass uns untereinander in den verschiedenen linksradikalen Gruppen viel mehr miteinander verbindet als es nach außen hin scheint. Im Antikrisenbündnis gab es eine sehr solidarische Zusammenarbeit, die auch von tieferem Verständnis über die Ursachen und Folgen der Krise geprägt war. Es sind auch übrigens organisationsübergreifende Freundschaften entstanden. Jedenfalls diskutieren wir in der SIB ruhig und antihierarchisch und es macht einfach Spaß. (mehr…)

Na endlich? Ein Streit …

… schreibt Freitag-Redakteur Tom Strohschneider heute in seinem Blog Lafontaines Linke über einen publizistischen Schlagabtausch zwischen Michael Prütz und Michael Schilwa von der Sozialistischen Initiative Berlin-Schöneberg und Dr. Thomas Seibert, Vorstandssprecher des Instituts Solidarische Moderne (ISM).

Die Debatte war auf Anregung Strohschneiders zustande gekommen, nachdem Seibert das Schöneberger Papier, das auch den Anstoß für die Diskussion in diesem Blog gegeben hat, mit den Worten kommentiert hatte: „Da sitzen die, die immer da sitzen. Lasst sie sitzen.“

„Seibert ist erkennbar aus auf eine ‚mosaiklinke‘ Arbeitsteilung“, charakterisieren Prütz und Schilwa die Position des „Bewegungsphilosophen“ (Linksparteivizechefin Katja Kipping) in ihrem Beitrag: „Radikale Kapitalismus-Kritik hat durchaus ihre Berechtigung (in der schwersten Legitimationskrise des Kapitalismus seit Jahrzehnten sowieso), ist aber eher was für’s Feuilleton oder die gefühlt 23. Marxismus/Sozialismus/Kommunismus-Konferenz. Richtige ‚Realpolitik‘ machen wir lieber mit Andrea Ypsilanti, Katja Kipping und Sven Giegold.“

Wogegen Seibert setzt: „Eine revolutionäre Organisierung zielt nicht auf Repräsentation, sondern schlägt in den Kämpfen praktisch wie theoretisch eine bestimmte Vorgehensweise vor und richtet sich dabei an die, die dieses besondere Vorgehen zu ihrer eigenen Sache machen wollen.“ Was Prütz und Schilwa wahrscheinlich sogar unterschreiben würden.

Gemeint ist bei Seibert aber am Ende doch etwas anderes: „Gelingen kann so verstandene ‚revolutionäre Einheit‘ nur, wenn die Vielheiten der Erfahrungen und Subjektivitäten, also die Vielheiten der Kämpfe und ihre (bleibend!) unterschiedlichen Logiken so aufeinander bezogen werden, dass keiner der beteiligten Terme (Klasse, gender, race, aber auch Herrschaft, Ausbeutung und Subjektivierung, also Disziplin, Norm, Kontrolle, ‚Mehrheit‘ und ‚Minderheit‘, also Widerspruch der Klassen, Fluchten der ‚Minderheiten‘, Ästhetiken der Existenz, Reform, Revolution, Reformation) die anderen auf Dauer dominiert.“

Nun denn. Wer wie Seibert meint, Herrschaft, Ausbeutung, Klasse – also die Frage, ob ich für mein Geld arbeiten muss oder ob mein Geld für mich ‚arbeitet‘ – seien keine realen gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern „Terme“– also Begriffe, Denkinhalte –, die andere „Terme“ dominieren (was Seibert aber nicht gut findet), der sollte Prütz, Schilwa und „die, die immer da sitzen“, in der Tat sitzen lassen und vor allem selbst am besten da sitzen bleiben, wo er sitzt. Für den Rest dokumentieren wir an dieser Stelle den Beitrag von Prütz und Schilwa. Seiberts Beitrag und die komplette Debatte, inklusive der Moderation von Tom Strohschneider, findet sich hier.

Diversity-Management statt Klassenkampf?

Eine Wortmeldung aus der Traditionalisten-Ecke / Von Michael Prütz und Michael Schilwa (Sozialistische Initiative Berlin-Schöneberg)

Wenn schon der (wahrlich vorsichtige und bescheidene) Versuch, eine Debatte über die Bündelung / (Selbst)organisierung der radikalen Linken in Deutschland anzustoßen und dabei ausgetretenen Pfade zu verlassen (z.B. einen ernsthaften Dialog zwischen „Post-Autonomie“ und „Offenem Marxismus“ wieder zu beleben) beim „Bewegungsphilosophen“ Thomas Seibert zu ganz und gar nicht „diskursiven“, sondern recht rustikalen Reaktionen führt („Da sitzen die, die immer da sitzen. Lasst sie sitzen.“), dann gibt das Anlass zu der Hoffnung, dass wir mit unsere Initiative doch irgendwas richtig gemacht haben. (mehr…)

Nächster Versuch

„Mag sein, dass eine kleine Debatte im Internet und eine Diskussionsrunde mit 40 Teilnehmern nicht der Hebel sind, der in der Linken irgend etwas in wirkliche Bewegung versetzt. Interessant ist, was da geschrieben und gesprochen wird, auf seine Weise trotzdem – weil es für einen ganz bestimmten Übergangsbereich zwischen dem linken Flügel der Linkspartei und dem parteiungebundenen Spektrum durchaus aussagekräftig ist“, schreibt Freitag-Redakteur Tom Strohschneider in seinem Blog Lafontaines Linke

Kontrovers, aber erfrischend

„Der Stein ist jedenfalls ins Rollen gekommen, die Debatte wird weitergehen“, schreibt Rainer Balcerowiak in der heutigen Ausgabe der jungen Welt.




ORGANISIERUNGSDEBATTE: