Beiträge von Profeminist

Veranstaltungsbericht: Feministische Organisierung

[Dies ist die um zwei Absätze ergänzte und orthographisch und grammatikalisch korrigierte Fassung eines Berichts, der bei indymedia erschien: http://de.indymedia.org/2011/10/317635.shtml]

Der Bericht kommt von einem der wenigen Männer auf der Veranstaltung. Eingeflossen sind die Notizen einer anwesenden Frau, die sie freundlicherweise zur Verfügung stellte.
Am 3.10. hatte die Gruppe Internationale KommunistInnen zur Veranstaltung „Perspektiven feministischer Organisierung nach dem Slutwalk“ ins Tristeza eingeladen.

Der Anlass der Veranstaltung: Die Slutwalks

Am 13. August 2011 waren 3500 Menschen im Rahmen des SlutWalkUnited Grrrlmany auf die Straßen gegangen. Der Begriff Slutwalk (engl. für Schlampenmarsch) benennt Demonstrationen, bei denen Frauen, Männer und Transgender auf die Straße gehen und fordern, sich selbstbestimmt kleiden zu dürfen, ohne im Falle von sexualisierter Gewalt eine Schuldzuweisung zu erfahren. Die Proteste wenden sich gegen die Perspektive der Täter-Opfer-Umkehr in Vergewaltigungsmythen, der zufolge den Opfern sexueller Gewalt aufgrund der Art ihrer Kleidung eine Mitverantwortung an Übergriffen gegeben wird. (http://slutwalkberlin.de/)
Warum die Organisator_innen der Veranstaltung den Slutwalk zum Anlass für eine feministische Perspektivdebatte nahmen, begründen sie in ihrer Einladung so:
Revolutionärer Feminismus wie auch die revolutionäre Linke seien weitgehend von der politischen Bühne verschwunden und klassische feministische Themen wie Männergewalt gegen Frauen, Hausarbeitsverteilung in den Hintergrund gerückt. „Die Slutwalks bedeuten gegenüber einer solchen Entwicklung einen politischen Einschnitt von historischer Tragweite: Das Geschlechterverhältnis zwischen Männern und Frauen ist zurück auf der politischen Tagesordnung!“
Vor allem Frauen und Transgender nahmen an der Veranstaltung teil. Männer waren unter den über 100 Personen nur ca. 20 % vertreten.
Die ReferentInnen waren Heike von der FrauenLesben-Gruppe AMIGA Hamburg, Nadine Lantzsch, eine Mitorganisatorin des Slutwalks und Bloggerin, sowie kurzfristig in Vertretung von Barbara Suhr-Bartsch: Detlef Georgia Schulze, die in der Sozialistischen Initiative Berlin aktiv ist.

Stärkung des Patriarchats durch Bundeswehr

Heike berichtete über ihre feministische Intervention in den Antimilitarismusbereich. Auf Nachfragen präzisierte sie, dass ihre Arbeit in dem Bereich vor allem deshalb erfolgt, weil Deutschland wieder eine kriegsführende Nation ist und dadurch das Patriarchat gestärkt wird, was kein Widerspruch dazu ist, dass die Bundeswehr auch für Frauen schmackhaft gemacht werden soll. Des weiteren arbeitet AMIGA in einem Bündnis gegen die Wasserprivatisierung mit. Auch hier betonte Heike den feministischen Aspekt. So seien von der Wasserknappheit weltweit besonders Frauen betroffen, die oft stundenlange Wege zurücklegen müssen, um an Wasser zu kommen. Amiga ist eine Frauen-Lesben-Gruppe, die in gemischtgeschlechtichen Bündnissen arbeitet. Ihre theoretische Grundlage ist das Patriarchat als Grundwiderspruch. Wieweit Kapitalismus und Rassismus als weiterere Grundwidersprüche gesehen werden, blieb offen und war auch nicht Gegenstand der Debatte. Während Heike politisch wohl in der Tradition der revolutionären FrauenLesben-Zusammenhänge der 80er Jahre verortet werden kann, ist Nadine eine Feministin der Internetgeneration. Sie kam über Facebook zum Slutwalk und (mehr…)




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