Beiträge von Mario Ahner

Kritik des Traditionsmarxismus

In der bisherigen Debatte um den Aufbau einer neuen antikapitalistischen Organisation, die ja den Anspruch vertritt den Kapitalismus zu überwinden und eine sozialistische/kommunistische/befreite Gesellschaft anzusteuern, stoßen dem kritischen Leser einige ungeklärte Grundproblematiken des marxistischen Theorie-Diskurs ins Auge.

Im Folgenden möchte ich mich in dieser kurzen Abhandlung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit und linksakademische Stichhaltigkeit hat, einige dieser Punkte ins Feld führen und den Fokus vor allem auf die Frage der Vergesellschaftung und der Trennung zwischen Politik und Ökonomie legen.

Vergesellschaftung?

Die radikale Linke tut sich oft darin hervor den Begriff der „Vergesellschaftung“ ins Feld zu führen, wenn es darum geht dem Kapitalverhältnis den Gar aus zu machen. Dabei wird selten gefragt, geschweige denn beantwortet, was darunter eigentlich zu verstehen sei, und inwiefern dies ein emanzipatorisches Potenzial gen „generalisierter Selbstverwaltung“ (Guy Debord) der Gesellschaft entfalten soll.

Grob gesagt, sind sich scheinbar alle zumindest darin einig, dass Produktionsmittel sowie Grund und Boden der ausschließlich privaten Verfügungsmacht entzogen und der Öffentlichkeit übergeben werden, so dass diese in demokratischer Manier über die Nutzung der Einrichtungen und des Bodens entscheiden können. Doch, wie soll das konkret aussehen? Wie ist gesellschaftliches Eigentum vorstellbar? Wie wird es verwaltet – und durch wen? (mehr…)

Rot-Schwarze Flitterwochen: Marx und Kropotkin für das 21.Jahrhundert

Sehr schöner Beitrag von Paul Pop in „Grundrisse – zeitschrift für linke theorie & debatte“. Wer wirkliches Interesse an einer Überwindung alter ideologischer Gräben, Fehlschlüsse und Missverständnisse hat, und sich fragt, wie ein Neuaufbau kommunistischer Organisierung im 21. Jahrhundert aussehen könnte, kommt m.E. an diesem Beitrag nicht vorbei. Mehr davon! Here we go:

Rot-Schwarze Flitterwochen: Marx und Kropotkin für das 21. Jahrhundert

Autor: Paul Pop; Quelle: http://www.grundrisse.net/grundrisse14/14paul_pop.htm

Anarchismus und Kommunismus waren im 20. Jahrhundert zwei feindliche Brüder. Beide gaben vor, eine soziale Revolution und klassenlose Gesellschaft verwirklichen zu wollen und doch bekämpften sie sich bis auf das Messer. Wer kennt sie nicht, die emotionalen Debatten um den Aufstand von Kronstadt von 1921 und den „Sommer der Anarchie“ in Spanien 1936. Während die AnarchistenInnen den KommunistenInnen vorwarfen, nur eine neue Diktatur einer Minderheit etablieren zu wollen, glaubten die KommunistenInnen die AnarchistenInnen sabotierten durch ihre Kritik an der „Diktatur des Proletariats“ die Revolution.

Heute, nach dem alle Versuche eines Staatssozialismus mit Parteiherrschaft gescheitert sind, ist es an der Zeit die Frage aufzuwerfen, ob sich die Widersprüche zwischen Kommunismus und Anarchismus[1] (wie Staatstheorie, Organisationsfrage und Verfasstheit der nachkapitalistischen Gesellschaft) relativiert haben. Dabei geht es darum, die Leseart der marxschen Staatstheorie von Lenin in „Staat und Revolution“ kritisch zu hinterfragen und Marx´ Theorie von der Kommune als „Revolution gegen den Staat“ als solche zu rekonstruieren, um sie mit der anarchistischen Interpretation der Pariser Kommune zu vergleichen. Der größte Gegensatz in der Frage „Staat und Revolution“ verläuft nämlich nicht zwischen Kommunismus und Anarchismus, sondern zwischen Marx und dem Anarchokommunismus auf der einen Seite und den bolschewistischen Theorien von Lenin, Stalin und Mao auf der anderen Seite. Es soll die Frage aufgeworfen werden, in welche der beiden Lager Bakunin gehört.

Die große Schwierigkeit das Verhältnis der AnarchistenInnen zu Marx zu bestimmen, liegt darin, dass sie meistens die Positionen der deutschen Sozialdemokratie (wie „Volksstaat“ und Staatssozialismus) für die Theorien von Marx hielten. Dadurch war ihre Kritik am „Marxismus“ häufig eine geniale Kritik an der von Lassalle etatistisch geprägten SPD.[2] Die deutsche ArbeiterInnenbewegung kritisierte Marx leider fast ausnahmslos in Briefen. Bakunin und Kropotkin scheinen hingegen wichtige Schriften von Marx nie gelesen zu haben.

In diesem Artikel soll es nicht darum gehen nun die wahre Lesart von Marx und Kropotkin vorzuschreiben und Unterschiede zu kaschieren, sondern die Frage nach der Vereinbarkeit von marxschem Kommunismus und kropotkinschem Anarchokommunismus zu stellen sowie zu untersuchen, was heute von beiden Konzepten übrig bleibt. Mein Ziel der Lektüre der AnarchistInnen ist nicht möglichst viele Stellen zu finden, die vom Marxismus abweichen, sondern Ideen herauszuarbeiten, die uns heute bei der Entwicklung einer Theorie der Befreiung weiterbringen. (mehr…)




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