Beiträge von khs

Und wo bleibt der Klassenkampf?

In der Nr. 3/2012 habe ich unter dem Titel „Und wo bleibt der Klassenkampf?“ einige Anmerkungen zu den SIB 13/5-Thesen zur Krise veröffentlicht. Da der Text mit reichlich Zitaten und auch Tabellen versehen ist, poste ich ihn hier nicht, sondern verweise auf die Quelle

http://www.trend.infopartisan.net/trd0312/t030312.html

und veröffentliche hier nur das FAZIT:

In dieser Ausgabe des TREND wird ein aktueller Artikel zur Tarifpolitik unter Krisenbedingungen zweitveröffentlicht, weil er deutlich macht, dass der (ökonomische) Klassenkampf an der Krisenentwicklung orientiert sein muss. Andererseits affirmiert dieser Artikel weitestgehend die sozialpartnerschaftliche Praxis des DGB. Diese Widersprüchlichkeit, die symptomatisch für eine reformistische Alltagspolitik ist, die konzeptionell die kapitalistische Verteilungslogik nicht hinter sich lässt, wäre bildlich das Einfallstor für eine Politik, die sich die Aufhebung des Kapitalismus auf ihre Fahnen geschrieben hat. Dazu ist jedoch zweierlei notwendig: Erstens die Entwicklung von Aktionslosungen, denen eine Krisenanalyse zugrunde liegt, die Daten und Fakten aus der Perspektive der Abwälzung der Krise aufs Proletariat enthält, was Aussagen über den subjektiven Faktor einschließt. Zweitens um diesen Klassenstandpunkt überhaupt einnehmen zu können, ist wiederum vorausgesetzt eine Krisentheorie, die Überproduktion bzw. Unterkonsumption als beständige Folge der kapitalistischen Akkumulation versteht und dabei die Disproportionalitäten zwischen Abt.I (Produktionsgüter) und Abt.II (Konsumgüter) des kapitalistischen Reproduktionszusammenhangs im Auge behält.

Von diesen Voraussetzungen sind die beiden SIB-Papiere mehr als ein stückweit entfernt. Sie begünstigen daher in der Praxis eine Kampagnenpolitik, von der die Gruppe Wildcat in ihrer Wildcat-Sommernummer 2011 zu recht feststellte:

„Aber eine Linke, die soziale Kämpfe nur noch als (von ihr ausgelöste) Kampagnen denken kann, ist nicht »radikal«; denn das hieße, die Sache von den Wurzeln her zu denken, nicht von der Medienwirksamkeit aus.“

Keine Revolution ohne Dekonstruktion?!

TREND-Gespräche zu „Programm & Organisation“ im März 2012

Gespräch Nr. 4: Mo., den 5. März, 19 h
Keine Revolution ohne Dekonstruktion?!

Was ist dran am de-konstruktivistischen Versprechen, gesellschaftliche Verhältnisse zu de-naturalisieren, sie dadurch als in gesellschaftlichen Kämpfen entstandene und also durch gesellschaftliche Kämpfe auch veränderbare aufzuzeigen? Ist der Versuch der Dekonstruktion der Natürlichkeit von Zweigeschlechtlichkeit und Hetero/a/sexualität ein Beitrag zur Überwindung von Patriarchat und Hetero/a/sexismus oder vielmehr ein Abschied vom Kampf gegen diese?

Café Commune, Reichenberger Str. 157 in 10999 Berlin-Kreuzberg (U-Bhf. Kottbusser Tor)

Über das Zerbrechen der bürokratisch-militärischen Maschinerie

Randnotizen zu Robert Schlossers: Nochmals zum „revolutionären Bruch“

von Karl-Heinz Schubert

Dieser Aufsatz ist heute in der Onlinezeitung TREND erschienen.
http://www.trend.infopartisan.net/trd0112/450112.html

Der Aufsatz, der sich mit den historischen Ereignissen beschäftigt, die Schlosser nennt, um gegen den „revolutionären Bruch“ zu polemisieren, schließt mit der Feststellung:

„Wir stellen fest, dass es sich bei Schlossers Aussage („Nicht die Bewaffnung des Volkes ist Bedingung für eine erfolgreiche politische Revolution, sondern die Verständigung möglichst großer Teile der Bevölkerung auf minimalistische Ziele“ ) um ein reines Glaubensbekenntnis in der Form einer persönlichen Meinungsäußerung – gewonnen durch subjektive Erinnerung – handelt, die durch die hier vorgelegten historischen Fakten als widerlegt angesehen werden darf.
Welche Methoden, Formen und Ausmaße das Zerbrechen „der bürokratisch-militärischen Maschinerie“ durch die proletarische Klasse zukünftig in den EU-Metropolen zum Zwecke einer sozialistischen Umgestaltung annehmen wird, die Antwort auf diese Frage sollten wir nicht dogmatisch präjudizieren, sondern entspannt der Beantwortung durch die Praxis des Klassenkampfes überlassen.
Bleibt abschließend als Reminiszenz noch zu erwähnen, dass sich in Robert Schlossers revolutionsstrategischen Erinnerungen weder die Begriffe Kapitalismus (kapitalistisch) noch Proletariat (ArbeiterInnenklasse) sowie Klassenkampf finden lassen. Dafür ist viel von Volk und Massen die Rede.“

Marxo-Syndikalismus

Thesen zum „Bochumer Programm“ – Teil 2: Die „beigefügten“ Prinzipien

Von Karl-Heinz Schubert

Das Denken dieser „Linken“ überspringt bestimmte Entwicklungsstufen des objektiven Prozesses;
die einen halten ihre Illusionen für Wahrheit, die anderen versuchen, verfrüht in der
Gegenwart Ideale zu verwirklichen, die erst in der Zukunft verwirklicht werden können.

Mao: Über die Praxis

In der Ankündigung des 2. Teils meiner Kritik am „Bochumer Programm“ charakterisierte ich zusammenfassend am Ende von Teil 1 dieses als „betriebsborniert“ und vermerkte das Fehlen von wesentlichen klassenpolitische Bereichen wie Alters-/Kinderarmut, Wohnen, Mieten und Verdrängung aus sozialen Räumen wie auch Migration und das komplette Ausblenden klassenpolitisch relevanter Politikfelder wie z.B. Patriarchat, Ökologie und Repression.

Hinsichtlich dessen ist methodisch festzuhalten, dass ich das Programm aus zwei immanenten Blickwinkeln zu bewerten versuche(te):

1) Ausgehend von den Forderungen des Programms: „Alle Forderungen des Minimalprogramms zielen darauf ab, sozialem Widerstand gegen das Kapital eine offensive, selbständige Ausrichtung zu geben, die sich nicht auf Verteidigung des Status quo beschränkt.“ (Robert Schlosser) wurden diese dahingehend untersucht und erwiesen sich – gemessen an diesem Anspruch – überwiegend als untauglich.

2) Den politischen Anspruch des Programms, den Wal Buchenberg folgendermaßen formuliert: (mehr…)

Schnellschüsse

Thesen zum „Bochumer Programm“ – Teil 1: Die Aktionslosungen
Von Karl-Heinz Schubert

„Viele Theorien sind irrig, aber durch die Erprobung in der Praxis werden ihre Fehler korrigiert. Darum eben ist die Praxis das Kriterium der Wahrheit, und darum muß der Gesichtspunkt des Lebens, der Praxis der erste und grundlegende Gesichtspunkt der Erkenntnistheorie sein.“
Mao: Über die Praxis

Das „Bochumer Programm“ ist für die gegenwärtige Debatte, die durch die SIB mit ihrem „NAO-Papier“ ausgelöst wurde, ein wichtiger Beitrag, weil es ein „revolutionäres Minimalprogramm“ bestehend aus Aktionslosungen sein will, anstatt den Zusammenschluss der Klasse und/oder Gruppen und Strömungen, die sich auf die Klasse als historisches Subjekt beziehen, vorab an bestimmte Prinzipien zu ketten, die als Glaubenbekenntnisse daherkommen.

Unbeschadet dessen sind die „Bochumer“ Aktionslosungen mit prinzipiellen Ansichten unterlegt bzw. ihnen sind solche beigefügt worden und zwar auf folgenden Politikfeldern: Klassenherrschaft und Staat/-sfunktionen, die Politik von Sozialdemokraten und Kommunisten im 20 Jahrhundert, Abschaffung der Lohnarbeit und Selbstorganisation, Reformen und Revolution. Angesichts der Tatsache, wie vehement bisher einzelne AutorInnen des Bochumer Programms in die SIB-Blog-Debatte in Sachen „revolutionärer Bruch“ eingegriffen haben, ist die Vermutung gerechtfertigt anzunehmen, dass sie ihre „beigefügten“ Prinzipien als eherne verstanden wissen wollen.

Da ich mir – das Zirkelwesen vor Augen – derzeit eine Vereinheitlichung nur durch eine gemeinsame Praxis vorstellen kann, möchte ich zunächst die „Bochumer“ Aktionslosungen auf eine diesbezügliche Tragfähigkeit hin untersuchen. Ich möchte also herausarbeiten, ob diese Aktionslosungen die BRD-Klassenverhältnisse und -widersprüche angemessen widerspiegeln und dem selbst gesetzten Anspruch genügen ein „revolutionäres Minimalprogramm“ zu sein, „weil es …. das Minimum enthält, worauf sich heutzutage alle die Menschen, die den Kapitalismus abschaffen wollen, einigen können bzw. einigen müssen.“ (Wal Buchenberg am 24.12.2011)

Im zweiten Teil werde ich mich dann mit den „beigefügten“ Prinzipien befassen.

1) (mehr…)

Das „Bochumer Programm“ – ein Vorschlag oder mehr?

VORMERKEN

TREND-Gespräch Nr. 3 über Programm und Organisation

Sonntag, den 22. Januar 2012, um 17 Uhr
Café Commune, Reichenberger Str. 157 in 10999 Berlin

Im September 2011 veröffentlichte eine bisher nur virtuell diskutierende Gruppe des Onlineprojekts „www.marx-forum.de“ das so genannte Bochumer Programm und wurde damit zu einer Strömung in den Diskussionsprozessen rund um den Vorschlag der Sozialistischen Initiative Berlin zur Gründung einer neuen antikapitalistischen Organisation.

Auf Einladung der TREND-Redaktion werden zwei AutorInnen des „Bochumer Programms“ mit uns darüber sprechen, wie sie den Zusammenhang von Programm und Organisation verstehen und welchen Stellenwert sie dabei ihrem Programm beimessen.

Moderieren wird das Gespräch Michael Klockmann.

    Texte zur Veranstaltung erscheinen im Januar 2012

Face-to-Face Aussprache

Gen. G. Karfeld schreibt:

„Der revolutionäre Bruch kann sich somit nur auf die Auflösung der Kontrolle der Produktionsmittel durch das Kapital beziehen. Ohne diesen Bruch sind keine wesentlichen gesellschaftlichen Änderungen durchzusetzen. Die Diskussion kann sich also nicht um das ob, sondern nur um das wie drehen.“ (mehr…)

Über Reform und Revolution und die nächsten Aufgaben

Nachfolgend ein lesenswerter Text für die hiesige Diskussion über die Frage der Intervention antikapitalistischer und revolutionärer Kräfte in laufende Klassenkämpfe. (mehr…)

Für die Selbstorganisation der Klasse

Nachdem DGS in diesem Blog mitgeteilt hat, dass sie das „Konzept des revolutionären Bruchs“ nicht erklären kann und nun stattdessen die Streichung dieses Prinzips in der SIB abstimmen lassen wird, sollte sich die Diskussion im SIB-Blog endlich der BRD-Klassenwirklichkeit widmen, in die die zugründende antikapitalistische Organisation politisch praktisch intervenieren soll/will. (mehr…)

ÜBER DEN „REVOLUTIONÄREN BRUCH“ ALS PHRASE

Lukacs schreibt 1922 in seiner Verteidigung Lenins gegen die Kritik von Rosa Luxemburg an dessen Partei- und Revolutionskonzept:

„Es wäre eine völlig undialektische, unhistorische Denkungsweise, die aus der Feststellung, daß der Sozialismus nur als bewußte Umwandlung der ganzen Gesellschaft verwirklicht werden kann, zu der Forderung käme, dies müsse auf einen Schlag und nicht prozeßartig geschehen. Dieser Prozeß ist aber von der Umwandlung der feudalen Gesellschaft in die bürgerliche qualitativ verschieden. Und eben diese qualitative Verschiedenheit drückt sich in der qualitativ verschiedenen Funktion, die dem Staate, der deshalb, wie Engels sagt, „schon kein Staat im eigentlichen Sinne mehr ist“, in der Revolution zukommt; in der qualitativ verschiedenen Beziehung der Politik zur Ökonomie am klarsten aus.“ (mehr…)




ORGANISIERUNGSDEBATTE: