Beiträge von Angela

Anmerkungen von Angela Klein (isl) zum „Papier der SIB für eine ‚neue antikapitalistische Organisation‘“

Liebe Genossinnen und Genossen,

mit einiger Verspätung melden wir uns in eurer Debatte zu Wort, nicht aus Missachtung, sondern weil bei uns die Mühlen etwas langsam mahlen. Wir sind an eurem Diskussionsprozess jedoch interessiert, haben uns an der Debatte in Berlin beteiligt und organisieren gerade in Köln mit RSB eine Veranstaltung darum.

Wir registrieren mit Interesse, dass in Deutschland seit Heiligendamm, der Gründung der WASG und dem großen Comeback der Anti-Atombewegung – und unterstützt durch den internationalen Aufschwung der Bewegungen in Folge des arabischen Frühlings und der Occupy-Bewegungen in ihren verschiedenen Varianten – das Interesse von Linken an der Organisationsfrage wieder zugenommen hat. Die IL führt eine Debatte darüber, wie das Zirkelwesen überwunden und eine handlungsfähige, radikale bundesweite Organisation aufgebaut werden kann. Ihr denkt über eine deutsche NPA nach. Und innerhalb der Linkspartei sorgen die parteiinternen Auseinandersetzungen dafür, dass in der AKL darüber nachgedacht wird, ob nicht eine straffere Organisierung angebracht wäre. Das sind nur die Ausschnitte, die mir bekannt sind.

Für eine Organisation wie die isl, die ihrer großen personellen und organisatorischen Schwächen zum Trotz ebenfalls das Fernziel einer antikapitalistischen oder revolutionären Massenorganisation aufrecht erhält (die begriffliche Unklarheit ist Teil der Diskussion um die notwendige Positionsbildung), sind solche Prozesse eine Herausforderung – gehen sie doch von den politischen Kreisen aus, die der isl mit am nächsten stehen!

1. Der Adressat und das Weltbild

Ihr habt euch große Verdienste erworben, indem ihr eine ausführliche programmatische Plattform zu Papier gebracht habt. Sie bildet eine sehr gute Grundlage für die Diskussion – zumindest in solchen Kreisen, die sich fortschrittlichen Traditionen der Arbeiterbewegung verbunden fühlen und von daher die historischen Bezüge, die ihr aufmacht, kennen. Das führt bereits zu meiner ersten Frage, nämlich der nach dem Adressaten:

Handelt es sich hier um eine Selbstverständigung zwischen versprengten Überbleibseln verschiedener Bewegungen in dem Versuch, näher zusammen zu rücken? Das wäre eine sehr ehrenwertes Ziel, sollte aber so benannt werden, wurde nicht so benannt.
Oder soll der Text Ausgangspunkt sein für die Verständigung mit jüngeren, rebellischen und politisierten Generationen (denn Politisierung setzt der Text voraus)? Euer erster Impuls, ihn für die Debatte mit Avanti geschrieben zu haben, legt das nahe. Dafür fürchte ich aber, ist er nicht geeignet. Er ist zwar locker, flockig geschrieben, aber im Kern doch harter Tobak, weil er einem sehr engen Argumentationsstrang folgt – eben dem, der sich aus der Geschichte der Linken Opposition im 20.Jahrhundert ergibt.
Allein die Formulierung: „Wir treten ein in eine Phase von Revolution und Konterrevolution“ muss jemandem, der sich nicht durch die Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung gefressen und nicht gelernt hat, in langen Wellen von Klassenkämpfen zu denken, ein Buch mit sieben Siegeln sein. Ein heute 30-Jähriger ist vor allem (mehr …)

(Quelle:
http://www.islinke.de/anmerkungen_nao.htm)




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