Beiträge von Administrator

Lassen sich die Dinge wirklich nie klären?

Thomas Seibert, Vorstandsprecher des Instituts Solidarische Moderne (ISM) hat in Tom Strohschneiders Blog Lafontaines Linke noch einmal Bezug auf den Schöneberger Vorschlag genommen. „Zum (…) Pflichtteil der politischen Arbeit (…) gehört, dass sich die Dinge nie wirklich klären lassen, man also immer im Unklaren weiterwursteln muss“, schreibt er dort. Nun gut. Leider handelt es sich dabei schon um einen seiner klareren Sätze. (mehr…)

Langsam, langsam …

… nimmt die Debatte Fahrt auf und mitunter auch seltsame Formen an. Wie könnte es in Deutschland, dem Land der hochentwickelten Philosophie und unterentwickelten Klassenkämpfe, anders sein. In kurzen Wortmeldungen erfahren wir überwiegend Zustimmung, während uns in langen Ausarbeitungen mit umfangreichen „wissenschaftlichen Apparaten“ nicht nur, aber überwiegend, die Leviten gelesen werden.
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Noch mal: Diversity-Management statt Klassenkampf?

Detlef Georgia Schulze schreibt zur Kontroverse Prütz/Schilwa vs. Seibert:

Kein Zweifel: „Diversity-Management statt Klassenkampf“ – das wäre kein Mottto, das Zustimmung verdienen würde. Doch trotzdem impliziert die von Prütz/Schilwa aus der jungen Welt übernommene Überschrift eine gewisse Schieflage: Sie scheint einen exklusiven Widerspruch zwischen „Diversity-Management“ einerseits und „Klassenkampf“ andererseits zu implizieren. Prütz/Schilwa sprechen dann zwar auch vom Geschlechterkampf, der durch die Rede über Identitäten „ersetzt“ werde. Schließlich zitieren sie aber doch wieder zustimmend Ellen Meiksins Wood mit den Worten: Der Postmodernismus entwaffne und zersetze „den Widerstand gegen den Kapitalismus“ (meine Hervorhebung), womit dann erneut der Klassenkampf bzw. Kapitalismus als Hauptgesichtspunkt behauptet ist.

Mal abgesehen von der Frage, ob das, was Prütz/Schilwa zurecht kritisieren, – ohne nähere Differenzierung – treffend als „Postmodernismus“ zu bezeichnen ist: Jene laxe Haltung, die sich m.E. in der Tat besser als diversity management bezeichnen läßt, steht nicht nur revolutionärer antikapitalistischer, sondern auch revolutionärer feministischer und antirassistischer Politik entgegen. (mehr…)

Hineintragen kann man einen Sack Kartoffeln, aber kein Bewusstsein …

schreibt jW-Redakteur Jörn Boewe in seinen, Anfang 2011 bei facebook veröffentlichten „Zehn Thesen über dummen und intelligenten Leninismus“. Der Autor schlägt vor, „Lenin sanft vom Sockel zu holen, um ihn wieder handhabbar zu machen für die revolutionäre Praxis von heute“ und plädiert für einen „intelligenten Leninismus“ mit „einer gewissen syndikalistischen oder luxemburgistischen ‚Abweichung‘“.
„(Rosa) Luxemburgs (…) Überlegungen zur Dialektik von Massenstreiks, Partei und Gewerkschaften sowie zum Verhältnis von parlamentarischer und außerparlamentarischer Arbeit (gehören) in den Werkzeugkasten des revolutionären Marxismus, und es ist sinnlos und mechanistisch, sie Lenins Partei- und Revolutionskonzept entgegenzustellen. Es existiert nicht nur keine Schwierigkeit, diese ineinander zu integrieren, sondern im Gegenteil, sogar die Notwendigkeit, das zu tun.“ (mehr…)

Na endlich? Ein Streit …

… schreibt Freitag-Redakteur Tom Strohschneider heute in seinem Blog Lafontaines Linke über einen publizistischen Schlagabtausch zwischen Michael Prütz und Michael Schilwa von der Sozialistischen Initiative Berlin-Schöneberg und Dr. Thomas Seibert, Vorstandssprecher des Instituts Solidarische Moderne (ISM).

Die Debatte war auf Anregung Strohschneiders zustande gekommen, nachdem Seibert das Schöneberger Papier, das auch den Anstoß für die Diskussion in diesem Blog gegeben hat, mit den Worten kommentiert hatte: „Da sitzen die, die immer da sitzen. Lasst sie sitzen.“

„Seibert ist erkennbar aus auf eine ‚mosaiklinke‘ Arbeitsteilung“, charakterisieren Prütz und Schilwa die Position des „Bewegungsphilosophen“ (Linksparteivizechefin Katja Kipping) in ihrem Beitrag: „Radikale Kapitalismus-Kritik hat durchaus ihre Berechtigung (in der schwersten Legitimationskrise des Kapitalismus seit Jahrzehnten sowieso), ist aber eher was für’s Feuilleton oder die gefühlt 23. Marxismus/Sozialismus/Kommunismus-Konferenz. Richtige ‚Realpolitik‘ machen wir lieber mit Andrea Ypsilanti, Katja Kipping und Sven Giegold.“

Wogegen Seibert setzt: „Eine revolutionäre Organisierung zielt nicht auf Repräsentation, sondern schlägt in den Kämpfen praktisch wie theoretisch eine bestimmte Vorgehensweise vor und richtet sich dabei an die, die dieses besondere Vorgehen zu ihrer eigenen Sache machen wollen.“ Was Prütz und Schilwa wahrscheinlich sogar unterschreiben würden.

Gemeint ist bei Seibert aber am Ende doch etwas anderes: „Gelingen kann so verstandene ‚revolutionäre Einheit‘ nur, wenn die Vielheiten der Erfahrungen und Subjektivitäten, also die Vielheiten der Kämpfe und ihre (bleibend!) unterschiedlichen Logiken so aufeinander bezogen werden, dass keiner der beteiligten Terme (Klasse, gender, race, aber auch Herrschaft, Ausbeutung und Subjektivierung, also Disziplin, Norm, Kontrolle, ‚Mehrheit‘ und ‚Minderheit‘, also Widerspruch der Klassen, Fluchten der ‚Minderheiten‘, Ästhetiken der Existenz, Reform, Revolution, Reformation) die anderen auf Dauer dominiert.“

Nun denn. Wer wie Seibert meint, Herrschaft, Ausbeutung, Klasse – also die Frage, ob ich für mein Geld arbeiten muss oder ob mein Geld für mich ‚arbeitet‘ – seien keine realen gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern „Terme“– also Begriffe, Denkinhalte –, die andere „Terme“ dominieren (was Seibert aber nicht gut findet), der sollte Prütz, Schilwa und „die, die immer da sitzen“, in der Tat sitzen lassen und vor allem selbst am besten da sitzen bleiben, wo er sitzt. Für den Rest dokumentieren wir an dieser Stelle den Beitrag von Prütz und Schilwa. Seiberts Beitrag und die komplette Debatte, inklusive der Moderation von Tom Strohschneider, findet sich hier.

Diversity-Management statt Klassenkampf?

Eine Wortmeldung aus der Traditionalisten-Ecke / Von Michael Prütz und Michael Schilwa (Sozialistische Initiative Berlin-Schöneberg)

Wenn schon der (wahrlich vorsichtige und bescheidene) Versuch, eine Debatte über die Bündelung / (Selbst)organisierung der radikalen Linken in Deutschland anzustoßen und dabei ausgetretenen Pfade zu verlassen (z.B. einen ernsthaften Dialog zwischen „Post-Autonomie“ und „Offenem Marxismus“ wieder zu beleben) beim „Bewegungsphilosophen“ Thomas Seibert zu ganz und gar nicht „diskursiven“, sondern recht rustikalen Reaktionen führt („Da sitzen die, die immer da sitzen. Lasst sie sitzen.“), dann gibt das Anlass zu der Hoffnung, dass wir mit unsere Initiative doch irgendwas richtig gemacht haben. (mehr…)

Die aktuelle Lage, die Linkspartei, und die radikale Linke

„An der Spitze der Partei wird Lafontaine das betreiben, was viele bis heute für verrückt halten: Die Vereinigung der deutschen Linken, die Vereinigung von Linkspartei und SPD.“
- Brigitte Fehrle, Berliner Zeitung, 10./11. Oktober 2009

Von Michael Prütz, 18.10.2009, bei www.scharf-links.de

Als sich im Dezember 2008 die ersten Antikrisenbündnisse bildeten, war die gängige Meinung vieler Teilnehmer, auch wenn das nicht immer öffentlich ausgesprochen wurde, dass es folgende Gleichung gäbe: Finanzkrise = Wirtschaftskrise = Massenarbeitslosigkeit = wachsende Verelendung = Entwicklung von Widerstandspotenzial. Unter dieser Prämisse wurden die beiden ersten großen Demonstrationen am 28. März 2009 organisiert. Mit ca. 50.000 Teilnehmern war dies ein erster Erfolg, der zu der Vermutung Anlass gab, dass sich hier eine neue außerparlamentarische Bewegung formiert. Doch jetzt im Herbst 2009 muss man feststellen, dass die Gleichung bisher in keiner Weise aufgegangen ist. Statt wachsender Massenarbeitslosigkeit gibt es Kurzarbeit, statt Sozialabbau ein äußerst vorsichtiges Lavieren der herrschenden Parteien. Tatsache ist, dass die Krise, die ja noch wie vor existiert, bei der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung noch nicht
angekommen ist. Offensichtlich haben wir die Möglichkeiten des bürgerlichen Staates zur Abwehr der Krise deutlich unterschätzt. (mehr…)

Nächster Versuch

„Mag sein, dass eine kleine Debatte im Internet und eine Diskussionsrunde mit 40 Teilnehmern nicht der Hebel sind, der in der Linken irgend etwas in wirkliche Bewegung versetzt. Interessant ist, was da geschrieben und gesprochen wird, auf seine Weise trotzdem – weil es für einen ganz bestimmten Übergangsbereich zwischen dem linken Flügel der Linkspartei und dem parteiungebundenen Spektrum durchaus aussagekräftig ist“, schreibt Freitag-Redakteur Tom Strohschneider in seinem Blog Lafontaines Linke

Kontrovers, aber erfrischend

„Der Stein ist jedenfalls ins Rollen gekommen, die Debatte wird weitergehen“, schreibt Rainer Balcerowiak in der heutigen Ausgabe der jungen Welt.

Vereinigen statt Spalten!

Stellungnahme des RSB zum Text „Neue antikapitalistische Organisation? – Na endlich“ der SIBS

Wir – revolutionäre AntikapitalistInnen in der BRD – haben Grund zur Hoffnung:
der französische Generalstreik im Herbst 2010,
die kämpferischen Streiks von Wisconsin im Winter 2010/11,
das Aufleben der sozialen und Studierenden-Bewegung in Großbritannien
die Bewegung für „wahre Demokratie“ im spanischen Staat im Mai 2011
die eskalierenden offenen Klassenkämpfe im bankrotten Griechenland
und nicht zuletzt die revolutionär-demokratische Welle in der arabischen Welt

führen uns vor Augen, dass mit dem Ausbruch der letzten großen Krise (2008) die bürgerliche Weltordnung instabil geworden ist. Dies sind die konkreten Bedingungen für die Möglichkeit revolutionärer Politik heute. Wenn ein Anstieg sozialer Kämpfe auch in der BRD mittelfristig nicht ausbleiben kann, dann muss sich die revolutionäre Linke schon heute zusammenraufen, um nicht im entscheidenden Moment desorganisiert dazustehen. (mehr…)

Debatte, neue antikapitalistische Organisation

Ein Beitrag von G. Karfeld, in: www.scharf-links.de




ORGANISIERUNGSDEBATTE: