SoKo-Erklärung zur aktuellen Warnstreikwelle im öffentlichen Dienst…

Ihr seid es wert!

Jahrzehntelanger Personalabbau und Lohnstagnation bei steigenden Belastungen können nicht mehr weiter hingenommen werden. Weit über 200 000 Kolleginnen und Kollegen machten das der Öffentlichkeit in den letzten Tagen mit landesweiten Streiks und Demonstrationen drastisch deutlich.

Dass eine Mehrheit der Bevölkerung, also die Arbeitenden der anderen Branchen, diese Streikwelle befürwortet, zeigt deutlich, dass es sich hier nicht nur um die Probleme des Öffentlichen Dienstes handelt. Eine Ausweitung der Mobilisierung in einer großen gewerkschaftlichen Kampagne wäre also durchaus möglich.

Im Vorfeld der erneuten Verhandlungen am Mittwoch riskierte der Verhandlungsführer der Kommunalen Arbeitgeber Böhle im WDR Interview eine recht dicke Lippe, als er meinte, die Warnstreiks hätten ihn „nicht beeindruckt“. Das paßt, denn schließlich ist Böhle als SPD–Mitglied ein Vertreter jener Partei, die seit 1989 mit Schröder und seit 2005 mit Merkel die schärfsten Angriffe gegen die arbeitenden Menschen in Deutschland organisierte.

Aber auch andere sind mit Sprüchen über den Kampf schnell bei der Hand: so erklärte der Phrasendrescher Klaus Ernst ,Vorsitzender der Linkspartei, die bisherigen Angebote der Arbeitgeber seien eine „Unverschämtheit“. Ist das nun ein Kurswechsel oder Vergeßlichkeit?

Erinnern wir uns: Seine Partei, die Linkspartei, organisierte 2002 im Berliner Senat gemeinsam mit der SPD den Austritt aus dem Arbeitgeberverband, um deren Tarife in Berlin nicht zahlen zu müssen. Anschließende Lohnkürzungen bei den Beschäftigten des Nahverkehrs von bis zu 12% wurden unter einem Wirtschaftssenator seiner Partei organisiert. Tarifverhandlungen ersetzte man damals in Berlin durch einen „ persönlichen Waldspaziergang“ zwischen den drei Oberklünglern Bsirske (ver.di), Wolff (Linkspartei) und Wowereit (SPD) …
Auch ein anderer „alter Bekannter“ wird am Mittwoch am Verhandlungstisch sitzen: Herbert Mai, Vorgänger von Bsirske , ehemaliger ÖTV-Chef und nun auf der Arbeitgeberseite im VKAPräsidium.
Als Personalchef von Fraport hatte er noch vor wenigen Wochen die streikenden Vorfeld-Mitarbeiter des Frankfurter Flughafens mit Verleumdungen überzogen und versucht, die anderen Belegschaftsgruppen gegen die Streikenden aufzuhetzen. Schliesslich setzte die Klassenjustiz dem Streik ein Ende, was dem ehemaligen Gewerkschaftsvorsitzenden Mai im Unternehmerverband sicherlich gut gefallen hat. Es ist fraglich, ob der gewerkschaftliche Verhandlungsführer und Spitzenverdiener Bsirske sich in dieser Gaunerrunde so unwohl fühlen wird: Schließlich hat er seinerzeit als grüner Personalchef der Stadtverwaltung Hannover 1000 Arbeitsplätze abgebaut, die nun ebenfalls zur beklagten hohen Arbeitslosigkeit beitragen.

Es sind die Kolleginnen und Kollegen, die die Folgen der Mauschelpolitik auszubaden haben! Auf ihrem Rücken werden die „Rettungspläne,“ „Rettungsschirme“, „Sparprogramme“ oder die „unumgänglich notwendigen Maßnahmen“ ausgetragen und sie sind es, um deren Schicksal dort verhandelt wird! Ihr Lebensschicksal unterliegt dem Zwang, ihre Arbeitsfähigkeiten als Ware auf einem Arbeitsmarkt feilbieten zu müssen, um überleben zu können. Damit teilen sie das Schicksal aller Proletarier und um bei diesem Deal einen möglichst hohen Preis zu erzielen, schufen sie sich ihre Gewerkschaften.

Der beklagenswerte Zustand dieser Klassenorganisationen hat viele „Linke“ dazu verführt, diese umstandslos den „Herrschenden“ zuzurechnen oder aber sie lediglich als „politische Randnotiz“ zur Kenntnis zu nehmen. Wir lehnen eine solche Haltung ebenso ab, wie die Anbiederung an die derzeitige Politik der Spitzenfunktionäre des DGB. Auch wenn die Politik der Gewerkschaftsführung diese Organisationen teilweise demoralisiert hat und ihre Kraft bedrohlich minderte, auch wenn sie unfähig waren, einen eigenen
Aktionsplan gegen die Krise auszuarbeiten und stattdessen die Krise fälschlicherweise auf subjektives Versagen der „bösen Banker“ zurückführten, bleiben sie die Organisationen der arbeitenden Menschen.
Viele tausend Gewerkschaftskolle/ginnen sind heute davon überzeugt, dass die bisherigen Rituale nichts mehr erreichen und sind bereit, nach neuen Aktions-und Durchsetzungsformen Aussschau zu halten. Ihnen gilt unsere Aufmerksamkeit und Symphathie, denn sie bilden das Potenzial zum Aufbau einer kämpferischen
Interessenvertretung.
Wir alle brauchen heute eine Gewerkschaftspolitik, die der weiteren Spaltung der Beschäftigtengruppen, weiteren Lohnsenkungen und Ausweitung der prekären Beschäftigung sowie Massenentlassungen einen entschlossenen Widerstand entgegensetzt.
An der Arbeitskraft hängen lebendige Menschen und daher ist unser Lebensschicksal zu wertvoll, um es ihnen als Verhandlungsmasse zur beliebigen Verwendung zu überlassen. Branchenübergreifend müssen wir zu einer Macht werden, mit der die Herrschenden zu rechnen haben, denn IHR und WIR sind es wert, anders zu leben als SIE es planen.

Köln, 27. März
Arbeitsausschuss der Sozialistischen Kooperation (SoKo)

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • email
  • Tumblr
  • Wikio
  • del.icio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • PDF

13 Antworten auf „SoKo-Erklärung zur aktuellen Warnstreikwelle im öffentlichen Dienst…“


  1. 1 ulf 28. März 2012 um 23:05 Uhr

    „Von 1997 bis 2000 war er im Personal- und Organisationsdezernat der Stadt Hannover tätig. Dort begann er einige Reformprojekte (etwa kundenfreundliche Bürgerämter), sorgte allerdings auch für den Abbau von fast 1.000 Stellen unter den damals 16.000 Beschäftigten der Landeshauptstadt.“
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Bsirske
    also 1000, nicht 16000

  2. 2 NN 29. März 2012 um 0:24 Uhr

    Wenn es etwas gibt, dass es wert ist, dann sind das die Forderungen der Gewerkschaften, für die Hundertausende auf die Straße gehen. Diese Forderungen tauchen mit keiner einzigen Silbe in diesem Dokument auf. Was in diesem Dokument auftaucht, sind ellenlange Beschimpfungen von Personen und Organisationen. Die Forderungen der Gewerkschaften SIND ES WERT, dass die Linken geschlossen dahinterstehen und Himmel und Erde in Bewegung setzen, um diesen Kampf zu stärken. 200 € Festgeld mindestens SIND ES WERT, dass die Linken sich zusammenreißen und sich dafür den Arsch aufreißen.

    Das Beste an diesem Dokument ist noch, dass dieses Dokument offen vorliegt. Wenn es dann was bewirkt, hätte es dann noch einen Nutzen gehabt.

  3. 3 Frank Braun 29. März 2012 um 8:39 Uhr

    Hallo Ulf,

    danke für die Korrektur. Das stimmt natürlich. Da ist wohl bei der Schlußüberarbeitung irgendwas verdreht worden…

    Gruß
    Frank Bran, SoKo, Köln

  4. 4 Reiner 29. März 2012 um 13:06 Uhr

    @NN
    Wenn es etwas gibt, dass es wert ist, dann sind das die Forderungen der Gewerkschaften, für die Hundertausende auf die Straße gehen. Diese Forderungen tauchen mit keiner einzigen Silbe in diesem Dokument auf. Was in diesem Dokument auftaucht, sind ellenlange Beschimpfungen von Personen und Organisationen. Die Forderungen der Gewerkschaften SIND ES WERT, dass die Linken geschlossen dahinterstehen und Himmel und Erde in Bewegung setzen, um diesen Kampf zu stärken. 200 € Festgeld

    Die Forderungen stehen nicht in der Kritik, sondern das was in den letzten Jahren durchgesetzt wurde. Die nationalistische Standortpolitik der DGB-Gewerkschaften hat zu einem Niedriglohnsektor geführt, indem zur Zeit über 8 Millionen Menschen beschäftigt sind. Dieser Niedriglohnsektors zusammen mit der Hatz IV Gesetzgebung hat zu den großen Exporterfolgen des deutschen Kapitals geführt. Wohlgemerkt, „Exporterfolge des deutschen Kapitals“, nicht Deutschlands, denn diese Exporterfolge haben Millionen Menschen mit Armut, staatlichen Repressionen (Harz IV) und 10 Jahre Stagnation bei den Löhnen bezahlt.
    Ich war 25 Jahre Gewerkschaftsmitglied und 6 Jahre Betriebsrat, Mitbestimmung bringt in meinen Augen nur Korruption. Sowohl auf ebene der Gewerkschaft wie der Betriebsräte. Unter kapitalistischen Verhältnissen bringt die Mitbestimmung den Lohnabhängigen daher nur Nachteile. Im Kapitalismus muss eine Gewerkschaft eine Kampforganisation sein, will sie Erfolge erzielen.

  5. 5 ulf 29. März 2012 um 19:26 Uhr

    hallo frank braun,

    dann den sachverhalt bitte auch im text editieren.

  6. 6 frank_braun_soko 29. März 2012 um 23:56 Uhr

    Hallo Ulf,

    gut, daß dies hier geht. Habe diese Möglichkeit gerade erst entdeckt und, ich denke, erfolgreich ausprobiert …
    Allein, der Sachverhalt unserer Stellungnahme bleibt damit, trotz Fehler, gleichwohl gültig. Unsere Erklärung hat ihre Bedeutung, weil
    --- wir wir erstens in diesem blog ‚Klassenorientierung‘ gerne auch praktisch exemplifizieren möchten und uns im Übrigen dabei in der Nachbarschaft der bisher naO-Bekennenden gut aufgehoben fühlen;
    --- und weil wir, zweitens, in unserer unmittelbaren politischen Praxis vor Ort bemerken, daß es sich gerade bei gewerkschaftlichen Mobilisierungen ganz gut macht, wenn Roß und Reiter genannt wird.

    Gruß
    Frank

  7. 7 NN 30. März 2012 um 8:40 Uhr

    Hallo Reiner,

    jeder Anführer, jeder Heerführer – der irgendwie auch nur bei Sinn und Verstand ist – wird nicht mitten im Kampfgetümmel die eigenen Reihen aufmischen und vergangene Rechnungen präsentieren. Ganz klar: beim Arbeitsausschuss der SoKo kann ich weder Sinn noch Verstand entdecken – sehr wohl dagegen (fürchte ich) eine ganz bestimmte billige Politik.

    Wir alle beklagen die prekären Lohnverhältnisse. Jetzt zieht die Gewerkschaft mit einer Festgeldforderung in den Kampf, die diesem schwarzen Loch entgegenwirkt. Oh ja, es besteht mehr als nur die Gefahr, dass es genau diese Forderung ist, die in Gefahr gerät. Radikale Linke sollten aber auch alles dazu beitragen, diese Front zu befestigen. Es dann geht überhaupt nicht, mitten im Kampf die eigenen Reihen aufzumischen, indem die eigenen Reihen (=Gewerkschaften)schlecht macht.

    Nochmals: die Botschaft des Arbeitsausschuss, während Hunderttausende auf die Straße gehen, wir haben es Euch gleich gesagt, bei den Führungen wird das nix, ihr braucht uns.

    Und ihr lasst so was durchgehen?

    Gruß

  8. 8 Reiner 30. März 2012 um 20:16 Uhr

    Hallo NN
    Nicht die Reihen (die Arbeiter) müssen aufgemischt werden, sondern die der Heerführer. Wir haben heute die absurde Situation, dass das Einkommen nur aus Kapitalvermögen der Gewerkschaftsführers (Heerführer) über den Durchschnittseinkommen derer liegt, die sie vertreten sollten. Arbeiter lassen also ihre Interessen von Millionären (Kapitalisten) vertreten. Wenn diese Gewerkschaftsführer ihre Aufgabe ernst nehmen und tatsächlich Reallohnsteigerungen für die Massen durchsetzen, schmälern sie aller Wahrscheinlichkeit ihre eigenen Einkommen aus Kapitalvermögen. Starke und erfolgreiche Gewerkschaften wirken nun mal negativ auf die Börsenkurse und den Kapitalmarkt. Was an Löhnen ausbezahlt wird, reduziert nun mal die Gewinne. Gewinne aus Kapitalanlagen sind Geldschöpfung, Wert kann nur durch Arbeit hinzugefügt werten. Das heißt der Anteil des Arbeiters an der Wertschöpfung muss um den Teil verringert werden, um den Gewinne aus Kapitalanlagen steigen.
    Diese Systematik wirkt vor allem langfristig. Selbst wenn dieses Jahr ein annehmbarer Tarifabschluß erreicht wird, gilt, spätestens nach der nächsten Bundestagswahl werden wir griechische Verhältnisse haben. Das heißt die Schuldenbremse greift und damit Lohnkürzungen, Rentenkürzungen, Sozialkahlschlag.
    Schließlich muss den Schrottpapieren, die in den Banken lagern so viel wie möglich Wert aus Arbeit hinzugefügt werden.

  9. 9 Horst Hilse 01. April 2012 um 10:41 Uhr

    Anmerkungen zur vorgebrachten Kritik

    1) Der Vergleich mit den „Heerführern“ ist in keiner Weise haltbar. Ein Heerführer setzt auf Sieg in der Schlacht; wäre dem so, so müssten die Gewerkschaften bei einer Ablehnung ihrer Forderungen unmittelbar und sofort zum Barrikadenbau übergehen, die Unternehmerzentralen stürmen und besetzen. Jenseits romantischer Schlachtenbilder ist die Rolle der Gewerkschaften nach marxistischem Verständnis etwas anders gelagert: Sie sind darum bemüht, die Ware Arbeitskraft in gebündelter Form zu einem möglichst hohen Preis an den Klassengegner zu verkaufen. Je besser ihnen die organisierte Zusammenfassung gelingt, umso mehr sind sie in der Lage, die Klassengegner daran zu hindern, die Arbeitskraft zu Hungerlöhnen ausnutzen zu können. Deshalb ist jeder Tarifkampf immer und notwendigerweise auf einen Kompromiss angelegt, da am Ende der Preisfeilscherei ein „Kaufvertrag“ stehen muss, der den Preis der Ware Arbeitskraft mitsamt den Nutzungsbedingungen für eine gewisse Laufzeit festlegt. Dieser Vorgang ist ein völlig systemkonformer und läuft unter stinknormalen kapitalistischen Marktbedingungen ab.

    Nur nebenbei: Es ist ja die Crux, dass viele linke Politiker, die eine gewerkschaftliche Sozialisation mitbringen, sich fälschlicherweise im politischen Raum ebenso verhalten und dabei missachten, dass hier nicht die Kompromissbildung mit dem Gegner am Ende stehen sollte….

    2) Zum „Aufmischen der eigenen Reihen“ – Jenseits eines dermassen dramatisierenden Sprachgebrauchs scheint damit das Verstärken von Zweifeln an der eigenen Sache unter der Masse der Kämpfenden gemeint sein. Dazu: Soko hat diese Erklärung weder als Flyer in den Betrieben, noch in Betriebszeitungen verteilt. Wir haben die Erklärung (hierbei spielt das Datum eine Rolle !) am Vorabend der neuen Verhandlungsrunde rausgegeben. Damit konnte sie auch nicht im obigen Sinne „missbraucht“ werden.

    Generell: Je mehr Menschen in Kämpfe eintreten, umso irriger ist die Forderung, dass alle sich hinter der Führung zu scharen hätten… Da in einem solchen Kampf unterschiedliche Interessen und unterschiedliche Bewusstseinsprägungen in Bewegung geraten, ist die Forderung nach monolithischer Einheit nur repressiv – d.h. mit Denk-Verboten und Ausgrenzungen durchsetzbar. Das Standardargument (nicht nur in der DDR immer wieder vorgetragen) lautete dabei immer: Deine Kritik mag berechtigt sein, aber sie darf nicht öffentlich vorgetragen werden, da dies nur dem Gegner nutzt…

    Das Gegenteil ist der Fall: Diese Argumentation schwächt das eigene Lager, das dann nicht mehr mittels freier Argumentation und der damit verbundenen Überzeugungskraft (nicht „überreden“ ist hier gemeint) agiert, sondern mit Tricksereien, die die Glaubwürdigkeit der eigenen Sache minimieren. Eine ausführlichere Debatte wird im weiteren NaO Prozess dazu noch differenziert zu führen sein und hängt mit Fragen sozialistischer Verfassungen und der sozialistischen Demokratie zusammen.

    3) Zu „Präsentation vergangener Rechnungen“ bleibt zu sagen, dass diese Rechnungen keineswegs „vergangen“ sind, sondern sich immer weiter fortsetzen. Man frage mal einen französischen oder einen belgischen oder holländischen Arbeiter, was er von den Spitzenverdienern im DGB-Vorstand hält? In all diesen Ländern sind die Gehälter auf doppelte oder dreifache Gehälter des durchschnittlichen Facharbeiterlohns begrenzt. Der rasante und fulminante Aufstieg der niederländischen SP zur zweistärksten Partei beruht ja beispielsweise u.a. grade darauf, dass ihre Abgeordneten mit der Organisation einen Vertrag abschließen müssen, wo sie die bürgerlichen Korruptionsgelder ab einer gewissen Höhe der Organisation übereignen müssen. Damit haben sie die anderen Parteien derart unter Druck gesetzt, dass jetzt deren Mitglieder ähnliches fordern und eine ehemals kleine Splittergruppe nun zum Parteienvorbild eines Landes avanciert ist. Auch dies eine anstehende Debatte bei NaO : Mit welchen organisatorischen Festlegungen vermeidet man das persönliche Karrieristentum und die damit verbundene Abschottung einer Polit-Kaste aus finanziellen Gründen?

    4) Zur Unterstellung, wir hätten die neue Gewerkschaftsführung in der Tasche. Schön wär`s ja. Wir von der SOKO sind der Auffassung, dass angesichts der bevorstehenden weiteren offensiven Angriffe auf bisherige Errungenschaften die DGB-Gewerkschaften aktuell völlig unzureichend gerüstet sind. Dies liegt u.E. nicht in erster Linie an dem Verhalten der breiten Mitgliedschaft, sondern an der Weigerung, den- wenn auch in begrenzter Form – bestehenden und nun seit Jahren immer wieder aufflackernden Kampfwillen, in eine Kampagnenform der ganzen Organisation zu überführen.
    Wir in SOKO sind der Meinung, dass wir eine grundlegend andere Politik der Gewerkschaften dringend benötigen. Man stelle sich vor, was geschehen wäre, wenn Bsirske nun am Verhandlungstisch mal den Herrn Mai vom Unternehmerlager nach dem Streikverbot bei Fraport gefragt hätte – übrigens keineswegs eine „alte Rechnung“ –
    Was wäre geschehen, wenn die Protestbewegung gegen den Wahnsinn bei Stuttgart21 gewerkschaftlich durch Warnstreiks gefördert worden wäre, wenn 2006 die ansetzende Massenmobilisierung gegen das Hartz-Regime mit vielen gewerkschaftlichen Kräften unterstützt worden wäre, wenn …,wenn…
    wenn… Ja, wir wollen eine andere Politik unserer Gewerkschaften, weil wir eine andere Politik brauchen. Mit „wir“ sind dabei nicht nur die Mitglieder von SOKO gemeint…

    Horst Hilse, SoKo-Köln

  10. 10 systemcrash 01. April 2012 um 11:55 Uhr
  11. 11 NN 01. April 2012 um 14:34 Uhr

    Wir alle brauchen heute eine Gewerkschaftspolitik, die der weiteren Spaltung der Beschäftigtengruppen, weiteren Lohnsenkungen und Ausweitung der prekären Beschäftigung sowie Massenentlassungen einen entschlossenen Widerstand entgegensetzt.

    Wenn das vorgelegte Papier sich doch nur an diesen Rahmen gehalten hätte, wenn es das doch nur getan hätte!!

    Also Leute – ich verstehe es nicht! Da fordert die Gewerkschaft für den Öffentlichen Dienst mindestens 200 € Festgeld und setzt damit gegen den Niedriglohnsektor, den prekären Beschäftigungsverhältnissen nach langer Zeit wieder einen hohen Festbetrag, der ein wirklicher Fortschritt darstellte, und die radikale Linke – der fällt nix besseres ein, als über irgendwelche Personen zu sinnieren, anstatt alles Erdenkliche zu unternehmen, um genau diese Front zu stützen und zu stärken?? Ging es in der Tarifauseinandersetzung um Mai, Bsirske, Klaus Ernst oder um mindestens 200 €!

    Mai kommt, Mai geht. So what. Der Festgeldbestandteil und seine Durchsetzung – das und nur das hätte Pflöcke gegen den Niedriglohnsektor gesetzt. Und das zu unterstützen – das ist doch unbestritten die Aufgabe der radikalen Linke im aktuellen Lohnkampf (gewesen). Und nicht die Debatte zu Personen. Und wie man sieht, eine riesige Aufgabe, die diesmal unerledigt blieb.

    Aber davon steht in der Erklärung nix, dafür aufmunternd vom beklagenswerten Zustand der Gewerkschaften – und das mitten in der Tarifauseinander. („Liebe Hunderttausende, die ihr auf die Straße geht, ihr habt beklagenswerte Gewerkschaften“)

    Das Beste an dieasem Dokument ist noch, dass dieses Dokument offen vorliegt.

    Ich wiederhole es gerne noch einmal (aus der Erklärung):

    Wir alle brauchen heute eine Gewerkschaftspolitik, die der weiteren Spaltung der Beschäftigtengruppen, weiteren Lohnsenkungen und Ausweitung der prekären Beschäftigung sowie Massenentlassungen einen entschlossenen Widerstand entgegensetzt.

    Das – und nicht die Debatte um Personen und Abrechnung mit Personen – ist das eigentliche Schlachtfeld!

  12. 12 Fank Braun 01. April 2012 um 19:28 Uhr

    Liebe/r N.N.,

    wenn ich richtig orientiert bin, sollten wir uns vor ein paar Jährchen schon einmal begegnet sein. Warst du es nicht, der/die mehr oder minder regelmäßig den Weg vom ‚Zieglerbräu zur Stadthalle‘ in Heidelberg gegangen bist, wie ich in irgendeinem Kommentar hier in diesem blog gelesen zu haben erinnere ?
    Ich schließe daraus, du gehörst wie ich, als so um 60-jährig, zu den älteren aus früheren maoistischen Zusammenhängen.

    Dann aber solltest du dich erinnern, wir haben uns alle damals sehr damit beschäftigt, wie es mit der Geschichte der Festgeldforderungen so ausgesehen hat: Wenn seitens der Gewerkschaftsführungen überhaupt akzeptiert, dann aber während der Tarifkämpfe in die zweite Reihe gerückt und schließlich regelmäßig fallen gelassen.

    Zufall ? Eher ist es doch auf einen Seite politisches Kalkül von denen, damit die Beschäftigten der unteren Gehaltsgruppen mitmischen – es sind ja schließlich viele Aktive darunter, die es nötig haben. Auf deren anderen Seite gegenüber dem Verhandlungsgegner ist das dann ein Teil von leicht opferbarer Verhandlungsmasse – ein Mittel der Spaltung eben. Davon können ältere KollegInnen aus dem Druckgewerbe (z.B. vormals aus IG Druck & Papier) ein Liedchen trällern.

    Das von dir referenzierte Zitat aus der SoKo-Erklärung äußert natürlich Zweifel am ‚Kampfeswillen‘ der Brsiske-Leute. Das ist auch richtig so. Denn ohne die an die Seite zu schieben, zugunsten eigener Basis-Initiativen und wenn nötig auch ohne und gegen die Gewerkschaftsführung, wird es nichts mit nachhaltiger gewerkschaftlicher Gegenmacht.

    Das ist aber auch eine politische Auseinandersetzung mit der Sozialdemokratie und grünen ‚Modernisierern‘ von Schlage Brsiskes. Die ist leider in den letzten Jahren so intensiv nicht geführt worden und im gleichen Maß sind die Möglichkeiten der Gewerkschaften heute deutlich schwächer.

    Sind Tarifauseinandersetzungen nicht hervorragende Gelegenheiten, dies deutlich zu machen ? Vorher, während und danach. Zumal, ausgerechnet die 200 Euro Festgeldforderung wurde ja jetzt auch wieder glatt fallen gelassen, trotz offensichtlich recht hoher Bereitschaft bei den Mitgliedern in den Warnstreiks ?

    Meint freundlich grüßend
    Frank Braun, SoKo, Köln

  1. 1 SoKo-Erklärung zur aktuellen Warnstreikwelle im öffentlichen Dienst « WAS TUN: PLATTFORM FÜR MARXISTISCHE KONVERGENZ Pingback am 28. März 2012 um 21:24 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.



ORGANISIERUNGSDEBATTE: