Vorwärts in die Sackgasse? – Dan DiMaggio (Ex-“Socialist Alternative“, US-Sektion des CWI) schlägt eine Alternative vor

Eine Alternative aufbauen

„Es ist eine ernste Sache, eines Mannes Glauben zu zerstören, ohne ihn zu ersetzen.“ – Victor Serge, Die Geburt unserer Macht

Ein Freund sagte neulich zu mir: „Ich bin bereit, dieser Bewegung mein Leben zu widmen – ich möchte nur, dass sie auch eine Chance auf Erfolg hat.“
Wir haben auf jeden Fall eine Chance auf Erfolg. Ich bin vollkommen überzeugt vom revolutionären Potenzial in diesem Land und auf der Welt. Ich bin überzeugt, dass es Tausende von Menschen gibt, die in diesem Moment irgendeiner sozialistischen Bewegung beitreten wollen, deren Möglichkeiten und Talente jedoch verschwendet werden, weil sie nicht organisiert sind, oder weil sie meinen, dass die derzeitigen organisatorischen Formen keine „Chance auf Erfolg“ haben. Ich bin überzeugt, dass es viele andere gibt, die zwar noch keine Sozialisten sind, die aber eine mächtige, progressive Linke aufbauen wollen. Während die Krise des Kapitalismus die Lebensumstände Vieler verschlimmert und die Kluft zwischen wenigen Reichen und der armen Mehrheit sich weiter verbreitert, wachsen diese Lager von potenziellen Progressiven, Radikalen und Sozialisten.
Die Aufgabe, vor der heutige Sozialisten stehen, ist der Aufbau einer glaubhaften Bewegung, die die Möglichkeiten all derer produktiv nutzen kann, die für einen revolutionären Wandel kämpfen wollen. Zurzeit ist ein großes Problem, dass es zwar zweifellos Millionen von Menschen in diesem Land gibt, die zu dem Ergebnis gekommen sind, dass der Kapitalismus ungerecht ist, oder dass er einfach nicht funktioniert, dass aber viele das Gefühl zu haben scheinen, dass die Mühe, für eine Systemalternative zu kämpfen, hoffnungslos ist; darum schuften sie entweder innerhalb des Systems, um es zusammenzuflicken, oder sie verfallen dem Zynismus und der Passivität. Man kann sich nicht ewig aussichtslos dagegen werfen (obwohl es viel über die hohen Ideale derer zu sagen gibt, die genau dies tun). Und bedenkt man, wie schwierig es ist, in diesem System nur zu überleben – warum sollten Arbeiter und andere ihre Energie darauf verwenden sich selbst gegen einen Feind zu werfen, von dem sie nicht glauben, dass wir ihn wirklich besiegen können?
Ich bin überzeugt, dass dieses Potenzial nur nutzbar gemacht, und der Zynismus überwunden, werden kann, wenn wir die großen Fragen stellen. Ich bin voll und ganz überzeugt, dass die weitere Existenz von vielen kleinen konkurrierenden Gruppen eine schlechte Idee ist, eine, die hinterfragt und aufgebrochen werden muss, oder irgendwie überwunden. Ich bin überzeugt, dass, ganz egal, wie ideologisch überzeugt sie sind, sich die meisten Menschen keiner Bewegung hingeben werden, die anscheinend keine Chance auf Erfolg hat, oder die routinemäßig die wertvollen Möglichkeiten ihrer Mitglieder verschwendet.
Diejenigen von uns, die momentan in der sozialistischen Bewegung oder an ihren Rändern sind, müssen eine kritische Rolle spielen. Während die meisten der besten Kräfte für einen Sozialismus in diesem Land von neuen, frisch radikalisierten Schichten kommen werden, wird eine sozialistische Bewegung nicht einfach vom Himmel fallen. Deswegen ist es sehr wichtig, was diejenigen von uns tun, die momentan in der Bewegung sind. Normalerweise verstehen wir das so, dass wir härter arbeiten müssen, um unsere bestehenden Gruppen aufzubauen. Doch wenn wir unser Gerüst auf Sand bauen, werden alle unsere Versuche nur wenig bewirken. Es spricht vieles für die Joe Ramseys15 Worte im Vorwort zu dieser Ausgabe von Cultural Logic: „Vielleicht ist das Wichtigste, das wir jetzt tun können, das Terrain zu analysieren, auf dem wir stehen, herauszufinden, was Boden und was Sand ist, die uns bekannten Einbahnstraßen zu markieren, und zu versuchen, neue und frische Wege zu offenen und nutzbareren Böden zu finden.“
Manchmal lässt die Kritik an der sozialistischen Bewegung es so erscheinen, als ob das Beste wäre, wenn die bestehenden Gruppen einfach auseinanderfallen und verschwinden würden, teils, weil sie als Hindernis in einem solchen Prozess des Überdenkens gesehen werden. Das ist nicht meine Haltung. Trotz allem, was ich oben geschrieben habe, habe ich mehr Respekt vor diesen Mitgliedern der heutigen „Mikro-Sekten“, die tatsächlich versuchen, hinaus zu gehen und für sozialistische Ideen zu kämpfen, als vor den Lehnstuhl-Kritikern, die es scheinbar immer besser zu wissen. Trotz all ihrer Schwächen stellen die bestehenden Gruppen neuen Aktiven Erfahrung und Einarbeitung – beim Schreiben von Artikeln und Flugblättern, beim Plakate-Entwerfen, beim Stellen von Bittschriften, beim Organisieren – genauso wie eine grundlegende sozialistische Bildung bereit. Diese Dinge kann man von keinem Blog und keiner Webseite erhalten. Selbst der Verkauf mittelmäßiger Zeitungen hat seine Vorteile: Es ist gut, dass jemand bei Demonstrationen sozialistische Ideen verbreitet und versucht, die Teilnehmer zu organisieren und sie in einen Langzeit-Aktivismus zu verwickeln. Ein Freund, der ein ernsthafter Aktivist ist, der überlegt, der sozialistischen Bewegung beizutreten, erzählte mir neulich, dass er eher „eine Mikro-Sekte aufbauen würde, als gar nichts.“ Und er hat Recht. Das Problem ist, dass so ein großer Teil des Aufbaus von Mikro-Sekten darin besteht, sich selbst von anderen Gruppen zu unterscheiden und die Existenz der eigenen Organisation zu rechtfertigen, dass die Möglichkeiten sehr begrenzt sind.
Anstelle eines herablassenden Herangehens, dass die Mitglieder bestehender „Mikro-Sekten“ einfach abschreibt, brauchen wir einen kritischen Dialog mit (und unter!) ihnen. Dies bedeutet nicht, dass ich glaube, dass eine „Umgruppierung“ durch ein Zusammenfassen der bestehenden sozialistischen Linken in eine gemeinsame Organisation der Schlüssel zum Erfolg wäre. Jeder, der sich mit klarem Blick in der sozialistischen Linken umschaut, wird zu Recht fragen: „Du denkst, diese Menschen zu vereinen, ist die Lösung?“ Das denke ich nicht. Viele sozialistische Aktive sind in ihrer Art gefangen, zu involviert in ihren eigenen Gruppen, und unfähig, die komplexen Probleme, vor denen wir stehen, kreativ zu durchdenken. Viele andere sind sozialisierte Sektierer und erscheinen unfähig, mit realen menschlichen Wesen zu interagieren. Ich stimme Mike Ely vom Kasama Projekt16 zu, der schreibt, dass er sicher ist, dass es „Taschen voller Kreativität in der organisierten Linken gibt. Aber ich glaube auch, dass ein großer Teil der organisierten Linken erschöpft und relativ ahnungslos in dem ist, wie sie sich selbst vorstellt und definiert. Die meisten linken Projekte laufen mit Routine, Selbsttäuschung und Dampf. Und ich denke nicht, dass die neue revolutionäre Bewegung hauptsächlich aus diesen bestehenden linken Bunkern erstehen wird.“ Stattdessen werden die Schlüsselimpulse hauptsächlich von Menschen kommen, die heute außerhalb der Bewegung stehen, im Besonderen von jüngeren Generationen, die nicht den Koffer der bestehenden Gruppen mitschleppen, und die erfüllt sind von der Energie, dem Optimismus und der nötigen Kreativität, die nötig sind, um sich der mühsamen Aufgabe anzunehmen, eine lebensfähige sozialistische Bewegung aufzubauen.
Diese Jungen Kräfte werden aber nicht einfach automatisch ihren Weg zum Marxismus oder Sozialismus finden – sie müssen irgendwie an ihn herangeführt werden. Wir arbeiten mit begrenztem menschlichem Material, und die derzeit Aktiven in den vielen winzigen Gruppen besitzen wichtiges angehäuftes Wissen und gesammelte Erfahrung. Deswegen halte ich es für so wichtig, einen Diskussionsprozess unter den Mitgliedern der bestehenden Gruppen zu beginnen, in der Hoffnung, etwas aufzubauen, das eine attraktive Kraft sein kann, die junge und potenzielle Aktive erreichen kann. Wenn eine genügende Anzahl dieser Menschen gewonnen und überzeugt werden könnte, genauso viel Zeit damit zu verbringen, zu überlegen, wie eine breitere sozialistische Bewegung aufgebaut werden kann, wie sie zurzeit damit verbringen, ihre eigenen winzigen Organisationen zu verbreiten, wäre das ein bedeutender Schritt vorwärts. Vielleicht bin ich naiv, aber die Tatsache, dass die sozialistische Bewegung größtenteils aus jungen Generationen besteht, für die die Fragen, die Gruppen voneinander trennen, hauptsächlich von historischer Bedeutung sind, bedeutet, dass nun auch mehr Möglichkeiten vorhanden sind, dass dies geschieht.
Man mag behaupten, dass „Mikro-Sekten“ das Einzige sind, was unter dem momentanen Status allgemeiner Schwäche in der Linken, so gut wie keinen Massenkämpfen und einem geringen Bewusstsein überhaupt herauskommen kann. Marx schrieb 1871: „Solange wie die Sekten (historisch) gerechtfertigt sind, ist die Arbeiterklasse noch nicht reif für eine unabhängige historische Bewegung.“ Die Umkehrung ist ebenso gültig. Diesem Argument zufolge ist der Versuch, die Sache [Überwindung des Sektenwesens, Anm. d. Übs.] und eine breitere Organisation aufzubauen, ein „voluntaristischer“ Fehler, der eine Bedrohung für den Kern der Revolutionäre darstellt, die auf der Suche nach einer nicht-existenten breiten Linken sind. Stattdessen ist es besser, es auszusitzen und sich auf den Aufbau der eigenen Organisation zu konzentrieren, bis die Kämpfe beginnen.
Dies ist immer eine Möglichkeit, aber es ist auch eine Ausflucht. Anstelle eines kritischen Denkens, werden damit die bestehenden Organisationsformen naturalisiert, die nicht nur Widerspiegelungen der derzeitigen Umstände sind, sondern ganz spezifische Produkte einer gequälten Geschichte repräsentieren. Man muss demzufolge annehmen, dass, sobald sich diese Umstände ändern und die Kämpfe beginnen, sich unsere derzeitigen Organisationsformen mit ihnen ändern werden. Ich bin pessimistisch in Bezug auf solche Ausblicke. Schlussendlich gibt es absurde Formen des „Voluntarismus“, die darin begründet sind, die momentan bestehende Organisation der sozialistischen Linken zu akzeptieren: Dies Verhalten generiert eine Hyperaktivität beim Aufbau der eigenen Gruppe ebenso wie die Idee, dass eine lebensfähige sozialistische schon irgendwie aufgebaut werden wird, obwohl man selbst den Rest der existierenden sozialistischen Linken abschreibt. Sozialisten ziehen eine riesige Motivation aus den immensen Ungerechtigkeiten, die wir in der Welt um uns herum sehen, und aus dem noch schlimmeren Albtraum, dem der Kapitalismus in Zukunft zum Aufstieg helfen wird. Wir fühlen uns normalerweise, als ob wir in uns in einem endlosen Rennen gegen die Zeit befänden, und als ob wir die Bewegung (unsere Gruppen) so dringend wie möglich aufbauen müssen. Aber was, wenn wir immer wieder in dieses Rennen gegen die Zeit zurückfallen, weil wir Menschen durch die uns selbst auferlegten organisatorischen Grenzen verlieren?
Selbst wenn es der Fall ist, dass „Mikro-Sekten“ alles sind, was zurzeit aufgebaut werden kann – lasst sie weniger anmaßend, weniger sektiererisch sein, offener, miteinander zu arbeiten und bewusster über ihre eigenen, innewohnenden Schwächen (nicht, um sie zu demoralisieren, sondern um sie die Rolle, die sie spielen, verständlicher werden zu lassen). Lasst sie all ihre Methoden kritisch auswerten, effektivere Formen suchen und sich wirklich fragen, ob sie den Weg für etwas Besseres in der Zukunft ebnen. Ich glaube weder, dass das zu viel verlangt ist, noch glaube ich, dass ich naiv bin, zu glauben, dass es viele Menschen in den heutigen sozialistischen Gruppen gibt, die solch einem Vorschlag offen gegenüber stehen.
Die Ideen, die ich vorstelle, implizieren die Existenz einer breiteren Schicht von Menschen, die dem Beitritt einer sozialistischen Gruppe offen gegenüber ständen, wenn diese Gruppen nur eine andere Form als die heutigen hätten. Ist das so oder befinde ich mich in einem Tagtraum? Ich denke, dass eine beachtliche Anzahl an solchen Menschen existiert, aber durch meine jahrelangen Kämpfe, um die sozialistische Bewegung und andere Aktivisten-Organisationen aufzubauen, bin ich auch skeptisch geworden. Die radikale Linke ist winzig, und kein organisatorisches Schema wird das in der nahen Zukunft ändern können. Aber ich bin auch überzeugt, dass die Anzahl der Menschen, die antikapitalistischen und sozialistischen Ideen gegenüber offen sind, unter dem Einfluss der Wirtschaftskrise und der wachsenden Unzufriedenheit mit der Politik der Obama-Regierung anwächst. Einstweilen haben „die verschiedenen Sekten keine attraktive Macht“.
Diese Menschen brauchen ein Zuhause, eine Organisation, in der sie sich politisch entwickeln können, Erfahrungen und Ideen mit anderen austauschen können, sich in den Aktivismus einarbeiten können, in Kampagnen involviert und sozialistische (oder auch nur schwammige antikapitalistische) Ideen auf kreative Art weitertragen können. Die winzigen sozialistischen Organisationen von heute bieten dies zum Teil, aber schlussendlich füllen sie sich halb widersprechende Rollen aus – sie rekrutieren Menschen, für die Aktivismus etwas Neues ist (ganz zu schweigen vom Sozialismus) und versuchen doch, sie von einer ganz bestimmten „Linie“ zu überzeugen. Dies ist zum Teil ein notwendiges Übel, dem Fehlen von Massenorganisationen verschuldet, im Besonderen dem Fehlen einer linken politischen Massenpartei. Aber letztlich stehen diese Rollen im Konflikt miteinander, und am Ende leidet jeder. Diejenigen, die neu von der sozialistischen Bewegung rekrutiert werden, treten Gruppen mit einem Programm bei, dass sie unmöglich verstehen können. Währenddessen verwenden die führenden Mitglieder (Kader) in bestehenden Gruppen einen übermäßigen Fleiß darauf, die neuen Mitglieder zu „bilden“, von denen sich die meisten aus den verschiedensten Gründen wieder verabschieden werden. Solche Gründe sind vor allem die Komplexität der heutigen politischen Periode und die allgemeine Schwäche der Linken. Doch sie verabschieden sich auch, weil sie verständlicherweise Zweifel an der spezifischen Organisation, die sie aufbauen, entwickeln. Die „Bildung“ ist oft ein Prozess von oben nach unten, der junge Menschen davon abhalten kann, sich zu fühlen, als ob sie auch neue und kreative, qualitative Beiträge leisten können. Junge Aktive oder Arbeiter kommen in Gruppen, in denen alle wichtigen Entscheidungen schon getroffen wurden, und fühlen sich dann verpflichtet, diese Entscheidungen zu verteidigen. Es ist, als ob man eine komplett neue, schlechtsitzende Garderobe übergeben bekommt – „Hier, zieh das an“ – mit der Erwartung, sofort hineinzuwachsen. Manche können das – die meisten würden sich unwohl fühlen, die Garderobe schließlich wegschmeißen, und stinksauer auf denjenigen sein, der sie zwang, sich so anzuziehen, oder sie würden beschämt sein, dass sie sich nicht den Klamotten anpassen konnten. Weil es keine Alternative zum Beitritt gibt (außer die anderen winzigen sozialistischen Gruppen, die oft die gleichen Probleme haben), kann dieser Prozess sie von der gesamten sozialistischen Bewegung entfremden und somit gehen der Bewegung weitere wertvolle Ressourcen verloren.
Ist die Lösung des Problems, es wie manche Gruppen zu tun, eine höhere Eintrittsschwelle für die Rekrutierung zu setzen? Manche Gruppen debattieren ein Jahr lang mit potenziellen Mitgliedern, bevor sie die Mitgliedschaft bestätigen. Und doch sind dies oft dieselben Gruppen, die sich dann in einer Massenbewegung vergraben und kaum das Banner des Sozialismus hochhalten. Das Problem dieser Methode ist Folgendes: Angenommen, es gibt da draußen viele Menschen, die interessiert daran sind, der sozialistischen Bewegung beizutreten und bei ihrem Aufbau aktiv zu werden, dann wäre es gut, sie gleich jetzt mit einzubeziehen, und sie nicht durch Reifen springen zu lassen, bevor sie autorisiert werden, zu helfen. Ideologische Herangehensweisen an den Sozialismus haben ihren Platz, im Besonderen, wenn man die heutige Weltkrise des Kapitalismus bedenkt. Das soll nicht heißen, dass wir „Sozialismus“ von den Dächern schreien und denken müssen, dies sei die beste Art, die Bewegung aufzubauen; sie wird sich stattdessen zum großen Teil organisch aus Massenkämpfen entwickeln. Trotzdem sehen viele Menschen das größte Problem mancher „Sekten“, viel größer als die Punkte, die ich angesprochen habe, darin, dass sie mutig das Banner des Sozialismus hochhalten. Ich widerspreche: wir müssen weiter damit machen, das Banner mutig hoch zu halten – aber auf eine neue und kreative Art und in Organisation, die breiter aufgestellt sind als die heutigen!
Hal Draper argumentierte in den 1970ern, dass die gesamte Strategie des Versuchs, Mitgliederorganisationen in der sozialistischen Bewegung zu bilden, ein Fehler sei. Dies scheint unlogisch – welche Organisation hat denn keine Mitglieder? Wer trifft die Entscheidungen? Aber seiner Meinung nach sind die bestehenden Mitgliederorganisationen von Grund auf durch die oben genannten Widersprüche deformiert. Natürlich kann eine Organisation Menschen rekrutieren, aber auf welcher Grundlage werden sie rekrutiert? Und wie wirkt sich dieser Schwerpunkt auf den Aufbau einer Mitgliederorganisation auf die Beziehung mit denjenigen aus, die einem politisch nahestehen, die aber vielleicht nicht gewillt sein, der Gruppe beizutreten?
Anstelle von Mitgliederorganisationen verlangte Draper die Bildung politischer Zentren, die sich darauf konzentrieren sollten, sozialistische politische Literatur zu veröffentlichen. Draper zufolge „hat ein politisches Zentrum einen enormen Vorteil gegenüber dem Nationalkomitee oder Zentralkomitee der Sekten, die den Mini-Abteilungen ihres Mikro-Imperiums eine Richtung und Thesen vorgeben, Disziplinarverfahren austragen usw. Das heißt: Die Beziehungen eines politischen Zentrums mit örtlichen Clubs, sozialistischen Gruppen, Gewerkschaften, Arbeitergruppen und individuellen Aktiven ist unendlich variabel und flexibel. Währenddessen werden die Beziehungen der Abteilungen in zwei Typen dichotomisiert: die Beziehung zu Mitgliedern wird bestimmt von den Satzungen: die Beziehung zu Nicht-Mitgliedern wird behindert durch organisatorische Grenzen. Mit anderen Worten würde ein politisches Zentrum fähiger sein, Menschen den Sozialismus zu lehren, und eine politische Linie aufzustellen und sich für sie einzusetzen – genau dasselbe Ziel, dessen Verfolgung sich die heutigen „Sekten“ auf die Fahnen schreiben, dessen Verwirklichung aber von ihren organisatorischen Methoden verhindert werden.
Es ist jedoch selbstverständlich nicht ausreichend, Literatur zu veröffentlichen. Die Frage ist: Wie locken wir heutzutage am Besten Aktivisten an, wie organisieren wir sie und wie lernen wir sie an? Es muss eine anziehende und solide Art der Organisation geben, der Menschen nicht nur beitreten können, sondern aktiv ermuntert werden, dies zu tun. Man kann keiner Zeitung, keiner Webseite und keinem Blog beitreten. Dies ist einer der Vorteile, den die „Sektierer“ all ihren Kritikern gegenüber haben – und es ist ein wichtiger. Zumindest kann man ihnen beitreten und versuchen, etwas aufzubauen, in enger Zusammenarbeit mit anderen. Wir brauchen Organisationen, aber mit einem anderen Charakter. Zu oft fühlt es sich an, als ob diejenigen, die die Form der „Mikro-Sekten“ zurückweisen, zu weit in die andere Richtung gehen, obschon mit einer Vielzahl von Gründen.
Anstelle nationaler Mitgliederorganisationen, sollten Sozialisten Draper zufolge örtliche Zirkel am Arbeitsplatz, in der Schule oder in den Städten bilden. Draper zog diese Schlussfolgerung aus seinem eigenem Aktivismus ebenso wie aus seinem Studium der Geschichte der Bolschewisten. Diese Geschichte zusammenfassend schrieb er: „In der vorhergehenden Periode, waren die Voraussetzungen für eine Massenpartei in Russland nicht in der Form von Sekten entstanden, sondern in der Form von örtlichen Arbeiterzirkeln, die lose blieben und lose regionale Bündnisse schlossen. Sie hatten sich nicht als Unterabteilungen einer zentralen Organisation entwickelt, sondern waren selbstständig als Antwort auf die sozialen Probleme entstanden – lose.“ Dies ergibt Sinn, da das Gerüst jedes Organisierens örtlich ist (selbst im Zeitalter des Internets, obwohl das Beispiel Russlands auch die Schwierigkeiten aufgrund der Repression durch die Polizei widerspiegelt, nationale Verbindungen zu schaffen). Dennoch, Kampagnen werden hauptsächlich mit anderen örtlichen (und größtenteils nicht-sozialistischen) Aktiven, Kollegen, Nachbarn etc. aufgebaut werden. Kann man sich vorstellen, dass die örtlichen Zirkel, die die russische Sozialdemokratische Bewegung in den 1890ern (unter Polizeirepressionen, zu einer Zeit, in der selbst das Abhalten eines Treffens eine heldenhafte Tat war) ausmachten, sich über die Frage zerstritten, an welchem Punkt die Französische Revolution repressiv wurde oder über ihre Haltung zu Israel-Palästina (vergebt mir meinen Anachronismus)? Wie kann es richtig sein, dass die besten sozialistischen Aktiven und Denker heutzutage durch ähnliche Hindernisse, die durch die momentane Organisationsform geschaffen werden, voneinander ferngehalten werden?
Draper erörtert, dass diese Zirkel lose nationale Verbindungen schaffen sollten. Seiner Meinung nach sollten sie

mit einem politischen Zentrum in Kontakt treten, das aus der eigenen Perspektive Sinn ergibt, um Hilfe mit der Literatur, Ratschläge und Verbindungen nach draußen zu bekommen, und soweit mit dem Zentrum zusammenarbeiten, wie es sinnvoll erscheint. Doch es gibt keinen Grund, eine solche Beziehung mit mehr als einem politischen Zentrum zu haben, wenn sie zu den eigenen politischen Ansichten passen. Solch ein politisches Zentrum kann sogar eine Sekte sein; aber wenn man ihr nicht beitritt, stellt sie für einen selbst nur ein politisches Zentrum unter anderen dar. Diese Beziehung ist eine lose Beziehung: Wenn man keine Stimme in den Entscheidungen der Sekte hat, kann sie einem ebenso wenig sagen, was man zu tun hat und dem eigenen Urteil ihre Sekten-‚Disziplin’ überstülpen. Man errichtet keinen organisatorischen Grenzwall, wie es der Anhänger der einen Sekten und derjenige, der an einer anderen oder keiner klebt, tun. In der Arbeit benutzt man die Literatur, die man benutzen möchte, woher sie auch stammt. […] Wenn genug Menschen diesen Weg gehen, um das Sekten-System aufzubrechen, wäre dies gut für das zukünftige Potenzial der amerikanischen sozialistischen Bewegung. Es besteht eine größere Chance, dass sich eine wahrhaftige sozialistische Bewegung aus diesem losen Komplex von Beziehungen erhebt, als dass sie aus der fossilen Welt der Sekten kommt.

Ich neige dazu, ihm Recht zu geben, obwohl solche örtlichen Zirkel immer ihre eigenen Probleme hätten. Welche Strömungen werden dominieren? Wie breit sollten sie aufgestellt sein? Wie soll man den Ansatz eines kleinsten gemeinsamen Nenners verhindern, der Debatten behindert? Wie verhindern, dass sie zu einem Morast verkommen, einem Ort, an dem alles möglich ist und durch den das theoretische Niveau der Bewegung gemindert wird? Wie soll man den Zustand einer Lähmung verhindern, wenn sich keiner einigen kann, was der Zirkel tun soll? Das sind wichtige Fragen, die zeigen, dass es keinen einfachen Weg zu einer leistungsfähigeren sozialistischen Bewegung gibt. Doch es sind Probleme, die vom heutigen Zustand der Linken in den USA herrühren. Man kann sie nicht einfach weg wünschen. „Politische Zentren“ sollten, wie Draper auslegt, weiter bestehen, mit dem Ziel, die örtlichen Zirkel mit Führung und politischem Material zu versorgen. Weiterhin sollten die örtlichen Zirkel aus Menschen zusammengesetzt sein, die zumindest minimale Übereinstimmungen treffen können, die ihnen erlauben, miteinander zu arbeiten.
Ich denke, dass mit diesem Ansatz eine geringere Gefahr besteht, dass die Bewegung zu einem Morast verkommt, als mit den bestehenden Organisationen, aufgrund vieler Dinge, die ich in diesem Aufsatz ausgeführt habe. Er würde helfen, klarzustellen, was die wichtigen Fragen in der Bewegung sind, die aus Diskussionen und Debatten über reale Probleme entständen, anstatt aus vordefinierten Unterschieden zwischen verschiedenen Sekten. Er würde idealerweise helfen, das theoretische Können zu erhöhen, anstatt es zu verringern, und er würde mehr guten Aktiven erlauben, zusammen zu arbeiten, voneinander zu lernen, anstatt voneinander getrennt zu sein und getrennte Kämpfe zu kämpfen.

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23 Antworten auf „Vorwärts in die Sackgasse? – Dan DiMaggio (Ex-“Socialist Alternative“, US-Sektion des CWI) schlägt eine Alternative vor“


  1. 1 worksucks 24. März 2012 um 21:32 Uhr

    Sehr gut gefällt mir an dem Text, dass er endlich ein paar vernünftige und auch tatsächlich realisierbare Nahziele einer NAO formuliert, die die Bewegung als solche vorranbringen würden.

    Das wäre insbesondere die Erstellung einer großangelegten Internetinfrastruktur, an der sich Individuen abseits ihrer (Gruppen-)Vereinzelung beteiligen könnten.

    Ansätze für so was sehen wir eigentlich überall: Da gibt es z.B. Blogsport (und insb. diesen Blog), News Portale wie bspw. die verschiedenen indymedia-seiten, Projekte mit hochwertigen und zugleich eingängigen Inhalten, wie bspw. die Homepage von den „jungen Linken“. Dann bspw. das argudiss Archiv mit seinen hunderten von Vorträgen. Andere Leute scannen Bücher und stellen sie auf verschiedenen Plattformen frei zur Verfügung (Ich versteh eh nicht, wieso vermeintliche Kommunisten ihre Werke immer noch als gedrucktes Buch raus bringen, damit lässt sich doch eh kein Geld verdienen. Ich würde zB. gerne die neue Abhandlung der krisis zur Krise lesen – auch wenn es rühmlich ist, dass sie die für ziemlich günstige 18 Euro unter die Leute bringen wollen – Ich hab einfach keine 18€ übrig).

    Es gibt ja auch Versuche von Genossen, auf social media Plattformen wie Youtube Fuß zu fassen. neoprene hat letztens auf seinem Blog eine Diskussion zwischen ihm und einem ami auf facebook dokumentiert – Solche Interventionen in den Ballungsräumen des Internets müssen von uns gemeinsam gezielt und organisiert betrieben werden. Schaut euch doch einfach mal an was die Rechten machen, die sind uns da 10 Schritte voraus (ich erinnere an die geleakten Mails usw., die die Struktur und Aktivitäten von politically incorrect offengelegt haben. Wer darüber nichts weiß: googlen!)

    Was im deutschsprachigen Raum natürlich nicht (mehr) existiert, ist ein großes Forum, in dem Genossen sich über alle möglichen theoretischen und praktischen Fragen austauschen können. Das dürfen und müssen auch für die Politik irrelevante Dinge sein, bspw. Musik bis hin zu lustigen youtube-videos. Wer mal in einer community (wie solche Foren interessanterweise genannt werden) aktiv war, weiß, dass durch die alltägliche Interaktion über das Internet ein soziales Band geschmiedet werden kann, welches überaus stark ist. Ein solches könnte man angesichts der Zersplitterung und gegenseitigen Anfeindungen gut brauchen.

    Das alles müsste natürlich unter einem einheitlichen Banner versammelt werden – Zur Stärkung der „corporate identity“, wenn ihr so wollt (Auf dem erwähnten kasama-projekt gibt es momentan eine Artikel-Reihe darüber, wie wichtig Symbole und Identität für soziale Bewegungen sind). Und das muss natürlich mit viel Zeit von Leuten mit entsprechenden Kenntnissen aufgezogen werden, um sicher, übersichtlich, optisch ansprechend und den praktischen Erfordernissen gewachsen zu sein.

    So etwas nicht aufzubauen würde ich für einen großen Fehler halten, der eventuell der Tatsache geschuldet wäre, dass ein Großteil der werten älteren Genossen mit dem Medium Internet nicht in dem Maße vertraut ist, wie die Leute in den 20er und 30ern ;-) .

    Der Kampf um die Köpfe kann unsererseits nur über das Internet gewonnen werden (vor allem angesichts unserer stark begrenzten Ressourcen) – Da holen die Leute sich heutzutage ihre Infos und da müssen wir dementsprechend präsent sein. In der Fußgängerzone oder vor dem Werkstor Flyer zu verteilen hat nicht funktioniert und wird es in Zukunft auch nicht. Wir brauchen eine vernünftige Plattform im Netz. Und die muss dann mit geeigneten Mitteln propagiert werden, um möglichst viele Hits interessierter Leser abzugreifen.

    Auch das zweite Nahziel des Textes, großangelegte Vortragsreisen unserer klügsten Köpfe und gatherings (die auch wiederum zum zwischenmenschlichem Austausch dienen müssen) zu organisieren, finde ich sehr wichtig. Auch dafür gibt es schon überall Ansätze: bspw. Die Umsganze Kongresse, m31, die Vorträge des Gegenstandpunkt-Verlages, die zig Sommercamps linker Jugendorganisationen [… die Liste wäre ja beinahe endlos]. Mit dem fusion gibt es ja sogar ein riesiges Musikfestival, an dem viele Genossen teilnehmen und arbeiten. Aber im Gegensatz zum Vorgehen im Internet scheint mir ein solches real-weltliches Geschehen weitaus ressourcenfressender und vor allem angesichts der momentan noch vorherrschenden Zersplitterung problematischer zu sein. Wie soll man die Leute dazu kriegen, da eine gemeinsame Linie zu verfolgen? Euren Ansatz mit den Essentials finde ich eigentlich ganz gut, aber na ja.

  2. 2 Thomas 25. März 2012 um 12:08 Uhr

    Liebe GenossInnen -

    umd die Diskussion über den Text zu führen, wäre es schon von den „Einstellern“ zu hören, was genau an dem Text als wichtig für die deutsche Debatte gelten kann.

    Der us-amerikanische Erfahrungshintergrund ist ja beträchtlich ein anderer – in dem Text heisst es ja, „wir“ hätten uns daran gewöhnt – und könnten das auch mit Rekurs auf Kaderformationen rechtfertigen –, in der Minderheit zu sein, vielleicht verschwindend geringe Minoritäten. Abgesehen davon, dass ich das auch für GenossInnen in den USA so nicht glaube, schwebt uns doch heute immer noch (zumindest denen, die Geschichte lesen) die Hegemonie von Sozialisten und Kommunisten in der Arbeiterbewegung vor Augen. Wir führen unsere Diskussion ja eben nicht vor dem Hintergrund von „man müssten endlich einmal“, sondern „man müsste wieder“.

    Schwach finde ich, dass der Text so ziemlich ohne eine Analyse der Handlungsgrundlagen in den Vereinigten Staaten auskommt. Ich kann das an dieser Stelle nur in zwei Stichworten wiedergeben. Die politische Dominanz von „business-unionism“ (also „nichtmal“ sozialdemokratisch) und den Demokraten auf der „Linken“. D.h. ein reformpolitisch kämpferisches oder reformistisches Milieu, das eine klassenkämpferische und ideologische Umwelt abgäbe, innerhalb derer „revolutionär-marxistische“ Kräfte agieren könnten (ich behaupte mal: jedes west- und südeuropäische Land bietet günstigere Bedingungen) fehlt. Eine Labourparty hat sich niemals herausbilden können. Wer das nachlesen will, kann das in Mike Davis „Prisoners of the American Dream“ tun. Die Marginalisierung (das Sektenhafte) ist also insofern nicht nur hausgemacht (was der Genosse ja auch nicht sagt, aber man muss es nochmal unterstreichen).

    Nun lädt das freilich nicht dazu ein, die Hände in den Schoß zu legen. DiMaggion zitiert an einer Stelle die GenossInnen von Solidarity. Vielleicht lohnt es sich, sich ihre Positionen einmal genauer anzugucken. Ich meine nämlich auch, dass Solidarity – zumindest von den trotzkistischen Gruppen, ich meine, es gibt auch ähnliche Bewegung im ex- oder post-maoistischen Bereich – mit der klaren Orientierung auf Regroupment schon Alleinstellungsmerkmal hat. Aber das ist nur Teil der Antwort. Darüber hinaus leistet Solidartiy ganz handfeste Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, trägt u.a. Labornotes mit, baut Oppositionskreise in den Gewerkschaften mit auf etc. Das heisst: Deren strategische Antwort besteht darin, gleichzeitig an Regroupment zu arbeiten (aber auch nicht auf Teufel komm raus) und das aufzubauen, was wir traditionell als Vorhut der Klasse bezeichnen würden (in der Form gewerkschaftlich kämpferischer ArbeiterInnen). Die meines Erachtens interessantesten Projekte sind dabei:
    http://labornotes.org/
    http://labornotes.org/conference

    Und als Oppositionskreis in einer der wichtigsten US-Gewerkschaften:
    Teamsters for a Democratic Union
    http://www.tdu.org/

    Ich kann das nicht alles belegen, bin mir aus Gesprächen – auch mit Mitgliedern von ISO und Socialist Alternative – aber sicher, dass die unterschiedliche Organisierung eben auch mit unterschiedlichen Vorstellungen verbunden sind, wie man Betriebs- und Gewerkschaftspolitik machen sollte, wie man in welchen bewegungen arbeiten sollte. Das sind möglicherweise Differenzen, die nicht aus dem Festhalten an der eigenen kleinen Organisation etc. stammen.

    Richtig finde ich den generellen Ton: Sowas ist möglicherweise durch kritischen Dialog zu überwinden. Das braucht aber sicherlich Zeit. Und auch in den USA die Aufarbeitung von konkreten Erfahrungen – beispielsweise mit dem Scheitern des Aufbauversuchs einer amerikansiche Laborparty, woran sich meines Wissens sowohl SA, ISO als auch Solidarity beteiligt haben.

    (Thomas, isl)

  3. 3 systemcrash 25. März 2012 um 12:09 Uhr

    es ist natürlich taktisch klug, einen ex CWI kader für die „innerlinke neugruppierung“ sprechen zu lassen. das wird der SAV aber ziemlich am hintern vorbeigehen. und das liegt nicht nur am organisatorischen egoismus dieser gruppierung (das sicher auch), sondern im wesentlichen an dem politischen konzept, was diese strömung verfolgt.
    bevor es das CWI gab, nannten sie sich MILITANT. und die militants waren jahrzehntelang in der europäischen sozialdemokratie vergraben. diese form des tiefentrismus wird vom CWI heute so nicht mehr praktiziert, aber sie haben immer noch ein konzept „druck“ von links auf die „arbeitermassenparteien“ auszuüben, während die gruppen des CWI quasi (nur) das salz in der suppe für diese „linksverschiebung“ sind. die anderen linken gruppen sind eigentlich nur störfaktoren bei dieser anvisierten „linksverschiebung der Massenparteien“. darum werden sie auch folgerichtig als „mikrosekten“ bezeichnet und konsequent ignoriert.
    diese haltung wird erst ins wanken geraten, wenn

    1) der NAO prozess so stark wird, dass die SAV ihn einfach nicht mehr ignorieren KANN

    2) die (taktische) orientierung auf die LINKE für die SAV immer unhaltbarer wird

    für die zweite entwicklung sehe ich gute chancen.
    die entwicklung des ersten faktors ist NOCH offen, die weichen sind aber schon gestellt für eine „neo GIM“ (DGS), die nur noch übriggebliebene leute, die noch die goldenen 70er mitgekriegt haben, nochmal (wahrscheinlich zum letzten mal) hinterm ofen hervorlocken kann, deren revolutionäres feuer aber schon längst erloschen ist (oder nie wirklich gebrannt hat)

  4. 4 Michael Schilwa 26. März 2012 um 10:45 Uhr

    Also ich bin ziemlich enttäuscht von dem Text (hatte einfach mehr erwartet).

    Durchaus beeindruckend ist das persönlich-ehrliche Schreiben auch über die eigenen Frustrationen.
    Gelungen ist natürlich die treffend witzige Beschreibung von Charakter und Funktionsweise des Zirkel-/Sektenwesens („Kleinunternehmer im Kampf um Marktanteile“).
    In einigen Punkten finden sich auch geplagte deutsche Linke wieder:
    „Sozialistische Aktive (taumeln) stets am Rande eines Burnouts“, „schmerzhafte Routine endloser Treffen“, „zu jedem erdenklichen Thema Antworten parat haben zu müssen“, „russischer Revolutionismus“, also „die bolschewistische Revolution als Referenzrahmen in so gut wie jeder Debatte“.

    Auch gibt es strategische Aussagen, die fast wortgleich auch immer wieder im NAO-Prozess fallen:
    „Die Linke ist an einem Punkt, an dem sie dringend ein paar Siege benötigt“,
    „Um-/Neugruppierung“ ist mehr als das „Aufsammeln“ der existierenden Organisationen.

    Aber für all das hätte es nicht unbedingt 42 Seiten gebraucht, anders gesagt:
    Auf 42 Seiten findet sich kein einziges Wort zu den programmatischen Grundlagen eines Neuformierungsprozesses – außer Allgemeinplätzen wie „die heutige Krise ist die unvermeidbare Folge des kapitalistischen Systems“, welches nicht einfach „weg-reformiert“ werden könne.
    Zwar schreibt auch di Maggio, „politische Klarheit ist der Schlüssel“ und plädiert gegen ein „falsches Streben nach Einheit um jeden Preis“, aber daraus folgt nichts.
    Auf der (vorletzten !) Seite 41 fragt er sich und seine Leser: „Auf welcher politischen Basis wird all dies stehen ?“ und konzediert, „es mag merkwürdig erscheinen, dass ich diesen Punkt erst jetzt anspreche.“
    Tja, in der Tat, dass ist merkwürdig.

    Solche Diskussionen kommen auf zwei Arten in gefährliches Fahrwasser:
    Wenn mit 100 % des eigenen Programms in sie hineingegangen wird, aber eben auch wenn rein gar nichts dazu gesagt wird, wofür denn eigentlich Einheit hergestellt werden soll.
    Di Maggios These auf eine Kurzformel gebracht lautet:
    Einheit ist besser als Zersplitterung – das ist unbestritten richtig und trotzdem zu wenig.
    Wer (nur) so argumentiert, handelt sich (zu Recht) die Kritik ein, solche Manöver seien „prinzipienlose Abkürzereien“.
    Ich will nicht missverstanden werden, es wäre auch o.k. gewesen, wenn Di Maggio sich programmatisch selbst nicht festgelegt hätte, aber wenigstens die Felder benannt hätte, auf denen Verständigung nötig bzw. nicht nötig ist.
    Ich finde den SIB-Vorschlag deutlich produktiver:
    Alle Beteiligten benennen ihre „Schmerzgrenzen“, nach deren „Abgleich“ wissen wir, wo wir stehen bzw. worüber wir streiten müssen.
    Ich persönlich z.B. will mich gar nicht mit Linken vereinen, die einen „dritten Weg“ zur „Wirtschaftsdemokratie“ im Auge haben oder imperialistische Kriege als „emanzipatorisch“ feiern und will doch von ganzem Herzen einen „ergebnisoffenen und zielgerichteten“ Diskussions- und Lernprozess aller „subjektiv revolutionären“ Strömungen (am besten ohne „Rückfahrscheine“).

    Vielleicht ist mein Blick aber auch zu „deutsch“ oder „eurozentriert“ und berücksichtigt nicht die noch beklagenswertere Lage der amerikanischen Linken.
    Aber auch bzgl. der amerikanischen klassenpolitischen Lage – darauf hat Thomas zu Recht hingewiesen – bietet der Text fast gar nichts.

  5. 5 systemcrash 26. März 2012 um 11:25 Uhr

    noch ein wort zum amerikanischen hintergrund des textes (der kommentar von Michael Schilwa hat mich drauf gebracht).

    wenn das konzept des CWI darin besteht, „druck“ auf „proletarische Massenparteien“ auzuüben, tja, auf welche partei sollte diese beschreibung denn in der US gesellschaft zutreffen? es gibt in der US geschichte und gesellschaft keine reformistische Massenpartei wie in deutschland bzw europa. insofern ist es auch folgerichtig (wenn auch falsch), wenn kleine gruppen versuchen, eine „labour party“ aufzubauen. was diese gruppen aber nicht verstanden haben, ist, dass die abwesenheit einer reformistischen Massenpartei auch eine chance ist zu einer schnelleren radikalisierung der amerikanischen arbeiterklasse. so wie die russische arbeiterklasse 1917 keine illusionen in den parlamentarismus haben KONNTE (weil es dafür keine erfahrung gab), so kann die amerikanische keine in den reformismus haben (oder zumindest keine grossen) … ein lob der dialektik ;)

  6. 6 Neoprene 26. März 2012 um 11:47 Uhr

    Wenn systemcrash optimistisch meint,

    „so wie die russische arbeiterklasse 1917 keine illusionen in den parlamentarismus haben KONNTE (weil es dafür keine erfahrung gab), so kann die amerikanische keine in den reformismus haben (oder zumindest keine grossen)…“

    halte ich das für ein schreckliches Gerücht: Die Geschichte des letzten Jahrhunderts ist voll von leider mehr oder weniger erfolgreichen Bemühungen linker Parteien (vor allem historisch der KPUSA, ab den 60ern z.B. der SWP), den Arbeitern den Reformismus in Form der Demokratischen Partei zu verkaufen. Auch in den großen Gewerkschaften ist das seit Jahrzehnten durchgängig.

  7. 7 systemcrash 26. März 2012 um 23:47 Uhr

    nur dass die „demokraten“ keine „bürgerliche arbeiterpartei“ sind …aber wahrscheinlich wissen das weder die amerikanischen „linken“ noch die amerikanischen arbeiterInnen ;)

  8. 8 Tino P. 27. März 2012 um 14:00 Uhr

    Die zentrale Botschaft des Aufsatzes von Dimaggio drückt sich im Satz aus „die wirkliche Krise ist, dass es keine wirkliche Linke gibt“, und ganz wesentlich schuld daran sind nicht irgendwelche objektiven, von uns nicht beeinflussbaren Bedingungen, sondern ein subjektiver, theoretisch sofort veränderbarer Faktor, nämlich das grassierende Sektierertum. Und dann schreibt er sinngemäss im Kapitel über die Alternative aufbauen:Es gibt Tausende von Menschen, die einer sozialistischen Bewegung oder Organisation beitreten würden, wenn es ein vernünftiges, eben nicht sektiererisches „Angbot“ gäbe. Tausende, die noch keine eingeschworenen revolutionäre Sozialisten sind, es aber werden wollen und können. Zudem gäbe es dann noch andere Tausende, die vielleicht die Linke nicht demoralisiert und ausgebrannt in regelmässigen Zyklen verlassen würden.

    Dimaggios Text ist eigentlich ein etwas zu ausuferndes Plädoyer des NAO-Projekts der Sammlung der undogmatischen radikalen Linken, wobei er richtigerweise erwähnt, dass ein Teil der heutigen Minisekten durchaus an einem solchen Projekt teilhaben sollte, ein anderer Teil jedoch abgeschrieben werden muss. Und auch, dass man mit diesem Projekt nicht warten muss bis die grossen Massenkämpfe ausbrechen.

    Wir, die sich auf diesem Blog um das NAO-Projekt bisher gesammelt haben, haben unterschiedliche Einschätzungen über den GRAD DER SCHÄDLICHKEIT DES SEKTIERERTUMS für den Aufbau einer „wirklichen Linken“. Ich z. B. vertrete die Position, dass das linke Sektierertum (damit meine ich vor allem die quasi religiös-fanatischen Funktionsweisen und die grobschlächtige Diskussionskultur und nicht einzelne ultralinke Positionen) mit der gleichen Vehemenz bekämpft werden sollte wie die reformistische Gefahr, also etwa 50 zu 50%. Der geschätzte Genosse und orthodoxe Leninist (Orthodoxie ist nicht gleich Dogmatismus) DGS hingegen wendet sich mit 90%iger Vehemenz gegen den Reformismus und nur zu 10% gegen das Sektierertum. Konkreter Ausdruck dieser Unterschätzung der zerstörerischen Kraft des Sektiertums ist z.B der Tatbestand, dass eine Mehrheit des SIB seit sechs Monaten sich nicht dazu durchringen konnte, unserem Diskussionsblog eine vernünftige politische Redaktion zu geben und sich in technische Massnahmen flüchtet. Hinter dem Ausweichen in die Technik (Kommentare aufschalten, neues Gesicht des Blog, das seit Januar versprochen wird etc) steht natürlich immer auch eine politische Aussage!

    Etwas tragisch-komisch wirkt auf mich im Text von Dimaggio die Zuhilfenahme von Lenin als Stütze gegen das Sektierertum. LENIN IST DER VATER DES LINKEN SEKTIERTUMS DES 20.JAHRHUNDERTS. Im allgemeinen kann man noch heute davon ausgehen, dass je leninistischer sich eine (trotzkistische)Gruppe gibt, desto sektiererischer ist sie. Individuelle Ausnahmen gibt es. Eine MATERIALISTISCHE Einschätzung von Lenin und dem Leninismus beruht selbstverständlich nicht auf seinen Werken, sondern in aller erster Linie auf seiner Praxis – insbesondere auf seiner Praxis als er an der Macht war! Es gibt in der Weltgeschichte des Sozialismus keinen politischen Theoretiker bei dem Theorie und Praxis so krass und total auseinanderklaften wie bei Lenin:Er schreibt vom Absterben des Staates und schafft sämtliche Grundlagen des grössten Monsterstaat der Weltgeschichte, er schreibt von den Sowjets als höchste Form der proletarischen Klassenherrschaft und vernichtet sie gedankenlos schon nach der ersten grösseren Auseinandersetzung mit den linken Sozialrevolutionären wenige Monate nach der Revolution, er schreibt von der Diktatur des Proletariats und setzt dies in der Praxis offen gleich mit der Diktatur der Partei, er schreibt von der Pariser Kommune und der Wahl aller Funktionäre und setzt während sechs Jahren die Ernennung 90% aller Funktionäre von oben durch in Staat, Partei, Betrieben und Gewerkschaften, er schreibt von der Gefahr der Bürokratisierung und verbündet sich fortwährend mit den schlimmsten Vertretern der Bürokratie usw.usf

    Eine wirkliche seriöse Aufarbeitung des linken Sektierertums setzt eine historische Aufarbeitung des Leninismus voraus, die endlich mit den Mythen und den Geschichtsfälschungen rund um Lenin aufräumt. Es geht um die Zerschlagung des Leninmausoleums in den Köpfen der 68er Linken und ihrer NachfolgerInnen.

  9. 9 Neoprene 27. März 2012 um 15:29 Uhr

    Nochmal zurück zu der These, gegen die ich mich verwandt habe:

    „so wie die russische arbeiterklasse 1917 keine illusionen in den parlamentarismus haben KONNTE (weil es dafür keine erfahrung gab), so kann die amerikanische keine in den reformismus haben (oder zumindest keine grossen)“

    Doch kann sie und hat sie und das schon recht lange. Da sind feinziselierte (trotzkistische) Argumente, ob die Demokratische Partei nun eine „rein bürgerliche“ oder eine „bürgerliche Arbeiterpartei“ ist, ohne Belang, das hat, wenn überhaupt ja auf taktische Auswirkungen abgestellt.

  10. 10 systemcrash 27. März 2012 um 22:52 Uhr

    ja richtig, die auswirkungen sind „nur“ taktischer natur.

    es hat aber auch damit etwas zu tun, ob die arbeiterInnen auch erfahrungen mit EIGENEN (klassenmässig definierten) parteien (und anderen strukturen) haben, oder ob sie vollkommen jegliches basales klassenbewusstsein verloren haben (oder aber eben nie hatten). das eine kann einen konservativen klassenstolz (der sozialdemokratische gewerkschafter, dessen opa schon sozi war) hervorrufen (quasi eine eigene „orgkultur“ bilden), das andere ist völlig unberechenbar und kann sowohl nach extrem rechts wie nach extrem links gehen. da sehe ich durchaus eine vergleichbarkeit mit der omnipräsenten oktoberrevolution und ihren bedingungen

  11. 11 systemcrash 27. März 2012 um 23:39 Uhr

    „Eine wirkliche seriöse Aufarbeitung des linken Sektierertums setzt eine historische Aufarbeitung des Leninismus voraus, die endlich mit den Mythen und den Geschichtsfälschungen rund um Lenin aufräumt. Es geht um die Zerschlagung des Leninmausoleums in den Köpfen der 68er Linken und ihrer NachfolgerInnen.“

    eine seriöse aufarbeitung der geschichte ist sicher vonnöten.
    wenn man das aber zur BEDINGUNG des NAO prozesses macht, werden wir noch die erfindung des WARP antriebes erleben, und immer noch keine NAO gegründet haben ;-/

  12. 12 Thomas 28. März 2012 um 7:54 Uhr

    @Tino P:
    Die Frage ist doch, wann was als Sektierertum begründet wird. Mein Eindruck über die US-Linke ist, dass es durchaus mit Blick darauf, was man meint, wenn man sagt, man möchte ein revolutionäre Organisation aufbauen (wie funktioniert die? wie demokratisch ist die? wie zentralistisch und wie autonom sind ortsgruppen/local branches?) und was diese tun sollte.

    Die Antworten darauf fallen zum Teil recht unterschiedlich aus und zum Teil nicht. Es wäre eben falsch – und ist als Unterstellung im DiMaggio-Text ebenso falsch wie als Grundannahme in einem NAO-Prozess (vielleicht hat die wer? weiss nicht…) – die Vielfalt der linken Organisationen nicht als Pluralismus (den ich schätze und nicht ÜBERWINDEN will), sondern als Problem zu sehen. Ich teile grundsätzliche Annahmen von ganzen Spektren radikaler Linker nicht und die Zustimmung zu den 5 Essentials der SIB alleine würde nicht helfen. Das betrifft Fragen, die im SIB-Papier durchaus angekrazt wurden, die ich nur andeuten will: Was kann eine NAO z.B. tun – was sollte sie tun – um Selbsttätigkeit der ArbeiterInnen und Arbeiter zu fördern, Klassenbewusstsein zu fördern? Ist dabei Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit ebenso gut wie Stadtteilarbeit? Wir sind uns einig, dass die DGB-Gewerkschaften ein Krampf sind – aber arbeiten wir in ihr und wie? Wir wissen ja – ihr in Berlin, wie wir woanders – dass die Antworten allein auf diese Fragen es sehr schwierig machen können, gemeinsam in einer Organisation zu sein – praktisch gedacht. Es sei denn Organisation wird als loser Zusammenhang gedacht, in dem viele Vieles machen können.

    Nochmal: Ich finde den Ansatz der SIB im Grunde richtig, ich glaube nur, man muss kleinere Brötchen backen – was nun nicht „politisch eng“ oder im Sinne von „auf Traditionsspektren begrenzt“ gemeint ist. Das Problem ist doch eher die Massenloyalität, an der wir zu knabbern haben, am geringen Maße an Selbstorganisation und Klassenbewusstsein. An beidem gleichzeitig zu arbeiten – Rekonstruktion einer selbsttätigen Klassenlinken und Umgruppierung auf der radikalen Linken – finde ich richtig.

    @objektive Gründe: Dass es in den USA so schwierig ist, eine radikal linke Organisation mit kleinem Masseneinfluss aufzubauen hat natürlich unterschiedliche Gründe. Die Repressionsgeschichte in den Vereinigten Staaten ist natürlich immens – von staatlicher Seite, aber nicht nur. Auch innerhalb der Gewerkschaften wurde politisch hart gesäubert, sozialdemokratische Gewerkschaftsführer muss man mit der Lupe suchen. Dass die Demokraten und Republikaner die politische Bühne dominieren (gerahmt durch ein ziemlich konformistisches Mediensystem), anderes so gut wie nicht vorkommt, das spielt eben sehr wohl eine Rolle. Objektive Gründe sind ja nicht immer absolute Hindernisse, aber doch Herausforderungen. Und über einen 3000er Berg zu steigen mag schwieriger sein, als im Sauerland zu wandern. Da haben wir bestimmt keine Meinungsverschiedenheit, denke ich…

    @Leninismus und Lenin: Mmmhh… Also unter Leninismus verstehen ja die meisten Leninisten je was durchaus sehr sehr Unterschiedliches. Wie bei jedem Klassiker ist seine Aneignung ja eher ein Bergen von Altem, eine Wiederaneignung, die aber mehr über uns sagt als über den Alten. Ich für meinen Teil halte Dein Urteil für überallgemein. Eine gründliche Lektüre von Schriften wie „Was tun?“ (nicht wegen des Orgamodells, das zu kopieren wäre, sondern wegen der Passagen, die das Verhältnis von sozialen Auseinandersetzungen – nur-Gewerkschafterei – und Politischem behandeln), über den linken Radikalismus (insbesondere zum Thema Kompromisse, politische Taktik orientiert am Massenbewusstsein etc.) oder auch Staat und Revolution. Ob Leute, die sich davon heute etwas aneignen zwangsläufig sektiererisch werden, das wage ich zu bezweifeln. Vielleicht ist es ja eher so, dass das selbst umgehängte Mäntelchen Leninist, Trotzkist etc. dazu führt – meinet wegen kannst Du da aber auch Malatesta, Durruti oder Otto Bauer einsetzen. Das hat die SIB aber schon ganz schön von der Gruppe Avanti zitiert: Den Trennungsstrich zwische Freund und Feind sollte man sicher nicht vor den eigenen Füßen ziehen – und ganz sicher nicht aufgrund unterschiedlicher Traditionsbezüge. Wo das hinführt merkt man ja hier gelegentlich, wenn anstatt zu argumentieren mit Begriffen wie Zentrist, Linkstrotzkist oder was weiss der Teufel was rumgeworfen wird.

  13. 13 Thomas 28. März 2012 um 7:59 Uhr

    tschuldigung, im ersten Absatz muss es heißen:
    „Die Frage ist doch, wann was als Sektierertum begründet wird. Mein Eindruck über die US-Linke ist, dass es durchaus mit Blick darauf, was man meint, wenn man sagt, man möchte ein revolutionäre Organisation aufbauen (wie funktioniert die? wie demokratisch ist die? wie zentralistisch und wie autonom sind ortsgruppen/local branches?) und was diese tun sollte erhebliche Differenzen gibt – so große, dass es möglicherweise besser ist alleine auszuprobieren, als sich gegenseititg zu blockieren. Das glaube ich selbstverständlich auch für die Bundesrepublik und ich halte das nicht für sektiererisch. Sektiererisch ist es, wenn ich dafür einmal gefundene Wahrheiten als Leitfaden nehme und denen, die mir politisch noch am nähesten sind am liebsten noch die Kriegserklärung schicke… Diese blöden SAVler, diese opportunistischen Marx21ler, diese kleinbürgerlichen Post-Autonomen, diese prinzipienlosen isler, diese überspannten SIBler…

  14. 14 Bochumer Info 28. März 2012 um 8:32 Uhr

    Hallo Tino P.
    ich meine, wir sollten aufhören über DGS oder über Systemcrash zu klagen. Ich meine, wir sollten nicht länger darauf warten, dass dieser Blog diskussionsfähig und strömungsübergreifend gestaltet wird.
    Wir sollten (neben und zusätzlich zu diesem Blog und auch neben und zusätzlich zum Marx-Forum oder Trend-Online) versuchen, die strömungsübergreifende Debatte zu entfalten und zu fördern.
    Der erste Schritt, der mir dazu einfällt, wäre eine gemeinsame Internet-Plattform mit dazugehörigem Diskussionsforum – nicht um den NAO-Prozess zu bekämpfen, sondern um ihm neue/andere Impulse zu geben.
    Vielleicht fällt dir und anderen noch anderes ein, aber wir sollten einen neuen Anfang machen.

    Gruß Wal Buchenberg

  15. 15 Micha Prütz 28. März 2012 um 9:52 Uhr

    Liebe Genossinen und Genossen,

    Der Internetauftritt wird komplett neugestaltet.In sehr kurzer Zeit ist es soweit.ich teile ja nun wirklich nicht immer die Positionen von dgs,aber der die Sib ist ja deswegen so produktiv,weil z.b.dgs und ich immer wieder die notwendigen
    Kompromisse finden.Das ist gut und aus meiner Sicht vorbildlich für eine künftige Organisation

  16. 16 Entdinglichung 15. April 2012 um 17:56 Uhr

    vielleicht in diesem Zusammenhang interessant, gefunden auf http://louisproyect.wordpress.com/2012/04/14/a-simple-proposal-for-a-new-anticapitalist-left/ :

    A simple proposal for a new anticapitalist left

    I along with a number of other members of Workers Power in Britain, Austria and the Czech Republic have resigned from the organisation. The global capitalist crisis has posed tremendous questions for the radical left about how to go forward. We have increasingly drawn the conclusion that the historical legacy of the post-war left, in particular the Leninist-Trotskyist left, needs to be subjected to far-reaching critique and re-evaluation in light of the contemporary challenges.

    The organised left is dogged by sectarianism and opportunism. There there are quite literally hundreds of competing orthodoxies, with each sect promoting and defending its own, typically very narrow, conception of revolutionary theory and practice without subjecting their ideas to the critical re-evaluation which we believe is necessary if Marxism is to reach out to far wider layers.

    We came to the conclusion that a method of organising exclusively focused on building specifically Leninist-Trotskyist groups prevents the socialist left from creating the kind of broad anticapitalist organisations, which can present a credible alternative to the mainstream parties.

  17. 17 systemcrash 15. April 2012 um 20:54 Uhr
  18. 18 Mattte 15. April 2012 um 21:02 Uhr

    Die Positionen sind ziemlich nah dran an dem „na endlich Papier“ von der SIB. Kann es wirklich Zufall sein, dass es in mehreren Ländern und den verschiedenen Spektren der radikalen Linken die selben Prozesse und Überlegungen ablaufen?!

  19. 19 systemcrash 18. April 2012 um 9:26 Uhr
  1. 1 Lesehinweis aus den USA zum Thema Sektierertum und Zusammenarbeit « Entdinglichung Pingback am 25. März 2012 um 15:34 Uhr
  2. 2 Die unendliche Geschichte « WAS TUN: PLATTFORM FÜR MARXISTISCHE KONVERGENZ Pingback am 28. März 2012 um 11:24 Uhr
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