Parteiaufbau und Taktik

Eine Antwort auf das Papier der Marxistischen Initiative zur NAO (1)

zunächst einmal begrüsse ich es aufs schärfste, dass die MI sich in die NAO debatte eingeklingt hat. obwohl ich die MI immer mehr oder weniger aus der distanz beobachtet habe, haben mir ihre texte häufig gefallen und zeichnen sich in der regel durch wohl durchdachte theoretische fundierung aus. leider kann ich das vom MI beitrag zur NAO nicht ganz so behaupten. ich werde nur die punkte herausgreifen, wo ich einen dissens erkenne; um die länge des textes nicht unnötig auszuweiten.

politische ausgangslage

zunächst einmal fällt der etwas katastrophistische ton in der beschreibung der ausganslage auf. da ist von der “erschütterung der traditionellen herrschaftssysteme in der BRD” die rede und dass “die alternative revolution oder konterrevolution eine greifbare realität” geworden ist. ich weiss nicht, in welchem revolutionären alice im wunderland die MI lebt, aber ich kann diese einschätzungen nur als vollkommen übertrieben — um es milde zu sagen — bezeichnen. und das sowohl in “objektiver” hinsicht, in “subjektiver” hinsicht könnte man die MI “analyse” geradezu als fieberwahn bezeichen.

richtig ist, dass das weltsystem im ganzen in eine krise geraten ist, die insbesondere in den “halbkolonialen” ländern zu einem wechsel der politischen eliten geführt hat. die direkten marionetten des imperialismus wurden ausgetauscht durch nationalistische oder islamistische kräfte, die etwas mehr nationale souveränität versprechen, im endeffekt aber genauso handlanger des imperialismus sind. oder solche revolten (steckengebliebene revolutionäre prozesse, z b ägypten) enden in einer militärdiktatur. mit anderen worten: zwar tauschen sich die köpfe aus, die sozial-ökonomischen strukturen bleiben aber.

der grund für diese emanzipatorischen sackgassen lässt sich in einem satz zusammenfassen: es existiert keine politische kraft mit Masseneinfluss in der welt, die ein “revolutionäres programm” vertritt.

wer soll mit der NAO initiative angesprochen werden?

die MI kritisiert, dass die SIB essentials möglicherweise das DKP und ML spektrum ausklammern und dass die “einheit der subjektiven revolutionäre” nicht sehr realistisch ist.

obwohl mir keine stellungnahme der SIB bekannt ist, die z b die DKP “ausklammert” (eher das gegenteil ist der fall!) ist dies trotzdem eine wichtige frage. ich persönlich würde z b (zumindest momentan) nichts mit der MLPD zu tun haben wollen oder — um noch extremere beispiele zu nennen — ich würde auch die PSG und die SpAD nicht in einer NAO dabei haben wollen. die MLPD nicht, weil ich eine bestimmte haltung zum “stalinismus” habe (was in der NAO noch gar nicht wirklich diskutiert wurde), die PSG und die SpAD nicht, weil es sich im wahrsten sinne um kultische sekten handelt. wobei die PSG noch mal obskurer ist als die SpAD. aber im endeffekt nimmt sich das nichts.

in der DKP scheint man zumindest für eine “innerlinke debatte” offen zu sein und insbesondere die DKP in berlin vertritt sehr “linke” positionen für das DKP spektrum. ich bin also im höchsten grade dafür, dass auch die DKP mit ins NAO boot geholt werden sollte (natürlich auch SDAJ und solid). aber natürlich stellt sich auch in der debatte mit der DKP die frage: was war der “realsozialismus” und welche lehren sind daraus zu ziehen?

weiterhin fällt mir in dem MI statement eine vermischung von “sozialer bewegung” und “parteiaufbau” auf, die vieles an “bewegungen” als “revolutionär” hochstilisiert, was aber de facto maximal gradualistisch ist. es wird so getan, als ob solche bewegungen direkt einen revolutionären input hätten, während in wirklichkeit so ein input erst durch die intervention einer revolutionären kraft entstehen kann.

„Grundlage einer Bewußtseinsbildung mit dieser strategischen Perspektive sind unserer Ansicht nach positive Beispiele. Die revolutionären Bewegungen im arabischen Raum, in Griechenland, die Massenaktionen auf der iberischen Halbinsel sowie die Occupy-Bewegungen inspirieren sich gegenseitig. Nicht zuletzt vermitteln sie den Beteiligten selbst das Gefühl dafür, daß ihren kollektiven Aktionen ein enormes Stärkepotential innewohnt. Aktionseinheiten, Demonstrationen, Streiks etc., überhaupt jede Aktivität, die das Kollektivbewußtsein stärkt, ist in diesem Sinne ein strategischer [sic !!!!] Schritt in Richtung Sozialismus.“

ich will diese unterscheidung um gottes willen nicht mechanistisch verstanden wissen, aber als revolutionär sollte man schon unterscheiden können zwischen dem politischen gehalt einer bewegung und einer TAKTISCHEN ORIENTIERUNG VON REVOLUTIONÄREN.

der reformismus der LINKEn

ich stimme mit der MI überein, dass die einschätzung der LINKEn eine wesentliche grundlage für den NAO prozess darstellt. da der reformismus begriff für marxisten eine existentielle bedeutung hat, darum ein paar anmerkungen dazu.

dass bürgerliches bewusstsein in der arbeiterklasse vorherrscht, ist in der tat “normal”. es kann gar nicht anders sein, da sämtliche bewusstseinsbildende prozesse über “bürgerliche” strukturen und (hegemoniale) medien laufen. trotzdem befindet sich die arbeiterklasse in einem permanten “abwehrkampf”, der auch entsprechende strukturen hervorbringt. das sind zum einen die gewerkschaften, die aber eher partikularismus betreiben (also im prinzip NICHT mal reformismus darstellen) zum andern die grossen Massenparteien, die ihren ursprung in der arbeiterbewegung haben. in deutschland ist dies natürlich die SPD, die trotz aller neoliberalen schweinereien immer noch den nimbus der partei der “kleinen leute” hat. und man sollte nicht glauben, dass die SPD nicht mehr in der lage wäre, diese trumpfkarte auch auszuspielen, wenn es ihr politisch opportun erschiene.

bei der LINKEn sieht die lage etwas anders aus. die LINKE ist das direkte nachfolgeprodukt einer stalinistischen staatspartei, die daher a priori oberflächlich einen etwas “linkeren” eindruck macht. auch existieren linke strömungen in ihr, die einen antikapitalistischen oder gar revolutionären anspruch haben. die LINKE als ganzes betreibt aber eine vollkommen systemimmanente politik und ist auch in ausserparlamentarischen initiativen so gut wie nicht präsent. auch wenn ihr programm formal eine “überwindung des kapitalismus” enthält, realpolitisch ist das nichts anderes als die berühmte sonntagsrede zur reformistischen alltagspraxis, die nur eins erzielt: die stabilisierung der bestehenden herrschaftsstrukturen.

um diesen würgegriff der bürokratischen apparate auf die arbeiterklasse zu brechen, bedarf es in der tat taktiken. aber taktiken können nur angewendet werden, wenn man sich auch in der strategie einig ist. und dazu bedarf es des aufbaus einer revolutionären partei (2). aktionseinheiten sind dafür zwar ein MITTEL, sie sind aber nicht die vorstufe oder gar der ersatz für eine partei.

langristige mobilisierungskampagne oder organisierung der avantgarde?

die MI schlägt ein “gemeinsames politisches projekt”, eine “langfristige mobilisierungskampagne” vor, die sie als “embryonale einheitsfront” auffasst. sie schlägt dafür folgendes aktionsprogramm vor:

-Gesetzliche Einführung eines Mindestlohns von 10 Euro

-Rückgängigmachung der Hartz-Gesetze

-Rückkehr zur Altersrente mit 65

-Verbot der Privatisierung öffentlichen Eigentums

-Verstaatlichung der Banken

-Wiedereinführung der Vermögenssteuer, drastische Erhöhung des Spitzensteuersatzes und die Höchstbesteuerung aller Spekulationsgewinne

-internationale Solidarität gegen neoliberale Standortverteidigung

mal abgesehen davon, dass “einheitsfronten” (oder aktionseinheiten) gemeinsame AKTIONEN (punktueller natur) bei BESTEHENDEN POLITISCHEN DIFFERENZEN sind, wäre so ein programm nur die grundlage eines ausserparlamentarischen reformismus. die MI widerspricht sich m e selbst: auf der einen seite erkennt sie richtig, dass taktiken nur dann sinnvoll angewendet werden können, wenn auch übereinstimmung in der strategischen aufgabenbestimmung vorliegt, auf der anderen seite versucht sie, mit solchen “frontorganisationskonzepten” den leuten “revolutionäre lernerfahrungen” beizubringen. dass solche projekte nur eine kurze halbwertszeit haben und immer (oder häufig) in politischer frustration enden, kann aus der geschichte der linken gruppen seit den 70er jahren leicht nachgewiesen werden.
ich halte lieber am “sektiererischen” umgruppierungsprozess der vorgeblich revolutionären organisationen fest; insbesondere derjenigen, die über eine hohe programmatische übereinstimmung verfügen (3).
—————-
(1) http://www.marxismus-online.eu/display/dyn/x3f2f8a90-66f0-11e1-babf-8183d4962622/content.html

(2) partei im sinne von höchstem politischem bewusstseinsgrad; nicht bezogen auf wahlen. auf die wahlfrage möchte ich in diesem artikel nicht eingehen

(3) siehe dazu: http://systemcrash.wordpress.com/2011/10/06/die-notwendigkeit-der-revolutionaren-umgruppierung/

erstveröffentlichung: http://systemcrash.wordpress.com/2012/03/10/parteiaufbau-und-taktik/

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20 Antworten auf „Parteiaufbau und Taktik“


  1. 1 systemcrash 10. März 2012 um 17:41 Uhr

    „Ich habe in den letzten 6 bis 7 Jahren irgendwo zwischen 10 und 20 Gruppen und eben soviele Kampagnen durchlaufen. Ca. 2/3 der Leute, mit denen ich zusammengearbeitet habe, haben sich ins Privatleben zurückgezogen, einer ist vorübergehend in der Psychiatrie gelandet, einige im Suff geendet, einer hängt an der Nadel und einer hat Selbstmord begangen. Daran sind mit Sicherheit nicht nur die objektiven Bedingungen oder subjektives Unvermögen schuld: Die autonomen Strukturen haben diese Formen der Resignation und Verzweifelung hervorgerufen oder zumindest begünstigt. Ich selbst habe das Gefühl von Stagnation, leide zunehmend mehr unter den inneren Verhältnissen der Autonomen als unter den gesellschaftlichen Bedingungen (das ist vielleicht auch ein Privileg von weißen, männlichen Mitteleuropäern). In der Arbeit ist nicht zu spüren, wofür wir kämpfen und die Tatsache, nie einmal grundsätzlich seine Fragen einbringen zu können, sondern sich immer nur aufs Neue in Kampagnen hineinstürzen zu können, nervt. Zudem macht die autonome Geschichtslosigkeit vieles schwierig. Da das Wissen um Geschichte nicht als grundsätzliche Vorraussetzung für Politik begriffen wird, existiert keine Art „kollektives Gedächtnis“, alle fangen immer wieder am Nullpunkt an.“

    http://www.trend.infopartisan.net/trd0312/t390312.html

  2. 2 guenter 10. März 2012 um 19:10 Uhr

    DKP ausklammern? Aber ja doch!

    In obiger antwort auf die MI wird die berliner DKP völlig zu unrecht als links bezeichnet. die berliner DKP ist teil jenes ultrastalinist. gewendeten teils der DKP, die knapp 50% der partei ausmachen und kurz vor der kompletten übernahme stehen. leute, die selbst ihren langjährigen hardliner steigerwald mittlerweile als trotzkisten bezeichnen (!); leute die sich mittlerweile mit der „kommunist. iniative“ des 95j. altstalinisten gossweiler u.a. übriggebliebenen minisplittern auf die thesen des einstigen maoist. erzfeindes einigten, wonach bis stalins tod der sozialismus geherrscht habe, der dann durch chrustschow auf dem 20. parteitag -schwupp!- abgeschafft worden sei, also im ostblock nicht der stalinismus (der immer nur ein kampfbegriff der bourgeoisie gewesen sei) zusammengebrochen sei, sondern der „chrustschowianismus“. kurz, irre, die -völlig außerhalb der realität- glauben, daß mit der rückkehr zum puren stalinismus ihre einstige weltbewegung wieder auferstehen könne.
    diese leute hassen nach wie vor trotzkisten wie die pest und löschen auf ihren websites auch nur die allerkleinsten kritischen anmerkungen. so hatte ich z.b. auf deren online-blättchen „theorie&praxis“ -neben der gießener m.E. auch von der berliner dkp mit unterhalten- auszüge von einem artikel der „marxist. iniative“ (MI) gepostet (über hans heinz holz), was auch sofort gelöscht wurde. vielleicht sollte das die MI zur kenntnis nehmen, bevor sie diese stalinist. konterrev. mit ins boot holen möchte, die unsereinem wieder den kopf abschlagen würden unter bedingungen von macht.

    und ich halte es auch für eine besondere schande der ISL, daß die vor ein paar jahren -ich glaube, noch als VSP- etliche gemeinsame veranstaltungen mit der dkp bestritten unter dem motto „was uns gestern trennte muß heute nicht“ oder so ähnlich. naja, das kommt halt von den überresten jener einstigen vierten, die trotzki´s witwe natalia sedowa 1951 wegen deren „wiederannäherung an den stalinismus“ verließ, und die sich 1953 über ihre unterschiedl. einschätzungen in viele kleine splitter zerlegte, so daß die kontinuität zum ur-trotzkismus eigentlich gerissen ist. (der späte trotzki betonte immer den vollen konterrev. gehalt des stalinismus und seine ähnlichkeit mit dem faschismus.) die ISL-tendenz (damals noch gemeinsam mit dem RSB in einer gruppe, auch heute noch in einer dachorg.)vereinigte sich in den 80iger jahren in vielen ländern munter mit ultrastalinisten, wie in deutschland mit der kpd/ml und in portugal mit der UDP (fans des albanischen stalin enver hodscha). klar, warum sollte so jemand vor der dkp haltmachen? nur: in der dkp hat sich nicht wirklich was geändert, auch im vermeintl. reformflügel nicht, zu dem z.b. nina hager &steigerwald(!) gezählt werden. ein blick in die UZ genügt- alle seit jahrzehnten vertretenen positionen werden auch von den vermeintl. reformern wiederholt, und das geht bis in die kleinsten kleinigkeiten: gibt es z.b. einen artikel über frida kahlo &diego rivera, wird dem leser verschwiegen, daß dies trotzkisten waren, trotzki zeitweise bei denen wohnte und eine affaire mit frida hatte.
    steigerwald lobte diese mandel-isten oder pablisten oder wie ich sie nennen soll mal süffisant mit dem begriff „halbtrotzkisten“. ob die das vergiftete kompliment (aus d i e s e m munde!) noch begriffen haben?
    jedenfalls ist es schon schwierig, die ISL als beinahe-halb-vorpfosten der dkp bei einer NAO dabeizuhaben (auch einige SIB´ler kommen wohl aus dieser tendenz), aber auch die DKP selbst? ohne mich!
    (im übrigen erübrigt sich hier eine diskussion, ob eine NAO die dkp einbeziehen sollte, da die mit sicherheit dies selbst nicht wollen werden!)

  3. 3 systemcrash 10. März 2012 um 21:09 Uhr

    vlt sollte man auch bei der DKP zwischen basis und führung unterscheiden? ich halte jedenfalls eine taktische orientierung auf die DKP momentan für sinnvoller als auf die LINKE; allerdings habe ich kein konzept, den stalinistischen reformismus gegenüber dem sozialdemokratischen für irgendwie „fortschrittlicher“ zu halten. stalinophobie lehne ich genauso ab wie stalinophilie. für eine debatte über die einschätzung des stalinismus ist dieser thread aber nicht geeignet, aber jegliche totalitarismus“theorie“ lehne ich ebenfalls ab. ich halte ALLE theorien innerhalb des trotzkismus über die einschätzung des stalinismus für falsch (deformierter arbeiterstaat, staatskapitalismus, bürokratischer kollektivismus; wobei mir letztere noch am nächsten liegt)

    http://systemcrash.wordpress.com/grundzuge-einer-synthetischen-theorie-des-stalinismus-thesen/

  4. 4 B.I.Bronsteyn 10. März 2012 um 21:39 Uhr

    @systemcrash
    Was du nicht verstanden hast, ist die Bedeutung einer gemeinsamen Praxis für eine Annäherung auf der prinzipiellen Ebene.
    Um es mal deutlich zu machen:
    Was Positionen und Einschätzungen angeht, stehe ich manchmal der Arbeitermacht oder wsws.org näher („formell“) als allen hier beteiligten Organisationen und Gruppen.
    Allerdings handelt es sich bei beiden Gruppen nach meiner Einschätzung um Sekten, und das mache ich an Fragen der Praxis fest.
    wsws.org beispielsweise betreibt schon konzeptionell eine Politik der Mini-RGO, ruft zum Austritt aus den systemtreuen Gewerkschaften auf und empfiehlt statt dessen ihre „Fabrikkomitees“. So gediegen viele Analysen von wsws.org oft sind, auf der Ebene der Organisation der Arbeiter sind sie so sektiererisch wie es nur irgendwie möglich ist (Großkundgebung auf dem Berliner Herrmannplatz mit 12 Teilnehmern).
    Gediegende Analysen sind bei der Arbeitermacht noch viel seltener, dafür habe ich Repräsentanten dieser Gruppe ganz praktisch als Lügner und Intriganten erlebt.
    Ebenso wenig wie man ein Individuum danach beurteilen kann, wonach es sich dünkt, ebenso wenig kann man eine Gruppe nur nach ihrer Selbsteinschätzung und selbst ihren politischen Einschätzungen beurteilen.
    Bei der Aufgabe des Aufbaus einer klassenorientierten Arbeiterbewegung aber ist der anziehende und attraktive Charakter der Praxis einer Gruppe der entscheidende Faktor.
    Daher kommen Arbeitermacht und wsws.org für mich als Partner beim Aufbau einer Organisation der Revolutionäre nicht in Frage.
    Grundsätzlich aber halte ich die meisten Genossen von SIB, ISL und RSB aber für ehrliche subjektive Revolutionäre.
    Insbesondere was die ISL angeht, glaube ich, dass die Genossen einen selbstschädigenden Kurs (gemessen an ihren Intentionen) verfolgen, aber das ist etwas, was nur im Zusammenhang mit einer Vertrauen schaffenden gemeinsamen Praxis sich geduldig diskutieren lässt.
    Die von uns vorgeschlagenen Punkte (Aktionsprogramm) stellen keineswegs schon ein revolutionäres Programm dar, sondern eine Reihe von Losungen und Kampfzielen, über die praktisch Einigkeit und gemeinsames Handeln hergestellt werden kann.
    Du kannst natürlich gerne an deinen „sektiererischen Umgruppierungsversuchen“ herum laborieren, aber selbst wenn du da irgendwen für zusammenbekommst, wird die gemeinsame Praxis erst einmal der Testfall sein, um diese Einheit praktisch überhaupt etwas taugt.
    Ausserdem, lass mir dir folgendes sagen:
    In vielen Punkten stehe ich „formell“ manchmal (manchmal!) näher als allen anderen hier, aber ich glaube, du vergisst, dass du auch überzeugen können musst, wenn du glaubst, richtige Auffassungen zu haben. Deine Kommunikationsmethoden sind da leider oft sehr kontraproduktiv.
    Beispielsweise meine ich zu wissen, was die Intentionen eines Wal Buchenberg sind, auch wenn das, wozu sie ihn treiben, aus meiner Sicht nethodisch falsch und irrig ist (Fetischisierung der zentralistischen Planwirtschaft einerseit und der Kommunalisierung andererseits).
    Hier ist eine geduldige und sachliche Diskussion notwendig, bei der es auch wichtig ist, nicht nur an den Äusserungen der anderen Seite sich festzuhaken, sondern auch die Intentionen der anderen Seite zu begreifen, um an diesen anzuknüpfen.
    So funktioniert es grundsätzlich, wenn man jemanden von etwas überzeugt: man knüpft an dessen Intentionen an und nimmt sie ernst.
    Das, lieber Systemcrash, entdecke ich so gar nicht an dir, auch was unser Dokument angeht. Wir schlagen hier nicht das ultimative revolutionäre Programm vor, sondern den Grundriss eines Aktionsprogramms, das eine gemeinsame Praxis und die Schaffung von Vertrauen durch Zusammenarbeit ermöglicht.
    Erlaube mir noch eine Schlußbemerkung, die gut gemeint ist: Du schreibst von einer „partei im sinne von höchstem politischem bewusstseinsgrad“.
    Wie meinst du das denn?
    Ich meine, eine Herangehensweise wie deine, die die Schaffung von revolutionärer Partei und revolutionärem Programm auf ein pures Sammelsurium von Losungen (so wichtig die sind) reduziert und die Frage der revolutionären Praxis völlig ausklammert, ist nicht von höchstem Bewusstseinsgrad, sondern von niedrigst möglichem.
    Im Rahmen von COINTELPRO-Strategien haben es kapitalistische Apparate schon fertig gebracht, linksradikale Organisationen selbst zu begründen, das bekannteste Beispiel ist die MLPN.
    http://de.wikipedia.org/wiki/MLPN
    Es wäre für einen entsprechend mit Finanzmitteln ausgestattetem geheimdienstlichen Apparat ein leichtes, beispielsweise eine trotzkistische Organisation mit schön orthodoxen Losungen und „revolutionärem Programm“ zu begründen. Du würdest das gar nicht merken, sondern für eine „partei im sinne von höchstem politischem bewusstseinsgrad“ halten.
    Merkst du an diesem Gedankenspiel, wie sehr du auf dem Holzweg bist?
    Nein, das sind keine Phantastereien.
    Über einen Grigori Asew hatte die zaristische Ochrana die komplette terroristische Kampforganisation der Sozialrevolutionären Partei unter Kontrolle.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Jewno_Fischelewitsch_Asef
    Auch die Bolschewiki waren von solcherlei nicht verschont:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Roman_Wazlawowitsch_Malinowski

    Langer Rede kurzer Sinn: ich habe gelernt, Organisationen und Gruppen nicht in erster Linie nach ihren Positionen und ihrer abstrakten Programmatik zu beurteilen, sondern in erster Linie an ihrer Praxis.

    Was wir vorgeschlagen haben, entspricht dem, was Marx und Engels der SAP als Alternative zur vorschnellen Vereinigung mit dem ADAV vorgeschlagen hatte; eine geduldige Annäherung auf der Basis gemeinsamer Praxis.
    siehe
    http://bronsteyn.wordpress.com/2012/03/06/jeder-schritt-wirklicher-bewegung-ist-wichtiger-als-ein-dutzend-programme/

  5. 5 systemcrash 10. März 2012 um 22:06 Uhr

    so sehr ich deine historischen kenntnisse schätze, aber sie überzeugen mich nicht. du nennst beispiele aus MASSENORGANISATIONEN. ich bin eine einzelperson. und die orgas, die in frage kommen, liegen im bereich 10 – 150 männekens. alle haben nicht anderes als ihre ideen. praxis kann es erst geben, wenn eine gewisse handlungsfähigkeit gegeben ist, und dies im gegenwärtigen stadium auch nur exemplarisch. ich halte mich an den ausspruch von james p cannon „program first“ … und wenn der BND nix besseres zu tun hat als 5 leute gruppen zu unterwandern … bitte schön, dann ist er selber schuld (wobei ich ernsthaft bezweifel, dass selbst geheimdienst experten noch durch die sektengeschichte des trotzkismus durchblicken)

    übrigens: selbst ein Malinowski hat für die bolschewiki noch rekrutiert und damit zur revolution beigetragen; aufgrund interner strukturen, die eine gewisse kontrolle ermöglicht haben

    artikel auch gespiegelt:

    http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=22807&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=66941c57eb

  6. 6 DGS / TaP 11. März 2012 um 1:39 Uhr

    Ich finde obigen Ausgangsartikel ziemlich überzeugend.

    @ Bronsteyn:

    „Hier ist eine geduldige und sachliche Diskussion notwendig, bei der es auch wichtig ist, nicht nur an den Äusserungen der anderen Seite sich festzuhaken, sondern auch die Intentionen der anderen Seite zu begreifen, um an diesen anzuknüpfen.
    So funktioniert es grundsätzlich, wenn man jemanden von etwas überzeugt: man knüpft an dessen Intentionen an und nimmt sie ernst.
    Das, lieber Systemcrash, entdecke ich so gar nicht an dir,“

    Der letzte Satz („so gar nicht“) übertreibt m.E. maßlos; aber im Kern ist da schon ‚was dran.

    @ DKP und GAM:

    Im Berliner Krisenbündnis vertreten sie oft Positionen, denen ich zustimmen kann.

    Vom Hörensagen ‚weiß‘ ich (meine ich zu wissen), daß die DKP im Klassenkampfblock-Bündnis eine wichtige und konstruktive Rolle spielt und frühere übertriebene Vorbehalte ggü. vermeintlichen und tatsächlichen „Linksradikale“ abgelegt hat.

    @ MaoistInnen und Stalin:

    M.E. sollte nicht das Falsche im Wahren, sondern das Wahre im Falschen Maos Position zu Stalin betont werden.

  7. 7 systemcrash 11. März 2012 um 10:43 Uhr

    „In vielen Punkten stehe ich [dir; anm v mir] „formell“ manchmal (manchmal!) näher als allen anderen hier, aber ich glaube, du vergisst, dass du auch überzeugen können musst, wenn du glaubst, richtige Auffassungen zu haben. Deine Kommunikationsmethoden sind da leider oft sehr kontraproduktiv.
    Beispielsweise meine ich zu wissen, was die Intentionen eines Wal Buchenberg sind, auch wenn das, wozu sie ihn treiben, aus meiner Sicht nethodisch falsch und irrig ist…“

    wenn du erkennen kannst, was die intentionen eines buchenberg sind, kann ich dir nur gratulieren. dann solltest du vlt eine praxis für inetrnetpsychologie eröffnen. vlt kennst du auch die wahren intentionen eines kautsky und kritisiert daher die harte wortwahl eines lenin ?

    ich jedenfalls für meinen teil halte mich an das, was andere SCHREIBEN. für kaffeesatzleserei habe ich in der politik keine zeit. die leute sollen sagen, was sie denken. wenn sie das nicht können, sind sie in einer linken organisation eh falsch. lenin sagte mal, die partei ist kein mädchenpensionat. genauso sehe ich es auch.

  8. 8 Mattte 11. März 2012 um 17:38 Uhr

    die leute sollen sagen, was sie denken. wenn sie das nicht können, sind sie in einer linken organisation eh falsch.

    Ist das ein Missverständnis oder willst du damit wirklich sagen, dass alle rhetorisch schlechten Leute in einer linken Organisationen nichts zu suchen haben? Was ist mit Leuten mit einer Sprach-Behinderung, dem heute so wichtigen Teil der Migrant_innen? Von den fast 7.000.000 Analphabeten in der BRD ganz zu schweigen….
    ich dachte, wir linken sind gerade für die Schwachen und Ausgegrenzten da, auch wenn das natürlich Grenzen hat.

    Ich bin auch gegen Kaffeesatzleserei, aber man muss seine eigenen Ohren halt auch öffnen um den anderen verstehen zu können.

  9. 9 systemcrash 11. März 2012 um 18:20 Uhr

    sorry, Mattte …. ich spreche hier von der organisierung der avantgardepartei. und auch leute mit sprachbehinderung können SCHREIBEN. auch leute mit migrationshintergrund können schreiben; häufig sind sie sogar klarer in ihren äusserungen, weil sie mit der (fremd)sprache nicht so verklausuliert umgehen.

    dass die avantgardepartei als volkstribun wirken muss …da rennst du bei mir wirklich offene scheunentore ein ;)

  10. 10 Mattte 11. März 2012 um 19:07 Uhr

    @systemcrash: siehst du, hätte ich jetzt nicht nachgefragt und dabei die Ohren geöffnet, hätten wir uns nie richtig verstanden. quod erat demonstrandum! ;-)

    @guenther: tut mir leid, dass ich dir schon wieder widersprechen muss, aber deine Thesen zur DKP kann ich so nicht stehen lassen.

    In obiger antwort auf die MI wird die berliner DKP völlig zu unrecht als links bezeichnet. die berliner DKP ist teil jenes ultrastalinist. gewendeten teils der DKP, die knapp 50% der partei ausmachen und kurz vor der kompletten übernahme stehen.

    Dies hört man immer wieder, ist aber trotzdem einfach falsch. Tatsächlich gibt es einen Flügel innerhalb der DKP der gegen den Parteivorstand aufbegehrt und von denen ein Großteil in der DKP Berlin zu finden ist. Diese sind aber keinesfalls stalinistisch sondern (wenn man sie schon in eine Schublade stecken muss) eher ultralinks. Was nicht ausschließt, dass einzelne Person daraus sehr fragwürdige Haltungen zu Stalin u.ä. haben.
    Zudem ist dieser Flügel alles andere als gleichförmig, sie sind sich eher einig in der Taktik. Taktische Fragen sind schließlich auch der Hauptgrund für das Aufbegehren dieses Flügels. So will dieser offener für den Sozialismus werben und (in Konkurrenz zur Linkspartei) an Wahlen teilnehmen, wobei hingegen der Parteivorstand Bündnisarbeit bevorzugt sowie das ein- mitwirken auf/mit der Linkspartei.
    Der ultralinke Flügel ist keinesfalls kurz vor der Übernahme, er dürfte z.B. Höchstens einen einziger Vertreter von ihnen im Parteivorstand sitzen.

    Wenn Du klare Beweise für einen Stalinismus hast, dann zeige das doch an klaren Aussagen in den Zeitungen oder Flugblättern der DKP.

    […]leute die sich mittlerweile mit der „kommunist. iniative“ des 95j. altstalinisten gossweiler u.a. übriggebliebenen minisplittern auf die thesen des einstigen maoist. erzfeindes einigten, wonach bis stalins tod der sozialismus geherrscht habe, der dann durch chrustschow auf dem 20. parteitag -schwupp!- abgeschafft worden sei, also im ostblock nicht der stalinismus (der immer nur ein kampfbegriff der bourgeoisie gewesen sei) zusammengebrochen sei[…]

    Auch das ist falsch. Es gibt sogar einen Unvereinbarkeitsbeschluss von der Mitgliedschaft der DKP und der kommunistischen Initiative und Parteiausschlüsse deswegen: http://www.kommunistische-initiative.de/theorie/artikel/638-warum-schliesst-die-dkp-jetzt-kommunisten-aus.html
    Vielleicht mag es noch den einen oder anderen Sympathisanten mit den Thesen der KI innerhalb der DKP geben, aber diese sind sicherlich nicht die Regel. Es gibt nun wirklich nichts eindeutigeres als einen Unvereinbarkeitsbeschluss.

    […]jedenfalls ist es schon schwierig, die ISL als beinahe-halb-vorpfosten der dkp bei einer NAO dabeizuhaben (auch einige SIB´ler kommen wohl aus dieser tendenz), aber auch die DKP selbst? ohne mich!

    […]

    Genau da haben wir ja das Grundproblem: wenn jeder andere Organisationen und deren Mitglieder ausschließt, wegen schlechten Erfahrungen oder ideologischen Unklarheiten, wird am Ende keine Organisation übrig bleiben und es damit auch keine NAO geben.
    Ich für meinen Teil bin jedenfalls nicht bereit, 4000 (!) Kommunisten einfach aufzugeben. Zudem, wie du selber sagst, die Frage eigentlich ja gar nicht ansteht. Die DKP wird sich wohl mit Sicherheit in nächster Zeit nicht selber auflösen. Dass man aber vielleicht einen (fortschrittlichen) Teil der DKP erreichen kann, ist vielleicht nicht unmöglich. Und als Bündnispartner halte ich sie sowieso für tauglich.

  11. 11 B.I.Bronsteyn 11. März 2012 um 21:54 Uhr

    Eine Antwort von Dieter Elken auf das Dokument von Systemcrash:

    http://auroranews.twoday.net/stories/75229447/

  12. 12 systemcrash 11. März 2012 um 22:15 Uhr
  13. 13 DGS / TaP 12. März 2012 um 4:42 Uhr

    @ systemcrash (11. März 2012 um 10:43 Uhr):

    „lenin sagte mal, die partei ist kein mädchenpensionat.“

    Genosse Lenin scheint sich ja manchmal ausgesprochen sexistischer bullshit-Analogien bedient zu haben.

  14. 14 systemcrash 12. März 2012 um 10:11 Uhr

    „Genosse Lenin scheint sich ja manchmal ausgesprochen sexistischer bullshit-Analogien bedient zu haben.“

    ich denke, sexismus lässt sich ubiquitär nachweisen. auch bei marx z b. das schmälert aber sicher nicht den wert der arbeiten der „klassiker“. das ist auch der grund, warum die „proletarische“ bewegung ALLEIN nicht zur überwindung des sexismus ausreichen wird, da die „partei (meist) wie EIN MANN dasteht“ ;)

    hier, denke ich, sollte der begriff „mädchenpensionat“ einfach nur im übertragenen sinne die „gehobenen sitten“ ausdrücken. (im gegensatz zu den „rauhen“ in der partei, die ja auch „proletarisch männlich“ geprägt sind)

    http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4dchenpensionat

    ich denke, die sexistische konnotation (aus heutiger sicht) dürfte lenin nicht bewusst gewesen sein. wenn er es gewusst hätte, hätte er gewiss eine andere umschreibung für den sachverhalt gefunden

  15. 15 Konrad Argast 12. März 2012 um 11:43 Uhr

    „lenin sagte mal, die partei ist kein mädchenpensionat.“

    Dieser Satz findet sich nirgendwo in Lenins Schrifttum, eine solche Äusserung wird ihm vielmehr zugeschrieben bzw unterschoben.
    http://www.monarchieforum.org/index.php?option=com_content&view=article&id=84&Itemid=79
    Ich finde es an dieser Stelle sehr peinlich für Systemcrash, gedankenlos mit einem solchen Pseudozitat auch noch zu argumentieren.
    Wenn du es liebst, Systemcrash, dass „raubeinig“ mit dir umgegangen wird, so kannst du das haben.
    Aber dass das mit solchen eindeutig sexistischen Konnotationen von dir auch noch zum Kommunikationsstandard hier erklärt wird, dem muss widersprochen werden.
    Kein Wunder, dass es dieses modische Lenin-Bashing mit unterschobenen Zitaten und Auffassungen so grassiert, wenn auch angebliche „Leninisten“ mit der Verbreitung von Unsinn über Lenin sich beschäftigen.
    Und dann, Systemcrash, zur Rede gestellt, schreibt du auch so noch einen Stuss:

    ich denke, die sexistische konnotation (aus heutiger sicht) dürfte lenin nicht bewusst gewesen sein. wenn er es gewusst hätte, hätte er gewiss eine andere umschreibung für den sachverhalt gefunden

    Nochmals in Bold auch für völlige Ignoranten:
    Das von Systemcrash Lenin zugeschriebene nicht nur mädchenverachtende, sondern allgemein menschenverachtende „Lenin-Zitat“ ist Lenin unterschoben worden und in seinen Schriften nicht auffindbar, ähnlich wie andere über ihn kursierende „Zitate“
    So ist „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ auch kein Lenin-Zitat, obwohl es auch von Trotteltrotzkisten und Trottelleninisten oft so behandelt wird.
    ES ist nicht dagegen einzuwenden, Systemcrash, durch Verwendung solcher Sätze wie „eine Partei ist kein Mädchenpensionat“ selbst nach Strich und Faden selbst zu diskreditieren, wenn das deine freie Entscheidung und dein freier Wille ist.
    Aber lass bitte Lenin aus dem Spiel, wenn du ausser den Titeln seiner Bücher die Inhalte nicht kennst.

  16. 16 systemcrash 12. März 2012 um 12:21 Uhr

    falls es keine lenin quelle ist, bitte ich das zu entschuldigen. ich weiss nicht mehr, wo ich das gelesen habe. es scheint sich aber tatsächlich um ein „zitat“ zu handeln, was lenin UNTERGESCHOBEN wird (ich hab mal gegoogelt und bin nur auf das bereits erwähnte „monarchieforum“ !!! gestossen, wo für dieses „zitat“ eine „sozialdemokratische quelle“ angegeben wird)
    http://www.monarchieforum.org/index.php?option=com_content&view=article&id=84&Itemid=79

    möglicherweise könnte es sich aber auch um eine ironische anspielung auf das smolny institut handeln, da es ja vor der revolution tatsächlich ein mädchenpensionat war
    http://de.wikipedia.org/wiki/Smolny-Institut

    danke für deinen hinweis @Konrad Argast

  17. 17 Konrad Argast 12. März 2012 um 12:23 Uhr
  18. 18 DGS / TaP 12. März 2012 um 17:10 Uhr

    @ systemcrash (12. März 2012 um 10:11 Uhr):

    ich denke, sexismus lässt sich ubiquitär nachweisen. auch bei marx z b. das schmälert aber sicher nicht den wert der arbeiten der „klassiker“. das ist auch der grund, warum die „proletarische“ bewegung ALLEIN nicht zur überwindung des sexismus ausreichen wird, da die „partei (meist) wie EIN MANN dasteht“ ;)

    hier, denke ich, sollte der begriff „mädchenpensionat“ einfach nur im übertragenen sinne die „gehobenen sitten“ ausdrücken. (im gegensatz zu den „rauhen“ in der partei, die ja auch „proletarisch männlich“ geprägt sind)

    http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4dchenpensionat

    ich denke, die sexistische konnotation (aus heutiger sicht) dürfte lenin nicht bewusst gewesen sein. wenn er es gewusst hätte, hätte er gewiss eine andere umschreibung für den sachverhalt gefunden

    1. Ja, „ich denke, sexismus lässt sich ubiquitär nachweisen.“ – Aber der Sexismus wird auch nicht dadurch richtig, daß die Genossen daneben auch richtige Sachen geschrieben haben.

    2. „einfach nur im übertragenen sinne“. Ja, aber das ist genau das Problem:
    Das Argumentieren mit Analogien, Bildern, Metaphern überzeugt nicht in der Sache (auch, wenn wir alle öfter oder seltener so argumentieren), sondern mobilisiert Parteilichkeit mittels politisch-kultureller Evidenzen und Präferenzen.

    3. Und die, die die diese politisch-kulturellen Präferenzen (im vorliegenden Fall: eine bestimmte proletarisch-männliche Kultur) nicht teilen, werden sogar abgeschreckt.

  19. 19 guenter 12. März 2012 um 17:14 Uhr

    Die obige Diskussion ob Lenin den Begriff Mädchenpensionat gebrauchte, finde ich albern &überflüssig. (Erinnert mich an die Aufregung in der Tudeh-Partei, die es als Fälschung bezeichnete, daß Marx seiner frau schrieb, für einen Kuß von ihr gäbe er alle Revolutionen drein). ob lenins bemerkung nach heutigem maßstab sexistisch war oder nicht, die klassiker waren auch nur menschen ihrer zeit, und Marx äußerte sich über Schwule so dumm, wie heutige rechte am Stammtisch („bin zum Glück zu alt, als daß ich dieser Partei, wenn sie an die Macht käme, noch mit meinem Arsch Tribut zollen müßte“). aber das schmälert nicht seinen sonstigen Verdienst. weitere diskussion hoffentlich überflüssig.---------------

    Aber an Matte:

    Ich meine das jetzt auch nicht beleidigend, aber mich nach Beweisen für den Stalinismus der DKP zu fragen, ist mir zu doof. Da kannste auch gleich die Beweisführung verlangen, wieso die kath. Kirche reaktionär sei. Also die Zeit um dir die Augen zu öffnen für das völlig Über-offensichtliche hab´ich jetzt nicht und auch keine Lust auf jemand, der die DKP so in Schutz nimmt, zumal Du bereits gegebene beispiele immer ignorierst. So wies ich doch darauf hin, wie die von ihren Websites konsequent jeden kritischen und jeden marxist. Kommentar löschen. So jemand würde unter bedingungen von Macht auch wieder menschen „löschen“; seinen nächsten „Sozialismus“ mit noch mehr Stasi aufbauen. Hier findet man einen Link zur DKP -was ich falsch finde- während du bei denen mit sicherheit keinen link zur NAO finden wirst oder zu einer trot-gruppe.
    Und was die „Unvereinbarkeitsbeschlüsse“ betrifft, an die sich keiner hält: wichtig ist auch nicht, wieviele oder wiewenig dkp´ler formell mit der KI (die gerade um kim jong trauert) zusammenarbeiten, sondern entscheidend ist die inhaltliche übereinstimmung. die thesen vom stalinist. dkp-philosoph hans heinz holz unterschieden sich nicht von gossweiler (KI).
    Und auf dem letzten dkp-parteitag hatte der superstalinist. flügel in mehreren fragen ca. 50% der abstimmenden für sich, das positionspapier des „reform“-vorstandes (der ja keineswegs schon frei von stalinismus ist!)wurde sogar mit knapper mehrheit gekippt! warum also spielst du deren einfluß so runter? entweder bist du ein dkp-u-boot, oder dir ist einfach nicht klar, daß stalinismus viel mehr bedeutet, als eine direkte bezugnahme auf stalin bzw. seine verehrung? jemand kann stalinist sein, ohne 1 zeile von ihm gelesen zu haben und ohne subjektiv für ihn zu sein, wenn er einfach viele aus dieser tradition kommenden dinge (was ihm noch nichtmal bewußt sein muß) automatisch übernimmt bzw. gelernt bekommt, wenn er in eine partei wie die dkp eintritt.
    aus diesem stalinist. arsenal zur verhinderung der weltrevolution stammen z.b. die revisionist. antimops-strategie der dkp oder die volksfronten, wonach sich rev. parteien unter hintanstellung des sozialismus dem bürgertum unterordnen sollen (siehe zerstörung der span. rev. 1936, wo die stal. alle rev. ermordeten, die GPU eigene foltergefängnisse in spanien unterhielt, wo auch POUM-führer andres nin ermordet wurde.)
    diese strategien werden vom superstalinist. flügel der dkp nicht in frage gestellt, man sollte also nicht darauf hereinfallen, daß solche voll re-stalinisierten parteien wie die griechische oder portug. KP etwas revolutionärer klingende phrasen draufhaben wie z.b. der „reformflügel“ der dkp. gerade die KKE hatte 1945, als sie die macht in griechenland schon in den händen hielt, diese an die britischen besatzer abgegeben, die dann das blutbad anrichteten. 1989 koalierte diese partei der klassenkampfsprüche mit der ND(!), der griechischen CDU. und um deren deutsches pedant möchtest du kämpfen?
    ich würde sagen, wir beenden die diskussion der dkp, da diese ja selber -wie auch du zugibst- gar nicht zur NAO will. also brauchst du dich auch nicht um die 4000 stalinisten (NICHT „kommunisten“!)bemühen. ----
    interessanter fände ich, wenn sich manuel kellner mal zu all den kritiken an seinem papier äußern würde.

  1. 1 Antwort von Dieter Elken (MI) auf Systemcrash « Bronsteyns Agentur für Augenöffnung und kreative Weltveränderung Pingback am 11. März 2012 um 22:26 Uhr
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