Eine breitere antikapitalistische Organisation aufbauen-Warum eigentlich nicht?

„Links von dem was politisch möglich erscheint, wollen wir neue Schritte gehen, um die isl zu entwickeln: Sie als revolutionäre Organisation aufbauen, um Austausch, gemeinsames Lernen, Strategieentwicklung und politisches Handeln für Aktive zu schaffen!
Durch den weiteren Aufbau unserer Organisation wollen wir Bewegungen stärken und die Zusammenarbeit der antikapitalistischen Linken forcieren!“ (Resolution der isl-Bundesmitgliederversammlung 2011)

1) Die Diskussion über den Aufbau einer Neuen Antikapitalistischen Organisation (NAO) hält nun schon einige Zeit an, ohne über einen kleineren Kreis von Interessenten hinauszureichen. Gerade das politische Milieu, das zu Beginn der Debatte von der Sozialistischen Initiative Berlin (damals noch unter anderem Banner) als Mitmacherin adressiert wurde, die Interventionistische Linke und insbesondere die Gruppe Avanti, scheint das alles nicht weiter zu kratzen. Das ist erst einmal mit Bedacht zur Kenntnis zu nehmen. Denn m.E. deutet das eine geringe Dynamik an, die eine solche Organisationsgründung haben würde. Das spricht nicht dagegen, dass sich die bisher an der Debatte beteiligten Gruppen, zu denen sich nun auch die internationale sozialistische linke gesellt hat, ernsthaft darüber unterhalten sollten und können, einen gemeinsame Organisation zu gründen.
Warum denn nicht?
Auch die isl will eine breitere antikapitalistische Organisation aufbauen. Im Juni 2011 hat unsere Bundesmitgliederversammlung einen grundsätzlichen Text verabschiedet, in dem sie diese Orientierung bekräftigt.
Darin heißt es:
„Wir werden uns in den nächsten Jahren politisch stärker in betriebliche und gewerkschaftliche Kämpfe und soziale Bewegungen einbringen, mit dem Ziel diese zu stärken und Selbstorganisation und Selbsttätigkeit zu fördern. Ein rein instrumentelles Verhältnis zu diesen Kämpfen und Bewegungen, nach dem sie in erster Linie der rekrutierung neuer Mitglieder dient, lehnen wir ab. Vielmehr verstehen wir diesen Prozess als ein Wechselverhältnis von Organisationsaufbau und Stärkung der Bewegungen sowie der politischen Linken. Wir wollen die isl als eine Organisation aufbauen, die den Aktiven einen gemeinsamen Rahmen bietet, um ihre Erfahrungen in den Kämpfen gemeinsam zu verarbeiten, zu lernen, programmatische und strategische Diskussionen zu führen und zusammen politisch zu Handeln. Unser Ziel, eine revolutionäre Massenpartei zu schaffen, werden wir wahrscheinlich nur gemeinsam mit anderen Teilen der bereits existierenden Linken und sich neu politisierenden Bevölkerungsteilen erreichen. Wir bauen die isl deshalb auf mit dem Wunsch sie in eine qualitativ bessere und politisch handlungsfähigere Organisation aufzulösen, die wir gemeinsam mit anderen Strömungen der antikapitalistischen und revolutionären Linken schaffen wollen.
>>Umgruppierungsprozesse<< in der radikalen Linken sind für uns eine wichtige Entwicklung, an der wir aktiv teilnehmen wollen. In diese Diskussionen bringen wir unsere eigene Tradition ein, wollen aber mit anderen gemeinsam lernen. Einige Grundsätze sind uns aber besonders wichtig. Wir streben dabei den Aufbau einer Organisation an, die sich durch umfassende innerorganisatorische Demokratie (inklusive dem Recht Tendenzen oder Plattformen zu bilden, um Dissens mit Mehrheitspositionen auszudrücken) auszeichnet; die antikapitalistisch, internationalistisch und antisexistisch ist; die in der Tradition eines Sozialismus von unten das kapitalistische Elend nicht mitverwalten und ein wenig besser machen, sondern durch eine sozialistische Demokratie ersetzen will; die dies als das Werk der ArbeiterInnen selbst und nicht ihrer StellvertreterInnen sieht. Wann und mit wem eine breitere, den Anforderungen an unsere politische Arbeit besser entsprechende Organisation entsteht, das ist offen. Um die Entstehung einer solchen Partei wahrscheinlicher zu machen ist es erforderlich, handlungsfähige Organisationen und organisierte Strömungen zu schaffen bzw. sie zu stärken, die einen derartigen Prozess anstoßen und mittragen wollen. Den Aufbau der isl sehen wir als Beitrag zur Förderung der Selbsttätigkeit der Ausgebeuteten und Unterdrückten, zum Aufbau und zur Stärkung von Strukturen der Gegenmacht von unten und zum Aufbau einer künftigen revolutionären Massenpartei.
Die Zusammenführung der Revolutionäre, so wünschenswert sie ist, reicht in diesem Zusammenhang nicht aus. Wir haben seit der Gründung der PT Brasiliens 1979, spätestens seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990/91 als politische Konsequenz der Krise der Sozialdemokratie und der vormals offiziellen („post-stalinistischen“) Kommunistischen Parteien einen Neuformierungsprozess der politischen Linken, in dem häufig revolutionär-marxistische und andere, meist neo-reformistische Kräfte zusammenwirken. In diesem Prozess gibt es bereits wichtige Erfahrungen verschiedener Art und auch Rückschläge wie in Brasilien (in Westeuropa z.B. Aufschwung und Niedergang der PRC, Aufschwung und Zerfallskrise der SSP).
Diese Erfahrungen zu bilanzieren ist eine wichtige Aufgabe. Die von uns angestrebte revolutionäre Partei der Zukunft bedarf einer strategischen Debatte über Mittel und Wege zum Sturz der Kapitalmacht und zur Überwindung des Kapitalismus. In diese Debatte wollen wir unsere Positionen gegenüber den reformistischen Strömungen einbringen – ohne missionarischen Hochmut und mit der Bereitschaft, von anderen zu lernen und die Erfahrungen vergangener und gegenwärtiger Massenbewegungen ehrlich aufzuarbeiten. Durch diese Haltung unterscheidet sich die isl grundlegend von anderen Organisationen, die sich auf die gleiche Denktradition stützen, im Gegensatz zu uns aber glauben, sie hätten die fertigen Antworten als Blaupause in der Schublade.
Unsere Mitarbeit in der Partei Die Linke und in der Interventionistischen Linken verstehen wir ebenso wie unsere Arbeit in Bewegungen, Initiativen und Bündnissen als wichtige Schritte auf dem Weg der Herausbildung der zukünftigen revolutionären Partei in Deutschland. In diesen Zusammenhang stellen wir auch die Erfordernis, die Spaltung der deutschen Sektion der Vierten Internationale in zwei politische Gruppierungen zu überwinden.“

2) Unsere GenossInnen vom RSB – für alle, deren Lieblingsthema nicht die Geschichte des Trotzkismus in Deutschland ist: RSB und isl bilden als zwei Organisationen eine Sektion der Vierten Internationale in Deutschland – haben sich zu den Beiträgen der SIB sehr konstruktiv verhalten. Der Grundton ist zustimmend. Das geht auch aus einem neueren Artikel hervor, der auf der Homepage des RSB online steht und vom Genossen Pitt geschrieben wurde:
„Wie viel Zeit bleibt noch, um eine bundesweit wahrnehmbare politische Organisation der ArbeiterInnenklasse aufzubauen? Und die Antwort lautet: So wenig, dass wir jede Initiative, die in die richtige Richtung geht, unterstützen müssen! Wenn von ca. 120 angeschriebenen Organisationen bisher ganze drei (SoKo, RSB und Interkomm) auf das `Na-Endlich`-Papier und die Initiative des SIB positiv reagiert, aber auch keine eigenen, besseren Vorschläge erarbeitet haben, dann überhören sie, welche Stunde dem Kapitalismus geschlagen hat.“

3) Abgesehen davon, dass ich den Grundton für falsch halte, ist dem impliziten Appell, wonach man sich doch zusammentun sollte, nicht zu widersprechen. Und es ist wohl auch so, wie die im Auftrag der Leitung des RSB verfasste offizielle Antwort auf die SIB titelt: Vereinigen ist besser als spalten!
Ob das nun unter dem Vorzeichen „Es ist allerhöchste Eisenbahn“ zu besprechen ist, das ist eine andere Frage. [Und vermutlich greift Pitts Vermutung auch zu kurz, dass alle Revolutionäre oder AntikapitalistInnen in dieser Republik, die auf das Na-Endlich-Papier nicht positiv reagieren, einfach nicht verstanden haben, welche Stunde dem Kapitalismus geschlagen hat. Vielleicht sind sie nicht begriffsstutzig, sondern einfach nur der Meinung einen besseren Weg zu kennen. Zumal es ja nicht so ist, dass es keine anderen Vorschläge gäbe, was „radikale Linke“ tun sollten. Die Orientierung der SAV oder Marx21, aka Linksruck auf die Partei Die Linke oder die Entwicklung des Projektes Interventionistische Linke sind ja schlechterdings als Verirrungen oder „keine Vorschläge“ abzutun. Dass eben von etwa 120 Organisation nur 3 reagiert habe, sagt eher etwas über das politische Kräfteverhältnis auf der Linken, den Grad der Selbsttätigkeit und die „Weite des Raumes“ für eine Organisationsgründung aus – Punkte, die auch Angela Klein bereits in ihrem Papier angesprochen hat. Aber das nur am Rande.]
Im Zentrum der kritischen Bemerkungen des RSB zum SIB-Papier stehen insbesondere Überlegungen der SIB zum Verhältnis gegenüber der Partei Die Linke. Da Manuel Kellner einen Beitrag zu dieser Frage verfasst hat, der hier veröffentlicht werden wird und den ich inhaltlich teile, will ich auf diese Frage hier nicht tiefer eingehen. Es wurde aber bereits in Angelas Papier deutlich, dass eine erhebliche Differenz darüber besteht, wie sich RevolutionärInnen dieser Partei gegenüber verhalten sollten – oder allgemeiner: Wie vor dem Hintergrund des historischen Niedergangs des an die Ostblockstaaten gebundenen Parteikommunismus einerseits, des Wandels der Sozialdemokratie von einer „sozialen Reformpartei“ hin zu einer Marktliberalität vertretenen Partei andererseits zu agieren ist. Anders: Wie sollte man sich politisch gegenüber Menschen verhalten, die nicht an die sozialistische Demokratie, sondern eine sozialere Gesellschaft glauben und deshalb aber nicht weniger bereit sind sich gegen das zu wehren, was ihnen an neoliberalen und normal-kapitalistischen Schweinereien zugemutet wird? Ein guter Teil dieser aufmüpfigen Menschen – längst nicht alle, natürlich! – ist in der Partei Die Linke organisiert oder orientiert sich zumindest an ihr. Sie sind mehr Vorhut – verstanden als der kämpferische Teil der Klasse, der auch zwischen den Aufs der Bewegungen aktiv an emanzipativen Projekten und Kämpfen teilnimmt – als die vielen selbsternannten Avantgarden mit Homepage, Textsammlung und präziser ideologischer Linie, die sich so im Internet tummeln. Das nur der Ehrlichkeit halber. [RSB, SIB, SoKo, Interkomms etc. sind damit ausdrücklich nicht gemeint].

4) Im Prinzip sind für mich zwei grundsätzliche Herangehensweisen und drei Taktiken möglich. Zum Herangehen: Man kann z.B. etwa auf diese Art analysieren, die ich persönlich nicht teile: Aus der Geschichte der ArbeiterInnenbewegung haben wir einiges über den Reformismus als Strömung gelernt und wissen: der ist schlecht, weil er die Leute auf dumme Ideen bringt, nämlich die eigentlich klassenkämpferischen Energien in ganz ruhige Bahnen lenkt, nämlich die des Parlamentarismus etc. pp. Der Reformismus ist so durch eigenartige Dialektik zwar aus der Bewegung hervorgegangen, er schwächt sie aber, ja, er integriert sie in das System. Also: Der Reformismus ist feindlich und gehört bekämpft.
Die zweite Herangehensweise sieht den Reformismus zunächst einmal als Teil einer Emanzipationsbewegung.
Als politische Bewegung, die den Kapitalismus mit Hilfen von Reformen überwinden will, ist sie nur zu erklären, wenn die Formen des Alltagsbewusstsein der Menschen, der Stand der Selbstorganisation der Lohnabhängigen und das politische Kräfteverhältnis in der Gesellschaft insgesamt berücksichtigt werden. Reformisten mögen sich nach unserer Überzeugung dann zwar darüber irren, wir betrachten sie aber als GenossInnen, mit denen uns das Ziel eint, eine befreite, eine klassenlose Gesellschaft zu schaffen. Über Wege und Ziel ist zu streiten. [Übrigens: Mit dem Wort Reformismus wird manchmal etwas sehr allgemein umgegangen. Ich bin der Meinung, dass es nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland keine reformistische Massenpartei mehr gab, die SPD war spätestens seit Godesberg eine linke Reformpartei mit Arbeiterbasis. Wirkliche ReformistInnen, wie beispielsweise Peter von Oertzen blieben politisch in ihr gänzlich marginalisiert. Das sog. Forum Demokratischer Sozialismus, also der rechte Flügel innerhalb der Partei Die Linke, ist ebenfalls im Wortsinn nicht reformistisch, sondern links reformpolitisch etc. pp. ]
Wie auch immer: Charakterisiert man nun eine Partei als reformistisch, dann kann man sie angesichts der erwähnten Herangehensweisen also einmal auf der anderen Seite der Barrikade verorten, das andere mal als Teil derselben Bewegung. Zu beiden Sichtweisen können taktische Wendungen wie „Einheitsfrontpolitik“ etc. passen – als historisches Beispiel will ich nur auf die gloreiche Idee der „Einheitsfront von unten“ verweisen. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass RSB und SIB die konstruktive Grundhaltung haben, im Reformismus also nicht den Feind sehen. Was uns nun trennen mag, das scheint die konkrete Frage zu sein: Was taktisch tun mit Blick auf linke Reformer und Reformisten und die diese politischen Strömungen tragenden sozialen und politischen Milieus? Die isl hat sich dazu entschieden in der Partei Die Linke mitzuarbeiten (Taktik 1).
Der RSB und die SIB sehen es als entweder grundsätzlich falsch an oder betrachten es als vergebliche Liebesmühe. Sie bevorzugen eher eine Einheitsfrontpolitik (Taktik 2). Eine andere Taktik ist: Gar nicht erst irritieren lassen. Ein kleiner Scherz.

5) In meinen Augen ist das eine wirklich wichtige taktische Differenz, die allerdings nicht daran hindern muss eine gemeinsame Organisation aufzubauen. Michael Schilwa überschrieb eine Antwort an Angela Klein mit dem Titel „Für einen NAO-Prozess ohne Rückfahrtschein“. Die Metapher ist vielleicht ein bisschen unglücklich gewählt, denn ein Zurück gibt es in der Politik kaum. Aber um im Bild zu bleiben: Wenn man losfährt, dann hat man vielleicht ein größeres oder ein kleineres Gepäck – abgesehen davon, dass in einer Reisegruppe meist nicht nur einer zu wissen meint, wo es eigentlich lang geht. Kurz: Die isl hat – zuletzt in der oben zitierten Resolution ihrer Bundesmitgliederversammlung erklärt – zum Aufbau eines antikapitalistischen Pols in der Gesellschaft beitragen zu wollen. Als Beitrag dazu verstehen wir unser Engagement in sozialen Bewegungen, Gewerkschaften, Partei Die Linke und Interventionistische Linke. Wenn wir nun also zusammenarbeiten wollten, könnten sich SIB und RSB (und auch SoKo und Interkomms) denn beispielsweise vorstellen, dass ein Teil der Mitglieder einer neu geschaffenen Organisation in der Partei Die Linke und in der Interventionistischen Linken mitarbeitet? Selbstverständlich, es gilt ja Demokratie in einer neugeschaffenen NAO, unter der Voraussetzung offener Debatte ihrer Politik? Und – eine Kritik der SIB an der IL beispielsweise lautet ja, deren „Prozess“ sei zu eng – politisch allgemeiner gefragt: Wenn die NAO nicht ein Zusammenschluss post-odersonstwas-trotzkistischer Kleingruppen sein soll, wäre sie denn auch offen für Menschen, die weiterhin in der Partei Die Linke oder in der Interventionistischen Linken arbeiten wollen, sich aber grundsätzlich mit den Grundsätzen und der politischen Kultur einer NAO identifizieren (können)?

6) Ich zumindest – und ich glaube aufgrund der Diskussionen innerhalb der isl: nicht nur ich – könnte mir das zumindest vorstellen. Auf der Grundlage der SIB-Essentials zusammengehen und dann weitersehen. Vielleicht wäre dabei auch ein Modell möglich, dass sowohl beim Linksblock in Portugal als auch bei den Einheitslisten in Dänemark benutzt wurde: Wir schaffen eine gemeinsame Organisation, in der die daran beteiligten Gruppen das Recht behalten, sich weiterhin als solche politisch eigenständig zu äußern. Möglicherweise ist ein solcher Vorschlag nicht einfach zu realisieren, erscheint mir aber den deutschen Verhältnissen angemessener zu sein, als eine Orientierung an der Entwicklung der NPA in Frankreich – nicht zuletzt, weil sowohl in Dänemark als auch in Portugal Kräfte zusammengingen, die sicherlich weitaus größere Differenzen hatten als RSB, SIB, SoKo, isl und vermutlich auch die Interkomms. Zugespitzt: Abgesehen von den grundsätzlichen Übereinstimmungen, die sich im SIBschen Ursprungstext abzeichnen – mal ehrlich: das sind ja immerhin einige Punkte, auf die sich zumindest Leute aus der Tradition der GIM leicht einigen können sollten und, das haben andere schon angemerkt, schon eine Menge inhaltiches Holz – braucht es zunächst einmal nicht programmatische Präzision oder ein hohen Grad an ideologischer Übereinstimmung (spöttisch: ideologischer Reinheit).

(Thomas, isl Kassel)

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33 Antworten auf „Eine breitere antikapitalistische Organisation aufbauen-Warum eigentlich nicht?“


  1. 1 Neoprene 08. März 2012 um 9:34 Uhr

    Wie willst du denn den so viel beschworenen revolutionären Bruch schaffen, wenn du es noch nicht einmal beim korrekten Zeilen-Umbruch hinkriegst?

  2. 2 systemcrash 08. März 2012 um 10:19 Uhr

    der text ist zwar lang und enthält viele worte, aber man könnte ihn in einem satz zusammenfassen: ach, wäre es schön, wenn wir alle zusammen, harmonisch und einträchtig, die „breite massenpartei“ schaffen könnten!

    dass der prozess des herausbildung einer revolutionären organisation selbst bestandteil des klassenkampfes ist und heftigste (ideologische) kämpfe erfordert, das scheint für zentristen irgendwie ein “ igitt denk-tabu“ zu sein… bloss nicht anderen leuten auf die füsse treten. daher lesen sich dann ihre texte auch so, als seien selbige eingeschlafen

  3. 3 Thomas 08. März 2012 um 11:02 Uhr

    wow, ich bin ob der „sachlichen“ auseinandersetzung beeindruckt.

    @systemcrash: der text unterstellt nach lektüre der papiere, dass zwei organisationen der vierten internationale (rsb und isl) plus sib und soko ein höchstmaß an grundsätzlicher übereinstimmungen haben (das ist eine these). nicht „wir alle“ ist daher adressat (z.b. nicht MI oder GAM oder wie sie nicht alle heißen…). das mit den füßen: das ist ja keine tugend an sich – und sicherlich halte ich es nicht für eine tugend unbedingt denen kräftig auf die füße treten zu müssen, die mir politisch am nähsten stehen (wenn du den text nochmal aufmerksam liest, dann wirst du feststellen, dass ich mich an keiner stelle positiv auf Systemcrash etc. beziehe).

    die logik der klarheit vor einheit, wie manche leninisten das ja manchmal haben wollen, ist natürlich immer nur relativ anzuwenden, die größte klarheit hat man alleine. ich glaube an soetwas nicht.

    und: sowohl in der zitierten sequenz aus der isl-resolution als auch am ende wird auch konkrete ERFAHRUNGEN hingewiesen, mit denen man sich auseinandersetzen muss. erfahrungen, deren politische erfolge man zu bewerten hat. ich halten den linksblock in portugal, die einheitslisten in dänemark, die npa in frankreich ebenso wie sinistra critica in italien für relative erfolge angesichts des gesamtzustandes der radikalen linken in europa – trotz aller probleme, die du/ihr natürlich immer darauf zurückführen kannst/könnt (a la arbeitermacht oder im fall der npa die dortige sav), dass man nicht bolle genug links ist. da kann man sich dann auch die konkrete analyse der konkreten situation ersparen und durch den hinweis darauf ersetzen, dass die herausbildung von organisationen teil von klassenkampf ist (was im übrigen ungefähr so tiefsinnig ist wie: schwimmen geht nur im wasser).

  4. 4 systemcrash 08. März 2012 um 11:56 Uhr

    ich denke, es gibt keine verallgemeinerbaren „grundsätze“, wie man eine revolutionäre organistation schaffen kann. wir haben alle nur unsere „ideen“ und sonst gar nix. und selbst bei den „grösseren“ organisationen ist die gesellschaftliche relevanz gleich null. die vorstellung der „addition“ einzelner gruppen der radikalen linken (auch wenn sie wünschenswert wäre), wird am kräfteverhältnis gar nichts verändern. dieser prozess würde also nur dann sinn machen, wenn er zu einer vertiefung der programmatischen annäherung führt. ich spreche mich ja gar nicht gegen aktionslosungen und exemplarische aktionseinheiten aus. aber das sind TAKTIKEN, der eigentliche „parteiaufbau“ kann nur auf der grundlage eines „revolutionären programms“ stattfinden. dieses zu definieren, darüber läuft der kampf.

    und eine organisation wie die isl, die auch die existenz der LINKEn als „fortschritt“ bezeichnet, wenn die mir sagt, an welchen vorbildern sich eine NAO zu orientieren hat, dann werden halt meine leninistischen reflexe aktiviert. (zumal ich auch nicht weiss, inwieweit beispiele aus anderen ländern überhaupt auf die deutschen verhältnisse übertragbar sind)
    was soll denn an der existenz der LINKEn ein „fortschritt“ sein, ausser das ein paar tausend leute mehr an parlamentarischen illusionen gekettet werden ! (unter tätiger mithilfe von marx21, SAV und isl!!!)

    „…hinweis darauf ersetzen, dass die herausbildung von organisationen teil von klassenkampf ist (was im übrigen ungefähr so tiefsinnig ist wie: schwimmen geht nur im wasser).“

    manche wahrheiten sind so „einfach“, dass sie gerne „übersehen“ oder verdrängt werden

    „Der Wirklichkeit ins Auge sehen; nicht den Weg des geringsten Widerstandes suchen; die Dinge beim Namen nennen; den Massen die Wahrheit sagen, so bitter sie auch sein mag; Hindernisse nicht fürchten; streng sein in den kleinen Dingen wie in den großen; Wagemut, wenn die Stunde der Aktion kommt; das sind die Regeln der IV. Internationale. Sie hat bewiesen, daß sie gegen den Strom zu schwimmen versteht. Die nächste geschichtliche Welle wird sie auf ihren Gipfel heben.“
    http://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1938/uebergang/ueberg2.htm#ban

    ps. wenn es stimmt, dass sich isl und RSB inhaltlich so nah stehen, warum existieren dann ZWEI [sic !!!!!] deutsche sektionen der „vierten [was für ein hohn !!!] internationale“? hier was von „einheit“ faseln und selber das gegenteil praktizieren: das sieht mir aus nach wasser predigen und selber wein saufen !

  5. 5 B.I.Bronsteyn 08. März 2012 um 13:55 Uhr

    Wenn ich jemals eine Schulung zum Thema Zentrismus halten sollte, so wäre dieser Text von Thomas / ISL das ideale Anschauungsmaterial zur Dokumentation.
    Ich meine das ganz im Ernst.
    Gerade in seiner (mit Verlaub) Naivität ist kaum ein geeigneterer Text denkbar, zumal auch köstliche Stilblüten zu finden sind.
    Einige Beispiele.
    Thomas konstatiert die „geringe Dynamik“ der „Organisationsgründung“ (die noch gar nicht erfolgt ist) und schreibt dann:
    „Das spricht nicht dagegen, dass sich die bisher an der Debatte
    beteiligten Gruppen, zu denen sich nun auch die internationale sozialistische linke gesellt hat, ernsthaft darüber unterhalten sollten und können, einen gemeinsame Organisation zu gründen.
    Warum denn nicht?“
    Man hat ja sonst nichts zu tun!
    Hat diese Dynamik vielleicht etwas mit Theorie und Praxis dieser anstehenden Organisationsgründung zu tun?
    Nö, wichtig ist, wie „breit“ sie ist.
    Das ist so ungefähr wie:
    Die Tage sind sowieso alle gleich lang, aber sie sind unterschiedlich BREIT.
    Es ist nicht so wichtig, was eine solche Organisation eigentlich will (Zwecksetzung) und tut (Strategie), vor allem BREIT sollte sie sein.
    Auch die isl will eine breitere antikapitalistische Organisation aufbauen
    BREITHEIT ist der Drehpunkt, die Pivotale (um mit Fourier zu sprechen) in diesem Prozess, BREITHEIT scheint so sehr durch alle Zeilen, dass sie eine eigene Qualität zu besitzen scheint.
    Ein wohl entscheidender Satz:
    Die Zusammenführung der Revolutionäre, so wünschenswert sie ist, reicht in diesem Zusammenhang nicht aus.
    Es muss noch BREITER sein (wie die Tage).
    Wenn wir nun also zusammenarbeiten
    wollten, könnten sich SIB und RSB (und auch SoKo und Interkomms) denn beispielsweise vorstellen,
    dass ein Teil der Mitglieder einer neu geschaffenen Organisation in der Partei Die Linke und in
    der Interventionistischen Linken mitarbeitet? Selbstverständlich, es gilt ja Demokratie in einer neugeschaffenen NAO, unter der Voraussetzung offener Debatte ihrer Politik? Und – eine Kritik der SIB an der IL beispielsweise lautet ja, deren „Prozess“ sei zu eng – politisch allgemeiner gefragt:
    Wenn die NAO nicht ein Zusammenschluss post-odersonstwas-trotzkistischer Kleingruppen sein soll, wäre sie denn auch offen für Menschen, die weiterhin in der Partei Die Linke oder in der Interventionistischen Linken arbeiten wollen, sich aber grundsätzlich mit den Grundsätzen und der politischen
    Kultur einer NAO identifizieren (können)?
    In der BREITE soll die NAO natürlich auch „offen“ für die Linkspartei sein.
    Dass Thomas / ISL eher die Gründung einer BREITEN Kulturvereins im Auge hat geht auch aus anderen Splittern hervor.
    Abgesehen davon, dass ich den Grundton für falsch halte, ist dem impliziten Appell, wonach man sich doch zusammentun sollte, nicht zu widersprechen
    Der falsche Grundton bezieht sich wohl auf das SIB-Papier, wonach „dem Kapitalismus die Sunde geschlagen hat“.
    Nicht so voreilig!
    Wie sollte man sich politisch gegenüber Menschen verhalten, die nicht an die sozialistische Demokratie, sondern eine sozialere Gesellschaft glauben und deshalb aber nicht weniger bereit sind sich gegen das zu wehren, was ihnen an neoliberalen und normal-kapitalistischen Schweinereien zugemutet wird? Ein guter Teil dieser aufmüpfigen Menschen – längst nicht alle, natürlich!– ist in der Partei Die Linke organisiert oder orientiert sich zumindest an ihr.
    Tja, seufz, wie sich da verhalten? Diese erdrückende Mehrheit des Proletariats von 70000 Parteimitgliedern der Linkspartei, die nur an eine soziale Demokratie „glauben“, aber nicht an die sozialistische Demokratie (an die wir – ehrlich gesagt – auch selbst nicht „glauben“), sollen wir die etwa „aussen vor“ lassen?
    Ja,ja, der Thomas, da hat er schon recht, das Dumme ist nur diese verbreitete „Feindseligkeit“ gegenüber dem „Reformismus“ (auch so ein verstaubtes Versatzstück dieser Dogmatiker).
    Aber mit BREITHEIT bekommt man das schon alles hin.
    Gegenüber dem Reformismus gibt es laut Thomas nur zwei mögliche Haltungen (eigentlich drei, aber die dritte ist bei ihm nur ein Scherz)
    1. „Man“ bekämpft ihn („der ist schlecht, weil er die Leute auf dumme Ideen bringt“), was aber offenbar nach Thomas Meinung schlecht ist. Nicht etwa deswegen, weil der Spätkapitalismus kaum noch Reformspielräume hätte, sondern deswegen, weil die Argumente gegen ihn verstaubt sind.
    2. „Die zweite Herangehensweise sieht den Reformismus zunächst einmal als Teil einer Emanzipationsbewegung.“ Und Emanzipation ist bekanntlich immer gut. Emanzipiert nicht auch der Neoliberalismus den Kapitalismus von sozialstaatlichem Balast? Und emanzipiert der Imperialismus von jeglichem Bezug auf bürgerliches Völkerrecht durch „fürsorgliche Intervention“?
    Emanzipation, das kann nichts schlechtes sein, Emanzipation, find ich gut, aber wenns geht bitte BREIT.
    Als politische Bewegung, die den Kapitalismus mit Hilfen von Reformen überwinden will, ist sie nur zu erklären, wenn die Formen des Alltagsbewusstsein der Menschen, der Stand der
    Selbstorganisation der Lohnabhängigen und das politische Kräfteverhältnis in der Gesellschaft insgesamt
    berücksichtigt werden. Reformisten mögen sich nach unserer Überzeugung dann zwar darüber irren, wir betrachten sie aber als GenossInnen, mit denen uns das Ziel eint, eine befreite, eine klassenlose Gesellschaft zu schaffen.
    Na, logisch ist das natürlich nicht. Oben war noch die Rede davon, dass die Reformisten nur eine „sozialere Gesellschaft“ wollen, jetzt aber „eint“ „uns“ mit ihnen sogar das Ziel einer klassenlosen Gesellschaft. Aber egal.
    Was tut man nicht alles, damit es möglichst BREIT wird!
    Wie auch immer: Charakterisiert man nun eine Partei als reformistisch, dann kann man sie angesichts der erwähnten Herangehensweisen also einmal auf der anderen Seite der Barrikade verorten, das andere mal als Teil derselben Bewegung.
    Es kann sich bei dieser „Bewegung“, wenn ich Thomas richtig verstanden habe, nur um die Emanzipations-Bewegung im BREITESTEN Sinne handeln (wie oben skizziert).
    Die ISL, so Thomas (und das geht wohlgemerkt aus seinen eigenen Sätzen deutlich hervor), „Die isl hat sich dazu entschieden in der Partei Die Linke mitzuarbeiten“ und das klingt durchaus so: wir machen beim Reformismus mit.
    Das klingt nicht nach Entrismus in irgendwelcher Art, das klingt so: wir machen aber mit.
    Der RSB und die SIB sehen es als entweder grundsätzlich falsch an oder betrachten es als vergebliche Liebesmühe. Sie bevorzugen eher eine Einheitsfrontpolitik (Taktik 2).
    Ach ja, da war noch:
    Eine andere Taktik ist: Gar nicht erst irritieren lassen. Ein kleiner Scherz.
    Folge ich einfach naiv dem Wortlaut seiner Zeilen, so sagt er letztlich: Man kann sich dem Reformismus nur unterordnen (Taktik 1) oder sich mit ihm einigen (Taktik 2, und bitte auch da BREIT), alles andere ist ein Scherz.
    Ich zumindest – und ich glaube aufgrund der Diskussionen innerhalb der isl: nicht nur ich – könnte mir das zumindest vorstellen. Auf der Grundlage der SIB-Essentials zusammengehen und dann weitersehen.
    Wenn nur alles BREIT genug, dann wird schon alles klappen, was auch immer.
    mal ehrlich: das sind ja immerhin einige Punkte, auf die sich zumindest Leute aus der Tradition der GIM leicht einigen können sollten und, das haben andere schon angemerkt, schon eine Menge inhaltiches Holz – braucht es zunächst
    einmal nicht programmatische Präzision oder ein hohen Grad an ideologischer Übereinstimmung (spöttisch: ideologischer Reinheit).
    Als ich Mitte der 70er Jahre die GIM verliess, hätte ich ehrlich gesagt ein solches Ausmass an politischer Degeneration nicht zu prophezeihen gewagt.
    Ich meine das ganz im Ernst. Auch ich war über 10 Jahre aus jeder praktischen Politik heraus. Ich meine, wenn man so völlig jede revolutionäre und sozialistische Orientierung verloren hat und nur noch in der Anbiederung an den Reformismus das Heil sucht, dann wäre es doch ehrlicher und besser, jeden Bezug auf revolutionäre Traditionen ganz aufzugeben,
    Wo soll dieser BREITHEITswahn denn enden?
    Wenn die Sozialdemokratie zu einem Linksschwenk gezwungen sein sollte, wird sie gewiss in diese BREITHEIT auch inetgriert werden müssen, und erst die Grünen, die ja im Prinzip eine Emanzipations-bewegung darstellen, oder nicht?
    Und – mal ehrlich – auch die Gründung der CDU 1949 war doch auch Ausdruck der Emanzipation der bürgerlichen Kernschichten vom Ultramontanismus und von Nationalismus, und damit eine gute Sache, oder etwa nicht?

    Das ist alles, was mir dazu einfallt

  6. 6 Thomas 08. März 2012 um 14:09 Uhr

    großartig, ich habe lange nicht mehr so gelacht.

  7. 7 Micha Prütz 08. März 2012 um 19:50 Uhr

    Mir gefällt der Beitrag.Er versucht nämlich auszuloten,was an Breite einer revolutionären Organisation notwendig ist.Ein ernsthafter Beitrag mit dem sich die Sib beschäftigen wird.Wir haben genau an diesem Prozeß der Auslotung ung ggf. Austarierung verschiedener Positionen großes Interesse.Das dies für manche Zentrismus pur ist, macht die Sache nur interessanter.

  8. 8 khs 08. März 2012 um 22:16 Uhr

    @ Micha Prütz

    Hallo, Deiner Meinung nach handelt es sich beim langen Statement von Thomas um einen Beitrag, der „versucht auszuloten, was an Breite einer revolutionären Organisation notwendig ist.“
    Tut er gerade nicht. Er behandelt die Klassenwirklichkeit der BRD nur aus der Froschperspektive seiner Organisation. Welche Kämpfe die Klasse oder Teile von ihr heute aus eigener Kraft zustande bringen, d.h. wie deren selbständiger Parteibildungsprozess verläuft, welche Verbindungen zwischen diesem und den sozialrevolutionären Kräften bestehen, die Behandlung dieser für einen Organisationsprozess grundlegenden Fragen = Null.
    Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass sich die IsL-GenossInnen in den Nao-Prozess einbringen – ganz im Gegenteil, aber einem Versuch, wie diesem von Thomas, die Debatte auf ein Niveau herabzuziehen, wie es bereits Ende der 80er Jahre durch die Gründung der VSP bestimmt war, lehne ich ab. Sollte sich die damalige Tragödie einer „Breite“ allerdings heute wiederholen, dann wohl als Farce. Solch eine Narrenkappe dann aufzusetzen, würde ich Dir persönlich abraten.
    mrg
    khs

  9. 9 systemcrash 09. März 2012 um 0:00 Uhr

    „Solch eine Narrenkappe dann aufzusetzen, würde ich Dir persönlich abraten.“

    ist die nicht schon längst festgewachsen ? ;)

  10. 10 Thomas 09. März 2012 um 0:10 Uhr

    @khs: thomas diskutiert die frage der nao aus der perspektive von leuten, die sich an der debatte darum beteiligen und von gruppen, die daran beteiligt sind. das mag eine froschperspektive sein, aber es ist eine, die von dem ausgeht, was da ist. und nochmal, im text ist insebsondere von rsb, isl, sib und soko die rede, denen politische gemeinsamkeiten unterstellt werden, die ausreichend sind, um sich zusammenzuschließen. mehr nicht.

    linke organisationen bilden sich auf der basis des standes der klassenauseinandersetzungen und ziemlich sicher ist das abhängig vom grad der selbsttätigkeit und der selbstorganisation. da auf diesem blog aber nicht die mannigfaltigfach kämpfende klasse diskutiert, sondern besonders kluge und sich klug findende marxistInnen und einige organisierte kerne, möchte ich doch mal wissen, warum es ein drücken des niveaus ist festzustellen, dass man für einen teil dieser gruppen gemeinsame positionen gibt (und für andere nicht, das kann man sich dann ja an ein paar fingern zusammenzählen).

    was die breite oder enge einer organisation angeht, so muss ich sagen: antikapitalismus, internationalismus, verständnis des sozialismus als rätedemokratie, einheitsfrontorientierung, ausgehen davon, dass sozialistischer übergang ohne sozialistischen bruch nicht zu haben ist etc. ist kein programm, aber gemeinsame zugänge zur politik, durch die hindurch man gemeinsam was aufbauen kann. ob eine organisation zu „breit“ oder zu „eng“ ist, geht nach meinem dafürhalten auch nicht aus der sache, sondern aus der konjunktur der klassenauseinandersetzung und der massenpolitisierung hervor. was heute als breite organisation sinnvoll ist, kann morgen schon überflüssig sein. und anders herum.

    und nun dürfte es nicht wirklich überraschen, dass leute aus der „zentristischen vierten“, die das revolutionäre programm all überall verraten, gerade auch in deutschland den ball annehmen, wenn andere leute ein solch zentristisches projekt aus frankreich gerne in deutschland machen wollen, nicht wahr?

    in der tat habe ich die klassenwirklichkeit der bundesrepublik nicht zum hauptgegenstand meines textes gemacht. geschenkt. die kämpfe, die in den verschiedenen schichten und fraktionen der lohnabhängigenklasse geführt werden – so oder so, progressiv oder reaktionär –, wären sicherlich zu analysieren wert. so what?

    nun bin ich ja auf neue neuigkeiten aus der klassenwirklichkeit gespannt, aber wenn man heute (das heißt 2012) eine nao aufbauen will, dann mit den politisierten menschen, die mindestens ein antikapitalistisches bewusstsein gewonnen haben und das für notwendig halten. also unterhalten wir uns über das massenbewusstsein und die radikalisierung. und ja, ich würde sagen, dass der teil der klasse, der politisch in der partei die linke sich engagiert oder sich an ihr orientiert (leider) der politisch entwickelteste ist. (mal abgesehen von denen, die in den kleineren organisationen der linken organisiert ist). wäre das anders, wir würden uns hier sicherlich nicht in einem besonders kleinen kreis unterhalten.

  11. 11 Tino Plancherel 09. März 2012 um 1:04 Uhr

    Wenn es auf diesem Blog einen gibt, der nicht nur eine Narrenkappe aufsetzt, sondern mit Haut und Haaren ein Narr IST, dann wohl derjenige, der sich auf diesem Blog als politischer Grossinquisitor aufführt, selbst ernannt von seiner Ein-Mann Kirchenpartei, die die Frage der Breite der Organisation nie ernsthaft stellen muss, weil sie auf alle Ewigkeit eine Ein-Mann-Partei der Konvergenz alles närrischen bleiben will – wenn es diesen also gibt, so ist es derjenige, der sich selbst den närrischen Namen systemcrash gegeben hat.

  12. 12 B.I.Bronsteyn 09. März 2012 um 1:24 Uhr

    Ich wollte eingangs sagen, dass ich Zentrismus nicht in der Art und Weise gebrauche oder gebrauchen will, um irgendjemanden zu diffamieren, wie das oft unter Trotzkos üblich ist.
    Aber Zentrismus ist eine historische Kategorie, die Beschreibung für einen bestimmten Typus Organisation, Partei oder Strömung.
    Und diese Kategorie ist definiert als eine politische Tendenz, die zwischen revolutionärer Politik und reformistischer Politik schwankt.
    Und dabei, das ist wichtig, handelt es sich um eine reale Kategorie, denn mit dem Kautskischen Zentrum, der USPD und später der SAP gibt es reale Beispiele, aus denen dieser Begriff ja entstand.
    Ich weiß auch, dass es unter (pseudo)trotzkistischen Sekten oft üblich ist, jede andere Gruppierung ausser der eigenen als zentristisch zu bezeichnen, was oft mehr der Ausdruck für den psychologischen Zustand der Gruppe ist, die das tut.
    Deswegen möchte ich nicht, dass dieser Begriff bei mir als Kampfbegriff verstanden wird, sondern als reale Kategorie.
    Es gibt nämlich grundsätzlich ein „Feld“ zwischen revolutionärer Politik und reformistischer Politik, und das gab es auch in allen wirklich revolutionären Prozessen, ob sie erfolgreich waren oder nicht. Und in vorrevolutionären und nichtrevolutionären Phasen gibt es das auch.
    Es existiert einfach immer.
    Natürlich ist die Frage, was denn eigentlich revolutionäre Politik ist, denn viele behaupten ja, eine solche zu betreiben. Aber genau das wollen wir ja klären.
    Thomas (ISL) vertritt hier also ein Konzept, das eine Art Einheitsorganisation vorsieht, die bis in die Reihen der Mitgliedschaft der Linkspartei reicht, die auch von Thomas als reformistisch bezeichnet wird.
    Vom Typ her würde das dem entsprechen, was historisch Zentrismus genannt wird. Habe ich ja gar nichts dagegen. Ich begrüsse es, wenn das Kind beim Namen genannt werden kann.
    Vielleicht ist ja die Strategie, linke Einheitsorganisationen „von ganz links bis halb links“ zu schaffen und so irgendwie die reformistischen Parteien (welche immer das dann sind) nah links zu schieben ganz stichhaltig, irgendwie.
    Aber dann ist es nicht korrekt von einer Einheit der Revolutionäre zu reden, die hier mit „NAO“ geschaffen werden soll, dann ist das eben ein zentristisches Projekt.
    Ich sage dazu, dass der zentristische Charakter einer Partei mich nicht unbedingt daran hindern würde, sogar einer solchen beizutreten, wenn dies aus meiner Sicht die Möglichkeiten der Sache der Organisation der Revolutionäre und der Sache der Organisation der Arbeiter verbessern würde.
    Zum Entrismus von Gruppen wie SAV oder Marx21 habe ich beispielsweise ein pragmatisches Verständnis. Entscheidend ist, was dabei herauskommt, ich bin da ganz unbefangen.
    Aber ich kenne allerdings nicht sehr viele Beispiele erfolgreichen Entrismus.
    Das ist für mich keine Prinzipienfrage abzuleiten aus irgendeiner Koransure.
    Das sind für mich taktische Fragen, und die sollten nach Effizienz entschieden werden.

    Aber die Frage, ob eine zentristische Organisation geschaffen werden soll, ist schon auch eine Frage von Ehrlichkeit. Man sollte das dann auch so benennen.
    Subjektive Revolutionäre können dann entscheiden, ob sie einem zentristischen Projekt beitreten wollen oder nicht.
    Aber es macht keinen Sinn, so zu tun, als sei „Zentrismus“ ein Unwort.
    Es ist eine reale Kategorie und wir sollten offen darüber sprechen.

    Die Konzeption der Gründung linker Einheitsorganisationen links von den poststalinistischen KPen mit Überlappung zu diesen ist schließlich Strategie mehrerer unterschiedlicher nicht nur trotzkistischer Strömungen. Lasst uns doch ehrlich darüber reden.

    Ich meine, dass zentristische Strömungen früher oder später von Reformismus aufgesaugt werden, jedenfalls war es bisher meistens so, weil ein wirklich glaubwürdiger revolutionärer Pol fehlte. Und für den Reformismus besteht das Problem, dass der Spätkapitalismus kein Reformspielräume mehr hat. Pech.

    So ist eben die Situation.
    Was kann man al subjektiver revolutionär da tun?
    Reden wir also über diese Konzeption und überprüfen, ob sie für eine revolutionäre Praxis taugt (was auch eine Frage dieser Praxis ist).

  13. 13 DGS / TaP 09. März 2012 um 2:27 Uhr

    „die Interventionistische Linke und insbesondere die Gruppe Avanti, scheint das alles nicht weiter zu kratzen. Das ist erst einmal mit Bedacht zur Kenntnis zu nehmen. Denn m.E. deutet das eine geringe Dynamik an, die eine solche Organisationsgründung haben würde. Das spricht nicht dagegen, dass sich die bisher an der Debatte beteiligten Gruppen, zu denen sich nun auch die internationale sozialistische linke gesellt hat, ernsthaft darüber unterhalten sollten und können, einen gemeinsame Organisation zu gründen.“

    Nein, meines Erachtens sollte der von Thomas zutreffend diagnostizierte Umstand Anlaß sein, zu analysieren, warum ein erheblicher Teil des Spektrums, das angesprochen werden sollte, sich bisher nicht zu einer – öffentlichen – Beteiligung an der Debatte entschließen konnte und welche für den Prozeß ebenfalls relevanten Spektren in dem „Na endlich“-Papier gar nicht erst adressiert wurden. Die post-autonome Szene beschränkt sich ja nicht nur auf die IL…

    „um die isl zu entwickeln: Sie als revolutionäre Organisation aufbauen,“

    „Wir wollen die isl als eine Organisation aufbauen,“

    „Wir bauen die isl deshalb auf mit dem Wunsch sie in eine qualitativ bessere und politisch handlungsfähigere Organisation aufzulösen,“

    Wie stellt Ihr Euch denn das – insb. zeitliche – Verhältnis zwischen isl-Aufbau und isl-Auflösung in eine neue Organisation vor?

    „Wir streben dabei den Aufbau einer Organisation an, die sich durch umfassende innerorganisatorische Demokratie (inklusive dem Recht Tendenzen oder Plattformen zu bilden, um Dissens mit Mehrheitspositionen auszudrücken) auszeichnet; die antikapitalistisch, internationalistisch und antisexistisch ist; die in der Tradition eines Sozialismus von unten das kapitalistische Elend nicht mitverwalten und ein wenig besser machen, sondern durch eine sozialistische Demokratie ersetzen will; die dies als das Werk der ArbeiterInnen selbst und nicht ihrer StellvertreterInnen sieht.“

    Einiges davon finde ich richtig, anderes etwas vage – aber auffällt vor allem, daß die Organisation nicht als revolutionäre charakterisiert wird.

    „Die Zusammenführung der Revolutionäre, so wünschenswert sie ist, reicht in diesem Zusammenhang nicht aus.“

    Das scheint mir dann ein anderes Projekt zu sein, als es die SIB mit dem „Na endlich“-Papier vorgeschlagen hatte. – Es sei denn, die isl meint, allein die Zusammenführung derjenigen, die sie für objektiv revolutionär hält, reiche nicht aus. – Aber es steht da nicht, daß sich die Beteiligten zumindest selbst für revolutionär halten sollen; daß es um eine Organisation von subjektiven RevolutionärInnen und nicht um eine Organisation von subjektiven RevolutionärInnen und anderen Linken geht.

    „Wir haben seit der Gründung der PT Brasiliens 1979, spätestens seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990/91 als politische Konsequenz der Krise der Sozialdemokratie und der vormals offiziellen (‚post-stalinistischen‘) Kommunistischen Parteien einen Neuformierungsprozess der politischen Linken, in dem häufig revolutionär-marxistische und andere, meist neo-reformistische Kräfte zusammenwirken. […]. Diese Erfahrungen zu bilanzieren ist eine wichtige Aufgabe.“

    Ich hatte das „Na endlich“-Papier dahingehend verstanden, daß der dort gemachte Vorschlag zur Gründung einer antikapitalistischen Organisation der subjektiven RevolutionärInnen bereits die Konsequenz aus einer solchen Bilanz ist – nämlich die Konsequenz der Analyse, daß es etwas anderes als linker Einheitsprojekte in der Breite der Refundazione Comunista in Italien oder der Linkspartei in der BRD bedarf.

    „Unser Ziel, eine revolutionäre Massenpartei zu schaffen,“

    „Um die Entstehung einer solchen Partei wahrscheinlicher zu machen“

    usw. – Was versteht Ihr unter Partei? Was unterscheidet Eures Erachtens eine Partei von anderen politischen Organisationen? Geht es Euch um ein Wahlprojekt?

    „Wie sollte man sich politisch gegenüber Menschen verhalten, die nicht an die sozialistische Demokratie, sondern eine sozialere Gesellschaft glauben und deshalb aber nicht weniger bereit sind sich gegen das zu wehren, was ihnen an neoliberalen und normal-kapitalistischen Schweinereien zugemutet wird?“

    Ich werde mit denen keine gemeinsame neue Organisation gründen, auch wenn ich mit denen gerne in Bündnissen zusammenarbeite. – Und auch mit Leuten, die nicht mehr zu sagen haben, als daß sie an „sozialistische Demokratie […] glauben“, werde ich keine gemeinsame Organisation gründen.

    „Reformisten mögen sich nach unserer Überzeugung dann zwar darüber irren, wir betrachten sie aber als GenossInnen, mit denen uns das Ziel eint, eine befreite, eine klassenlose Gesellschaft zu schaffen.“

    Das gilt für GradualistInnen, aber nicht für ReformistInnen.

    „Wenn wir nun also zusammenarbeiten wollten, könnten sich SIB und RSB (und auch SoKo und Interkomms) denn beispielsweise vorstellen, dass ein Teil der Mitglieder einer neu geschaffenen Organisation in der Partei Die Linke und in der Interventionistischen Linken mitarbeitet?“

    Das kann ich mir problemlos vorstellen – unter der Voraussetzung,

    -- daß die evtl. zu gründende Organisation eine revolutionäre Organisation (d.h.: ohne ReformistInnen und GradualistInnen als Mitglieder) ist

    -- daß sie mit ihren revolutionären Positionen auch in aktuellen Kämpfen und sozialen Bewegungen nicht hinter den Berg hält, sondern offen für sie argumentiert

    -- daß auch die Mitglieder der evtl. zu gründenden Organisation, die gleichzeitig in der Linkspartei und IL mitarbeiten, dort genauso verfahren (und dies scheint mir bei der isl – anders als bei SAV – bisher nicht der Fall zu sein)

    -- daß die evtl. zu gründende Organisation eine eigenständige politische Praxis unabhängig von den Mehrheitsmeinungen in Linkspartei und IL entfaltet.

    „Vielleicht wäre dabei auch ein Modell möglich, dass sowohl beim Linksblock in Portugal als auch bei den Einheitslisten in Dänemark benutzt wurde: Wir schaffen eine gemeinsame Organisation, in der die daran beteiligten Gruppen das Recht behalten, sich weiterhin als solche politisch eigenständig zu äußern. Möglicherweise ist ein solcher Vorschlag nicht einfach zu realisieren, erscheint mir aber den deutschen Verhältnissen angemessener zu sein, als eine Orientierung an der Entwicklung der NPA in Frankreich“

    Ja, so würde ich das vorerst auch sehen. Nur wäre noch zu ergänzen, daß auch die Wahlorientierung der genannten Beispiele den BRD-Verhältnissen nicht angemessen ist und vielleicht auch für Portugal und Dänemark diskutiert werden müßte.

    „das sind ja immerhin einige Punkte, auf die sich zumindest Leute aus der Tradition der GIM leicht einigen können sollten“

    Meines Erachtens braucht der NAO-Prozeß dringend ein wahrhaftiges und glaubwürdiges Signal, daß es eben nicht nur um die Wiederzusammenführung der GIM-Splitter (+ einiger FreundInnen aus SIB und SoKo) geht – das würde nämlich mich als Nicht-TrotzkistIn ziemlich wenig reizen.

  14. 14 Thomas 09. März 2012 um 8:14 Uhr

    @dgs

    - zur Linkspartei etc.:
    „Das kann ich mir problemlos vorstellen – unter der Voraussetzung,

    -- daß die evtl. zu gründende Organisation eine revolutionäre Organisation (d.h.: ohne ReformistInnen und GradualistInnen als Mitglieder) ist

    -- daß sie mit ihren revolutionären Positionen auch in aktuellen Kämpfen und sozialen Bewegungen nicht hinter den Berg hält, sondern offen für sie argumentiert

    -- daß auch die Mitglieder der evtl. zu gründenden Organisation, die gleichzeitig in der Linkspartei und IL mitarbeiten, dort genauso verfahren (und dies scheint mir bei der isl – anders als bei SAV – bisher nicht der Fall zu sein)

    -- daß die evtl. zu gründende Organisation eine eigenständige politische Praxis unabhängig von den Mehrheitsmeinungen in Linkspartei und IL entfaltet.“

    Völlig einverstanden. Mit dem kleinen Fragezeichen, was es bedeutet „revolutionär“ aufzutreten.

    - Zum Aufbau und zeitlichen Ablauf: Wir haben keinen „Aufbauplan“ oder etwas in der Art, wenn Du das meinst. Der Text basiert auf der Diskussion über Umgruppierungen in der europäischen radikalen Linken versucht schlicht nicht mehr zu sagen, dass wir aus einer revolutionären Tradition kommen, dass wir unsere Organisation aufbauen wollen und dass wir dabei aber offen bleiben für einen gemeinsamen Lernprozess mit anderen – und diesen auch wollen. Für uns, das wiederhole ich, ist ein solcher organisierter Lernprozess die Interventionistische Linke, ein anderer deutet sich hier im Nachklang eures Papieres an. Und wer könnte sagen, wie lange soetwas dauert und – unabhängig vom Gesprächspartner – was die guten Schritte wären?

    - zum Charakter der Organisation: revolutionär/antikapitalistisch. Ich bin Mitglied in einer revolutionären Organisation, ich war Mitglied in anderen revolutionären Organisationen. Wenn ich qualitativ etwas anderes machen möchte als das, was ich schon habe, dann in Abhängigkeit von meiner Einschätzung des politischen Raumes. In dem Text sind ja Erfahrungen angedeutet, die wir auswerten müssten. Dazu gehört ganz sicher nicht nur die NPA in Frankreich, sondern ähnlich gelagerte Versuche wie die SSP in Schottland. Faktisch scheinen sich an der Debatte bisher aber nur leute zu beteiligen, die subjektiv revolutionär sind. Insofern ist eine gemeinsame Organisation dann wohl subjektiv revolutionär.

    - Partei/Organisation: Das ist nur Stil im Text, für mich ist das gleichbedeutend im allgemeinen Sinn: Eine Partei wie die gemeinte Organisation ist ein Zusammenschluss von Aktivisten (als ich will in diesem Sinne eine Organisation mit Kadercharakter), die statuarisch festgelegte Rechte und Pflichten haben – für mich und uns unabdingbar: demokratisches Tendenzrecht –, sich gemeinsam ein Programm geben und auf dieser Grundlage kämpfen (und propagandistisch tätig sind). Ob sie zu Wahlen antritt ist eine taktische Frage.

    „Ich werde mit denen keine gemeinsame neue Organisation gründen, auch wenn ich mit denen gerne in Bündnissen zusammenarbeite. – Und auch mit Leuten, die nicht mehr zu sagen haben, als daß sie an „sozialistische Demokratie […] glauben“, werde ich keine gemeinsame Organisation gründen.“

    Das ist ein wichtiger Einwand, der zur Klärung hilft: Wenn ich von Menschen rede, die bei der IL oder der Partei Die Linke mitmachen, die auch Mitglieder in einer NAO sein könnten, dann muss ich das freilich ausdenken vom politischen Selbstverständnis der NAO denken. Mein Punkt ist der: In der Partei Die Linke gibt es AntikapitalistInnen – damit meine ich am Beispiel des örtlichen Kreisverbandes vielleicht subjektive Revolutionäre 10 von 130. Ich meinte nicht die gemeinsame Organisationsbildung mit Reformisten oder gar linken Reformern (es sei denn alles, was da um die AKL schwirrt ist pauschal reformistisch, dann haben wir einen inhaltichen Dissens).

    - Letzter Punkt: Mehr als GIM-Splitter.
    Ich bin absolut Deiner Meinung. Aber was nicht ist, kann man sich wohl nicht herbeiwünschen. Das gilt mit Blick auf andere „trotzkistische“ Gruppen (SAV, GAM) oder „linkstrotzkistische“ wie mit Blick auf die IL. Zur IL habe ich eine ganz einfache Haltung: Da läuft seit längerer Zeit ein interessanter und komplizierter Lernprozess, der aber wohl ziemlich weit von dem entfernt (noch?) ist, was ihr wollt. Eine gegründete NAO sollte sich m.E. gründen und an den Diskussionen in der IL teilnehmen. Ob eine Gründung einer NAO Nicht-Trotzkisten wenig reizen würde, das käme m.E. weniger darauf an, wer sie gründet, sondern wie sie Politik macht.

    Was die anderen trotzkistischen Traditionen angeht: Je kleiner die Gruppen, desto programmatisch begründeter sind doch die Separierungen. Was die SAV angeht, scheint die nicht besonders viel Interesse an Umgruppierungsprozessen zu haben (und um mal den schiefen Vergleich zur NPA in Frankreich zu ziehen: aufgrund ihrer Größe müsste sie in Deutschland die integrative Rolle der LCR spielen, was ich ihr nicht so recht zutraue). Und jede dieser Gruppen müsste freilich davon ausgehen, dass sie nicht schon in Kleinform die Organisation der Zukunft ist – die programmatisch und praktisch mal irrt, aber im Wesentlichen schon den richtigen Weg hat, den man nun nur noch wachsend weiter gehen muss. Wenn Umgruppierung dann heisst: Jeder hält dem anderen das (programmatische) Stöckchen hin, über das die anderen springen müssen, dann wird das sicherlich nichts. Und damit will ich nicht der inhaltichen Prinzipienlosigkeit das Wort reden – ich bin aus guten Gründen nicht Mitglied der GAM oder von Linksruck/Marx21, oder wenns ein anderes Spektrum sein soll: FELS oder Dissident –, sondern für eine offene Haltung plädieren. Das mögliche Programm oder die „ideologische Linie“ (ich reagiere hier auf Beiträge, die ich allgemein im Blog gelesen habe) in den Vordergrund zu schieben, kann ja nirgends hinführen. Denn die organisierten Kerne, die an Umgruppierung beteiligt sind, dürften in der Regel davon ausgehen, dass ihre Grundsätze die richtigen sind (die in der Regel auch in Abgrenzung zu Grundsätzen anderer Beteiligter geschrieben wurden). Das ist mal meine starke Vermutung.

  15. 15 Thomas 09. März 2012 um 8:34 Uhr

    @ DGS und Bronsteyn:
    Ich bin mir nicht ganz sicher, was ihr damit meint, dass eine Organisation „revolutionär“ sein soll. Mir würde es „reichen“, wenn sie von ein paar Grundsätzen ausgehen würde (die programmatisch zu differenzieren wären): Inhaltich: 1. Antikapitalismus, 2. Internationalismus, 3. Feminismus, 4. Ökosologie, 5. Antifaschimus. Strategisch: Klassenorientierung und Orientierung auf soziale Bewegungen. Aufbau von Klassenbewusstsein und Gegenmacht von unten. Vorstellung sozialistischer Strategie: Dynamischer Übergang, revolutionärer Bruch und neue Machtorgane anstatt kapitalistischer Staat.

    Ich weiss, einfach einen Link setzen ist schlechter Internetstil, dennoch. Ich finde Sinistra Critica das dahingehend interessanteste Projekt:
    http://www.rsb4.de/content/view/2769/88/

  16. 16 systemcrash 09. März 2012 um 10:20 Uhr

    „Wenn es auf diesem Blog einen gibt, der nicht nur eine Narrenkappe aufsetzt, sondern mit Haut und Haaren ein Narr IST, dann wohl derjenige, der sich auf diesem Blog als politischer Grossinquisitor aufführt, selbst ernannt von seiner Ein-Mann Kirchenpartei, die die Frage der Breite der Organisation nie ernsthaft stellen muss, weil sie auf alle Ewigkeit eine Ein-Mann-Partei der Konvergenz alles närrischen bleiben will – wenn es diesen also gibt, so ist es derjenige, der sich selbst den närrischen Namen systemcrash gegeben hat.“

    dass ist zwar völlig OT, aber da ich „persönlich“ angesprochen bin, möchte ich trotzdem antworten.
    in der tat bin ich der meinung, dass man nur psychisch überleben kann, wenn man die haltung des „narren“ zu diesem ganzen wahnsinn, der sich „leben“ nennt, einnimmt. dabei ist der „narr“ keineswegs geistig minderbemittelt, sondern er tarnt seine kritik unter der äusseren hülle des „ver-rückten“, um damit den wahnsinn der norm-alität zu entlarven und ein stückchen zu ent-rücken. ich finde, dass der narr der weiseste von allen hofnarren ist. und der grösste hofnarr ist der, der glaubt, über das narrsein erhaben zu sein.

    ansonsten versuche ich mich an die maxime von spinoza zu halten:

    „Nicht weinen, nicht zürnen, sondern begreifen!“

    ich wünsche ihnen einen schönen tag, herr P., jetzt, wo sie ihre pyschische verstopfung mal nach aussen führen konnten !

  17. 17 DGS / TaP 09. März 2012 um 13:37 Uhr

    @ Thomas (9.3.; 8:34 h):

    „Ich bin mir nicht ganz sicher, was ihr damit meint, dass eine Organisation ‚revolutionär‘ sein soll.“

    Sie sollte überzeugt sein,

    ► daß zur Überwindung von Klassenherrschaft, Patriarchat und Rassismus „revolutionäre Brüche“ (darüber wurde ja in diesem blog ausgiebig diskutiert [*], während die Texte von isl-Mitgliedern – wenn ich recht sehe – dieses Thema umschiffen) notwendig sind

    ► und dies auch nicht nur in einer unter Verschluß gehaltenen Grundsatzerklärung oder einer Theoriezeitschrift, sondern auch in den aktuellen politischen Interventionen auszuargumentieren ist.

    In theoretische Hinsicht hatte ich versucht, dies dort zu skizzieren:

    Was spricht eigentlich gegen Lenins Parteitheorie?

    und hinsichtlich des Unterschiedes zur IL-Praxis dort:

    http://arschhoch.blogsport.de/2012/02/23/kulturell-zu-eng-und-inhaltlich-zu-unbestimmt/.

    An anderer Stelle hatte ich diese Unterscheidung vorgenommen:

    „In den 1990er Jahren machte sich der linke mainstream […] auch unter Einbeziehung von vormaligen Linksradikalen (siehe dort und dort) – allerlei idealistisch-gradualistische Illusionen, egal ob sie nun (von der RAF) „Gegenmacht“, (von der PDS) „Transformation“ oder (von John Holloway) „Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen“ genannt wurden.
    Mir scheint, das „Na endlich!“-Papier war dagegen der Vorschlag, die ‚langen’ 90er Jahre zu beenden:
    „Viele GenossInnen haben für unseren Geschmack zu lange in Sozialforen gesessen, Teile auch der radikalen Linken sind saft-, kraft- und mutlos geworden. […].“
    Und: „Wir sind fest überzeugt (sonst würden wir uns nicht in das neue Projekt einbringen wollen), dass die Zeit trotz aller Schwierigkeiten reif ist für ein organisatorisches Angebot an dieses ‚Spektrum der subjektiven RevolutionärInnen’“.
    Dieser subjektiv revolutionäre Anspruch darf freilich, soll er zu gemeinsamer politischer Handlungsfähigkeit führen, nicht nur im Hinterkopf schlummern, sondern muß in der politischen Alltagsarbeit öffentlich ausgesprochen werden“.

    [*] Am klarsten dazu, wie mir scheint:

    »Revolutionärer Bruch«? Worüber reden wir hier überhaupt?

  18. 18 Thomas 09. März 2012 um 13:52 Uhr

    @dgs:
    na gut, die isl arbeitet natürlich als sektion der vierten internationale auf der basis deren statuten, in deren präambel es alles ganz klar geregelt ist. da hier soviel von „zentrismus“ die rede war, dachte ich, hier würden sich ausgewiefte trotzkismuskenner tummeln, die das alles eh kennen. glücklicherweise ist das nicht so.
    in der bereits zitierten resolution der bmv der isl heisst es zu diesen punkten:
    Die besondere Rolle der Arbeiterklasse in der sozialistischen Strategie
    Wir wollen eine sozialistische Demokratie schaffen, die auf der Selbstverwaltung der Produktion und der politischen Rätedemokratie fußt. Unsere Gesellschaft ist zwar durch eine Vielzahl von Herrschafts- und Unterdrückungsbeziehungen gekennzeichnet, die wir politisch gleichwertig ablehnen. (Revolutionäre) SozialistInnen müssen nach unserem Dafürhalten zugleich FeministInnen und AntirassistInnen sein. Die objektiven Fähigkeiten als Klasse, die kapitalistischen Produktionsweise zu überwinden, hat allerdings aufgrund ihrer Stellung im kapitalistischen Produktions- und Ausbeutungsprozess, allein die Lohnabhängigenklasse. Ihr kommt daher eine privilegierte, eine führende strategische Rolle innerhalb sozialistischer Politik zu. Auch dann, wenn die Selbsttätigkeit und Militanz der ArbeiterInnenklasse nur gering entwickelt ist, müssen SozialistInnen versuchen diese zu stärken, zu fördern und zur Entwicklung von Klassenbewusstsein beizutragen. Als Sektion der IV. Internationale kämpft die isl:

    * für die Sofort- und Übergangsforderungen im Interesse der Lohnarbeiter und Lohnarbeiterinnen;
    * für demokratische Rechte und öffentliche Freiheiten;
    * für einen revolutionären Bruch mit dem Kapitalismus, für die Ersetzung des bürgerlichen Staats durch die Staatsverwaltung der Produzentinnen und Produzenten selbst;
    * in den abhängig gehaltenen Ländern für das Hinüberwachsen der demokratischen und nationalen Kämpfe zu revolutionären antikapitalistischen Kämpfen;
    * für eine sozialistische Demokratie, die auf gesellschaftlichem Eigentum an den Produktionsmitteln, Selbstorganisation der Arbeitenden, Selbstbestimmung der Völker und Garantie der öffentlichen Freiheiten beruht, in dem Parteien und Staat voneinander getrennt sind;
    * für die Einheit der Massen- und Volksbewegung und der Arbeiterinnen- und Arbeiterklasse auf demokratischen Grundlagen, wobei Parteienpluralismus und Vielfalt von Tendenzen respektiert und die Unabhängigkeit von Bourgeoisie und Staat gewahrt bleiben;
    * für die Ausweitung der Formen von Selbstorganisation und die Einhaltung der demokratischen Rechte in den Kämpfen;
    * gegen alle parasitären Bürokratien (stalinistischer, sozialdemokratischer, gewerkschaftlicher, nationalistischer Art usw.), die die Massenorganisationen beherrschen;
    * gegen Unterdrückung der Frauen und für eine autonome Frauenbewegung;
    * gegen Unterdrückung der Schwulen und Lesben sowie sämtliche Formen von sexueller Unterdrückung;
    * gegen nationale Unterdrückung, für die Einhaltung des Rechts auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit der unterdrückten Völker;
    * gegen Rassismus und alle Formen von Chauvinismus;
    * gegen religiöse Fundamentalismen und für die Trennung von Religion und Staat;
    * für die Umwelt aus einer antikapitalistischen und antibürokratischen Perspektive;
    * für einen aktiven Internationalismus und internationale antiimperialistische Solidarität, für die Verteidigung der Interessen der arbeitenden Massen in jedem Land ohne Ausnahme, ohne Sektierertum und ohne Unterordnung unter diplomatische oder Nützlichkeitserwägungen;
    * für den Aufbau von revolutionären, proletarischen, feministischen und demokratischen Parteien mit aktiven Mitgliedern, in denen die Rechte auf freie Meinungsäußerung und Tendenzbildung anerkannt und geschützt sind;
    * für den Aufbau einer revolutionären Internationale, einer pluralistischen Masseninternationale.

  19. 19 DGS / TaP 09. März 2012 um 14:05 Uhr

    „Als Sektion der IV. Internationale kämpft die isl:
    […];
    * für einen revolutionären Bruch mit dem Kapitalismus,“

    Aber argumentiert denn die isl dafür in Flugblättern, die sie bspw. bei Krisenprotesten verteilt? Argumentieren isl-Mitglieder dafür in der Linkspartei und in der Interventionistischen Linken?

    (Von der SAV weiß ich, daß sie in der Grundsatzprogramm-Debatte der Linkspartei Änderungsanträge, die links von der AKL-Linie, den Programmkommissions/Parteivorstands-Kompromiß ja nicht in Frage zu stellen, standen, unterstützt hat. Hat das isl auch gemacht?)

  20. 20 Thomas 09. März 2012 um 17:00 Uhr

    @dgs:
    ich vermute, du oder ihr überschätzt grandios den anteil der mitglieder der isl, der in der partei die linke überhaupt aktiv etwas macht.
    ich zumindest argumentiere offen, soweit ich in der partei aktiv bin. was im übrigen kein problem ist, im gegenteil.
    was nun die sav und die akl angeht, so ist das eine komplizierte geschichte. ich hätte mir gewünscht, die sav würde den versuch unternehmen attraktiver pol für die antikapitalistische linke in der partei zu werden. ob oder dass sie nun anträge einbringt, die links von dem ist, was andere akl wollen, mag gut sein, kann ich aber so pauschal nicht beurteilen. eine offizielle linie „der akl“ gibt es aufgrund der wie ich finde lange undemokratischen verfasstheit dieser strömung j anicht. der linke flügel dieser partei ist ja diesbezüglich ein schlechter scherz.

  21. 21 Mattte 09. März 2012 um 17:15 Uhr

    Ob eine Gründung einer NAO Nicht-Trotzkisten wenig reizen würde, das käme m.E. weniger darauf an, wer sie gründet, sondern wie sie Politik macht.

    Das möchte ich mal rausgreifen, weil diese Problematik in der Diskussion allgemein zu kurz kommt. Denn wir sollten uns alle auch die Frage stellen: wie können wir das Projekt auch für Nicht-Trotzkisten attraktiver machen?
    Es soll sich ja eben nicht um einen reinen Umgruppierungsprozess innerhalb der Trotzkisten handeln, sondern auch andere antikapitalistische Strömungen umfassen. Sicher, die jetzige Grundlage sind hauptsächlich trotzkistische Organisationen, was aber kein Problem sein muss. Dies gilt aber nur, wenn man nach einem erst Zusammenschluss nicht gleich die fertige Organisation propagiert, sondern weiter den Umgruppierungsprozess innerhalb der radikalen Linken focusiert. Dazu würde dann eben auch gehören, einen (halb) fertiges Programm nochmal ganz von vorne zu diskutieren, wenn andere Organisationen dazukommen.

  22. 22 Michael Schilwa 09. März 2012 um 18:16 Uhr

    Die Reaktionen (z.B. von Systemcrash) waren vorhersehbar – was von „Mandelisten“ kommt, MUSS „prinzipienlos“ sein.
    Bronsteyn (dessen Berichte von der japanischen JRCL ich hoch spannend finde) unterscheidet
    bei der Rede von „Zentrismus“ zwischen „politischem Kampfbegriff“ und „realer Kategorie“.
    Das ist nicht mehr als rhetorischer Trick.
    Wer entscheidet denn, wann es sich um die Benutzung eines Kampfbegriffs und wann um die Beschreibung einer realen Kategorie handelt? Bronsteyn?
    Er selbst verwendet den Terminus (durchaus legitim) ja auch als „Kampfbegriff“:
    „Die Bochumer“ sind „Rechtszentristen“, dürfen wir SIB’ler auf das Rating „Linkszentrismus“ hoffen?
    Wenn alle Stricke reißen, bleibt ja noch die wunderschöne Formel „Zentrismus sui generis“.
    So kommen wir überhaupt nicht weiter, weil die große Mehrheit der politischen Aktivisten mit dem Begriff nichts anfangen kann, und die, die es können, meinen damit die unterschiedlichsten Dinge.

    Ich will mich aber nicht mit Zentrismus-Definitionen plagen, sondern auf Thomas’ Text eingehen.
    Ich finde ihn prima, vor allem weil er Mut macht.
    Denn endlich dreht mal einer die Perspektive um und fragt nicht „Warum?“ bzw. macht eine lange Liste mit ganz vielen „Warums“, sondern fragt „Warum eigentlich nicht?“.
    Oder anders: Wenn wir in 80 % oder gar 90% der Fragen übereinstimmen, warum in aller Welt organisieren wir uns weiterhin separat?
    Genau diesen „Perspektivenwechsel“ wollte die SIB anstoßen helfen.

    Ich stimme mit dem Text und seiner Herangehensweise fast vollständig überein.

    Ad 1) „Wir bauen die isl deshalb auf mit dem Wunsch sie in eine qualitativ bessere und politisch handlungsfähigere Organisation aufzulösen…“
    Fast wortgleich hat sich die SIB schon mehrfach geäußert und genau dies meinte ich mit meiner Rede vom NAO-Prozess „ohne Rückfahrscheine“.
    „Die Zusammenführung der Revolutionäre, so wünschenswert sie ist, reicht in diesem Zusammenhang nicht aus.“
    Das sehe ich anders (vielleicht verstehe ich Thomas aber auch nur falsch).
    Mal abgesehen davon, ob eine Zusammenführung von Revolutionären und Nicht-Revolutionären überhaupt wünschenswert ist, sehe ich nicht, welche nicht-revolutionären Kräfte sich einem NAO-Projekt anschließen wollen würden (wir wären doch schon froh, wenigstens einen gewissen Teil der Revolutionäre zusammen zu bringen).
    Auch die Bilanz der brasilianischen PT, der italienischen PRC und der schottischen SSP spricht m. E. gerade nicht für diese Argumentation von Thomas – eine NAO müsste links dieser Formationen angelegt werden (an diesem Punkt teile ich die Kritik von DGS).
    Ich bin aber optimistisch, dass wir in dieser Frage zu einer Verständigung kommen.

    Ad 2) Der nächste Punkt, der Mut macht.
    Sollten RSB und isl tatsächlich ernsthaft über eine Fusion reden (und also Thomas innerhalb der isl nicht nur eine Minderheitsposition darstellen), dann wäre das ein wichtiger Schritt vorwärts, den auch die SIB und der ganze NAO-Prozess nicht ignorieren könnten.
    Nicht quantitativ (2 × 70 oder 1 × 140 macht keinen großen Unterschied), sondern qualitativ
    (im Sinne eines starken politischen Signals: „Na bitte, geht doch!“).

    Ad 3) und 4) Was die IL angeht, bin ich mit Thomas einig, dass die dortigen Prozesse „zu langsam“ laufen.
    Der Grund dafür sind natürlich auch schwere politische Differenzen (zwischen mir und – z.B. Thomas Seibert oder Werner Rätz liegen Welten) aber eben auch die – nicht nur bei der radikalen Linken – weit verbreitete Haltung, den eigenen „Laden“ „schützen“ zu wollen.
    Zur PdL, zu Reformismus, Parlamentarismus und „Einheitsfront“:
    Bei der These „Reformismus als Teil der Emanzipationsbewegung“ würde ich Diskussionsbedarf anmelden, die Bemerkung „…im Reformismus also nicht den Feind sehen“ unterschreibe ich sofort.
    Thomas verweist ja auf den Beitrag von Manuel, der heute Morgen gepostet wurde.
    Nach dessen Lektüre kann ich’s kurz machen:
    Ich stimme zu 100 % überein!
    Manuels Beitrag ist ja eher eine Erwiderung auf den RSB als auf die SIB, ich will darauf aufmerksam machen, dass die Haltungen von SIB und RSB zu diesen Fragen nicht identisch sind (richtig ist allerdings auch, dass es in der SIB auch GenossInnen gibt, die eher zur RSB-Position neigen).
    Bevor jetzt alle FreundInnen von „ganz, ganz links“ aufschreien, empfehle ich noch mal die entsprechenden Passagen im die Debatte auslösenden „Na endlich-Papier“ zu lesen – Stichworte „Solidarische Konkurrenz“, „Keine Einheitsfront >von unten<“ usw.

    Ad 5) und 6) Aus oben Gesagtem ergibt sich die Antwort auf Thomas’ Frage von selbst.
    „…könnten sich SIB und RSB (und auch Soko und Interkomms) denn beispielsweise vorstellen, dass ein Teil der Mitglieder einer neu geschaffenen Organisation in der Partei die Linke und in der Interventionistischen Linken mitarbeitet?“
    Für andere am Prozess beteiligte Organisationen kann und will ich nicht sprechen, ich selbst sage „Auf jeden Fall“ und wenn wir uns über die von DGS formulierten „Bedingungen“ einigen können, gilt das auch für die SIB.
    Denn selbstverständlich gibt es auch innerhalb der PdL „subjektive RevolutionärInnen“ (ich befürchte mehr als außerhalb).
    Allerdings würde ich die „Rot/Grüne Einheitsliste“ in Dänemark oder den „Linksblock“ in Portugal aus ganz bestimmten (hier aus Platzgründen nicht zu diskutierenden Gründen) lieber nicht als Vorbild nehmen – aber das gehört wie gesagt zu den vielleicht 10 % überwiegend taktischen Differenzen, über die wir uns schon einigen werden.

    „Auf Grundlage der SIB-Essentials zusammengehen und dann weitersehen“ – auch wenn’s jetzt gleich Opportunismus-Vorwürfe hageln wird:
    Genauso machen wir’s !

  23. 23 Thomas 09. März 2012 um 18:48 Uhr

    @matte:
    ich will hier noch den vogel an vierte-prinzipienlosigkeit abschießen: ich selbst betrachte mich nicht als „trotzkisten“, in meiner ortsgruppe gibts auch keine (ich meine das jetzt nicht rethorisch oder in der art „trotzkismus ist ein fremdlabel“). sicher ist das bei den älteren in der isl anders, aber mich bestärkt das darin, dass ein nao, die wesentlich auch aus trotzkistischen traditionen sich fügt, nicht nicht-anziehend auch sich politisierende und radikalisierend menschen wirken kann. und auf diese sektoren sollte sie ja im wesentlichen zielen (also auf die kämpfe etc.)

    @m.schilwa:
    das mit den revolutionären und dem breiter angelegt: na ja, also mir – persönlich – geht es im wesentlichen um einen ganz einfach sachverhalt. zwischen reformisten (also politisch bewusst so agierenden menschen) und revolutionärInnen (also denjeningen, die sich für solche halten) mag es in der terminologie wenig geben, in der realen welt gibt es aber menschen, die antikapitalistisch sind, sich über wege und mittel noch nicht klar sind. solche leute will ich erreichen, das ist alles. würde ich mich für die nicht interessieren, dann könnte ich ja nur noch geschulte kader aufnehmen und ein zweck politischer organisierung wäre überflüssig, nämlich die bildung zur revolutionär-mündigen tätigkeit. im übrigen stimme ich persönlich nicht mit jeder formulierung überein, die die resolution enthält, so ist das nun mal bei kompromissen.

    @reformismus als teil der emanzipationsbewegung: ja, lass uns das mal diskutieren.

  24. 24 B.I.Bronsteyn 09. März 2012 um 19:21 Uhr

    Solange nicht ein gemeinsames Verständnis davon existiert, was revolutionäre Politik ist, kann es auch kein gemeinsames Verständnis davon geben, was konkret Zentrismus bedeutet.
    Das ist wohl klar.
    Und darüber, was eine sinnvolle revolutionäre Politik ist, muss natürlich auch diskutiert werden, oder was soll sonst dieser „Nao-Prozess“, wo auch ein Nichael Schilwa in seinem Beitrag oben die Einbeziehung von Nicht-Revolutionären ablehnt (seine eigenen Worte).
    Selbst wenn es keine Einigung innerhalb dieses Spektrums hier zu dieser Frage geben sollte, was durchaus nahe liegt, wäre es zumindest doch wichtig, was für verschiedene Vorstellungen darüber existieren.

  25. 25 B.I.Bronsteyn 09. März 2012 um 19:27 Uhr

    „Wer entscheidet denn, wann es sich um die Benutzung eines Kampfbegriffs und wann um die Beschreibung einer realen Kategorie handelt? Bronsteyn?“
    Unsinnige Frage.
    Natürlich entscheide ich darüber.
    Für mich eben und jeder andere für sich auch.
    Was soll der Blödsinn?
    Ich bleibe dabei, dass Zentrismus als reale Kategorie zu behandeln ist und es keinen Sinnmacht, als gäbe es diese Politikkonzeption der Versöhnung von revolutionären und reformistischen Positionen mittels permanenter verbaler und praktischer Kompromisse nicht.
    Es gibt sie, und sie wird ja auch hier von einigen vertreten.
    Ich bin ja völlig einverstanden damit, dass sie vertreten wird.
    Ich meine nur, sie sollte auch ehrlich diskutiert werden, das war der Sinn meiner Rede.
    Es sollte nicht so getan werden als gäbe es eine solche Politikkonzepzion nicht, wenn im gleichen Moment dafür geworben wird.
    Deswegen: lasst uns doch offen und ehrlich über diese Konzeption und ihre praktischen Erfolge (wo sie zu finden sind) reden.

  26. 26 Michael Schilwa 09. März 2012 um 19:36 Uhr

    Sorry liebe Leute,

    mein Beitrag wurde nur verstümmelt gesendet (es fehlt der Schluss).
    DGS stellt ihn gleich nochmal komplett ein.

    [Anm. DGS:
    Die Kommentar ist jetzt an obiger Stelle komplett.]

  27. 27 DGS / TaP 09. März 2012 um 22:05 Uhr

    @ Michael:

    „‚Auf Grundlage der SIB-Essentials zusammengehen und dann weitersehen‘ – auch wenn’s jetzt gleich Opportunismus-Vorwürfe hageln wird:
    Genauso machen wir’s !‘“

    Bisher gibt es, wenn ich recht sehe, von isl-Seite zu den 5 Essentials nur die Stellungnahme von Angela, daß sie ‚zu methodisch‘ seien.

    @ Thomas:

    „zwischen reformisten (also politisch bewusst so agierenden menschen) und revolutionärInnen (also denjeningen, die sich für solche halten) mag es in der terminologie wenig geben, in der realen welt gibt es aber menschen, die antikapitalistisch sind, sich über wege und mittel noch nicht klar sind. solche leute will ich erreichen, das ist alles. würde ich mich für die nicht interessieren, dann könnte ich ja nur noch geschulte kader aufnehmen“

    Ja, die will ich auch „erreichen“. Aber nicht alle, denen ich bei einer Krisendemo ein Flugi in die Hand drücken kann/will, will ich auch gleich in eine revolutionäre Organisation aufnehmen.
    Erst will ich sie von revolutionären Positionen überzeugen und dann aufnehmen; und als Zwischenstufe mögen SympathiesantInnen- (oder wie das wohl bei Avanti heißt: FreundInnen-)kreise nützlich sein.

  28. 28 Thomas 09. März 2012 um 22:36 Uhr

    @dgs:
    aufnahme… das halte ich für eine selbstverständlichkeit, zumindest halten wir es so mit aufnahmegesprächen. ich will mich jetzt nicht im detail verlieren, aber aufnahmevoraussetzung wäre für mich schlicht einverständnis mit den progammatischen grundlagen und der praxis der orga. und die ortsgruppe vor ort muss natürlich eine vertrauensvolle zusammenarbeit gehabt haben. von verfahren, wonach ich jemanden aufs richtige revolutionärsein prüfe, bevor er auch wirklich mitmachen darf halte ich dagegen nichts.

    @essentials: angela hat das ja kritisiert im zusammenhang mit anderen inhaltlichen punkten, die sie wichtig zu diskutieren fand. ich darf hier für alle mitglieder der isl sprechen: die essentials gehören zum abc. angela meinte vielleicht, dass es noch ein wenig mehr braucht als buchstabieren.

    @michael schilwa: die dgs-bedingungen zur partei die linke. wie gesagt, damit bin ich soweit einverstanden. womit ich nicht einverstanden bin, ist die sav als vorbild zu nehmen in dieser frage. ich habe in der solidarischen auseinandersetzung mit den genossen (du bist auch einer, gell?) immer vertreten, dass die sav einen sehr wichtigen beitrag zur herausbildung eines klassenkämpferischen linken flügels leisten könnte, wenn sie nicht wie die partei in der partei auftreten würde. damit meine ich nicht, dass man nicht klar flagge zeigen soll. das ist eine komplizierte diskussion, die ich gerne an anderer stelle auch mit anderen sav-lern gerne führen würde. nicht unbedingt unter dem stichwort „wie arbeitet man in der partei die linke“, eher im zusammenhang mit der frage, wie eine übergreifendere antikapitalistische organisation zu schaffen wäre. aber nochmal: ich habe nichts gegen dgs bedingungen.

  29. 29 Michael Schilwa 10. März 2012 um 5:56 Uhr

    Lieber Thomas,

    weder in meinem Kommentar noch sonst irgendwo habe ich die SAV
    als Vorbild (für was auch immer) dargestellt.
    Ich bin auch seit einigen Monaten nicht mehr SAV-Mitglied (eben weil meine SIB-Aktivitäten damit nicht mehr kompatibel waren).
    Ich dachte, dass wäre in der isl längst „rum“.

  30. 30 Thomas 10. März 2012 um 10:05 Uhr

    Lieber Michael,

    das war nicht an dich und erst recht nicht „gegen“ dich gerichtet, sorry, wenn es so rüberkam. Das mit dem Vorbild bezog sich auf DGS, der zweimal positiv die SAV benannte (in dem „bedingungen-zusammenhang“. Ich wollte nur darauf hinaus, dass ich die Rolle der SAV nicht nur positiv kämpferisch sehe (das tue ich), sondern auch – ums vorsichtig zu sagen – ungeschickt.

    Ehrlich gesagt hatte ich gehofft, Du seist Mitglied der SAV, denn das würde ja immerhin nicht ausschließen, dass auch sie ein Interesse daran hätte, gemeinsam mit anderen etwas anderes zu schaffen, was nicht nur die Erweiterung des eigenen Kerns darstellt.

    Nix für ungut.

  31. 31 Michael Schilwa 11. März 2012 um 16:25 Uhr

    Lieber Thomas,

    dass die SAV sich (auch und vorallem, aber nicht nur) in der PdL „ungeschickt“ anstellt, unterschreibe ich sofort (schöne Formulierung).
    Dass die SAV sich in Deutschland auf einen solchen „Umgruppierungsprozess“ einlassen wird, ist leider (!) fernab der Realität, auch wenn z.B. ihre irische Schwester in der „United Left Alliance“ genau das tut (und zwar mit der irischen Marx 21-Schwester !).
    So ist die SAV – nach den Stellungnahmen von isl und MI – z.B die einzige ernst zu nehmende trotzkistische Orga, die sich überhaupt noch nicht zur „NAO“ geäußert hat.
    Diese Haltung werden die GenossInnen nach meiner Einschätzung erst überdenken, wenn die Performance unseres Prozesses deutlich zulegt.

  32. 32 Thomas 11. März 2012 um 20:32 Uhr

    ja, das Projekt der United Left Alliance fand ich auch spannend, als ich es entdeckte. allerdings etwas, was zumindest die hiesige sav weniger progagiert als die erfolge ihrer schwesterorga dort.

  33. 33 ulf 11. März 2012 um 21:53 Uhr

    gauche révolutionnaire hat übrigens gerade die NPA verlassen. http://www.socialistworld.net/doc/5594

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