Marxistische Initiative (MI) zur NAO

eine weitere organisation, die MARXISTISCHE INITIATIVE (MI), hat sich zur NAO deabatte geäussert.
hier der link:

http://www.marxismus-online.eu/display/dyn/x3f2f8a90-66f0-11e1-babf-8183d4962622/content.html

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45 Antworten auf „Marxistische Initiative (MI) zur NAO“


  1. 1 systemcrash 06. März 2012 um 11:26 Uhr

    obwohl die analysen der MI in der regel recht scharfsinnig sind, bin ich mit diesem artikel, was die praktischen aktionsvorschläge betrifft, nicht einverstanden. auch die ansicht über die „embryonale einheitsfront“ halte ich für nicht korrekt. am meisten überrascht mich die sympathie der MI für das „bochumer programm“. ich kann nur vermuten, dass die genossen nicht alle debatten zu dieser frage verfolgt haben.

    sollte sich hierüber eine diskussion in diesem thread ergeben, werde ich versuchen, eine entwickeltere kritik an dem MI papier zu schreiben

  2. 2 Thomas 06. März 2012 um 12:56 Uhr

    Was und wer ist denn die Marxistische Initiative? Ich meine: Welche Tradition, wenn man das hier so fragen darf.

  3. 3 Mattte 06. März 2012 um 14:13 Uhr

    Ich kannte die MI bisher auch nicht, will deshalb vorsichtig in einer Einschätzung sein. Es scheint mir eine ML-orientierte Gruppe zu sein mit doch sehr fortschrittlichen Ansichten: Für eine Arbeiterregierung, Für Räteherrschaft! Auch scheint die ökologische Frage ihr sehr am Herzen zu liegen.
    Zum Programm: http://www.marxismus-online.eu/display/dyn/xf3941674-d660-4269-b017-e539fc1ba31f/content.html

    Ich kann es nur begrüßen, dass sich diese Gruppe zum Projekt äußert! Eine detaillierte Antwort zu ihrem Beitrag wird noch folgen.

  4. 4 Michael Schilwa 06. März 2012 um 15:25 Uhr

    „ML-orientiert“ ist die MI auf gar keinen Fall.
    Ich würde sagen, dass sind unabhängige Trotzkisten/Leninisten.
    Sehr kleine Gruppe mit „hoher Kaderdichte“.
    Sie haben theoretisch einiges auf dem Kasten, machen praktisch aber nicht viel (immerhin arbeiten sie seit kurzem im Berliner Anti-Krisen-Bündnis mit).
    Die aktuelle Stellungnahme habe ich aber noch nicht gelesen.

  5. 5 Mattte 06. März 2012 um 17:38 Uhr

    Ok, Schilwa hat recht, habe ich nicht gleich erkannt. Hätte ich aber sehen können, schließlich sind die Einflüsse des auch hier ständig diskutierten Übergangsprogramms dort eigentlich nicht zu übersehen.

  6. 6 systemcrash 06. März 2012 um 23:44 Uhr

    die MI gehört zu sogenannten „leninistisch trotzkistischen tendenz“, die aber mehr oder weniger nur auf dem papier existiert*. grob könnte man sie zum „linkstrotzkistischen“ spektrum dazurechnen. am ehesten mit RIO und GAM vergleichbar, weniger mit der IBT (und schon gar nicht mit der SpAD ;) )

    *korrektur: sie existiert nicht mehr
    http://www.marxismus-online.eu/display/dyn/x6dd8cfb0-ce73-4d90-89ae-973e42eca45f/content.html

  7. 7 systemcrash 07. März 2012 um 11:23 Uhr

    obwohl es mir eigentlich widerstrebt, diesen mist zu verlinken, aber ich finde die lügen des herrn buchenberg langsam unerträglich:

    „Gruß Wal

    P.S. Die Initiatoren des Bochumer Programms haben (als Gruppe „Bochumer Info“) nach wie vor keine Schreibberechtigung für neue Texte im NAO-Blog.“

    http://marx-forum.de/diskussion/forum_entry.php?id=6759

    kann mal jemand von den SIB admins dazu was sagen ?

  8. 8 Wat. 07. März 2012 um 12:06 Uhr

    @Systemcrash: Zum zweiten Mal, wir können keine Gemeinschaftswerke als „Bochumer“ (die Bezeichnung wurde uns ja hier gegeben, warum diese dann nicht auch benutzen) veröffentlichen, wir haben immer noch kein Artikelschreibrecht. Das Paßwort nach Registrierung hätte ja mal irgendwann bei der angegebenen eMail-Adresse eintreffen müssen.
    Ich könnte als @Wat. hier Artikel schreiben, so wie Du das tust – es gibt aber Texte, für die nicht nur ich zeichne, die veröffentliche ich dann auch nicht als ‚nur‘ @Wat.
    Und daß das Kommentarschreibrecht etwas anderes ist, weißt Du auch.
    Darüber hinaus wäre nicht zu verachten, wenn Du den inflationsartig gebrauchten Begriff „Lüge“ endlich mal stecken läßt.

  9. 9 systemcrash 07. März 2012 um 12:38 Uhr

    @Wat

    dann schreib doch „erklärung der bochumer“ oder so ähnlich in deine beiträge. aus meiner sicht gibt es keinen grund, warum ihr hier nicht als „gruppe“ schreiben solltet.

    da hier buchenberg selbst seinen account gelöscht hat, werde ich ihn auch weiterhin als „lügner“ bezeichnen. aber wie gesagt, ich sehe keinen grund, warum ihr nicht als „gruppe“ schreiben solltet. ich hoffe, dass sich noch ein SIB admin hierzu äussert, damit die sache geklärt und aus der welt geschafft werden kann

  10. 10 DGS / TaP 07. März 2012 um 12:48 Uhr

    Die Paßwörter werden automatisch vom blogsport-System – unabhängig von den Verantwortlichen des jeweiligen blogs – versendet;

    in aller Regel hilft ein Blick in den Spam-Ordner derjenigen, die sich angemeldet haben, um die vermißte mail mit dem Paßwort zu finden.

    Hilfsweise könnte auch einfach bei der im hiesigen blog genannten nao-Adresse nachgefragt werden… -

    Eine entsprechende mail ist – wie Wal Buchenberg bereits von seinem individuellen account weiß – auch notwendig, um auf ein user-level mit Schreibberechtigung hochgestuft zu werden. Auch eine solche mail ist bei uns nicht eingegangen.

    Bei fort- bzw. wiederbestehendem (Wal hatte sich ja mal aus diesem blog verabschiedet) Schreibinteresse bitte einfach den gewählten user-Namen mitteilen.

  11. 11 Wat. 07. März 2012 um 12:50 Uhr

    @Systemcrash: Wal Buchenberg ist ein „Bochumer“, nicht die „Bochumer“. Wenn er als Einzel-Person beschließt, hier keine Artikel mehr veröffentlichen zu wollen, wo ist da bitte eine Lüge…
    … der Ton macht die Musik, das gilt logisch für alle Beteiligten.^^

    Meine Beiträge sind immer meine Beiträge, ich habe nämlich schon gelernt, daß es mir niemals gelingen wird, für andere zu sprechen.
    Und warum sollte ich etwas klausulieren, wenn es anders, korrekter gehen könnte.

  12. 12 systemcrash 07. März 2012 um 12:53 Uhr

    er hätte ja seinen acccount umbenennen können in „die bochumer“ (weiss nicht, ob das technisch möglich ist)

    und so langsam nervt euer genörgel

    ansonsten beachtet vlt noch die hinweise von DGS

  13. 13 Wat. 07. März 2012 um 12:53 Uhr

    @DGS: Das ist nicht ganz korrekt oder es war anfangs hier anders, ich habe nämlich niemals extra noch eine Mail verfaßt, um im user-level hoch gestuft zu werden. Ich hab mich registriert, mein Paßwort bekommen und gut war ;~)

  14. 14 DGS / TaP 07. März 2012 um 12:59 Uhr

    Das kann nicht sein; was sein kann ist, daß ich zufällig Deine Anmeldung gesehen hatte und Dich ungefragt hochgestuft hatte. -

    Wir hatten hier kürzlich rund 500 Anmeldungen von Spam-Robotern, dazwischen war mir jedenfalls keine Bochumer Anmeldung aufgefallen.

  15. 15 systemcrash 07. März 2012 um 12:59 Uhr

    wenn du „erklärung der bochumer“ über deinen text schreibst, weiss jeder, dass es sich um eine „offizielle“ stellungnahme handelt.

    deine „individuellen“ beiträge firmieren weiter unter WAT

    WO IST DAS PROBLEM ??????

  16. 16 Wat. 07. März 2012 um 13:20 Uhr

    @DGS: Dann ist gut möglich, daß ich das Deiner Aufmerksamkeit und Schnelligkeit zu verdanken habe, denn eine Mail hatte ich ja nicht verfaßt. Danke.

    Ich schick Dir mal eben schnell die gewünschte Mail…

    Daß es hier wieder mit dem eigentlichen Thread-Thema weitergehen kann, denn interessant finde ich die Einschätzung der Marxistischen Initiative, daß sie der Meinung sind, so rein gar nichts ausreichend „Reformistisches“ im Bochumer Programm zu finden und unseren Vorschlag für diskussionswürdig halten.

  17. 17 DGS / TaP 07. März 2012 um 13:32 Uhr

    Ausgiebig diskutiert wurde er hier ja auch…;

    und wenn denn bochumerseits Interesse besteht, den Bochumer Programm-Entwurf zu einem Aktionsprogramm einer revolutionären Organisation zu machen, die darüber hinaus auch noch ein Prinzipienprogramm hat, in dem die Notwendigkeit eines revolutionären Bruchs anerkennt wird (dessen Notwendigkeit die Marixtische Initiative sicherlich nicht bestreitet ;-) ),

    dann kann diese Debatte – jedenfalls, soweit es mich anbelangt – auch gerne noch einmal neu aufgenommen werden. – Nur werde ich nicht von der Notwendigkeit eines revolutionären Bruchs abgehen.

  18. 18 Wat. 07. März 2012 um 13:53 Uhr

    @DGS

    und wenn denn bochumerseits Interesse besteht, den Bochumer Programm-Entwurf zu einem Aktionsprogramm einer revolutionären Organisation zu machen, die darüber hinaus auch noch ein Prinzipienprogramm hat, in dem die Notwendigkeit eines revolutionären Bruchs anerkennt wird (dessen Notwendigkeit die Marixtische Initiative sicherlich nicht bestreitet)

    Die bestreite ich auch nicht, die Frage, die uns zu trennen scheint, ist, wann dieser „Revolutionäre Bruch“ ’stattfindet‘:
    Als Bedingung oder als Resultat der sozialen Emanzipation der Lohnabhängigen.

    Wenn die „Marxistische Initiative“ schreibt:

    „Es führt kein Weg an der offenen Benennung des Ziels und der Schritte zum Sozialismus vorbei. In dieser Hinsicht ist eine Auseinandersetzung mit dem sog. realen Sozialismus und anderen Sozialismuskonzepten sicherlich hilfreich. Aber entscheidend ist, klar und offen zu sagen was ist und was wir wollen.“

    Dann ergäbe sich mE erst aus dieser Diskussion die Diskussion darüber, ob wir ein Aktionsprogramm brauchen, ob es zusätzlich ein Prinzipienprogramm zwingend jetzt braucht, usw.

  19. 19 Michael Schilwa 07. März 2012 um 14:07 Uhr

    Was ist das denn schon wieder für ein absurdes Theater.
    Selbstverständlich können „die Bochumer“ (z.B. als „Bochumer Info“) hier Schreibrechte erhalten.
    Das war doch offensichtlich nur ein technisches Mißverständnis.
    Und:
    Werter Systemcrash, könntest du es bitte unterlassen, andere Diskussionsteilnehmer als „Lügner“ zu bezeichnen !?

  20. 20 Neoprene 07. März 2012 um 15:36 Uhr

    Werter Michael, könntest du es bitte unterlassen, anderen pauschal abzusprechen, wiederum andere als „Lügner“ zu bezeichnen, wenn du nicht gleichzeitig konkret nachgewiesen hast, daß diese Bezeichnung bei dem Sachverhalt, bei dem sie benutzt wurde, sachlich falsch ist?

  21. 21 systemcrash 07. März 2012 um 23:46 Uhr

    „Werter Systemcrash, könntest du es bitte unterlassen, andere Diskussionsteilnehmer als „Lügner“ zu bezeichnen !?“

    werter Michael, Neoprene hat es eigentlich schon gesagt, aber ich wiederhole es gerne:

    wenn jemand ein lügner ist, nenne ich ihn auch so. und buchenberg IST EIN LÜGNER !

  22. 22 B.I.Bronsteyn 08. März 2012 um 18:00 Uhr

    Bevor das hier völlig ausgleitet kurz einige Worte zur Sache.
    Aus meiner Sicht (und ich bin auch Mitglied der MI) ist das Bochumer Programm deshalb diskussionswürdig, weil es richtige Fragen aufwirft. Die Forderungen sind im einzelnen nicht nur diskutabel, sondern müssen auch diskutiert werden.
    Als Programmdokument insgesamt ist es nicht geeignet, um die Kristallisation einer Organisation der Revolutionäre herbeizuführen, selbst nicht einer „rechtszentristischen Variante“ davon.
    Im Grunde steht die Bochumer Position für eine besondere Strömung (neben anderen Strömungen, die sich hier artikulieren)
    http://auroranews.twoday.net/stories/bochumer-programm/
    Im Grunde fördert das Bochumer Programm als ganzes weder die Ebene der Organisation der Revolutionäre, noch die der Organisation der Arbeiter.
    „Kernbestandtteil dieses Programms ist die kommunalisierung:
    Kommunalisierung und Demokratisierung von Energieversorgung, Lebensmittelversorgung und Transportwesen; Kommunalisierung und Demokratisierung des Bildungswesens.“
    Die Diskussion über dieses Kommunalisierungskonzept ist höchst relevant, weil es die Frage nach den vertretenen Sozialismuskonzepten stellt.
    Und da wird es sogar wesentlich.
    Die schematische Unterscheidung der Bochumer aber in „guten“ dezentralen Bedarfswirtschaftssozialismus und einen „bösen“ zentral gelenkten Planwirtschaftssozialismus halte ich für vulgär und platt.
    Da bin ich ganz ehrlich.
    http://marx-forum.de/diskussion/forum_entry.php?id=6759
    Das wird auch dem Thema Stalinismus nicht gerecht, der hier gar nicht mehr als Phänomen auftaucht, sondern der „bösen“ Idee des zentralistischen Planwirtschaftssozialismus zugerechnet wird.
    Planwirtschaft wird hier von den Bochumern ebenso fetischisiert wie von den Stalinisten und auch der neoliberalen Propaganda
    (Marktwirtschaft guuuut – Planwirtschaft schlehehecht).
    Ich habe zum Thema Stalinismus aktuell gerade einige Texte geschrieben, die ich hier einfach mal zur Lektüre anbieten möchte.
    Der Stalinismus verdankt seine Entstehung nicht einer „bösen“ Idee, sondern konkreten sozialen und ökonomischen Umstaänden.
    http://bronsteyn.wordpress.com/2012/02/27/stalinismus-einige-uberlegungen-2/
    http://bronsteyn.wordpress.com/2012/02/23/faule-arbeiter-karl-eugen-duhring-und-die-ddr-3/
    http://bronsteyn.wordpress.com/2012/01/25/kritische-thesen-zu-unsere-zukunft-ist-die-neue-welt-der-kommunismus/
    Wer an der Diskussion dieser Fragen interessiert ist, den bitte ich, diese Texte sich anzuschauen, um zu wissen, was ich meine.

    Dann können wir über das Bochumer Programm und seine einzelnen Punkte weiter reden.

  23. 23 KRD 08. März 2012 um 18:41 Uhr

    „Wir halten es allerdings für möglich, diesen Verschmelzungsprozeß der Revolutionäre und den Parteibildungsprozeß zu dynamisieren, indem die beteiligten Gruppen neben den strategischen Debatten zugleich ein gemeinsames politisches Projekt entwickeln.“
    Das ist der Kernsatz des MI-Dokumentes und er scheint mir treffend zu sein.

  24. 24 Dieter 08. März 2012 um 20:03 Uhr

    systemcrash schreibt:
    die ansicht über die „embryonale einheitsfront“ halte ich für nicht korrekt. am meisten überrascht mich die sympathie der MI für das „bochumer programm“…

    Hierzu nur ein paar kurze Anmerkungen:
    Einheitsfront meint in der Diskussion der Kommunistischen Internationale ein Bündnis der großen Organisationen der Arbeiterklasse (von den Spitzen bis zur Basis), um konkrete Ziele durchzusetzen. Das läßt sich derzeit anstreben und propagieren, aber realistischerweise nicht verwirklichen.Das war bereits für die KPD schwer, als sie noch eine Massenpartei war.
    Ein wesentlicher Kernpunkt der Einheitsfronttaktik war deshalb der Versuch, Lohnabhängige über Parteigrenzen hinweg, d.h. unabhängig von parteipolitischen Präferenzen für konkrete Ziele zu ORGANISIEREN.Damit könnte auch von relativ kleinen Gruppen begonnen werden – wenn sie gemeinsam handeln.
    Ist das möglich? Meiner Ansicht nach ja. Ansatzweise geschieht das ja schon: In Mieterinitiativen, Arbeitslosengruppen etc.: Die MI schlägt vor, so etwas auf der Basis eines kurzen, populären Antikrisenprogramms anzufangen. Einigkeit sollte darüber herrschen, daß die Art der Organisiereung (Selbstorganisierung) transparent und demokratisch sein muß und daß hartnäckig versucht werden muß, die Gewerkschaften dafür zu gewinnen – nicht nur, indem die Gremeien angesprochen werden, sondern auch die gewerkschaftliche Basis. Dasselbe müßte gegenüber Parteien erfolgen, die behaupten, die Krise im Interesse der Lohnabhängigen bekämpfen zu wollen.
    Das wäre m.E. nach ein Projekt, das auf die Entstehung einer Einheitsfront abzielt, eben eine „embryonale Einheitsfront“.

    Die Sympathie mit dem Bochumer Programm gilt deren Vorstellung von „Kommunalisierung. Ich sehe dahinter den Versuch der Entwicklung des Konzepts eines sehr sehr basisorientierten Sozialsmus.Das sollte allen sympathisch sein, die die Emanzipation der Lohnabhängigen wollen. Als solches hat das Bochumer Konzept natürlich einen sehr maximalistischen und leider im negativen Sinn utopischen Charakter. Es geht am Bewußtsein selbst der unzufriedensten Teile der Lohnabhängigen meilenweit vorbei. Ich halte auch die Ausklammerung der Frage nach der politischen Macht nicht für sonderlich zielführend.Aber das sind Dinge, die ohne Schaum vor‘m Mund und ohne Beschimpfungen diskutiert werden sollten.
    Der Vorschlag der MI zielt darauf ab, sich erst einmal auf ein gemeinsames politisches Proejekt zu konzentrieren und theoretische Fragen in diesem -praktischen – Kontext zu deabttieren. Sonst laufen wir Gefahr, alle historischen Debatten neu aufzurühren. Diskussionsforen im Internet sind dafür nur bedingt geeignet.

  25. 25 systemcrash 09. März 2012 um 0:19 Uhr

    hallo Dieter

    dein kommentar zwingt mich, mein versprechen aus dem ersten post wahrzumachen und euer papier etwas eingehender zu analysieren. damit hast du mir mein wohlverdientes wochenende versaut !

    vielen dank ;)

    systemcrash

  26. 26 DGS / TaP 09. März 2012 um 1:12 Uhr

    Lieber Systemcrash,

    ein „Dieter“ hat hier bisher nicht geschrieben, oder?

    Ich würde vorschlagen wollen, hier keine Namen oder andere Infos über Leute zu nennen, die diese hier nicht selbst erwähnt haben.

  27. 27 systemcrash 09. März 2012 um 9:49 Uhr

    „Lieber Systemcrash,

    ein „Dieter“ hat hier bisher nicht geschrieben, oder?

    Ich würde vorschlagen wollen, hier keine Namen oder andere Infos über Leute zu nennen, die diese hier nicht selbst erwähnt haben.“

    sag mal DG, brauchst du ne brille ?

    da oben steht doch ganz gross DIETER als username ;)

    manchmal ist es gut, den thread zu LESEN, bevor man was postet :)

  28. 28 DGS / TaP 09. März 2012 um 11:48 Uhr

    Ja, äh. – Der Text von Dieter kommt mir bekannt vor; hatte ich schon heute Nacht gelesen.

    Keine Ahnung, warum ich den Namen übersehen hatte. Sorry.

  29. 29 systemcrash 09. März 2012 um 11:56 Uhr

    „Keine Ahnung, warum ich den Namen übersehen hatte. Sorry.“

    „Errare humanum est, sed in errare perseverare diabolicum.“

    [“Irren ist menschlich, aber auf Irrtümern zu bestehen ist teuflisch.“] ;)

  30. 30 systemcrash 10. März 2012 um 0:10 Uhr

    OT:

    mein gott, da ist man mal 10 stunden ausser haus, und schon ist der blog vollgeknallt, dass man nicht mehr mit dem lesen nachkommt ;)

    find ich echt super ! :)

  31. 31 NN 10. März 2012 um 16:28 Uhr

    Gesetzliche Einführung eines Mindestlohns von 10 Euro
    Rückgängigmachung der Hartz-Gesetze
    Rückkehr zur Altersrente mit 65
    Verbot der Privatisierung öffentlichen Eigentums
    Verstaatlichung der Banken
    Wiedereinführung der Vermögenssteuer, drastische Erhöhung des Spitzensteuersatzes und die Höchstbesteuerung aller Spekulationsgewinne
    internationale Solidarität gegen neoliberale Standortverteidigung

    Das ist das Sofortprogramm der Marxistischen Initiative.

    Bekanntlich fordern die Bochumer einen dynamischen Mindestlohn, 50 % vom durchschnittlichen Lohn als Mindestlohn, was derzeit die Hälfte von 21,42 wäre).

    Rückkehr der Altersrente zu 65? Die Forderungen waren vor der Finanzkrise bei 60 und warum man sich der Finanzkrise opportunistisch anpassen sollte, erschließt sich mir nicht.

    Verstaatlichung der Banken – ist für mich ein Opportunismus gegenüber PDS und so. Etwas linker als Merkel oder nicht nur Commerzbank, sondern jetzt auch die Deutsche?

    Wiedereinführung des Spitzensteuersatzes? Opportunismus gegenüber SPD und PDS; auch der opportunistische Versuch dem Druck auszuweichen „und was würdet ihr machen“. Seit wann überlegt sich die radikale Linke, wie sie dem Staat für die Geldsäcke das Geld beschafft?

    Was ist mit der Selbstverwaltung der Versicherungskassen?

    Dass in dem ganzen unsäglichen Parteigedudel oder wie wir sie kriegen und wer mit wem ins Bett geht, eine Gruppe sich mit konkreten Forderungen und Aufgaben für radikale Linke beschäftigt und beschäftigen kann, ist einfach sensationell und mehr als ein zarter Hoffnungszimmer, nämlich, dass sich radikale Linke mit der Wirklichkeit auseinandersetzen und nicht nur mit eigener Befindlichkeit – verbunden mit der Hoffnung, dass die Diskussion mehr sich damit beschäftigen möge. Das können und müssen auch Zirkel heute schon leisten. Und wenn sich 2, 3 und 5 finden, mögen sie ihre Partei gründen – ihren praktischen Nutzen hätten sie trotzdem erbracht.

  32. 32 systemcrash 10. März 2012 um 17:33 Uhr
  33. 33 Dieter 11. März 2012 um 17:48 Uhr

    Schwierigkeiten mit der Einheitsfront?
    Eine Replik auf Systemcrashs Kritik am MI-Papier

    Zur politischen Ausgangslage – wo leben wir denn?
    Systemcrash moniert, daß der MI-Beitrag von einer “erschütterung der traditionellen Herrschaftssysteme in der BRD“ spricht. Das ist nicht ganz richtig. Und die Einschätzung, daß das eine „katastrophistische Sicht“ sei, kann ich auch nicht nachvollziehen. Diese Bewertung lät den Zusammenhang der Aussage außer Acht: der lautet:
    „Die wachsende existentielle Unsicherheit immer breiterer Schichten der lohnabhängigen Bevökerung hat auch in der BRD zu einer Erschütterung des traditionellen politischen Herrschaftssystems geführt – was sich nicht zuletzt in einer Vertrauenskrise zwischen Wählerinnen und Wählern der parlamentarisch vertretenen Parteien niederschlägt, in Unzufriedenheit und dem Wunsch nach tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen.“

    Erst einmal ist vom traditionellen politischen Herrschaftssystem nur in der Einzahl die Rede. Dessen Erschütterung zu diagnostizieren ist weder im Hinblick auf die Diagnose noch hinsichtlich
    der Sache selbst eine Katastrophe. Letzteres erleichtert Linken die Arbeit. Erschütterung bedeutet nicht Zusammenbruch, sondern ist (nach dem Gedankenstrich) näher ausgeführt.

    Ich nehme an, saß Systemcrash die folgende Aussage des MI-Papiers irritiert hat:

    „In immer mehr Ländern spitzen sich die Widersprüche so sehr zu, daß die im imperialistischen Zeitalter historische Alternative Revolution oder Konterrevolution greifbare Realität wird.“

    Aber Systemcrash schreibt selbst: „richtig ist, dass das weltsystem im ganzen in eine krise geraten ist“. Stimmt. Seine weiteren Feststellungen bezüglich der Revolutionen, die steckengeblieben sind oder die Länder, in denen es gelang, den Massenbewegungen und –Revolten die Spitze zu nehmen, sind o.k. Aber sie ändern bisher wenig an der Tatsache, daß diese Krise des kapitalistischen Weltsystems anhält.

    Das ist keine akademische Frage. In Griechenland, dem Brennpunkt des revolutionären Prozesses in Europa, wollen 35 % der Bevölkerung (d.h. offenbar ein noch deutlich höherer Prozentsatz der Arbeiterklasse) die sozialistische Revolution. Auch anderswo gibt es das Massenbewußtsein verändernde Klassenkampferfahrungen – die in aller Regel von den bürgerlichen Massenmedien totgeschwiegen werden. Die MI ist deshalb der Ansicht, daß die Frage nach der historischen Alternative zum Kapitalismus, d..h. nach dessen Aufhebung und nach der sozialen Revolution für immer größere Teile der internationalen Klasse der Lohnabhängigen an Aktualität gewinnt. In Griechenland ist das schon der Fall.

    Vielleicht haben wir Systemcrash mit der Benennung der historischen Alternative Revolution oder Konterrevolution erschreckt. Bei Rosa Luxemburg hieß es Sozialismus oder (kapitalistische) Barbarei. Die MI ist der Ansicht, daß die herrschende Klassen kapitalistischen Länder nur einen Ausweg aus der Krise hätten, nämlich die bisherigen Errungenschaften der Arbeiterbewegung zu zerstören. Das bedeutet, daß wir vor einer längeren Periode des zugespitzten Klassenkampfs von oben stehen. Wenn in den kommenden Klassenkämpfen kein Parteibildungs- und Aufbauprozeß stattfindet, landen wir in der Barbarei: Politisch in Polizeistaaten und Militärdiktaturen, sozioökonomisch würde auch in den imperialistischen Metropolen die Massenarmut drastisch zunehmen und eine ökologische Kartastrophe droht auch noch. Die revolutionären Linken haben deshalb nicht unbegrenzt Zeit.

    Systemcrash Feststellung: „es existiert keine politische kraft mit Masseneinfluss in der welt, die ein “revolutionäres programm” vertritt.“ Ist sicherlich richtig. Aber seine Diagnose, die MI leide unter Fieberwahn, weil sie davon ausgeht, daß sich besssere Bedingungen abzeichnen, diesen Zusatnd national wie international zu überwinden, kann ich nicht nachvollziehen.

    Die Frage nach den Adressaten der NAO-Initiative und nach den notwendigen theoretischen Diskussionen
    Die Einheit der „subjektiven Revolutionäre“ hält die MI ganz sicher für erstrebenswert. Das MI-Papier hat deshalb aber nicht kritisiert, daß sich diese Initiative nicht an diverse ML-Gruppierungen und die MLPD richtet. Die leise Kritik richtet sich dagegen, dies nicht ausgesprochen und begründet zu haben.

    Dem liegt die Auffassung zugrunde, daß die Mitglieder und Anhänger dieses Spektrums sich selbst als Revolutionäre sehen, in aller Regel sogar als die wahren Revolutionäre. Umgekehrt bin ich z.B. der Überzeugung, daß die Politik und die Programme diverser ML-Gruppen keineswegs revolutionär sind. Für die meisten ML-Gruppen sind demgegenüber mit einiger Sicherheit die Kräfte, die das NAO-Projekt begrüßen, nicht revolutionär. Das dürfte der eigentliche Grund dafür sein, daß ein spektrumübergreifender Dialog in Sachen Parteiaufbau nicht stattfindet. Die DKP steht tatsächlich zwischen diesen Polen, was bedeutet, daß mit ihr auch gemeinsame praktische Aktivitäten stattfinden.

    Die Diagnose bezüglich eines tiefgehenden Grabens zwischen den beiden Spektren und womöglich auch innerhalb der Spektren heißt nicht, daß theoretische Debatten nicht stattfinden sollten. Aber bisher finden sie nur am Rande statt. Kritiken bleiben häufig einseitig.

    Die alles entscheidende Frage ist, wie bestehende Differenzen überwunden werden können. Ich glaube, daß der Wunsch nach Klärung aller historisch bedeutsamen Differenzen als Voraussetzung eines Verschmelzungsprozesses illusionär ist. Wer die heutige Politik der herrschenden Klassen des kapitalistischen Weltsystems effektiv bekämpfen will, muß nicht darüber Einigkeit erzielt haben, welche historische Imperialismustheorie die Beste ist oder ob der Kapitalismus irgendwann von selbst zusammenbricht oder nicht. Dasselbe gilt für die Industrialisierungsdebatte in der Sowjetunion oder die richtige Haltung der Revolutionäre im spanischen Bürgerkrieg. Das Schlimme am Wiederaufleben solcher historischen Debatten ist nicht der Wunsch, die Geschichte zu verstehen. Das ist der positive Aspekt an ihnen. Und sie haben ihren Platz. Aber sie müssen nicht nachträglich im Wolkenkuckucksheim von revolutionären Historikern entschieden werden. Zudem werden sie immer nur von wenigen kompetent geführt werden. Alle anderen schauen den klugen Köpfen zu und können die wenigsten Thesen anhand ihrer eigenen Erfahrungen überprüfen. Diese Debatten führen zu Lagerbildungen, die mehr die Sympathien der Beteiligten zu den Wortführern der Debatte zum Ausdruck bringen als wirkliche politische Entscheidungen. Ich ziehe deshalb die Debatte um konkrete politische Projekte vor. Da dürfen und sollen die theoretisch versierten Beteiligten ihre Weisheit einbringen. Demokratischer ist das allemal: Jeder weiß, wovon die Rede ist und kann auf der Basis seiner unmittelbaren Erfahrungen entscheiden.

    Parteibildungsprozeß der Arbeiterklasse und Parteiaufbau
    Der Aufbau einer revolutionären Partei findet nicht im luftleeren Raum statt. Er kann nur dort erfolgreich sein, wo zugleich in der Arbeiterklasse selbst ein Parteibildungsprozeß stattfindet, d.h. dort, wo trotz der Befangenheit in bürgerlichen Verhältnissen ein kollektivistisches bzw. sozialistisches Bewußtsein entsteht. Natürlich fußt dies auf der elementaren Erfahrung, daß die eigenen Bedürfnisse mit den bürgerlichen Verhältnisen und damit mit den Interessen der Bourgoisie in Konflikt stehen. Entwickeln kann sich sozialistisches Klassenbewußtsein – mit wenigen Ausnahmen, wo der Bewußtwerdungsprozeß über theoretisch-wissenschaftliche Praxis verläuft – nur im gewerkschaftlichen und politischen Klassenkampf. Nur dort kann sich die Klasse der Lohnabhängigen als Kollektiv erfahren, ihre Stellung zur herrschenden Klasse als Klassenposition erkennen und sich ihrer kollektiven Bedürfnisse bewußt werden. Deshalb muß sich die Arbeiterklasse in ihrer Selbstbewegung von der bürgerliche Ideologie befreien. Das ist, wie Marx schon im Manifest der Kommunistischen Partei feststellte, kein geradliniger, nur in eine Richtung verlaufender Prozeß. Aber nur dort, wo sich dieser Prozeß weit genug entwickelt, kann der Aufbau einer einflußreicheren revolutionären Partei gelingen.

    Die MI sieht daher den Parteiaufbau als ein Stück Selbstorganisation des Proletariats. Das setzt eine revolutionäre Taktik der bereits organisierten Revolutionäre voraus. Aber umgekehrt ist eine Taktik auch nur dann praktisch revolutionär, wenn sie den Selbsterfahrungsprozeß der Arbeiterklasse organisiert und fördert. Wir nennen diesen Prozeß einen revolutionären Prozeß. Systemcrash scheint damit nicht einverstanden.

    Er moniert:
    „weiterhin fällt mir in dem MI statement eine vermischung von “sozialer bewegung” und “parteiaufbau” auf, die vieles an “bewegungen” als “revolutionär” hochstilisiert, was aber de facto maximal gradualistisch ist. es wird so getan, als ob solche bewegungen direkt einen revolutionären input hätten, während in wirklichkeit so ein input erst durch die intervention einer revolutionären kraft entstehen kann.“ In der Folge setzt er eine längfristig angelegte Mobilisierungskampagne mit einheitsfrontperspektive sogar gegen (!) die „Organisierung der Avantgarde“. Das ist in mehrfacher Hinsicht problematisch.

    Der Ausgangspunkt, die Vorstellung von Systemcrash, eine Bewegung sei nur durch den input revolutionärer Taktik der Revolutionäre revolutionär, ist bereits unrichtig. Das Subjekt der sozialistischen Revolution ist die Arbeiterklasse. Deren Selbstverwandlung von einem Objekt bürgerlicher Verhältnisse in ein Subjekt des Kampfes um die politische Macht und der eigenen kollektiven Organisierung als gesellschaftlich handelndes Kollektiv, bezeichne ich als revolutionären Prozeß. Dieser beginnt elementar, mit der Selbsterfahrung als kollektives Subjekt und damit einhergehender Bewußtwerdung erst kleiner, dann immer größer werdender Teile der Klasse. So, wenn auch mit anderen Worten, beschrieben es Marx und Engels bereits im Manifest der Kommunistischen Partei. Revolutionärer Prozeß und Revolution sind nicht dasselbe. Die Revolution beginnt demgegenüber natürlich erst in dem Augenblick, in dem die Klasse der Lohnabhängigen selbst massenhaft zu handeln und zu kämpfen beginnt, indem die normale Routine der bürgerlichen Gesellschaft in großem Maßstab durchbrochen wird.

    Einer Massenbewegung, die die politischen Machtverhältnisse in Frage stellt, wie in Ägypten und selbst in Bahrein, wo 2011 nur der Übergang von der absoluten zur konstitutionellen Monarchie gefordert wurde, nenne ich deshalb revolutionär, weil sie sich im Konflikt der lohnabhängigen und kleinbürgerlichen Massen mit den herrschenden Klassen dieser Länder entwickelte, außerhalb des institutionellen Rahmens dieser Länder. Diese Bewegungen waren nicht zuletzt deshalb revolutionär, weil sie Ausdruck der Auflehnung der Massen gegen die herrschenden bürgerlichen Verhältnisse waren. Es ist also ein fundamentaler Irrtum, diese Bewegungen nur danach zu beurteilen, wer sie politisch führt. Wäre eine solche Betrachtungsweise richtig, wäre die russische Februarrevolution nicht der Auftakt zur Oktoberrevolution gewesen, sondern eine rein bürgerliche Angelegenheit. Das war die Februarrevolution eben unabhängig von ihrer prokapitalistischen Führung (Menschewiki und Sozialrevolutionäre nicht, weil sie trotz ihrer bürgerlichen Führung eine Bewegung der Arbeiterklasse und besonders der kleinbäuerlichen Schichten war. Dieser objektive Widerspruch verlieh ihr eine Dynamik, die die Grundlage der weiteren Vertiefung des revolutionären Prozesses gewesen ist.

    Für Systemcrash ist der „revolutionäre input“ der Bewegungen eine rein äußerliche Sache, nicht das Resultat der immanenten Selbstbewegung der Revolution. Das offenbart leider ein ziemlich mechanistisches Verständnis der Rolle der Partei im Klassenkampf. Darüberhinaus wird der Klassencharakter der revolutionären Partei zu einem Fabelwesen, das sich außerhalb des Klassenkampfs und unabhängig von der proletarischen Bewegung entwickelt.

    Es überrascht mich daher auch nicht, daß Systemcrash den Aufbau einer revolutionären Partei allem Anschein nach als Resultat eines weitgehend theoretischen Diskussionsprozesses zwischen revolutionär gesinnten und diskussionsbeeiten Linken sieht – die „Organisierung der Avantgarde“ findet bei ihm ohne inneren Zusammenhang mit dem Parteibildungsprozeß innerhalb der Arbeiterklasse statt. Ich fürchte, dieses Verständnis ist mehr Ausdruck der relativen gesellschaftlichen Isolation der Revolutionäre denn ein tragfähiges politisches Konzept. Das Konzept ist – auch innerhalb der breiteren trotzkistischen Bewegung – oft genug verfolgt worden und bisher noch jedesmal gescheitert. Leider habe ich diese Erfahrung selbst machen müssen.

    Meiner Ansicht nach kann ein Parteiaufbau nur dann verwirklicht werden, wenn ein produktiver Streit darum geführt wird, die aktuelle klassenpolitische Lage national wie international zu verstehen, wenn darüber diskutiert wird, wie unter diesen Verhältnissen für die Befriedigung der Bedürfnisse und für die gemeinsamen Interessen der Lohnabhängigen gekämpft werden kann und darüber, wie möglichst viele Lohnabhängige in diesen Kampf einbezogen werden können. Wenn wir uns daran machen, können auch alte theoretische Debatten im Lichte neuer Erfahrungen und Erkenntnisse aufgegriffen und fruchtbar gemacht werden.

    Einheitsfront, Aktionsprogramm und „außerparlamentarischer Reformismus“
    Systemcrash schreibt:
    „abgesehen davon, dass “einheitsfronten” (oder aktionseinheiten) gemeinsame AKTIONEN (punktueller natur) bei BESTEHENDEN POLITISCHEN DIFFERENZEN sind, wäre so ein programm nur die grundlage eines ausserparlamentarischen reformismus“

    Das MI-Papier zur NAO enthält einen Abschnitt zu diesem Thema. Es begründet, weshalb Aktionseinheiten wie in den letzten Jahren gehabt in aller Regel keine Einheitsfronten in dem Sinne sind, wie sie in der Kominterndiskussion (3. und 4. Welrkongreß der KI) konzipiert wurden sind. Systemcrash geht darauf nicht konkret ein. Auch im Lichte der damals geführten Debatten sind übrigens punktuelle Aktionseinheiten allenfalls ausnahmsweise Einheitsfronten.
    Die Positionen der Komintern zur Einheitsfront finden sich hier:
    http://www.marxismus-online.eu/debatte/programm/einheitsfront/index.html

    Die von der Linken Opposition der KPD im Kampf gegen den Faschismus propagierte Einheitsfront war als umfassendes Kampfabkommen zwischen SPD, KPD, Gewerkschaften und Selbstverteidigungsorganisationen konzipiert. Die Auffassung von Systemcrash zu dieser Frage findet keine Stütze in der Tradition, auf die er sich selbst beruft. Hierzu eine Quelle:
    http://marxists.catbull.com/deutsch/archiv/trotzki/1932/wasnun/kap08.htm

    Eine antifaschistische Einheitsfront zwischen SPD und KPD hätte 1929-33 niemals auf der Basis eines revolutionären, sozialistischen Programms geschlossen werden können. Die SPD war strikt gegen die Entstehung von Räten, sie verteidigte die parlamentarische Demokratie und den Kapitalismus. Ein Kampfabkommen konnte sich nur auf (bürgerlich-) demokratische Ziele beschränken: Den Erhalt bzw. die Verteidigung demokratischer Freiheiten und der Freiheit gewerkschaftlicher Tätigkeit, die gemeinsame Abwehr und Zerschlagung faschistischer Terrorbanden wie der SA, im Parlament die gemeinsame Ablehnung des Notverordnungsregimes. Bei einer solchen Einheitsfront wäre alles im bürgerlichen Rahmen geblieben und trotzdem war der Vorschlag alles andere als reformistisch. Auch die zwischen SPD und KPD bestehenden Differenzen wären nicht übertüncht, sondern nur zeitweilig ausgeklammert worden, um gemeinsame Aktionen im gemeinsamen Interesse zu ermöglichen. Die KPD hätte weiter um Mehrheiten für die Revolution ringen können. Im gemeinsamen Kampf mit der SPD hätten alle Beteiligten neue Erfahrungen gemacht. Die KPD hätte das Vertrauen erheblicher Teile der Basis der SPD gewinnen können, der Einfluß der KPD wäre gestiegen und die Voraussetzungen für den Kampf um den Sozialismus hätten sich verbessert. Eben das war der Grund, weshalb die Führung der Sozialdemokratie die Einheitsfront gegen den Faschismus fürchtete.

    Übertrüge man die Logik von Systemcrash, der ein auf ein einige Teilforderungen begrenztes Kampagnen- bzw. Bündnisprojekt als „außerparlamentarischen Reformismus“ ansieht, hätte die KPD im antifaschistischen Kampf ein sozialrevolutionäres Programm zur Grundlage einer Einheitsfrontinitiative machen müssen. Das hat sie bekanntlich getan. Wir wissen alle, welche Folgen das hatte.

    Die Auffassung, es gebe „außerparlamentarischen Reformismus“ geht an der Wirklichkeit vorbei: Die reformistischen Strategen orientieren auf die Parlamente, nicht auf realen, massenhaften Widerstand und außerparlamentarischen Kampf für die Interessen der Arbeiterklasse. Gerade das ermöglicht es Revolutionären, im außerparlamentarischen Kampf für Reformen und demokratische Freiheiten, Teil- und Übergangsforderungen, einen Beitrag zur Zerstörung reformistischer Illusionen zu leisten und Vertrauen zu gewinnen. Auf diese Weise kann der Parteiaufbau im Klassenkampf und nicht außerhalb des Klassenkampfs stattfinden.

    Die Position der MI ist übrigens ganz altbacken und entspricht der der Komintern in ihren frühen Jahren. Wer es nachlesen möchte, findet sie hier:
    http://www.marxismus-online.eu/archiv/klassiker/schriftenzumprogramm/uprog3.html

    Eine letzte Anmerkung:
    Der Vorschlag der MI für die politische Grundlage einer längerfristig angelegten Kampagne gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die Lohnabhängigen ist kein revolutionäres Aktionsprogramm. Ein solches hat die MI vor einiger Zeit diskutiert. Dabei war sie sich darüber klar, daß ein revolutionäres Aktionsprogramm heute stark propagandistischen Charakter hat und nur in Grundzügen Perspektiven andeuten kann.

    Dieser Text findet sich hier:
    http://www.marxismus-online.eu/display/dyn/xf3941674-d660-4269-b017-e539fc1ba31f/content.html

    Eine basisorientierte Dauerkampagne gegen die Krisenpolitik der herrschenden Klasse (über die Forderungen im einzelnen kann man problemlos diskutieren) halte ich dagegen für realisierbar.

  34. 34 systemcrash 11. März 2012 um 19:35 Uhr

    „Während die Kommunisten sich den Prinzipien der AKTION [herv v mir] fügen, sollen sie dabei unbedingt das Recht und die Möglichkeit bewahren, nicht nur vor und nach der AKTION [herv v mir], sondern, wenn nötig, auch während der AKTION [herv v mir] ihre Meinung über die Politik aller Organisationen der Arbeiterklasse ohne Ausnahme zu äußern. Ein Aufgeben dieser Bedingung ist unter keinen Umständen zulässig. Die Parole der größtmöglichsten Einheit aller Arbeiterorganisationen in jeder praktischen AKTION [herv v mir] gegen die kapitalistische Front unterstützend, können die Kommunisten indessen keinesfalls von der Darlegung ihrer Anschauungen Abstand nehmen, die ALLEIN [sic !!!!!! herv v mir] der konsequente Ausdruck der Verteidigung der Interessen der Arbeiterklasse als Ganzes sind.“
    http://www.marxismus-online.eu/debatte/programm/einheitsfront/leitsaetzeKI.html

    NOCHMALS ZUR FRAGE DER EINHEITSFRONT

    ich bin mir nicht sicher, ob die probleme auf einer terminologischen ebene liegen oder ob es sich um politische differenzen handelt oder gar beides vermischt ist. darum möchte ich noch mal klar sagen, dass für mich die begriffe einheitsfront und aktionseinheit inhaltlich dasselbe sind. als der begriff einheitsfront von der komintern geprägt wurde, gab es grosse massenorganisationen der arbeiter und sogar revolutionäre massenorganisationen. aber auch da wäre eine „einheitsfront“ zb zwischen der KPD und der SPD, die ein gewerkschaftshaus gegen nazis verteidigt hätten, nichts anderes als eine TEMPORÄRE AKTION gewesen, die nichts an der kritik der kommunisten an der SPD zurückgenommen hätte. dass gemeinsame AKTIONEN natürlich eine verbesserung der bedingungen für kommunistische arbeit herbeiführen, ist der sinn jeder angewendeten taktik. aber auch nur dann, wenn die kommunisten als klarer programmatischer POL in solche aktionen reingehen. das gleiche gilt natürlich auch für entrismus oder kritische wahlunterstützungen.

    heute, wo keine massenparteien der arbeiterbewegung in der BRD mehr existieren — und schon gar nicht revolutionäre —, macht der begriff einheitsfront natürlich keinen richtigen sinn mehr. heute wären bestenfalls „aktionseinheiten“ kleiner linker gruppen möglich, die, wenn sie glück haben, hin und wieder dann auch die unterschriften von einem gewerkschaftsfunktionär oder einem mittleren funktionär der LINKEn bekommen (die an der aktion selber dann meistens nicht teilnehmen). das ist z b seit jahren die politik der SAV. dass den SAV mitgliedern nicht vor langeweile bei dieser art „politik“ die lust vergeht, find ich schon erstaunlich. na ja, jedem das seine.
    dass bei solchen „aktionseinheiten“ kleiner gruppen dann natürlich ein internes gerangel der verschiedenen gruppenegoismen stattfindet, ist dann auch nicht weiter erstaunlich. schliesslich geht es diesen dann auch weniger um das konkrete anliegen, sondern darum, die eigenen „taktischen“ ausgangsbedingungen zu verbessern. dies ist zwar ein durchaus legitimes anliegen, zeugt aber nicht gerade davon, die gemeinsamen interessen der „proletarischen gesamtbewegung“ im auge zu haben. auch dass die SAV sich (bislang) weigert, an der NAO debatte teilzunehmen, zeugt im grunde von einer sektiererischen selbstüberschätzung der eigenen organisation, die durch eine opportunistische politik gegenüber der LINKEn flankiert wird.

    dass eine umgruppierungspolitik vorgeblich revolutionärer kleingruppen nicht allein über theoretische debatten erfolgen kann, ist mir auch klar. solange aber die gruppen aus (maximal) ein paar dutzend leuten bestehen, ist mehr als an propagandismus und gelegentliches teilnahmen an demos oder anderer veranstaltungen nicht zu denken.

    „Die Auffassung, es gebe „außerparlamentarischen Reformismus“ geht an der Wirklichkeit vorbei: Die reformistischen Strategen orientieren auf die Parlamente, nicht auf realen, massenhaften Widerstand und außerparlamentarischen Kampf für die Interessen der Arbeiterklasse. Gerade das ermöglicht es Revolutionären, im außerparlamentarischen Kampf für Reformen und demokratische Freiheiten, Teil- und Übergangsforderungen, einen Beitrag zur Zerstörung reformistischer Illusionen zu leisten und Vertrauen zu gewinnen. Auf diese Weise kann der Parteiaufbau im Klassenkampf und nicht außerhalb des Klassenkampfs stattfinden.“

    natürlich gibt es ausserparlamentarischen reformismus. was sind denn die ököbewegung, die piraten oder die occupy bewegung anderes?! auch wenn diese dann irgendwann in parlamentarische bahnen umgeleitet werden, ändert das nichts an der tatsache, dass es „basisbewegungen“ sind. nur leider haben diese „basisbewegungen“ mit klassenkampf nun so gar nichts am hut. natürlich können kommunisten versuchen, dort zu intervenieren (wenn sie es kräftemässig können), ich bin mir aber nicht sicher, ob das wirklich das vorrangige milieu ist, was kommunisten ansprechen wollen.

    und dass der parteiaufbau IM klassenkampf stattfindet und nicht ausserhalb … nun ja, das ist eine binsenwahrheit. aber sich bewusstseinsmässig AUSSERHALB der bürgerlichen gesellschaft zu stellen… das gelingt bislang nur einer kleinen (intellektuellen) minderheit. mag sein, dass in griechenland 35% für „sozialismus“ sind; aber: WAS SIE DAMIT WIRKLICH MEINEN, bist du sicher, dass das dasselbe ist, was DU unter „sozialismus“ verstehst ?!

    ps. ich glaube, dass das konzept von Dieter auf eine art „strategische einheitsfront“ hinausläuft, die die notwendigkeit der programmatischen polarisierung durch „kampagnen spontaneismus“ zu ersetzen (oder zumindest zu entschärfen) sucht

  35. 35 B.I.Bronsteyn 11. März 2012 um 22:45 Uhr

    „ich bin mir aber nicht sicher, ob das wirklich das vorrangige milieu ist, was kommunisten ansprechen wollen.“

    Ich gehe davon aus, dass Revolutionäre nicht irgendein Milieu ansprochen wollen müssen, sondern die Klasse des Proletariats.
    Dieses mag in diverse „Mileus“ unterschieden werden können, wie das bürgerliche Sozialogen seit einiger Zeit versuchen, aber davon, das Revolutionäre ein bestimmtes Milieu oder bestimmte Sektoren der Klasse ausschließlich ansprechen wollen und andere nicht, das ist aus meiner Sicht falsch.

    Hier liegt aus meiner Sicht auch der Hauptirrtum von Parteiaufbau-Konzeptionen, die sich immer wieder auf gewisse „Vorhuten“ fixieren und sich im Endeffekt nur daran anpassen.

    Bei allen taktischen Konzentrationen muss aber eine revolutionäre Partei IMMER die Klasse als ganzes im Auge haben.

  36. 36 systemcrash 11. März 2012 um 22:49 Uhr

    „…aber davon, das Revolutionäre ein bestimmtes Milieu oder bestimmte Sektoren der Klasse ausschließlich ansprechen wollen und andere nicht, das ist aus meiner Sicht falsch.“

    bei mir steht VORRANGIG, nicht „ausschliesslich“

    „Bei allen taktischen Konzentrationen muss aber eine revolutionäre Partei IMMER die Klasse als ganzes im Auge haben.“

    aha, kautskys gesamtklasse …die bochumer werden jubeln ;)

  37. 37 B.I.Bronsteyn 12. März 2012 um 15:22 Uhr

    So langsam gehst du mir echt auf die Nerven, Systemcrash.
    Vielleicht liest du Texte mal genauer durch, bevor du völlig ohne jeden Sinnn und Verstand einzelne Begriffsbrocken daraus verwendest.
    Die Bochumer argumentieren nach meiner Einschätzung keinesfalls von einem Kautskyanischen Standpunkt, wenn dann kommt die ISL-Konzeption der Breitheit dem nahe.
    Man könnte den Bochumern anarchosyndikalistische Auffassungen in marxistischer Begrifflichkeit vorhalten, aber selbst das müsste zu prüfen sein.
    Du verwendest den Namen Kautsky offensichtlich in der Annahme, eine Killerphrase gefunden zu haben.
    Auch wenn du IBT-Texte meinst als Grundlage und Steinbruch für Phrasen verwenden zu können, um dich „orthodox“ zu geben, solltest du auch diese erst einmal genauer lesen und verstehen anstatt sie nur zu plagiieren.
    http://www.bolshevik.org/deutsch/archiv/lenin_avantgardepartei_de.html

    Ein Verständnis von Lenins Position zur Parteifrage muß daher mit der orthodoxen kautskyanischen Position beginnen; dies war die Doktrin von der „Partei der Gesamtklasse“ oder „eine Klasse — eine Partei“. Kautskys „Partei der Gesamtklasse“ bedeutete nicht die Rekrutierung des gesamten Proletariats zur Partei. Ihm war es ja klar, daß die politischen Aktivisten innerhalb der Arbeiterklasse eine Minderheit, eine Elite, sein würden. Kein Sozialdemokrat leugnete, daß man, um Mitglied zu sein, einen gewissen Grad an sozialistischem Bewußtsein, Aktivismus und Disziplin aufweisen mußte. Die kautskyanische Auffassung bedeutete in Wirklichkeit, daß alle Tendenzen, die sich für sozialistisch hielten, in einer einheitlichen Partei organisiert sein sollten.
    Kautsky behauptete, daß sich revolutionäre Sozialdemokraten selbst mit nichtmarxistischen Reformisten vereinigen und sogar als Genossen zusammenarbeiten könnten. So arbeitete die Führung der deutschen Sozialdemokratie (SPD) mehrmals mit dem offen reformistischen, eklektischen Sozialisten Jean Jaures aus Frankreich eng zusammen.

    Die Darstellung der IBT zur Kautskyanischen Position (des klassischen Zentrismus) ist ja durchaus korrekt dargestellt, hat aber mit der von uns vorgeschlagenen Herangehensweise nicht das geringste zu tun. Wir vertreten in keinster Weise das Konzept einer Partei, in der Revolutionäre mit Nichtmarxisten zusammenarbeiten.
    In der praktischen Politik, und vor allem im Konzept der Arbeitereinheitsfront an die Gesamtinteressen des Proletariats zu appelieren und dieses zur gemeinsamen Aktion anzuregen und zu veranlassen ist etwas völlig anderes.
    Du dagegen hast, und das wird mir nun deutlich, selbst die Grundlagen des Marxismus nicht verstanden.
    Wenn im Kommunistischen Manifest über die Kommunisten geschrieben wird:

    Sie kämpfen für die Erreichung der unmittelbar vorliegenden Zwecke und Interessen der Arbeiterklasse, aber sie vertreten in der gegenwärtigen Bewegung zugleich die Zukunft der Bewegung.

    dann sind natürlich die Interessen der gesamten Arbeiterklasse (und aller ihrer Sektoren) gemeint, was denn sonst?
    Die IBT beschreibt das Kautskyanische Konzept also durchaus zutreffend, aber Systemcrash hat nur „Kautskys Gesamtklasse“ heraus gelesen, den Rest weggelassen und meint, damit geht er als „Orthodoxer“ durch (abgesehen davon, dass ich diesen Orthodoxie-Wahn auch für schädlich halte, weil er den Klassikern nicht gerecht wird).
    Mit ist deutlich geworden, Systemcrash, mit welcher Schlampigkeit du mit Texten und Zitaten umgehst. Dass du Lenin zudem auch den absurden Ausspruch unterstellt hast, eine „Partei ist kein Mädchenpensionat“, passt da wirklich sehr gut und lässt tief blicken.
    Der Disput mit dir wird langsam uninteressant, Systemcrash.

  38. 38 systemcrash 12. März 2012 um 15:53 Uhr

    was du für „interessant“ oder „uninteresant“ hälst, ist wirklich deine entscheidung. ich habe nie behauptet, ein textexegetiker zu sein. um ehrlich zu sein, ich habe nicht eine zeile von kautsky gelesen (und auch nicht bernstein, dühring, feuerbach oder adam smith. und selbst lenin find ich meistens langweilig. und ich bin auch keineswegs „othodox“, eher im gegenteil!). ich bestreite auch nicht, da vlt manchmal daneben zu greifen. aber ich meinte etwas ganz konkretes mit dem begriff „gesamtklasse“ (und das kommt dem, was die IBT* schreibt, sehr nahe). der begriff „interesse des proletatariats“ kann vlt sozial-ökonomisch oder gar geschichtsphilosophisch „definiert“ werden, er wird aber niemals alle INDIVIDUEN (subjektiv) erfassen, nur weil sie „zufällig“ lohnabhängig sind. das mag zwar als erkenntnis „banal“ sein, scheinen aber viele „marxisten“ nicht wirklich begriffen zu haben. wo da aber die grenze innerhalb einer „revolutionären partei“ ist … das vermag nur der kampf der verschiedenen „sozialistischen tendenzen“ (die sich dafür halten) selbst zu entscheiden. nach meiner erfahrung trennt sich in einer ORGANISATION die spreu sehr schnell vom weizen (insbesondere in kleingruppen, selbst wenn es ein fraktionsrecht gibt), weil der druck ins uferlose wächst, sobald man nicht mehr in der „hauptlinie“ mit der mehrheitsorganisation übereinstimmt. das geht dann von einem tag zum andern … und man kann wieder frei atmen! und vor allem muss man sich nicht mit leuten, die sich für trotzki halten, auseinandersetzen …das nervt nämlich auch ;)

    „Dass du Lenin zudem auch den absurden Ausspruch unterstellt hast, eine „Partei ist kein Mädchenpensionat“, passt da wirklich sehr gut und lässt tief blicken“

    ach ja, ich hab glattweg vergessen, dass du internetpsychologe bist und virtuell empathisch … da kannst du jetzt gewiss viel zwischen den zeilen herausanalysieren; vlt könntest du aus deinem namen noch bronsteyn- Freud machen ;)

    „Auch wenn du IBT-Texte meinst als Grundlage und Steinbruch für Phrasen verwenden zu können…“

    *ps. der text „lenin und die avantgardepartei“ ist natürlich NICHT von der IBT (die haben den nur gespiegelt), sondern von der Spartacist League … entweder werde ich alt oder der bronsteyn macht mich ganz wuschig ;)
    aber da kann man wenigstens sehen, wie es bronsteyn mit der „schlampigkeit“ hält !
    da will ein möchtegern halbjebildeter mit dem finger auf einen gewöhnlichen lohnabhängigen zeigen … und vier finger weisen auf ihn selbst !

  39. 39 Dieter 12. März 2012 um 18:16 Uhr

    Eine fruchtbare Auseinandersetzung kann nur dort stattfinden, wo sich die Diskussionsteilnehmer bemühen, die anderen Diskussionsteilnehmer zu verstehen und bereit sind, ernsthaft zur Kenntnis zu nehmen, was sie sagen. Das Gefühl habe ich leider bei Systemcrash nicht.Sorry.Ich stelle mich gern jeder Kritik. Aber ich erwarte auch, daß auf Inhalte argumentativ eingegangen wird.
    Im übrigen:
    Der außwerparlamentarische Kampf für Einzelforderungen oder Forderungspakete bzw. Reformen und Reformismus sind nicht dasselbe. Als Reformismus wird gemeinhin eine Strategie der punktuellen, schrittweisen Veränderungen bezeichnet. Der Vorschlag der MI hat damit nicht das geringste zu tun.

    Wenn der Kampf um Reformen mit dem Argument abgelehnt wird, das sei nicht revolutionär genug, dann halte ich das für die Theorie eines verdeckten Rückzug aus der Politik. Da empfehle ich die Internationale Kommunistische Strömung. Die betreibt das kollektiv.

  40. 40 systemcrash 12. März 2012 um 18:37 Uhr

    „Eine fruchtbare Auseinandersetzung kann nur dort stattfinden, wo sich die Diskussionsteilnehmer bemühen, die anderen Diskussionsteilnehmer zu verstehen und bereit sind, ernsthaft zur Kenntnis zu nehmen, was sie sagen. Das Gefühl habe ich leider bei Systemcrash nicht.Sorry.“

    sag das deinem freund bronsteyn. ich lege keinen wert auf eine „persönliche“ ebene… aber da er ja empathisch auch zwischen den zeilen lesen kann, mach ich mir da keine sorgen

    natürlich ist ein kampf um reformen legitim, wenn er in eine „revolutionäre strategie“ eingebettet wird. euer aktionsprogramm ist durchaus reformistisch und kann schon deshalb nicht revolutionär ausgeweitet werden (was ihr ja intendiert), weil es keine kraft gibt, die diese „komitees“ in diese richtung drängen könnte. die 5 mann truppe MI wird wohl nicht stark genung dafür sein. wieviele versuche linker gruppen im aufbau von „aktionskomitees“ gibt es ? wieviel erfolge hatten sie und wieviele sind im politischen nirvana versandet ? ich wills gar nicht wissen! und komm mir jetzt nicht damit, dass die logik der politischen lage die leute in die revolutionäre richtung drängen wird. auf solche sprüche/latrinenparolen hab ich echt keinen bock mehr!

  41. 41 B.I.Bronsteyn 12. März 2012 um 20:18 Uhr
  42. 42 Dieter 14. März 2012 um 12:34 Uhr

    Systemcrash meint, die MI würde nicht stark genug sein, Aktionskomitees schaffen.Das ist zweifellos richtig.

    Aber die MI hat das als gemeinsame Aktivität aller an der NAO beteiligten Gruppen vorgeschlagen.Auch das ergäbe im Erfolgsfall noch keine revolutionäre Flut. Aber massenwirksamere Aktivitäten als nur bei einem Zusammenschluß der kleinen Gruppen, die den NAO-Prozeß bisher tragen halte ich für möglich.

    Also nach wie vor gilt: Erst zur Kenntnis nehmen, was die Mitstreiter sagen – und erst dann explodieren…

  43. 43 Entdinglichung 14. März 2012 um 12:50 Uhr

    stimme Dieter da zu … ohne eine gemeinsame Praxis zu entwickeln kann mensch das Projekt einer gemeinsamen Organisierung tendenziell begraben, in dieser Hinsicht war die gemeinsame Intervention auf der Konferenz Ende Februar gut und wichtig

  44. 44 systemcrash 14. März 2012 um 13:32 Uhr

    „Aber die MI hat das als gemeinsame Aktivität aller an der NAO beteiligten Gruppen vorgeschlagen.“

    das verstehe ich nicht. die NAO hat den anspruch, eine REVOLUTIONÄRE partei zu schaffen und die MI schlägt ein reformistisches „massen“programm vor.
    worin besteht die logik ?

    ich habs ja nicht so nicht mit den „massen“. mir persönlich würde es erst mal genügen, wenn die leute, die von sich behaupten z b auf dem „übergangsprogramm“ zu arbeiten, wenn DIE eine grössere zusammenarbeit hinbekommen würden. aber auch dann wäre immer politische kritik erforderlich. die geschichte der „4.“ ist voll solcher beispiele

  45. 45 Dieter 20. März 2012 um 17:49 Uhr

    Noch einmal zur Klarstellung:
    Was schlägt die MI vor?

    1. Eine gemeinsam organisierte Kampagne aller an der NAO beteiligten Gruppen und Einzelpersonen gegen die bürgerliche Krisenpolitik – gestützt auf Stadtteilkomitees – die sich auf einige klare Forderungen beschränkt. Die Beschränkung hat den Zweck, auch die Einbeziehung von Lohnabhängigen (incl. Erwerbsarbeitslosen, Jugendlichen und Rentnern) zu ermöglichen, die noch reformistische Illusionen haben. Reformerisch orientierte und reformistische Organisationen (politische und gewerkschaftliche)sollten dabei von den zu bildenden Basisinitiativen wieder und wieder zur Beteiligung an den Mobilisierungen aufgefordert werden.

    2. Alle am NAO-Prozeß beteiligten Gruppen sind daneben selbstverständlich frei, ihre weitergehenden Forderungen sowie ihre Lageeinschätzungen zu verbreiten. Angesichts der marginalen Rolle dieser Beteiligten im realen Klassenkampf läuft das faktisch nur auf die Möglichkeit eigener systemübegreifender bzw. revolutionärer Propaganda hinaus.Diese ist aber keine geeignete grundlage für Bündnisse über den bisherigen Dunstkreis der extremen Linken hinaus.

    3. Gleichzeitig sollte die Diskussion der „subjektiven Revolutionäre“ in Sachen Parteiaufbau weitergehen.

    4.Die von der MI zur Diskussion gestellten Forderungen, sind durchaus Bestandteile eines aktuellen Übergangsprogramms in dem Sinne, daß ein breiter Kampf für diese Forderungen den Klassenkampf auf eine höhere Stufe als die bringen würde, auf der wir uns in der BRD befinden.Sie sind aber kein umfassendes Übergangsprogramm.Letzteres ist als Bündnisgrundlage unmittelbar bevorstehender Massenaktionen leider nicht aktuell umzusetzen. Wer würde ernsthaft behaupten wollen, daß die Frage der politischen Machteroberung durch das Proletariat heute konkretisierbar ist? Sie kann m.E. nach konkreter gestellt und beantwortet werden als in den 5 essentials der SIB, aber letztlich diskutieren wir in dieser Frage Hypothesen, die im weiteren Verlauf der Klassenkämpfe immer wieder überprüft werden müssen.
    Um so wichtiger ist es, wenigstens in Bezug auf konkrete praktische Projekte Einigkeit über die nächsten Aufgaben zu erzielen.Die MI glaubt, daß auf der Grundlage ihres Vorschlags ein Beitrag zur Entwicklung des Klassenkampfs UND zur Überwindung von Illusionen in den Reformismus geleistet werden kann.
    Ein revolutionäres Bündnisprojekt, das sich diese Aufgabe nicht stellt, wird nicht in der Lage sein, aktiv eine revolutionäre Partei aufzubauen.Einem solchen Projekt bliebe nur fatalistisches Abwarten.

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