Harter Klassenkampf ist angesagt !

die frankfurter aktionskonferenz für die organisierung sozialer proteste gegen die abwälzung der krisenlasten auf die breiten bevölkerungsschichten hat nicht ganz das gebracht, was man als linker hätte erwarten dürfen. nämlich antworten und formulierungen für alternativen zum kapitalistischen system. stattdesssen wurden spezifische protestformen beschlossen, die von vornherein die aktionen auf ein bestimmtes milieu begrenzen werden. die chance wäre da gewesen, die bewegung auzuweiten auch auf kritische gewerkschaftskreise. aber diese chance wurde vertan (vgl. http://www.trend.infopartisan.net/trd0312/t230312.html). nun kann man sich drauf einstellen, dass man ein paar symbolische blockaden organisiert, wo ein bankenviertel abgeriegelt wird, was an dem tag kaum bevölkert sein wird. in der abschlusserklärung wurde darauf “verzichtet”, die forderung nach enteignung der banken und schuldenerlass für griechenland mit aufzunehmen; also forderungen, die direkt die SYSTEMFRAGE stellen (angeblich auf druck von attac und IL. vergl. http://sozialismus.info/?sid=4701).

anstatt also die bewegung programmatisch klarer auszurichten und so die chance zu erhalten, die bewegung zu verstetigen und eine tiefere inhaltliche übereinstimmung zu erzielen, wird auf (symbolischen) aktionismus gesetzt, der die kräfte der beteiligten schnell auslaugen und in der wirkungslosigkeit verpuffen wird. wieder einmal ist eine chance vertan worden, eine breitere soziale oppositionsbewegung aufzubauen, die auch die verbindung zu kämpfen der lohnabhängigen herstellen könnte.

was selbst im ruhigen deutschland die realität des klassenkampfes bedeutet, können wir dieser tage am beispiel des frankfurter flughafenstreiks sehen. dort ist der solidaritätsstreik der fluglotsen für die vorfeldarbeiterInnen gerichtlich verboten worden (http://www.tagesschau.de/wirtschaft/flughafenstreik120.html). das erinnert doch fatal an die situation seinerzeit in spanien, als man fluglotsen mit dem kriegsrecht gedroht hatte, um sie zur arbeit zu zwingen. auch jetzt wurden stimmen aus der deutschen luftverkehrswirtschaft laut, die eine dienstverpflichtung der fluglotsen durch die bundesregierung fordern (vergl. http://www.jungewelt.de/2012/02-29/008.php).

wenn selbst auf eine so begrenzte streikaktion mit solch drastischen mitteln reagiert wird, was soll denn dann erst passieren, wenn mal wirklich ein generalstreik ausgerufen werden sollte? die linke sollte kapieren, dass die “Machtfrage” längst gestellt ist: nämlich von den herrschenden mit klassenkampf von oben. wenn man jetzt nicht dementsprechend den klassenkampf von UNTEN organisiert, wird jede protestbewegung wieder im sande verlaufen. wir müssen klarstellen, dass jede aktion im zusammenhang steht mit dem kampf für die überwindung des kapitalismus. dafür müssen aktionslosungen entwickelt werden, die an konkreten bedürfnissen anknüpfen, in ihrer logik aber über dieses system hinausweisen. eine organisation der bewusstesten teile der klassenbewegung muss in diese sozialen protestbewegungen eine perspektive des klassenkampfes popularisieren und mit ihren vorschlägen exemplarische keimformen einer höher entwickelten gesellschaftlichkeit aufzeigen.

quelle: http://systemcrash.wordpress.com/2012/02/29/harter-klassenkampf-ist-angesagt/

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17 Antworten auf „Harter Klassenkampf ist angesagt !“


  1. 1 Micha Prütz 29. Februar 2012 um 11:56 Uhr

    Ich war selber Teilnehmer dieser Konferenz.Ich finde es viel zu früh und dann noch von oben herab, vom Scheitern dieses Projekts zu sprechen.Es ist richtig inhaltliche Schwerpunkte einer solchen Aktion zu benennen und dies wird die Aufgabe der Nao-gruppen sein.Es ist auch richtig Attac, mit seinen unsäglichen Manipulationen zu kritisieren.Trotz schwerer Mängel im Ablauf dieser Konferenz habe ich nicht vor,den Beteiligten zu erklären,wie der Klassenkampf funktioniert.Diese Art von „Avantgardismus“lehne ich grundsätzlich für jetzt und alle Zeite ab.für mich ist entscheidend,das wir z.b. mit der Il einen sehr kritischen Dialog über Ihr Konzept des Raumöffnens im Gegensatz zu einer inhaltlichen Positionierung führen müssen.Aber diesen Dialog führe ich nicht von oben herab.Es ist geradezu demobilisierend jetzt schon vom Scheitern der Maiaktion zu
    schwadronieren bevor überhaupt begonnen wird.
    Mich wundert überhaupt nicht mehr,das der Einfluß der trotzkistischen Kräfte marginal ist.
    Es tut mir leid,aber mit den von dir vorgelegten Thesen katapultiert man sich geradezu ins völlige propagandistische Abseits

  2. 2 systemcrash 29. Februar 2012 um 12:09 Uhr

    nun ja, ich hab ja nicht gesagt, dass man drauf verzichten soll, dort zu intervenieren.
    aber auf die schwächen und mängel hinzuweisen und inhaltliche kritik zu üben, das scheint mir absolut ein gebot für wirkliche linke zu sein.

    wem das zu sehr nach avantgardismus schmeckt … ok, dann ist das eben ein dissens. die spreu vom weizen wird sich eh irgendwann trennen

  3. 3 DGS / TaP 29. Februar 2012 um 14:12 Uhr

    @ Micha:

    „Ich finde es viel zu früh und dann noch von oben herab, vom Scheitern dieses Projekts zu sprechen.“

    Davon steht doch auch überhaupt nichts im Artikel…

    @ Systemcrash:

    1.

    „in der abschlusserklärung wurde darauf ‚verzichtet‘, die forderung nach enteignung der banken und schuldenerlass für griechenland mit aufzunehmen; also forderungen, die direkt die SYSTEMFRAGE stellen“

    Diese beiden Forderungen stellen nicht die Systemfrage; sie sind, wenn sie nicht isoliert gestellt werden, richtige systemimmanente Forderungen.

    Werden sie isoliert gestellt – wie es am Sonntagmorgen von den meisten aus ‚unserem Spektrum‘ (einschl. SAV und GAM) gemacht wurde –, werden sie sogar zu falschen Forderungen, weil sie an Symptomen herumdokern, statt die wahren Krisenursachen zu benennen, wie es – wenn auch knapp – in unserem Resolutionsentwurf immerhin gemacht wurde.

    Und abhängig davon:

    ‚Wir‘ müssen uns entscheiden, ob wir zusammen mit ReformistInnen wie Attac mobilisieren wollen.

    Wenn wir das wollen (und m.E. sollten wir das im Mai als breitere Ergänzung zum 31. März), dann ist es darüber hinaus auch bündnispolitisch falsch, zu versuchen, in die gemeinsamen Grundlagen der Aktion, die zusammen mit Attac gemacht werden soll, „Bankenenteignung“ versuchen hineinzustimmen, wenn sich Attac dann an der Aktion nicht beteiligen würden.

    Etwas ganz anderes wäre gewesen, unseren kompletten Resolutions-Entwurf als inhaltliche Position, unabängig von den Aktionen im Mai zur Abstimmung zu stellen.

    M.E. war ‚unser‘ tatsächliches Vorgehen am Sonntagmorgen in FfM – jetzt mal deutlich, sozusagen in systemcrash-Sprache, gesprochen –, inhaltlich opportunistisch (weil sich auf die Banken fokussierend) und bündnispolitisch sektiererisch (weil das, was ‚wir‘ wollten, mit Attac nicht zu machen war).

  4. 4 systemcrash 29. Februar 2012 um 14:21 Uhr

    @DG

    auf die bündnispolitischen aspekte möchte ich (im moment) nicht eingehen, weil ich da zu wenig hintergrundwissen habe.

    ich stimme dir aber zu, dass sowohl bankenenteignung als auch schuldenerlass als isolierte forderungen systemimmanent sind.
    aber genau DAS ist ja die aufgabe von kommunisten: richtige „reform“forderungen über die logik des systems hinauszutreiben und sie in einem systemischen zusammenhang zu setzen.

    ich glaube, dass wir da keinen dissens haben, obwohl dir als strukturellen maoisten der althusser schule vlt das verständnis der methodik der übergangsforderungen nicht so vertraut ist ;)

  5. 5 Micha Prütz 29. Februar 2012 um 15:00 Uhr

    @Systemcrash:“nun kann man sich drauf einstellen, dass man ein paar symbolische blockaden organisiert, wo ein bankenviertel abgeriegelt wird“.Man kann sich im Moment auf gar nichts einstellen,was den Erfolg der Aktion betrifft.

  6. 6 systemcrash 29. Februar 2012 um 15:58 Uhr

    „Man kann sich im Moment auf gar nichts einstellen,was den Erfolg der Aktion betrifft.“

    soweit ich gelesen habe, ist der tag der blockade ein brückentag, wo wahrscheinlich nicht viele leute in ihren büros sein werden. insofern bleibe ich bei meiner position: symbolischer aktionismus statt antikapitalistischer kampf !

    zusätzlich ist fraglich, ob diese bankenblockade eine „Massenstimmung“ ausdrückt. da stimme ich sascha stanicic von der SAV zu. auf mich wirkt das eher wie ein versuch, den occupy spontaneismus auf deutschland zu übertragen. das wird nicht klappen, weil hier ganz andere politische und kulturelle bedingungen herrschen

    http://www.sozialismus.info/?sid=4701

    übrigens: der sinn marxistischer politik ist es, valide zukunftsprognosen zu haben. nicht, weil es eine glaskugel gibt, sondern weil sich marxisten auf die analyse und die logik der gesellschaftlichen verhältnisse stützen ;)

    „@Systemcrash:“nun kann man sich drauf einstellen, dass man ein paar symbolische blockaden organisiert, wo ein bankenviertel abgeriegelt wird“.Man kann sich im Moment auf gar nichts einstellen,was den Erfolg der Aktion betrifft.“

    das zitat lautet übrigens vollständig:

    „nun kann man sich drauf einstellen, dass man ein paar symbolische blockaden organisiert, wo ein bankenviertel abgeriegelt wird, was an dem tag kaum bevölkert sein wird.“

    das zitieren müssen wir aber noch üben ! das hat ja schon fälscherqualität !

  7. 7 systemcrash 29. Februar 2012 um 16:53 Uhr

    [edit: kommentar gelöscht, da Mattte seinen kommentar entfernt hat]

  8. 8 DGS / TaP 03. März 2012 um 14:52 Uhr

    @ Micha (29. Februar 2012 um 15:00 Uhr):

    „‚nun kann man sich drauf einstellen, dass man ein paar symbolische blockaden organisiert, wo ein bankenviertel abgeriegelt wird‘. Man kann sich im Moment auf gar nichts einstellen,was den Erfolg der Aktion betrifft.“

    Ich denke, es liegt auf der Hand, daß es in FfM „Blockaden“ nur geben wird, wenn sie von der Polizei geduldet werden. – So ist nun einmal das ‚militärische‘ Kräfteverhältnis und so lief es letztlich schon mit den unterschiedlichen Sicherheitszonen in Heiligendamm, und so läuft es bei den diversen Nazi-Blockaden.
    Wenn das dann ein „Erfolg“ ist – meinetwegen. – Allerdings wird es in FfM sowohl an dem Umfeld von ökologischen und internationalistischen NGOs, das es in Heiligendamm gab, und von linksliberalen und sozialdemokratischen AntifaschistInnen, das es bei Nazi-Blockden gibt, – jedenfalls in gleicher Größenordnung – fehlen.
    Außerdem will die IL vor allem die Grünflächen zwischen den Bankentürmen und nicht die Zufahrtsstraßen zum Bankenviertel besetzen. Bei diesem Blockade-Konzept würde es der Polizei sicherlich gelingen, die Tiefgaragen-Zufahrten freizuhalten – wenn sie will.
    Wenn sich die Staatsmacht dagegen von ihrer liberalen Seite zeigen will, weil sie an einem Brückentag eh nicht viel zu verlieren hat, dann mag sich leicht ein Bewegungs‘erfolg‘ einfahren lassen.

    Was allerdings richtig ist:
    Wenn sich ‚Erfolg‘ vs. ’symbolisch‘ an der TeilnehmerInnenzahl entscheidet, dann sind im Moment alle Prognosen müßig. Vielleicht bleiben es am Blockaden-Freitag rund 2.000 Leute; vielleicht ergibt sich aber auch im Nachgang zum 12. Mai die von der IL erhoffte Dymanik.
    Das hängt aber nicht davon ab, ob Systemcrash, die SAV („Vom 17. Mai an sollen dort in der Tradition der ‚Occupy‘-Bewegung massenhaft Zelte errichtet und am 18. Mai das Bankenviertel zum Stillstand gebracht werden. Es ist zu bezweifeln, dass eine solche Aktionsform sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf eine entsprechende Stimmung in breiteren Teilen von Lohnabhängigen und Jugendlichen stützen und über die existierende radikale Linke hinaus Menschen einbinden kann. […] Die Gefahr eines selbstorganisierten Flops ist dementsprechend groß.“) und ich im Vorfeld ‚defätistische‘ Kommentare abgegben.

    @ systemcrash (29. Februar 2012 um 14:21 Uhr):

    „aber genau DAS ist ja die aufgabe von kommunisten: richtige ‚reform‘forderungen über die logik des systems hinauszutreiben und sie in einem systemischen zusammenhang zu setzen.
    ich glaube, dass wir da keinen dissens haben, obwohl dir als strukturellen maoisten der althusser schule vlt das verständnis der methodik der übergangsforderungen nicht so vertraut ist ;)

    Ja, die Unterschiede zwischen uns an dem Punkt hängen vermutlich auch mit den unterschieden zwischen strukturalem und trotzkistischen Marxismus zusammen. Ich fürchte allerdings, daß das ist nicht nur ein „Verständnis“– oder Traditions-Problem ist.

    „‚reform‘forderungen über die logik des systems hinauszutreiben“ – gerade das halte ich für fragwürdig.

    Ich würde sofort eine Demo unterstützen, die nichts weiter fordert als einen Mindestlohn von 12,50 Euro/Std. oder eine Erhöhung der ALG II-Sätze um 20 % (oder so); ich würde auch eine Demo „Für den Kommunismus!“ unterstützen, die das materialistische Bilderverbot beherzigt – zumindest, wenn die zu erwartenden TeilnehmerInnen nur mühselig einzeln mit Handschlag zu begrüßen wären.

    Trotzkistische Übergangsforderungen scheinen mir dagegen ein Mittelweg zwischen beiden Arten von Demos und auch in dem Fall nicht der goldene Weg zu sein.

    Mir scheint, „‚reform‘forderungen über die logik des systems hinauszutreiben“, ruft nicht ganz zu Unrecht solche Anwürfe,

    „Dann ist da noch die unrühmlichen Neigung (sie nennen es Taktik) insbesondere trotzkistischer Gruppen und Organisationen, sich der Täuschung und der Manipulation zu bedienen, um Andersdenkende zu beeinflussen und sie so für die eigenen, nicht offen und ehrlich dargstellten Ziele und Zusammenhänge zu gewinnen.“
    (http://de.indymedia.org/2012/01/323296.shtml – lachenderverlierer am 20.01.2012 um 02:55 h),

    hervor.

    Es wird nämlich nicht offen für die Notwendigkeit eines revolutionären Bruchs argumentiert, sondern dieser hinter einer vermeintlich realistischen Reformforderung versteckt.
    Siehe zur Kritik dieses Konzeptes:
    http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/05/11/verschiedene-geschmaecker/, Abschnitt „Oder nicht marxistisch?“:

    „ich nicht der Ansicht bin, daß es sinnvoll und marxistisch ist, heute, also in einer Situation, die alles andere als revolutionär oder auch nur vorrevolutionär ist, konkrete Forderungen ins Zentrum der politischen Arbeit zu stellen, die den ‚Sturz des Kapitalismus‘ implizieren, […]. In einer Situation, wo 98 Prozent der Bevölkerung die Dominanz der kapitalistischen Produktionsweise nicht in Frage stellen [was etwas anderes wäre als eine halb-kritische Rede über „den Kapitalismus“, der der „sozialen Marktwirtschaft“ entgegengestellt wird], wirkt das Propagieren von Forderungen, die den Sturz des Kapitalismus implizieren1, auf 94 Prozent der Bevölkerung zurecht lächerlich und bei den restlichen 4 Prozent produziert das Illusionen in das, was auf reformerischen Wege durchgesetzt werden kann. Wenn es zunächst einmal darum geht, überhaupt so etwas wie eine Revolution für viele Menschen denkbar zu machen und deren Notwendigkeit darzulegen, dann kommt es vielmehr darauf an, den Unterschied zwischen Reformen und Revolution darzulegen [statt ihn mittels „Übergangsforderungen“ zu verwischen], ohne deshalb auf den Kampf um Reformen zu verzichten“.

    usw. (siehe dort insb. die Fußnoten 1, 2 und 3).

  9. 9 systemcrash 03. März 2012 um 18:36 Uhr

    @DGS

    du vertrittst die klasische zweitelung von programmen:
    hier die reformen, dort die revolution.
    wie aber wird die brücke geschlagen?

    ich kann es mir bei MASSEN nicht anders vorstellen als durch die radikalisierung von „reformen“, die aber ihre grenze an der logik des systems haben. niemals würde ein authetischer trotzkist die notwendigkeit der revolution leugnen. wegen der wichtigkeit der frage, hier mal ein trotzki zitat:

    „Die IV. Internationale verwirft nicht die Forderungen des alten „Minimal“-Programms, soweit sie noch einige Lebenskraft bewahrt haben. Sie verteidigt unermüdlich die demokratischen Rechte der Arbeiter und ihre sozialen Errungenschaften. Aber sie führt diese Tagesarbeit aus im Rahmen einer richtigen, aktuellen, d.h. revolutionären Perspektive. In dem Maße wie die alten partiellen „Minimal“-Forderungen der Massen auf die zerstörerischen und erniedrigenden Tendenzen des verfallenden Kapitalismus stoßen – und das geschieht auf Schritt und Tritt – stellt die IV. Internationale eine System von Übergangsforderungen auf, dessen Sinn es ist, sich immer offener und entschlossener gegen die Grundlagen der bürgerlichen Herrschaft selbst zu richten. Das alte „Minimalprogramm“ wird ständig überholt vom Übergangsprogamm, dessen Aufgabe darin besteht, die Massen systematisch für die proletarische Revolution zu mobilisieren.“

    http://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1938/uebergang/ueberg1.htm#mup

    ich kann nicht sehen, wo da die grenze zwischen reform und revolution verwischt wird. im gegenteil, es wird systematisch die gesellschaftliche systemtranszendenz VORBEREITET (im gegensatz zu sektiererischen schreihälsen und reformistischen abwieglern).

  10. 10 DGS / TaP 03. März 2012 um 19:17 Uhr

    1.

    „sie führt diese Tagesarbeit aus im Rahmen einer richtigen, aktuellen, d.h. revolutionären Perspektive. In dem Maße wie die alten partiellen ‚Minimal‘-Forderungen der Massen auf die zerstörerischen und erniedrigenden Tendenzen des verfallenden Kapitalismus stoßen – und das geschieht auf Schritt und Tritt – stellt die IV. Internationale eine System von Übergangsforderungen auf“

    Wenn der Kapitalismus heute tatsächlich verfallen würde (und das tut er m.E. trotz Krise nicht!) und wenn es tatsächlich eine aktuelle revolutionäre Perspektive in Richtung Sozialismus gäbe, dann wäre ich wahrscheinlich auch für „Übergangsforderungen“.

    2.

    „du vertrittst die klasische zweitelung von programmen:
    hier die reformen, dort die revolution.
    wie aber wird die brücke geschlagen?“

    M.E. kann und muß – jedenfalls heute – auch mit den Massen auf der vollen Höhe der theoretischen Komplexität gesprochen werden.

    D.h.: Anders als für die klassische Zweiteilung von Reformen und Revolution, sind – jedenfalls heute – die Revolution und die Theorie nicht für Sonntagsreden aufzusparen. Vielmehr muß die langfristige revolutionäre Perspektive auch in jedem tagespolitischen Flugi einer revolutionären Organisation thematisiert werden;

    dabei ist die revolutionäre Perspektive heute aber nicht auf vermeintlich realistische Spiegelstrich-Forderungen herunterbrechen.

    Dieses Heruntebrechen der revolutionären Perspektive auf vermeintlich realistische, pseudo-konkrete Forderungen („Für den Aufbau von Arbeitermilizen!“; „Für die Enteignung der Banken!“ bzw. vielmehr: „BankbesitzerInnen“) macht m.E. den sektiererischen, realitätsfernen ‚Charme‘ vieler trotzkistischen Gruppen aus.

    Eine Enteignung der BankbesitzerInnen ist heute

    -- entweder eine realistiche (!) Forderung nach Verstaatlichung von Verlusten (Beispiel: Hypo Real Estate)

    -- oder aber eine unrealistische Vergesellschaftsforderung, für die zwar argumentiert werden sollte, die aber heute nicht wirklich parolen-tauglich ist (aber das ist das geringere Problem; mein Haupteinwand ist insoweit, daß eine Fokussierung auf die Banken nur auf der Grundlage einer unmarxistischen, attac’schen Krisenanalyse richtig wäre).

    Eine „Arbeitermiliz“ ist heute

    -- entweder eine halbwegs realistiche Forderung nach einer (semi-)faschistischen Bürgerwehr gegen SprayerInnen und „Kinderschänder“

    -- oder aber ein unrealistisches Element einer heute unrealistischen Strategie zum Aufbau von Doppelmacht, für die ebenfalls zu argumentieren, die aber ebenfalls nicht tagesparolen-tauglich ist.

  11. 11 systemcrash 03. März 2012 um 19:49 Uhr

    tja, was ist „realistisch“?

    wenn es danach ginge, sollten wir alle in die SPD eintreten. ich hingegen bin der meinung, dass der „realismus“ darin besteht, permanent gegen den strom zu schwimmen. der fortschritt ist IMMER nur eine möglichkeit. je mehr leute es verstehen, dass es auf sie ankommt, um die „kritische masse“ zu bilden, umso mehr wird sich der uralte menschheitstraum mit realen möglichkeiten unterfüttern.

    “Vom schöpferischen Träumen …
    Wenn der Mensch die Kraft zum guten Träumen
    eingebüßt hätte, wenn er nicht immer wieder
    vorauseilen und mit seiner Einbildungskraft
    Das Ganze seines Tuns überschauen würde,
    das sich mühselig unter seinen Händen
    herauszubilden beginnt -
    wie könnte er überhaupt das Umfassende
    seiner Anstrengungen durchhalten?
    Träumen wir also! Aber unter der Bedingung,
    ernsthaft an unseren Traum zu glauben,
    das wirkliche Leben auf´s genaueste
    zu beobachten, unsere Beobachtungen mit unserem Traum
    zu verbinden, unsere Phantasie gewissenhaft
    zu verwirklichen! Träumen ist notwendig …”.

    http://systemcrash.wordpress.com/lenin-uber-das-traumen/

  12. 12 DGS / TaP 03. März 2012 um 20:09 Uhr

    Tja,

    bei der SPD mitzumachen wäre „Unterwerfungsrealismus“ (Frieder Otto Wolf mal über die Grünen ‚Real‘os/as);

    heutige Tagesforderungen und revolutionäre Perspektive zu unterscheiden, ist m.E. dagegen gerade das leninische revolutionär-realistische Unterscheiden zwschen „ernsthaft an unseren Traum zu glauben“ und gleichzeitig „das wirkliche Leben auf´s genaueste […] beobachten“.

    Heute Übergangsforderungen in den Mittelpunkt zu rücken, heißt dagegen die „Phantasie“ für das „wirkliche Leben“ zu halten; heißt von der Aktualität der revolutionären Perspektive auszugehen.

  13. 13 systemcrash 03. März 2012 um 21:49 Uhr

    „heißt von der Aktualität der revolutionären Perspektive auszugehen.“

    als guter leninist hab ich immer gedacht, imperialismus heisst „aktualität der revolution“.

    sollte sich diese perspektive als falsch erweisen, wird die revolutionär-realistische unterscheidung von reform und revolution auch keine rolle mehr spielen. dann ist uns die barbarei gewiss, statt die möglichkeit des fortschritts am schopfe zu packen.

    „Das ganze Gerede, wonach die geschichtlichen Bedingungen noch nicht „reif“ genug seien für den Sozialismus, ist nur das Produkt der Unwissenheit oder eines bewußten Betrugs. Die objektiven Voraussetzungen der proletarischen Revolution sind nicht nur schon „reif“, sie haben sogar bereits begonnen zu verfaulen. Ohne sozialistische Revolution, und zwar in der nächsten geschichtlichen Periode, droht die ganze menschliche Kultur in einer Katastrophe unterzugehen. Alles hängt ab vom Proletariat, d.h. in erster Linie von seiner revolutionären Vorhut. Die historische Krise der Menschheit ist zurückzuführen auf die Krise der revolutionären Führung.“

    -- Leo Trotzki, übergangsprogramm der 4. internationale

    http://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1938/uebergang/ueberg1.htm

  14. 14 DGS / TaP 04. März 2012 um 12:30 Uhr

    Alles, was mir zu Deinem Kommentar von gestern 21:49 h auf der Zunge lag, hast Du nun m.E. schon selbst geschrieben:

    http://arschhoch.blogsport.de/2012/03/04/wie-aktuell-ist-die-revolution/.

    Die Zeit mag in irgendeinem generellen/geschichtsphilosophischen Sinne „reif“ für den Übergang zum Sozialismus sein. Aber in mindestens 95 % der Länder ist die Lage weder revolutionär noch vorrevolutionär, und da mit Übergangsforderungen (nicht jede Forderung ist eine Übergangsforderung) anzukommen, wirkt „voluntaristisch“ (Deine Formulierung) bzw. sektiererisch, da jenseits von Zeit und Raum angesiedelt.

    Das heißt nicht, mit dem Sozialismus und Kommunismus hinter dem Berg zu halten, nur sind sie m.E. in nicht-revolutionären Zeiten nicht als Spiegelstrich-Forderung zu thematisieren (eine Parole ist auch noch mal etwas anderes als eine Forderung).

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