Anmerkungen von Angela Klein (isl) zum „Papier der SIB für eine ‚neue antikapitalistische Organisation‘“

Liebe Genossinnen und Genossen,

mit einiger Verspätung melden wir uns in eurer Debatte zu Wort, nicht aus Missachtung, sondern weil bei uns die Mühlen etwas langsam mahlen. Wir sind an eurem Diskussionsprozess jedoch interessiert, haben uns an der Debatte in Berlin beteiligt und organisieren gerade in Köln mit RSB eine Veranstaltung darum.

Wir registrieren mit Interesse, dass in Deutschland seit Heiligendamm, der Gründung der WASG und dem großen Comeback der Anti-Atombewegung – und unterstützt durch den internationalen Aufschwung der Bewegungen in Folge des arabischen Frühlings und der Occupy-Bewegungen in ihren verschiedenen Varianten – das Interesse von Linken an der Organisationsfrage wieder zugenommen hat. Die IL führt eine Debatte darüber, wie das Zirkelwesen überwunden und eine handlungsfähige, radikale bundesweite Organisation aufgebaut werden kann. Ihr denkt über eine deutsche NPA nach. Und innerhalb der Linkspartei sorgen die parteiinternen Auseinandersetzungen dafür, dass in der AKL darüber nachgedacht wird, ob nicht eine straffere Organisierung angebracht wäre. Das sind nur die Ausschnitte, die mir bekannt sind.

Für eine Organisation wie die isl, die ihrer großen personellen und organisatorischen Schwächen zum Trotz ebenfalls das Fernziel einer antikapitalistischen oder revolutionären Massenorganisation aufrecht erhält (die begriffliche Unklarheit ist Teil der Diskussion um die notwendige Positionsbildung), sind solche Prozesse eine Herausforderung – gehen sie doch von den politischen Kreisen aus, die der isl mit am nächsten stehen!

1. Der Adressat und das Weltbild

Ihr habt euch große Verdienste erworben, indem ihr eine ausführliche programmatische Plattform zu Papier gebracht habt. Sie bildet eine sehr gute Grundlage für die Diskussion – zumindest in solchen Kreisen, die sich fortschrittlichen Traditionen der Arbeiterbewegung verbunden fühlen und von daher die historischen Bezüge, die ihr aufmacht, kennen. Das führt bereits zu meiner ersten Frage, nämlich der nach dem Adressaten:

Handelt es sich hier um eine Selbstverständigung zwischen versprengten Überbleibseln verschiedener Bewegungen in dem Versuch, näher zusammen zu rücken? Das wäre eine sehr ehrenwertes Ziel, sollte aber so benannt werden, wurde nicht so benannt.
Oder soll der Text Ausgangspunkt sein für die Verständigung mit jüngeren, rebellischen und politisierten Generationen (denn Politisierung setzt der Text voraus)? Euer erster Impuls, ihn für die Debatte mit Avanti geschrieben zu haben, legt das nahe. Dafür fürchte ich aber, ist er nicht geeignet. Er ist zwar locker, flockig geschrieben, aber im Kern doch harter Tobak, weil er einem sehr engen Argumentationsstrang folgt – eben dem, der sich aus der Geschichte der Linken Opposition im 20.Jahrhundert ergibt.
Allein die Formulierung: „Wir treten ein in eine Phase von Revolution und Konterrevolution“ muss jemandem, der sich nicht durch die Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung gefressen und nicht gelernt hat, in langen Wellen von Klassenkämpfen zu denken, ein Buch mit sieben Siegeln sein. Ein heute 30-Jähriger ist vor allem (mehr …)

(Quelle:
http://www.islinke.de/anmerkungen_nao.htm)

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36 Antworten auf „Anmerkungen von Angela Klein (isl) zum „Papier der SIB für eine ‚neue antikapitalistische Organisation‘““


  1. 1 Wal Buchenberg 14. Februar 2012 um 15:31 Uhr

    Hallo,
    ein schrecklich langes und ungegliedertes Papier, das aber etliche bedenkenswerte Argumente und Positionen enthält.
    Nach dem ersten Lesen ziehe ich persönlich folgende zentralen Gesichtspunkte aus diesem Statement:

    1. Es führt zu nichts, gescheiterte Rezepte aufwärmen zu wollen.

    2. Man muss schauen, was die aktive Bewegungen machen, und auf ihre Fragen antworten

    3. Die 5 Essentials der SIB sind weitgehend formal und inhaltsarm. Es sind politische Mittel, ohne dass klar ist, wohin diese Mittel führen können oder führen sollen.

    4. Wir müssen uns mehr über radikale (emanzipatorische) Ziele Gedanken machen, als über radikale politische Mittel.

    5. Wir brauchen Forderungen und Taktiken, die Erfolge für die Bewegung schaffen. Mit bloßen Propagandalosungen erreichen wir nichts.


    In diesen Punkten fühle ich mich diesem Statement nahe.

    Gruß Wal Buchenberg

  2. 2 Mattte 14. Februar 2012 um 21:05 Uhr

    Ich kann den meisten Kritikpunkten nicht zu stimmen, sie scheinen sich gar nicht auf den derzeitigen Prozess zu beziehen.

    Z.B.

    Wichtiger und auf mittlere Sicht erfolgreicher ist es, neben der oben genannten Suche nach programmatischen Antworten sich drauf zu konzentrieren, Einheit und Masse herzustellen, also den Zustand zu überwinden, dass die radikale (selbst die trotzkistische) Linke in Dutzende verschiedener Kleinstorganisationen gespalten ist, und den Willen zu entwickeln, eine Größenordnung zu erreichen, die uns handlungsfähig macht.

    Genau darum geht es doch! Gerade das soll doch der NAO-Prozess vollziehen. Es wird also ein Weg verneint und kritisiert, der überhaupt nicht vorgeschlagen wurde, außer als gedankliches Konstrukt von Angela.

  3. 3 systemcrash 15. Februar 2012 um 0:48 Uhr

    einheit und Masse ohne solide programmatische fundierung bringt aber auch nichts. tino p.* hat im casino thread kritisiert, dass zu den SIB essentials nicht auch das verhältnis von „sozialismus und demokratie“ gehört. denn dies sei genau der grund für den niedergang der linken. das stimmt insofern, als dass der stalinismus den „sozialismus“ (als idee und bewegung) diskreditiert hat. allerdings gehört zur anderen seite der wahrheit auch der verrat der sozialdemokratie, die die russische revolution den wölfen zum frass überlassen hatte.

    wenn nun die SIB diesen fragenkomplex (der nebenbei wahrscheinlich einer der kompliziertesten linker politik ist) zu einem essential machen würde, würde sie von vorherein das infrage kommende spektrum erheblich einschränken. was ist mit der DKP? eine partei, die voll in der stalinistischen tradition steht. wollen wir solche leute nicht ansprechen? ich kann mich daran erinnern, dass bei den letzten bundestagswahlen die DKP berlin mit einem wirklich guten programm angetreten ist. sollte man nicht alles versuchen, mit solchen leuten ins gespräch zu kommen? (das gleiche gilt natürlich für solid, SDAJ und linke in der LINKEn). solche sekten wie MLPD und PSG sind sicherlich jenseits von gut und böse. da hab ich auch kein grosses interesse am fruchtlosen austausch sattsam bekannter plattitüden. (und die werden ihre leute auch eh abschotten). aber bei allen gruppen, die noch etwas interne lebendigkeit und diskussion kennen, sollte man doch versuchen, eine inhaltliche annäherung zustande zu bringen. wenn man diesen prozess von anfang an mit ZU hohen hürden belegt (und eine einschätzung des stalinismus wär eine RIESENhürde), wäre dies absolut kontraproduktiv.

    m e hat die SIB recht damit, DIESEN fragenkomplex NICHT zu den 5 essentials dazuzunehmen.
    langfristig MUSS natürlich auch diese frage (so weit wie möglich) abgeklärt werden; also gehört zur sog. „erweiterten programmdiskussion“

    -------
    * „Es war und ist eben kein Zufall, sondern sehr symptomatisch, dass die SIB bei ihren fünf Grundprinzipien die Frage der sozialistischen Demokratie und des demokratischen Organisationsverständnisses d.h. die zwei strategischen Kardinalsfragen, die beim Niedergang der sozialistischen Weltbewegung DIE entscheidende Rolle spielten und die tatsächlich einen Neustart brauchten – vollständig ausgelassen hat, während die vier Prinzipien plus eine gewisse organisatorische Verbindlichkeit lediglich ein Rückgriff auf im Grunde genommen selbstverständliche alte Weisheiten beinhalten.“
    http://arschhoch.blogsport.de/2012/01/31/casino-oder-ueberakkumulation/#comment-2260

  4. 4 Micha Prütz 15. Februar 2012 um 11:33 Uhr

    Dieser Beitrag von A.Klein ist erstmal ein Genuß.Hier werden Fragen
    aufgeworfen,die in der gesamten Linken ungeklärt sind.Ich hoffe,das wirin eine ernsthafte Debatte eintreten.Vorweg aber doch eine Anmerkung.Stehen wir vor der Aufgabe der Runderneuerung der Arbeiterbewgung?Ja einverstanden!Aber dann stellt sich mir die Frage,warum die Isl ihre Hauptkraft in die Linkspartei steckt.Das langweiligste und bürokratischte Monstrum der alten Arbeiterbewegung.Seit über zwei Jahren ist diese Partei nicht in der Lage auch nur eine zentrale Initiative zu ergreifen.Dies muß man mir erklären.

  5. 5 systemcrash 15. Februar 2012 um 11:46 Uhr

    „Über das Schicksal der Linkspartei möchten manche ihrer Exponenten auf dem linken Flügel lieber keine Aussage machen, das Experiment der NPA muss man als gescheitert betrachten, und die holländische SP macht große Fortschritte, weil sie nicht die leninistischen Fragen nach der Strategie stellt, sondern die sozialdemokratischen Fragen nach den Organisationsformen für den Alltag.“

    ich glaube, diesen satz musst du wohl bei all deinem genuss überlesen haben, Micha ;)

    wenn er denn stimmt (also in bezug auf die NPA), welche auswirkungen hätte es denn auf die „deutsche NAO“? die SIB hat immer die NPA als vorbild dargestellt. ich finde, da kann man nicht einfach drüber hinweggehen und business as usual betreiben …

  6. 6 khs 15. Februar 2012 um 13:21 Uhr

    Genossin Klein hebt m. E. zurecht hervor, dass „durch die globalisierten Wertschöpfungsketten tiefgreifende soziale Veränderungen“ in den Klassenstrukturen entstehen, wodurch sich ein „neues Klassenbewußtsein“ entwickelt. Im Zusammenhang damit weist sie daraufhin, dass „die Konzepte staatlicher Souveränität“, die bisher an den Nationalstaat gebunden waren, erodieren.

    Beide Veränderungen zusammengenommen erscheinen mir als eine neue Etappe des Kapitalismus, die mit dem traditionellen imperialismustheoretischen Werkzeugkasten nicht mehr ausreichend zu analysieren ist. Von daher ist die Frage nach den programmatischen Grundlagen einer NAO eine Schlüsselfrage in ihrem Entstehungsprozess, denn diese wirken sich sowohl auf die Organisationsstruktur (flach&dezentral versus imperativ&hierarchisch – vereinfacht gesprochen) als auch auf die tagespolitischen Inhalte einer zu entfaltenden gemeinsamen politischen Praxis im Sinne einer revolutionären Realpolitik aus.

    Genossin Klein stellt diesbezüglich fest: „Heute sind wir wieder auf der Suche nach einer solchen „algebraischen Formel“, gemeint ist die Formel der Oktoberrevolution „Brot, Land und Frieden“.

    Hier muss ergänzend zur Genossin Klein darauf hingewiesen werden, dass dies NICHT die programmatische Grundlage der Bolschewiki im Kampf um die Inbesitznahme- und Zerschlagung des zaristischen Staatsapparates gewesen ist. Die Bolschewiki entwickelten diese Formel/Parole durch die Anwendung ihres Parteiprogramms von 1903(!) auf die aktuellen Klassenwidersprüche des Sommers 1917.

    Es geht daher m.E. heute nicht um die Entwicklung einer vergleichbaren Formel/Parole, sondern um die Erarbeitung des NAO-Programms, woraus solche Formeln/Parolen abzuleiten wären.

    Doch merke: Mensch wird wird nicht umhinkommen, hierbei das Verhältnis von Theoriearbeit und praktischer Interventionen im „kollektiven“ Auge einer sich entwickelnden NAO zu behalten.

    Bei der Genossin Klein heißt es dazu mit Bezug auf die IL(*): „Die Diskussion mit ihr müsste sich deshalb u.a. darum drehen, dass eine radikale Linke nicht nur eine aktionsbezogene, sondern auch eine inhaltliche und organisatorische Alternative bieten muss, wenn sie den Reformisten die Hegemonie entreißen will.“

    Daher favorisiere ich nach wie vor theoretische Konferenzen der politischen Kräfte, die nicht mehr länger bereit sind, in den selbstverschuldeten Polit-Nischen vor sich hin zu werkeln, und zukünftig ihre politischen Erfahrungen in eine gemeinsame verbindliche Praxis einfließen lassen wollen.

    *) Warum es gerade die IL sein soll, erscheint mir aufgrund des dazu Vorgetragenen ein wenig subjektivistisch, gerade auch deshalb, weil die Autorin eingangs mit den objektiven Veränderungen argumentiert.

  7. 7 Stefan 15. Februar 2012 um 13:57 Uhr

    Ein sehr interessanter und vor allem sachlich formulierter Beitrag. Da Angela Mitglied bei der ISL und diese in der IL organisiert ist, wäres es mal interessant zu wissen, ob die NAO Debatte innerhalb der IL als Ganzes überhaupt wahrgenommen wird. Oder verhallen die Rufe im Nirgendwo?

  8. 8 Stefan Wehmeier 15. Februar 2012 um 14:37 Uhr

    Warum nicht Marxismus?

    Die Hoffnung auf die Befreiung durch den Marxismus haben die vergangenen Jahrzehnte vollkommen zunichte gemacht. Da der Marxismus die Ursache der Ausbeutung irrigerweise im Privatbesitz an den Produktionsmitteln sucht, anstatt in der Beseitigung der Monopole, kann auch sein Rezept, die so genannte Vergesellschaftung (die praktisch nur eine Verstaatlichung ist) ebenso wenig wie die so genannte Planwirtschaft (die praktisch nur eine Ausweitung der Monopole bedeutet), niemals zum Sozialismus, zu einer ausbeutungs- und daher klassenlosen Gesellschaftsordnung führen, sondern ganz im Gegenteil lediglich zur Umwandlung des drückenden Privatkapitalismus in einen noch viel drückenderen Staatskapitalismus, zur Vergötzung des Staates und allmächtigen Herrschaft einer praktisch verantwortungs- und erbarmungslosen Bürokratie.

    Im Staatskapitalismus, wo der Arbeitgeber Staat nicht nur der einzige Polizist, Richter und Gefängnisaufseher, sondern auch der einzige Unternehmer ist, wird ihm der Werktätige rettungslos ausgeliefert, gehen die letzten Reste persönlicher Freiheit endgültig verloren.

    Otto Valentin (aus “Warum alle bisherige Politik versagen musste”, 1949)

    Mehr gibt es zum “Denkfehler Marxismus” nicht zu sagen. Dass es sogar im 21. Jahrhundert noch marxistische Dummschwätzer gibt, ist darauf zurückzuführen, dass der so genannte “Unglaube” gegenüber dem “Opium des Volkes” absolut wirkungslos ist:

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

  9. 9 Kommunist_in 15. Februar 2012 um 14:44 Uhr

    Ich verstehe gar nicht, warum hier nochmal versucht wird das Rad neu zu erfinden. Es gibt bzw. gab doch bereits schon sowohl Orte bundesweiter kommunistischer inhaltlicher und strategischer Verständigung nämlich den/die … um Ganze! Kongresse ( http://kongress.umsganze.de/pages/start.php ) als auch ein Versuch mit …ums Ganze! dies parktisch-organisiert zu wenden: www.umsganze.org

  10. 10 Micha Prütz 15. Februar 2012 um 15:21 Uhr

    Zu Stefan

    Der Nao Prozeß wird nach meinen Erfahrungen in der Il sehr genau beobachtet.Wir in Berlin unterhalten durchaus freundschaftliche Kontakte zu verschiedenen il Gruppen.

  11. 11 Micha Prütz 15. Februar 2012 um 15:25 Uhr

    zu Kommunist-in
    Wir sind intensiv beteiligt an den Vorbereitungen zum 31. März.
    Wir halten sowohl den Ums Ganze bündnis als auch den il Prozeß
    für nicht ausreichend genügend Tiefe und Breite zu erlangen.
    Aber es sind sehr wichtige Ansätze zur Diskussion.

  12. 12 R.E 15. Februar 2012 um 16:55 Uhr

    Der Artikel von Angela Klein ist meines Erachtens ein Hervorragender Beitrag.
    Ich will hier nur auf einen kleinen Teil ihrer Anregungen Bezug nehmen.
    Ihre Frage zu Anfang ist die, nach dem Adressaten des SIB-Papiers und sie bringt richtiger Weise die Generationenfrage ins Spiel. Schauen wir uns heute doch die marxistischen Zirkel an, welches Durchschnittsalter kommt da zusammen? Selbst wenn es gelingt mit dem größten Teil dieser Gruppen eine immer wie geartete Einheit herzustellen, wie viele Mitglieder kämen zustande, 600 oder gar 1000? Bei einer Bevölkerung von ca. 82 Millionen. Nun ist jeder Anfang erst einmal bescheiden, doch ohne Einbezug der jungen Generation, ist Stagnation vorprogrammiert. Angela Klein schreibt, „die heutige Generation bezieht sich nicht mehr auf die 20er Jahre und hat mit dem ganzen Gerümpel von vor 1989 nichts mehr zu tun. Sie ist vollauf damit beschäftigt, sich in der Gegenwart zurecht zu finden“.
    Im Großen und ganzen kann man da zustimmen. Jede Generation hat eben seinen Erfahrungshorizont den es auch zu akzeptieren gilt, wenn man mit einander kommunizieren will.
    Also muss man sich über die Gegenwart unterhalten um ins Gespräch zu kommen. Ich will es einmal so formulieren, die ältere Generation bezieht sich in übertriebener Weise auf die historischen Ereignisse der kommunistischen Bewegung, sie nimmt dort mit Abstand den größten Raum ein, wie man bei den Diskussionen erkennen kann, während die junge Generation überwiegend keinerlei Bezug zu dieser Geschichtlichen Periode hat und sich vor allem mit den aktuellen Themen und Problemen beschäftigt. Diese Situation kann man aber durchaus positiv sehen. Ich finde, beide könnten sehr viel von einander lernen. Schließlich sind es die aktuellen Probleme die zu diesem Versuch der Gründung einer NAO führte. Der älteren Generation stünde es gut an sich bei ihrer Argumentation sich nicht fast ausschließlich aus der sogenannte Mottenkiste zu bedienen und sich mehr auf die Gegenwart zu beziehen, während man der jungen Generation vermitteln muss, eine fundamentale Kritik und Bewertung des kapitalistischen Systems ist nicht möglich ohne die Historie mit einzubeziehen und zu dieser Historie gehört nun einmal mindestens das Werk von Karl, Marx das Kapital Kritik der politischen Ökonomie.
    Wenn man eher als Außenstehender, die Diskussion in diesem Block mit verfolgt, dann stellt man fest, hier wird eine Sprache gesprochen, die eben diesem Zirkelwesen eigen ist. Wenn man mit der Jungen Generation ins Gespräch kommen will, muss man sich sprachlich annähern um richtig verstanden zu werden. Die Diskussion muss sich auf konkrete gegenwärtige gesellschaftliche Themen beziehen, auch wenn der eigene Standpunkt aus der Historie begründet ist. Eine NAO ohne die Hauptbetroffenen der kapitalistischen Ausbeutungsmaschinerie (ca. 8 Millionen arbeiten im Niedriglohnsektor), die junge Generation, ist nicht erfolgversprechend. Die Gemeinsamkeiten liegen in der heutigen gesellschaftlichen Situation, auf diese konkreten Verhältnisse muss man sich beziehen. Hier muss man aufeinander zugehen, ohne Vorbedingungen, nicht besserwisserisch sondern auf gleicher Augenhöhe.

  13. 13 Micha Prütz 15. Februar 2012 um 18:08 Uhr

    es ist ja nicht so,das es kein Interesse an historischen referenzpunkten gibt.aber kein Mensch glaubt,das diese Referenzpunkte mit der aktuellen Lage etwas zu tun haben.Aber z.b.
    unser Punkt der Einheitsfront ist ja nun nicht ein abstraktes Ding aus dem vorigen Jahrtausend,sondern,Griechenland betrachtet,sehr konkret.Dort entscheidet sich nämlich in einem sehr kurzem zeitfenster die Frage von Revolution und Konterrevolution.als ich schon der Meinung,das wir eine andere Ansprache brauchen als vor 20 Jahren,aber verbiegen dürfen wir uns auch nicht.

  14. 14 richard 15. Februar 2012 um 19:10 Uhr

    Meine Einschätzung ist, dass die „jungen“ Aktivisten mit kommunistischem Anspruch sehr viel weiter entwickelt sind, als hier so angenommen wird. Auch was die „Bildung“ von historischen Zusammenhängen angeht, denke ich nicht, dass die jüngeren Aktiven wirklich rückständig sind, im Gegenteil.

    Was haben denn die älteren Leute hinbekommen? Wie sieht denn wirklich die politische Bilanz von heute > 50 Jährigen aus, außer vielleicht die persönliche Alterssicherheit durch Haus, Wohnung und Urlaub?

    Die mir bekannten Personen scheuen den Kontakt zu fremden Personen, aufgrund der Repression und Unterwanderung.

    Meine Einschätzung geht sogar so weit, dass die jüngeren Aktiven den Älteren kein Wort mehr abnehmen, wie man am besten Revolution macht.

    Die Jungen Aktiven brauchen keine Lehrmeister zur Revolution von einer Generation, die im Bezug auf die sozialen Verhältnisse, die nach ihr kommenden Generation völlig im Stich gelassen haben.

    Die älteren Generation, also die 68′er, hat die Jugend verraten, indem sie ihre Werte verkauft hat für Bares. Ich sehe überhaupt keinen Grund, warum die Jüngeren nun diese Fehler auf irgendeine Art wiederholen sollte. Dies ist nämlich ein Grund, warum eine Kaderorganisation wirklich Sinn machen könnte, damit eben nicht wieder die alten Hasen das Ruder an sich reißen und alles im Sande verläuft.

    Und zu dem Thema Kapitalismus und das dieser seit der Zeit 68′er quasi der gleiche geblieben wäre: Das ist ja wohl der Unsinn. Wer heute zur Schule geht, der wird getrimmt auf Teufel kommt raus. Der Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist derart Leistungs- und Anpassungsorientiert (und Sanktionsfähig), dass dies überhaupt nicht mehr zu vergleichen ist. Wer traut sich heute noch in einem kleineren Betrieb irgendetwas zu sagen, was der herrschenden Meinung widerspricht? In Wirklichkeit wird eine gute Laune vorzugaukeln. Und seid 9/11 ist das Lügen, die Überwachung und die Heuchelei quasi Normalität geworden, dem sich kein Einzelner widersetzen kann. Wer heute von den jungen Menschen aufgeklärt ist, der hat echt verkackt, weil er alles mit ansieht und doch schweigen muss. Der Leistungsdruck und Bewertungsdruck macht es möglich.

    Und leider muss ich hier endlich mal die Partei die Linke verteidigen, auf die ja immer so gerne eingedroschen wird.

    Da frag ich mich aber, welche Partei denn überhaupt noch einen sozialistischen Anspruch hat. Und warum hier soviele Leute nur hetzen können, anstatt wie es nötig wäre, die letzten Kräfte im Parlament zu unterstützen, bevor auch diese verschwunden sind. Was ist denn, wenn die Linke wirklich aus dem Parlament fliegt, weil hier jeder mal auf diese Partei einhaut? Wer glaubt denn wirklich, dass das Deutsche Parlament jemals eine Arbeiterpartei zulassen würde?

    Ja, die Linke will regieren mit den bürgerlichen Parteien? Aber wozu ist sie sonst auch im Parlament? Um eben auch mit zu regieren. Wer hat all die Jahre gegen Hart IV mobilisiert? Wer ist die einzige Partei, die den Palästinensern Unterstützung und Solidarität zukommen lässt, selbst gegen erbitterten Druck aus den eigenen Reihen? Wer hat seit Jahr und Tag von Mindestlöhnen gesprochen? Alle die Veränderungen, die nach und nach von den bürgerlichen Parteien aufgenommen werden, hat Die Linke angetrieben über Jahre, und vor allem auch durch aktive Mitglieder. Anstatt nur immer auf andere Gruppen einzuhauen, könnte man ja auch mal anfangen, zu schauen, ob man selber irgendetwas besseres hinbekommen hat.

    MsG
    Richard

  15. 15 R.E 15. Februar 2012 um 21:12 Uhr

    Hallo Richard
    Ich wollte damit ausdrücken wollen dass die junge Generation mehrheitlich wenig Interesse, nicht generell, kein Interesse für die historische Entwicklung des Kapitalismus wie auch dem Kommunismus zeigt.

    Was die politische Bilanz der heute über 50 jährigen angeht muss ich dir Recht geben. Es gibt keinen Grund hier der jungen Generation gegenüber belehrend aufzutreten. Es gilt aus den Fehlern zu lernen um es gemeinsam mit der jungen Generation besser zu machen.
    Was die PDL betrifft muss ich sagen sie dient mir nicht als positives Beispiel, wenn ich ihre Regierungsbeteiligungen als Maßstab für linke Politik hernehme. In der Opposition versprechen eh alle alles.
    Was die Kaderorganisation angeht muss ich zugeben, es gibt Köpfe die suchen das Joch.

  16. 16 Gerion 15. Februar 2012 um 23:09 Uhr

    Hallo Richard,

    Der Titel unter dem die Veranstaltung hier läuft ist „was geht links von der Linkspartei“. Vielleicht muss mensch das immer mal wiederholen.
    Für mich persönlich ist die PDL Teil des Problems und nicht der Lösung. Ob die PDL im Bundestag sitzt ist nur für Ernst und seinen nächsten Porsche wichtig.
    Weil du fragst, ich glaube das die BRD eine Arbeiterpartei zulassen würde, aber was soll der Quatsch. Das System sollte weg.
    Und ja die Linke Bewegung hat in den letzten 50 Jahren sehr viel erreicht aber auch sehr viel verloren und auch richtig versaut. Als Erfolg würde ich z.B. den fast Sieg über den Atomstaat in Deutschland nennen.
    Zur Definition, wenn ich sage „Antifaschismus“ dann meine ich damit nicht den Faschismus irgendwie besser machen, und genauso halte ich es mit „Antikapitalismus“.
    Wenn wir eine bessere Alternative hinbekommen hätten als die jüngere Generation, würden wir hier wohl schwerlich an einer neuen Organisation basteln. Aber irgendwie glaube ich das auch du nicht so richtig von der PDL überzeugt bist, denn woher kommt dann dein Interesse an der NAO?

    Mit sozialistischen Grüßen, Gerion

  17. 17 richard 16. Februar 2012 um 0:50 Uhr

    Hallo Gerion,

    « Heraus zum 8. März!
    »
    Anmerkungen von Angela Klein (isl) zum „Papier der SIB für eine ‚neue antikapitalistische Organisation‘“

    Also so weit ich das sehe, ist dieser threat wie oben im Titel genannt.

    Was immer du denkst, wovon ich überzeugt wäre, wichtig ist, was ich geschrieben habe.

    MsG
    Richard

  18. 18 Tino Plancherel 17. Februar 2012 um 17:42 Uhr

    NPA Experiment ist NICHT gescheitert!

    In diesem Blog ist bereits mehrfach der Tod des NPA-Experiments herbeibehauptet worden. Nun betrachtet auch die Vertreterin des ISL das „Experiment der NPA als gescheitert.“ Begründet wurde diese sehr schwerwiegende Behauptung, die auch international weitreichende Konsequenzen mit sich brächte bis zur Stunde aber noch nie. Was soll denn gescheitert sein das Konzept der NPA, die Umsetzung oder die Philosophie, die dem NPA-Projekt zugrunde liegt?

    Unbestrittener Kernpunkt der NPA – NAO – Philosophie ist die Vereinigung grösster Teile der entschiedenen, radikalen Antikapitalisten in einer Organisation mit radikal demokratischer Funktionsweise. Der radikale Antikapitalismus beinhaltet eine Abgrenzung gegenüber dem Reformismus und die radikal demokratische Funktionsweise eine Abgrenzung gegenüber dem linken Sektierertum. Über die genaue Auslegung und Handhabung dieses Kerns gibt es natürlich und wird es noch jahrelang heftige Auseinandersetzungen geben.
    Ziel wäre, dass der gemeinsame Kern sich Stück um Stück erweitern würde, sich eine neue Tradition des revolutionären Politikmachens durchsetzte. Während dieses Prozesses sind Auf und Abs unvermeidbar und genau dies erlebt man derzeit in der französischen NPA.

    Es mutet schon sehr merkwürdig an, wenn in D dauernd das Ende der NPA verkündet wird, einer Partei also, die immer noch rund 10′000 Mitglieder und SympathisantenInnen hat, die in zahlreichen Grossbetrieben, Universitäten und Schulen ein reales politisches Gewicht besitzt, die direkt in jedem grösseren Streik, in fast jeder grösseren Bewegung politisch eingreifen kann und über deren Existenz und sozialistischer Ausrichtung die Mehrheit der französischen Bevölkerung Bescheid weiss.

  19. 19 Micha Prütz 17. Februar 2012 um 18:48 Uhr

    Genau so ist es.Die Sichtweise auf die Npa von vielen Sekten ist geradezu skandalös.Leute,die seit Jahrzehnten nichts auf die Reihe bekommen

  20. 20 DGS / TaP 17. Februar 2012 um 19:00 Uhr

    Das Interessante ist ja, daß die Einen die NPA anscheinend für gescheitert halten, weil sie zu breit angelegt gewesen sei, und die anderen, weil sie nicht breit genug angelegt gewesen sei…

  21. 21 Mattte 17. Februar 2012 um 19:08 Uhr

    Hallo Kino

    Ich stimme dir vollkommen zu, der Beweis für die Behauptung das NPA-Projekt wäre gescheitert fehlt bislang. Es einfach immer und immer wieder zu behaupten macht es nicht wahr. Was allerdings stimmt, das Projekt hat so seine Probleme.

    Es mutet schon sehr merkwürdig an, wenn in D dauernd das Ende der NPA verkündet wird, einer Partei also, die immer noch rund 10′000 Mitglieder und SympathisantenInnen hat[…]

    Nach verschiedenen Angaben, unter anderem auch dem Referent von der NPA selber, der zu Veranstaltung zum NAO-Prozess da war, sind es wohl nicht mal mehr 5000 Mitglieder. Aber auch das ist eine Mitgliederstärke und auch Präsenz der Forderungen in der Bevölkerung, von der man in Deutschland nur träumen kann.
    Und warum äußert sich keiner zu dem Projekt in Griechenland mit der Antarsya? Weil man das bislang nicht negativ interpretieren kann?

    Selbst ein vollkommenes Scheitern der NPA bedeutet nicht unbedingt ein Scheitern des NAO-Projektes oder die vorzeitige Aufgabe dessen. Dies würde lediglich bedeuten, dass man das Scheitern genauer analysieren müsste, um dieselben Fehler zu vermeiden.
    Es zeigt sich also, man hätte sich vielleicht von Anfang an auch auf andere linke Projekte beziehen sollen. Wie zum Beispiel die schon seit Jahren erfolgreichen Gruppen wie der Bloco de Esquerda in Portugal (auch mit einem Teil Trotzkisten aufgebaut) oder die Enhedslisten – de rød-grønne in Dänemark. Sicherlich gibt es auch noch mehr solcher Projekte die unsere Aufmerksamkeit verdienen. Also den Blick eindeutig erweitern und nicht nur Projekte heranziehen die gerade Probleme haben.

  22. 22 Tino Plancherel 17. Februar 2012 um 20:25 Uhr

    @ Mattte und alle anderen

    Ja, das wäre übrigens sehr interessant und lehrreich, mal vier oder fünf solcher NAO ähnlicher Projekte, die es in den verschiedenen Ländern schon gab, näher und genauer anzusehen. Die griechische Antarsya wäre natürlich besonders aktuell. Ich bin überhaupt der Meinung, dass wir alle grossen Fragen eng verbunden mit den griechischen Ereignissen diskutieren sollten:
    Kapitalismus/Finanzkapitalanalyse, Organisationsverständnis, Sektierertum, Demokratiefrage und das Wesen der ÜBERGANGSFORDERUNGEN werden so viel anschaulicher und packender.
    Betreffs Stärke der NPA, ich habe bewusst 10′000 geschrieben mit den nahen Sympathisanten. Organisationen ab einer gewissen Grösse schaffen ein lebendiges Milieu um sich herum, so eine Art von „Gravitationsfeld“, Leute die formal nicht Mitglieder sind aber in den Kämpfen eng und im Rahmen der politischen Philosophie der Organisation mit dieser zusammenarbeiten.

  23. 23 Thomas 18. Februar 2012 um 0:11 Uhr

    Zur ganzen Debatte nochmal um das Papier von Angela, mit der ich die Organisation teile: Ich finde den Verweis auf das Gescheitertsein des NPA-Prozesses muss man im Kontext der Diskussionen sehen, die in der Vierten Internationale über den Aufbau sog. breiter antikapitalistischer Parteien geführt wurden und wird – die NPA ist dabei nur ein Beispiel, vielleicht das aus revolutionärer Perspektive interessanteste, weil eben mit der LCR das Flaggschiff der Vierten in Europa den Prozess aufgemacht hat.
    Andere Beispiele, in denen GenossInnen sich an Formierungen einer neuen Linken beteiligt haben war auf die PRC in Italien (wovon sich dann Sinistra Critica abspaltete), der Linksblock in Portugal oder die Einheitslisten in Dänemark. In keinem Fall war die NPA ein Modell, wenn ich das recht überblicken kann. Leitend war vielleicht häufig der Gedanke – das will ich aber nicht mal für alle hier genannten Beispiele sagen – dass durch die Krise von post-stalinistischen Parteien und Sozialdemokratien auf der Linken ein Raum für die Erneuerung einer klassenkämpferischen, internationalistischen Linken entstanden ist.
    Ein paar interessante Texte, meist von Leuten unserer internationalen Tradition geschrieben, finden sich in:
    http://www.iire.org/en/component/content/article/18-notebooks-for-study-and-research/230-new-book-on-the-left-in-europe.html

  24. 24 systemcrash 18. Februar 2012 um 0:21 Uhr

    „Genau so ist es.Die Sichtweise auf die Npa von vielen Sekten ist geradezu skandalös.Leute,die seit Jahrzehnten nichts auf die Reihe bekommen“ --- Micha Prütz

    das scheitern der NPA wurde von Angela Klein (isl) und Horst Hilse (SOKO) behauptet. meinst du die ?

    ähh …was heisst eigentlich für revolutionäre „etwas auf die reihe bekommen“ … und wieviele organisationen hat der gen. Prütz durchlaufen? eine, fünfe, zehn ? und was hat ER auf die „reihe bekommen“, ausser ein „organischer zentrist“ zu sein. leute, die sich etwas mit der geschichte der vierten nach `45 auskennen, wissen vlt, dass der revisionismus in der vierten zumindest MIT ein ein grund ist für den niedergang der revolutionären bewegung. dies durch eine „pseudobreite“ ausgleichen zu wollen, wird sich als sackgasse erweisen

  25. 25 Thomas 18. Februar 2012 um 0:30 Uhr

    @ Micha – isl und Linkspartei:
    Das mit der Linkspartei hängt ja nun von der Analyse ab, was sie ist und welche Rolle sie im gesamtgesellschaftlichen Kräfteverhältnis spielt. Viele der Posts, die ich hier im Blogg gelesen habe, sehen in ihr ja eher ein Übel oder ein Teil des Problems.
    In der isl haben wir wohl kaum ein unkritisches Verhältnis zur Partei Die Linke. Vielleicht ist das ja auch nicht so uninteressant hier zu schreiben, weil unsere Schwestern vom RSB ja auch schon dazu was gepostet haben. Im Kontext der gleichen Debatte, in deren Zusammenhang Versuche wie die NPA oder Sinistra Critica oder der Linksblock gesehen werden müssen, verorten wohl auch viele isler das Engagement in der Linken der Linkspartei – das heißt als ein Schritt auf dem Weg zum Aufbau einer antikapitalistischen/revolutionären Partei.

    Hier könnte ich jetzt ansetzen und eine lange Analyse schreiben, aber entscheidend ist wohl – wenn ich die Debatten auf BMVen der isl richtig resümiere –, dass a) wir der Partei Die Linke im gesamtgesellschaftlichen Kräfteverhältnis eine positive Rolle zuschreiben, b) ihre Entwicklung zwar sehr kritisch betrachten, aber eben auch davon ausgehen, dass es auf das Engagement in ihr ankommt, wo es hingeht, c) wohl wenige in der isl davon ausgehen, die Partei als solche könnte sich linear irgendwo hinbewegen (wie sich das entwickelt ist eine ganz andere Frage). Da sind die verschiedensten Szenarien möglich, von der Privatisierung der Linken, zu Spaltungen nach Links oder Rechts, ich will mich da gar nicht weit aus dem Fenster lehnen. Nur so viel: Die Partei ist in sich ein Bündel an Widersprüchen und Widersprüche bewegen sich nun mal.

    Ganz sicher ist es nicht so, dass die isl sich allein auf die Partei Die Linke konzentriert. An Diskussionen in der IL, in der wir ja formale Mitgliedsgruppe sind, haben wir bereits lange vor dem Na endlich! Papier teilgenommen, wenngleich weniger kontinuierlich und präsent, wie wir es gerne getan hätten. Beides, Engagement in der Partei Die Linke, als auch der Versuch der Mitarbeit in der IL (aber auch andere Dinge) haben wir diskutiert unter dem Vorsatz, an der Herausbildung eines antikapitalistischen Pols in der Gesellschaft mitzuwirken. Insofern liegen wir ganz auf einer Wellenläng. Die Frage ist nur: Wie tut man das und darüber lohnt es sich ja trefflich zu streiten.
    Ein kleiner Nachsatz noch: Ich persönlich habe fast dreieinhalb Jahre sehr aktiv in der Partei Die Linke gearbeitet, es mittlerweile aber aufgegeben. Auch das könnte ich politisch begründen. Aber dass es sich nun um die langweiligste Geschichte überhaupt handelt, kann ich zumindest nicht sagen, wenn ich mich (unbenommen der geringen Aktivität normaler Mitglieder) an Gespräche, Aktivitäten und auch Diskussionen mit normalen Mitgliedern erinnere. Da ließe sich jetzt über den klitzekleinen Masseneinfluss reden, den die Partei hat, aber das lasse ich an dieser Stelle jetzt. Mir ging es nur nochmal um die Verortung der isl-Perspektive, nicht um ein Loblied auf die Partei Die Linke.

  26. 26 systemcrash 18. Februar 2012 um 0:52 Uhr

    ich weiss nicht, was diese diskussion über die LINKE soll. eine „NAO“ macht nur sinn, wenn man davon ausgeht, dass die LINKE eine weitere reformistische barriere für die revolutionierung darstellt. wie man damit taktisch umgeht, ist eine ganz andere frage, die sich stellt, wenn man in die erweiterte programmdebatte für eine NAO geht. wenn die isl (und die SAV) einen entrismus sui generis (achtung insider ;) ) in der LINKEn betreiben, ist das ausdruck ihrer programmatik, die dem aufbau eines revolutionären attraktionspols entgegengesetzt ist

  27. 27 Thomas 18. Februar 2012 um 10:17 Uhr

    in wie fern stellt denn die linke eine reformistische barriere dar? das lese ich ja nun immer wieder… ist sie nicht einfach auch ein ausdruck des „massenbewusstseins“?

  28. 28 systemcrash 18. Februar 2012 um 10:45 Uhr

    „ist sie nicht einfach auch ein ausdruck des „massenbewusstseins“?“

    zum „massenbewusstsein“ gehört auch — neben „reformismus“ — rassismus, sexismus, chauvinismus, obskurantismus, apolitizismus und andere unangenehme dinge des lebens. darum lautet eine devise von kommunisten auch „GEGEN DEN STROM“

    übrigens: die CDU oder SPD ist NOCH mehr ausdruck des „massenbewusstseins“ als die LINKE, warum nicht DA „entrismus“? ;)

  29. 29 Jürgen Suttner 18. Februar 2012 um 11:36 Uhr

    Zur NPA
    Die Diskussion zur NPA hat bei mir mehr den Eindruck eines Glaubensbekenntnisses hinterlassen. Eine wenigstens den Ansatz nach materialistische Analyse ist nicht zu erkennen.
    Auf dem BLOG der Socialist Alliance in Australien ist dazu folgender Beitrag zu lesen: http://alliancevoices.blogspot.com/2012/02/which-party-building-model-for-sa.html

  30. 30 systemcrash 18. Februar 2012 um 11:55 Uhr

    @Jürgen Suttner

    ich würde gern die NPA frage eingehender diskutieren. leider ist mein englisch nicht so gut, dass ich so einen artikel auf die schnelle übersetzen könnte. könntest du vlt ein paar kernthesen exerpieren, dann gehe ich gerne darauf ein? vielen dank

    systemcrash

  31. 31 systemcrash 18. Februar 2012 um 15:21 Uhr

    in einem artikel der GAM zu den wahlen in frankreich heisst es:

    „Heute verkörpert die NPA noch einen Sammelpunkt für diese Kämpfe, selbst wenn sie sich in den letzten drei Jahren hauptsächlich auf Wahlen konzentriert hat und von 10000 auf nunmehr 4000 Mitglieder geschrumpft ist. Der rechte Flügel, der ca. 40% der Mitgliedschaft umfasst, hat obendrein den Wahlkampf der eigenen Partei praktisch sabotiert. Sie würden lieber einen Block mit der FdG und Melenchon eingehen statt unabhängig zu kandidieren.

    Die NPA wird nur dann imstande sein, ihren eigenen Mitglieder- und Einflussschwund zu überwinden und zu einer klassenkämpferischen Alternative für die französische Arbeiterklasse und Jugend werden können, wenn sie von der politischen Anbiederung an den Reformismus loskommt. Das heißt, sie muss unnachsichtig die Kapitulation vor dem Reformismus bekämpfen genauso wie die Illusion einer bequemen Koexistenz und einem Wachstum innerhalb des bürgerlichen politischen Systems.“

    ein paar zeilen vorher kann man lesen:

    „Bei den klassenbewussteren Elementen hat der linksreformistische Kandidat Melenchon den stärksten Stand. Anders als bei voraufgegangenen Wahlen, in denen der NPA-Kandidat Olivier Besancenot einen nennenswerten Erfolg erzielen konnte, wird Melenchon mit ziemlicher Sicherheit die zentristische Linke beherrschen, wie Umfragen besagen. Dies könnte das Ende einer Periode bedeuten, die mit einer Krise des sozialdemokratischen und stallinistischen Reformismus und dem beachtlichen Wahlerfolg von Arlette Laguillier (Lutte Ouvriere) 1995 begann.

    In dieser Periode vollzog sich Aufstieg und Niedergang der antikapitalistischen Bewegung, das gilt für die Organisationen Attac und die NPA. Die Chance für eine antikapitalistische Arbeiterpartei bestand durchaus. Phasenweise schien die KPF im Todeskampf erstarrt und Besancenot als Führungsgestalt für eine neue Partei hervorzutreten. Es gab zahlreiche Gelegenheiten und Widerstände gegen die herrschende Klasse, aber LO, LCR (Vereinigtes Sekretariat) und NPA erwiesen sich als nicht willens und fähig, die Herrschaft der Reformisten über die Arbeiterbewegung zu erschüttern und eine neue revolutionäre Führung aufzubauen.

    http://www.arbeitermacht.de/infomail/606/frankreich.htm via linkezeitung http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=12827&Itemid=1

    das ist typisch GAM: auf der einen seite wird behauptet, die „NPA sei ein sammelpunkt für kämpfe“. auf der anderen seite hat sich sich die NPA als unfähig erwiesen, „die Herrschaft der Reformisten über die Arbeiterbewegung zu erschüttern und eine neue revolutionäre Führung aufzubauen“.

    das sprichwort „zwischen baum und borke“ oder: nicht fisch noch fleisch wurde wohl extra für die GAM (liga für die funfte [sic]!) erfunden ;)

    hier noch ein interessanter artikel des RSB zur analyse der LINKEN und der „linken LINKEN“:

    http://www.rsb4.de/content/view/4527/84

  32. 32 Thomas 18. Februar 2012 um 19:41 Uhr

    @rsb-artikel:
    ja, der ist in weiten teilen nicht schlecht, ist in der analyse aber ein wenig zu sehr geleitet vom schluss, dass dieses projekt eben ein rückschlag ist usw. ich will das kurz begründen. vorweg nur noch eine begründung für die begründung: freilich muss man sich fragen, wenn man eine breite antikapitalistische formation aufbauen möchte, wo es antikapitalistInnen gibt, revolutionäre UND linksreformistische. ein guter teil ist eben in der partei die linke, unabhängig davon, ob leute außerhalb der partei das gut finden oder nicht.
    im rsb-artikel wird versucht differenzierter auf die strömungen eingegangen, wobei unterstellt wird, es gäbe zwei strömungen, die nichts sehnlicher wollten als an der verwaltung des bürgerlichen staates teilnehmen, mithin die sozialistische linke wolle nichts anderes, als der spd vormachen, was sie tun müsste. das läuft auf das argument hinaus, die sozialistische linke sei nix anderes „sozialdemokratisch“. wenn man das so sagt, dann muss man aber genau hingucken und sagen, es handelt sich hier um ex-stamokaps aus spd und dkp (es handelt sich aber eben auch um marx 21 usw.). damit man nicht alles durcheinander wirft müsste man, wenn man diese alle als reformisten in einen topf wirft, dazu sagen, dass es sich eben um reformisten im wortsinne handelt, nämlich leute, die nicht den bürgerlichen staat mitverwalten wollen, sondern ihn in richtung sozialismus verändern möchten. das mag einem nicht reichen, ist aber was anderes als linke reformpolitik. in der sl finden sich nämlich beide strömungen wieder und das ist wichtig auseinander zu halten. u.a. ruft ein landesverband hessen – der sl eher nahestehend -zur troika-konferen nächstes we in frankfurt auf und das ist schon ein bisserl was anderes ist als ein klaus ernst.
    im artikel wird davon gesprochen, dass der rechte flügel in personam dietmar barscht habe den fehdehandschuh hingeworfen, weil er sich für eine kandidatur entschieden habe. wichtig ist dabei nicht zu vergessen: dieser rechte flügel hat keine mehrheit in dieser partei mehr, was sich deutlich währnd der letzten beiden parteitage gezeigt hat. insofern – das muss man mal deutlich sagen – steht die partei die linke heute weiter links, als es die pds zuletzt tat. mag niemandem reichen, der oder die revolutionärin ist, aber für ein urteil ist das wichtig, denn im moment geht die reise nämlich nicht nur nach rechts.
    nach rechts geht die reise ganz deutlich jenseits der parteitage, in der alltagskultur der partei. und in der tat ist das nichts anderes als die wiederaufführung einer bürokratisierten organisation – was auch, das fehlt in dem artikel aus dem rsb, zu hohem mitgliederfrust führt. die privatisierung und die austritte liegen nicht unbedingt daran, dass die partei nicht „links“ genug ist.
    außerdem gibt es einen laaaaangen teil zur internen strukturiertheit der akl. der ist meines erachtens völlig übertrieben, weil er sich an vordergründigem abarbeitet. die ordentliche konstituierung der akl kommt spät, aber sie kommt. dass das bisher nicht sehr demokratisch war – darüber haben wir in der isl hart diskutiert – und sicherlich auch noch demokratischer sein könnte: geschenkt. entscheidender ist, das die akl nicht handlungsfähig ist, sie ist gespalten und als strömung, die tatsächlich den kampf um die partei aufnehmen könnte, gänzlich ungeeignet. man denke mal an die kommunistische plattform.
    und zuletzt, aber nicht unwichtig: die partei ist in einer heftigen krise und sie kriegt sie nicht gelöst. das hat damit zu tun, dass das bisherige geschäftsmodell nicht mehr ausreicht – mahner links von der sozialdemokratie zu sein –, das herrschende personal aber auch nicht in der lage ist, etwas anderes zu entwickeln. damit meine ich explizit nicht die verschiedenen aktiven, die in den strömungen aktiv sind, sondern die dominierenden apparatstrukturen im liebknechthaus etc.
    aber ich stimme letztlich in einem punkt mit systemcrash überein: das verhältnis gegenüber der partei die linke ist eine taktische frage. aber die kann man nur dann beantworten, wenn man eine genauere analyse als „reformismus“ hat.

  33. 33 Jürgen Suttner 19. Februar 2012 um 18:13 Uhr

    An systemcrash und andere.
    Eine vielleicht verkürzende Zusammenfassung zu A. Baker’s Kommentar „Welches Pateibildungsmodell für die Sozialistische Allianz“ in Australien?
    Zuerst stellt Baker fest:
    Die zwei Vorbilder der Sozialistischen Allianz , die Scottih Socialist Party und NPA hatten beide eine ähnliche negative Entwicklung. Sie wurden von verschiedenen Marxistischen Gruppen geründet und zogen dann viele antikapitalistische Menschen spontan an. Sie wurden in gewisser Weise zu einer relevanten gesellschaftlichen Kraft, die nach einem ähnlichen Muster wieder zusammenfiel. Er macht für den Zusammenbruch mehrere Gründe verantwortlich. Zum einen die day to day Politik (Tagespolitik) der Antikapitalisten, den Breiten Zusammenschluss der verschiedensten politischen Kräfte, die daraus begründete selbst Begrenzung der Marxistischen Kräfte, aber auch durch die Antikapitalisten (Wir sind keine Marxistische Partei). Nicht zuletzt und durch die Auferlegte Zurückhaltung begründet, bemängelt er das fehlende durchdringen der politischen Praxis durch theoretische und strategische Überlegungen.
    All diese Mängel führen bei einer plötzlichen veränderten Situation zum Zusammenbruch der jeweiligen politischen Formation.
    So fragt sich Baker, haben wir einen weiteren Zusammenbruch eines breiten Zusammenschlusses durch die eigenen inneren Widerspruch zu erwarte? Was ist die Aufgabe der Marxisten in einem breiten bürgerlichen, antikapitalistischen Zusammenschluss?
    Er fordert die Marxisten verschiedener Interpretationen auf, zusammen zu arbeiten und den Marxismus praktisch und damit theoretisch weiterzuentwickeln und somit aus dem Schatten herauszutreten, der durch eine (liberale) antikapitalistische Organisation allen Teilnehmern auferlegt wird.
    Er betont die Notwendigkeit den Parteibildungsprozess der Kommunisten sowohl innerhalb eines breiten Zusammenschlusse als auch als eigenständigen Prozess zu forcieren.
    Ich selbst möchte mich eines Kommentares zur NAO Diskussion im Moment enthalten, denke aber dass im obigen Beitrag einige Fragen aufgeworfen werden, die auch diskutiert werden.

  34. 34 systemcrash 19. Februar 2012 um 20:46 Uhr

    @ Jürgen Suttner

    danke für die zusammenfassung.

    im grunde erinnert mich das an die zweiteilung der aufgabenstellung, die bereits in den „thesen zum NAO prozess“ angeführt wurden:

    „4.2. im grunde hätten wir es mit diesen „orgmodellen“ mit einer zweiteilung der aufgabenstellung zu tun.

    --- die „plena“ [der subjektiven revolutionäre] hätten die aufgabe, das „umfeld“ für den NAO prozess zu schaffen und die nötige soziale „breite“ herzustellen
    („das problem ist nicht der politische input, sondern die verbreiterung der basis“ [DGS])

    --- die „kern NAO“ würde weiterhin daran arbeiten, die programmatische vereinheitlichung und konkretisierung voranzutreiben und damit die bedingungen für eine organisation zu verbessern, die dem anspruch „grösserer verbindlichkeit“ gerecht werden kann.“

    http://www.trend.infopartisan.net/trd0212/t060212.html

  1. 1 Ein paar Lesehinweise « WAS TUN: PLATTFORM FÜR MARXISTISCHE KONVERGENZ Pingback am 16. Februar 2012 um 12:13 Uhr
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