Call for revolutionary papers: Staat & Revolution heute

Eine Anregung von khs aufgreifend werden wir im März diesen Jahres einen workshop zum Thema „Staat & Revolution heute“ veranstalten. Vorschläge/Skizzen (im Umfang von bis zu 1 Seite) für Beiträge zum workshop, die zu folgender Themenstellungen passen, bitten wir, uns (nao[at]gmx.net) bis Sonntag, den 12. Feb., zu schicken:

Die im August/September 1917 von Lenin verfasste Schrift „Staat und Revolution“ bestand in einer Auswertung der Schriften von Marx und Engels im Hinblick auf die Staatsfrage. Zu diesem Zeitpunkt waren in Russland Strukturen von Doppelherrschaft entstanden, und den zaristischen Staat zu erobern, stand unmittelbar bevor. Von daher war die Frage, was mit dem eroberten Staat zu geschehen habe, von essentieller Bedeutung. Und so wie die Klassen- und Machtverhältnisse strukturiert waren, hieß die einzig richtige Antwort „die bürokratisch-militärische Maschinerie zu zerbrechen“.
Auch heute ist dies noch die Hauptlehre, die aus den bisherigen Erfahrungen der Geschichte der ArbeiterInnen- und sozialemanzipativen Bewegung gezogen werden muss. Doch was heißt das konkret? Lenin verweist diesbezüglich auf Marx: „Nein, er studiert – wie einen naturgeschichtlichen Prozeß – die GEBURT der neuen Gesellschaft AUS der alten, studiert die Übergangsformen von der alten zur neuen.“ (LW 25, S. 438)
In diesem Sinne ist das „Zerbrechen“ unverzichtbarer Teil eines umfassenden historischen Prozesses, nämlich der Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise. Dieser Prozess beginnt bereits in dem Augenblick – wenn auch embryonal –, wenn die proletarische Klasse sich für die Erringung des Sozialismus/Kommnismus politisch organisiert und dafür den Kampf aufnimmt. Die Klasse beginnt sozusagen in der „alten“ Gesellschaft ihre Reise in eine „neue“ und muss deshalb gleichsam über einen Reiseplan, sprich eine Analyse der Klassen- und Herrschaftsstrukturen verfügen, die sie überwinden will.
Der BRD-Staat ist weder in seinen Formen noch hinsichtlich seiner repressiven, administrativen und integrativen Funktionen mit den Nationalstaaten gleichzusetzen, die für die Schlussfolgerungen von Marx, Engels und Lenin der historische Ausgangspunkt waren. Bereits auf den ersten Blick ist ersichtlich, dass der Staat in den westeuropäischen Metropolen einerseits noch Nationalstaat ist, während er gleichzeitig einem Prozess der Internationalisierung unterworfen ist. Dieser Prozess verläuft widersprüchlich, da die politischen Funktionen, die auf Sicherung der Klassenherrschaft innerhalb seiner Nationalstaatsgrenzen – also seines ursprünglichen Wirtschaftsraumes – abgestellt sind, verbleiben, während sich seine Aufgaben als ideeller Gesamtkapitalist in nationale und transnationale aufspalten. Die Verlagerung solcher Funktionen in den transnationalen Raum stützt sich auf transnationale repressive und administrative Apparate, die ihrerseits auf die Klassenherrschaft in den jeweiligen Nationalstaaten umformend zurückwirken. Desweiteren zeigt sich, das er strukturell nicht nur kapitalistisch, sondern patriarchal bestimmt ist.
Der Workshop will sich mit der „Staatsfrage“ als einer programmatischen Schlüsselfrage für die Schaffung einer neuen antikapitalistischen Organisation unter folgenden zentralen Gesichtspunkten befassen:
1) Die Internationalisierung des Nationalstaates
2) Integrative Staatsfunktionen
3) Staat und Übergangsgesellschaft.

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3 Antworten auf „Call for revolutionary papers: Staat & Revolution heute“


  1. 1 Entdinglichung 19. Januar 2012 um 11:26 Uhr

    gibt da eine lesenswerte Broschüre mit Texten (von Livio Maitan, von Lucio Colletti (als er noch ein Linker war), von dem vor einigen Monaten verstorbenen Lucio Magri und von Lucio Libertini) eines Symposiums von 1967 zum Thema: Über Lenins „Staat und Revolution“ heute, erschienen bei Merve, ist antiquarisch erhältlich

  2. 2 ahallbauer 19. Januar 2012 um 12:25 Uhr

    Hallo,

    eine Literaturempfehlung:

    Nicos Poulantzas: Staatstheorie. Politischer Überbau, Ideologie, Autoritärer Etatismus. VSA 2002.

    Dort empfehle ich insbesondere zu lesen:

    Teil 2: Die politischen Kämpfe: Der Staat als Verdichtung eines Kräfteverhältnisses

    Schlußteil: Der Weg zu einem demokratischen Sozialismus

    Viel Spaß

  3. 3 richard 23. Januar 2012 um 20:00 Uhr

    Hallo,

    habe nun über diesen Workshop nachgedacht. Bei mir sind offene Fragen geblieben, die im Vorwege vielleicht angesprochen werden sollten.

    Aus eigener Erfahrung sind Workshops Konkreten bzw. zentralen Gischtspunkten bereits etwas kritisach, vor allem wenn diese quasi durch eine „kleine“ Gruppe vorweg definiert werden. Weil

    a) Durch die Vorwegnahne der zentralen Gesichtspunkte, der Einzelne nur einen kleinen Teil aus seinem Blickfeld beurteilen kann,
    b) Die Ergebnisse dann nicht wirklich einen Erkenntnisgewinn bringen, vor allem wenn der Workshopleiter vielleicht einen eignen Standpunkt bereits bezogen hat und man nur noch diskutiert und nicht wirklich die verschiedenen Ansichten erstmal kennen lernt bevor man ein Urteil fällt
    c) Man vernachlässigt im Bezug zum Thema „Staat und Revolution“ andere zentrale Gesichtspunkte, die den Einzelnen wichtiger erscheinen.

    Wenn man das Thema angehen will, sollte vielleicht genauer im Vorfeld den verschiedenen Richtungen die Möglichkeit gegeben werden zentrale Gesichtspunkte zu nennen. Dann Untergeruppen bilden, mit jeweils möglichst neutralen Workshopleiter. Die Ergebnisse dann anschließen allen Teilnehmer zugänglich machen, sodass jeder etwas einbringt, aber durch die Menge der Teilnehmer umso mehr mitnimmt. Es sollten ruhig auch anders Denkende eingeladen werden, um zu sehen, wo die Widerstände sind. Die Wrkshopgruppen sollten auch von der Größe geregelt werden und falls möglich nur ein oder zwei Vertreter pro Gruppe aus einer Organisation stammen. Ich finde das wäre eine Möglichkeit weitere Gruppen in die Diskussion einzubinden.

    Den Punkt „2) Integrative Staatsfunktionen“ habe ich gar nicht richtig verstanden.

    MsG
    Richard

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