Zu den Fragen des revolutionären Feminismus heute

Poststrukturell?

Eine erkennbare Wirklichkeit zu leugnen ist eine Ausrede, sich nicht bewegen zu müssen. Ohne Erkenntnisse und ohne Analyse fehlt auch eine Perspektive, wie mensch es „besser machen“ könnte und somit der Grund zum Handeln. Wer keine Kategorien mehr definieren mag, kann auch keine Kategorie der Unterdrückten erkennen und somit keinen Kampf für die Emanzipation führen. Da es aber eindeutig ist, dass die Gesamtsituation nicht unverändert weiter bestehen sollte, bleibt nichts anderes übrig, als einen Standpunkt einzunehmen und mit der Analyse zu beginnen.

Welcher Sexismus?

Um die Frage zu beantworten, was zu tun wäre, ist zunächst die Frage zu klären, wogegen mensch sich richtet. Sexismus ist die Unterdrückung aufgrund der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht, insbesondere aufgrund der Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht. Es gibt ihn in der klassischen Form (Frauen wären die schwächeren, dümmeren, etc) und der modernen (Es gäbe keinen Sexismus mehr, weshalb Forderungen nach Gleichberechtigung unberechtigt sind). Es gibt den feindlich gesonnenen Sexismus(Frauen wären das minderwertige Geschlecht) vs den „ritterlichen“ Sexismus (da Frauen so schützenswerte Wesen wären, müsste ihnen jede schwere Arbeit abgenommen werden). Alle genannten Formen, auch der „ritterliche“ Sexismus sind bekämpfenswert.

Sexismus kann die Form eines ökonomischen Verhältnisses annehmen, in Form von schlechteren Jobs und niedrigeren Löhnen, er kann aber auch als psychologisches Phänomen in Erscheinung treten, in dem durch verbale Diskriminierung Menschen der Lebensmut und das Selbstbewusstsein genommen wird. Sexismus tritt in Form von struktureller Gewalt auf den Plan, in dem an wirklich jedem Ort ein überzogenes Einheitsschönheitsideal propagiert wird, oder in Form von ganz konkreter Gewalt, häuslicher- und/oder sexualisierter Gewalt.

Sexismus ist ein gesellschaftliches Verhältnis, nicht in erster Linie etwas, was die Männer den Frauen antun. Auch wenn es eindeutig ist, dass Männer die Privilegien kassieren und im Rahmen der Emanzipation einige von diesen werden abgeben müssen. Eine Auseinandersetzung zwischen den Geschlechtern entsteht dann, wenn die liebgewordenen Ansprüche nicht hergegeben werden wollen.

Jedoch sind auch Frauen Teil der Gesellschaft und reproduzieren Sexismus, gegenüber anderen Frauen und auch gegenüber sich selbst. Somit ist der Feministische Kampf ein Kampf auf allen Fronten, selbst gegen die eigenen Stereotypen und Vorurteile.

Auch die Linke Szene ist ein Teil der kapitalistischen Gesellschaft und reproduziert Sexismus. Wenn auf Demos Frauen aus der ersten Reihe verbannt werden, weil sie „zu schwach“ wären, beispielsweise. Wenn junge Männer vermummt aber mit freiem Oberkörper auf die Polizeikette losrennen, hat das mit der Weltrevolution nichts, aber auch gar nichts zu tun. Dann geht es nur um Testosteronkult. Ebenso fragen sich viele Männerdiskussionszirkel, was sie denn nur falsch machen, dass sich nie eine Frau zu ihnen verirrt, während sie auf eine Art diskutieren, bei der niemand mitreden könnte, der nicht mindestens über das Ego eines von copy und zu paste Guttenberg verfügt. Themen, bei denen es um Emanzipation, Gender und Sexismus geht, werden oft als Frauenthemen abgetan, welche nicht wichtig genug sind, bearbeitet zu werden. Dabei sind Frauen nicht weniger politisch, wie die rege Beteiligung an Demos und Aktionen beweist.

Sexismus gegenüber Männern?

Auch Männer sind von Sexismus betroffen, insbesondere dann, wenn sie nicht dem männlich-heteronormativen Stereotyp entsprechen. Somit können auch sie sich am antisexistischen Kampf beteiligen und Feministen sein. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Männer im gleichen Maß von Sexismus betroffen sind, denn sie haben auch stets Vorteile davon.

Ein nicht-stereotyper Mann wird immer noch sozial höher eingeschätzt als jede Frau.
Die Frage, wer denn nun das unterdrückende Subjekt ist, kann mit dem Konzept der sogenannten double oppression (doppelte Unterdrückung) beantwortet werden. Es gibt zwei Ebenen der sexistischen Unterdrückung. Zum einen das sexistische Klassenverhältnis, welches Männer und Frauen betrifft. Es gibt jedoch auch eine Ebene, auf der Männer die Sexismus ausübenden Personen werden. Dies spiegelt das soziale Machtgefälle innerhalb der ArbeiterInnenklasse wieder, welches zwischen Männern und Frauen verläuft. Dies lässt Männern trotzdem die Möglichkeiten frei, sich von ihrer Rolle als „Herdenführer“ zu emanzipieren.

1.Haupt- und Nebenwiderspruch?

Haupt- und Nebenblödsinn! Es wird gern, auch in der revolutionären, Linken behauptet, die Frage der Frauenbefreiung griffe den Akkumulationsprozess des Kapitals nicht an und sei darum zurückzustellen hinter dringendere Fragen, wie etwa den aktuellen Tarifkonflikten. Diese Behauptung ist nur richtig, wenn mensch sie nicht zu ende denkt.

Die Unterdrückung aufgrund von Geschlecht oder rassistische Diskriminierung sind das Ergebnis von Klassengesellschaften. Daraus folgt, dass der Kampf um das Ende des Sexismus nur ein Kampf gegen die Klassengesellschaft sein kann. Diesen Zusammenhang herzustellen ist die Aufgabe revolutionärer FeministInnen.

Sexistische Unterdrückung hat ganz konkrete, materielle Wurzeln, sie fußt aber auch auf Erziehung und gesellschaftlichen Traditionen. Gegen diese gilt es ebenso anzukämpfen. Zweiterer Kampf kann tatsächlich die Akkumulationskette nicht stoppen, dennoch ist er wichtig. Der Kapitalismus braucht Spaltungslinien. Diese Risse zu schließen bedeutet zwar nicht, den Kapitalismus zu zerschlagen, es bedeutet aber, ihn zu schwächen. Und je schwächer er ist, je einfacher ist die Zerschlagung hinterher.

Dies gilt nicht nur für die Unterdrückung von Frauen, denn auch Männer können von Sexismus betroffen sein, wenn sie dem männlichen Stereotyp nicht entsprechen oder ihre sexuelle Orientierung von der Norm abweicht. Nicht zuletzt darf nie vergessen werden, dass es außerhalb der Kategorien Männer und Frauen noch viele weitere Menschen gibt, die von sexistischer Diskriminierung betroffen sind und sich irgendwo in den Buchstaben des Kürzels LGBTI verstecken (Lesbian, gay, bi, transgender, intersexuell). Für ihre Rechte muss ebenso gestritten werden, auch wenn sie zahlenmäßig der Gruppe „Frauen“ unterlegen sind.

Und selbst wenn der Kampf gegen Sexismus den Kapitalismus überhaupt nicht tangieren würde, würde er dennoch auf die Agenda einer revolutionären Organisation gehören, da jeder Mensch das Recht auf ein Leben frei von Unterdrückung hat. Aufgrund dieses Rechts treten wir doch erst gegen den Kapitalismus an.

2. Feminismus- nach außen oder nach innen gerichtet?

Es ist taktisch wichtig, zwei Formen von feministischer Aktivität zu unterscheiden: Nach außen- und nach innen gerichtete Kämpfe.

Die nach außen sind für die männlichen GenossInnen oft leicht zu unterstützen: Gemeinsam auf der Straße zu stehen für diese und jene Rechte, gemeinsam sexistische Werbung demolieren ist einfach. Man richtet sich gemeinsam gegen den Sexismus der Gesellschaft.

Schwieriger wird es beim Kampf gegen den eigenen Sexismus, also bei sexismuskritischen Auseinandersetzungen in der eigenen Organisation. Natürlich sind alle Menschen in der Organisation im Kapitalismus groß geworden und mensch kann eine gesamte Sozialisation nicht einfach an der Garderobe abgeben. Dies bedeutet aber keine Entschuldigung („ich kann nix dafür, das ich ein Macho bin, ich wurde so sozialisiert!“), sondern viel mehr, dass wir den Kampf gegen den eigenen Sexismus innerhalb einer Organisation nie abschließen werden, sondern ihn in mühevoller Kleinarbeit immer weiter führen müssen.

Es gilt der Grundsatz: Nicht die Frauen müssen gut genug (selbstbewusst und männlich-dominant genug) für die Organisation werden. Die Organisation muss gut genug für Frauen werden.

Nach „innen“ gerichtete antisexistische Arbeit ist die Grundlage für nach außen gerichtete Arbeit. Eine Organisation, die den Sexismus einer Gesellschaft anprangert, während in den eigenen Reihen Frauen, LGBTI-Menschen etc diskriminiert werden, wäre nicht nur unglaubwürdig, sie würde sogar den von ihnen angegriffenen Sexismus weiter festigen. Es darf nie dazu kommen, dass eine Gruppe von Männern den Frauen vorschreibt, welche Aspekte der Gesellschaft sie besonders unterdrücken und wie sie sich zu befreien haben. Dies ist auch wichtig, wenn wir mit Menschen in die Diskussion kommen, die nicht deutsch sozialisiert sind, explizit mit weiblichen Muslimen, die sich dafür entschieden haben, ein Kopftuch zu tragen. Woher nehmen „wir“ eigentlich das Recht, anderen vorzuschreiben, was unemanzipiert ist und was nicht? Natürlich müssen wir all jene Strukturen angreifen, die Frauen zwingen, gegen ihren Willen ein Kopftuch zu tragen. Aber wir müssen akzeptieren, wenn Frauen sich freiwillig dazu entscheiden. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich darin auf, das Recht auf Selbstbestimmung zu verteidigen. Es ist nicht an den deutsch-christlich sozialisierten Frauen, den „anderen“ zu erklären, wie sie sich zu befreien haben.

3. Vorschlag für eine Agenda

Es folgt der Vorschlag einer politischen Agenda, an welchen Punkten wir konkret arbeiten können. Dabei ist es wichtig, keine Grenzlinie zu ziehen, zwischen „feministischer“ Politik und sonstiger Politik. Das abhalten eines ganz normalen Seminars kann eine antisexistische Aktion werden, wenn darauf geachtet wird, dass mindestens 50% der ReferentInnen nicht männlich sind, dass 50% der Diskussionsbeiträge nicht männlich sind und das die Themen nicht nur aus einer weiß-männlich-mittelschicht-Perspektive beleuchtet werden.

Einige konkrete Vorschläge, selbstverständlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

3.1 Zunächst einmal eine klassische, feministische Forderung
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, verbunden mit einem Kampf um eine menschenwürdige Grundsicherung. Prekarisierung und Minijobs betreffen Frauen besonders stark, aber die Emanzipation die wir wollen ist nicht, dass es gleichviele Männer ohne Existenzgrundlage geben soll.

3.2 Für etwas andere Quoten
Auch in linksradikalen Organisationen reproduziert sich ein in unserer Gesellschaft angeblich überholtes Rollenbild und so finden sich oft die Frauen beim Abwasch zusammen. Ein Vorschlag für eine nach innen gerichtete, feministische Aktion wäre, eine 50%-Quote in jeglicher care-Arbeit. Mindestens 50% der Reproduktions- und Hausarbeiten müssen von männlichen GenossInnen verübt werden.

3.3 Kinderbetreuung
Noch heute wird über 70% der Care-Arbeit von Frauen verrichtet. Das führen von Haushalten und das versorgen von Kindern (Nur 10% der Alleinerziehenden sind männlich) ist nach wie vor ein wichtiges Mittel, um Frauen aus dem gesellschaftlichen Leben, aus der Arbeitswelt und auch aus politischem Engagement fernzuhalten.

Für die Aktion nach außen bedeutet dies, flächendeckende, kostenlose Kinderbetreuung einzufordern und, im Falle etwa eines Streikes, einer Besetzung etc selbst zu organisieren.

Aber auch für die Arbeit innerhalb der Organisation haben diese gar nicht neuen Erkenntnisse Konsequenzen. Eine neue antikapitalistische Organisation wird wahrscheinlich nicht so schnell anwachsen, das eine Kinderbetreuung während Plena und Aktionen immer gewährleistet werden kann. Bis dieses Fernziel erreicht ist, muss darauf geachtet werden, alle Strukturen so transparent zu gestalten, das nicht jedeR jederzeit anwesend sein muss, um über alles informiert zu sein. Es ist elementar wichtig, mitarbeiten zu können, ohne einen Zweitjob als revolutionäreR FulltimerIn anzunehmen. Dies ist auch elementar, wenn prekär Beschäftigte, Menschen mit 12h-Jobs, etc teilnehmen müssen. Diese sind zwar besonders häufig weiblich, aber nicht immer.

3.4 Kampf gegen Schönheitsnormen
Schönheits- und Bekleidungsnormen sind ein wichtiges Element sexistischer Unterdrückung. Zum einen kostet es Frauen viel Kraft, sich in diese vorgefertigte Form zu drücken, Diät zu halten, sich zu schminken, zu shoppen… zum anderen reproduzieren Schönheitsnormen Sexismus. Die Schönheitsnorm für Frauen ist eines kleinen Mädchens, große Augen, helle Haare (Kinderblond), zarte Figur (Das westliche Schönheitsideal erlaubt maximal 10-15% Körperfettanteil, was dem Körperbau vor der Pubertät entspricht. Im Erwachsenenalter sind 20-25% normal und gesund), wohingegen das Schönheitsideal für Männer dem eines Erwachsenen entspricht. Starke, bzw stark aussehende Frauen gelten meist als unsexy, als „Mannsweiber“ u.ä.

Des weiteren ist der Körper der Frau ein Investitionsfeld für zahlreiche Unternehmen. Es ist ein unerschöpflicher Absatzmarkt für Diätprodukte, Kosmetik und make-up. Diese Zusammenhänge aufzudecken muss ein Teil unserer Bildungsarbeit sein. Nach außen gerichtet empfiehlt sich jede Aktivität, die jene Medien angreift, mittels derer Schönheitsnormen übermittelt werden. Bei diversen Organisationen sind in letzter Zeit Aufkleber mit dem Aufdruck „Sexistische Kackscheiße!“ beliebt geworden. Sie können als Grundwerkzeug dienen. Das Entfernen, Verfremden oder Übermalen sexistischer Werbung kann als Form der direkten Aktion genutzt werden. Nach innen hin bleibt es wichtig, darauf zu achten, dass die Organisation ein Werbefreier Raum bleibt.

Ein Fehler, der allerdings oftmals in feministisch orientierten Gruppen begangen wird, ist, all jene Frauen die ihre äußere Erscheinung weiterhin dem Mainstream gemäß zu gestalten, als unemanzipiert abzulehnen. Dadurch entsteht ein Subkulturen-Ideal dem Frauen sich dann genauso unterzuordnen haben wie vorher dem Mainstream-Ideal. Emanziption bedeutet nicht, sich irgendjemandes Vorstellungen von einer „guten Frau“ zu unterwerfen. Es bedeutet, die volle Entscheidungsfreiheit über den eigenen Körper, ohne dafür Diskriminierung zu erleiden.

3.5 Schutz vor sexualisierter Gewalt
Ca 25% aller Frauen und 3-7% aller Männer haben in ihrem Leben mindestens einmal sexualisierte Gewalt erfahren. Daraus folgt, dass es sich um ein gesellschaftliches Problem handelt, dass uns alle angeht. In jeder Gruppe, die mindestens vier Personen umfasst, befindet sich statistisch gesehen eine betroffene Person, auch wenn die anderen drei davon selten wissen.

Zunächst einmal ist es wichtig, in den öffentlichen Diskurs einzugreifen, der nur all zu oft die Schuld für sexualisierte Gewalt den Betroffenen zuschiebt. „Wer herumläuft wie eine Nutte, braucht sich nicht wundern…“ lautete sinngemäß übersetzt der Satz eines kanadischen Politikers, der die weltweiten Slutwalks ins Rollen brachte. Wieviele, auch bis dahin unpolitische, Frauen sich plötzlich auf der Straße wiederfanden zeigt, wie relevant diese Diskussion ist. An einem Übergriff ist immer der/die TäterIn schuld. Egal, wie „schwach“, wie spärlich bekleidet oder wie betrunken die betroffene Person war.

Aber auch eine antikapitalistische Organisation ist nicht notwendigerweise ein Raum der frei von sexualisierten Übergriffen ist. Für diese Fälle ist es unverzichtbar, in der einen oder anderen Form ein Gremium oder eine Gruppe zu wählen, an die sich gewendet werden kann. Des Weiteren muss die Diskussion, wie in solch einem Fall mit TäterInnen umgegangen werden soll, vorher geführt werden.

Warum eigentlich das Wort „TäterIn“ gendern? Es gibt männliche Betroffene sexualisierter Gewalt und es gibt weibliche TäterInnen. Es ist ebenso Sexismus, davon auszugehen, dass Männer nicht betroffen sind, weil sie ja stets stark und gewaltbereit sind. Ebenso falsch ist es, davon auszugehen, dass Frauen nie TäterInnen werden, weil sie ja so schwach und gutherzig sind. Diese Vorstellungen führen dazu, dass betroffene Männer aus Scham fast nie Hilfe suchen.

Nur darf mensch den Fehler nie begehen, die Relationen zu verwechseln. Das Problem betrifft Frauen sehr viel häufiger und es ist deshalb vordergründig (aber nicht ausschließlich) als sexistisches Problem zu betrachten.

3.6 Aktive Beteiligung an Diskussionen
Es ist nicht nur so, dass Frauen weitaus seltener organisiert sind als Männer, sie bringen sich auch meist weitaus weniger ein. Nicht, weil sie nicht wollten, sondern sehr oft, weil mensch sie nicht lässt. Ohne bösen Willen verwenden Menschen, insbesondere Männer, alltäglich Techniken, die Menschen mit geringerer sozialer Macht, fast immer Frauen, aus Gesprächen ausschließen. Männer beanspruchen statistisch gesehen 80% der Redezeit, sie unterbrechen Frauen fünfmal so häufig wie umgekehrt, es werden Informationshierarchien aufgebaut und dergleichen mehr. All diese Verhaltensweisen müssen sichtbar gemacht und hinterfragt werden. Nur so kann es gelingen, dass Frauen sich in den Diskussionsprozess einbringen können, ohne das männlich-dominante Verhalten zu kopieren und somit ihrerseits zu unterdrückenden Personen zu werden.

3.7 Egalitärere Erziehung
Wie bereits erwähnt ist eine starke Wurzel des Sexismus die verschiedene Erziehung, die Mädchen und Jungen vom ersten Tag ihres Lebens an widerfahren. Noch bevor der erste Bauklotz und die erste Puppe verschenkt wird, wird über Lieder vorsingen versus „toben“ über blau versus Rosa ein Geschlechtsunterschied hergestellt. Natürlich trägt das verschenken der entsprechenden Spielzeuge sein übriges dazu bei. Später in der Schule werden Mädchen gelobt, weil sie „tüchtig“ sind, Jungen, weil sie „schlau“ sind. Mädchen, weil sie sich „angestrengt“ habe, Jungen weil sie „stark“ sind.

Diese Erziehung dauert fort bis in das Erwachsenenalter. Auch mit vierzig oder fünfzig Jahren wird man stets aufs neue erzogen durch Filme, Werbung, Pöbelein der Mitmenschen bei nicht stereotypenkonformen Verhalten. Informationen über diese Mechanismen durch Zeitungsartikel, Infoabende und Diskussionsveranstaltungen sind ebenso wichtig, wie darauf zu achten, dass diese Lebenslange Erziehung in den eigenen Reihen möglichst wenig reproduziert wird.

3.8 Frauenräume
Diskussionsveranstaltungen, Seminare und physisch abgetrennte Räume, die nur für weiblich sozialisierte Menschen zugänglich sind, sind ein wichtiges Werkzeug. Mitnichten handelt es sich hiermit um umgekehrten Sexismus. Sie bieten Frauen die Möglichkeit, frei von Unterbrechungen und Dominanzverhalten zu diskutieren. Somit entsteht ein Raum für diejenigen, die sonst nicht zu Wort kommen, um Selbstbewusstsein zu sammeln, wenn mensch erfährt, dass die eigene Meinung ja doch von anderen gehört wird. Frauenräume sind kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, damit es irgendwann keine Frauenräume mehr geben muss.

4. „Guten Tag, ich weiß nicht, ob sie mich erkannt haben…

… ich bin hier die Quotenfrau! Ich sitze hier, damit ihr euch gut fühlen könnt, weil ja doch eine einzelne Frau in der bundesweiten Koordinationsgruppe ist und damit ihr ansonsten nichts weiter für die Emanzipation tun müsst.“

Wer sich in Organisationen durchzusetzen versucht, findet sich hin und wieder in der Rolle als Quotenfrau wieder. Eine einzelne Maßnahme, eine Quote, eine Redeliste, ein einmaliges Frauentreffen, wird durchgeführt, zur Beruhigung des Gewissens der männlichen GenossInnen. Und in den nächsten Jahren wird jede Forderung, jede Kritik abgeschmettert mit dem Argument: „Wir bemühen uns doch schon, wir haben doch eine Quote!“ „Wir sind keine SexistInnen, wir haben 2007 mal diese Flyer-Aktion gemacht.“

Das ist genau der gleiche Mechanismus, mit dem der bürgerliche Staat die Forderungen nach mehr Gleichberechtigung abtut. Es würde ja bereits etwas getan und im übrigen seien Frauen innerhalb der eigenen Grenzen ja gar nicht mehr diskriminiert.
Eine revolutionäre Organisation darf diesen Fehler nicht wiederholen. Feminismus ist kein Sonntags-Hobby. Es gibt keinen Ablass für den allgemeinen Sexismus, weil mensch einmal eine Infoveranstaltung zum Thema organisiert hat.

Differenzfeminismus und Queer-Theory

Der Differenzfeminismus erklärt, Frauen seien zwar anders, verdienen aber nichtsdestotrotz die gleichen Rechte, die gleiche Anerkennung und den gleichen Respekt. Der Queer-Feminismus hingegen geht davon aus, dass jegliche Form von Unterschieden zwischen Geschlechtern lediglich konstruiert sind und in einer freien Gesellschaft nicht mehr weiter existieren. Dabei ist eine wichtige Erkenntnis die Unterscheidung zwischen „sex“ (dem biologischen Geschlecht) und „gender“ (dem psychologischen Geschlecht) einer Person.

Eine Standard-Antwort auf die Queer-Theory ist stets: „Gewisse biologische Unterschiede existieren aber doch“ und „Männer und Frauen sind nun einmal verschieden“. Eine Antwort auf die Antwort. Die vielgerühmten „Unterschiede“ sind stets Unterschiede des Durchschnitts. Im Durchschnitt sind Männer größer als Frauen. Dies bedeutet aber längst nicht, dass jeder Mann größer als jede Frau ist, die er beim Spazierengehen auf der Straße antrifft. Dies gilt um so mehr für die Durchschnittsunterschiede des „gender“, die häufig sehr, sehr viel kleiner sind, als die Evolutions„wissenschaftler“ behaupten. Es gibt auch keine voneinander abgrenzbaren Kategorien, ein maskulines und ein feminines Gender. Es gibt einen fließenden Übergang zwischen beiden. Ebenso verhält es sich mit dem biologischen Geschlecht. Es gibt auch zwischen den biologischen Kategorien einen fließenden Übergang. Es gibt Menschen, die ohne ein eindeutiges Geschlecht oder mit zweien zur Welt kommen. Es gibt Männer mit Brüsten und Frauen mit Bärten. Es gibt keine klare Grenze, ab der jemand definitiv keine Frau oder kein Mann mehr ist. Und selbst die Unterschiede, die objektiv gegeben zu sein scheinen, sind es nicht. Beispielsweise veränderte sich der Unterschied in der Stimmhöhe von Frauen im letzten Jahrhundert. Frauenstimmen wurden beträchtlich tiefer und näherten sich der Tonlage der Männerstimmen. Viele dieser scheinbar biologischen Unterschiede können also auch durch die gesellschaftlichen Gegebenheiten verändert werden. Nur eine Gefahr lauert in der queerfeministischen Praxis: Nur, weil mensch die Konstruiertheit von „sex“ und „gender“ erkennt, verschwindet diese nicht. Wenn mensch sich weigert, diese Kategorien zu verwenden, weil sie künstlich erzeugt wurden, beraubt mensch sich selbst seiner Analysewerkzeuge und überhaupt der Fähigkeit, Sexismus anzuprangern.

Nach welcher Analyse sollte mensch sich also richten?

Dabei gibt der Differenzfeminismus etwas her für den Umgang mit Geschlechterverhältnissen in der heutigen Gesellschaft: Es gibt die Kategorien „Frauen“ und „Männer“, denn sie werden mit allen Mitteln errichtet und aufrecht erhalten. Es gibt -in gewissem Rahmen betrachtet- Unterschiede zwischen den Angehörigen der jeweiligen Kategorien, denn sie werden Tag für Tag mit neuem Druck in die Schablonen gepresst. Solange der Kapitalismus weiter existiert, kann es gelingen, dass einzelne sich mit viel Mühe ein Stück weit daraus befreien, dies behält aber immer die Form einer individuellen Lösung von Personen oder kleinen Gruppen.

Solange dieses kapitalistisch-sexistische Verhältnis besteht, bleibt nichts anderes übrig als zu sagen: Ja, es gibt in gewissem Ausmaß Unterschiede. Wir arbeiten daran sie zu beseitigen. Bis wir dies geschafft haben gilt: Für jede Person der gleiche Lohn, auch wenn sie unterschiedlich oft kranke Kinder pflegen, für jede Person die gleiche Chance für den Chefposten, trotz unterschiedlichem Habitus, etc.

Der Queer-Feminismus hingegen bietet uns die Perspektive, wohin wir wollen. In dem wir heute erkennen, wie die Unterschiede zwischen den Geschlechtern künstlich geschaffen und konstruiert werden, können wir sie morgen, im Sozialismus (respektive Anarchismus, Anarchosyndikalismus oder welcher Name uns für unsere Utopie beliebt) zerschlagen. An der Queer-Theory sollte mensch sich orientieren bei jeder

Differenz für heute, queer als Perspektive

5. Proletarischer Feminismus und bürgerlicher Feminismus

Eine wichtige Abgrenzung ist die, zwischen bürgerlichem und proletarischem Feminismus. Ein gewisses Stück weit gehen sie beide gemeinsam, denn natürlich ist die Anerkennung der bürgerlichen Freiheiten auch für Frauen ein wichtiger Fortschritt. An einem gewissen Punkt scheiden sich jedoch die feministischen Geister. Der bürgerliche Feminismus erkauft die Berufstätigkeit weißer Mittelschichtfrauen damit, dass meist illegalisierte Immigrantinnen (nicht gender-neutrale Form ist hier bedeutungstragend) zuhause ihre Kinder hüten. Er baut die Illusion auf, der Kampf um die Befreiung der Frau sei ein Kampf aller Frauen gegen aller Männer. Das ist falsch und kontraproduktiv. Der Kampf für die Befreiung der Frau ist ein Kampf gegen ein gesellschaftliches Verhältnis, ein Klassenverhältnis um konkret zu sein. Es ändert sich nichts, aber auch gar nichts, an der strukturellen Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt, dadurch das einzelne andere Frauen in die Chefetage aufsteigen. Der bürgerliche Feminismus kann zwar Frauen Aufstiegschancen öffnen, im Sinne von individuellen Lösungen, aber er wird den Sexismus nicht aufheben.

Eine proletarische, feministische Bewegung hat es in Deutschland seit den 1920ger Jahren nicht mehr gegeben. Es ist schwer, eine Prognose abzugeben, wie eine solche Bewegung heute aussehen könnte.

Auf jeden Fall wird sie sich einsetzen für eine Erweiterung der bürgerlichen Freiheiten um jene, eine sozialistische Gesellschaft mit sich bringt: Die Freiheit darüber zu bestimmen, was produziert wird und wie, um mittels dieser Entscheidungsbefugnisse die ökonomische Diskriminierung am Arbeitsplatz aufzuheben und die Care-Arbeit zu einer Gesellschaftlichen Angelegenheit zu machen. Eine proletarisch-feministische Bewegung sollte das Mittel des politischen Streiks nutzen, um sich somit gegen die KapitalistInnen zu richten, und nicht gegen proletarische Männer. Sie kann den Kapitalismus angreifen, in dem sie verweigert, den Körper der Frauen als Absatzmarkt herzugeben.

Es wäre denkbar, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen, in der Kinder die Chance haben, groß zu werden, ohne die blau-rosa-Grenze. Wieviele Möglichkeiten gibt es, an die wir nicht denken, weil wir uns eine solche Bewegung nicht vorstellen können?

6. Noch zwei Warnungen zum Schluss:

Erstens: Niemals dürfen all jene sexistischen Diskriminierungsformen vergessen werden, die nicht Frauen betreffen, auch wenn die Betroffenengruppe oft geringer ist. Ein besonders vergessener Kampf ist z.B. der Kampf der Intersexuellen Menschen, die sich dagegen wehren wollen, entgegen ihrer Persönlichkeit in eine Geschlechtskategorie gesteckt zu werden – oft mit physischer Gewalt, d. h. Zwangsoperation. Alles hier Geschriebene gilt auch für sie, für die Betroffenen von Heterosexismus, für Transgender etc.

Zweitens: Emanzipation bedeutet nicht, dass am Ende alle so sind wie Männer, weil Männer in der heutigen Gesellschaft nun einmal die höher geschätzten sind. Es hat mit Emanzipation wenig bis gar nichts zu tun, wenn nur Männer und Mann-artige Menschen akzeptiert und respektiert werden. Und im schlimmsten Fall nicht-männlich-stereotype Personen noch unter Druck geraten, sich den anderen anzupassen.

Solange es noch einen Konkurrenzkampf um die Position des Alpha-Männchen gibt, gibt es auch Menschen, die darin verlieren und auf der Strecke bleiben und da der kapitalistische Sexismus uns nun einmal umgibt, werden es besonders häufig Frauen sein, auch wenn in Einzelfällen eine Frau die Alpha-Männchen-Position erobern kann. Eine Bundeskanzlerin bedeutet nicht, dass die hunderttausend prekär beschäftigten Krankenpflegerinnen auf einmal ihren männlichen Kollegen die Stationsleitung abluchsen.

Emanzipation bedeutet, allen Menschen Respekt entgegenzubringen und ihnen ihr Recht auf Selbstbestimmung zu lassen, welches biologische Geschlecht und welches Gender auch immer sie haben mögen.

Olga (RSB), Januar 2012

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36 Antworten auf „Zu den Fragen des revolutionären Feminismus heute“


  1. 1 richard 16. Januar 2012 um 18:17 Uhr

    Hallo Olga,

    hab mich gefreut den Text zu lesen. Sehr interessant!

    Aber ich bin immer so praktisch, nicht handwerklich, veranlagt. Wie sagst du einem alphamännchen, sei mal bitte ein bethamännchen, wenn der alphatyp aber eben so gerne ein aplha typ ist?

    Das verstehe ich einfach nicht, also Mann.

    MsG
    Richard

  2. 2 Micha Prütz 16. Januar 2012 um 19:02 Uhr

    hallo,
    ein wunderbarer Beitrag.Ich werde vorschlagen,diesen in der Sib
    zu dikutieren.Weiteren Diskussionsbedarf habe ich allerdings inder Kopftuchfrage.
    Grüße und Glückwunsch an die Genossin Olga

  3. 3 Gerion 16. Januar 2012 um 23:25 Uhr

    Hallo Richad,

    Wie sagst du einem Kapitalisten, sei mal bitte kein Ausbeuter mehr? kommt dir das vertraut vor?

    Soz. Gruesse, Gerion

  4. 4 systemcrash 16. Januar 2012 um 23:31 Uhr
  5. 5 DGS / TaP 17. Januar 2012 um 3:11 Uhr

    Das ist ja wirklich ein sehr schöner Text!

    Nach dem ersten Lesen scheint mir, daß ich abgesehen von drei Sätzen (und dem Umfeld eines dieser drei Sätze) alle anderen unterschreiben könnte. Und bei einem Satz würde ich noch eine kleine Präzisierung vorschlagen.

    1.

    Die drei Sätze, mit denen ich nicht einverstanden bin, lauten:

    „Somit können auch sie [die Männer] […] Feministen sein.“

    M.E. kann es keine Feministen geben. Bestenfalls kann es pro-feministische Männer und feministische Ex-Männer geben. (Auch würde ich nicht „TäterIn“ in Bezug auf sexuelle/sexualisierte Gewalt schreiben – das würde die auch von Olga selbst genannten Proportionen verwischen.)

    „Die Unterdrückung aufgrund von Geschlecht oder rassistische Diskriminierung sind das Ergebnis von Klassengesellschaften.“

    Also, mir erscheint das weder chronologisch noch – erst recht – logisch wahrscheinlich.

    „Der bürgerliche Feminismus erkauft die Berufstätigkeit weißer Mittelschichtfrauen damit, dass meist illegalisierte Immigrantinnen (nicht gender-neutrale Form ist hier bedeutungstragend) zuhause ihre Kinder hüten.“

    In der – hetero/a/sexuellen – Realität sind es allermeist nicht nur „ihre“ (der Frauen) Kinder…
    Welche alleinerziehende Frau kann sich schon Putzfrauen und Kinder‘mädchen‘ leisten?! – ein schwules Paar oder ein alleinerziehender Hetero-Mann (aufgrund der patriarchalen Männer-Lohnprivilegierung) schon weitaus eher.
    Also, ich würde sagen: „bürgerliche Frauenbewegung“ ist weitgehend eine Pappkameradin (in Anbetracht des geringen Bevölkerungsanteil der Bourgeoisie) und „proletarische Frauenbewegung“ ein Euphemismus für Klassenreduktionismus und Antifeminismus.

    2.

    Den Präzisierungsbedarf habe ich bei diesem Satz:

    „Ein Vorschlag für eine nach innen gerichtete, feministische Aktion wäre, eine 50%-Quote in jeglicher care-Arbeit. Mindestens 50% der Reproduktions- und Hausarbeiten müssen von männlichen GenossInnen verübt werden.“

    Bei einer Organisation mit 70, 80 oder 90 % Männer-Anteil an den Mitgliedern, wäre das immer noch eine sehr männerfreundliche Regelung. ;-)
    Wenn an der Männerlastigkeit vieler linker – und erstrecht: marxistischer – Gruppen und Organisationen etwas geändert werden soll, dann wäre es notwendiger, daß Männer in der Organisation unmittelbare Politarbeit zurückstellen und FrauenLesben in der Organisation von Reproduktion-/care-Arbeit entlassen, damit letztere mehr Zeit für Politarbeit haben und Inhalte und Erscheinungsbild der Organisation prägen und damit letztere für weitere (feministische) FrauenLesben attraktiv machen können.

    Das ist in unseren Kleinorganisationen und -gruppen zwar, wie auch Olga schreibt, schwer zu realisieren, aber dafür geeignete Konzepte müssen wir entwickeln. -

    3.

    Und über Sinn und Unsinn von „Subkultur-Ideal“ hätte ich auch noch Diskussionsbedarf.

  6. 6 systemcrash 17. Januar 2012 um 8:57 Uhr

    „„Die Unterdrückung aufgrund von Geschlecht oder rassistische Diskriminierung sind das Ergebnis von Klassengesellschaften.“

    Also, mir erscheint das weder chronologisch noch – erst recht – logisch wahrscheinlich.“

    könntest du das noch etwas ausführen, DG? das würde mich ja dann schon interessieren, wie du das meinst. sprach marx nicht sogar davon, dass die unterdrückung des weiblichen geschlechts sogar die „erste klassenspaltung“ sei.
    nun würde ich nicht vorschlagen, man und frau als „klassenkategorien“ einzuführen, aber die arbeitsteilung nach geschlecht, die sehe ich schon als ergebnis von klassengesellschaften an.

    „Also, ich würde sagen: „bürgerliche Frauenbewegung“ ist weitgehend eine Pappkameradin (in Anbetracht des geringen Bevölkerungsanteil der Bourgeoisie) und „proletarische Frauenbewegung“ ein Euphemismus für Klassenreduktionismus und Antifeminismus.“

    moment DG, bürgerliche frauenbewegung heisst nicht, dass alle frauen, die ihr angehören, der bourgeoisie entstammen. es können auch kleinbürgerliche frauen sein, z b alice schwarzer und co. diese zeichnen sich eben dadurch aus, dass sie die frauenfrage eben nicht mit der klassenfrage verknüpfen, im gegensatz zur proletarischen. und sozusagen die frauenfrage überwiegend im sinne der individuellen karriere abhandeln.

    nun hat es seit den 20er jahren keine proletarische frauenbewegung mehr gegeben und es ist mehr als fraglich, ob man da anknüpfen kann. klassenREDUKTIONISMUS ist sicher abzulehnen (ich nenne es daher klassenbasierung), aber der marxismus ist in der tat „antifeministisch“, soweit dieser kleinbürgerliche feminismus gemeint ist. mit dem begriff „revolutionärer feminismus“ hätte ich allerdings keine probleme :)

  7. 7 DGS / TaP 17. Januar 2012 um 11:02 Uhr

    1.

    „sprach marx nicht sogar davon, dass die unterdrückung des weiblichen geschlechts sogar die ‚erste klassenspaltung‘ sei.“

    Ja, in dem Sinne schon. Aber nach dieser Begrifflichkeit sind ja auch Geschlechter und nicht nur Gruppen wie SklavInnenhalter, SklavInnen, KapitalistInnen und Lohnabhängige „Klassen“.

    Diese Begrifflichkeit halte ich aber, wie Du, für unglücklich, da mißverständlich:

    „nun würde ich nicht vorschlagen, man und frau als ‚klassenkategorien‘ einzuführen, aber die arbeitsteilung nach geschlecht, die sehe ich schon als ergebnis von klassengesellschaften an.“

    Nach der von Dir zitierten Stelle aus der Deutschen Ideologie von Marx und Engels geht die geschlechtliche Arbeitsteilung den anderen Arbeitsteilungen historisch voraus – deshalb ja „erste Klassenspaltung“.
    Nun können die beiden sich zwar geirrt haben, aber soweit ich weiß, entspricht diese Auffassung (und nicht die spätere Auffassung von Engels, daß die Männerherrschaft der Entstehung von Klassen [i.S.v. SklavInnenhaltern usw.] nachgängig sei) auch dem heutigen Stand der Forschung. (Aber das ist nicht mein Spezialgebiet.)
    Wichtiger ist m.E. ohnehin: Selbst, wenn die ‚Chronologie‘ des späten Engels zutreffend wäre, sehe ich trotzdem kein Argument, warum (1.) die damaligen Klassengesellschaften (als Klassengesellschaften) Männerherrschaft hervorgebracht haben sollen und warum (2.) Männerherrschaft auch das Ergebnis aller späteren (anderen) Formen von Klassenherrschaft sein soll.

    2.

    „moment DG, bürgerliche frauenbewegung heisst nicht, dass alle frauen, die ihr angehören, der bourgeoisie entstammen. es können auch kleinbürgerliche frauen sein, z b alice schwarzer und co. diese zeichnen sich eben dadurch aus, dass sie die frauenfrage eben nicht mit der klassenfrage verknüpfen, im gegensatz zur proletarischen.“

    a) Es ist m.E. nicht nur in Bezug auf das Geschlechterverhältnis eine marxistische (und vllt. auch allgemeiner linke) Unsitte, kritisierenswerte Positionen von Lohnabhängigen das Etikett „bürgerlich“ oder „kleinbürgerlich“ aufzukleben.
    Damit ist analytisch nichts oder vielmehr sogar Unzutreffendes gesagt.
    Und widerlegt sind die falschen Auffassungen damit auch noch nicht.

    b) Konkret ist „bürgerliche Frauenbewegung“ ein Etikett, das von MarxistInnen allen Feministinnen (früher: „Frauenrechtlerinnen“) aufklebt wird (und wurde), die den Geschlechterkampf nicht bereit waren, dem Klassenkampf unterzuordnen – ganz unabhängig davon, was diese Feministinnen zu den bürgerlichen Klassenverhältnissen sagen.

    c) An den Positionen von Schwarzer gibt es einiges zu kritisieren, anderes zu verteidigen.
    Ich kenne ihre Positionen aber auch nicht so genau: Insgesamt ist Schwarzer aber sicherlich – trotz gelegentlicher Radikalität – eher eine Geschlechterreformistin als revolutionäre Feministin – und in Bezug auf andere Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnis (z.B. Rassismus) vllt. nicht einmal Reformistin.

    „diese zeichnen sich eben dadurch aus, dass sie die frauenfrage eben nicht mit der klassenfrage verknüpfen, im gegensatz zur proletarischen. und sozusagen die frauenfrage überwiegend im sinne der individuellen karriere abhandeln.“

    Derartige Positionen sind m.E. nicht in erster Linie wegen des Fehlens einer Verknüpfung mit dem Klassenkampf zu kritisieren (und, soweit sie deswegen kritisiert werden, ist ihnen keine Forderung nach Unterordnung unter dem Klassenkampf entgegenzusetzen).
    Vielmehr sind sie deshalb zu kritisieren, weil sie in Bezug auf das Geschlechterverhältnis reformistisch sind, weil sie das frauenbewegte Gegenstück zum ‚Nur-GewerkschafterInnentum‘ in der ArbeiterInnenbewegung sind.

  8. 8 Entdinglichung 17. Januar 2012 um 18:36 Uhr

    DGS/TAP wrote;

    Nun können die beiden sich zwar geirrt haben, aber soweit ich weiß, entspricht diese Auffassung (und nicht die spätere Auffassung von Engels, daß die Männerherrschaft der Entstehung von Klassen [i.S.v. SklavInnenhaltern usw.] nachgängig sei) auch dem heutigen Stand der Forschung. (Aber das ist nicht mein Spezialgebiet.)

    gibt zumindest kein allgemein akzeptiertes Beispiel einer nichtpatriarchalen Klassengesellschaft, sehr wohl aber patriarchale Gesellschaften, die keine Klassenstruktur aufweisen … und über das minoische Kreta weiss mensch nicht genug, um da klare Aussagen machen zu können

  9. 9 systemcrash 17. Januar 2012 um 20:02 Uhr

    „b) Konkret ist „bürgerliche Frauenbewegung“ ein Etikett, das von MarxistInnen allen Feministinnen (früher: „Frauenrechtlerinnen“) aufklebt wird (und wurde), die den Geschlechterkampf nicht bereit waren, dem Klassenkampf unterzuordnen – ganz unabhängig davon, was diese Feministinnen zu den bürgerlichen Klassenverhältnissen sagen.“

    die forderung nach „unterordnung“ ergibt sich aus der geschichte mit dem haupt- und nebenwidespruch, die sowohl Olga als auch ich abgelehnt haben. ich würde allerdings sagen, dass die ziele des „revolutionären feminismus“ der klassenfrage ZUGEORDNET sein müssten, ansonsten wäre sie nicht bestandteil einer „proletarischen klassenstrategie“.

    ich wäre gern bereit, darüber zu diskutieren, ob man angesichts des standes der arbeiterbewegung fordern kann, die frauenfrage mit der klassenfrage zu verknüpfen (sich also auf reformprojekte zu beschränken). dann soll man das aber auch deutlich sagen. und für mich würde sich dann auch generell die frage stellen: GLAUBT MAN ÜBERHAUPT DARAN, DASS DIE ARBEITERBEWEGUNG ZUM REVOLUTIONÄREN SUBJEKT WERDEN KANN ? ! ?

  10. 10 Wat. 17. Januar 2012 um 20:19 Uhr

    Ob die Arbeiterbewegung zum Revolutionären Subjekt werden kann?

    Wenn Du jemals im Kommunismus ankommen willst, dann muss(!) sie zum Revolutionären Subjekt werden… ;-)

  11. 11 systemcrash 17. Januar 2012 um 20:22 Uhr

    edit: gelöscht

  12. 12 Wat. 17. Januar 2012 um 20:24 Uhr

    Eben… Wer aber meint, dass sie das nicht kann und trotzdem vom klassenloser Gesellschaft spricht, ja, was macht der dann eigentlich.

  13. 13 systemcrash 17. Januar 2012 um 20:27 Uhr

    edit: gelöscht

  14. 14 DGS / TaP 17. Januar 2012 um 20:38 Uhr

    Sagt mal,

    könnt Ihr das Problem nicht unter einem anderen Beitrag diskutieren -

    und hier zum Feminismus-Thema zurückkommen?

  15. 15 systemcrash 17. Januar 2012 um 22:26 Uhr

    „Sagt mal,

    könnt Ihr das Problem nicht unter einem anderen Beitrag diskutieren -

    und hier zum Feminismus-Thema zurückkommen?“

    ich bin zwar der meinung, wir sind nicht OT, aber wenn Wat wat von der „arbeiterbewegung als subjekt“ hört, ist sie nicht zu halten ;)

    und seit wann lässt du hier den MOD raushängen?
    das kann man auch ANDERS sagen!

  16. 16 richard 18. Januar 2012 um 11:12 Uhr

    3.6 Aktive Beteiligung an Diskussionen
    Es ist nicht nur so, dass Frauen weitaus seltener organisiert sind als Männer, sie bringen sich auch meist weitaus weniger ein. Nicht, weil sie nicht wollten, sondern sehr oft, weil mensch sie nicht lässt.

    Dieser Punkt finde ich sollte in Bezug auf Feministische Ansätze auch nach Innen genauer betrachtet werden. Man kann Bedingungen ja nur ändern, wenn man weiß, wo es hapert. Warum wird den Männern in der Diskussion dann nicht eben Contra gegeben? Von alleine werden sie es nämlich nicht wissen, dass sie einen Platz einnehmen, der dadurch eben besetzt ist.

    Neulich, also vor ca. zwei Monaten, war ich mal in so einer Runde mit Männern und Frauen, es ging um Occypay und noch etwas. Aber die Frauen haben sich irgendwie abgesondert bzw. gab es zwei Diskussionen, eine Gruppe die Frauen, eine andere die Männer, die Männer waren dort zufällig in der Unterzahl und meist bereits etwas betrunken, naja ok. Wie ich aber finde, kann man von den Frauen mittlerweile schon arwarten, dass sie di Initiative ergreifen und eben auch mal den Ton angeben, wenn sie was bewegen wollen. Notfalls muss eben auch bei den Frauen quasi die Aufgabe des Platzhirschen übernehmen und die Männer zurück schieben oder die Diskussion dahin führen, wo man sie haben will. Das sehe ich wirklich als die Aufgabe der Frauen eben. Das würde es auch den Männern einfacher machen.

    Ich meine auch, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt und dass dies in diese Diskussion gehört. Aber auch hier braucht es eben Personen, die deren Anliegen aktiv einbringen und sich den Platz quasi „erobern“.

    Wenn es um eine 50%/50 % Teilung der „Reproduktion“ und der Arbeit geht, so gehört natürlich der zur Verfügung stehende monatliche Einkommen betrachtet. In meinem Umfeld ist es nämlich so, sobald der Mann genug verdient, bleibt die Frau in den ersten Jahren zu Hause. Natürlich erbringt sie dort ein große Leistung, aber sie kann diese Leistung auch genießen, im Sinne von Betätigung und Aufgaben. Bei Paaren, wo das Einkommen ganz anders aussieht, und beide Arbeiten müssen, da kann das momentane System echt stressig sein und mehre Kinder können einen völlig überfordern. Das wiederum wird dann gerne als schlechte Eltern verkauft, bei den Prekären-Familien. Eine reine Beleidigung in meinen Augen.

    Welcher Mann könnte sich wirklich vorstellen ein Hausmann zu sein – selbst nur über einige Jahre, womöglich wenn die Frau nicht Akademikerin ist? Mann würde erstmal aus dem Job gedrängt werden und vielleicht nicht mehr zurück kommen können. Die Männer wollen das natürlich auch nicht. Wer will das schon?

    MsG
    Richard

  17. 17 Wat. 18. Januar 2012 um 11:28 Uhr

    Egal bei welcher Emanzipation, die der Klasse, die der Frauen etc. – du musst sie dir holen (wollen) – die kann dir niemand geben!

    Die Frage wäre also, wie können wir Emanzipationsbestrebungen, also den Willen zur Selbstbestimmung, unterstützen.

  18. 18 systemcrash 18. Januar 2012 um 23:58 Uhr

    in der Nr 29 (januar 2012) der zeitung „bolschewik“, deutschsprachiges organ der IBT, gibt es auch einen artikel zu marxismus und frauenfrage

    http://www.bolshevik.org/ [deutschsprachiges archiv]

  19. 19 paulepantha 21. Januar 2012 um 12:33 Uhr

    was der feminismus anscheinend immer noch nicht wahrhaben will:

    häusliche gewalt: ca. 50% frauen
    sexueller missbrauch: ca. 30% frauen

    unser schulsystem benachteiligt männer oder sind männer dümmer?
    das erziehungsrecht diskriminiert männer
    wer macht die drecksarbeit?
    etc etc

    ihr seht es ist nicht so einfach wie ihr es euch denkt und hat auch erst mal nix mit schwanz haben oder nicht haben zu tun, ihr solltet euch mehr mit MARX auseinandersetzen!
    feministen nicht sexitsich gegenüber heteronormativen männern??
    die ganze argumentation ist vom prinzip her sexistisch.
    vielleicht solltet ihr eure vordenker mal kritisch beleuchten oder was haltet ihr von äußerungen man solle den männlichen anteil der bevölkerung auf 20% reduzieren?
    das war nicht irgendwer, wer suchet der findet!
    oder das scum manifest?
    aber das waren ja frauen, halb so wild!

    ach ja:
    selbstmorde unter jugendlichen : 90% männer

  20. 20 Gerion 21. Januar 2012 um 22:31 Uhr

    Hi paulepantha,

    Was du hier schreibst ist ja genau der Männerrechtsscheiss den wir hier eigentlich nicht lesen oder diskutieren wollen. Da bist du doch beim CSU Stammtisch sicher besser aufgehoben oder hat dein Nick irgendwas mit den Nazivideos zu tun?

    Gerion

  21. 21 Olga 22. Januar 2012 um 2:13 Uhr

    Also, die Zahlen zu sexueller Gewalt sind schlicht und ergreifend falsch. Von psychologischen Gewaltpräventionsstudien bis zum Bundesamt für Statistik sind die genannten Zahlen im Text korrekt.

    Es entsteht durch die Missbrauchsfälle in der Kirche ein anderer Eindruck, da die beleuchteten Betroffenen nahezu alle männlich waren. Aber die Zahlen der GESAMTEN Gesellschaft sind anders.

    Wer die abstreiten will, muss sich schon gründlich mit wissenschaftlicher Methodik auskennen und kann nicht einfach sagen „ist nicht so“.

    Männerrechtskack möchte ich als Begriff allerdings auch nicht hören. Natürlich haben stehen allen Männern alle Rechte zu. Nur Frauen eben auch. Im gleichen Ausmaß.

    Zum Thema Bildungssystem:

    60% der StudienanfängerInnen sind weiblich. ca 60% der Studienabsolventen sind männlich. 20% der promovierenden sind weiblich. 7% aller ProfessorInnen in Deutschland sind nur weiblich.

  22. 22 DGS / TaP 22. Januar 2012 um 3:28 Uhr

    @ Olga:

    „Männerrechtskack möchte ich als Begriff allerdings auch nicht hören. Natürlich haben stehen allen Männern alle Rechte zu. Nur Frauen eben auch. Im gleichen Ausmaß.“

    Nun, Männer haben im Patriarchat eh alle Rechte.

    Was würdest Du denn zu „KapitalistInnenrechtskack“ sagen?! – Wäre das auch unziemlich???

  23. 23 systemcrash 22. Januar 2012 um 9:31 Uhr

    „Was würdest Du denn zu „KapitalistInnenrechtskack“ sagen?! – Wäre das auch unziemlich???“

    der vergleich hinkt. das bürgerliche recht ist de jure „gleiches recht für alle“ (was auch marxisten verteidigen, solange das wertgesetz wirkt), de facto ist es aber eben ungleich durch die gesellschaftlichen verhältnisse.

    das gleiche gilt mutatis mutandis eben auch fürs „männerrecht“. auch da gilt „gleiches recht für alle“ de jure, aber de facto wird es durch die gesellschaftlichen verhältnisse ausgehebelt und zum nachteil der frauen praktiziert.

    Olgas kritik ist also völlig berechtigt

  24. 24 DGS / TaP 22. Januar 2012 um 10:18 Uhr

    Die nennen sich doch selbst „Männerrechtler“ – deren Inhalte und Selbstbezeichnung als „Kack“ zu bezeichnen, ist zwar nicht elaboriert -

    bedeutet aber nicht notwendigerweise für Ungleichberechtigung von Männern zu sein (was aber im Sinne von affirmative action transitorisch sehr wohl notwendig ist), sondern deren Demagogie zurückzuweisen, in dieser Gesellschaft seien nicht etwa Frauen, sondern Männer das beherrschte und ausgebeutete Geschlecht.

    „Der Verein will ‚die Ungerechtigkeiten der einseitig an Fraueninteressen orientierten Geschlechterpolitik‘ bekämpfen. Die Mitglieder nennen sich selbst Männerrechtler und können mit der Bezeichnung ‚Machos‘ oder ‚Maskulisten‘ nur wenig anfangen.“

    (http://www.welt.de/politik/deutschland/article8490782/Maennerrechtler-kaempft-um-echte-Gleichberechtigung.html)

  25. 25 systemcrash 22. Januar 2012 um 11:11 Uhr

    „bedeutet aber nicht notwendigerweise für Ungleichberechtigung von Männern zu sein (was aber im Sinne von affirmative action transitorisch sehr wohl notwendig ist), sondern deren Demagogie zurückzuweisen, in dieser Gesellschaft seien nicht etwa Frauen, sondern Männer das beherrschte und ausgebeutete Geschlecht.“

    was diese „männerrechtler“ betrifft, hast du natürlich recht. bei Olgas kritik ging es aber um „umgedrehten sexismus“. und der ist natürlich abzulehnen.

  26. 26 Christian 22. Januar 2012 um 11:44 Uhr

    „Es gibt den feindlich gesonnenen Sexismus (…) vs den „ritterlichen“ Sexismus “

    Den ritterlichen Sexismus oder „benevolent (wohlwollender Sexismus“ finde ich immer wieder interessant.
    Da wird ja zunächst mal ein Vorteil (zb der Frau wird eine Arbeit abgenommen) in einen Nachteil verwandet (die Frau darf diese Arbeit nicht machen, erscheint schwach dadurch.

    Wie ist das denn bei Männern zu bewerten:

    Ist hegemoniale Männlichkeit nicht häufig auch einfach wohlwollender Sexismus gegen Männer, der dann auch durch Frauen aufrechterhalten wird:
    „Männer sind so viel besser im Geldverdienen“ -> du musst das Geld verdienen (einschließlich Berufswahl, Überstunden etc)“
    „Männer sind so viel Stärker“ --> Du musst mich beschützen und darfst keine Schwäche zeigen“
    „Ein Mann sollte ein GEntleman sein“ --> Du musst Frauen Vorteile einräumen (die dann wieder Nachteile aus anderer Sicht haben)“

    Mir scheint da vieles sehr Spiegelbildlich zu sein. Was aus der einen Sicht Sexismus ist, ist aus der anderen Sicht häufig die Folge eines benevolent Sexism.

  27. 27 systemcrash 22. Januar 2012 um 12:07 Uhr

    „Mir scheint da vieles sehr Spiegelbildlich zu sein. Was aus der einen Sicht Sexismus ist, ist aus der anderen Sicht häufig die Folge eines benevolent Sexism.“

    klar, beides bedingt sich gegenseitig. emanzipation ist ja auch anstrengung. und viele frauen haben sich ja auch tatsächlich mit der „traditionellen weiblichkeit“ arrangiert. gerade solche frauen verstärken dann auch wieder sexistische rollenklischees für BEIDE geschlechter. (der starke mann, die zu „beschützende“ frau)

    hat ja auch vorteile, zu sagen: warum soll ich den reifen wechseln, wozu gibts männer? ;)

  28. 28 mafalda 22. Januar 2012 um 19:51 Uhr

    Im Gespräch mit jungen Frauen, vor allem im Umkreis der politisch linken und der Lesbenszene, wird Feminismus heute gerne mit altmodischer und überholter Lebensweise und werden Feministinnen mit verschrobenen, Latzhosen tragenden alternden „Emanzen“ gleichgesetzt.
    Junge Frauen, die in intellektuellen oder zumindest weltoffenen Familien aufgewachsen sind, haben gelernt, ihren Kopf oben zu tragen, sich in der Gesellschaft zu behaupten und es erscheint ihnen völlig natürlich, dass ihnen alle Wege und Möglichkeiten in der Welt offen stehen. Leider haben sie allzu oft nicht gelernt, auch einmal über den Tellerrand zu blicken.

    http://mafaldaswortspiele.wordpress.com/2012/01/07/feminismus-heute/

  29. 29 Christian 22. Januar 2012 um 21:53 Uhr

    @systemcrash

    Wenn es Frauen gibt, die genau diese Rolle leben wollen und ihren benevolenten Sexismus gegen Männer dazu einsetzen, sie zu leben, ist das dann eine hegemoniale Weiblichkeit?

  30. 30 systemcrash 22. Januar 2012 um 23:42 Uhr

    „Wenn es Frauen gibt, die genau diese Rolle leben wollen und ihren benevolenten Sexismus gegen Männer dazu einsetzen, sie zu leben, ist das dann eine hegemoniale Weiblichkeit?“

    hegemoniale weiblichkeit würde ich es nicht nennen (obwohl es elemente matriarchaler „gegenmacht“ durchaus auch gesellschaftlich gibt). ich würde es bezeichnen als: „aus dem „sklavinnen“verhalten(-bewusstsein) noch einen (vermeintlichen) taktischen vorteil ziehen ;)

  31. 31 DGS / TaP 23. Januar 2012 um 2:00 Uhr

    @ mafalda:

    „Im Gespräch mit jungen Frauen, vor allem im Umkreis der politisch linken und der Lesbenszene, wird Feminismus heute gerne mit altmodischer und überholter Lebensweise und werden Feministinnen mit verschrobenen, Latzhosen tragenden alternden „Emanzen“ gleichgesetzt.
    Junge Frauen, die in intellektuellen oder zumindest weltoffenen Familien aufgewachsen sind, haben gelernt, ihren Kopf oben zu tragen, sich in der Gesellschaft zu behaupten und es erscheint ihnen völlig natürlich, dass ihnen alle Wege und Möglichkeiten in der Welt offen stehen. Leider haben sie allzu oft nicht gelernt, auch einmal über den Tellerrand zu blicken.

    http://mafaldaswortspiele.wordpress.com/2012/01/07/feminismus-heute/“

    Junge Frauen waren gerade erst im August vergangenen Jahres massenhaft auf der Straße, weil sie nicht an die Mär glauben, daß sich die patriarchale gesellschaftliche Struktur durch ‚individuelle Anstrengung‘ ausgleichen läßt.

    „Gemeinsam müssen wir gesellschaftliche Strukturen, die Sexismus hervorbringen überdenken, aufbrechen und uns auch mit anderen Herrschaftsmechanismen kritisch auseinandersetzen. Nur so haben wir die Chance Sexismus zu überwinden.“
    (vgl. http://arschhoch.blogsport.de/2011/07/31/termine-und-andere-hinweise-3/, Abschnitt II.)

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