Organisationsfragen sind programmatische Fragen

Als jemand, der hofft, dass Netzwerke, Plena, Clubs etc. nur Zwischenstationen sind auf dem Weg zu einem Ding, dass den Namen „Revolutionäre Organisation“ wirklich verdient, begrüße ich natürlich jede Form von Zielstrebigkeit und jedes Streben nach mehr Verbindlichkeit.
Das von den SoKo-GenossInnen vorgeschlagene Organisationsmodell ist mir nicht nur deswegen äußerst sympathisch, ich fürchte nur, es kommt zum falschen Zeitpunkt, nämlich zu früh.

Am Namen wir die Sache nicht scheitern.
„Sozialistische Clubs“ hat den schon von der SoKo selbst (ich glaube von Horst Hilse) angesprochenen Nachteil, dass sich andere Spektren darin nicht wieder finden oder davon sogar ausgegrenzt fühlen.
„Plena der subjektiven RevolutionärInnen“ empfindet sicher nicht nur Frank Braun als „Wortungetüm“ (auch innerhalb der SIB gab es schon Kritik in diese Richtung).

Allerdings umschreibt der „Plena-Vorschlag“ am präzisesten, worum es politisch-programmatisch-strategisch geht:
Deutliche (wenn auch nicht-sektiererische) Abgrenzung von reformistisch-gradualistischen Konzepten einerseits, andererseits innerhalb des Spektrums der „subjektiven RevolutionärInnen“ Verzicht auf Festlegung von „richtigen“ und „falschen“ Gründen für entschiedenen Anti-Kapitalismus.
D.h., es ist erstmal nicht so wichtig, ob eine(r) den Kapitalismus aus traditionskommunistischen, linkssozialistischen, trotzkistischen, brandlerianischen, feministischen, antiimperialistischen, autonomen, anarchosyndikalistischen oder von mir aus auch christlichen Motiven abschaffen will.
Mir persönlich gefällt der Vorschlag von Mario Ahner (dem hier gedankt sei für die Spiegelung des lesenswerten Artikels von Paul Pop) am besten:
„Rote Clubs“ ist gleichzeitig eindeutig genug und offen genug – außerdem klingt es lässiger als die üblichen Klassiker.

Auf den ersten Blick besteht zwischen „Clubs“ und „Plena“ kein nennenswerter Unterschied – das Problem ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Meine Kritik am SoKo-Vorschlag ist längst nicht so harsch wie die von DGS, geht aber in die gleiche Richtung.
Die Sokos – überwiegend alte „Fahrensleute“ – hätten ahnen können, welchen Wirbel ein solcher Vorschlag vor dem Hintergrund eines in’s Stocken geratenen NAO-Prozesses verursacht.
Auch wenn es gewiss nicht intendiert war (es steht ja deutlich „Vorschlag“ drüber), bei „Basis-Körperschaft“, „Delegiertenschlüssel“, „Zentraler SprecherInnenrat“, „Arbeitsausschuss“ denken Viele unwillkürlich: Die haben noch nicht mal ein Programm, schreiben aber schon an der Satzung.
Die Brachial-Kritik etwa von Wal Buchenberg trifft also einerseits einen wunden Punkt.
Andererseits muss mensch schon eine sehr blühende Phantasie haben, um den SoKos ernsthaft zu unterstellen, sie wollten eine Organisation ohne Programm gründen (den Ausstieg von Wal bedauere ich trotz der großen Differenzen, zumal Karl Heinz Schubert gerade an einer ausführlichen Kritik des „Bochumer Programms“ arbeitet).
Der „Plena-Vorschlag“ ist ja viel jünger als das ‚Na endlich-Papier’, er ist eine Reaktion auf die Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten des angestoßenen Prozesses. Von den im ‚Na endlich-Papier’ genannten „Benchmarks“ sind wir quantitativ („1000 Leute, um loszulegen“) und qualitativ (ursprünglich avisiertes Spektrum: Von Traditionskommunisten über Trotzkisten/Linkssozialisten bis zu Post-Autonomen) weit entfernt.

Die Plena-Idee zielte deshalb auf zweierlei: Für’s erste Tempoverlangsamerung und kleinere Brötchen backen (die aber auch wirklich).
Der SoKo-Vorschlag zielt (bewusst oder unbewusst) auf das Gegenteil: Gas geben! (zumindest entsteht bei Vielen der Eindruck)
Das ist m. E. der Kern des Konflikts, den wir aber bestimmt lösen werden, da es sich um nicht mehr als eine taktische Frage handelt.
„Möglichst schnell Elemente von antikapitalistischer Kollektivität in Theorie und Praxis (…) realisieren“ (Frank Braun) – das wollen wir doch alle, wir streiten „nur“ darüber, wie wir das am Klügsten anstellen.

Da wir schon mal bei der „Orga-Frage“ sind, eine grundsätzliche Bemerkung.
Natürlich liegt es auf der Hand, vor der Wahl des Schatzmeisters über Programm und Strategie zu reden, aber vice versa gibt es auch recht schematische Vorstellungen:
Erst die perfekte Analyse, das umfassende Programm und ganz am Ende reden wir noch kurz über den „Formalkram“.
Hinter den verschiedenen Organisationsmodellen stecken auch verschiedene politische Konzepte.
Ich bleibe diesbezüglich ein Verteidiger des „Demokratischen Zentralismus“, auch wenn er (zu Unrecht) schwer in Verruf geraten ist. Allerdings bei unbedingt gleich starker Betonung der beiden Formelteile. Im ‚Na endlich-Papier’ schrieben wir sinngemäß:
Das eine geht nicht ohne das andere. „Demokratie ohne Zentralismus“ führt zum Modell II. Internationale oder zu so was wie der IL, „Zentralismus ohne Demokratie“ führt zum Modell III. Internationale nach 1924.
Nicht nur bei den „Leninisten“, auch bei den „Basisdemokraten“ gibt es reichlich Legendenbildung, die die jeweiligen Probleme verdrängt.
R.E schreibt zur Verteidigung rein dezentraler Strukturen:

„Die Einflussnahme Einzelner wird damit weitgehend erschwert. Es gibt kein Zentrum, das Entscheidungen trifft. Auch die Abhängigkeit von einzelnen Personen (Politstars) wird vermieden.“

Die Westberliner ‚Alternative Liste’ war keine nationale Organisation und formell völlig basisdemokratisch, trotzdem habe ich selten eine hierarchischer strukturierte Gruppe kennen gelernt, dominiert von einer Handvoll informeller Cliquen, gesegnet mit zahlreichen Häuptlingen und (tatsächlichen oder vermeintlichen) „Politstars“.
Was in der Satzung steht ist nicht unwichtig, aber zweitrangig.
Entscheidend sind Qualifikation, Erfahrung und Selbstbewusstsein der Mitglieder.
Das gilt natürlich auch für formell „demokratisch-zentralistische“ Kaderorganisationen – wenn von 100 Mitgliedern nur 15 wirklich „Kader“ sind, bleibt das von Systemcrash und DGS (zu Recht) beworbene „Tendenzrecht“ Makulatur.

Natürlich gilt: Ohne Programm keine Organisation.
Dazu nur kurz:
Es gibt (entgegen anders lautenden Gerüchten und Behauptungen) noch keine „verbindliche“ programmatische Grundlage für den NAO-Prozess.
Das ‚Na endlich-Papier’ als ganzes sowieso nicht, aber auch die „5 unverhandelbaren Punkte“ sind nur die „Schmerzgrenze“ der SIB.
Alle anderen Beteiligten (und die, die hoffentlich noch dazu kommen) haben auch „Schmerzgrenzen“ – erst nach einem „Abgleich“ werden wir wissen, was die „NAO-Essentials“ sind.
Bei diesem Abgleich (also der Programmdebatte) sollten wir zweierlei beherzigen:
Erstens ist (fast) nix in Stein gemeißelt – auch die „Mutter aller Schmerzgrenzen“ heißt jetzt (zu Recht, da vorher missverständlich) nicht mehr „Konzept des revolutionären Bruchs“, sondern „Orientierung auf den revolutionären Bruch“.
Zweitens: Das wechselseitige Bewerfen mit „Etiketten“ bringt nicht viel.
Beispiel „Revolutionärer Bruch“:
Reformisten vorzuwerfen, sie seien keine Revolutionäre, hat was tragikomisches.
Aber auch „unter uns“ ist es spannender (das wurde mir erst richtig klar in einem persönlichen Gespräch mit der Genossin „Wat“), nicht abstrakt „Pro + Contra Bruch“ zu diskutieren, sondern: Was braucht es vor dem Bruch, damit er endlich mal stattfindet, u.v.a. was passiert danach ? Also Fragen wie Staatlichkeit, Zentralisation, Wertgesetz in der nachkapitalistischen Gesellschaft.

Abschließend kann ich mir eine Bemerkung zu Systemcrash nicht verkneifen, der erste Anzeichen von Altersweisheit zeigt:
„Die fünf SIB-Essentials sind nämlich eine Art zusammengefasste Kurzform der wesentlichen Prinzipien des Übergangsprogramms.“
Das ist ja das schönste Kompliment seit langem – jedenfalls für einen unter permanentem Opportunismus-Verdacht stehenden „Mandelisten“ wie mich.
Wenn das allerdings – z.B. – meine Ex-Genossen von der SAV erfahren, ist Systemcrashs Ruf als „Hüter der Orthodoxie“ ganz schnell perdu.
Für Nicht-TrozkistInnen kein Grund zum Erschrecken – worauf Systemcrash anspielt, ist kein Geheimcode, sondern das Gründungsdokument der IV. Internationale von 1938.
Weit davon entfernt, perfekt zu sein (zum Geschlechterkampf steht z.B. gar nichts drin), aber treuer Begleiter für Viele, die es versucht haben mit dem „revolutionären Bruch“
(wer’s mal lesen will, überall im Netz: „Der Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der IV. Internationale“).

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11 Antworten auf „Organisationsfragen sind programmatische Fragen“


  1. 1 systemcrash 12. Januar 2012 um 20:20 Uhr

    ehre, wem ehre gebührt ;)

    ich habe von anfang an, seit ich von den „essentials“ erfuhr, diese als „programmatischen kern“ des NAO prozesses verteidigt. das heisst aber natürlich nicht, dass ich meine bewertung der VS geschichte ändere (ich nehme an, das hast du auch nicht erwartet ;) ). trotzdem, zu den „SIB essentials“ stehe ich, sonst würde ich mich hier auch nicht mehr beteiligen. allerdings bin ich gespannt, wie sich das programmatische „gerüst“ noch entwickelt, insbesondere, da sich jetzt auch mehr ORGANISATIONEN an der debatte beteiligen, was ich natürlich sehr begrüsse.
    http://systemcrash.wordpress.com/2012/01/12/wird-2012-der-beginn-der-vereinigung-der-subjektiven-revolutionare/

    und was die „orthodoxie“ betrifft: diesen anspruch hab ich selbst NIE GEHABT. ich selber nenne mich sogar einen „heterodoxen trotzkisten“, erstens, weil ich in der russischen frage keinen orthodoxen standpunkt vertrete, und zweitens (und DAS sehe ich als entscheident an), weil ich denke, dass wissenschaft (also marxismus) und orthodoxie sich gegenseitig ausschliessen. der marxismus kann nur lebendig bleiben, wenn seine theoriebildung eben kein „dogma“ ist, sondern sich mit der wirklichkeit wandelt und immer eine anleitung zum handeln bleibt. erst im engen theorie-praxis-bezug erweist sich der wert unserer ideen :)

  2. 2 Mario Ahner 13. Januar 2012 um 0:32 Uhr

    Schön zu sehen, wenn wir wieder zusammenkommen um zwar kritisch, aber solidarisch diskutieren zu können. Ich finde, der Vorstoß der SoKo mag zwar ein wenig voreilig gewesen sein, die Intention dahinter ist dennoch zu würdigen.

    Ich meine, es ließe sich durchaus ein Kompromiss finden. Statt des Wortungetüms „Plena der subjektiven Revolutionäre“, ließen sich durchaus „Rote Clubs“ im ganzen Land „hochziehen“ um diese zu einem Ort des solidarischen Miteinanders, des Diskutierens und Organisierens zu gestalten.

    „Einrichtungen dieser Art waren schon immer ein wichtiges Moment jeder sozialen Bewegung, denn man braucht Orte, wo man sich treffen, diskutieren, zusammen essen und trinken kann. In der Kulturgeschichte gibt es bekannte Beispiele dafür.

    Man denke etwa an die jakobinischen „Straßenclubs“ der Französischen Revolution, an die berühmten „Salons“ der Romantiker, an die literarische Caféhauskultur oder an die englischen „Clubs“. Nicht unwitzig und wenig bekannt ist es, daß auch in der Frühzeit der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in Deutschland Gastwirte eine bedeutende Rolle spielten.

    Ebenso haben die 68er- und die Alternativbewegung solche Einrichtungen hervorgebracht; und eine einschlägige Erscheinung war in der BRD die breite Jugendzentrums-Bewegung der 70er Jahre mit ihrer Forderung nach selbstverwalteten Häusern.“(Kurz)

    Somit ließe sich nicht nur der Diskussionsprozess vorantreiben, sondern der zwischenmenschlich-kulturelle Part ausbauen, ohne den es keine gemeinsame Praxis geben kann. Gerade das Kulturelle ist etwas, das von der abtheoretisierenden Linken oftmals in den Hintergrund rückt, eigentlich aber das Fundament jeder gemeinsamen Arbeit sein sollte.

  3. 3 Gerion 13. Januar 2012 um 1:23 Uhr

    Hi Mario,

    Ich bin mir gar nicht so sicher ob in dieser Diskussion wirklich von einem Haus als Club die Rede ist? dachte es geht mehr um einen Kreis von Leuten. Obwohl so ein Club wie zum Beispiel die CDR im Wohngebiet auch ganz nett wären. Aber wer soll das bezahlen. Ich denke erstmal machen wir den großen Bruch und danach den Kleinen und richten diese Clubs dann in den leerstehenden Millionärsvillen ein.

    Soz. Grüße, Gerion

  4. 4 Gerion 13. Januar 2012 um 1:25 Uhr

    Oh ich hab vergessen zu schreiben das ich die CDR in Kuba meine.

    Gerion

  5. 5 Mario Ahner 13. Januar 2012 um 4:16 Uhr

    @Gerion.

    Genau jene Vorstellung „erst der revolutionäre Bruch am Tag X und dann läuft’s an“, halte ich für eine falsche Perspektive und Herangehensweise an die soziale Emanzipation. Verstehen wir darunter den „klassischen“ Plan der Eroberung der Staatsmacht durch die Arbeiterklasse, verfehlen wir m.E. das Ziel und wiederholen die Geschichte als Farce, wie es godfather of communism, Old Marx, formulierte.

    Aber genau darin liegt ja die Crux. Das Gros der radikalen Linken meint, „man könne als dann, wenn die Schwierigkeit der Machtfrage überwunden sei, ganz leicht und geradezu nach dem Muster von Reklamesprüchen („dann geht alles wie von selbst“) die vom Kapitalismus hervorgebrachten Produktivkräfte zum Wohle aller regulieren. (…)

    Diese Ignoranz, die ja zunächst einmal selber eine theoretische ist, speist sich daraus, daß die Frage der Aufhebung auseinandergerissen wird in die reine Negation einerseits („hiermit erklären und unterschreiben wir, daß wir gegen den Kapitalismus/Imperialismus sind und ihn stürzen wollen“) und in einen inhaltlich völlig leeren, erst postkapitalistisch (nach dem „Sturz“ der kapitalistischen Macht) in Gang zu setzenden Praxis-Pragmatismus der „befreiten Gesellschaft“ andererseits. (…)

    So wird eine wirkliche Aufhebungsbewegung nicht denken können. Zwischen Kapitalismus und Nicht-Kapitalismus liegt keineswegs bloß die Frage der Macht bzw. „Verfügungsgewalt“. Die Aufhebung der warenförmigen Reproduktion ist keine mehr oder weniger technisch-organisatorische Angelegenheit nach der (politischen und juristischen) „Enteignung“ der Kapitalisten, sondern die Aufhebung aller vom Wert bzw. der geschlechtlichen „Wert-Abspaltung“ (R. Scholz) strukturierten sozialen Beziehungen und Bewußtseinsformen. (…)

    Der Mainstream des alten Arbeiterbewegungs-Marxismus hat dieses Problem schlicht umgangen und durch ein anderes ersetzt: nämlich durch eine politizistische und etatistische Orientierung an der vorgeschalteten „Machtfrage“ (…).

    Mit anderen Worten: Er organisierte sich nicht reproduktiv und lebensweltlich antikapitalistisch, sondern bloß politisch, als historische abstrakte „Willenskundgebung“ ohne reale reproduktive Verankerung, und damit als „politische Partei“ (und parallel dazu gewerkschaftlich für den Kampf um systemimmanente Gratifikationen).

    Alles wurde dem Ziel der politischen Machtergreifung untergeordnet, um dann folgerichtig „von oben“, durch zentrale etatistische Eingriffe, die kapitalistische Reproduktion gewissermaßen sozialistisch-planwirtschaftlich „umstülpen“ zu wollen. Die politische Macht erscheint hier als der archimedische Punkt und ein alternativer Staatsapparat („Arbeiterstaat“) als der zentrale Hebel der Umwälzung.“

    Zitatquelle: http://exit-online.org/textanz1.php?tabelle=schwerpunkte&index=0&posnr=10&backtext1=text1.php

  6. 6 Mario Ahner 13. Januar 2012 um 4:25 Uhr

    Ich meine, solche „Roten Clubs“ als Basis einer antikapitalistischen Widerstandskultur, sind eine Frage des Willens und der Verbindlichkeit. Gehen wir von einer Raummiete von 450 Euronen monatlich aus, wie es beispielsweise bei allerlei Galerie-Räumen in der Hauptstadt der Fall ist, ließe sich diese bei 25 Mitgliedern, je Person 20 Euro monatlich, durchaus bezahlen. Und hier gehen wir bereits von einem sehr teuren Beispiel in der Innenstadt aus. Traurig ist nur, dass das Milieu der antikapitalistischen Linken derart zersplittert und atomisiert ist, dass nichtmal soetwas möglich zu sein scheint.

    Wenn einige schon ständig vom Wiederaufbau der Arbeiterbewegung schwadronieren, dann setzt dies eben den Aufbau der Basis, das heißt eines (gegen-)kulturellen Umfeldes voraus (Treffpunkte, Büchereien, Clubs, Küchen usw. usf.), nur so lässt sich ein „Hinterland“ schaffen, das Streikende, Erwerbslose usw. auffangen und ihnen notfalls unter die Arme greifen kann, damit der Kampf gegen den Kapitalismus mit voller Negationsmacht geführt werden kann. Solange das aber nicht der Fall ist, hat die Zurückhaltung der Lohnabhängigen was Arbeitskämpfe anbelangt nichts mit bürokratisch-reformistischer Verblödung, sondern einem gesunden Menschenverstand und Eigeninteresse am finanziellen Selbsterhalt zu tun.

    Es sind diese praktischen Schritte und kulturellen Milieus und Netzwerke der praktischen Solidarität und koordinierten Aktionnsplanung, welche antikapitalistisch-kommunistische Perspektiven schmackhaft machen, und nicht das 3.674te Übergangsprogramm.

  7. 7 Gerion 13. Januar 2012 um 11:17 Uhr

    Hi Mario,

    Ich würde denken das die Frage nach Treffpunkten und anderer Infrastruktur genau in ein Programm gehören.
    Anderseits, um mal ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte zu nehmen, ich glaube es klappt nicht richtig solche Art Clubs zB im Gaddafi Libyen oder auch in Syrien zu etablieren. Der Vergleich hinkt zwar ein wenig, aber es gibt da halt massiv Widerstände auch in der BRD.

    Grüße Gerion

  8. 8 systemcrash 13. Januar 2012 um 11:42 Uhr

    ähhh, sorry, ich glaube hier liegt ein kleines missverständnis vor. ich denke nicht, dass die SOKO mit „club“ einen „raum“ gemeint hat (und wenn, dann im übertragenen sinn ;) ), sondern es ist eine „orgbezeichnung“ UNTERHALB DER EBENE DER PARTEI; eben aufgrund der sattsam bekannten politischen differenzen. (die anderen begriffe in der debatte sind „plena“ (DGS), und ich präferiere das „netzwerk der subjektiven revolitionäre“)

    die von Mario angestellten „kulturellen überlegungen“ sind mir sehr sympathisch …aber soweit sind wir noch lange nicht …

  9. 9 DGS / TaP 13. Januar 2012 um 13:39 Uhr

    Ja, ich denke auch „Club“ ist einfach der Name der „Kreisverbände“ der Organisation, die die SoKo sich vorstellt -

    ob diese Kreisverbände, dann auch ein Vereinslokal / Infoladen / Infocafé (allein oder zusammen mit anderen Gruppen) betreiben – was (unter parlamentarisch-demokratischen Bedingungen) zweifelsohne auch schon vor einer Revolution möglich ist –, scheint mir noch mal eine andere Frage zu sein.

  10. 10 Mario Ahner 13. Januar 2012 um 17:08 Uhr

    Mir soweit klar, dass die SoKo in diese Richtung zielte, ich habe ihre Überlegung nur aufgegriffen und mit derer der „Plena der subjektiven Revolutionäre“ verknüpft und die Perspektive fester Treffpunkte und strömungsübergreifender Kulturzentren verbunden. Wenn die Sache was werden soll, und sich nicht im Politizismus verfangen, wär’s angebracht, wenn die Initiative genau in jene Richtung zielt. Sonst sehe ich da langfristig wenig Anlaufstelle und Perspektive. Die Occupy-Bewegung ist da in Ansätzen bereits weiter.

  1. 1 Organisationsfragen sind programmatische Fragen « WAS TUN: PLATTFORM FÜR MARXISTISCHE KONVERGENZ Pingback am 12. Januar 2012 um 20:05 Uhr
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