Archiv für den 12. Januar 2012

Kritik des Traditionsmarxismus

In der bisherigen Debatte um den Aufbau einer neuen antikapitalistischen Organisation, die ja den Anspruch vertritt den Kapitalismus zu überwinden und eine sozialistische/kommunistische/befreite Gesellschaft anzusteuern, stoßen dem kritischen Leser einige ungeklärte Grundproblematiken des marxistischen Theorie-Diskurs ins Auge.

Im Folgenden möchte ich mich in dieser kurzen Abhandlung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit und linksakademische Stichhaltigkeit hat, einige dieser Punkte ins Feld führen und den Fokus vor allem auf die Frage der Vergesellschaftung und der Trennung zwischen Politik und Ökonomie legen.

Vergesellschaftung?

Die radikale Linke tut sich oft darin hervor den Begriff der „Vergesellschaftung“ ins Feld zu führen, wenn es darum geht dem Kapitalverhältnis den Gar aus zu machen. Dabei wird selten gefragt, geschweige denn beantwortet, was darunter eigentlich zu verstehen sei, und inwiefern dies ein emanzipatorisches Potenzial gen „generalisierter Selbstverwaltung“ (Guy Debord) der Gesellschaft entfalten soll.

Grob gesagt, sind sich scheinbar alle zumindest darin einig, dass Produktionsmittel sowie Grund und Boden der ausschließlich privaten Verfügungsmacht entzogen und der Öffentlichkeit übergeben werden, so dass diese in demokratischer Manier über die Nutzung der Einrichtungen und des Bodens entscheiden können. Doch, wie soll das konkret aussehen? Wie ist gesellschaftliches Eigentum vorstellbar? Wie wird es verwaltet – und durch wen? (mehr…)

Organisationsfragen sind programmatische Fragen

Als jemand, der hofft, dass Netzwerke, Plena, Clubs etc. nur Zwischenstationen sind auf dem Weg zu einem Ding, dass den Namen „Revolutionäre Organisation“ wirklich verdient, begrüße ich natürlich jede Form von Zielstrebigkeit und jedes Streben nach mehr Verbindlichkeit.
Das von den SoKo-GenossInnen vorgeschlagene Organisationsmodell ist mir nicht nur deswegen äußerst sympathisch, ich fürchte nur, es kommt zum falschen Zeitpunkt, nämlich zu früh.

Am Namen wir die Sache nicht scheitern.
„Sozialistische Clubs“ hat den schon von der SoKo selbst (ich glaube von Horst Hilse) angesprochenen Nachteil, dass sich andere Spektren darin nicht wieder finden oder davon sogar ausgegrenzt fühlen.
„Plena der subjektiven RevolutionärInnen“ empfindet sicher nicht nur Frank Braun als „Wortungetüm“ (auch innerhalb der SIB gab es schon Kritik in diese Richtung).

Allerdings umschreibt der „Plena-Vorschlag“ am präzisesten, worum es politisch-programmatisch-strategisch geht:
Deutliche (wenn auch nicht-sektiererische) Abgrenzung von reformistisch-gradualistischen Konzepten einerseits, andererseits innerhalb des Spektrums der „subjektiven RevolutionärInnen“ Verzicht auf Festlegung von „richtigen“ und „falschen“ Gründen für entschiedenen Anti-Kapitalismus.
D.h., es ist erstmal nicht so wichtig, ob eine(r) den Kapitalismus aus traditionskommunistischen, linkssozialistischen, trotzkistischen, brandlerianischen, feministischen, antiimperialistischen, autonomen, anarchosyndikalistischen oder von mir aus auch christlichen Motiven abschaffen will.
Mir persönlich gefällt der Vorschlag von Mario Ahner (dem hier gedankt sei für die Spiegelung des lesenswerten Artikels von Paul Pop) am besten:
„Rote Clubs“ ist gleichzeitig eindeutig genug und offen genug – außerdem klingt es lässiger als die üblichen Klassiker.

Auf den ersten Blick besteht zwischen „Clubs“ und „Plena“ kein nennenswerter Unterschied – (mehr…)

Was ein revolutionäres Programm beinhalten sollte

Wir gehen davon aus, dass ein revolutionäres, marxistisches Programm sowohl unsere Ziele (die Programmatik im eigentlichen Sinne) wie den Weg dorthin (die Strategie) enthalten sollte. Darüber hinaus sind dort auch taktische Fragen (Aktionseinheit, oppositionelle Arbeit in den Gewerkschaften) zu klären.

1.
Die Entwicklung der Bundesrepublik ist methodisch nicht aus ihren „inneren“ Besonderheiten, sondern ihre Besonderheiten sind umgekehrt aus ihrer Rolle im Weltgeschehen abzuleiten. Auch wenn sich ein Programm auf die Lage in Deutschland konzentrieren sollte, so kann es ohne eine knappe Analyse der Krise des Kapitalismus nicht auskommen. Stichworte sind die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise, die weltweite Umweltzerstörung (Klimakatastrophe, Fukushima), die z.B. zu umweltpolitischen Forderungen wie die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke führt, die politische Revolution in den arabischen Ländern und nicht zuletzt die Krise der EU. Sie ergeben in ihrer Gesamtheit eine Krise des kapitalistischen Systems.

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ORGANISIERUNGSDEBATTE: