Vorschlag für eine NAO-Organisationsstruktur

Liebe GenossInnen, liebe FreundInnen der SIB-Initiative,

im Arbeitsausschuss der Sozialistischen Kooperation (SoKo) sind wir übereinstimmend der Auffassung, daß die Initiative für eine ‚Neue antikapitalistische Organisation’ (NAO) in der Form eine partei- und strömungsübergreifende radikaldemokratische Organisationsstruktur besitzen sollte.

Wir unterstützen die SIB-Initiative, auch wenn wir als Kollektiv in einzelnen, wenigen Aspekten mit dem ‚Na-endlich-Papier’ vom März letzte Jahres nicht vollständig konform gehen. Wir unterstützen im Großen und Ganzen dessen Essentials und teilen vor allem die Motivation der GenossInnen der SIB.
Unserer Ansicht nach muß eine antikapitalistische Organisation heute auf dieser inhaltlichen Grundlage und auf Breite angelegt sein.
Mit der folgenden Skizze eines einfachen Organisationsmodells möchten wir verdeutlichen, was wir darunter verstehen.

Vorschlag für eine NAO-Organisationsstruktur

Die folgenden Überlegungen basieren auf der Annahme, daß der Aufbau einer antikapitalistischen Kraft heute in Deutschland einerseits organisatorische Verbindlichkeit aufweisen muß, andererseits aber die inhaltlichen Differenzen beteiligter Personen und Organisationen ernst genommen werden müssen und nicht „per Beschlußlage“ zu regeln sind.
Zugleich muß nach innen und außen eine größtmögliche Offenheit und Attraktivität erarbeitet werden, die sich nicht im Alltagstrott administrativer Politikmuster verliert.

Basiseinheit: „Sozialistischer Club…(+ Regionalbezeichnung.) “

Als Basis-Körperschaft vor Ort schlagen wir den „Sozialistischen Club..“ vor. Dort kann jede/r die Mitgliedschaft erwerben, die mit einem geringen monatlichen Beitrag verbunden ist.
Die Mitglieder leisten ihre politische Arbeit in mindestens 14-tägigen Mitgliederversammlungen gemäß der örtlichen Übereinkünfte und im Rahmen der Programmatik der Gesamtorganisation.
Nach einem noch festzulegenden Delegiertenschlüssel wählen die Clubmitglieder ihre Delegierten zum zentralen Sprecherrat.

„Zentraler SprecherInnenrat“

Der „Zentrale Sprecherrat“ wird durch die Delegierten der „Sozialistischen Clubs“ gebildet, trifft sich in halbjährlichem Turnus und kommuniziert währenddessen über einen gesonderten Verteiler.
Er vertritt die Organisation auf zentraler Ebene nach außen und faßt alle politischen und organisatorischen Beschlüsse. Er trägt die Verantwortung für zentrale Kampagnen, Werbematerialien, Kongresse, Konferenzen und Publikationen.
Zur organisatorischen Abwicklung seiner Aufgaben wählt der „zentrale Sprecherrat“ einen Arbeitsausschuss“.

„Arbeitsausschuss“

Der Arbeitsausschuss wird für die laufende Arbeit eingerichtet und erfüllt die Funktionen eines Organisationssekretariats, ist dem „Zentralen Sprecherrat“ jederzeit rechenschaftspflichtig und kann nur im Rahmen der Beschlüsse tätig werden.
Er soll in enger Kooperation mit den Clubdelegierten seine Aufgaben erfüllen.
Er erstellt einen internen in mindestens monatlichem Zyklus erscheinenden Rundbrief mit Berichten aus der Clubarbeit, Problemen der laufenden Arbeit und politischen Stellungnahmen. Dieser Rundbrief ist jedem Mitglied auf geeignete Weise zugänglich machen.
Der Arbeitsauschuß soll eine angemessene Netzpräsenz betreiben und kommuniziert intern über den Verteiler des ‚Zentralen SprecherInnenrats’

i.A. des Arbeitsausschusses der SoKo
Frank Braun, Köln

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41 Antworten auf „Vorschlag für eine NAO-Organisationsstruktur“


  1. 1 Mario Ahner 10. Januar 2012 um 3:27 Uhr

    Sehr schön! Wann geht’s los? :D Wenn es weiter in diese Richtung geht, bin ich sehr zufrieden. Ich würde aus Gründen der Attraktivität und des Offenheitsanspruchs zwar die Bezeichnung ‚Roter Club‘ vorziehen (sodass zwar weiterhin klar ist, worum’s geht, sich unabhängig von der begrifflichen Selbstzuordnung auch libertäre Marxisten, Kommunisten und Verfechter des Anarchokommunismus angesprochen fühlen), gehe ansonsten mit allem d‘accord. Weiter so!

  2. 2 Wal Buchenberg 10. Januar 2012 um 9:27 Uhr

    Wir hatten schon einmal einen ähnlichen Vorschlag von DGS, der „subjektive Revolutionäre“ ohne ein Programm auf lokaler Ebene organisieren wollte.

    Wer eine Organisation ohne Programm gründen will, der verlagert den bisher unfruchtbaren Streit um programmatische Fragen aus dem zentralen NAO-Blog nur auf die lokalen „Clubs“.

    Das blinde Hauen und Stechen, das den NAO-Blog über weite Strecken geprügt hat, das findet dann notwendig in jedem Club erneut statt. Und es findet statt ohne eine Chance auf Klärung.

    Dass einige Diskutanten des NAO-Blogs, die sich besonders durch Polemik und rüden Diskussionsstil hervorgetan hatten, sich seit einiger Zeit zurückhalten, muss solange als nur taktisches Stillhalten verstanden werden, als von ihnen keine geänderten inhaltlichen Stellungnahmen kommen.

    Weiter:
    Wer eine politische Leitung ohne programmatische Eckpunkte wählen will, der hat keinen Einfluss auf die politische Richtung, die diese Leitung einschlägt.

    Ich halte diesen Organisierungs-Vorschlag für politisch prinzipienlos und für praktisch perspektivlos. Ich werde mich daran nicht beteiligen.

    Gruß Wal Buchenberg

  3. 3 systemcrash 10. Januar 2012 um 11:34 Uhr

    nun ja, organisationsstrukturen machen nur sinn, wenn sie mit der programmatik korrespondieren. solange der programmatische rahmen einer zukünftigen NAO nicht klar ist, machen organisationspläne eigentlich keinen sinn.

    m e hat sich die diskussion auf dem NAO block rückwärts entwickelt. was am anfang scheinbar wie eine übereinstimmung mit der anwendbarkeit der SIB essentials aussah, hat sich mittlerweile als grosse fata morgana herausgestellt. es gibt NICHT IN EINER FRAGE eine wirkliche gemeinsamkeit. jeder punkt ist klärungsbedürftig, nichts kann als selbstverständlich vorausgesetzt werden.

    der weg der „NAO“ — wenn er denn gegangen wird — wird noch ein sehr weiter sein. wir haben im moment andere prioritäten als planspiele, seien es „wirtschaftsmodelle“ oder „organisationsmodelle“. aber solange selbst das nicht verstanden wird, wird das ganze hier weiter dümpeln, bis irgendwann selbst der letzte hier das interesse verlieren wird.

    „Dass einige Diskutanten des NAO-Blogs, die sich besonders durch Polemik und rüden Diskussionsstil hervorgetan hatten, sich seit einiger Zeit zurückhalten, muss solange als nur taktisches Stillhalten verstanden werden, als von ihnen keine geänderten inhaltlichen Stellungnahmen kommen.“

    herr buchenberg, von ihnen werde ich mir meine inhaltlichen stellungnahmen ganz gewiss nicht diktieren lassen!

  4. 4 Wat. 10. Januar 2012 um 12:48 Uhr

    Ich sage:

    Daran kann ich mich nicht beteiligen!

    Warum?

    Es ist der Vorschlag sich auf der Grundlage der fünf Nao-Essentials zu vereinigen.

    Wie lauten diese?

    1. Konzept des revolutionären Bruchs
    2. Keine Mitverwaltung der kapitalistischen Krise
    3. Klassenorientierung
    4. Einheitsfront-Methode
    5. (Eine gewisse) organisatorische Verbindlichkeit

    Und was bedeuten diese nun?

    Ja, das weiß der Geier.

    Dann kann ich da auch als Essentials „schönes Leben“ hinschreiben – versteht auch jeder was anderes drunter, vorausgesetzt er hat sich wenigstens schon mal Gedanken darüber gemacht, was denn für ihn „schönes Leben“ bedeutet.
    Schon an dieser Voraussetzung scheint es zu scheitern…

    Ich kann nicht vorab mit einer Verpackung einverstanden sein und mich dann erst darum kümmern (wollen), was denn so in diese Verpackung hinein geht.

    Müßten wir aber dann auch gar nicht mehr – legt ja die „Führung“ fest^^

    Damit hebelt aber Punkt 4 dann Punkt 5 aus.
    Es ist dann absolute Verbindlichkeit. Eine absolute Verbindlichkeit von etwas auf das ich null Einfluß habe… Kadavergehorsam.

    Nein – Danke!

    Btw. Ich kann ja noch verstehen, daß man sich mit Menschen zusammensetzen möchte, die sich wenigstens in der Sache, eine gemeinsame Antikapitalistische Organisation gründen zu wollen, einig sind. Da muß aber die Absichtserklärung reichen.
    Dann wird sich auf programmatische Inhalte verständigt und versucht, daß so viele wie nur irgendmöglich, am besten alle mit dieser Absichtserklärung, sich in einem zu entwickelnden Programm wiederfinden.

    Wie das Programm dann aussieht, entscheidet darüber, welche Organisation resp. welche Organisationsform daraus erwächst.

    Aber es scheitert ja schon daran, wer denn als „antikapitalistisch“ gelten darf…

  5. 5 systemcrash 10. Januar 2012 um 12:54 Uhr

    „Ich kann ja noch verstehen, daß man sich mit Menschen zusammensetzen möchte, die sich wenigstens in der Sache, eine gemeinsame Antikapitalistische Organisation gründen zu wollen, einig sind. Da muß aber die Absichtserklärung reichen.“

    die „absicht“ alleine reicht eben NICHT. das ganze muss eben programmatisch (d h kondensation des „wissenschaftlichen“) ausgewiesen werden.

    der volksmund wusste das schon lange: „der weg zur hölle ist mit guten absichten gepflastert“ ;)

    und wo du den „kadavergehorsam“ her nimmst, bleibt wohl dein geheimnis. mehrfach wurde hier (sowohl von DG als auch von mir) die notwendigkeit des „rechts auf tendenzen, fraktionen und plattformen“ angeführt. allerdings, die eintrittskarte dafür sind die fünf SIB essentials. das war aber von ANFANG AN KLAR !

  6. 6 DGS / TaP 10. Januar 2012 um 12:56 Uhr

    Lieber Wal,

    „Wir hatten schon einmal einen ähnlichen Vorschlag von DGS, der ’subjektive Revolutionäre‘ ohne ein Programm auf lokaler Ebene organisieren wollte.“

    nein, das war kein ähnlicher Vorschlag, sondern genau der gegenteilige Vorschlag! Während die SoKo anscheinend anstrebt, die bisher an der Debatte beteiligten Kräfte schnell organisatorisch (und im übrigen auch inhaltlich [*]) zu vereinheitlichen, implizierte mein Vorschlag auf eine schnelle organisatorische und inhaltliche Vereinheitlichung zu verzichten.
    Die Plena sollen den Prozeß öffnen für revolutionäre Gruppen und Einzelpersonen, die an ihm bisher nicht beteiligt sind und die sich vielleicht an einer schließlichen Organisationsgründung nicht beteiligen werden. In den Plena könnten praktisch Zusammenarbeit erprobt und theoretische Diskussionen geführt werden; politisch-kulturell unterschiedliche Spektren könnten sich überhaupt erst einmal breiter kennenlernen und eine Vertrauensbasis entwickeln.
    Das wäre etwas ganz anderes als zwei mehr (RSB) oder minder (SIB) trotzkistisch und eine linkssozialistisch (SoKo) geprägte Gruppe und vielleicht noch die InterKomms als einzige Szene-Gruppe, falls sie sich dafür hergeben würden (was ich mir kaum vorstellen kann), unter einem solchen zusammengeschusterten organisatorischen Dach zusammenzuschließen – und dann anscheinend zu hoffen, daß sich eine relevante Anzahl von bisher unorganisierten Leuten den Sozialistischen Basis-Clubs anschließt (deshalb anscheinend die Fokussierung auf Individualmitgliedschaften und auf von den – aus Individualmitgliedern bestehenden – Basis-Clubs zu wählenden DelegiertInnen).
    Das wäre ATTAC mit mehr Verbalradikalismus und weniger Mitgliedern – aber weder eine offene Struktur, wie die von mir – als Zwischenschritt – vorgeschlagenen Plena, noch eine neue revolutionäre Organisation.

    „Wer eine politische Leitung ohne programmatische Eckpunkte wählen will, der hat keinen Einfluss auf die politische Richtung, die diese Leitung einschlägt.
    Ich halte diesen Organisierungs-Vorschlag für politisch prinzipienlos und für praktisch perspektivlos. Ich werde mich daran nicht beteiligen.“

    Da stimme ich Dir nahezu vollständig zu – jedenfalls wäre es in keiner Weise das, was die SIB ursprünglich vorgeschlagen hatte – eine neue revolutionäre Organisation von MarxistInnen und (Post)Autonomen.
    Falls sich das nicht realisieren läßt, weil sich kaum Szene-Zusammenhänge an der Debatte beteiligen, kann zwar diskutiert werden, ob statt dessen etwas anderes als von der SIB ursprünglich vorgeschlagen, gemacht werden soll.
    Um aber dann nicht den ursprünglichen – besseren – Vorschlag mit irgendeiner Notlösung zu identifizieren und dadurch zu diskreditieren, müßte dann aber auch deutlich dazu gesagt werden, daß es etwas anderes ist, und daß der ursprüngliche Vorschlag bei hoffentlich besserer Gelegenheit wieder aufgegriffen werden soll.

    [*] „Wir unterstützen im Großen und Ganzen dessen [des „Na endlich“-Papiers] Essentials und teilen vor allem die Motivation der GenossInnen der SIB. Unserer Ansicht nach muß eine antikapitalistische Organisation heute auf dieser inhaltlichen Grundlage und auf Breite angelegt sein.“ (meine Hv.)
    Meiner Überzeugung ist dagegen zwar an den SIB-Essentials festzuhalten, aber alles andere des SIB-Papiers, das vor allem von einer bestimmten trotzkistischen/WASG-Tradition geprägt ist, muß in einem offenen Diskussionsprozeß mit anderen revolutionären (feministischen, marxistischen, [post]autonomen, [post]antiimp, …] Kräfte weiterhin zu Debatte stehen.
    Der SoKo-Vorschlag läuft dagegen nach meinem Eindruck darauf hin aus, zwar „auf Breite angelegt“ zu sagen, aber faktisch den Prozeß zu machen.

  7. 7 DGS / TaP 10. Januar 2012 um 13:16 Uhr

    PS.:

    5 Thesen aus einem Papier „zum Stand der Dinge“, das ich Anfang Dez. 2011 geschrieben hatte

    These 1:
    Jeder organisationspolitische Schritte voran und jeder Schritt zur verbindlichen inhaltlichen Konkretisierung ist im Moment fehl am Platze.

    These 2:
    a) Notwendig ist vielmehr die Verteidigung der fünf SIB-Essentials (aber keine Ausweitung des bereits [Vor-]Festgeklopften):
    aa) des „rev. Bruchs“ gegen ‚rechts’
    und
    bb) der „Einheitsfront-“ bzw. „Aktionseinheits“-Methode gegen ‚links’ (falls es heutzutage noch Leute gibt, die sich dagegen wenden, und sie in unserer Debatte auftauchen).
    Die drei anderen Essentials (Keine Mitverwaltung der Krise; Klassenorientierung [solange damit keine Nebenwiderspruchs-Orientierung in Bezug auf Rassismus und Patriarchat gemeint ist] und gewisse Verbindlichkeit) dürften dagegen wohl innerhalb des Spektrums, das sich überhaupt für unsere Debatte interessieren könnte, vergleichsweise unumstritten sein.
    b) Hinsichtlich der Themen in dem „Na endlich“-Papier, die über die fünf Essentials hinausgehen, ist dagegen nicht Vereinheitlichung und Festklopfen, sondern Öffnung der Debatte für weitere Positionen angesagt.

    These 3:
    Falls wir an der Zielstellung aus dem „Na endlich“-Papier (gemeinsame Organisation von Postautonomie bis MarxistInnen) festhalten wollen, dann müssen wir viel, viel mehr auf die unterschiedlichen Zeit- und Arbeitsrhythmen von MarxistInnen und (Post)autonomen Rücksicht nehmen, d.h.: (Post)autonomen und (Post)antiimps überhaupt erst einmal die – auf deren Zeit- und Arbeitsrhythmus abgestimmte – Chance gegeben, ihre Positionen in die Debatte einzubringen.

    ‚These’ 4
    […]

    These 5:
    Sollten wir (dagegen) der Ansicht sein, daß die Geschwindigkeit der (post)autonomen und (post)antiimp-Szene der Lage nicht angemessen ist, dann müssen wir das offen kommunizieren und deutlich sagen, daß wir uns i.S.v. marxistischer Verengung (vorerst) strategisch umorientieren. Das ist m.E. die einzige Möglichkeit, uns nicht alle organisationspolitischen Brücken ins Szene-Spektrum für die nächsten 15, 20 Jahr zu verbauen.

    These 6:
    Völlig verfehlt wäre m.E. unseren 3er(SoKo, RSB und SIB)-Stiefel allein durchzuziehen und nicht deutlich zu sagen, daß das ein anderes Projekt als das ursprünglich in dem „Na endlich“-Papier vorgeschlagene ist. Es würde uns jede zukünftige organisationspolitische Möglichkeit in Szene-Richtung nehmen, wenn wir den Eindruck (versuchen würden zu) erwecken, daß ein Vereinigungsprozeß von SoKo, RSB und SIB dasselbe sei wie eine gemeinsame Organisation von Postautonomie bis MarxistInnen.

    […]

  8. 8 systemcrash 10. Januar 2012 um 13:19 Uhr

    „Meiner Überzeugung ist dagegen zwar an den SIB-Essentials festzuhalten, aber alles andere des SIB-Papiers, das vor allem von einer bestimmten trotzkistischen/WASG-Tradition geprägt ist, muß in einem offenen Diskussionsprozeß mit anderen revolutionären (feministischen, marxistischen, [post]autonomen, [post]antiimp, …] Kräfte weiterhin zu Debatte stehen.“

    hallo DG

    meinst du nicht, dass diese frage längst entschieden ist. diese anderen kräfte, die du immer wieder anführst, haben sich bislang nicht an den debatten beteiligt. und ich befürchte, sie werden es auch in der zukunft nicht tun. die konsequenz kann nur die sein, dass WIR den NAO prozess auf der grundlage der konkretisierung der fünf SIB essentials (vorschläge dafür wurden mehrfach gemacht) vorantreiben. natürlich immer mit der massgabe, dass andere kräfte sich jederzeit einklinken können. aber dafür müsste diese programmatische kärnerarbeit mal langsam begonnen werden, anstatt immer wieder dieselben plattitüden aufzurollen. auch auf die gefahr hin, dass dann einige abspringen. aber lieber einen bescheidenen ANFANG, als eine „diskussion“ ins endlose zu verlängern, die zu gar nichts führt, einfach weil die LEUTE GANZ ANDERE POLITISCHE POSITIONEN VERTRETEN, die in meinen augen nicht mit den SIB essentials kompatibel sind…aber auch das ist keine neue erkenntnis ;)

    „These 6:
    Völlig verfehlt wäre m.E. unseren 3er(SoKo, RSB und SIB)-Stiefel allein durchzuziehen und nicht deutlich zu sagen, daß das ein anderes Projekt als das ursprünglich in dem „Na endlich“-Papier vorgeschlagene ist. Es würde uns jede zukünftige organisationspolitische Möglichkeit in Szene-Richtung nehmen, wenn wir den Eindruck (versuchen würden zu) erwecken, daß ein Vereinigungsprozeß von SoKo, RSB und SIB dasselbe sei wie eine gemeinsame Organisation von Postautonomie bis MarxistInnen.“

    „dasselbe“ sicher nicht …aber ein ANFANG, und vieleicht stossen dann einige andere mit der zeit dazu. auf GAM und RIO würde das mit sicherheit einen druck ausüben. sicher, alles KLEINE GRUPPEN, aber etwas anderes haben wir im moment nicht zur verfügung. und wenn ein gewisser stamm von leuten, der arbeitsfähig ist, gute programmatische artikel verfasst, könnte das der beginn — zumindest für die CHANCE — einer umgruppierung sein. aber wenn der NAO blog sich so weiter entwickelt wie in den letzten wochen, dann sehe ich allerdings mehr als schwarz … ;)

  9. 9 DGS / TaP 10. Januar 2012 um 13:35 Uhr

    Lieber Systemcrash,

    „diese anderen kräfte, die du immer wieder anführst, haben sich bislang nicht an den debatten beteiligt. und ich befürchte, sie werden es auch in der zukunft nicht tun.“

    kann sein.

    Nun gibt es ja immerhin die Stellungnahme der InterKomms und eine weitere Szene-Gruppe hat eine Stellungnahme angekündigt: Wie euphorisch oder wie skeptisch die ausfällt, wird sich zeigen.

    Ich denke – auch in Anbetracht der Heterogenität der bisher an der Diskussion beteiligten Positionen – sind die Plena der subjektiven RevolutionärInnen der einzige realistische Schritt.

    Darin könnten wir Lage und Stimmung in einem breiteren als bisher beteiligten Spektrum sondieren (weil die GenossInnen nicht gleich auf eine Organisationsgründung festgeklopft werden und Vereinnahmung befürchten müßten) – oder vielleicht auch, falls Du Recht hast, feststellen, daß sich auch daran keine weiteren Kräfte beteiligen wollen;

    und dann wäre der Zeitpunkt für eine nüchterne Zwischenbilanz gekommen und zu entscheiden, was statt des ursprünglichen Vorschlags gemacht werden soll.

    „‚dasselbe‘ sicher nicht …aber ein ANFANG, und vieleicht stossen dann einige andere mit der zeit dazu. auf GAM und RIO würde das mit sicherheit einen druck ausüben.“

    Auch dafür scheinen mir der Plena als Vorlauf sinnvoll zu sein: Wenn sich bspw. in Plena zeigen sollte, daß es regelmäßig nicht möglich ist, sich auf gemeinsame Aufrufe zu revolutionären Demonstrationen und/oder revolutionären Block bei Demonstrationen gemeinsam mit ReformistInnen und GradualistInnen zu einigen, dann wäre eine gemeinsame Organisation erstrecht unrealistisch.
    Würde sich dagegen in den Plena eine funktionierende Zusammenarbeit entwickeln, dann könnte als zweiten Schritt an eine gemeinsame Organisationsgründung gegangen werden.

  10. 10 systemcrash 10. Januar 2012 um 13:45 Uhr

    „Darin könnten wir Lage und Stimmung in einem breiteren als bisher Beteiligten sondieren (weil die GenossInnen nicht gleich auf eine Organisationsgründung festgeklopft werden und Vereinnahmung befürchten müßten) – oder vielleicht auch, falls Du Recht hast, feststellen, daß sich auch daran keine weitere Kräfte beteiligen wollen;

    und dann wäre der Zeitpunkt für eine nüchterne Zwischenbilanz gekommen und zu entscheiden, was statt des ursprünglichen Vorschlags gemacht werden soll.“

    ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass der erste schritt ein „NETZWERK DER SUBJEKTIVEN REVOLUTIONÄRE“ sein soll, um genau diese angst vor der vereinnahmung auszuschalten. ich sehe zwischen dem „netzwerk“ und den „plenen“ keinen grossen inhaltlichen unterschied. beides sind „zwischenschritte“ …die dann irgendwann mal zur „REVOLUTIONÄREN ORGANISATION“ führen sollen. aber DAS, was die revolutionäre organisation inhaltlich definiert, das muss auch klar herausgearbeitet werden. und daran hapert es noch erheblich …

  11. 11 DGS / TaP 10. Januar 2012 um 13:57 Uhr

    Ja, okay. Plena oder Netzwerk – daran sollte es m.E. nicht scheitern.

    Ich denke „Plena“ ist sprachlich vielleicht etwas szene-kompatibler; und diese Struktur würde mehr Spielraum für lokale Spezifika lassen als ein einziges (bundesweites) Netzwerk.

    Und im übrigen muß halt Schritt für Schritt vorgegangen werden:

    -- Verständigung unter den bisher Beteiligten, ob die Plenaidee sinnvoll ist

    -- dann ggf. Einladungs-Entwurf schreiben

    -- diesen mit weiteren, am ehesten in Betracht kommenden Zusammenhängen abstimmen und dann veröffentlichen

    -- und alles weitere muß dann in den Plena diskutiert werden.

  12. 12 systemcrash 10. Januar 2012 um 14:05 Uhr

    eine gute gelegenheit wäre zum beispiel die beteiligung an einer der aktivitäten zum „LLL wochenende“ gewesen …

    aber DAS wurde ja wohl von SIB/NAO seite verpennt ;)

  13. 13 khs 10. Januar 2012 um 17:22 Uhr

    DGS schreibt:

    „Die Plena sollen den Prozeß öffnen für revolutionäre Gruppen und Einzelpersonen … In den Plena könnten praktisch Zusammenarbeit erprobt und theoretische Diskussionen geführt werden; politisch-kulturell unterschiedliche Spektren könnten sich überhaupt erst einmal breiter kennenlernen und eine Vertrauensbasis entwickeln.“

    Diesen Vorschlag unterstütze ich, da er der Weg zur Herstellung der Einheit der Klassenlinken durch gemeinsame Praxis(*) ist, die von solchen lokalen Aktionsausschüssen verbindlich ausgehen sollte. Dort wäre auch der Ort die in dieser Praxis gewonnenen Erfahrungen theoretisch zu durchdringen und zu verallgemeinern. So würden wir m.E. in der Programm- und Orgdebatte tatsächlich einen wahrnehmbaren Schritt nach vorn machen. Es ist geht also nicht nur um die psychologische Seite, Vertrauen zu schaffen.

    Wir sollten so etwas in Berlin 2012 ins Leben zu rufen, um all den ZweiflerInnen durch die Praxis zu beweisen, dass die sozialrevolutionäre Nischenkultur überwunden werden kann.

    Also bitte immer das Ziel im Auge behalten: Schluss mit dem Zirkelwesen.

    mrg
    khs

    *) Meine diesbezüglichen Erfahrungen mit der strömungsübergreifenden Onlinezeitung TREND und den Stadtteilaktivitäten in Nordneukölln sind mir Beleg genug, das sowas möglich ist.

  14. 14 richard 10. Januar 2012 um 18:34 Uhr

    Und was ist mit denen, die nicht nach Berlin kommen können?

  15. 15 Mattte 10. Januar 2012 um 20:06 Uhr

    Es ist zu früh um den Vorschlag der SIB jetzt schon zu verwerfen, übt euch bitte weiter in Geduld. Trotzdem stimmt es natürlich, dass man, sollten nicht andere Kräfte dazu stoßen, auch so einen Anfang machen kann. Dies würde die Art und Weise der Organisation aber stark ändern, da eine der Hauptaufgaben das Einbinden anderer Gruppen wäre.

    Ansonsten bedingungslose Zustimmung zu den Plena der Revolutionäre! Gerne bin ich bereit organisatorisch zu helfen!

    @Richard: die derzeitige lokale Fixierung auf Berlin ist sicher ein Problem. Allerdings ist es normal, dass in der größten Stadt des Landes auch alle Gruppen des Landes organisiert sind und dadurch ein Einigungsprozess dort beginnt.
    Es ist wesentlich einfacher gesagt als getan: versuch doch auch in deiner Stadt oder Umgebung die Diskussion anzustoßen. Sprich mit Leuten die du kennst darüber und schreib infragekommende Gruppen aus deiner Gegend einfach an. Auch so etwas kann Gruppen dazu bringen, sich zu positionieren. Die kleine Gruppe SIB kann unmöglich den Einigungsprozess in der ganzen BRD organisieren.

  16. 16 Mitlesender 10. Januar 2012 um 21:43 Uhr

    Hallo liebe Genoss_innen und Freund_innen. Ich lese den Blog schon seit einiger Zeit mit recht großem Interesse mit. Die räumliche Distanz (nach Berlin etwa 300km) ist wohl etwas größer als die inhaltliche (wobei ich wohl eher zu den „anderen Kräften“ gehöre).
    Erstmal finde ich es sehr schön das Teile der linken Szene aus dem Dornröschen-Schlaf erwachen. Auch ohne aktiv an der Debatte beteiligt zu sein, ist die Schwierigkeit dieses Prozesses förmlich beim Mitlesen spürbar.
    Ich wünsche euch auf jeden Fall das nötige Durchhaltevermögen die notwendigen Debatten zu überstehen. Eine schwere Geburt sagt ja erstmal noch nichts über die Qualitäten der entstehenden Organisation aus. Ich persönlich würde mich darüber freuen wenn es nicht auf eine (Teil)Vereinigung der trotzkistischen Gruppen aus Berlin hinausläuft, sondern die Idee einer breiten Organisation weiterhin verfolgt wird.

    Auch wenn der Berg eigentlich nicht zum Propheten geht, vielleicht müssten die Gruppen aus den (post)autonomen, antiimp,… Spektren einfach zur Diskussion eingeladen werden. So eine Mail im Gruppen-Postfach ist dann vielleicht doch etwas anderes als wenn Mensch zufällig über den NAO-Blog stolpert…

  17. 17 Frank Braun 10. Januar 2012 um 22:57 Uhr

    Es wird sicher an anderer Stelle noch Gelegenheit geben, die Einlassung der SoKo zu erläutern. Hier, nur aus meiner Sicht, ein paar Anmerkungen zu den bisherigen Kommentaren.

    Um es gleich vorweg zu nehmen, ich finde die Überlegungen von ‚khs’ in diesem thread recht interessant. Ob es ‚Plena subjektiver RevolutionärInnen’ (finde ich schrecklich dieses Wortungetüm !) oder ‚Sozialistische (..oder meinetwegen ‚Rote’; Mario A.) Clubs’ sein sollten, die da fortan den Fokus für Theoriearbeit, Programmarbeit und kollektive Praxis abgeben sollen, unterscheidet sich nicht wesentlich.
    Wichtig für mich ist festzuhalten, daß es zumindest derzeit keine Chance für eine antikapitalistische Organisation/Organisierung auf Basis einer einzelnen ideologischen Strömung geben kann. Es werden nicht MarxistInnen und/oder LeninistInnen, nicht AnarchistInnen oder Anarcho-SyndikalistInnen, nicht BasisdemokratInnen und/oder RätesozialistInnen sein, die aus einem eigenen zeitgemäßen Fundus uns allen das ABC erfolgreicher revolutionärer antikapitalistischer Anstrengungen mit ebenso erfolgreicher Massenlinie beibringen können.
    Ja, noch nicht einmal die Begrifflichkeit, also die Dialogbasis schlechthin, teilen die Individuen der genannten Strömungen – noch nicht einmal untereinander.
    Reden wir über ‚Volksfront’ oder ‚Einheitsfront’ oder ‚Demokratischer Zentralismus’ oder ‚Basisdemokratie’, meint der eine dies, die andere jenes. Reden wir über ‚Leninismus’ oder ‚Stalinismus’ oder ‚Kronstadt’ erhalten wir ein ähnliches Bild. Auch ‚antikapitalistisch’ wird ganz verschieden interpretiert und ‚Avantgarde’ und etc. Alles viel zu große Schuhe !
    Um es noch einmal zugespitzt zu formulieren: Da hilft auch die Diskussion um die ‚21 Aufnahmebedingungen in die Komintern’ nichts. Wer sich heute an diesen Themen abarbeitet und vorgibt, damit eine breite antikapitalistische Linke (mit-)begründen zu wollen, ist in meinen Augen schlicht ein Spinner oder lagert gerade nicht ganz irdisch.
    Kurz gesagt, daraus geht für mich hervor, ‚khs’ hat es notiert, die kollektive Praxis möglichst vieler Gruppen, die sich einen antikapitalistischen Anspruch geben, und deren Verarbeitung ist heute erstes Gebot – dagegen steht die sehr besondere, stets Borniertheit bedienende Organisationsform des Zirkelwesens.

    Das ist Teil unserer Motive, die uns von der SoKo dazu tendieren lassen, möglichst schnell Elemente von antikapitalistischer Kollektivität in Theorie und Praxis zu realisieren. Wir machen uns dabei nicht zum Schiedsrichter dessen, was als ‚antikapitalistisch’ gelten kann. Das wird sich schon herausstellen, lieber Wal und lieber Wat.
    Uns treibt auch keine Furcht vor fehlender Programmsubstanz in der ersten Phase dieser Kollektivität. Hätten wir diese Furcht, kämen wir nie zu etwas.
    Von daher reichen die von der SIB-Initiative genannten fünf Essentials, in einer leicht korrigierten Form erst einmal vollkommen aus, um partei- und strömungsübergreifend mit einem Höchstmaß an Transparenz und in aller Bescheidenheit loszulegen.
    Prinzipienlos soll daß sein ? Machen wir uns nichts vor: Das ist unsere einzige Chance !

    Es grüßt, übrigens ganz und gar untrotzkistisch und auch nicht linkssozialistisch, aber das ist zweitrangig, jedenfalls solidarisch
    Frank Braun, SoKo-Köln, 10.01.2012

  18. 18 DGS / TaP 10. Januar 2012 um 23:03 Uhr

    Lieber Mitlesender,

    „Auch wenn der Berg eigentlich nicht zum Propheten geht, vielleicht müssten die Gruppen aus den (post)autonomen, antiimp,… Spektren einfach zur Diskussion eingeladen werden. So eine Mail im Gruppen-Postfach ist dann vielleicht doch etwas anderes als wenn Mensch zufällig über den NAO-Blog stolpert…“

    Ja.

    Leider wurde das „Na endlich“-Papier im März nur im Netz, aber kaum per mail verbreitet. Das war m.E. ein ziemlicher taktischer Fehler; ebenfalls, daß das Papier in Bezug auf die Szene-Gruppen so exklusiv auf Avanti zugeschnitten war.

    Nov./Dez. hatten wir dann aber ziemlich viele Gruppen angeschrieben (einige Spektren fehlen aber noch); es gibt auch ein bißchen Resonanz, aber bei weitem nicht genug.

    Ich denke, was noch viel wichtiger als Ansprache per mails wäre, ist: direkte persönliche Ansprache bei Veranstaltungen und in der politischen Praxis.

    Das müßten aber in erster Linie Leute vor Ort machen; die SIB kann kaum eine Rundreise durch die ganze BRD machen.

  19. 19 DGS / TaP 10. Januar 2012 um 23:16 Uhr

    Lieber Frank,

    „Kurz gesagt, daraus geht für mich hervor, ‚khs’ hat es notiert, die kollektive Praxis möglichst vieler Gruppen, die sich einen antikapitalistischen Anspruch [+] geben, und deren Verarbeitung ist heute erstes Gebot – dagegen steht die sehr besondere, stets Borniertheit bedienende Organisationsform des Zirkelwesens.“

    das ist aber etwas ziemlich anderes, als, wenn drei oder vier Gruppen vorpreschen und schon einmal quasi eine ‚Satzung‘ und eine Gremienstruktur beschließen würden…

    „Von daher reichen die von der SIB-Initiative genannten fünf Essentials, in einer leicht korrigierten Form erst einmal vollkommen aus, um partei- und strömungsübergreifend mit einem Höchstmaß an Transparenz und in aller Bescheidenheit loszulegen.“

    Und das ist etwas ziemlich anderes, als, wenn das ganze oder große Teil des „Na endlich“-Papiers von drei oder vier Gruppen festgeklopft würden (vgl. die [*]-Fußnote zu meinem ersten Kommentar zu Eurem hieisigen Beitrag).
    Es geht einfach nicht, zu einer breiten Sache einzuladen und dann zu meinen, nach einem 3/4 Jahr Diskussion ein solches Papier mit einigen Kürzungen und kleineren Umformulierungen beschließen lassen zu können – auch nicht, wenn dieser Vorschlag gar nicht von der SIB selbst, sondern von Euch als einer der anderen beteiligten Gruppen kommt.

    Eine gemeinsame inhaltliche Grundlage muß auch redaktionell gemeinsam erarbeitet werden; und damit das wirklich halbwegs repräsentativ ist, müssen noch einige Gruppen hinzukommen.

    [+] Mindestens revolutionär antikapitalistisch, wenn wir uns denn einig sind, daß die SIB-Essentials stehen.

  20. 20 systemcrash 10. Januar 2012 um 23:35 Uhr

    „Um es noch einmal zugespitzt zu formulieren: Da hilft auch die Diskussion um die ‚21 Aufnahmebedingungen in die Komintern’ nichts. Wer sich heute an diesen Themen abarbeitet und vorgibt, damit eine breite antikapitalistische Linke (mit-)begründen zu wollen, ist in meinen Augen schlicht ein Spinner oder lagert gerade nicht ganz irdisch.“

    den begriff „breite organisierung“ hab ich nie verwendet. ich sprach immer von „revolutionärer umgruppierung“.
    http://www.trend.infopartisan.net/trd1011/t371011.html

    breite kann bestenfalls das „nebenprodukt“ programmatischer kohärenz sein (aber keine garantie). entscheident ist aber die qualität des programms, nicht die anzahl der mitglieder.

    lieber weniger, dafür besser ;)

    insofern können und MÜSSEN wir von der gesamten geschichte der arbeiterbewegung lernen, einschliesslich der komintern. wer das als ’spinnerei‘ oder ‚unirdisch‘ ansieht, versteht eben nicht, worum es hier wirklich geht.
    er wird irgendwas aus der taufe holen, aber keine „revolutionäre organisation“!

  21. 21 Wat. 10. Januar 2012 um 23:42 Uhr

    @Frank Braun

    Du schreibst:
    „…die kollektive Praxis möglichst vieler Gruppen, die sich einen antikapitalistischen Anspruch geben, und deren Verarbeitung ist heute erstes Gebot – dagegen steht die sehr besondere, stets Borniertheit bedienende Organisationsform des Zirkelwesens.“

    Verarbeitung? Vereinigung!

    Vorher gibts da mE nicht sehr viel zu verarbeiten – und wozu auch – um ihnen dann in Manier der (sorry) Hochfürsten der reinen Glaubenslehre zu sagen, was sie demnächst anderes zu tun haben?
    So kannst Du das nicht gemeint haben, denn damit kämen wir nicht einen einzigen Schritt aus der sehr besondere[n], stets Borniertheit bedienende Organisationsform des Zirkelwesens heraus.

    Mein Ansatz ist die mögliche Vereinigung eben dieser vielen Gruppen in ihren Aktionen.

    Das können wir aber nicht „von außen“/ „von oben“/ „von woanders“ – wir müssten mE Teil dieser sein.

    Ich will die Klasse einigen, nicht mal eben nur ein paar Klassen-Linke (khs) oder subjektive Revolutionäre (SIB).

    Wenn sich Klassen-Linke/subjektive Revolutionäre vereinen, dann wegen der „Klassenorientierung“, die in den Essentials angesprochen sind.

    Und Klassenorientierung heißt für mich – den Parteibildungsprozess der Lohnabhängigen zu fördern – nicht zuallererst unseren.

    Du schreibst außerdem:
    „Es werden nicht MarxistInnen und/oder LeninistInnen, nicht AnarchistInnen oder Anarcho-SyndikalistInnen, nicht BasisdemokratInnen und/oder RätesozialistInnen sein, die aus einem eigenen zeitgemäßen Fundus uns allen das ABC erfolgreicher revolutionärer antikapitalistischer Anstrengungen mit ebenso erfolgreicher Massenlinie beibringen können“

    Sehe ich ganz genauso.
    Wenn es um eine wirkliche Klassenorientierung geht, wäre das sogar unnötig bzw. kontraproduktiv, meine ich.

    Wir haben mit dem „Bochumer Programm“ einen Vorschlag in die Debatte eingereicht, der uE auf die Klasse abzielt, der berücksichtigt, dass viele Gruppen unterschiedliche Begründungen für ihren Antikapitalistischen Kampf haben, die uns trennen würden, würden wir da genaue Handlungsanweisungen für Personen und Orte vorgeben.

    Wir haben uns erlaubt in diesen Vorschlag aufzuführen, was uE die neue Zielrichtung (nach der Erfahrung der letzten einhundert Jahre) in der Befreiung der Lohnabhängigen darstellt (Selbstbestimmung, Kommunalisierung, Demokratisierung) und dann Punkte aufgeschrieben, von denen wir meinen, dass sie in Anlehnung dessen, wo heute den Lohnabhängigen der Schuh drückt, gemeinsame Aktionen mit allen anderen antikapitalistischen Kräften möglich sein könnte/sollte.

    Dieser Programm-Vorschlag ‚wartet‘ darauf, dass aus der praktischen Erfahrung anderer, weitere Punkte dort zusammengefasst werden und bereits vorhandene evtl. konkretisiert werden. Die praktischen Erfahrungen anderer können doch aber nur aus der Praxis kommen – woher denn sonst.

    Und das wird auch seine Zeit brauchen…

    Um diese Aktionen gilt es dann mE eine Vereinbarung/Vereinigung zu finden, die uns zusammen mit der Klasse kämpfen lässt.

    Wer daran teilnimmt, ist mir dann allemal antikapitalistisch genug.

  22. 22 systemcrash 11. Januar 2012 um 0:17 Uhr

    „Um diese Aktionen gilt es dann mE eine Vereinbarung/Vereinigung zu finden, die uns zusammen mit der Klasse kämpfen lässt.

    Wer daran teilnimmt, ist mir dann allemal antikapitalistisch genug.“

    an „aktionen“ nehmen aber leute teil, die UNTERSCHIEDLICHE politische auffassungen haben. das ist ja auch nicht weiter schlimm, solange man sich über die „aktion“ einig ist. deswegen nennt man sowas auch „aktionseinheit“. aber aktionseinheit ist kein ersatz für eine politische partei. es ist nur eine taktik, um im gesamtinteresse der arbeiterbewegung zu handeln und um leute davon zu überzeugen, dass das „revolutionäre programm“ die einzige möglichkeit ist, den kapitalismus zu überwinden. wer glaubt, darüber die bestehenden differenzen hinwegzaubern zu können, negiert geradezu die notwendigkeit des politisch-“ideologischen“ kampfes und entpolitisiert die leute, anstatt ihnen eine politische perspektive zu weisen.
    „Parteikämpfe [geben] einer Partei [gerade] Kraft und Leben, […] der grösste Beweis der Schwäche einer Partei [ist] das Verschwimmen derselben und die Abstumpfung der markierten Differenzen“.—Lenin

    „Und Klassenorientierung heißt für mich – den Parteibildungsprozess der Lohnabhängigen zu fördern – nicht zuallererst unseren.“

    zwischen beiden besteht im idealfall kein widerspruch. der parteibildungsprozess der lohnabhängigen wird jedenfalls nicht dadurch gefördert, dass politische differenzen ausgeblendet werden. das gegenteil ist eher der fall. darum ist es umso wichtiger, dass WIR für uns (im ersten schritt) klarheit schaffen. die vermittlung und ausbreitung (soziale verankerung) ist dann der zweite schritt oder besser: die daueraufgabe. zwischen beiden prozessen existiert auch keine chinesische mauer. parteiorganisation und soziale bewegung sind natürlich immer sich gegenseitig bedingende faktoren.

    vergl. http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=20846&tx_ttnews[backPid]=265&cHash=d4d2f81d0c

  23. 23 Wat. 11. Januar 2012 um 0:27 Uhr

    @systemcrash: Genau in dieser Reihenfolge hat es mE bisher jede Gruppe versucht – und ist im Zirkelwesen gelandet.
    Daraus schließe ich: Es war der zweite Schritt vor dem ersten.
    Versuchen wirs mal anders herum…

  24. 24 R.E 11. Januar 2012 um 0:51 Uhr

    R.E.
    Die Innere Struktur bestimmt die Entscheidungswege in der Organisation. Ob von Unten nach Oben oder umgekehrt. Sie hat damit auch entscheidenden Einfluß auf die Programmdebatte, deshalb macht es Sinn diesen Punkt vorher zu klären.
    Die Entscheidungsstruktur die sich eine Organisation gibt wird sie auch auf die von ihr angestrebten Gesellschaft abbilden. Wie will sich die Organisation also organisieren?
    Ein Sprichwort heißt aufgeschoben ist nicht aufgehoben, die Konflikte, die man nicht am Anfang austrägt hohlen einen später wieder ein.
    Man sollte sich auf eine klare Struktur einigen und sie sollte demokratisch sein, basisdemokratisch.
    Eine zentralistische Organisation, das hat die Vergangenheit deutlich gemacht ist nicht geeignet die Interessen der Lohnabhängigen dauerhaft sicherzustellen. Sie wurden immer ausgebeutet, ob von den kapitalistischen Bonzen oder den Parteibonzen des real existierenden Sozialismus.
    Wie kann man nun einer solchen Entwicklung begegnen? Am besten indem man die Macht vom Zentrum an die Basis verlagert. Dort ist die Macht ist dezentralisiert, auf sehr viele Köpfe verteilt, die Interessen der Basis dürften so besser zur Geltung kommen. Die Einflußnahme Einzelner wird damit weitgehend erschwert. Es gibt kein Zentrum das Entscheidungen trifft. Auch die Abhängigkeit von einzelnen Personen (Politstars) wird vermieden. Die Organisation bietet durch den Basisbezug für ihre Gegner, auch den kapitalistischen Staat, keinen zentralen Angriffspunkt. Basisdemokratisch entscheiden gemeinsam handeln. Dies gilt es zu organisieren.

    Zum Thema Revolution
    Es Klingt schon sehr martialisch angesichts der Ruhe die in unserer Gesellschaft herrscht von Revolution zu reden. Es werden dadurch auch eher Menschen davon abgeschreckt in der neuen Organisation mitzumachen. Wenn wirklich etwas bewegt werden soll, reicht es nicht aus nur die Marxisten anzusprechen. Die muss man ja wohl nicht groß überzeugen. Es müssen die Massen der Lohnabhängigen angesprochen werden. Sie sind die Basis die es gilt zu gewinnen.
    Statt die Revolution auszurufen sollte man sich Gedanken machen, wie schaffen man es die Emanzipation der Erwerbstätigen entwickeln. Sie dazu bewegen z.B. die mächtigste Waffe die sie haben, den Streik, aus den Händen der Gewerkschaftsbürokraten in die eigenen Hände zu nehmen. Der Streik ist ein unverzichtbares für den Widerstand. Die Folge wäre, das Kapital verliert die Berechenbarkeit bei den Auseinandersetzungen mit den Erwerbstätigen. Heute können sie davon ausgehen, ein größerer oder ernsthafter Streik wird bei den gegenwärtigen Spitzenfunktionären der DGB- Gewerkschaften nicht statt finden. Die aktuelle Situation ist die, eine Handvoll Gewerkschaftsbürokraten entscheiden über die Höhe von Lohnerhöhungen und Streik oder nicht Streik. Sie entscheiden also auf nationaler Ebene über Milliardengewinne mehr oder weniger und über die Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Wirtschaft. Welche Machtkonzentration in so wenige Hände. Diese Menschen sind zweifellos einem permanenten Druck wie auch Einfluß sowohl des Staates wie auch des Kapitals ausgesetzt. Es ist daher völlig natürlich dass dieses System versagt. Dass sich hier im Laufe der Zeit Schachstellen bilden, der Einfluß also Wirkung zeigt. Diese Wirkung äußert sich auf Seiten der Erwerbstätigen durch niedrige Lohnabschlüsse, verschlechternde Arbeitsbedingungen und völliges Versagen der Gewerkschaften auf der politischen Ebene. Die mächtige Waffe, der Streik als Mittel zur Durchsetzung der Interessen der Werktätigen kommt nicht mehr zum Einsatz und dort wo eine Belegschaft ihn doch einmal durchsetzt, wird er bei dem ersten Angebot, kaum spürbarer Verbesserungen, von der Gewerkschaftsbürokratie ausgesetzt.
    Auch hier wird die Anfälligkeit zentralistischer Organisationen deutlich. Ein breite Basis wäre so wohl kaum zu beeinflussen.

  25. 25 systemcrash 11. Januar 2012 um 1:11 Uhr

    „@systemcrash: Genau in dieser Reihenfolge hat es mE bisher jede Gruppe versucht – und ist im Zirkelwesen gelandet.
    Daraus schließe ich: Es war der zweite Schritt vor dem ersten.
    Versuchen wirs mal anders herum…“

    ich bin mir dieser problematik durchaus bewusst, aber „Massen“ schreiben keine programme …das müssen schon „wir“ machen. du verschiebst die verantwortung der bewusstesten teile auf die „breite Massse“ …das nennt man auf gut leninistisch: „ökonomismus“ --- so leids mir tut ;)

  26. 26 Wat. 11. Januar 2012 um 1:16 Uhr

    @Systemcrash – bei Lenin kam Emanzipation nicht vor – und nun?
    Muß ich nun auf die Emanzipation der Klasse verzichten, weil das bei Lenin nicht (direktes) Ziel war?^^
    Es ist mein Ziel – ich will nämlich immer noch aus dem Kapitalismus heraus und dabei nicht mehr nur einen Herrn gegen einen anderen austauschen…

  27. 27 uwe 11. Januar 2012 um 2:39 Uhr

    Hallo Frank,

    was ist ein geringer monatlichen Beitrag? Eine geringe Höhe ist immer relativ, je nach dem was ein Mensch hat. Könntest du mir bitte eine Zahl nennen, die deiner Vorstellung entspricht?

  28. 28 richard 11. Januar 2012 um 3:54 Uhr

    Ich möchte hier nochmal einen wichtigen Einwand zum Bochumer Programm abgeben.

    Es geht nicht um die Lohnabhängigen, z.m. nicht aus meiner Perspektive. Sondern es geht um die Arbeiter, die über die Maßen durch das Kapital ausgenutzt werden durch geringe Löhne. Diese Arbeiter sind nicht mehr zu ersetzten, außer durch Zuwanderung.

    Wir dürfen die Borugoisiie nicht als nicht Existent darstellen. Diese sind vorhanden, und sie arbeiten gegen jede andere Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens, auch innerhalb der Reihen der Lohnabhängigen. Wenn hier von Gewerkschaftsfunktionären die Rede ist, wenn hier von Programm-Erarbeitern die Rede ist, wenn von Baisisdemokratie die Rede ist, dann nur deshalb, weil wir dort wirkliche Arbeiter benötigen, die sich noch nicht von ihrer Basis entfernt haben.

    Ich kann dieses Wort „Lohnabhängige“ der Kommunisten nicht mehr lesen und ich unterstelle den Bochumern auch eine gewisse Negierung der Armut in ihrer gesamten Argumentation. Wenn „wir“ uns nicht auf die untersten Schichten in den Programmen und Aktionen konzentrieren, dann werden wir nur diejenigen anlocken, die in der weiteren Krise des Kapitalismus eine neue Hoffnung in einem antikapitalistischen System erhoffen. Es muss endlich der Unterste Schicht im System betrachtet werden, wie schlecht geht es ihr, und diese sollte überzeugt werden, die nao zu unterstützen. Wenn wirklich Demokratie das Maß der Dinge ist, warum kümmern wir uns nicht zuerst um diejenigen, die schon lange jede Hoffnung aufgegeben haben, denen es am schlechtesten geht und die den Worten von sogenannten Politikern oder Funktionären sowieso kein Wort glauben.

    ich finde die Argumentation der Soko gut, aber nur wenn in den lokalen Treffen wirklich Arbeiter und nicht bloß Lohnabhängige den Ton angeben.

    MsG
    Richard

  29. 29 h.hilse 11. Januar 2012 um 9:42 Uhr

    Nur zwei Zitate, die m.E. zeigen, wie unterschiedlich die Erwartungshaltungen sind, die an eine linke antikapitalistische Organisation gestellt werden:

    a)
    ..“ich finde die Argumentation der Soko gut, aber nur wenn in den lokalen Treffen wirklich Arbeiter und nicht bloß Lohnabhängige den Ton angeben.“

    Negativ: Sollen bei den lokalen Clubstrukturen von vornherein Ausschlusskriterien nach schichten- soziologischen Gesichtspunkten gelten? Sollen nicht die örtlichen Basisclubs selber darüber befinden können, wann eine Ausgrenzung stattfinden sollte?
    Ist die neu zu konstituierende Organisation dazu da, bestimmten teilnehmenden Gruppen ihre jeweils gewünschte Basis zu besorgen?
    Positiv: Ja, wenn sich die Orientierung auf bestimmte Milieus verfestigen sollte, reproduzieren wir lediglich die derzeitigen einseitigen Fixierungen von linken Nischengruppen und ihren jeweiligen Milieus.

    b)
    …., aber „Massen“ schreiben keine programme …das müssen schon „wir“ machen. du verschiebst die verantwortung der bewusstesten teile auf die „breite Massse“ …das nennt man auf gut leninistisch: „ökonomismus“ --- so leids mir tut ;)

    Negativ:
    Soll die zu gründende Organisation ein gradlinig verlängertes Parteiaufbaukonzept einer der beteiligten Gruppen repräsentieren? Hätte man dann nicht direkt zur Gründung einer neuen „rrreeeevolutionären“ Partei aufrufen sollen, wie es seit 30 Jahren ritualisiert aus linken Lautsprechern tönt? Verantwortung der „bewusstesten Teile“ – Wer soll das denn sein? Jene selbsternannten „Führungszirkel“, die seit Jahrzehnten in geliehenen Kostümen der Arbeiterbewegung ihren Karneval abfeiern?

    Positiv:
    Natürlich braucht es ein Programm – ausgerichtet auf und entwickelt durch die Kenntnis der „breiten Masse“, deren Lebens- und Arbeitsexistenz die „bewusstesten Teile“ kennen müssen. Mehr noch : die „bewusstesten Teile“ müssen erklären können, wie die verschiedenen Klassenfraktionen der Ausgebeuteten in ihrem Zusammenspiel mit dem gesellschaftlichen Überbau agieren. Ja, dringend nötig ist ein Programm, das das Europaprojekt der europäischen Bourgeoisie sowie die Stellung der verschiedenen Fraktionen nationaler und branchenmäßiger Ausbeuter analysiert. Warum scheiterte der Versuch der Einhegung der Macht der deutschen Bourgoisie durch die überstürzte Einführung des EURO nach der deutschen Wiedervereinigung? Warum verzeichnet die IG-Metall nach ihrem „Rechtsschwenk“ heute als einzige große DGB-Gewerkschaft Mitgliederzuwächse? Wie stehen wir zu der „Amerikanisierung “ der deutschen Gewerkschaftsbewegung durch interessengeleitete Absetzbewegungen verschiedener Berufsgruppen?
    Welche Anforderungen stellen sich durch die Internationalisierung der Klassenzusammensetzung an antikapitalistische Politik?
    Wie reagieren wir als Linke auf die Rufe nach „mehr Demokratie“ von reaktionären und faschistischen Kräften? (Volksentscheide,Panaschieren,Direktwahlen etc.)
    Der antikapitalistische Klärungsbedarf auf materialistischer Grundlage türmt sich haushoch auf, ohne dass bisher „bewusste Teile“ ihrer „Verantwortung“ gegenüber dem, was klassenmäßig vor sich geht,halbwegs gerecht wurden…
    Vielleicht wären die klaffenden linken Theorie -Schlaglöcher in einem gemeinsamen Prozess solidarischer Arbeit (nicht nur handwerklerischer Praxis) wenigstens teilweise zu füllen?
    Ich denke, dass solche gemeinsame Erarbeitung heute möglich wäre.

    h.hilse SOKO Kln. 11. 01.

  30. 30 systemcrash 11. Januar 2012 um 12:03 Uhr

    „@Systemcrash – bei Lenin kam Emanzipation nicht vor – und nun?
    Muß ich nun auf die Emanzipation der Klasse verzichten, weil das bei Lenin nicht (direktes) Ziel war?^^
    Es ist mein Ziel – ich will nämlich immer noch aus dem Kapitalismus heraus und dabei nicht mehr nur einen Herrn gegen einen anderen austauschen…“

    dass du nichts von lenin verstehst, hast du nun ja schon mehrfach bewiesen. lenin hat sich zugegebenermassen etwas prosaischer ausgedrückt. aber hinter dieser prosa stand der grösste revolutionäre wille. auch wenn du deine vorurteile noch tausendmal wiederholst … wahrer werden sie dadurch nicht.

    @H. Hilse

    die bewusstesten teile sind nicht nur die kleingruppen. (übrigens, kleinen gruppen verdanken wir es, dass überhaupt so etwas wie „fragmente revolutionärer kontinuität“ existieren. es gibt keinen grund, darüber die nase zu rümpfen)

    nein, mit bewusstesten teilen meine ich die bereits heute existierenden „avantgarde-sektoren“ von lohnabhängigen, die in einer gewerkschaft oder basisgruppe aktiv sind, die kampfbereit sind, die vlt streikerfahrungen haben oder vlt sogar in einer politischen gruppe oder partei mitarbeiten. DAS sind die bewusstesten teile. denen sollten wir ein überzeugendes programm anbieten und eine organisation, die die fehler bürokratisch-reformistischer apparate UND des sektenwesens überwindet. das erfordert aber einiges an anstrengung und wir stecken noch ganz in den kinderschuhen. dementsprechend werden sich auch die debatten hier wandeln müssen

    ZUM PROGRAMM

    die fünf essentials der SIB würden auch mir reichen (vorerst), denn sie sind gar nicht so ohne. das problem ist aber, ein wirkliches verständnis der essentials setzt im grunde ein verständnis eines revolutionäres programms voraus. DG hat es irgendwo geschrieben: das „na endlich“-papier basiert auf einer gewissen „trotzkistischen/WASG“– tradition. und natürlich kennen die autoren das „übergangsprogramm“. die fünf SIB essentials sind nämlich eine art zusammengefasste kurzform der wesentlichen prinzipien des übergangsprogramms. leute, die diese politische tradition nicht kennen, können diesen zusammenhang daher natürlich auch nicht kennen. und genau an dieser stelle beisst sich nämlich die katze selbst in den schwanz.

    ich befürchte, die autoren des „na endlich“-papiers haben DAS zu wenig mitberücksichtigt. es gibt für dieses problem auch keine „lösung“. diejenigen, die sich vorstellen können, auf der grundlage der fünf SIB essentials politisch zu arbeiten, sollten einfach anfangen. einige werden abspringen, vlt später wieder dazustossen und/oder neue kräfte werden sich anschliessen. aber davon sollten WIR unsere handlungen nicht abhängig machen… wir können nur das vertreten, wovon wir auch ÜBERZEUGT sind. alles andere trägt nicht weit.

  31. 31 Wat. 11. Januar 2012 um 12:10 Uhr

    Wenn ich etwas nicht kenne, dann urteile, ist es ein Vorurteil.
    Wenn ich etwas kenne, richtig kenne, schon mal dabei und mittendrin war, dann ist ein (‚berechtigtes‘) Urteil.
    … und wenigstens so wahr, wie ein einzelner Mensch „Wahrheit“ beurteilen kann.

  32. 32 systemcrash 11. Januar 2012 um 12:13 Uhr

    „Wenn ich etwas nicht kenne, dann urteile, ist es ein Vorurteil.
    Wenn ich etwas kenne, richtig kenne, schon mal dabei und mittendrin war, dann ist ein (‚berechtigtes‘) Urteil.
    … und wenigstens so wahr, wie ein einzelner Mensch „Wahrheit“ beurteilen kann.“

    so alt bist du nicht. ;)

    und die DDR was STALINISTISCH, nicht leninistisch … ich sage ja: du bist zerfressen von vorurteilen (die sich leider in richtung antikommunismus auswirken werden)

  33. 33 h.hilse 11. Januar 2012 um 13:12 Uhr

    @systemcrash Frage……

    Ver.di Düsseldorf hat gestern beschlossen, gemeinsam mit Occupy am 15. Januar den Landtag zu umzingeln. Hier der Aufruftext:

    15. J. Globaler Aktionstag in Düsseldorf – Umzingelung des Landtags!
    Protest hat viele Namen und Gesichter! Menschen empören sich,
    vernetzen sich, engagieren sich und fordern weltweiten Wandel:
    “Global Change”!
    Wir alle erleben, wie unser politisches System mit seiner fragwürdigen
    Machtverteilung versagt. Politik, die zur Zeit betrieben wird, kann die
    unerträglichen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Probleme nicht
    lösen, sie verursacht diese.

    Wenn Wahlen anstehen, wird um unsere Stimme geworben.
    Sind die Wahlen vorbei, wollen die Gewählten uns nicht mehr hören!

    Deshalb wollen wir ein Zeichen setzen!

    Am 15. Januar 2012 werden wir unseren Protest zum Landtag tragen.

    Wir
    treffen uns um 14 Uhr am DGB-Haus (Friedich-Ebertstraße, 200 Meter
    vorm Hauptbahnhof) und ziehen von dort aus um 15 Uhr zum Landtag,
    um ihn ab 16 Uhr zu umzingeln. Wir werden unserer Empörung Ausdruck
    verleihen!

    Im Anschluss ist ab 18 Uhr für Musik, gute Laune und Getränke gesorgt,
    gemeinsam lassen wir den Abend im oder um den Landtag ausklingen.
    14 Uhr – Treffen am DGB-Haus zur Demo
    15 Uhr – Beginn des Demo-Zugs zum Landtag
    16 Uhr – Umzingelung des Landtages
    18 Uhr – Ausklang im / um den Landtag
    Malt Schilder / Plakate oder lasst einfach eure Stimme laut werden. Ladet
    FreundInnen, Bekannte, KollegInnen und Familie ein, um die Events am
    14. und 15. Januar zu einem Erfolg zu machen.

    Gehe mit auf die Straße, denn es ist dein Recht!
    **************************

    Unterschrieben ist das ganze von drei SPD-Mitgliedern, sind die nun „die bewusstesten Teile“ ? oder sind sie „Klassenverräter“, da sie nur „Dampf ablassen“ wollen? Oder sind es die berühmten „Differenzierungen“? sollen wir reagieren? Womit und Wie?

  34. 34 systemcrash 11. Januar 2012 um 13:36 Uhr

    „Unterschrieben ist das ganze von drei SPD-Mitgliedern, sind die nun „die bewusstesten Teile“ ? oder sind sie „Klassenverräter“, da sie nur „Dampf ablassen“ wollen? Oder sind es die berühmten „Differenzierungen“? sollen wir reagieren? Womit und Wie?“

    das ist doch ein ganz alter hut. die bürokratischen apparate lassen hin und wieder ihren mitgliedern die freiheit, dampf abzulassen. das hast du schon ganz richtig erkannt. trotzdem sollte man (wenn es denn kräftemässig möglich ist) solche gelegenheiten nutzen, sich an solchen aktionen beteiligen, für weitergehende politische perspektiven werben und — ganz wichtig — kritik an den bürokratischen führungen ausdrücken. das ganze nennt sich „eiheitsfronttaktik“ … und ist eine programmatische errungenschaft der komintern. einige meinen allerdings, sich damit zu beschäftigen sei spinnert und unirdisch ;)

  35. 35 h.hilse 11. Januar 2012 um 18:28 Uhr

    @systemcrash ….. Unter „Einheitsfronttaktik“ verstand ich bisher (im gegensatz zur „Volksfront“)immer den Versuch zur Herstellung einer Aktionseinheit von Organisationen, die sich programmatisch auf die Arbeiterklasse bezogen.
    Einige Komintern-Schlaumeier wollten das dann mit oder ohne die Vorstände der jeweils in Frage kommenden Organisationen realisieren…
    Werde das SPD-Programm diesbezüglich nochmal zu Rate ziehen. Könnte sein, dass ich da was überlesen hatte…
    lernwilliger Gruß
    hilse

  36. 36 systemcrash 11. Januar 2012 um 18:33 Uhr

    „Einige Komintern-Schlaumeier wollten das dann mit oder ohne die Vorstände der jeweils in Frage kommenden Organisationen realisieren…“

    die korrekte komintern-linie ist einheitsfront von oben. also unter einbeziehung der vorstände.

    die spätere „einheitsfront von unten“ ist eine ultralinke (sektiererische) abweichung der stalinisierten komintern der dritten periode („sozialfaschismus“).

    ob die SPD noch eine „arbeiterpartei“ ist, ist auch unter „trotzkisten“ umstritten. ich neige zur position, dass sie es NICHT MEHR IST.

  37. 37 Frank Braun 12. Januar 2012 um 2:49 Uhr

    Liebe GenossInnen,

    und dann speziell:

    @Uwe

    irgendwie finde ich deine Frage geradezu symbolisch sympathisch, weil sie so konkret ist. Konkret aber ist leider ein Plan für eine Zusammenarbeit einzelner antikapitalistischer Gruppen und v.a. jene der revolutionären Linken eher nicht.
    Jedenfalls, wir hier von der SoKo, verlangen von jedem/r, der/die sich zugehörig fühlt, genau zwei Euro im Monat. Wenn wir Sonderausgaben haben, weil wir Wochenendseminare machen oder von uns welche hier oder dorthin fahren, um unser Ding vorzustellen, dann sammeln wir. Oder einzelne, die Kohle haben, geben sie halt her. Das geht bestimmt besser und durchdachter, wenn wir bundesweit (!) und viele wären…

    @Wat.

    Du schreibst: „Mein Ansatz ist die mögliche Vereinigung eben dieser vielen Gruppen in ihren Aktionen.“.
    Das ist schon ok, ich wünsche mir das auch – für heute, jetzt und hier. So ist der Orga-Vorschlag der SoKo zu verstehen. Wer sich als revolutionäre AntikapitalistInnen da einbringen möchte und womit, wird sich dann zeigen. Dann werden wir auch mehr oder minder kluge Strömungen haben, die eben mehr oder minder starke Verankerung unter den ‚Massen’ haben (Tino P. von heute abend hat mein vollstes Verständnis, wenn er gegen linkes Maulheldentum polemisiert).
    Das und der Einsatz von engagierten und talentierten GenossInnen wäre das Wünschenswerte. Soweit sind wir aber noch gar nicht. Ausgangspunkte müssen natürlich programmatische Essentials sein, etwa die SIB-Essentials – und dann geht’s weiter. Das ‚Bochumer Programm’ krankt an Muffensausen, was genauso schlimm ist wie Abwarten.
    K.H.-Schubert hat es schon – in meinem Sinn – gut zusammengefaßt. Es zählt die gute Portion kollektiver Praxis und deren sorgfältige Auswertung. Was ist daran so problematisch oder gar risikoreich ?

    Gruß
    Frank Braun, SoKo-Köln

  38. 38 Wat. 12. Januar 2012 um 12:29 Uhr

    @Frank Braun

    K.H.-Schubert hat es schon – in meinem Sinn – gut zusammengefaßt. Es zählt die gute Portion kollektiver Praxis und deren sorgfältige Auswertung. Was ist daran so problematisch oder gar risikoreich ?

    Guckst Du bitte hier, das ist – in meinem Sinn – die Reaktion auf @Khs:

    Plädoyer für die Verteidigung und Entwicklung des „Bochumer Programms“

    Liebe Grüße – Wat.

  39. 39 Querverweis 12. Januar 2012 um 23:42 Uhr

    „Organisationsfragen sind programmatische Fragen“

    Stellungnahme von Michael Schilwa

    zum SoKo-Vorschlag:

    http://arschhoch.blogsport.de/2012/01/12/organisationsfragen-sind-programmatische-fragen/.

  1. 1 Wird 2012 der Beginn der „Vereinigung der subjektiven Revolutionäre“? « WAS TUN: PLATTFORM FÜR MARXISTISCHE KONVERGENZ Pingback am 12. Januar 2012 um 13:44 Uhr
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