Anmerkung zur „Kommune Bochum“

1. Was ist das Ziel der Produktion?
Im Kapitalismus ist das Ziel der Produktion der größtmögliche Profit für den/die Kapitalisten. Darüber sind sich die meisten Linken einig.
Im Sozialismus/Kommunismus ist das Ziel der Produktion die Befriedigung der Bedürfnisse. Auch darüber sind sich die meisten Linken einig.
Was unter „Befriedigung der Bedürfnisse“ zu verstehen sei, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Die Traditionslinke meint: Eine irgendwie legitimierte Avantgarde analysiert und definiert die Bedürfnisse und organisiert dementsprechend die Produktion. Durch die Definition der Bedürfnisse der Gesellschaft wird diese Avantgarde zwangsläufig, ob sie will oder nicht, zu Herren über die Gesellschaft. Aus ihrer Definitionsmacht folgt notwendig wirtschaftliche Macht. Aus der wirtschaftlichen Macht folgt soziale und politische Macht. Davon abgesehen schafft es keine Minderheit, die Bedürfnisse von Allen (der Gesellschaft) zu erkennen und zu „managen“. Das hatte schon Marx gewusst, wenn er schreibt: „Nur wo die Produktion unter wirklicher vorherbestimmender Kontrolle der Gesellschaft steht, schafft die Gesellschaft den Zusammenhang zwischen dem Umfang der gesellschaftlichen Arbeitszeit, verwandt auf die Produktion bestimmter Artikel, und dem Umfang des durch diese Artikel zu befriedigenden gesellschaftlichen Bedürfnisses.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 197.

Anders die ökologische Linke. Die ökologische Linke kritisiert zu Recht die bestehenden „kapitalistischen Bedürfnisse“. Ihr Appell nach einer allgemeinen Änderung der privaten und öffentlichen Bedürfnisse ist gut gemeint, aber unrealistisch, weil dieser Appell die materielle Basis dieser Bedürfnisse ignoriert.

Die „Kommune Bochum“ nimmt einen anderen Ansatz.
Die „Kommune Bochum“ sieht die Veränderung der Bedürfnisse nicht als Voraussetzung einer nachkapitalistischen Wirtschaft, sondern vielmehr als ihre Folge. Und: Die „Kommune Bochum“ legt die Definition der Bedürfnisse in die Hände aller Genossenschaftler. Dazu Karl Marx:
„Gesellschaftliche Produktion heißt, … dass die Gesellschaft, wie nach einem Plan, ihre Produktionsmittel und Produktivkräfte verteilt in dem Grad und Maß wie nötig zur Befriedigung ihrer verschiedenen Bedürfnisse, so dass auf jede Produktionssphäre das zur Befriedigung des Bedürfnisses, dem sie entspricht, nötige Anteil des gesellschaftlichen Kapitals falle.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert II, MEW 26.2, 529.

Ziel der sozialistischen bzw. kommunistischen Produktion ist die Deckung des wirklichen, das heißt gemeinschaftlich bestimmten Bedarfs durch die gemeinschaftliche Produktion. Das ist schon (fast) alles, was man über die nachkapitalistische Wirtschaft wissen muss.

Die zweite, schon weniger wichtige Frage, ist:
2. Wie geschieht die gesellschaftliche Buchführung?
Dazu Karl Marx:
Unter den Voraussetzungen der Deckung „von Nachfrage und Zufuhr, von Produktion und Konsumtion; in letzter Instanz proportionale Produktion, … so wird die Geldfrage ganz sekundär, und speziell die Frage, ob Scheine, blaue oder grüne, blecherne oder papierene ausgegeben werden oder in welcher anderen Form die gesellschaftliche Buchführung gehandhabt wird.“ K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 71.

In seiner Kritik des Gothaer Programms erläuterte Karl Marx ein Verteilungsmodell, das auf der individuellen Ebene ansetzt: Dort bekommt jeder Einzelne in dem Maße einen Anteil des gemeinschaftlichen Produkts wie er in Arbeitszeit (und nach Qualifikation) zur gesellschaftlichen Produktion beiträgt. Marx sagt dazu, dass diese Buchführung auf individueller Ebene ein Mangel und ein „Missstand“ sei, der baldmöglichst beseitigt werden müsste.
Deshalb plant und bucht die Kommune Bochum auf der Ebene der Kommune. Auf Kommuneebene werden „die Produktionsmittel und Produktivkräfte verteilt in dem Grad und Maß wie nötig zur Befriedigung ihrer verschiedenen Bedürfnisse“. Auf der Kommuneebene wird überprüft, ob „auf jede Produktionssphäre dem zur Befriedigung nötige Anteil der gesellschaftlichen Arbeit falle.“ (sinngemäß bei Karl Marx, MEW 26,2, 529)

Kurz: Die „Kommune Bochum“ geht nicht über das hinaus, was Karl Marx über die sozialistische und kommunistische Wirtschaft gedacht und geschrieben hat. Sie macht die Gedanken und Vorschläge von Marx nur anschaulich.

Gruß Wal Buchenberg

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11 Antworten auf „Anmerkung zur „Kommune Bochum““


  1. 1 DGS / TaP 05. Januar 2012 um 13:00 Uhr

    Nur mal zu dem ersten Satz, da ich den vorgehenden Text zur „Kommune Bochum“ noch nicht gelesen habe:

    „Im Kapitalismus ist das Ziel der Produktion der größtmögliche Profit für den/die Kapitalisten. Darüber sind sich die meisten Linken einig.“

    Solange nicht deutlich gesagt wird, in welchem Sinne hier „Profit“ – im marxistischen oder in einem losen, moralisierend anti-kapitalistischen oder kapitalismus-kritischen Sinne? – verwendet wird, ist damit nicht viel gesagt.

    Auch „für den/die Kapitalisten“ bietet Einfallstore für eine moralisierende und personalisierende Kapitalismus-Kritik.

    Sollen derartige Einfallstore geschlossen werden (und m.E. sollten sie geschlossen werden), so muß dazu gesagt werden,

    -- daß Mehrwert (bezogen auf das variable Kapital) und Profit (bezogen auf das gesamte Kapital) die spezifische Form ist, die das Mehrprodukt unter kapitalistischen Verhältnissen annimmt

    und

    -- daß sich die kapitalistische Produktionsweise als spezifische Form u.a. dadurch auszeichnet, daß das Mehrprodukt nicht mehr in erster Linie dem Konsum oder der Schatzbildnerei der herrschenden Klasse, sondern der Akkumulation von Kapital.

  2. 2 khs 05. Januar 2012 um 13:24 Uhr

    Mit diesem Bochumer Kommune Modell verhält es sich wie mit dem Bochumer Programm. Wal Buchenberg liefert einen Schwall von ideologischen Erläuterungen zur Legitimation hinterher, weil der jeweilige Text – gelinde gesagt – mißverständlich ist.

    Deswegen direkt zum Modell. Dort schreibt er:

    „Ich gehe davon aus, dass die Kommunikations- und Produktionsmittel inzwischen soweit entwickelt sind, dass im 21. Jahrhundert diese „erste Phase der kommunistischen Gesellschaft“ vielleicht nur wenige Wochen oder Monate dauert und deshalb in Modell der „Kommune Bochum“ keine Rolle spielt.“ Dies als historische Voraussetzung des Modells genommen ist Ausdruck eines völlig reduzierten Blicks auf die Klassenwirklichkeit.

    Staat, Klassenherrschaft – militärisch, ideologisch, politisch, Patriarchat weltweite Verflochtenheit des hiesigen Kapitals usw. müssen in einem revolutionären Prozess aufgehoben werden. Das werden Kämpfe um Macht und Herrschaft sein, zumindest lehrt uns dies die bisherige Geschichte der Klassenkämpfe. Auch mit Konterrevolution ist zu rechnen. In diesem Prozess muss sich das Proletariat als „Klasse für sich“ bewähren, sonst ist es sowieso Essig mit der Selbstverwaltung, von der Wal Buchenberg jetzt schon weiß, dass sie sich aus kommunalen Rechnungsstellen bildet, die die „Aufträge für den privaten Bedarf“ sammeln und addieren.

    Und noch eine persönlich Bemerkung dazu: In der „Bochumer Kommune“, wo ich meine persönlichen Bedürfnisse strukturiert nach Gablers Wirtschaftslexikon bei einer regionalen Rechnungsstelle melden muss, möchte ich sowieso nicht leben.

  3. 3 Wat. 05. Januar 2012 um 16:50 Uhr

    @khs

    Ich denke, wir gucken aus unterschiedlichen Blickwinkeln/Ausgangspunkten auf die Kommune…

    Wenn ich heute hier stehe und denke: Ok, ab Morgen „machen wir kommunale Selbstverwaltung“, dann dürfte alles stimmen, was Du anmerkst.
    Weil da ja die Kommune nicht Ergebnis dafür ‚vorweggenommener‘ Teil der Emanzipation ist.

    Dass das nichts würde, da ginge ich vollständig konform.

    Kommunale Selbstverwaltung ist aber eben nicht Ausgangspunkt, es wäre (ein) Ergebnis der sozialen Emanzipation der Klasse, des revolutionären Prozesses.

    Und dann finde ich die Einschätzung von Wal, „dass die Kommunikations- und Produktionsmittel inzwischen soweit entwickelt sind, dass im 21. Jahrhundert diese „erste Phase der kommunistischen Gesellschaft“ vielleicht nur wenige Wochen oder Monate dauert“ eben gerade nicht als reduzierten Blick auf die Klassenwirklichkeit.

    Die heutige Klassenwirklichkeit spielte eine Rolle, wenn wir unter den heutigen Bedingungen sofort ‚mechanisch‘ mit der Umsetzung der kommunalen Selbstverwaltung beginnen wollen würden.

    Die Klasse muss aber erst einmal zur handelnden Gesamtklasse in einem revolutionären, also ihrem sozialemanzipatorischen, Prozess werden.
    Handelnde Gesamtklasse werden, das muss einer Revolution vorausgehen – dabei werden die Menschen dann alles ‚erleben‘, was ihr erfahrungsgemäß prophezeit inkl. ‚Konterrevolution‘.

    Sozialismus ist der Endpunkt dieses revolutionären Prozesses, nicht der Anfang. Deshalb hatte ich mich hier auch immer so vehement gegen einen ‚vorgezogenen‘ Revolutionären Bruch gestellt.

  4. 4 khs 05. Januar 2012 um 18:12 Uhr

    Hallo Wat,

    Du schreibst: „Die heutige Klassenwirklichkeit spielte eine Rolle, wenn wir unter den heutigen Bedingungen sofort ‚mechanisch‘ mit der Umsetzung der kommunalen Selbstverwaltung beginnen wollen würden.“

    Hier geht es nicht um „mechanische Umsetzung“, sondern um die Formen von proletarischer Selbstorganisation, die hier in der BRD bereits existieren – wenn auch embryonal als Vorformen von Aneignung zum Zwecke der zukünftigen Selbstverwaltung(*). Sich mit diesen Kräften zusammenzuschließen, mit ihnen gemeinsam politische Erfahrungen zu sammeln und aufzuarbeiten, ist hundert mal mehr, als seine Weisheiten (fast) nur aus den blauen Bänden und dazu passenden oder passend gemachten Statistiken zu ziehen. Vor dieser Frage „Hinwendung zur Praxis und Teilhabe an den Klassenkämpfen – ja oder nein?“ drückst Du freundlicherweise herum. Deshalb nochmal:

    „Vielmehr halte ich es für unabdingbar, solch ein Programm in einem klar strukturierten und organisierten Theorie-Praxis-Verhältnis zu entwickeln, d.h. kollektive planvolle Teilnahme an den Klassenkämpfen unter der Maßgabe sie zu untersuchen und dabei den Selbstorganisationsprozess der Klasse voranzutreiben.“

    An dem Verhältnis von Theorie und Praxis scheint Dich/Euch nur und zwar nur die Theorie zu interessieren.

    mrg
    khs

    *) Siehe dazu die diversen Stadtteilgruppen in Berlin, Hamburg usw im Kampf gegen den kap. Stadtumbau – oder: Zusammenschlüsse entlang des Lohnarbeitsverhältnisses: oppositionelle Betriebsgruppen, Labournet, FAU, ERwerbslosenbewegung etc. oder die vielen lokalen Sozialrevolutionären Zirkel, die ihre sozialen Räume gegen Nazis verteidigen und und und…. und last not least die Umsonstläden und sonstige alternative Ökonomien….
    KONSEQUENTERWEISE wird in diesem Sinne in diesem BLOG vorgeschlagen 2012 Foren der „Subjektiven RevolutionärInnen“ durchzuführen, um Schnittstellen für eine gemeinsame und verbindliche Praxis zu finden.

  5. 5 Wat. 05. Januar 2012 um 18:17 Uhr

    Hallo khs

    Du schreibst:

    Vor dieser Frage „Hinwendung zur Praxis und Teilhabe an den Klassenkämpfen – ja oder nein?“ drückst Du freundlicherweise herum. Deshalb nochmal:

    „Vielmehr halte ich es für unabdingbar, solch ein Programm in einem klar strukturierten und organisierten Theorie-Praxis-Verhältnis zu entwickeln, d.h. kollektive planvolle Teilnahme an den Klassenkämpfen unter der Maßgabe sie zu untersuchen und dabei den Selbstorganisationsprozess der Klasse voranzutreiben.“

    Ich drücke mich davor herum – klar, deshalb habe ich ja auch das Bochumer Programm mitverfasst, da geht es ausschließlich um die Hinwendung zu Praxis und Teilnahme an den Klassenkämpfen.
    Scheint Dir noch nicht aufgefallen zu sein, allerdings verstehe ich dann nicht, warum Du da immer den Theorie-Teil vermisst.^^

    Die Selbstorganisation der Klasse treibe ich damit voran, dass ich mich an den Kämpfen der Klasse beteilige.

    An allen Kämpfen der Klasse!

    Nicht nur an denen, die aus einem klar strukturierten und organisierten Theorie-Praxis-Verhältnis entwickelt wurden.

    Unsere planvolle Teilnahme bestünde darin, dass wir als antikapitalistische Kräfte gemeinsam daran teilnehmen.

    Dass wir als antikapitalistische Kräfte gemeinsam daran teilnehmen können, geht es gerade nicht darum, die unterschiedlichen Begründungen für den antikapitalistischen Kampf in einem Aktions- bzw. Einheitsfront-Programm breitzutreten, diese würden uns trennen – es steht die Fokussierung auf die Klasse in Mittelpunkt. Da kann, so er es ernst mit seinem Antikapitalismus meint, jeder mitmachen.

    Wer aber meint, dass da nur bestimmte Kämpfe unterstützenswert sind, dem geht es wenigstens nach meiner Auffassung gar nicht um die Klasse – dem geht es um sich und seine (vermeintlichen) Ziele.

    Alle Antikapitalistischen Kräfte meint: Alle Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten etc. mit ihren unterschiedlichen Programmen und Positionen.
    In der Aktion müssen wir uns einig sein mit der Klasse.

    Wenn sich nebenher dann Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten etc. innerhalb ihrer Organisationen auch noch neue Programme geben wollen, die alles so zu verbuchen haben, wie sie meinen, dass das ihr besonderer ‚Kampfauftrag‘ ist, kann und will ich sie nicht hindern.
    Aber eine gemeinsame Antikapitalistische Organisation muß auf diese Details verzichten, wenn sie schlagkräftig mit der Klasse sein will.
    Ich verstehe uns als die, die Teile der Klasse in Aktionen verbinden – nicht als die, die bestimmte Aktivisten ausschließen.

    Es sollen auf der Grundlage dieses Programmes so viele mitmachen können, wie nur irgendmöglich.
    Wenn sie sich entschließen, das nicht zu tun, ihre Sache – das Programm schließt nicht aus.

    Liebe Grüße – Wat.

    PS Im übrigen würde ich es langsam begrüßen, wenn Du konkrete Vorschläge, entweder für ein anderes Programm oder für weitere Textzeilen des Bochumer Programms machen würdes – vielleicht kämen wir dann auch mal vom Fleck…

  6. 6 khs 05. Januar 2012 um 20:28 Uhr

    Hallo Wat,

    wenn Du auf meine Frage nach der „Praxis“ anwortest, die sei doch mit dem Bochumer Programm beantwortet, „da geht es ausschließlich um die Hinwendung zu Praxis und Teilnahme an den Klassenkämpfen.“ also dann muss ich was überlesen haben.

    Vielleicht kannst Du mir ja die Textstelle im Programm zeigen, wo das steht. Oder meinst Du, wenn eine handvoll Leute in den Sphären des Internets sich ein paar Forderungen ausdenkt und Programm darüber schreibt, das wäre schon die „Hinwendung“ zur Praxis bzw. zum Proletariat?

    Befremdlich ist Deine bestimmende Bitte an mich:
    „Im übrigen würde ich es langsam begrüßen, wenn Du konkrete Vorschläge, entweder für ein anderes Programm oder für weitere Textzeilen des Bochumer Programms machen würdest – vielleicht kämen wir dann auch mal vom Fleck…“

    Das soll wohl ein schlechter Witz sein? Seit wann müssen denn TheaterkriterInnen gleich ein neues Stück schreiben, wenn sie sich erlauben, eine schlechte Aufführung nicht abzufeiern?

    Gleichwohl. Hättest Du meine Kritik am „Bochumer Programm“ aufmerksam gelesen, dann wären Dir mindestens vier programmatische Vorschläge aufgefallen:

    1) zu Bildung
    „Dann allerdings würde es darum gehen, aufzuzeigen, wie das Kapitalverhältnis (bes. heute im Hinblick auf die BRD-Staatsschule) sukzessive alles, was mit Bildung zusammenhängt, zur Ware werden lässt. Gegen diese Entwicklung wäre die Figur des proletarischen Klassenindividuums zu stellen, dem das Recht aus lebenslanges Lernen gesellschaftlich alimentiert zusteht, weil Lernen nicht nur ein individuelles Bedürfnis sondern eine gesellschaftlich notwendige Tätigkeit ist“.

    2) zu Arbeitslosigkeit
    „Dies könnte z.B. die Forderung nach einem „Existenzgeld“ sein, das von den Verursachern zu zahlen ist, nämlich von den KapitalistInnen, während die Verwaltung der Gelder bei den Organen der proletarischen Klasse läge. Die Höhe dieses Einkommens wäre sodann durch die Reproduktionskosten der Ware Arbeitskraft zu bestimmen.“

    3) zur Abschaffung des Beamtentums
    „Es käme m. E. heute gar nicht so sehr darauf an, die Abschaffung des Beamtentums zu fordern, sondern Losungen zu formulieren, die von ihrer Zielrichtung her die Staatlichkeit vor allem auf dem Feld der Herrschaftssicherung und Machtausübung einschränken. Ja, es wäre sogar eine Überlegung wert, der rasanten Aushöhlung der Rechte der Parlamente propagandistisch entgegen zu treten, wenn man den Kampf um demokratische Rechte führen will.“

    4) zur Streikfreiheit
    „Was es also zu fordern gilt, ist nicht die „Streikfreiheit“ sondern das politische Streikrecht – übrigens ein Recht, was es nicht nur in anderen EU-Ländern gibt, sondern eines, was von Teilen der hiesigen ArbeiterInnenklasse (z.B. IG Bau Grundsatzprogramm 2009) sowieso zunehmend gefordert wird.“

    Die restlichen Vorschläge sind in Form von Fragen an Euch formuliert.

    Mehr an Vorschlägen war nicht drin, denn die Prinzipien, die Ihr mit Euern Programm transportiert, sind es eher wert als fehlerhaft zurückgewiesen zu werden, anstatt noch weitere Vorschläge zu formulieren.

    Und ganz grundsätzlich ein Programm entsteht nicht jenseits der Klassenkämpfe, also werde ich mich hüten ein solches allein zu schreiben.

    Alles weitere auf unserer Veranstaltung am

    Sonntag, den 22. Januar 2012, um 17 Uhr
    Café Commune, Reichenberger Str. 157 in 10999 Berlin

    Zum Thema: Das „Bochumer Programm“ – ein Vorschlag oder mehr?

    P.S. Ich mach jetzt erstmal mit Postings im SIB-Blog Pause, weil – das verlangen zurecht die hiesigen Netikette.

  7. 7 Wat. 05. Januar 2012 um 20:47 Uhr

    @khs

    „Vielleicht kannst Du mir ja die Textstelle im Programm zeigen, wo das steht. Oder meinst Du, wenn eine handvoll Leute in den Sphären des Internets sich ein paar Forderungen ausdenkt und Programm darüber schreibt, das wäre schon die „Hinwendung“ zur Praxis bzw. zum Proletariat?

    Befremdlich ist Deine bestimmende Bitte an mich:
    „Im übrigen würde ich es langsam begrüßen, wenn Du konkrete Vorschläge, entweder für ein anderes Programm oder für weitere Textzeilen des Bochumer Programms machen würdest – vielleicht kämen wir dann auch mal vom Fleck…“

    Ja, das denke ich – und ich bin davon überzeugt – wenn sich mal jemand aus Sicht der Hinwendung zur Praxis der Klasse außer uns paar vorschlagunterbreitenden Personen beschäftigen, dann kommen da auch noch konkrete Punkte als Forderungen dazu, die bis jetzt nicht aufgeschrieben sind.

    Du hast in der Kritik am Programm vor wenigen Tagen auf den Inhalt des Programms bezug genommen – daraus konnte ich zweifelsfrei entnehmen, dass es Dir um etwas ganz anderes geht, als ein Aktions- bzw. Einheitsprogramm aller antikapitalistischen Kräfte.

    Wenn ich „Streikfreiheit“ fordere, meint das alle Arten Streik – ich will nicht nur ein „Politisches Streikrecht“, ich will die Freiheit zu streiken, wie es der Klassenkampf erfordert.

    Im übrigen zahlen auch jetzt schon die Kapitalisten unser(e) Existenzgelder – vom Lohn bis zu Hartz4.

  8. 8 systemcrash 05. Januar 2012 um 22:42 Uhr

    „Im übrigen zahlen auch jetzt schon die Kapitalisten unser(e) Existenzgelder – vom Lohn bis zu Hartz4.“

    und ich dachte immer, die einzige quelle der wertschöpfung sei die lohnarbeit der arbeiterInnen-klasse… was bin ich doch für ein doktrinärer marxist ;)

  9. 9 Wat. 05. Januar 2012 um 22:44 Uhr

    Richtig @systemcrash, aber im Kapitalismus gehört nach der Wertschöpfung der Lohnarbeiter alles den Kapitalisten.

  10. 10 systemcrash 05. Januar 2012 um 22:52 Uhr

    „Richtig @systemcrash, aber im Kapitalismus gehört nach der Wertschöpfung der Lohnarbeiter alles den Kapitalisten.“

    genau dieses „recht“ gilt es ja in abrede zu stellen. und das beginnt bereits mit der korrekten sprache. also nicht die kapitalisten „zahlen“, sondern ein teil der wertschöpfung der arbeiter wird für gesellschaftliche aufgaben (sozialversicherung) umgelegt und nur ein kleiner teil (das reproduktionsniveau) geht in den lohnfond ein.

    ansonsten sind auch sehr interessant die ausführungen von friedrich engels zu den begriffen „arbeitnehmer“ und „arbeitgeber“:

    „Es konnte mir nicht in den Sinn kommen, in das „Kapital“ den landläufigen Jargon einzuführen, in welchem deutsche Ökonomen sich auszudrücken pflegen, jenes Kauderwelsch, worin z.B. derjenige, der sich für bare Zahlung von andern ihre Arbeit geben lässt, der Arbeitgeber heißt, und Arbeitnehmer derjenige, dessen Arbeit ihm für Lohn abgenommen wird. Auch im Französischen wird travail im gewöhnlichen Leben im Sinn von „Beschäftigung“ gebraucht. Mit Recht aber würden die Franzosen den Ökonomen für verrückt halten, der den Kapitalisten donneur de travail, und den Arbeiter receveur de travail nennen wollte.“

    (Friedrich Engels [1820-1895]: Zur dritten Auflage von Marx‘ „Das Kapital“, 1883)

  11. 11 systemcrash 08. Januar 2012 um 12:19 Uhr

    unabhängig von den wirtschaftstheoretischen aspekten der „kommune bochum“ frage ich mich ernsthaft, ob man „bedürfnisse“ von vornherein „festlegen“ kann. marx hatte gute gründe, seine kritik als (negative) kritik des kapitalismus zu verfassen, und nicht als (positive) utopie einer irgendwie gearteten „besseren gesellschaft“. natürlich lassen sich leicht essen, trinken, schlafen, wohnen etc als bedürfnisse ausmachen. obwohl auch da schon eine menge „individueller“ faktoren miteinfliessen, die man kaum „planen“ kann. aber die meisten bedürfnisse haben eine subtile psychologische ebene, die man gar nicht mit einer „wirtschaftstheorie“ erfassen kann. jeder hat bestimmt schon mal die erfahrung gemacht, dass er einfach was gekauft hat, weil er/sie damit ein „gutes gefühl“ bekommen hat. natürlich hängt dies auch mit den „marketingcharakteren“ in kapitalistischen gesellschaften zusammen. aber man kann davon ausgehen, dass solche „muttermale“ noch eine ganze weile bestand haben. für mich klingt die kommune bochum eher nach dem china der „kulturrevolution“ als nach einer erstrebenswerten „sozialistischen gesellschaft“. der ostblock ist nicht zuletzt auch darum zusammengebrochen, dass den menschen dort ständig der unterschied zwischen potentiell jederzeitiger konsummöglichkeit und ihrer eigenen mangelwirtschaft vor augen gehalten wurde. in der zeit, wo man versucht, mühselig bedürfnisse zu erfassen, zu planen und zu verteilen würde schon ein grossteil der zur verfügung stehenden gesamtarbeitszeit draufgehen. so etwas wäre ein bürokratischer wasserkopf par excellence, auch wenn man tausendmal die „rätedemokratie“ in den mund nimmt. dieselben leute, die hier ständig den kampf gegen den „staatsautoritäten sozialismus“ auf ihre fahnen schreiben, produzieren solche kindischen „modelle“, anstatt sich auf die wesentlichen fragen des NAO prozesses zu konzentrieren.

    meines erachtens ist es höchste zeit, dass von seiten der initiatoren ein paar programmatische pflöcke in den boden geschlagen werden, auch wenn sie sich da in der vergangenheit zurückgehalten haben. niemand verlangt von der SIB, einen programmentwurf zu schreiben, aber die diskussion bedarf verbindlicher „haltelinien“, an der sie sich orientieren kann. ansonsten zerfasert das ganze ins uferlose.
    die „entschleunighung“ hat inzwischen die qualität des stillstands erreicht. habt endlich den mut, zu sagen:

    LIEBER KLEIN UND FEIN ALS BREIT UND SCHWAMMIG ! ;)

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