Kommunistische Organisierungsdebatte? Na endlich!

Ein Beitrag der internationalen Kommunist_innen zum aktuellen Stand der Organisierungsdebatte

Mit dem Beitrag der „Sozialistischen Initiative Berlin“ (SIB) hat die Debatte um eine „Neue Antikapitalistische Organisation“1, die bei Trend schon seit längerer Zeit geführt wird, deutlich an Lebendigkeit gewonnen. Inzwischen gibt es eine Reihe von Beiträgen, die sich an der Debatte beteiligen.
Wir begrüßen die Tatsache an sich, dass nun ein paar Gruppen und Einzelpersonen die Notwendigkeit einer verbindlichen antikapitalistischen Organisierung2 zur Intervention und Zuspitzung gesellschaftlicher Auseinandersetzungen und zur Formierung grundsätzlicher und fundierter Gesellschaftskritik betonen. Und wir begrüßen, dass sich bereits über die Rahmenbedingungen eines antikapitalistischen Organisierungsprozesses ausgetauscht wird. An diesem Punkt möchten wir uns ebenfalls einklinken.
Unserer Meinung nach hat die Debatte eine Reihe von Fragen und Problemen aufgeworfen, weshalb wir uns jetzt mit diesem Beitrag zum aktuellen Stand der Diskussion positionieren und einige der Fragen aufgreifen wollen. Diesen Beitrag verstehen wir nicht als Grundsatzpapier. Wir wollen jedoch zu gegebener Zeit einen längeren inhaltlichen Text veröffentlichen.

1. Was wollen wir überhaupt für eine Art von Organisierung?

Das Ziel der aktuellen Debatte war es ursprünglich eigentlich, eine „Neue Antikapitalistische Organisation“ zu gründen, zumindest wurde dies von der SIB in ihrem Papier so formuliert. In der derzeitigen Diskussion scheinen sich jedoch zwei gegensätzliche Ansätze herauszukristallisieren:
a.) Antikapitalistische Organisierung, was aus unserer Perspektive eine kommunistische Orientierung impliziert
b.) Organisierung auf klassenkämpferischer Grundlage=“Klassenlinke“ (Ablehnung von Sozialpartnerschaft, keine Mitverwaltung der Krise und allgemeine sozialistische Orientierung ohne explizit revolutionäre Politik, diffuser Antikapitalismus)

2. Worin bestehen die Unterschiede zwischen einer antikapitalistischen Organisierung und einer Organisierung auf klassenkämpferischer Grundlage?

Vorneweg: Wir wollen als Gruppe zusammen mit anderen interessierten Gruppen und Einzelpersonen eine antikapitalistische Organisierung aufbauen.

a.) Was ist das Ziel einer antikapitalistischen Organisierung?
Für eine antikapitalistische Organisation steht das Ziel einer befreiten Gesellschaft und die Frage, wie wir dorthin kommen, im Vordergrund bei der Ausrichtung der theoretischen und praktischen Politik.

b.) Was ist eine Organisierung auf klassenkämpferischer Grundlage?
Hier steht im Gegensatz zu einer antikapitalistischen Organisierung der Aufbau und die Unterstützung gesellschaftlicher3 Kämpfe im Vordergrund. Ein allgemeiner Antikapitalismus spielt hier zwar eine Rolle, ist aber nicht das zentrale Ziel.

3. Warum sind eine antikapitalistische Organisierung und eine Organisierung auf klassenkämpferischer Grundlage ein Widerspruch?

Der Widerspruch besteht in dem Versuch, eine Organisierung aufzubauen, die beides sein will, aber am Ende nur eines sein kann: Entweder – oder!
Es ist aber kein Widerspruch, 2 unterschiedliche Organisierungen aufzubauen, eine antikapitalistische und eine klassenkämpferische. Wir haben uns als interkomms stets an unterschiedlichen klassenkämpferisch oder reformistisch ausgerichteten Bündnissen beteiligt wie das Mayday-Bündnis, der Klassenkampfblock oder das Berliner Antikrisenbündnis. Das ersetzt aber nicht die Notwendigkeit des Aufbaus einer antikapitalistischen Organisierung.

4. Aus welchem Verständnis heraus wollen wir praktische Politik betreiben, und was unterscheidet uns dabei von einer Organisierung auf klassenkämpferischer Grundlage?

Wenn wir uns gemeinsam mit Gewerkschaften, Reformist_innen oder klassenkämpferischen Bündnissen oder Organisierungen an gesellschaftlichen Auseinandersetzungen beteiligen, haben wir zunächst ein gemeinsames Ziel: Unmittelbare gesellschaftliche Verbesserungen.

Auch hier gibt es in der Regel bereits punktuelle inhaltliche Differenzen:

  • unterschiedliche konkrete Forderungen
  • unterschiedliche Perspektiven in Bezug auf gesellschaftliche Organisierungsprozesse und Vernetzungen

Die grundsätzliche Differenz besteht darin, dass wir uns vor dem Hintergrund einer kommunistischen Perspektive an gesellschaftlichen Auseinandersetzungen beteiligen.

Das bedeutet:

  • es ist nicht unser primäres Ziel, unmittelbare Verbesserungen durchzusetzen, das müssen Gewerkschaften und soziale Initiativen sowie die Betroffenen selber leisten. Dennoch unterstützen wir grundsätzlich gesellschaftliche Kämpfe
  • wir fördern zwar gesellschaftliche Organisierungsprozesse, verstehen uns aber nicht als „Organizer“
  • unser erstes primäres Ziel ist die Formulierung einer fundierten Kritik an den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen und die Agitation für den Kommunismus4. Es muss der Zusammenhang zwischen z.B. sozialen Verschlechterungen oder Wirtschaftskrisen, geschlechtlicher und rassistischer Diskriminierung und der kapitalistisch-bürgerlichen Wirtschaftsweise aufgezeigt werden sowie die Grenzen von gesellschaftlichen Kämpfen. Nur so kann ein Zusammenhang zwischen dem konkreten Alltag der meisten Menschen, konkreten Auseinandersetzungen und dem Verständnis, wie die zu überwindende Gesellschaft grundsätzlich funktioniert (und warum sie abgeschafft werden muss), hergestellt werden.

5. Wir wollen praktische Politik aus einer politischen Analyse heraus betreiben

Um es noch einmal zu betonen: Kommunistische Politik muss aus einer politischen Analyse der aktuellen gesellschaftlichen Situation und der bestehenden Gesellschaft entwickelt werden. Wir wollen nicht einfach jeder Bewegung hinterher rennen, die wir irgendwie sympathisch finden. Wenn wir etwas unterstützen oder mittragen, stellt sich für uns die Frage, welchen Beitrag wir leisten können, was das mit uns als Kommunist_innen zu tun hat, und was die Aktion jenseits von verpuffenden kurzfristigen Erfolgen aus kommunistischer Sicht wirklich bewirkt.

6. Was einigt die Mitglieder_innen einer kommunistischen Organisierung/Mit wem wollen wir uns antikapitalistisch organisieren?

Mit Menschen, die

  • die gleichen allgemeinen Ansichten über die Entwicklung der Geschichte haben (historischer Materialismus)
  • ein grundsätzliches Verständnis von der Funktionsweise der bestehenden Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse und der kapitalistischen Wirtschaftsordnung haben
  • die Auffassung vertreten, dass eine befreite Gesellschaft nur jenseits der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse durchgesetzt werden kann und hierfür ein revolutionärer Bruch mit dem alten System notwendig ist
  • und die Willens sind, aktiv am Aufbau einer kommunistischen Bewegung mitzuwirken, emanzipatorische soziale und politische Kämpfe voranzutreiben, zu unterstützen und zuzuspitzen und für eine befreite Gesellschaft zu kämpfen

Ausschlusskriterien:

  • Wer Klassenkämpfe und den Kampf gegen patriarchale und rassistische Unterdrückungsverhältnisse ablehnt
  • Wer die aktuelle kapitalistische Krise auf die Finanzmärkte reduziert und daher ein mangelhaftes Verständnis von der Funktionsweise der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und vom Zusammenspiel zwischen Produktions- und Finanzsphäre hat.
  • Wer den untergegangenen Systemen des Ostblocks hinterhertrauert
  • Wer Imperialismus nicht als ökonomischen Analysebegriff, sondern als Schimpfwort gegen kriegerische und aggressive westliche Staaten verwendet

7. Eine kommunistische Organisierung ist keine selbsternannte Avantgarde

Marx schrieb im Kommunistischen Manifest:

„Sie (Die Kommunisten) haben keine von den Interessen des ganzen Proletariats getrennten Interessen. … Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.“

In diesem bekannten Zitat steckt die Idee der politischen Avantgarde. Stalinisten unterschiedlicher Coleur haben sich durch bloßen Zwang und Gewalt zur selbsternannten Avantgarde erhoben.
Die ursprüngliche Bedeutung der Avantgarde ist jedoch eine positive:
Kommunist_innen sammeln die Erfahrungen aus unterschiedlichen Kämpfen über einen längeren Zeitraum, setzen sich mit Ursachen von Erfolgen und Misserfolgen auseinander, beschäftigen sich mit der Funktionsweise der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, seinen Problemen und Widersprüchen. Sie decken die Lügen und Illusionen der bürgerlichen Ideologie, des bürgerlichen Staates, des Kapitals und ihrer Vertreter, Parteien und Organisationen auf. Sie analysieren und kritisieren die Funktionsweise bürgerlicher Regime, des Staatsapparates mit all seinen Facetten usw. usf. In diesem Sinne verstehen wir das oben genannte Zitat aus dem Manifest, dass Kommunist_innen durch ihre konkrete politische Arbeit zum fortgeschrittensten Teil der Bewegung werden, weil sie aufgrund ihrer Erfahrungen, Kontinuität und inhaltlichen Grundlage ein tiefgreifendes Verständnis von den Zielen und Aufgaben gesellschaftlicher Kämpfe und einer revolutionären Perspektive haben.5
Denn das sind Dinge, die kein Individuum leisten kann, keine Gewerkschaft, keine spontane Interessensvertretung, keine „Bewegung der Empörten“, keine Studierendenvertretung, kein Stadtteilkomitee, kein alternatives Hausprojekt.
Hierzu ist eine langfristig angelegte und bewusste Organisierung auf einer klaren inhaltlichen Grundlage mit einer verbindlichen Struktur notwendig.

8. Wie ist das Verhältnis von Kommunist_innen zu gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und zur Klasse der Lohnabhängigen?

Kommunist_innen sind nicht die Lehrmeister_innen, die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und deshalb das dumme Volk aufklären müssten. Ob jemand ein politisches Bewusstsein hat oder nicht ist nicht alleine eine Frage von Intelligenz oder Dummheit.
Es gibt bestimmte gesellschaftliche Erfahrungen, die sich nicht einfach ignorieren lassen. Dazu gehört die Erfahrung, dass Menschen in der Regel aus sich selbst heraus nur ein gewerkschaftliches Bewusstsein entwickeln, also sich für unmittelbare Verbesserungen einsetzen. Das hängt damit zusammen, dass aufgrund bürgerlicher Ideologie und Lebensrealität bestimmte Vorstellungen innerhalb des Bestehenden als „logisches“ Alltagsbewusstsein erscheinen. Z.B. dass die aktuelle Krise durch Spekulanten oder eine falsche Politik verursacht worden wäre. Denn wer die Funktionsweise der kapitalistischen Ökonomie nicht infrage stellt, kommt schnell in die Versuchung, nach „Schuldigen“ zu suchen. Dieses Argument ließe sich mit beliebigen Beispielen ausführen, wir belassen es aber dabei.
Die besondere Aufgabe von Kommunist_innen als „Expert_innen“ auf dem Gebiet Antikapitalismus ist es deshalb, kommunistische Positionen von außen in die Kämpfe hineinzutragen (Lenin), um das gesellschaftliche Bewusstsein voranzutreiben. Gleichzeitig sind gesellschaftliche Auseinandersetzungen die beste Lehrschule für Revolutionär_innen, weil dort sichtbar wird, wie sich Kapitalismus konkret auf die Lebensbedingungen der Menschen auswirkt, weil dort Diskussionen stattfinden, und Erfahrungen mit den Kämpfenden und Protestierenden ausgetauscht werden. Die Aufgabe der Kommunist_innen ist es, diese teils sehr konkreten Erfahrungen zu sammeln, zu verallgemeinern und mit dem Hintergrund einer materialistischen Analyse auszuwerten und daraus praktische wie theoretische Konsequenzen zu ziehen. Indem Kommunist_innen ihre Positionen in die Kämpfe hineintragen und diese inhaltlich und organisatorisch unterstützen und gleichzeitig von den konkreten Erfahrungen der Lohnabhängigen lernen, werden sie gleichzeitig auch Teil der Kämpfe. Das ist es, was wir als dialektischen Austausch zwischen Kommunist_innen und den Teilnehmer_innen an gesellschaftlichen Auseinandersetzungen bezeichnen.

Dieser Text als .pdf-Datei

  1. Die Debatte wurde durch den Text „Neue Antikapitalistische Organisation ? Na endlich !“ von der SIB eröffnet (http://www.trend.infopartisan.net/trd0311/t550311.html). [zurück]
  2. Antikapitalistische Organisierung ist für uns gleichbedeutend mit revolutionärer oder kommunistischer Organisierung, also mit einer Organisierung, die die Überwindung der bestehenden Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse zum primären Ziel hat. Die Gleichsetzung von revolutionärer Organisierung mit kommunistischer Organisierung und die damit verbundene Ausgrenzung z.B. anarchistischer Strömungen ist für uns kein Festhalten an einem dogmatischen, verstaubten Label, sondern drückt eine inhaltliche Differenz aus. Uns geht es um ein bestimmtes Politikverständnis, welches wir als Gruppe vertreten und welches mit den unterschiedlichen Varianten anarchistischer Ideologie (z.B. Individualismus (das „freie“ Individuum), Spontaneismus, Syndikalismus, Demokratiefetisch, dogmatische Herrschafts-, Hierarchie- und Staatsfeindlichkeit) unvereinbar ist. Dass andere politische Strömungen ebenfalls einen antikapitalistischen Anspruch haben, der sich aber in einem anderen Politikverständnis widerspiegelt, können wir akzeptieren. Das schließt aber eine strategische Zusammenarbeit (antikapitalistische Organisierungsdebatte) aus, nicht jedoch auf eine Zusammenarbeit auf klassenkämpferischer Grundlage. [zurück]
  3. Unter gesellschaftlichen Kämpfen verstehen wir Kämpfe gegen konkrete gesellschaftliche Ausbeutung oder Unterdrückung, z.B. Arbeitskämpfe, antisexistische Kämpfe oder Proteste von Flüchtlingen. [zurück]
  4. Unter Kommunismus verstehen wir eine weltgesellschaftliche Formation ohne Staat, Herrschaft und Ausbeutung. Die Wirtschaft wird nach den gesellschaftlichen Bedürfnissen transnational geplant. Zum Kommunismus gehört für uns ausdrücklich auch die Abschaffung von Rassismus, Antisemitismus und Patriarchat, die mit der Überwindung des Kapitalismus keineswegs von alleine verschwinden, da sie eigenständigen Ursprungs sind. [zurück]
  5. Im Rahmen dieses Textes belassen wir es bei dieser kurzen Ausführung. [zurück]
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22 Antworten auf „Kommunistische Organisierungsdebatte? Na endlich!“


  1. 1 Frank Braun 01. Januar 2012 um 22:06 Uhr

    Liebe InterKomms,

    den von Euch definierten Widerspruch zwischen antikapitalistischer Organisation/Organisierung auf der einen und auf lediglich ‚klassenkämpferischer’ Grundlage auf der anderen Seite verstehe nicht. V.a. weil ihr ein ‚Gegensatz‘ konstruiert.
    Um es gleich vorweg zu nehmen, ich akzeptiere und verstehe und fordere selbst, daß jede/r KommunistIn stets und unter allen Umständen an einer eigenständigen kommunistischen Organisation/Organisierung festhalten muß. Das finde ich auch sehr sympathisch. Gleichwohl weiß ich, daß es – zumal heute – eine noch viel größere Anzahl von konsequenten KämpferInnen gegen den Kapitalismus und seinen Auswirkungen außerhalb von dezidiert kommunistischen Gruppen und Strömungen gibt.
    Das hat sicher auch zu tun mit dem Disaster, welches uns allen Jahrzehnte lang als realer Sozialismus verkauft worden war und was noch längst nicht gründlich und glaubwürdig genug kritisiert worden ist.
    Man kann es auch umfassender beschreiben: Der Kommunismus in seiner realen Erscheinung, seine Strömungen und Gruppen, wird heutzutage gesamtgesellschaftlich nicht gerade als positive Vision wahrgenommen – nicht nur wegen dem Disaster, sondern weil sich gegenwärtig auch sonst nicht soviel Überzeugungskraft damit verbindet.
    Dennoch muß, da sind wir uns sicher einig, auf der Ebene der Entwicklung von Klassenkämpfen praktisch gehandelt werden, auch von KommunistInnen. Da kann es doch wohl keine arbeitsteilige Delegierung von ‚Klassenkampfmanagement’ an irgendwelche GewerkschafterInnen oder ReformistInnen geben. Wenn du nicht selber deinen Schädel hinzuhalten bereit bist, wirst du nicht glaubwürdig sein.

    Also muß gehandelt werden und muß klug gehandelt werden, damit bei all der Mühsal auch etwas herauskommt – es muß kollektiv, dauerhaft und stetig und strömungsübergreifend sein. Sollten nicht KommunistInnen heute diejenigen sein, die diese kollektiven, dauerhaften und stetigen strategischen Bündnisse aufzubauen in der Lage sind ?
    Ich selber gehe davon aus, daß es zwei Aufgaben sind, die ein/e KommunistIn heute zu erledigen hat: Im wohlverstandenen Sinn kommunistische/r Avantgardist/in zu werden und zu bleiben und dennoch – gerade heute – eine Menge Kräfte für ein revolutionäres, breites antikapitalistisches Bündnis zu mobilisieren.
    Was hindert Euch, liebe GenossInnen, Euch als kommunistische Strömung, als ‚Experten des Klassenkampfes’ wie ihr es nennt, in ein noch zu schaffendes breites, antikapitalistisches Bündnis einzubringen. Wie hieß noch einst im Manifest:
    „Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.“

    Kneift nicht. Zeigt doch mal, was ihr auf diesem Gebiet könnt. Ich mache mit.

    Solidarische Grüße
    Frank Braun, Köln, SoKo

  2. 2 uwe 02. Januar 2012 um 0:04 Uhr

    mal was anderes und ganz allgemein.
    muß es eigentlich immer sein, das in texten die deutsche muttersprache verhunzt wird? ich glaube nicht, das damit eine reale gleichberechtigung herbei geführt werden kann. mich erinnert das an orwells neusprech.

  3. 3 Gerion 02. Januar 2012 um 1:04 Uhr

    Hallo uwe,

    Was meinst du denn genau? Das mit den KommunistInnen oder was?

    MfG. Gerion

  4. 4 Wal Buchenberg 02. Januar 2012 um 10:14 Uhr

    Der Text ist strukturiert wie eine bürgerliche Verfassung. Da werden im Obersatz große Prinzipien gefeiert: „Wir begrüßen die Tatsache an sich….“ und im Neben- und Untersatz kommen dann hundert Einschränkungen und Beschränkungen zum Vorschein: Mit linken Gewerkschaftern will man nicht, mit „diffusen Klassenkämpfern“ will man nicht, sozialen Bewegungen will man nicht, mit Anarchisten will man nicht, und was da an „Ausschlusskriterien“ noch alles formuliert ist.
    Und das Ganze wird dann theoretisch untermauert mit einem heroischen „Entweder – Oder!“ Entweder wir sind richtige Leninisten – oder …. ja was eigentlich?

    Niemand hindert die „richtigen Leninisten“ oder „richtigen Kommunisten“ sich untereinander zusammenzuschließen. Eine öffentliche Debatte braucht es dafür nicht. Setzt euch in irgendeinem Hinterzimmer zusammen, und gründet eure blitzsaubere, kommunistische Avantgardepartei, wo alle „die gleichen allgemeinen Ansichten über die Entwicklung der Geschichte haben“.

    Öffentliche Erklärungen wie diese, die darauf hinauslaufen, dass der/die Verfasser mehr Recht und mehr Kenntnisse hat/haben, als alle anderen, und dass alle anderen viel zu doof sind, um mit ihnen in einer Organisation oder gar im gemeinsamen Kampf zusammenarbeiten zu können, die bringen es nicht.

    Gruß Wal Buchenberg

  5. 5 systemcrash 02. Januar 2012 um 12:08 Uhr

    der text wiederholt im grunde nur die basics der leninistischen organisationstheorie. vlt an manchen stellen etwas holzschnittartig, aber durchaus richtig. dasselbe findet sich überigens auch im „na endlich papier“ der SIB:

    „Ehrlich gesagt, wissen wir gar nicht, wie eine revolutionäre Organisation anders als „demokratisch-zentralistisch“ funktionieren soll, obwohl wir natürlich wissen, dass das bei vielen (auch solchen, die sehr wohl für „Verbindlichkeit“ eintreten) negative Assoziationen weckt. Wir können die „überörtliche Leitung“ gerne auch „Strategiekomitee“ nennen, wichtig sind uns Verbindlichkeit, Transparenz und umfassende demokratische Kontrolle.“

    ich finde es langsam an der zeit, dass wenigstens die SIB standards der debatte eingehalten werden. nach der gründung der NAO können wir gerne mit sozialdemokraten, anarchisten, rätekommunisten, linkskommunisten usw. diskutieren. für die perspektive der NAO sind sie nicht gewinnbar, aber eine debatte schult immer die eigene argumentationskraft.
    aber diejenigen, die einfach wie ein stier auf ein rotes tuch reagieren, wenn sie begriffe lenin oder leninismus lesen, sollten einfach da gelassen werden, wo sie eh schon sind: im internationalen verein der verschiedenen varianten der sozialdemokratie:

    http://systemcrash.wordpress.com/2011/12/20/das-rote-tuch-der-nao-oder-die-versammlung-der-lenin-exorzisten/

  6. 6 Klaus 02. Januar 2012 um 16:38 Uhr

    Hi Gerion,

    wahrscheinlich meint er das. Oder so etwas wie Mitgliederinnen und so. Völlig absurd. Leider hat sich diese Ausdrucksweise bei einem Großteil der radikalen Linken eingebürgerInt.
    Mein Problem damit ist, dass das einfach nicht die Sprache der einfachen Menschen in diesem Land ist. Damit schafft man unnötig eine Distanz zu ihnen.

  7. 7 Mario Ahner 02. Januar 2012 um 19:53 Uhr

    Schön, dass systemcrash mal wieder weiß, wer für das NAO-Projekt gewinnbar ist, und wer nicht. Eine revolutionäre/kommunitsische Organisation auf den Leninismus festzunageln, weil dieser angeblich alle historischen Absolutwahrheiten beherbergt, halte ich für mehr als fragwürdig und falsch. Sekten der absoluten WAhrheiten des ML gibt’s bereits genug (was mir seitens systemcrash‘ jetzt wahrscheinlich wieder den Vorwurf des Zentrismus oder sonstige Diffamierungen einbringt).

  8. 8 uwe 02. Januar 2012 um 20:07 Uhr

    Hallo Gerion,

    wie schon erwähnt geht es mir nicht speziell um den Text hier, sondern ganz allgemein.
    Der Plural „die Kommunisten“ ist nicht geschlechtlich bestimmt. Durch das anfügen der Endung „innen“ handelt es sich dann ausschließlich um die weiblichen Kommunisten.
    Ich habe schon Texte gesehen bei denen die Sprache so zerstört wurden ist, das sie nicht mehr öffentlich vorgelesen werden konnten.

  9. 9 khs 02. Januar 2012 um 20:35 Uhr

    „Es gibt bestimmte gesellschaftliche Erfahrungen, die sich nicht einfach ignorieren lassen. Dazu gehört die Erfahrung, dass Menschen in der Regel aus sich selbst heraus nur ein gewerkschaftliches Bewusstsein entwickeln, also sich für unmittelbare Verbesserungen einsetzen.“

    Dieser Satz der Interkomms ist vom Standpunkt des dialektischen Materialismus Unsinn, denn Menschen entwickeln nie „aus sich heraus“ sondern immer als Widerspiegelung ihrer interpersonalen Erfahrungen ein Bewusstsein von ihrer Klassenlage, wobei die materiellen Bedingungen in letzter Konsequenz die Grundlage bilden.

    Die Aufspaltung in „gewerkschaftliches“ und „politisches“ Klassenbewusstsein ist eine Erbschaft der III. Internationale. Die Basis dieser Auffassung waren die damals unentwickelten kapitalistischen Produktionsbedingungen. Heute weiterhin mit dieser ideologischen Erbschaft eine politische Organisierung auf der „Höhe der Zeit“ begründen zu wollen, ist nicht zielführend.

    Um die Mythen, die die Erklärung der Interkomms durchziehen, zurückzuweisen, ist es jedoch wenig hilfreich, ihnen das Etikett „leninistisch“ (Wal Buchenberg) anzukleben, vielmehr muss es darum gehen, in solidarischer Weise mit Bezug auf die heutigen Klassenverhältnisse und den sich daraus entwickelnden Bewusstseinslagen solche falschen Annahmen zu widerlegen.

  10. 10 systemcrash 02. Januar 2012 um 20:35 Uhr

    „Schön, dass systemcrash mal wieder weiß, wer für das NAO-Projekt gewinnbar ist, und wer nicht. Eine revolutionäre/kommunitsische Organisation auf den Leninismus festzunageln, weil dieser angeblich alle historischen Absolutwahrheiten beherbergt, halte ich für mehr als fragwürdig und falsch. Sekten der absoluten WAhrheiten des ML gibt’s bereits genug (was mir seitens systemcrash‘ jetzt wahrscheinlich wieder den Vorwurf des Zentrismus oder sonstige Diffamierungen einbringt).“

    die SIB hat selber die voraussetzungen der debatte bekanntgegeben. das mag dir nicht passen, aber dann such dir einen anderen verein. wird ja niemand gezwungen, NAO mitglied zu werden. btw: zentrismus ist eine politische kategorie und keine persönliche, hat also nichts mit diffamierung zu tun. aber offensichtlich ist manchen hier ihr empfindliches ego wichtiger als politische analysen. ein in der linken durchaus bekanntes problem

    noch mal für alle, die es vlt nicht wissen. das vorbild der NAO ist die französische NPA. die NPA existiert nur aus einem grund. weil die LCR, die ehemalige sektion des „vereinigten sekretariats der vierten internationale“ [mandelianer]sich selber aufgelöst hat, um einen breiteren verein zu gründen. nun muss man dazu wissen, dass besancenot, der damalige chef der LCR, seinerzeit bei nationalwahlen fast 5% der stimmen bekommen hat. das nahm dann wohl die LCR zum endgültigen anlass, die NPA aus der taufe zu holen. man könnte also mit fug und recht sagen, die NPA ist ein trotzkistischer tarnverein, WENN … ja, wenn die LCR jemals etwas mit trotzkismus zu tun gehabt hätte. hat sie aber nicht. aber das ist eine andere geschichte …
    (siehe dazu: http://www.bolshevik.org/deutsch/archiv/urspruenge_des_pabloismus.html und http://www.bolshevik.org/deutsch/archiv/Wandlungen%20des%20Pabloismus.htm)

    die SIB glaubt nun, so etwas auf deutschland übertragen zu können. ich glaube das nicht. aber in sachen „trotzkismus“ möchte ich doch ein wörtchen mitsprechen, denn in der tat glaube ich, davon ein bisschen was zu verstehen ;)

    ps. es ist daher kein zufall, dass bislang nur — mit der rühmlichen ausnahme der interkomms-- gruppen, die sich auf den trotzkismus berufen oder personell damit verknüpft sind, auf die SIB initiative reagiert haben (RSB, GAM, RIO. die SOKO kenne ich nicht gut, ich weiss aber, dass eine führende genossin der isl in ihr arbeitet.)

  11. 11 systemcrash 02. Januar 2012 um 20:59 Uhr

    „Die Aufspaltung in „gewerkschaftliches“ und „politisches“ Klassenbewusstsein ist eine Erbschaft der III. Internationale.“

    da irrst du gewaltig. es ist ein erbe der 2. internationale und sein „erfinder“ ist ein gewisser karl kautsky, ein name, den wahrscheinlich heute keiner mehr kennt, der nicht irgendwas mit linker politik am hut hat. eines der wenigen dinge, wo wir uns positiv auf die 2. internationale beziehen können ;)

  12. 12 Mattte 02. Januar 2012 um 22:07 Uhr

    es ist daher kein zufall, dass bislang nur — mit der rühmlichen ausnahme der interkomms-- gruppen, die sich auf den trotzkismus berufen oder personell damit verknüpft sind, auf die SIB initiative reagiert haben (RSB, GAM, RIO. die SOKO kenne ich nicht gut, ich weiss aber, dass eine führende genossin der isl in ihr arbeitet.)

    In der ersten Diskussion haben sich mehrere GenossInnen der SAV ablehnend gegenüber ein solches Projekt geäußert. Auch gibt es eine (eher ablehnende) Stellungnahme eines DKP-Mitgliedes: http://www.sozialistische-kooperation.de/soko_sommertreff_bericht_160711.pdf (S.2).

    Zum Text:

    Die Stellungnahme ist insgesamt positiv und beruft sich eigentlich mehr auf die klassischen Aussagen von Marx, als auf Lenin. Die scharfe Trennung zwischen kommunistischer Organisation und klassenkämpferischer Gruppe wirkt etwas zugespitzt, wird aber am Ende (in den wesentlichen Aussagen) auf das wichtige zusammengestutzt.

    es ist nicht unser primäres Ziel, unmittelbare Verbesserungen durchzusetzen, das müssen Gewerkschaften und soziale Initiativen sowie die Betroffenen selber leisten. Dennoch unterstützen wir grundsätzlich gesellschaftliche Kämpfe
    wir fördern zwar gesellschaftliche Organisierungsprozesse, verstehen uns aber nicht als „Organizer“
    unser erstes primäres Ziel ist die Formulierung einer fundierten Kritik an den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen und die Agitation für den Kommunismus.

    Entspricht im Grunde der klassischen politischen Arbeit einer kommunistischen Partei. Das warten und mitschwimmen auf Bewegungen wurde schließlich in den letzten 20 Jahren (und mehr) von unendlich vielen Gruppen ziemlich erfolglos praktiziert. Überall wo man hinschaut, wo es erfolgreiche kommunistische Organisationen gibt, sind viele der Mitglieder in Gewerkschaften und auch an sozialen Kämpfen beteiligt, beschränken sich aber bei weitem nicht darauf.

    Mit Menschen, die

    die gleichen allgemeinen Ansichten über die Entwicklung der Geschichte haben (historischer Materialismus)

    Sagt lediglich aus, dass man sich auf die gleichen wissenschaftlichen Quellen bezieht um die Geschichte und die Gegenwart zu interpretieren. Mit dem kleinen Wort „allgemein“ wird deutlich gemacht, dass dies durchaus zu diskutieren ist.

    Wirklich schwierig ist nur ein Punkt in ihren Ausschlusskriterien:

    Wer den untergegangenen Systemen des Ostblocks hinterhertrauert

    Damit schließt man sehr viele Genossen grundsätzlich aus. In unserem Diskussionsprozess hier wurde mehrfach angeführt, dass es in Fragen der Geschichte keine vollständige Einigkeit geben muss, da es mehr darauf ankommt was man in der Gegenwart und Zukunft erreichen will und zu tun gedenkt. Deshalb wäre vielleicht diese Formulierung besser: „Wer die untergegangenen Systeme des Ostblocks als Vorbild nimmt“.

  13. 13 systemcrash 02. Januar 2012 um 22:55 Uhr

    wichtiger als trauer oder vorbild wäre eigentlich eine sozialökonomische (klassenanalytische) einschätzung des „real existierenden sozialismus“. aber das würde selbst ich nicht als eintrittskarte für den NAO prozess voraussetzen ;) … einfach weil diese frage wahrscheinlich die komplizierteste von allen ist.

    du hast recht, Mattte, die SAV war und ist sehr ablehnend gegenüber der NAO. es wäre wirklich interessant herauszufinden, woran das liegt. zumindest beweist es schon mal, dass opportunismus und sektierertum durchaus hand in hand gehen können ;)

  14. 14 Wat. 03. Januar 2012 um 0:16 Uhr

    Kommunist_innen sind nicht die Lehrmeister_innen, die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und deshalb das dumme Volk aufklären müssten.

    Für einen Moment dachte ich… aber nein

    Die besondere Aufgabe von Kommunist_innen als „Expert_innen“ auf dem Gebiet Antikapitalismus ist es deshalb, kommunistische Positionen von außen in die Kämpfe hineinzutragen (Lenin), um das gesellschaftliche Bewusstsein voranzutreiben.

    Dieses „von außen“ / „von oben“ / „von woanders“ soll uns bitte noch wie lange erfolglos beschäftigen?

    Ich denke, wenn wir nicht endlich begreifen, dass wir Teil der Bewegung sein müssen, schaffen die Besitzlosen noch den Kommunismus, ohne dass sie wissen, dass das Kommunismus ist.

    Schon weil ihr angeblich (allein) nur zu „gewerkschaflich“ entwickelbares Bewußtsein (heute) Probleme gar nicht mehr von „politisch“ los lösen kann.

  15. 15 systemcrash 03. Januar 2012 um 12:38 Uhr

    man darf sich die „trennung“ von ökonomischem kampf und politischen bewusstsein nicht zu mechanisch vorstellen. und in der tat trägt lenin da eine gehörige portion „schuld“ auf seinen historischen schultern

    http://systemcrash.wordpress.com/2011/12/26/warum-muss-eine-revolutionare-organisation-demokratisch-zentralistisch-sein/

    natürlich hat „trade-unionismus“ auch immer eine politische dimension, meistens eine reformistische – und damit bürgerliche. ob „sozialistisches bewusstsein“ von „aussen“, von „oben“ oder von „woanders“ in die arbeiterbewegung kommt, ist letztlich müssig zu fragen. wichtig ist, dass es nicht von allein, automatisch oder „spontan“ kommt, sondern von den fortgeschrittensten elementen aufgenommen wird. diese avantgardesektoren (avant = voran; danke an DG für den hinweis) sind natürlich TEIL der bewegung, aber eben ihre vorhut. nur diese vorhut werden wir nur dann erreichen, wenn wir selber über ein höchstmass an programmatischer klarheit verfügen.

    noch steht dieser prozess ganz am anfang, aber die interkomms haben m e recht, dass es an der zeit ist, auch ausschlusskriterien zu entwickeln. die SIB hält sich ja bislang mit programmatischen aussagen noch sehr zurück. aus welchen gründen auch immer, aber sie sollte nicht zu zögerlich sein, denn sonst könnte das auch kontraproduktiv wirken. ich finde es wichtiger, eine möglichst hohe inhaltliche kohärenz zu erreichen als ein „breites spektrum“ anzusprechen, was aber insgesamt viel zu heterogen ist, als das da irgendwas bei rum kommt. „lieber weniger, dafür besser“ … DAS sollte das motte der NAO werden (ja, ja, es ist ein lenin zitat ;) )

  16. 16 Gerion 03. Januar 2012 um 13:19 Uhr

    Hallo uwe, Hallo Klaus, Hallo alle,

    ich glaube das wir hier nicht eine Diskussion anfangen müssen ob der Kampf gegen das Patriarchat wichtig ist und uns ein Anliegen sein muss. Das hat ja sogar schon die Kirche entdeckt ;-)

    http://agensev.de/wp-content/uploads/Gendersprache.pdf

    Ich persönlich finde die Texte deshalb auch etwas hölzern, aber das ist dann eben so und eine Frage der Gewöhnung.

    Was mich aber eher nachdenklich macht, wenn wir hier im kleinem Kreis diskutieren die gesamte Gesellschaft umzukrempeln und dann schon bei leichten Veränderungen in der Sprache braun oder was auch immer sehen. Ich dachte Sprache ist etwas lebendiges, welches sich ständig weiterentwickelt. Und damit Spiegel der Realität. Immer mit dem Duden hinter jungen Moden hinterherzujagen kommt mir persönlich ein wenig konservativ und irgendwie Leitmotiv-mäßig vor.

    Aber ich lass mich auch gern eines besseren Belehren.

    liebe Neujahrsgrüße an alle, Gerion

  17. 17 uwe 04. Januar 2012 um 4:06 Uhr

    Hallo Gerion,

    in der Politik scheint es den Glauben oder den Wunsch zu geben, das durch die Veränderung der Sprache sich auch die Gesellschaft verändert.
    Wenn ich einen Sinti als Zigeuner bezeichne, muß das nicht bedeuten, das ich auch rassistisch geprägt bin. Nicht die Sprache bestimmt den Rassismus sondern die gesellschaftlichen Verhältnisse und die lassen sich nicht durch den Austausch von Wörtern verändern.
    Eine lebendige Sprache bedeute auch, das sich die Wertigkeit bzw. die Bedeutung von Wörtern verändern kann. Aus Schimpfwörtern können Lobwörter werden und umgekehrt. Wenn eine kleine Minderheit anders Spricht als die Mehrheit hat das mE. nichts mit einer lebendigen Sprache zu tun. Aber das Sprechen ist auch gar nicht das Problem sondern das Schreiben.

  18. 18 Mario Ahner 07. Januar 2012 um 17:17 Uhr

    Na, solange mir niemand kommt, dass ich zwangsläufig immer „XY-Innen“ zu schreiben habe, ist’s mir herzlich egal, ob ein Binnen-I genutzt wird, nur Arbeiterinnen oder nur Arbeiter dort steht. Jeder wie er’s beliebt. Ich denke, es gibt wahrlich größere Problemfelder als die Dekonstruktion und Feminisierung des Schriftverkehrs.

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