Zwischen Skylla und Charybdis

Dieser Text geht auf die Kommentare zum Text „Es braucht eine Organisation – jetzt!“ ein, allerdings nicht in Form eines Pingpong mit den einzelnen Kommentaren. Das halte ich nicht für eine gute Diskussionsmethode, vielmehr erscheint es mir produktiver, wenn wir, auf dem Boden des im Ganzen gut brauchbaren Lancierungstextes der SIB, rund um Themenkomplexe debattieren, die für unser Projekt von aktueller Relevanz sind und das wären meiner Ansicht nach im Moment unter anderem folgende: Wieso braucht es diese neue Organisation und ist die Zeit reif dafür? Wie breit soll/darf sie sein? Welchen Zentralismus und welchen nicht? Wie gross soll/kann/muss sie zahlenmässig sein beim Start, wenn wir, wie wohl alle einverstanden sind, nicht die 27. Gruppe gründen wollen.

Zum Titel: Skylla und Charybdis sind in einer Legende der altgriechischen Mytologie zwei Ungeheuer, die in der Meerenge zu Messina den Schiffen auflauerten. Alle Schiffe die nicht in einem ganz bestimmten Abstand zu den links und rechts lauernden Ungeheuern manövrierten wurden verschluckt. Ein wunderschönes Analogiebild für unsere Zwecke; das Ungeheuer Skylla repräsentiert nämlich die Gefahr des Reformismus und das Ungeheuer Charybdis die Gefahr des Sektierertums: beide sind auf unterschiedliche Weise, aber letztendlich gleichermassen tödlich.

Wieso braucht es die neue Organisation und ist die Zeit reif dafür?

Was wichtig ist, darf man bisweilen auch wiederholen: Die Ausgangslage hat sich im Jahre 2011 qualitativ durch drei Faktoren verändert : Zusammenbruch in der Säule Finanzkapital (2008), massive Abwälzung der Kosten des Zusammenbruchs auf praktisch die gesamte Klasse der Lohnabhängigen (2011 und mindestens die folgenden 2-3 Jahre) und Wiederauftauchen von recht radikalen Massenbewegungen (2011, vor allem arabischer Frühling, aber auch indignados in Spanien, Griechenland etc.), die weltweit in Millionen von Köpfen die Botschaft vermitteln lassen, nämlich, dass nur radikale Massenbewegungen reale Veränderungen bringen können und dass Revolutionen eigentlich etwas Positives, Gutes und Sympathisches sind, auch wenn es sich tatsächlich noch nicht um eigentliche Revolutionen handelt. Übrigens eine Zahl, die im Zusammenhang mit den Abwälzungen der Kosten in der Tagesagitation im Sinne eines „ceterum censeo capitalismus destruendum est“ immer wieder wiederholt werden sollte: Die Gesamtverschuldung aller Industrienationen der Welt beträgt 35′000 Milliarden Dollar, zwischen 15-20′000 Milliarden entstanden durch die Bankenrettungen und schätzungsweise ca. 10′000 Milliarden durch die Einnahmensverluste der jahrelangen Steuersenkungen für die ganz Reichen. Zwei simple, banale Ursachen für ca. 65-80% des gesamten Schuldenberges!
Wir wollen nicht übertreiben und schon gar nicht euphorisch die Morgenröte der kommenden Revolutionen beschwören, keineswegs, nicht im geringsten, aber eine wichtige Veränderung in der Ausgangslage für den Aufbau eines radikalen antikapitalistischen Referenzpoles ist das ganz gewiss.

Deutschland ist, ob uns das gefällt oder nicht eine der wirtschaftlich und politisch mächtigsten Nationen der Welt und im europäischen Raum mit Frankreich das tonangebende Land. Es ist schon ziemlich beängstigend feststellen zu müssen, dass es in diesem Land noch nicht einmal einen Schimmer eines glaubwürdigen alternativen Pols gibt. Ein systemisches Übel lässt sich nicht wirksam bekämpfen ohne die Existenz eines alternativen ebenso systemischen Vorschlags, der in der Öffentlichkeit ein minimales Gewicht hat, d.h. von der Grösse her die kritische Masse überschreitet in Anspielung auf physikalische Prozesse. Das Kapital wird alle griechischen Schlachten gewinnen, solange sie die von Thatcher stammende berühmte Formel von „da gibt’s keine Alternative“ dazu vorbringen können. Die Fähigkeit der Menschen zu leiden ist nahezu unbegrenzt und die Anpassungsfähigkeit des kapitalistischen Systems auch, solange kein glaubwürdiger und konkreter Gegenvorschlag in der Gesellschaft sichtbar wird, nicht gleich für die Mehrheit, aber für eine signifikante Parzelle der normalen lohnabhängigen Bevölkerung.

Schlussfolgerung: Die Phase der möglichen Öffnung der Köpfe von breiteren, signifikanten Teilen der Bevölkerung hat im Jahre 2011 ein zumindest neues Stadium erreicht, der Zeitpunkt ist insofern reif und objektiv ist es eine Pflicht aller verantwortungsvoller AntikapitalistenInnen sich zusammenzuraufen zu einer grösseren Organisation, die die kritische Masse der gesellschaftlichen Sichtbarkeit erreicht. In diesem Sinne kommt die Initiative der SIB zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Form und ist wärmstens und mit der notwendigen Geduld und Ausdauer zu begrüssen. Und wer weiss, vielleicht kommen dieser Initiative im nächsten Jahr noch einige politische Weltereignisse von Aussen zu Hilfe.

Wie breit soll oder darf die Organisation sein?

Das Projekt eines breiteren antikapitalistischen Reverenzpoles ist von zwei Seiten her bedroht. In der Enstehungsphase vielleicht etwas mehr von der Unreife einer sektiererischen Denkweise und Praxis und mittelfristg und langfrisitg sowohl von Reformismus wie Sektierertum gleichermassen. Die Geschichte sollte uns lehren, etwas weniger voreilig zu sein bei der Verteilung von Verdammungsetiketten wie Reformist, Zentrist etc., einerseits weil sie sich schon oft als falsche Einschätzungen erwiesen, andrerseits weil sie nur gewisse vielleicht vorhandene Tendenzen offenlegten, jedoch nicht die Gesamtlage und die Dynamik einer Person oder politischen Strömung richtig erfassten. August Bebel zum Beispiel, der jahrzehntelange Chef der SPD vor 1913, galt Zeit seines Lebens als Vertreter des revolutionären Sozialismus, was er aber in der Praxis nie war, der grosse Friedrich Engels war zumindest in den letzten fünf Jahren seines Lebens in der für die damalige SPD entscheidenden Frage der Wahlprozesse und des Legalismus ein lupenreiner Reformist, dazu muss man nur seine letzte Schrift, das Vorwort zu Marx’ „Klassenkämpfe in Frankreich 1848 – 1850“ lesen: Alle nur ausdenkbaren reformistischen Illusionen vertrat der gute Engels dort und zwar gleich in etwa zehnfacher Ausführung. Engels war ganz eindeutig von der „parlamentarischen Krankheit“ befallen, wie Marx das damals schon 1879 bezeichnete. Zudem war Engels dafür verantwortlich, dass Eduard Bernstein, als der damals schon erkennbare Theoretiker des Reformismus Chefredaktor des Zentralorgans der Partei wurde. Würden die Bochumer schreiben, was Engels im Vorwort schrieb, gnade ihnen Gott, die trotzkistischen Ratingagenturen (herrlich treffender Ausdruck, ich musste ganz herzlich lachen, als ich das las) würden sie rädern, vierteilen und mit verbissenem Eifer pures Hackfleisch aus ihnen machen. Und schliesslich gab es da noch einen gewissen Stalin, während langen zwölf Jahren war er nach Sinowjew Lenins engster Verbündeter, erst in den letzten 70 Tagen seines politischen Wirkens dämmerte es ihm langsam, was der „Prachtskerl aus Georgien“ (Zitat Lenins für Stalin) wirklich war. Stalin der Menschenfresser galt immer als Revolutionär. Und wir bezahlen noch hundert Jahre danach für die Folgen dieser grandiosen schematischen, weil nicht ganzheitlichen, Fehleinschätzung.

Wichtige Begriffe sollte man zuerst einmal klären, was man darunter versteht, bevor man mit ihnen inflationär umgeht, ist zwar altmodisch, aber immer noch notwendig. Stichwortartig die Beschreibung der Denk- und Arbeitsmethode des:

Reformismus

Tendenz zu linearem, nicht ganzheitlichen, nicht dialektisch-dynamischen Denken; der Reformismus setzt bei den spezifischen Interessen einzelner Schichten an, anstatt bei den allgemeinen, allen gemeinsamen Grundinteressen; Verneinung oder Unterschätzung der Notwendigkeit einer Phase des Bruchs, der „chaotischen“ Unruhe beim, resp. für den Sturz der alten Ordnung; vorwiegend kurzfristiges Denken anstatt der Fähigkeit kurz- mittel- und langfristiges Denken vereinen zu können; eine mehr oder weniger ausgeprägte Theoriefeindlichkeit; eine Angst vor Disharmonie, eine Verabscheuung von allem was als „Unordnug“ empfunden wird; eine Tendenz zum Pazifismus; Unterschätzung der Gewaltbereitschaft der herrschenden Klasse;

Sektierertum

Tendenz zu einem nicht ganzheitlichen, nicht dialektisch-dynamischen Denken; Tendenz zum Herausreissen und Überbewerten von Einzelfragen aus dem Gesamten; ein Hang zu absoluten Wahrheiten, die sie aber als Prinzipienfestigkeit betrachten, von daher auch eine Tendenz zum Dogmatismus (= Festhalten an einer These, auch wenn die vorhandenen Fakten alle dagegensprechen) bis zum quasi-religiösen Fanatismus, der durch Rationalität nicht mehr ansprechbar ist; eine unterentwickelte Fähigkeit zu Differenzierungen und kritischer Selbstbetrachtung; ein Hang zu undemokratischen Methoden, da der Zweck allzu rasch die Mittel heiligt; eine exzessive Tendenz zum Moralisieren in der politischen Debatte.

In Anbetracht des aktuellen, unterentwickelten Zustandes des Klassenbewusstsein in Deutschland und in Anbetracht der schrecklichen Fehlentwicklungen der extremen Linken in D und der Welt in den letzten ca. 80 Jahren und in Anbetracht der objektiv dringenden Notwendigkeit der Existenz eines antikapitalistischen Referenzpoles, scheint es mir klar, dass wir, um im angestrebten Projekt weiterzukommen, eine Art Übergangsprogramm-Denken-Methode brauchen und nicht dieses schematisch-undynamische Denken der trotzkistischen Ratingagenturen (ich hab den Narren gefressen an dieser schönen Analogie). Das heisst, wir brauchen eine breitere Organisation, mit einem nicht allumfassenden Minimalkonsens, nämlich „nur“ klarer Antikapitalismus, radikal demokratisches Funktionieren, Einheitsfrontmethode und minimale Verbindlichkeit im Rahmen einer Organisation, das heisst minimaler Zentralismus und nicht die scheinbar perfekte revolutionär-marxistisch-sozialistische Organisation. Weil für diese Art von Organisation fehlen in Deutschland schlicht die objektiven Grundlagen, um über das Kleingruppenstadium hinauszukommen und weil der Referenzpol im aktuellen Stadium Priorität hat. In diesem Sinne passen die von den Bochumern angeführten Zitate von Engels und Marx hervorragend, ganz ausgezeichnet. Analogien sind nie schematische Überstülpungen aus der Geschichte auf die Gegenwart, sondern mit historischen Beispielen will man aktuelle in ihrem Kern ähnlich geartete Problemkomplexe verdeutlichen und leichter verständlich machen:

Im Rückblick auf die IAA schrieb F. Engels 1887:

„Als Marx die Internationale gründete, hat er die Allgemeinen Statuten so abgefasst, dass ihr alle proletarischen Sozialisten jener Zeit beitreten konnten … selbst der weiter fortgeschrittene Teil der englischen Gewerkschaftler; und nur dank dieser Breite ist die Internationale das geworden, was sie war, das Mittel zur allmählichen Auflösung und Aufsaugung all jener kleineren Sekten…
Hätten wir von 1864 – 1873 darauf bestanden, nur mit denen zusammenzuarbeiten, die offen unsere kommunistische Plattform anerkannten wo wären wir heute? Ich denke, unsere ganze Praxis hat bewiesen, dass es wohl möglich ist, mit der allgemeinen Bewegung der Arbeiterklasse in jeder einzelnen Etappe zusammenzuarbeiten, ohne unsere eigene aparte Stellung oder gar Organisation aufzugeben oder zu verbergen …“

F. Engels an Kelley-Wischnewetzky (1887), MEW 36, 598.

Karl Marx charakterisierte das Programm der IAA so:

„Gegenüber den phantastischen und antagonistischen Sektenorganisationen ist die Internationale die wirkliche und streitende Organisation der Proletarierklasse in allen Ländern, verbunden unter sich in ihrem Kampf gegen die Kapitalisten, die Grundeigentümer und ihre im Staate organisierte Klassenmacht.
Daher kennen die Statuten der Internationale nur … (ein) Programm, das sich darauf beschränkt, nur die großen Hauptzüge des Ganges der Arbeiterbewegung zu zeichnen, und ihre theoretische Ausarbeitung dem durch die Bedürfnisse des praktischen Kampfes gegebenen Anstoß und dem Gedankenaustausch innerhalb der Sektionen überlässt, wie denn die Internationale ohne Unterschied jede sozialistische Überzeugung in ihren Organen und auf ihren Kongressen zulässt“.

K. Marx/F. Engels, Angebliche Spaltungen, MEW 18, 34.

(Danach führen die Bochumer aus, dass die Erste Internationale aufgrund der Niederschlagung der Pariser Kommune gescheitert sei, was eben gerade nicht zutrifft: Spaltung und Niedergang der Organisation ergab sich aufgrund der leider nicht mehr, wie mit den Proudhonisten, vorbildlich praktizierten Methode der Diskussion von Differenzen mit den nicht einheitlichen anarchistischen Strömungen. Die Erfahrungen der Pariser Kommune führten nämlich zu einigen wichtigen inhaltlichen Annäherungen zwischen Marxisten und Anarchisten. Ausdruck davon war die ausführliche Bilanz des russischen Anarchomarxisten Peter Lavrov zur Pariser Kommune, eines noch heute lesenswerten Büchlein. Übrigens haben sich die französischen Sozialisten trotz des blutigen Aderlasses erstaunlicherweise extrem rasch erholt.)

Schlussfolgerung: Wenn wir davon ausgehen, dass in der gegebenen aktuellen Situation die Schaffung eines glaubwürdigen antikapitalistischen Referenzpoles ein vorrangiges Kriterium ist, müssen wir uns tatsächlich auf einen Minimalkonsens von 4-5 strategischen Punkten beschränken. Wir müssen uns Gedanken machen darüber wie wir dem Zielpublikum (siehe Punkt unten), das vollständig zu Recht skeptisch ist gegenüber linksradikalen Organisationen, rüberbringen wie und durch was dieses Projekt eben mehr Glaubwürdigkeit besitzt als frühere und wie wir den Weg zwischen Skylla (Erfahrung der Linken in der Grünen Partei in den 80er Jahren) und Charybdis (Erfahrungen mit autoritären,sektiererischen linksextremen Gruppen und der Partei die Linke, die sowohl reformistische wie autoritäre Elemente vereint) zu meistern gedenken.

Exkurs: Demokratischer Zentralismus oder die Veränderung des Leninismus im Stalinismus – bis zur Unkenntlichkeit wie auch bis zur Kenntlichkeit

Der leninistische demokratische Zentralismus gehört explizit nicht in den Minimalkonsens hinein und wenn da einer im Blog folgendes schreibt: „…die ablehnung des demokratischen zentralismus wird zu nichts anderem führen als zu einem bunten haufen, wo jeder meint, ein bissl was zum gesamtmüsli beitragen zu können (im besten fall)oder zu einer völligen arbeitsunfähigkeit..“ dann haben wir da ein anschauliches und konkretes Beispiel von sektiererischen Denkmethode, auf die mindestens vier der oben angeführten Charakteristiken des Sektierertums zutrifft. Der „Gläubige“ hat es nicht nötig den Inhalt der Begriffe zu definieren und zu differenzieren und die Geschichte der geradezu gigantischen Widersprüche zwischen Theorie und Praxis zu analysieren. Er hat es auch nicht nötig, die Begriffe in einen ganzheitlichen Zusammenhang zu stellen, also die sehr enge Verbindung des leninistischen demokratischen Zentralismus mit dem leninistischen Monolithismus (ständige Betonung von der Partei aus einem Guss und der eisernen Disziplin) und dem leninistischen Substitutionalismus (die Avangarde denkt und handelt anstelle der Klasse) zu machen. Wie war denn das schon wieder mit diesem wichtigen marxistischen Prinzip, wonach politische Strömungen in letzter Instanz nur nach ihrer Praxis beurteilt werden sollen? Gilt dieses Prinzip nur, wenn es einem gerade in den Kram passt? Das Konzept des demokratischen Zentralismus besagt in der Theorie, dass alle kontroversen Fragen von der Gesamtmitgliedschaft in den Parteistrukturen ausführlich diskutiert werden und dann ein Mehrheitsentscheid gefasst wird, der nun von allen nach Aussen geschlossen vertreten werden muss. Nur ganz nebenbei, in der Praxis hatte das zur Folge, dass überall dort wo die Bolschewiki in den Sowjets die Mehrheit hatten, es gar keine Diskussionen mehr gab. In der 21-jährigen Geschichte der Bolschwistischen Fraktion/Partei zu Lenins Zeiten wurden fast alle wichtigen kontroversen Fragen, vor allem nach 1917 nicht in der Gesamtmitgliedschaft diskutiert und schon gar nicht entschieden. Vor der Revolution war es die Illegalität die als Entschuldigung vorgeschoben wurde, nach der Revolution der Bürgerkrieg und nach dem Bürgerkrieg die schwierige Situation im Lande. Im 19. Existenzjahr (!!!)der Partei, am 10. Parteikongress im März 1921, wurde die Demokratiefrage (intern und im Zusammenhang mit dem Funktionieren in den Sowjets) zum ersten Mal offiziell auf die Tagesordnung gesetzt, mit dem Resultat ihrer offiziellen Abschaffung auch innerhalb der Partei. In einem inoffiziellen, geheimen Zusatz, von dessen Existenz die Parteimitgliedschaft ca. 70 Jahre danach erfuhr, wurden die Ausschlussmechanismen geregelt für diejenigen, die sich nicht an das Tendenz- und Fraktionsverbot halten sollten, wobei jede abweichende politische Meinung, von mehr als einer Person vorgebracht, als Verstoss gegen das Tendenzverbot behandelt wurde. Was die wenigsten wissen ist, dass Lenin mit Stalin und Sinowjew am gleichen Kongress noch einen veritablen Staatsstreich durchführte, indem fast alle kritischen und potentiell kritischen Leute aus dem ZK entfernt wurden. Die hochbegabten, leidenschaftlichen, kritisch denkenden und ehrlichen Revolutionäre wie beispielsweise Preobraschenski wurden ersetzt durch charakterlose Bürokraten wie Molotow oder Kuibyschew. Stalins Mannen besassen ab diesem Zeitpunkt die Mehrheit im ZK, dank Lenin!
Über alle wichtigen Belange der ersten siegreichen sozialistischen Revolution, von der Phase ihrer Vorbereitung bis zu Lenins Tod anfangs 1924, wurde ausnahmslos in kleinsten Zirkeln entschieden und nicht in der Partei und schon gar nicht in den Sowjets, dort wurden einzelne wenige Entscheide nur im Nachhinein pseudodemokratisch abgesegnet. Der Entscheid für den Aufstand vor der Konstituierung des zweiten allrussischen Sowjetkongresses, der Entscheid über die Verstaatlichung und Nutzung des Bodens, der Entscheid über Krieg oder Friedensabschluss in Brest-Litowsk, der Entscheid über die Gründung der Geheimpolizei, der Tscheka, die Entscheidungen über Repressionsmassnahmen und Verbote gegen andere sozialistische Strömungen, die Entscheidungen über die erste sehr problematische neue Verfassung von 1918, der Hinauswurf der linken Sozialrevolutionäre aus den Sowjetstrukturen, wo sie noch am 5. Sowjetkongress im Juli 1918 rund 35% der Delegierten stellten, der Entscheid über die Eskalation des sogenannten roten Terrors, der Entscheid zugunsten des „Kriegskommunismus“ mit seinen Zwangsrequisitionen, der Entscheid für den militärischen Durchmarsch auf Warschau, der Entscheid zur Beibehaltung der Zwangsrequisitionen im Februar 1920, der Entscheid zur Eroberung Georgiens, der Entscheid zur sofortigen Niederschlagung der Kronstädterrevolte und schliesslich auch der Entscheid für eine neue ökonomische Politik (NEP); bei all diesen für die Revolution schicksalsschweren Entscheidungsprozessen blieben die rund 20 Millionen Wähler und Wählerinnen der Sowjetdelegierten sowie auch die Mitglieder der Partei ausgeschlossen, alle Entscheidungen wurden in Gremien gefasst, denen nicht mehr als zwanzig Personen angehörten.
Nicht nur die Entscheidungen fanden hinter verschlossenen Türen statt, sondern, was noch viel schlimmer ist, die Menschen, ja selbst die aktivsten Parteimitglieder waren vom Bewusstseins bildenden Prozess der Meinungsbildung bis 1918 nahezu und danach vollständig ausgeschlossen. Trotzki selbst bestätigt dies indirekt in seiner Autobiographie, als er schrieb, dass er über die schweren Meinungsverschiedenheiten im Politbüro während der entscheidenden Phase in den Jahren 1922/23, höchstens zehn Personen informiert hätte.
Bucharin, Mitglied des Politbüros und führender Theoretiker der Partei schildert das Parteileben für die Zeit ab 1921(in Tat und Wahrheit treffen Bucharins Beschreibung aber bereits seit Ende 1918 zu) wie folgt:

„….die Sekretäre der Zellen werden normalerweise von den Rayonkomitees ernannt, wobei sich diese nicht bemühen, ihre Kandidaten in diesen Zellen durchzubringen; sie stellen einfach eine Person auf…..kommen und fragen: Wer ist dagegen?, und weil man sich mehr oder weniger fürchtet, sich dagegen auszusprechen, wird das entsprechende Individuum zum Sekretär bestimmt…..in der Mehrzahl der Fälle werden die Wahlen zu den Parteiorganisationen in Wahlen in Anführungszeichen verwandelt, weil die Abstimmungen nicht nur ohne vorhergehende Diskussion vorgenommen wird, sondern nach der Formel wer ist dagegen? Und da es nicht gut ist gegen die Obrigkeit zu sprechen, ist es mit dieser Formel getan……normalerweise läuft eine so genannte Debatte in unserer Parteiorganisation wie folgt ab. Zuerst die Wahlen zum Präsidium der Versammlung. Irgendein Genosse aus dem Rayonkomitee tritt auf, list eine Namensliste vor und fragt: Wer ist dagegen? – Niemand ist dagegen, und damit ist die Sache auch erledigt. Das Präsidium wird gewählt und der Genosse verkündet, dass das Präsidium einstimmig gewählt worden ist. Danach kommt die Tagesordnung. Bei der Tagesordnung folgt die gleiche Prozedur…..Ich erinnere mich nur an vereinzelte, extrem seltene Fälle, wo auf den Parteiversammlungen neue Punkte auf die Tagesordnung gesetzt wurden…. Danach wird eine vorbereitete Resolution verlesen, die nach dem Schema F angenommen wird. Der Vorsitzende fragt: Wer ist dagegen? – Niemand ist dagegen. Die Resolution wird einstimmig angenommen. Das sind die normalen Verhältnisse in unserer Parteiorganisation …..Das Gleiche lässt sich in etwas veränderten Form auch auf den höheren Rängen unserer Parteihierarchie beobachten.“ (Hervorhebungen von mir)

Der leninistische Substitutionalismus zerstörte innerhalb und ausserhalb der Partei jedes politische Leben und zwar sehr rasch und viele Jahre vor Stalin. Mit der Kriminalisierung der letzten nicht bolschewistischen Strömung, der Partei der linken Sozialrevolutionäre im Juli 1918, waren die Sowjets klinisch tot und die Parteidemokratie rang auf der Intensivstation mit ihrem Tode. Die Menschen haben dies sehr wohl bemerkt, Ausdruck davon war, dass die Beteiligung bei den Wahlen zu den Sowjets ins Bodenlose sank. Bei den Wahlen im Herbst 1924 betrug sie auf dem Lande, wo über 70 % der Bevölkerung lebte, noch 15-20 % nach offizieller Schätzung. Die Konzentrierung der Macht zu Gunsten der kleinen Ausschüsse bei gleichzeitiger Einschränkung und Abschaffung der demokratischen Rechte in den Massen- und Parteistrukturen ist unvereinbar mit dem Prinzip der Wählbarkeit von unten nach oben. Es wird folgerichtig ersetzt durch das Prinzip der Ernennung von oben nach unten. Das ist dann die Sekretärsherrschaft, die Herrschaft der verschworenen Cliquen mit allen zwingenden Folgeerscheinungen wie Korruption, Machtmissbrauch, Doppelmoral, Betrügereien, Manipulationen und Fälschungen. Die Ernennungen begannen bereits im Verlaufe des Jahres 1918. Sie nahmen dann aber unabhängig von den objektiven Schwierigkeiten von Jahr zu Jahr zu, exakt in dem Masse wie die demokratischen Rechte in Gesellschaft und Partei abnahmen. Im Jahre 1922 gab es nach Trotzki mehr als zehnmal soviel Ernennungen wie anfangs 1919, als rund 1 Million Soldaten fremder, ausländischer Armeen in Russland standen. Ein sehr anschaulicher Beleg dafür, dass nicht einfach die schwierigen objektiven Umstände für die falsche Entwicklung verantwortlich gemacht werden können. Seit über 90 Jahren hören die Kritiker des leninistischen Dreisatzes Demokratischen Zentralismus, Monolithismus und Substitutionalismus, die alle drei engsten miteinander verbunden sind dieses idiotische Mantra. Der knapp 3 Jahre dauernde Bürgerkrieg hätte ohne Lenins Durchmarsch auf Warschau, ohne das absurde Konzept des Kriegskommunismus und ohne die von Lenin in grotesker Weise verherrlichte Tscheka auf eineinhalb Jahre verkürzt werden können.
Die Tscheka, die allrussische ausserordentliche Kommission zur Bekämpfung der Konterrevolution und Sabotage, wurde bereits im Dezember 1917 gegründet. Lenin sah in ihr eines der „wichtigsten Werkzeuge der Revolution“ (!!!) und verherrlichte in äusserst befremdender Art den Terror. Trotzki berichtet in seiner Leninbiographie: „Lenin betonte bei jeder Gelegenheit die absolute Notwendigkeit des Terrors. Da gibt es Revolutionäre, höhnte er, die sich vorstellen, wir sollten die Revolution mit Liebe und Güte vollenden…..Was wird aus der Diktatur werden, wenn man ein Schwächling ist? Solche Tiraden hörten wir ein Dutzend Mal am Tage…..“ Und Steinberg, ein linker Sozialrevolutionär, der bis Brest-Litowsk als Volkskommissar für Justiz der Sowjetregierung angehörte, publizierte ein Telegramm Lenins vom 9. August 1918 an den Sowjet von Nischnij-Nowgorod: In Nischnij-Nowgorod ist ein Aufstand der Weissgardisten in Vorbereitung. Ihr müsst alle Kräfte mobilisieren, ein Triumvirat von Diktatoren ernennen, unverzüglich mit Massenterror einsetzen, hunderte Prostituierte, die Soldaten und Offiziere mit Wodka betören, erschiessen und deportieren. Zögert keinen Augenblick, Hinrichtungen für verborgene Waffen, Massendeportationen von Menschewiki….“
Die Tscheka verfügte über eigene, immer grösser werdende Truppenverbände. Der Geist dieser Truppen aus Berufssoldaten war in erster Linie geprägt durch die äusserst brutale Arbeit der Getreidebeschlagnahmungen während des so genannten Kriegskommunismus. Wer immer auch Einblick in den Stalinschen Massenterror erhält, wird sogleich fassungslos vor der Frage stehen: Mit welchen Mitteln, mit welcher gewaltigen Maschinerie hat Stalin eigentlich unzählige Millionen Menschen erschiessen und umbringen können, in der Zwangskollektivierung, in den Konzentrationslagern und bei den Zwangsumsiedlungen von ganzen Völkern? Welches Killer-Roboters hat er sich da bedient? Wie mächtig und enorm muss die Tötungsmaschine gewesen sein, dass er im Juni des Jahre 1937 beispielsweise selbst Tuchatschewski und 25′000 der höchsten Offiziere der Roten Armee kurzerhand erschiessen konnte? Es war die von Lenin aufgebaute und verherrlichte Tscheka. Als Stalin sie fixfertig übernahm, hat er sie noch vergrössert, aber sie war bereits eine gegen menschliche Regungen immune Maschinerie.
Auf dem Höhepunkt des Bürgerkrieges schlossen die Bolschewiki mit den Anarchisten der strategisch sehr wichtigen Ukraine einen Bündnisvertrag für den gemeinsamen Kampf gegen die Konterrevolution, in welchem die Bolschewiki sich verpflichteten, nach dem Kampf den Anarchisten das Recht zu geben, legal im Lande politisch arbeiten zu können. Unter denen, die den Vertrag auf Seiten der Bolschewiki unterschrieben haben, war neben Frunse, dem Nachfolger Trotzkis als Kriegskommissar auch Bela Kun, der ehemalige Führer der ungarischen Räterepublik von 1919 als Vertreter der 3. Internationale. Er sollte den Anarchisten Vertrauen in die Fähigkeit der Bolschewiki eintrichtern, die Egalitätsprinzipien unter den Arbeitern und Bauern einzuhalten. Nach dem gemeinsamen Sieg der „roten“ und „schwarzen“ Armee gegen die konterrevolutionären Wrangeltruppen im Oktober/November 1920, was faktisch den Bürgerkrieg beendete, hielten die Bolschewiki nicht nur den Vertrag nicht ein, sondern sie nahmen die besten Kämpfer der anarchistischen Bauernbewegung fest, verleumdeten sie in ihrer Presse als Banditen und Diebe und mehrere Hunderte, d.h. die gesamte anarchistische Führung, wurde erschossen. Victor Serge schrieb in seinen Erinnerungen: “Dieses unbegreifliche Verhalten der bolschewistischen Macht, die ihre eigenen Verpflichtungen gegenüber einer revolutionären Bauernminderheit von grenzenlosem Mut zerrissen, hatte eine furchtbar demoralisierende Wirkung…..Der Bürgerkrieg ging zu Ende und die Bauern, durch die Requisition erbittert, kamen zu dem Schluss, dass mit den bolschewistischen Kommissaren keinerlei Verständigung möglich sei.“
Die Folgen waren u.a. die Verstärkung und Ausdehnung von Bauernaufständen, die den Bürgerkrieg unnötig verlängerten. In den fruchtbarsten Anbaugebieten Russlands, in den südöstlich von Moskau gelegenen Gouvernements Tambow und Woronesch z. B. die von A. S. Antonow geführten und nach ihm benannten Bauernrevolte. Diese Bewegung richtete sich zwar vor allem gegen die Getreiderequisitionen unter dem Kriegskommunismus und umfasste zeitweise bis zu 50′000, zum grössten Teil bewaffnete Bauern, aber diese Aufstände waren auch ein Zeichen der vollständig zerstörten Glaubwürdigkeit der Revolutionsregierung. Es war keine bedauerliche Ausnahme und es hatte auch nichts mit der Verteidigung der Revolution zu tun, der Staatsterrorismus gegen die eigene Basis war bereits zur Norm geworden, was auch die Behandlung der gefangengenommenen Kronstädter beweist. Viktor Serge schrieb: „Hunderte von Gefangenen wurden nach Pedrograd gebracht und der Tscheka übergeben, die sie noch Monate später, in kleinen Partien dumm und verbrecherisch erschoss. Diese Besiegten gehörten mit Leib und Seele der Revolution, sie hatten das Leiden und den Willen des russischen Volkes ausgedrückt, die NEP gab ihnen recht, sie waren schliesslich Gefangene des Bürgerkrieges, und die Regierung hatte ihnen seit langem die Amnestie versprochen, wenn sie sich ihr anschlössen.“
Wer hatte diese Massaker angeordnet? War es einer dieser Briefe von Lenin? War es ein geheimer Beschluss des 5-köpfigen Politbüros? Waren es die 200′000 Mitglieder der Partei? So auf jeden Fall sah der von den Sektierern noch heute verehrte demokratische Zentralismus in der Praxis aus. „Eine abstrakte Wahrheit gibt es nicht, die Wahrheit ist immer konkret,“ schrieb Lenin bereits im Jahre 1904 und führte diesen von ihm so genannten „Hauptgrundsatz der Dialektik“ bei jeder Gelegenheit ins Felde. Ja allerdings, in diesem Punkt geben wir Lenin recht, nur gilt das auch für seinen demokratischen Zentralismus!!

Schlussfolgerung: Die Frage der Verbindlichkeit sollte eng verknüpft werden mit der Qualität der demokratischen Diskussionen. Ein gewisser Zentralismus wird notwendig sein, aber die simple Gegenüberstellung Demokratischer Zentralismus oder bunter Haufen-Gesamtmüslichaos ist kindisch und schlicht unseriös.

Was ist die Minimalgrösse, damit das Projekt gestartet werden kann?

Es ist klar, je sektiererischer das Konzept ist, desto tiefer liegt die Zahl der möglichen Mitglieder bei Gründungsstart und was viel eher eine Konsequenz einer gewissen Konzeption ist, wird von ihnen dann im Handumdrehen zu einem objektiven einzig realistischen Faktum gemacht. Eigentlich ist die zahlenmässige Grösse beim Gründungsstart nicht der matchentscheidene Aspekt, noch viel wichtiger ist die Wachstumsdynamik in den ersten vielleicht zwei Jahren nach der Gründung. Die Glaubwürdigkeit, die Dynamik, die Kreativität und auch der Mut, die positive Waghalsigkeit, die sachliche Differenziertheit und die unsektiererische Diskussionsweise der ersten politischen und organisatorischen Kampagnen in dieser Phase werden viel darüber entscheiden, wieweit wir im Mileu des avisierten Zielpublikums die sehr starke und nicht ganz zu Unrecht dominierende Skepsis und Misstrauen durch überzeugende Glaubwürdigkeit beseitigen und überwinden können. Und welches ist das Zielpublikum? Die Frage an sich ist nicht so schwierig, jedoch das Wie dabei vorgehen ist ziemlich komplex und wäre sicherlich noch intensiv zu diskutieren. Grob würde ich mal Teile aus drei Milieus ausmachen: Die Gruppe der vorwiegend jungen und politisch relativ unbeschriebenen Leute, die in irgendwelchen Bewegungen aktiv sind wie Occupy Bewegung, Streiks etc., die Gruppe der sogenannt „politisch Heimatlosen,“ das heisst von eher älteren Leuten, die politisch z.T. jahrelang aktiv waren oder eher zurückgezogen noch in irgendeinem Solikomitee hocken oder auch nirgendwo, die oft mal Mitglieder von linken Organisationen waren, die immer noch Antikapitalisten und Sozialisten sind, aber die Schnauze gestrichen voll haben von dogmatischen, sektiererischen und undemokratischen linken Kleingrüppchen und schliesslich noch jene Gruppe von Leuten, die in linken Strömmungen innerhalb der Partei die Linke aktiv sind, oder in den Gewerkschaften, oder die regelmässige Leser von „Analyse & Kritik und ähnlichen Zeitungen sind.

Die Breite des antikapitalistischen Pols, auch nach der Organisationsgründung, ist eine fast permanent zu diskutierende Problematik. Ich war von 1984 – 1993 Aktivist und davon fünf Jahre auch bezahlter Funktionär der brasilianischen PT. Die PT hatte auf ihrem Höhepunkt 1988/1989 etwa 200′000 Mitglieder, davon waren 30′000 AktivistenInnen. Die ca. acht nationalen revolutionären Tendenzen innerhalb der Partei stellten auf den Kongressen zwischen 35 bis knapp 50% der DelegiertenInnen. Die Breite und die Hegemonie der Reformisten um den im Jahre 2002 zum brasilianischen Präsidenten gewählten Lula, der dann eine z.T. noch kapitalfreundlichere Politik machte als die Militärregimes (1964 – 1985), waren aber nicht der eigentlich zentrale Knackpunkt, sondern vielmehr die chronische Unfähigkeit der linken Strömungen sich in einigen strategischen Fragen zu einem geeinten, handlungfähigen Block zu verbinden, der im richtigen Moment (meiner Ansicht nach wäre das 1991/92 gewesen) den organisatorischen Bruch zwischen den revolutionären und den reformistischen Kräften vollzogen hätte. Zudem waren alle linken Tendenzen und nicht nur die Reformisten bis auf eine (die trotzkistischen Morenisten) in der Praxis in erheblichen Masse von der „parlamentarischen Krankheit“ erfasst und hatten Demokratiedefizite, während die in der Wahlfrage vorbildlichen Morenisten dafür einen schwer ertragbaren sektiererischen Arbeitsstil besassen, der die Blockbildung sehr behinderte. Ja, wo man auch hinschaut in der Geschichte der sozialistischen Weltbewegung, solange es den revolutionären Kräften nicht gelingt im richtigen Abstand zwischen der Skylla und der Charybdis hindurchzumanövrieren, werden sie zerrissen durch das eine oder das andere Ungeheuer und nicht selten auch durch beide Ungeheuer gleichzeitig.

P. S.

Ich bin besorgt über die geringe Breite der TeilnehmerInnen in dieser Diskussionsplattform. Man muss an den diversen Veranstaltungen und Politanlässen intensiver die Leute dazu ermuntern, an der Diskussion teilzunehmen. Auch kleine, kurze und kürzere Beiträge sind nützlich und wichtig! Dazu muss man allerdings dringendst verhindern, dass der Diskussionsblog scham- und rücksichtslos missbraucht wird. Irgendwelche Meinungsartikel was Mandel, Reich und x und y zur Frage z meinen, auch wenn sie noch so interessant sein mögen, gehören auf jeden Fall nicht auf den Hauptteil des Blog mit den Diskussionsbeiträgen zum angestrebten Projekt und den direkten Kommentaren dazu.
Der Administrator oder wer auch immer dazu die Befugnis hat, sollte sie allesamt entfernen. Die Unübersichtlichkeit und die Dominanz einer einzigen Person auf dem Haupteil schadet dem Projekt, schreckt Neue, die in den Blog hineinschauen ganz massiv ab. Niemand hat das Recht die Diskussionsplattform täglich mit seinem Zeugs buchstäblich zuzupflastern, das ist eine unhaltbare Zumutung die sofort bendet werden sollte!

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57 Antworten auf „Zwischen Skylla und Charybdis“


  1. 1 Michael Prütz 17. Dezember 2011 um 18:01 Uhr

    Der Text begeistert mich.Ich sehe zwar Lenins Rolle Im jahre 1917 etwas anders,aber für eine neue antikapitalistische Organisation ist es unumgänglich,vermeintlich in Stein gemeißelte Weisheiten zu hinterfragen.Man merkt dir an,das du schon mal in einer Massenpartei aktiv warst.Richtig klasse!

    Michael Prütz

  2. 2 jboe 17. Dezember 2011 um 18:36 Uhr

    Die Idee, an die Organisationsform der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA, auch: Erste Internationale) anzuknüpfen, also einer Organisation aus dem 19. Jahrhundert (die zudem nur gut ein Jahrzehnt überlebte), mutet auf den ersten Blick paradox an.

    Andererseits befinden wir uns heute in einer Situation, in der die Arbeiterbewegung nicht nur einer politischen Neuorientierung bedarf (wie nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs, also zu Zeiten von Zimmerwald und der Bewegung für eine 3. Internationale). Es geht nicht nur um eine Neuorientierung, sondern auch um einen Neuaufbau der Arbeiterbewegung, wie die von mir trotz aller Meinungsverschiedenheiten sehr geschätzte Lucy Redler vor vier Jahren in einem Interview mit Robert Allertz darlegte.

    Ich würde hinzufügen: Der entscheidende, materielle Grund, warum wir heute die Arbeiterbewegung neu aufbauen müssen (und insofern in einer ähnlichen Situation wie zu Zeiten der Industrialisierung, also der IAA stehen), ist ganz einfach, dass heute eine neue Arbeiterklasse entsteht, die von den traditionellen Organisationen (Gewerkschaften nund Parteien) kaum noch erreicht wird und diese auch nicht selbstverständlich als ihre Organisationen ansieht. Ein Problem ist dabei, dass diese neue Arbeiterklasse oder die neuen proletarisierten Schichten sehr heterogen sind. Chinesische Wanderarbeiter und scheinselbständige IT-Spezialisten mit Werkverträgen, aber beide bei BMW, die einen in Leipzig, die anderen in Shenyang. Eine flexible Form wie die der Internationalen Arbeiterassoziation hat vor diesem Hintergrund einen gewissen Charme.

  3. 3 Michael Prütz 17. Dezember 2011 um 18:47 Uhr

    Neuaufbau meint aber auch eine Neupolitisierung der Lohnabhängigen.Es gibt eben heute kein durchgängig reformistisches Bewustsein breiterer Schichten,an dem
    revolutionäre Kräfte anknüpfen könnten.Aber dadurch entsteht auch ein Raum,der von uns besetzt werden kann
    und muß.Dies geht nur wenn man die engen Korsetts des eigenen Denkens und des organisatorischen Zirkelwesens hinter sich läßt.

  4. 4 systemcrash 17. Dezember 2011 um 19:27 Uhr

    „Dazu muss man allerdings dringendst verhindern, dass der Diskussionsblog scham- und rücksichtslos missbraucht wird. Irgendwelche Meinungsartikel was Mandel, Reich und x und y zur Frage z meinen, auch wenn sie noch so interessant sein mögen, gehören auf jeden Fall nicht auf den Hauptteil des Blog mit den Diskussionsbeiträgen zum angestrebten Projekt und den direkten Kommentaren dazu.
    Der Administrator oder wer auch immer dazu die Befugnis hat, sollte sie allesamt entfernen. Die Unübersichtlichkeit und die Dominanz einer einzigen Person auf dem Haupteil schadet dem Projekt, schreckt Neue, die in den Blog hineinschauen ganz massiv ab. Niemand hat das Recht die Diskussionsplattform täglich mit seinem Zeugs buchstäblich zuzupflastern, das ist eine unhaltbare Zumutung die sofort bendet werden sollte!“

    von deiner demokratischen einstellung bin ich sehr beindruckt und das lässt für die zukunft der NAO hoffen. damit setzt du dich klar vom leninistischen monolithismus ab. ausserdem fühle ich mich sehr geehrt, dass du sooo einen langen text schreibst, um gegen mich zu polemisieren, ohne meinen namen zu nennen. sind damit nicht die armen lohnarbeiter überfordert?

    ich sehe es schon vor meinem geistigen auge, wie Tino und die SIB nach dem „bruch“ die konterrevolution mit wattebällchen bekämpfen …leider wird dieses szenario niemals wirklichkeit werden; oder besser „gott sei dank“ ;)

    ps. die historischen fehlentwicklungen, die tino beschreibt, sehe ich mindestens genauso kritisch wie er. den begriff „substitutionalismus“ habe ich auf diesem blog als erster geschrieben. in meinem blog finden sich ein haufen artikel, die sich kritisch mit lenin beschäftigen. meine sympathien gelten eher dem trotzki von 1904 als dem von 1938. und das mein blog unter dem logo von rosa luxemburg erstellt ist, ist ebenfalls kein zufall. allerdings vermag ich immer noch bolschewismus von stalinismus zu unterscheiden. wer das nicht kann, landet bei der sozialdemokratie (in rechter oder LINKER variante), ob er das will oder nicht.

    den demozent an den bolschweki zu verdammen — und das in einer BÜRGERKRIEGSSITUATION —, ist einfach nur billig. demozent heisst genau das, was ich geschrieben habe: volle freiheit der kritik nach innen, volle einheit der aktion nach aussen. wer das nicht will oder hinkriegt, kann von mir aus von der revolution träumen …sie bleibt dann aber auch einer … und vlt ist das sogar besser …..

  5. 5 Administrator 17. Dezember 2011 um 19:47 Uhr

    Wir werden hier niemandem den Mund verbieten, abgesehen von Faschisten, Rassisten, Sexisten, sonstigen üblen Reaktionären, Rumpöblern oder Trollen. Aber die Mahnung, stärker unserer Verantwortung als Diskussionsleitung nachzukommen, ist in letzter Zeit von vielen Seiten an uns herangetragen worden. Wir haben noch nicht ausdiskutiert, wie wir das genau umsetzen, aber soviel ist sicher: Ein bißchen mehr strukturierend eingreifen werden wir in Zukunft auf jeden Fall.

  6. 6 systemcrash 17. Dezember 2011 um 19:54 Uhr

    „Ein bißchen mehr strukturierend eingreifen werden wir in Zukunft auf jeden Fall.“

    das kann nur gut sein ;)

    und noch mal zur erinnerung: die einladung, hier zu schreiben, kam von DG. ich hätte hier nur kommentare geschrieben, weil ich kein SIBler bin. ICH nehme nämlich den demozent ernst.

    und mengenmässig bin ich immer noch weit hinter DG … du polemisierst also gegen den falschen, tino ;)

  7. 7 systemcrash 17. Dezember 2011 um 20:06 Uhr

    da ich hier nicht mehr veröffentlichen kann, werde ich meinen text als kommentar hier veröffentlichen

    Zwischenbilanz der bisherigen „Organisationsdebatte“

    nachdem ich eine zeitlang auf dem blog der NAO (http://arschhoch.blogsport.de/) gepostet habe, ist ein erstes resumee der erfahrungen angesagt.

    zunächst einmal muss ich sagen, dass die diskusionen auf dem blog mir einen grossen input gegeben haben, sowohl was die erarbeitung politischer inhalte betrifft als auch einen schub an energie durch die aussicht auf mögliche politische erfolge der radikalen linken. leider muss ich den zweiten punkt jetzt etwas gebremster sehen. aber dazu später.

    die wichtigste erfahrung war sicher der programmatische kampf gegen die „bochumer“, der zu einer gewissen klärung des verhältnisses von revolution und reform geführt hat. da hat insbesondere der genosse DGS von der SIB ein paar hervorragende statements zu geschrieben. so weit ich die lage auf dem blog beurteilen kann, scheinen die bochumer (vorerst) eine niederlage eingesteckt zu haben. sie tauchen so gut wie nicht mehr auf.

    der genosse KHS, der ursprünglich eher zu den bochumern tendierte, scheint jetzt eine art mittelposition zwischen bochum und SIB einzunehmen, aber mit deutlicher tendenz in richtung SIB, was natürlich sehr begrüssenswert ist.

    ursrprünglich ging ich von einer politischen nähe zum genossen DGS aus, was auch in vielen fragen sicher der fall ist. aber in der frage des demokratischen zentralismus hat er jetzt die hosen runterfallen lassen und sich als vertreter eines organisatorischen menschewismus entpuppt. damit ist mir natürlich als vertreter des linkesten „flügels“ der NAO die basis entzogen. eine „diskussion“ mit notorisichen workeristen, die auch noch mit antikommunistischen reflexen durchsetzt sind, macht aus meiner sicht keinen sinn mehr. eine politik der umgruppierung vorgeblich revolutionärer kräfte ist damit nicht mehr gegeben. und genau das war meine ursprüngliche intention, an der NAO debatte teilzunehmen. (http://www.trend.infopartisan.net/trd1011/t371011.html)

    wie das ganze jetzt weiter geht, kann ich noch nicht sagen. ich werde erst mal abwarten und beobachten, wie sich die debatte weiterentwickelt, WENN sie sich weiter entwickelt. sollte sich die möglichkeit einer linkspolarisierung auf dem blog ergeben, werde ich mich natürlich wieder an der debatte beteiligen. aber vorerst scheint mir die luft aus dem NAO projekt raus zu sein. die anfängliche euphorie („ein paar tausend mitglieder“ wurde getönt) scheint sich in ratlosigkeit aufgelöst zu haben. es scheint völlig unklar zu sein, wen man überhaupt ansprechen will als mögliche „partner“. die kräfte, die die SIB umgarnt, scheinen jedenfalls kein interesse zu haben. die einzigen beiden expliziten unterstützungen kamen von RSB und SOKO, und die machen aber nichts zur vorbereitung. von RIO und GAM gibt es stellungnahmen, aber ebenfalls keine beteiligung. die ausweitung auf gruppen wie avanti, IL oder das postautomome und das postantiimperialistische milieu existiert wohl nur in der fantasie einiger SIBler. also alles in allem, eine sehr ernüchternde bilanz ! (von SAV und isl gibt es gar keine positionierungen, beide dürften aber an der NAO kein bis wenig interesse haben, weil sie eine mehr oder weniger entristische orientierung auf die LINKE haben)

    ich persönlich werde weiterhin in meinem blog für eine revolutionär-marxistische programmatik eintreten. aber für eine konkrete organisationsperspektive bräuchte man bündnispartner, und die sehe ich leider nicht.

    der NAO kann ich keine positive zukunft prophezeien, falls sie überhaupt je das licht der welt erblickt. sie wird im besten fall eine weitere zentristische klein(st)gruppe sein, die in keinster weise für eine revolutionäre perspektive eintreten kann. im schlimmsten fall wird es ein antikommunistischer reformistenverein (bochum) oder eine hilfstruppe der LINKEN sein. wie auch immer, ein paar erkenntnisse wurden gewonnen, die eigentliche aufgabe — die umgruppierung auf revolutionärer grundlage — bleibt weiterhin ungelöst. und neben unklarheiten bei politischen inhalten hat sich leider auch gezeigt, dass die psychologie kleinbürgerlicher „linker“ nicht wirklich besser ist als der gesellschaftliche gesamtdurchschnitt. das macht die aufgabe nicht gerade einfacher.

    http://systemcrash.wordpress.com/2011/12/16/zwischenbilanz-der-bisherigen-organisationsdebatte/

  8. 8 systemcrash 17. Dezember 2011 um 20:12 Uhr

    warum wurde mit die schreibfunktion entzogen?
    gilt die einladung von DG nicht mehr?
    oder ist das eine zensur oder ein unvereinbarkeitsbeschluss gegen trotzkisten ?

  9. 9 Administrator 17. Dezember 2011 um 20:13 Uhr

    @ systemcrash:

    da ich hier nicht mehr veröffentlichen kann, werde ich meinen text als kommetar hier veröffentlichen

    Du kannst hier auch als Autor weiterhin veröffentlichen. Ich habe Deinen Beitrag lediglich in der Warteschlange geparkt. Tinos Artikel ist nicht mal zweieinhalb Stunden online. Ich wollte ihm einfach die Chance geben, ein bißchen länger ganz oben zu stehen. Naja, nun steht dein Text hier unten. Ist ja auch gut, oder?

  10. 10 systemcrash 17. Dezember 2011 um 20:14 Uhr

    nein, ich werde ihn veröffentlichen …. in zwei stunden!!!

    nein, im ernst, gib ihn frei, wenn du es für richtig hälst :)

  11. 11 Wat. 17. Dezember 2011 um 20:31 Uhr

    „so weit ich die lage auf dem blog beurteilen kann, scheinen die bochumer (vorerst) eine niederlage eingesteckt zu haben. sie tauchen so gut wie nicht mehr auf.“

    Ich finde, es waren hier genug, die mit oder sehr nah an „Bochumer“ Postitionen hier geschrieben haben in den letzten Tagen…

    Wir wollten/sollten doch entschleunigen oder schon vergessen^^
    Ich hab mich versucht dran zu halten und auch anderen die Möglichkeit zu geben, ihre Postition zu vertreten.

    PS Wenn die „Bochumer“ eine Niederlage einstecken, dann stecken alle Besitzlosen „eine Niederlage“ ein.
    Dass es bei einigen (höflich formuliert) nur sehr nachrangig um die Lohnarbeiter/Besitzlosen geht, ist offensichtlich.

  12. 12 systemcrash 17. Dezember 2011 um 20:37 Uhr

    „Wenn die „Bochumer“ eine Niederlage einstecken, dann stecken alle Besitzlosen „eine Niederlage“ ein.“

    klar, in bochum existiert das proletariat noch als xxx* glückliche gesamtklasse ;)

    ----
    *die glückliche, heilige kuh der gesamtklasse wegen trollverdacht gelöscht. systemcrash

  13. 13 Administrator 17. Dezember 2011 um 20:43 Uhr

    >< ((((º>

  14. 14 systemcrash 17. Dezember 2011 um 21:38 Uhr

    >

    wenn du das für trollig hälst, dann lösch den kommentar doch. aber ich sage dir, dann landest du genau da, wo die bochumer und tino NICHT hinwollen. im übrigen wäre eine diskussion über die „gesamtklasse“ (in dem kontext macht der begriff tatsächlich annähernd sinn) und warum sie 200 jahre kapitalismus (und 80 jahre stalinismus) über sich ergehen lassen, genau UNSER thema. offensichtlich ist nämlich die überwindung des kapitalismus (und herrschaftsformen ÜBER das proletariat) schwieriger zu machen als uns allen lieb ist. und da es in der politik nicht um wunschvorstellungen geht, sondern um die kursbestimmung in der sozialen REALITÄT, wäre das genau die aufgabe dieses blogs. wenn aber nicht mal politische jokes und ironie verstanden werden, wird das natürlich schwierig.
    vlt solltet ihr euch dann ein politisch etwas weniger ambitioniertes projekt aussuchen ! vlt eine therapiegruppe für gestörte kommunikationstrukturen ehemaliger linksradikaler ;)

    übrigens: wenn ihr der meinung seid, dass zwei artikel am tag zu viel sind für die „lohnabhängigen“, seid ihr dann für ein verbot von massenzeitungen, TV und internet (ausser der NAO seite)?

    Wat: planst du schon die herausgabe der reihe „der rote arbeiterrom. lebensnahe geschichten aus dem pott“ ?

    [ot. vielen dank für den super thread. schon lange nicht mehr so viel gelacht]

  15. 15 Mario Ahner 17. Dezember 2011 um 23:52 Uhr

    Sehr schöner Artikel, der genau in jene Richtung zielt, die ich für zukunftsweisend halte. Gerade die neuere Generation hat keine Lust auf altmarxistische Betonkopf-Debatten und überkomplexes Theoriegeschwurbel. Die radikale Linke sollte auch hier sowohl vom Akademismus wie vom Stumpf-Einpunkt-Aktionismus wegkommen.

  16. 16 systemcrash 18. Dezember 2011 um 0:03 Uhr

    „Sehr schöner Artikel, der genau in jene Richtung zielt, die ich für zukunftsweisend halte. Gerade die neuere Generation hat keine LUST [herv von mir] auf altmarxistische Betonkopf-Debatten und überkomplexes Theoriegeschwurbel. Die radikale Linke sollte auch hier sowohl vom Akademismus wie vom Stumpf-Einpunkt-Aktionismus wegkommen.“

    LUST … das ist ein gutes stichwort!
    ist politik eine frage der „lust“? ja und nein. wenn tino erlaubt, war das genau das thema von wilhelm reich. aber das sollen die leser dieses blogs ja nicht erfahren, das könnte sie ja überfordern. um gottes willen.

    auf alle fälle, mit dieser „modernen“ einstellung zur politik wird die NAO bahnbrechendes leisten. ich sehe es schon vor meinem geistigen auge, wie die NAO texte die staubfänger aus der mottenkiste wie marx, lenin, luxemburg und trotzki (dühring, proudhon, bernstein und kautsky kennt eh keiner im original) überflüssig machen.

    wir gehen herrlichen zeiten entgegen, wo niemand mehr der zumutung ausgesetzt ist, selbständig denken zu müssen.

    willkommen „linke“, schöne neue welt !

  17. 17 Administrator 18. Dezember 2011 um 0:31 Uhr

    Selbständig denken ist etwas anderes als permanent das Universum zuzutexten.

  18. 18 Chris 18. Dezember 2011 um 0:42 Uhr

    Hi,
    ich verfolge den Block seit ein paar Wochen, die Fragestellungen sind mir wichtig, aber ich habe ernsthaft Mühe mit der selbstdarstellerischen Vielschreiberei einiger Genossen. Man kann ein Projekt auch durchaus verbal oder schriftlich zumüllen – ich würde etwas mehr Selbstdisziplin gut finden – und bitte schreibt jetzt nicht wieder weinerliche Kommentare dazu – die angesprochenen wurden in der letzten Zeit mehrmals und vermehrt dazu aufgerufen sich etwas mehr zu zügeln.
    Vorschlag: die Themen ordnen und moderieren – gerne auch editorisch eingreifen – es bringt uns allen nichts, wenn das ganze in Gequassel ausartet. Was wir brauchen sind kurze und prägnante Beiträge, die versuchen die Fragen auf den Punkt zu bringen. Ich möchte die Initatoren ermutigen etwas ordnend einzugreifen und ich halte das keineswegs für undemokratisch – im Gegenteil – wenn es Raum für echte Debatte und Beteiligung schafft, im Interesse vieler, sogar für notwendig!
    Beste Gruesse
    Chris

  19. 19 systemcrash 18. Dezember 2011 um 0:50 Uhr

    „Administrator
    18. Dezember 2011 um 0:31 Uhr
    Selbständig denken ist etwas anderes als permanent das Universum zuzutexten.“

    gibts hier ne mengenbegrenzung ?

    hast du auch einen namen, admin ?

    „zuzutexten“ ist eine qualitative wertung. worauf stützt du diese wertung? ich schreibe meine texte mit besten wissen und gewissen. was gibt dir das recht, mir das abzusprechen? wenn ihr hier minidiktatoren spielen wollt, bitte …. aber lasst dann gefälligst eure politische heuchelei und doppelmoral sein. das ist ja widerlich !

  20. 20 systemcrash 18. Dezember 2011 um 0:57 Uhr

    wenn ich bis morgen nicht meine schreibfreigabe habe, gehe ich von politischer zensur und einem politischen ausschluss aus.
    dann werde ich mich dementsprechend öffentlich äussern.
    überlegt euch, ob ihr das NAO projekt SO starten wollt !

  21. 21 systemcrash 18. Dezember 2011 um 1:07 Uhr

    „…selbstdarstellerischen Vielschreiberei einiger Genossen. Man kann ein Projekt auch durchaus verbal oder schriftlich zumüllen – ich würde etwas mehr Selbstdisziplin gut finden – und bitte schreibt jetzt nicht wieder weinerliche Kommentare dazu – die angesprochenen wurden in der letzten Zeit mehrmals und vermehrt dazu aufgerufen sich etwas mehr zu zügeln.“

    Chris, der einzige, der was auf den deckel kriegt, bin ich, also nicht plural, sondern singular, bitte. aber wie heisst es so schön: viel feind, viel ehr` ;)

  22. 22 Jürgen Suttner 18. Dezember 2011 um 1:20 Uhr

    Es ist schon ein seltsamer Beitrag der zwischen Reformismus und Sektierertum mit altgriechischem Wissen die Diskussion und eine zukünftige revolutionäre Organisation vor untiefen bewahren möchte. Tino P. tritt ein für „wir brauchen eine breitere Organisation, mit einem nicht allumfassenden Minimalkonsens, nämlich „nur“ klarer Antikapitalismus, radikal demokratisches Funktionieren, Einheitsfrontmethode und minimale Verbindlichkeit im Rahmen einer Organisation, das heißt minimaler Zentralismus“ und er behauptet Für eine perfekte revolutionär-marxistische Organisation in Deutschland schlicht die objektive Grundlage fehle. Darum sei auch die Analogie der Bochumer (I Internationale) keine schematische Überstülpung, sondern ein ihrem Kern ähnlich gearteter Problemkomplex. So sieht er wohl im Moment mehr die sektiererische Denkweise als ein Bedrohung an und den Reformismus dann erst im Nachhinein als eine Gefahrenquelle.
    In seinem Exkurs über den Demokratischen Zentralismus zeigt Tino P. letztlich, dass auch er den demokratischen Zentralismus nur in einem Rückgriff auf Lenin und Stalins Zeiten begreifen kann und ihn nicht auf die heutigen Bedürfnisse anwenden kann. So bleibt er in einer vermeintlichen Demaskierung des Demokratischen Zentralismus stehen. Er kann daher den d. Z. nicht als demokratische auf gemeinsamer (Zentralen) Grundlage sich entwickelnden dialektischen Prozess begreifen. Denn, nur auf dieser Grundlage wird die Möglichkeit geschaffen als Organisation vorwärtstreibend in die Kämpfe einzugreifen. Denn nur so können wir voneinander lernen durch Kampf, Kritik, Umgestaltung (Mao) um zukünftige Fehler zu vermeiden. Der demokratische Zentralismus Dient somit als ein demokratischer vereinheitlichungs und lern Prozess. Letztendlich kann das nur das Ziel einer NAO sein, als eine gemeinsame revolutionäre Kraft zu wirken und sich nicht in einem beliebigen da und dort zu verlieren.
    Es ist daher nicht hilfreich den demokratischen Zentralismus nur die Rolle als „minimalen Zentralismus“ zuzugestehen. Wie soll mit „radikal demokratisches Funktionieren (was immer das ist) die Einheitsfrontmethode als politische Strategie angegangen werden?
    Gerade in einer Zeit in der die Kämpf unterentwickelt, wo die vielen Niederlagen noch präsent sind, wird Sektierertum und Reformismus in einer NAO ein ständiger Begleiter sein. Erst mit der Entwicklung einer gemeinsamen revolutionären Praxis lassen sich diese Erscheinungen zurückdrängen. Es ist wohl eine typische Erscheinung das die subjektiven Revolutionäre Sektierertum und Reformismus nur durch den Rückgriff Ihrer jeweils bevorzugten Klassiker bekämpfen können. Sie können es kaum aus den heutigen Kämpfen aus den heutigen Entwicklungen ableiten. Dadurch wirkt die ganze Diskussion auch etwas schief.
    Während die 1. Internationale vor 150 Jahren doch wohl ein internationaler Zusammenschluss der revolutionäre mit verschiedensten Erfahrungen unterschiedlicher Praxis waren, sollen sich doch hier in Deutschland mit relativ gleich unterentwickelten Klassenkämpfen die verschiedensten subjektiven und sonstigen Revolutionäre zusammenschließen. Das einzige Gemeinsame beider Situationen ist wohl nur das sich unterschiedliche revolutionäre zusammenschließen wollen. Damals hatten wir den Prozess des Zusammenschluss der jungen internationalen Arbeiterbewegung, heute haben hier eine daniederliegende zersplitterte auf unterschiedlichster Erfahrungsebene sich befindend revolutionäre linke die es nach Relevanz dürstet. Und die Bochumer machen ja den Rückgriff auf die 1. Internationale, weil sie meinen dort einen gemeinsamen Nenner gefunden zu haben den alle teilen könnten. Sie vergessen aber, dass Sie nur durch eine Bewertung der letzten 90 Jahre zu Ihrer Erkenntnis gekommen sind. Das aber nicht alle hier diese Erkenntnis aus guten Gründen teilen wird dabei übersehen. Also beginnt, wenn wir uns nicht darüber bewusst sind, die ganze Schose von vorne.

  23. 23 systemcrash 18. Dezember 2011 um 1:28 Uhr

    „Das aber nicht alle hier diese Erkenntnis aus guten Gründen teilen wird dabei übersehen. Also beginnt, wenn wir uns nicht darüber bewusst sind, die ganze Schose von vorne.“

    marx hat das etwas drastischer ausgedrückt: „die alte scheisse“ ;) , aber ansonsten super kommentar. respekt

  24. 24 uwe 18. Dezember 2011 um 1:44 Uhr

    eine alte weisheit besagt, wenn zwei sich streiten, dann freut sich der dritte.
    es macht aber einen unterschied ob man mit einander streitet oder sich gegenseitig bekämpft.
    systemcrash hatte angekündigt politische gegner hier zu bekämpfen. gegener scheinen die zu sein, welche nicht auf ihrer/seiner linie sind.

    ich habe bisher nur einmal an einer gründung einer organisation aktiv teilgenommen. dabei handelte es sich um eine antifa in ost-berlin. die gründung wurde notwendig, da die angriffe der nazis immer weiter zu nahmen.
    nach dem ersten treffen stellte sich heraus, das die vorstellungen wie gegen die nazis vorzugehen sei verschieden waren. es gab zwei gruppen eine gawltfreie und eine gewalttätige. nach einer kurzen disskursion, welcher weg der richtige sei, wurde der beschluß gefasst, das beide gruppen zusammen in einer organisation arbeiten. es war für alle auch selbstverständlich zusammen zuarbeiten, weil wir alle das gleiche ziel hatten.
    sicherlich ist die gründung einer antifa nicht mit der einer NAO vergleichbar, aber es sollte eine selbstverständlichkeit sein sich nicht gegenseitig zu bekämpfen.

    „Die Tragik unserer Epoche besteht nur darin, dass weit und breit keine revolutionäre Klasse, kein revolutionäres Subjekt auszumachen ist. Der ideologische Sieg des Kapitalismus scheint gerade in seiner Niederlage absolut zu sein, für breiteste Bevölkerungsschichten sind Alternativen zur kapitalistischen Vergesellschaftung schlicht undenkbar. Sollte keine breite, progressive, antikapitalistische Bewegung innerhalb des einsetzenden Krisenprozesses entstehen, droht uns der zivilisatorische Zusammenbruch. Die Aufgabe der revolutionären, antikapitalistischen Linken besteht zuvorderst darin, das öffentliche Bewusstsein über diese höchst gefährliche Situation – die jederzeit in Barbarei umschlagen kann – zu verbreitern und postkapitalistische, jenseits der uferlosen, fetischisierten Kapitalreproduktion angesiedelte gesellschaftliche Alternativen zu diesem autodestruktiven, spätkapitalistischen System zu diskutieren und aufzuzeigen. Wir müssen – in den konkreten Kämpfen vor Ort – zuerst revolutionäres Bewusstsein schaffen; also das Bewusstsein darüber, dass wir uns in einer revolutionären Situation befinden, dass das kapitalistische System an seine Entwicklungsgrenzen gestoßen ist. Die konkrete Aktion, der Abwehrkampf vor Ort, der Streik, die Betriebsbesetzung, die Straßenblockade, die Demonstration – diese vor uns liegenden Kämpfe müssen bereits als Teil des Ringens um eine postkapitalistische Gesellschaft aufgefasst und propagiert werden. Wir müssten ja an konkreten Kämpfen ansetzen − mit den Menschen streiten, die in dieser Krise unterzugehen drohen, diese konkreten Kämpfe zusammenführen zu ihrem gemeinsamen, objektiven, um des Überlebens der menschlichen Zivilisation willen absolut notwendigen, scheinbar so „abstrakten“ Ziel: der Überwindung dieses über uns zusammenbrechenden kapitalistischen Systems.“
    http://www.konicz.info/?p=632

    etwas verantwortung in form von mehr toleranz wäre sicherlich hifreich.

  25. 25 systemcrash 18. Dezember 2011 um 1:49 Uhr

    toleranz hat aber immer ZWEI seiten, gell ;) !

    und wenn ich schreibe „politische gegner bekämpfen“ dann mein ich das natürlich in einem politisch-inhaltlichen sinn und nicht in einem „militärischen“, ich dachte eigentlich, dass das klar sei. aber ich werde doch immer wieder von der realität eines besseren belehrt ;)

  26. 26 systemcrash 18. Dezember 2011 um 2:23 Uhr

    aber so langsam versteh ich, warum es sich jede bestehende organisation tausendmal überlegt, bevor sie ihre eigenständige existenz einem „einheitsprojekt“ opfert. wenn irgendso ein hergelaufener minidiktator meint, die und die meinung passt ihm nicht, wird demjenigen, der sie vertritt, einfach die ausdrücksmöglichkeit genommen. wenn dieses beispiel die runde macht, kann sich die NAO ihre „bündnispartner“ selber backen

    und solche leute lehnen dann den demokratischen zentralismus ab …man versteht, warum ;)

  27. 27 Administrator 18. Dezember 2011 um 9:07 Uhr

    @ systemcrash: Hier stehen 28 Kommentare, davon sind 14 von Dir – sieht das für dich so aus, als hätten wir die „die Ausdrucksmöglichkeit genommen“?

    Ich habe Dich gebeten, hier nicht „permanent das Universum zuzutexten“, weil du mit dieser Verhaltensweise die Diskussion sabotierst. Das scheint dir aber nicht bewusst oder egal zu sein. Es geht nicht darum, deine Ideen politisch zu zensieren oder abzuwerten. Letzteres tust du – sicher unbeabsichtigt – selbst, denn dein „Zutexten“ ist ein Paradebeispiel, wie Quantität in Qualität umschlägt: Selbst wo du bemerkenswerte Argumente beisteuerst, wird das von vielen nur noch als Teil eines egomanischen Dauermonologs wahrgenommen.

    Eine fixe „Mengenbegrenzung“ gibt es bisher noch nicht. Wir haben in dieser Frage auf die Fähigkeit zur Selbstorganisation und Selbstdisziplin gebaut, aber vielleicht müssen wir die Regeln ändern.

    Im übrigen hat dir niemand „die Schreibfunktion entzogen“. Die Einladung, auch als Autor in diesem Blog zu schreiben, gilt weiterhin. Aber wir entscheiden, wann was veröffentlicht wird – so einfach ist das. Es gibt keinen Anspruch, schon gar nicht auf Echtzeit-Posting. Wir haben dich eingeladen, hier zu schreiben, aber das bedeutet nicht, dass wir alles von dir veröffentlichen müssen – auch wenn wir das bisher getan haben. Offenbar möchtest du jetzt einen Text, den du in diesem thread bereits als Kommentar veröffentlicht hast, nochmal als Blogbeitrag posten. Ich habe das blockiert, weil ich in einer solchen Doppelveröffentlichung keinen Gewinn für die Debatte erkennen kann.

    Wir stellen die Infrastruktur, also leiten wir auch die Diskussion. Diskussion ist nicht, wenn alle zur gleichen Zeit brüllen, Diskussion ist aber auch nicht, wenn eine oder zwei, drei Personen stundenlang reden und die anderen nur noch zuhören können. Wer das in seinem Auftreten nicht berücksichtigt, riskiert einen Ordnungsruf, im Extremfall auch den Rauswurf. Wir wollen integrieren, aber nicht um jeden Preis. Möglichkeiten, seinem Grundrecht nach Art. 5 GG nachzukommen, gibt es auch anderswo.

  28. 28 systemcrash 18. Dezember 2011 um 9:34 Uhr

    „Selbst wo du bemerkenswerte Argumente beisteuerst, wird das von vielen nur noch als Teil eines egomanischen Dauermonologs wahrgenommen“

    die stimmung der „vielen“, genau das ist das gegenteil von marxistischer politik.

    „Hier stehen 28 Kommentare, davon sind 14 von Dir – sieht das für dich so aus, als hätten wir die „die Ausdrucksmöglichkeit genommen“?“

    die meisten kritiken beziehen sich nun mal auf mich, also muss ich darauf antworten können. ich weiss, dass ich polarisiere, und dementsprechend sind die reaktionen. das ist ok. schliesslich gehts hier nicht um ein kaffekränzchen, sondern --angeblich-- um die bildung einer „antikapitalistischen“ organisation; und einige behaupten sogar, einen „revolutionären“ anspruch zu haben.

    „Offenbar möchtest du jetzt einen Text, den du in diesem thread bereits als Kommentar veröffentlicht hast, nochmal als Blogbeitrag posten“

    ich hab den text als kommentar veröffentlicht, weil ich ihn zu dem zeitpunkt nicht mehr als artikel veröffentlichen konnte. „offenbar“ ist deine bürokratische wahrheitsverdrehung bemerkenswert!

    „Die Einladung, auch als Autor in diesem Blog zu schreiben, gilt weiterhin. Aber wir entscheiden, wann was veröffentlicht wird – so einfach ist das.“

    so spricht eine „demokratische“ organisation in spe !

    die „NAO“ hat sich positioniert: GEGEN die revolutionäre politik!

    http://systemcrash.wordpress.com/2011/12/18/nao-neue-antikommunistische-organisation/

  29. 29 systemcrash 18. Dezember 2011 um 11:31 Uhr

    NAO = Neue Antikommunistische Organisation

    „Die Einladung, auch als Autor in diesem Blog zu schreiben, gilt weiterhin. Aber wir entscheiden, wann was veröffentlicht wird – so einfach ist das.“ — der NAO blog admin

    erinnert irgendwie fatal an „basta“, gell ;)

    seit gestern kann ich auf dem blog der NAO initiative (http://arschhoch.blogsport.de/) keine artikel mehr erstellen. die begründung vieler blogdiskussions-teilnehmer dafür war, dass man es den lesern nicht zumuten könne, mehre artikel am tag zu lesen, ausserdem solle der artikel von tino p. eine gewisse zeit an „erster stelle“ stehen, so die aussage des „admins“. http://arschhoch.blogsport.de/2011/12/17/zwischen-skylla-und-charybdis/

    ich akzeptierte ursprünglich die begründung mit dem an „erster stelle stehen“, einmal weil es in der tat keinen sinn macht, zuviele „infos“ auf einmal zu bringen. zum anderen ging ich zu dem zeitpunkt davon aus, dass der „admin“ DG ist, zu dem ich ein gewisses vertrauen habe. mittlerweile sind die „stellungnahmen“ (die man kaum so nennen kann) dieses „admins“ auf einem dermassen niedrigen niveau und so einseitig, dass ich eigentlich nicht glauben kann, dass DG sowas schreiben würde. denn er gehört zu den wirklich intelligenten zeitgenossen. und sowas respektiere ich, auch wenn man in politischen fragen unterschiedlicher ansicht ist.

    aufgrund dieses offensichtlichen „stimmungswandels“ auf dem NAO blog, habe ich mich dazu entschlossen, den entzug der technischen möglichkeit, dort artikel zu veröffentlichen, als POLITISCHE ZENSUR UND ALS POLITISCHEN AUSSCHLUSS aus dem NAO vorbereitungsprozess zu werten.

    damit sind die beiden ersten wirklichen NAO ESSENTIALS festgelegt:

    1) DIE NAO IST ANTIMARXISTISCH/ANTITROTZKISTISCH*

    2) DIE NAO IST UNDEMOKRATISCH/BÜROKRATISCH

    und jeder marxist, mit etwas politischer erfahrung, weiss, dass programmfrage und organisationsfrage aufs engste miteinander verknüpft sind.

    organisationen mit revolutionärem selbstanspruch sollten sich also sehr genau überlegen, ob sie sich dieser initiative von notorischen zentristen und reformisten anschliessen wollen, die schon im vorfeld ihrer „gründung“ ein derart bürokratisches verhalten an den tag legen. wer weiss, welche politische meinung als nächstes irgendeinem minidikatator nicht passt. dass die „revolution“ schnell ihre kinder fressen kann, wissen alle, die die linke politik nicht erst seit gestern betreiben.

    was auf dem blog im winzigen massstab passiert ist, zeigt, dass die logik des klassenkampfes keine halbheiten duldet, selbst wenn er erst mal nur auf theoretischer ebene stattfindet. und dann können ereignisse sich auf einmal in windeseile überschlagen.

    was im mikro-massstab passiert ist, kann auch jederzeit sich auf gesellschaftlicher ebene abspielen, insbesondere wenn sich die politische lage zuspitzt.

    das ist die EIGENTLICHE LEHRE der kurzen NAO episode. auch wenn wahrscheinlich in einem oder zwei jahren niemand mehr weiss, was die „NAO“ eigentlich mal war (wer kennt heute noch die USPD, SAP, UAP, VSP, NLO, Beilagenkreis ?), so sollte das in fleisch und blut eines jeden marxistens eingehen: wenn man die logik des klassenkampfes konsequent zu ende treibt, können DIE VERHÄLTNISSE SCHNELL INS TANZEN GERATEN!

    „Der Wirklichkeit ins Auge sehen; nicht den Weg des geringsten Widerstandes suchen; die Dinge beim Namen nennen; den Massen die Wahrheit sagen, so bitter sie auch sein mag; Hindernisse nicht fürchten; streng sein in den kleinen Dingen wie in den großen; Wagemut, wenn die Stunde der Aktion kommt; das sind die Regeln der IV. Internationale. Sie hat bewiesen, daß sie gegen den Strom zu schwimmen versteht. Die nächste geschichtliche Welle wird sie auf ihren Gipfel heben.“ (leo trotzki, übergangsprogramm) http://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1938/uebergang/ueberg2.htm#ban

    die eigentliche aufgabe besteht darin, auf der grundlage des übergangsprogramms die besten militanten für den aufbau einer revolutionär-marxistischen organisation zusammenzuschmieden. dies wäre dann die wahrhafte „NAO“. ich weiss, dass nichts dafür spricht, dass diese perspektive auch wirklichkeit wird. aber die menschen und die politischen verhältnisse sind nun mal so, wie sie sind. und wir können uns keine anderen backen, wir müssen damit zurechtkommenm und das beste aus der lage machen.

    wirkliche revolutionäre behalten trotz aller wdrigkeiten ihre zuversicht und ihren humor, weil sie wissen: die wahrheit kann man nicht besiegen.

    [nachtrag: http://systemcrash.wordpress.com/2011/12/18/offener-brief-an-die-links-radikalen-organisationen/ ]
    -----

    *ich sehe mich klar als trotzkisten, auch wenn ich in der russsichen frage keine orthodoxe position mehr vertrete

  30. 30 DGS / TaP 18. Dezember 2011 um 11:52 Uhr

    @ Systemcrash:

    Ich bin gerade mit anderen Dingen beschäftigt und mit dem, was hier gerade passiert, auch nicht einverstanden.

    Aber vielleicht könntest Du erst einmal eine mail an die SIB (oder an mich) schreiben, wenn Du Dich und Deine Texte hier unziemlich behandelt siehst, statt auf solche edit wars einzusteigen.

    dg

  31. 31 Wat. 18. Dezember 2011 um 11:59 Uhr

    @Jürgen Suttner

    Damals hatten wir den Prozess des Zusammenschluss der jungen internationalen Arbeiterbewegung, heute haben hier eine daniederliegende zersplitterte auf unterschiedlichster Erfahrungsebene sich befindend revolutionäre linke die es nach Relevanz dürstet. Und die Bochumer machen ja den Rückgriff auf die 1. Internationale, weil sie meinen dort einen gemeinsamen Nenner gefunden zu haben den alle teilen könnten. Sie vergessen aber, dass Sie nur durch eine Bewertung der letzten 90 Jahre zu Ihrer Erkenntnis gekommen sind. Das aber nicht alle hier diese Erkenntnis aus guten Gründen teilen wird dabei übersehen. Also beginnt, wenn wir uns nicht darüber bewusst sind, die ganze Schose von vorne. „

    Schreib doch bitte Deine guten Gründe, die zu einer anderen Erkenntnis führen (müss(t)en), hier auf.

  32. 32 khs 18. Dezember 2011 um 13:48 Uhr

    @ Tino

    An Tinos Beitrag hat mit gefallen, dass er daran erinnert, der Frage nachzugehen, wer die Zielgruppen der NAO-Initiative sein könnten. Seiner Meinung nach sind es: „Junge und politisch relativ unbeschriebene Leute“, zurückgezogene „eher ältere Leute“ und Leute, die „in linken Strömungen innerhalb der Partei die Linke aktiv sind, oder in den Gewerkschaften, oder die regelmässige Leser von „Analyse & Kritik und ähnlichen Zeitungen sind.“

    Ich stimme mit ihm darin nicht überein. Und zwar aus zwei Gründen:

    1) Eine Organisation, die nach ihrem Selbstverständnis für den Sozialismus/Kommunismus eintritt – was soll sonst das Adjektiv „antikapitalistisch“ – erkennt an, dass das revolutionäre Subjekt die proletarische Klasse ist, d.h. sie bezieht sich mit ihrer Politik auf die Klasse. Was soll dann aber die klassenunspezifische Zielgruppeneinteilung?

    2) Bei dieser klassenunspezifischen Zielgruppeneinteilung bleibt folglich die zentrale Frage ausgeblendet, soll sich der NAO-Vorschlag direkt an die Teile der Klasse richten, die begonnen haben, sich für ihre Belange selbständig zu organisieren ( Stadteilgruppen, Betriebsguppen) oder wird hauptseitig der Dialog mit Gruppen gesucht, die bereits anderweitig organisiert sind. Wenn ja, warum dann die Verengung auf die Linkspartei und die DGB-Gewerkschaften?

    Eine Antwort würde mich freuen.

    Mit solidarischen Grüßen
    khs

  33. 33 Chris 18. Dezember 2011 um 15:58 Uhr

    Hi, ein paar Anmerkungen zu Tinos Text:
    • es wäre erst noch zu diskutieren, was eine „recht radikale Massenbewegung“ ist. Bei den Bewe-gungen ‚des Nordens‘ oder ‚Westens‘ (occupy) jedenfalls nicht zu einem wie auch immer gearteten ‚rev. Bruch‘ gekommen ist, dürfte offensichtlich sein.
    • vermutlich anders als du, sehe ich in der LINKEN durchaus einen „glaubwürdigen alternativen Pol“, der keineswegs per se dem T.I.N.A-Prinzip frönt. Die Frage scheint mir eher, ob sich in dieser Partei eine breite Strömung (also auch tonangebend) für einen echten Bruch entscheiden könnte / wollte. Die Wurzeln der LINKEN sind sehr heterogen, das reicht von linksreformistisch bis zu (m.E. verwirrten) Anarchisten (die sich mit ihrem Wirken in einer PARTEI wieder finden).
    Damit bin ich bei einer Frage, die mich in Bezug auf die Diskussionen hier umtreibt. Soll die NAO eine »Partei« werden oder nicht. Ich bin nicht der Überzeugung, dass wir die geringen Kräfte die wir als pol. Linke haben, weiter zersplittern sollten. Was könnte, sollte uns eine neue Partei bieten können? Ungeachtet ob man sich von der parlamentarischen Bühne Gewinn verspricht oder nicht, wüsste ich zurzeit nicht, was eine neue linke Partei links von der LINKEN maßgeblich anders machen könnte. Ob man also bei der LINKEN mitarbeiten möchte oder nicht, ist eine Frage, die jede/r Genosse/in in erster Linie mit sich selber ausmachen muss. Mir mag scheinen da gibt es zurzeit kein Patentrezept. Als eine demütige anti-sektiererische Übung fände ich eine Mitarbeit allemal sinnvoll. Wer es nicht vermag in und unter solchen Kreisen zu arbeiten, wie soll die/der mit breiten Teilen der Bevölkerung arbeiten können. Wichtiger als eine neue Partei scheint mir ein Verbund von Aktivisten zu sein, die in ihrer täglichen (Klein-)Arbeit politisch-ideologisch und auch praktisch gestützt werden.
    Fakt ist doch: die meisten von uns sind eingebunden sind in ein ganzes Netz von Verantwortlichkei-ten und Zwängen, aus denen wir nicht so leicht und schnell ausbrechen können. Vereinzelung aber hat auch deswegen stattgefunden hat, weil herkömmliche Organisationsmodelle nicht mehr kongruent sind mit unserem Lebensstil ‚im Westen‘. Das heißt im Zweifelsfall nicht, dass wir eine revolutionäre Perspektive aufgegeben haben, dass wir aber eben auch nicht drei Abende in der Woche in der Lage sind Sitzungen beizuwohnen oder über ausreichend Zeit verfügen, uns durch ellenlange Blog-Beiträge hindurch zu beißen.
    Was wir benötigen ist eine Möglichkeit eine revolutionäre Perspektive aktiv zu unterstützen und gleichzeitig von einer solchen Initiative Kampf- und Lebenshilfe erhalten. Inhaltlich, emotional und wenn es sein muss auch praktisch. Ein entscheidendes Manko aller bisherigen organisatorischen Versuche ist nach meiner Meinung gerade die Lebensferne – die schiere Unmöglichkeit Fragen des täglichen Lebens mit der ‚großen Politik‘ sinnvoll zu verbinden. Warum aber sollen wir alle 8 Stunden bei der Arbeit dem Mainstream folgen, um dann abends ‚Revolution zu betreiben‘. Das ist natürlich überspitzt, aber ich habe es bisher nur ganz selten in unseren politischen Zusammenhängen erlebt, dass Menschen in ihren Arbeitsfeldern und Stärken gestützt und gefordert wurden. Stattdessen habe ich oft gesehen, wie Kräfte unvermittelt von ihren Alltagsbezügen für andere Aufgaben utilitaristisch genutzt (ausgenutzt und -gebeutet) wurden.
    Die Scheidelinie ist hier nicht der demokratische Zentralismus – und ich gehe völlig einig mit Jürgen, dass man hier nicht mechanisch vorgehen kann. Es gilt in Ruhe darüber nachzudenken, welche Organisationsform zielführender ist – da gibt es keine ‚heiligen Kühe‘.
    Gruss Chris

  34. 34 systemcrash 18. Dezember 2011 um 17:22 Uhr

    ich möchte noch mal an den untertitel dieses blogs erinnern:

    debatte zur neugruppierung der radikalen linken

    „neugruppierung“ bezieht sich doch offensichtlich auf die BESTEHENDEN „linksradikalen“ organisationen (wo man da jetzt die grenzen zieht, ist sicher diskussionswürdig).
    diese scheinen aber (bisher) an der NAO kein bis wenig interesse zu haben. nun kann man natürlich sagen, wenn die NAO wächst und gedeiht, würde auf diese gruppen ein druck ausgeübt werden, ebenfalls in richtung „einheitsbestreben“ zu gehen. die überlegung ist durchaus richtig, allerdings unter der voraussetzung, dass die „NAO“ programmatisch so aufgestellt ist, dass vorgeblich revolutionäre organisationen sich in ihr auch wiederfinden.
    für die „trotzkistische“ strömung (DG kann vlt was zu postautonomen, postantiimperialistischen und anarchistischen strömungen sagen) wage ich jedenfalls die behauptung, dass sowohl die bochumer vorstellungen, als auch die vorstellungen von tino NICHT als revolutionäre alternative anerkannt werden würden. nun könnt ihr natürlich sagen „wen interessierts?wir machen ‚unser eigen ding‘“. könnt ihr natürlich machen, aber dann ist die position einer zukünftigen NAO ZWISCHEN LINKER und radikaler linker schon festgeschrieben, bevor sie überhaupt gegründet ist.

    was geschichtlich aus politischen „mittelgruppen“ geworden ist, brauch ich ja hier nicht gross auszuführen, jedenfalls war ihnen kein langes leben beschert.

    http://systemcrash.wordpress.com/2011/12/18/offener-brief-an-die-links-radikalen-organisationen/

  35. 35 ulf 18. Dezember 2011 um 19:58 Uhr

    off topic, aber wichtig:

    Berlin: Stoppt das Morden in Kasachstan

    Soliaktion Dienstag 17:30, Brandenburger Tor

    Am Freitag schoss in der westkasachischen Stadt Zhanaozen die Polizei mit scharfer Munition in eine friedliche Kundgebung von 3000 Ölarbeitern und ihren UnterstützerInnen. Die Ölarbeiter streiken seit Mai für höhere Löhne und bessere und sichere Arbeitsbedingungen, sie waren von Anfang an mit heftiger Repression konfrontiert. So kam es zu Morden an Aktivisten und an der Tochter eines Streikführers.

    Bisher wurden mindestens 70 Menschen von der Polizei ermordet und mehrere Hundert verletzt. Die Regierung hat Militärtruppen und Sondereinsatzkräfte in die Region geschickt, und dafür extra Spezialeinheiten aus Weißrussland angefordert. Die sozialen Netzwerke, Teile des Handynetzes und youtube wurden abgeschaltet. Es wurde eine weitgehende Informationsblockade verhängt, JournalistInnen werden nicht in die Stadt gelassen. Gestern wurde der Ausnahmezustand mit Ausgangssperre bis 5. Januar für die Stadt verhängt.

    In Solidarität mit den angegriffenen Ölarbeitern haben Arbeiter der anderen Ölkonzerne in der Region die Arbeit niedergelegt, so dass die gesamte Ölproduktion der Region Mangistau derzeit stillsteht. Polizei, Militär und Regierung setzten größtmögliche Repression ein, mittlerweile auch im Regionalzentrum Aktau und der Ortschaft Shetpe, wo ArbeiterInnen zur Verteidigung einen Zug angehalten und die Schienen auseinandergenommen haben.

    Internationale Solidarität ist dringend erforderlich! Beteiligt euch an der Aktion am Dienstag in Berlin!
    Stoppt das Morden in Kasachstan – Für einen sofortigen Abzug aller Truppen aus Aktau und Zhanaozen!
    Für eine unabhängige Untersuchung der Ereignisse unter demokratischer Kontrolle der ArbeiterInnen und ihrer Angehörigen!
    Keinerlei weitere Repression gegen Streiks in Kasachstan und überall
    Erfüllt die Forderungen der streikenden Ölarbeiter nach vernünftiger Bezahlung und sicheren Arbeitsbedingungen!

    quelle: http://www.sozialismus.info/?sid=4586

  36. 36 uwe 18. Dezember 2011 um 23:27 Uhr

    in den letzten zwei jahren der ddr gab es die partei „Vereinigte Linke“. sie war eine art dachverband verschiedener linker gruppen mit unterschiedlichen identitäten die zu einem konsens gefunden haben.
    http://www.akweb.de/ak_s/ak545/15.htm

  37. 37 systemcrash 19. Dezember 2011 um 22:37 Uhr

    [edit: gelöscht, weil link bereits als pingpang vorhanden]

  38. 38 Tino Plancherel 20. Dezember 2011 um 0:35 Uhr

    Replik auf den Kommentar von khs bezüglich der Zielgruppen des NAO-Projekts. Khs meint, dass die im Text „Zwischen Skylla u. Charybdis“ genannten 3 Zielgruppen klassenunspezifischen Charakters seien.

    Ich denke es handelt sich hier eher um Missverständnisse oder zu verkürzte Beschreibungen als um Differenzen. Die erwähnten Zielgruppen wurden im Zusammenhang mit der unbedingt notwendigen Wachstumsperiode genannt, die auf die NAO-Gründung folgen müsste, um von der Grösse her die kritische Masse der gesellschaftlichen Sichtbarkeit zu erreichen, ohne die sie ihre eigentliche Funktion als antikapitalistischer Referenzpol nicht erfüllen kann. Wir reden also von zwei unterschiedlichen Aspekten. Das eine sind die Zielgruppen zur Gewinnung von AktivistenInnen/Mitglieder und das andere das allgemeine Zielpublikum unseres politischen Programms,das ist die gesamte Klasse der Lohn-Abhängigen mit Bindestrich und im wörtlichen Sinne d.h. all diejenigen die vom Lohn abhängen um zu (über)leben, deren Lohn nicht so hoch ist, dass sie Kapital bilden können und dann von Rendite leben können.( der Begriff Klasse der Lohn-Abhängigen ist viel aussagekräftiger und verständlicher als Proletariat/proletarische Klasse, worunter 98% der Bevölkerung fälschlicherweise die Industriearbeiterschaft meinen). Also ich redete vom Zielpublikum des Organisationsaufbaues.In der heutigen Situation sind die Aktivisten zu einem grossen Teil aus der sogenannten Mittelschicht, Studenten, Schüler etc., die aber in aller Regel auch Teil der Klasse der Lohn-Abhängigen sind. Hier kommen wir auf die Diskussion, wer alles bildet in den heutigen Gesellschaften das sogenannte revolutionäre Subjekt. Diese Frage ist zu gross um hier ausgeführt zu werden. Nur soviel, bei der Bestimmung des revolutionären Subjekts dürfen nicht nur soziologische/ökonomische Elemente einfliessen, sondern auch ideologische also Bewusstseins/Kampferfahrungsfragen. Bsp. In Ecuador gehört die Indigenenorganisation CONAI durch ihren hohen Bewusstseinstand, dank 40 Jahren Kampferfahrungen zum rev. Subjekt, obwohl sie soziologisch grösstenteils nicht zur Löhnabhängigenklasse gehören.

  39. 39 Mario Ahner 20. Dezember 2011 um 5:07 Uhr

    Die Frage um das revolutionäre Subjekt halte ich, gerade in den heutigen postmodernen Dienstleistungsgesellschaften des Westens, die von starker identitärer Fragmentierung gekennzeichnet ist, für überholt. Wenn überhaupt, fallen unter diesem Begriff alle Lohnabhängigen, eben sofern sie sich gegen die bestehenden Strukturen und Institutionen wenden.

    Ansonsten kann ich zur Orga-Debatte folgende, m.E. gar nicht mal so schlechte, Schrift zur Kritik am leninistischen Orga-Modell (einschließlich des Partei- und Revolutionsverständnis) verweisen:

    http://www.kosmoprolet.org/ein-schritt-die-falsche-richtung

  40. 40 Mario Ahner 20. Dezember 2011 um 5:52 Uhr

    „In den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, die in den nächsten Jahren rauer werden dürften, wird sich ein sozialrevolutionärer Pol nur in Abgrenzung zu allen linkspopulistischen Krisendiagnosen und Forderungen bilden können: Kein Fußbreit dem Neoliberalismusgejammer, den Staatsillusionen, dem Kaufkraft-Mantra; Schluss mit moralisierendem Ereifern über raffgierige Manager und dem Ausspielen des produktiven Kapitals gegen das Finanzkapital; Nein zum linken Euro-Patriotismus und Antiamerikanismus.

    Diese Ideologiekritik kann durchaus praktisch werden: Die Eier, die den am Rednerpult fuchtelnden Oskar Lafontaine unlängst auf einer Krisendemonstration zu Frankfurt am Main trafen, waren ein bemerkenswerter Kontrast zu den Taktierereien einer Linken, die sich nur deshalb als außerparlamentarische bezeichnet, weil sie noch keinen Listenplatz bei der Linkspartei ergattern konnte.“

    Quelle: Kosmoprolet No. II – „Thesen zur Krise“

  41. 41 Tino Plancherel 20. Dezember 2011 um 19:39 Uhr

    Vorbemerkung:
    In diesem Blog im Allgemeinen und zu meinem Text im Spezifischen gibt es eine Menge interessanter und wichtiger Beiträge. Wenn ich nun auf letztere nicht alle eingehe, so nicht, weil ich sie geringer schätze, sondern weil so viele Personen wie möglich an der Diskussion teilnehmen sollen und einzelne Diskutanten nicht zu allem ihren Senf geben müssen und ich ja schon ein wenig ein schlechtes Gewissen habe wegen der Länge des letzten Textes. So werde ich also, obwohl es mich juckt, z. B. nicht auf Jürgen Suttners Kritik eingehen können, wonach die Gegner des demokratischen Zentralismus nur immer im Rückgriff auf Lenin diesen begreifen und ihn nicht auf die heutigen Bedürfnisse anwenden können.

    Zu Chris, der in der Partei der Linken durchaus einen glaubwürdigen alternativen Pol sieht möchte ich jedoch ganz kurz, stichwortartig aufzählen, wieso diese Partei als Ganzes meiner Ansicht nach vorallem auch für junge radikalisierte Menschen niemals zu einem attraktiven antikapitalistischen Referenzpol werden kann:
    a) sie investiert den erdrückenden Teil ihrer Energien auf Wahlen und Parlamente, was interessant ist für Karrieristen etc. aber nicht für (zukünftige) sich radikalisierende Schichten.
    b) die Parlamentarier und ihre Berater etc. mit u.a. riesigen Geldsummen im Hintergrund, bilden eine extrem bürokratische, konservative und autoritäre Partei in der Partei, die jedes lebendige und echt demokratische Parteileben erstickt.
    c) die Partei sitzt auf einer unverarbeiteten, verdrängten und unverdauten schweren stalinistischen Vergangenheit, nicht nur die Alten im Osten, auch die im Westen sind mitbeteiligt. Das ist unsympathisch, gefährlich und abstossend.
    d) die Linke als Ganzes ist eine mehr oder weniger klassisch reformistische Partei, die in den hoffentlich kommenden, radikaleren Massenbewegungen vorwiegend eine hemmende, bremsende Rolle spielen wird und schlimme Illusionen verbreiten wird.
    e) was es in der Linken allerdings auch gibt sind stark minderheitliche Teile, in Tendenzen organisiert oder unorganisiert an der Basis, die durchaus sich nach links bewegen können in zukünftigen gesellschaftlichen Konfrontationen. Da wäre das Vorhandensein eines starken Referenzpoles ausserhalb der Linken u.a. von grosser Bedeutung.

  42. 42 Michael Prütz 20. Dezember 2011 um 20:57 Uhr

    Ich will dem noch hinzufügen,das die Partei in den letzten 2 Jahren(außer Wahlkämpfen) keine einzige Kampagne geführt hat.80% der Zeit geht mit parteinternen Wahlen und Intrigen drauf.Einige aus der Sib können nach langjähriger Mitgliedschaft in dieser Partei ein Lied davon singen.

  43. 43 kucaf 20. Dezember 2011 um 21:35 Uhr

    Es gibt keinen Weg ohne Schaden zwischen Skylla und Charybdis hindurch zu kommen!
    Nun ging es auch in der Antike nicht ohne Grund ohne Schaden zwischen Skylla und Charybdis hindurch. Odysseus musste schon Besatzungsmitglieder opfern, um das Schiff und den Rest der Besatzung zu retten! Es gab nur die Möglichkeiten einem Ereignis durch die Annährung an das andere auszuweichen und so entschied Odysseus sich vom Strudel zu entfernen, welcher das ganze Schiff samt Besatzung verschlungen hätte. Dabei war er sich durchaus der Tatsache bewusst, dass einige seiner Mitstreiter sterben müssen.
    Nun ja, selbst Gleichnisse sind mit Versicht zu genießen, wobei dieses Gleichnis durchaus treffend ist, gerade für die Anfänge sozialistischen Seins in Russland!

  44. 44 systemcrash 20. Dezember 2011 um 22:07 Uhr

    „Diese Theoretiker seien zunächst nur „Utopisten, die, um den Bedürfnissen der unterdrückten Klassen abzuhelfen, Systeme ausdenken und nach einer regenerierenden Wissenschaft suchen. Aber in dem Maße, wie die Geschichte voranschreitet und mit ihr der Kampf des Proletariats sich deutlicher abzeichnet, haben sie nicht mehr nötig, die Wissenschaft in ihrem Kopfe zu suchen; sie haben sich Rechenschaft abzulegen von dem, was sich vor ihren Augen abspielt, und sich zum Organ desselben zu machen. Solange sie die Wissenschaft suchen und nur Systeme machen, solange sie im Beginn des Kampfes sind, sehen sie im Elend nur das Elend, ohne die revolutionäre, umstürzende Seite darin zu erblicken, welche die alte Gesellschaft über den Haufen werfen wird. Von diesem Augenblick an wird die Wissenschaft bewusstes Erzeugnis der historischen Bewegung, und sie hat aufgehört, doktrinär zu sein, sie ist revolutionär geworden.“
    —Karl Marx, Das Elend der Philosophie

    Das rote Tuch der NAO oder: die Versammlung der Lenin-Exorzisten

    auf dem blog der NAO hat sich intellektuelle verstärkung für die theoretisch etwas blassen SIBler (damit mein ich ausdrücklich NICHT DG) eingefunden; ein ehemaliger funktionär der brasilianischen „arbeiterpartei“ (PT) will den blog aufrollen und politisch modernisieren. und was ist sein erstes angriffsziel? klar, der leninismus!

    http://arschhoch.blogsport.de/2011/12/17/zwischen-skylla-und-charybdis/

    alles was nach revolution, russland, lenin, stalin, bolschewiki riecht, ist des teufels. mit einer wissenschaftlichen aufarbeitung hat das natürlich nichts zu tun, viel aber mit dem einknicken vor antikommunistischen stimmungen.

    DASS der leninismus auch etwas mit der späteren degeneration des stalinismus zu tun hat, ist unbestreitbar. wie sich dieser zusammenhang aber genau gestaltet, ist die viel komplexere frage. ich als trotzkist habe kein problem damit, auch ein kritisches verhältnis zu lenin und dem bolschewismus zu haben. schliesslich war es trotzki, der schon 1904 auf die gefahr des substitutionalismus [ersetzung der klasse durch die partei] hingewiesen hat.

    „aber diese komplizierte aufgabe [aufbau des sozialismus. anm v mir] kann nicht dadurch gelöst werden, indem man über das proletariat ein paar gut ausgesuchte leute stellt… oder eine person, die mit der Macht zu liquidieren und zu degradieren ausgerüstet ist.“ (trotzki, unsere politischen aufgaben. zit nach: isaac deutscher, trotzki bd. 1, S. 98)

    diese sätze lösen in mir einen schauer aus, wenn man bedenkt, dass trotzki damit exakt die zukunft vorausgesagt hat. allerdings galt diese zukunft nicht lenin ….sondern einem gewissen stalin, den 1904 wahrscheinlich kein führer der russischen sozialdemokratie kannte .

    ich will in diesem artikel keine geschichtliche darlegung des bolschewismus leisten. erstens kann ich das nicht und zweitens, selbst wenn ich es könnte, hätte es für uns heute nur einen sehr begrenzten erkenntniswert.

    ich möchte daher etwas anderes versuchen: ich möchte darlegen, warum der leninismus das einzige praktikable orginasitionsmodell ist, ohne dabei die gefahr der bürokratisierung zu vergessen. aber diese gefahr ist immer da, ganz unabhängig von der organisationsform. und zweitens habe ich keine angst davor, auch lenin von einem marxistsichen standpunkt aus zu kritisieren. marx, lenin, trotzki und rosa luxemburg waren menschen und keine theoriegötter. sie konnten genauso fehler machen, wie jeder andere. dies anzuerkennen, macht dern marxismus nicht ärmer, sondern grösser. aber wenn sie fehler machten, kann man daraus gewiss auch einiges lernen.

    PARTEI UND KLASSE

    es gibt bei lenin in der tat die tendenz, die partei an die stelle des „proletariats“ zu setzen. warum kann er das? ganz einfach: er sagt sich, nur die aktivsten und bewusstesten teile des proletariats bilden die „klasse für sich“. und nur auf die kommt es für den revolutionären klassenkampf an. wie jeder reduktionismus in der erkenntnistheorie schädlich ist, so ist er es auch in der politik. wenn man die „avantgarde“ zur „klasse für sich“ macht und alle anderen für die bestimmung des emanzipatorischen prozesses vernachlässigt, reproduziert sich natürlich zwangsläufig, was man eigentlich überwinden wollte. die arbeitsteilung zwischen kopfarbeitern und handarbeitern bleibt erhalten. nur dass es nach der revolution nicht mehr der kapitalist, beamte oder politiker ist, sondern der „genosse parteisekretär“. die entwicklung zur neuen „managerklasse“ iat dann in der tat nicht mehr weit.

    nun muss man es den bolschewiki zugute halten, dass sie den ausweg in der internationalen ausweitung der revolutuion gesehen haben. unabhängig von der frage, ob diese ausweitung wirklich etwas an der lage in russland geändert hätte, zumindest haben sie wirklich daran geglaubt. man mag dies als polititisches vabanque-spiel kritisieren, aber ich halts da mit rosa luxemburg. die bolschewiki konnten wenigstens sagen: „ich habs gewagt“.

    sicher ist, auch eine breitere linksradikale organisation in deutschland wäre in der anfangsphase schwerst isoliert. selbst wenn es gelänge, mehre linke organisation in einer NAO zu integrieren (was keineswegs sicher ist), würde sie sich nur zusammenhalten durch eine möglichst hohe programmatische kohärenz und eine dementsprechende disziplin der mitgliedschaft. wem dies schon zu sehr nach „sekte“ schmeckt, wird über kurz oder lang eh in der LINKEN landen oder irgendeine „mittelgruppe“ gründen, deren halbwertswert nicht mal ausreichen wird, nur ein lesenswertes dokument herauszubringen.

    wir dürfen uns nicht vormachen, eine „antikapitalistische“ ode revolutionäre organisation würde in der anfangsphase nichts als propaganda machen und exemplarisch in kämpfe und bewegungen intervenieren im rahmen ihrer möglichkeiten. die NAO würde sich darin von keiner anderen existierenden kleingruppe unterscheiden. wenn die NAO dabei wirklich auf einer revolutionären programmatik agiert, wird sie auch die chance haben, subjektiv revolutionäre linke anzuziehen. wenn sei aber glaubt, die partei des gesamtsumpfes werden zu wollen, und die eintrittskarte dazu sei ein virulenter „antileninismus“ (der sich sehr schnell als antikommunismus entlarven wird, wie man z b an den bochumern sieht), dann wird die „NAO“ nur ein kurzes strohfeuer sein, dessen niedergang schon vorprogrammiert ist.

    OHNE KLASSENUBHÄNGIGKEIT KEINE EMANZIPATION

    die erste voraussezung dafür, die aktivsten teile der lohnabhängigen klasse für eine systemsprengende perspektive zu gewinnen ist die konsequente programmatische und organisatorische KLASSENUNABHÄNGIGKEIT. das heisst nichts anderes, als dass die politischen forderungen vom standpunkt des proletarischen klassenkampfes gestellt sind (also den revolutionären bruch vorbereiten) und man organisatorisch eigene strukturen von unten aufbaut, die im kern bereits die fähigkeit zur revolutionären selbstregierung beinhalten. in der heutigen situation ist dies natürlich noch absolute zukunftsmusik, aber in zugespitzten politischen verhältnissen (man braucht nur nach griechenland zu schauen) kann so etwas sehr schnell eine grosse aktualität gewinnen.

    die NAO muss den mut haben, diese „sektiererische durststrecke“ mit der erarbeitung programmatischer positionen auszufüllen, die irgendwann in der zukunft ihre früchte tragen werden. wenn man hingegen versucht, mit politischen halbheiten die „schnellen erfolge“ zu erzielen, wird es ihr ergehen wie einem marathonläufer, der schon vor dem start einen kreislaufzusammenbruch hat.

    der lange atem wird zum entscheidenen politischen faktor!

    http://systemcrash.wordpress.com/2011/12/20/das-rote-tuch-der-nao-oder-die-versammlung-der-lenin-exorzisten/

    [edit: die fehlerteufel sind auf meinem blog exorziert ;) ]

  45. 45 systemcrash 21. Dezember 2011 um 12:31 Uhr

    noch ein paar infos zur brasilianischen PT

    „Lula und die Linke

    Die Regierung Lula wurde Ende 2002 mit massiver Unterstützung der brasilianischen Arbeiterklasse gewählt. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes saß ein ehemaliger Arbeiter auf dem Präsidentenstuhl. Eine Partei, die in den Kämpfen der MetallarbeiterInnen Sao Paolos am Anfang der 80er geboren wurde, stand jetzt an der Spitze des Staates.
    Doch wer glaubte, dass diese Arbeiterpartei im Interesse der ArbeiterInnen handeln würde, sollte bald diese Illusion erkennen. Einmal im Amt, fing Lula an, die ArbeiterInnen anzugreifen. Für den öffentlichen Dienst wurde das Rentenalter erhöht und die Rentenhöhe reduziert. In Brasilia ließ Lula gegen Zehntausende protestierende LehrerInnen Tränengas einsetzen.
    Die PT war seit ihrer Gründung Heimat für eine Vielzahl linker Strömungen: Trotzkisten, Maoisten, Gramscianer, linke Katholiken usw. Als die Partei landesweit aufgebaut wurde und unzählige Pöstchen in Parlamenten und Verwaltungen eroberte, wuchs auch ein massiver bürokratischer Apparat; die Linken hatten immer weniger Einfluss.
    Schon 1994 kam es zum Ausschluss einer trotzkistischen Strömung, die daraufhin die Vereinigte Sozialistische Arbeiterpartei (PSTU) gründete. Andere Tendenzen blieben in der PT, um sich weiter im Parteiapparat hochzuarbeiten. Die größte von ihnen war die „Sozialistische Demokratie“ (DS), die brasilianische Sektion des Vereinigten Sekretariats der Vierten Internationale (deutsche Ableger: isl und RSB).
    Obwohl klar war, dass Lula nur im Interesse der Herrschenden regieren könnte, trat die DS seiner Regierung bei. Ein führendes Mitglied, Miguel Rossetto, wurde Minister für Landreform. Sein Versprechen, die Regierung „nach links zu drängen“ und die „Selbstorganisierung der Bauern zu fördern“, entpuppte sich als leeres Gerede – sein Ministerium ließ wichtige Anführer der landlosen Bewegung MST verhaften. Insgesamt hat er noch weniger Land an arme Bauern verteilt als sein Vorgänger in der rechten Cardoso-Regierung!
    Doch als Lula dabei war, die Errungenschaften der Arbeiterklasse durch die Rentenreform direkt anzugreifen, konnten das einige PT-Linken nicht mehr mittragen. Vier stimmten daher im Kongress gegen die Gesetzesvorlage der Regierung und wurden im Schnellverfahren aus der PT ausgeschlossen.
    Die bekannteste unter ihnen ist die populäre Senatorin Heloísa Helena. Sie ist Mitglied der DS, unterstützte aber deren offen verräterischen Kurs nicht. Jetzt hat sie die Strömung „Liberdade Vermelha“ (Rote Freiheit) als „öffentliche Fraktion“ der DS gegründet, wird aber von dieser nicht anerkannt. (D.h. die „Vierte Internationale“ hat momentan zwei brasilianische Sektionen.) Helena kritisiert die Regierungsbeteiligung ihrer GenossInnen, ist aber weder bereit, ihren sofortigen Austritt aus der Regierung, noch ihren sofortigen Ausschluss aus der „Vierten Internationale“ zu fordern.
    Helena und drei weitere Kongreßabgeordente (zwei von trotzkistischen Strömungen, einer aus einer links-christlichen Gruppe) bilden den Führungskern der neuen Partei.
    Genau wie die deutschen Gewerkschaftsbürokraten, welche die Wahlalternative ins Laufen gebracht haben, schlagen auch die brasilianischen ParlamentarierInnen der P-SOL nicht vor, eine breite Diskussion innerhalb der Gewerkschaften, der Betriebe, der Unis usw. zu organisieren, um zu bestimmen, was für eine Art Partei gegründet werden soll. Das hätte die kämpferischen Schichten der Arbeiterklasse in den Mittelpunkt der Parteigründung und -debatte gestellt – und genau das wird vermieden. Stattdessen werden die Programme zwischen Prominenten ausgehandelt und sollen durch ein scheindemokratisches Plebiszit auf einem Kongress beschlossen werden.“

    auszug aus: http://www.arbeitermacht.de/ni/ni95/psol.htm

    das lässt doch einiges an hoffnung zu für eine „neue radikale linke“ ;)

  46. 46 uwe 22. Dezember 2011 um 23:06 Uhr

    „Lula und die Linke“ der Artikel zeigt doch wie problematisch eine zentral geführte Partei sein kann.
    Das dann auf das mangelnde Klassenbewußtsein der Führer abwälzen zu wollen macht doch keinen Sinn.

  47. 47 Bonzo der Claun 23. Dezember 2011 um 18:25 Uhr

    So, ich finde die Suche nach dem „größten gemeinsamen Nenner“ und das Abstecken der Grenzen mit Sektierertum und Opportunismus richtig. Ein paar Grundprinzipien, die dieser Organisation einen klar antikapitalistischen Charakter verleihen (Abschaffung Kapitalherrschaft, Privateigentum an Produktionsmitteln), müssten reichen. Das Ganze sollte aber nicht in Richtung Partei gehen, sondern vielleicht sogar etwas offener und netzwerkartiger gedacht werden. Vielleicht mal einfach ein neues Prinzip der Kooperation durchsetzen, bei dem alle Organisationen unter einem gemeinsamen organisatorischen Dach Aufnahme finden, die sich zwischen Reformismus und Sektenglauben finden – und abhängig von sonstigen Differenzen. Dies würde eine „Umpolung“ der in linken Krisen üblichen Kooperationspolitik implizieren: Gemeinsame Strukturen überall dort, wo Schnittmengen bestehen – anstatt den Kultus der Differenz zu pflegen und bei kleinsten Abweichungen gleich Konfrontation zu suchen. Konkrete Kooperation bei Aktionen/Kampagnen würde sich dann aus der inhaltlichen Schnittmenge der einzelnen Gruppen ergeben. Dies würde eine Art Mut zur Differenz implizieren – nicht alle an einem solchen antikapitalistischen „Netzwerk“ beteiligten Gruppen müssen bei allen Aktionen mitmachen. Das ganze müsste einen „flüssigen“, „amöbenartigen“ Charakter aufweisen, bei dem wir mit unseren subversiven Impulsen in möglichst viele gesellschaftsbereiche Vordringen.
    Letztendlich können wir nur versuchen, möglichst viele organisatorische „Auffangpostionen“ zu schaffen, die Grundlage späterer Massenmobilisierung werden können – bis die großen Krisenschübe ohnehin zu Verwerfungen führen werden, die dann eventuell in eine progressive Richtung gelenkt werden könnten… Wir haben nicht mehr viel Zeit.

  48. 48 Frank Braun 26. Dezember 2011 um 21:23 Uhr

    Hallo ‚Bonzo der Claun’,
    Hallo Ihr alle,

    das sehe ich genauso wie ‚Bonzo’ und Tino P. hat ebenso im Großen und Ganzen Recht, wenn er in seinem Beitrag ‚Zwischen Skylla und Charybdis’ schlußfolgert:
    „Das heisst, wir brauchen eine breitere Organisation, mit einem nicht allumfassenden Minimalkonsens, nämlich „nur“ klarer Antikapitalismus, radikal demokratisches Funktionieren, Einheitsfrontmethode und minimale Verbindlichkeit im Rahmen einer Organisation, das heisst minimaler Zentralismus und nicht die scheinbar perfekte revolutionär-marxistisch-sozialistische Organisation. Weil für diese Art von Organisation fehlen in Deutschland schlicht die objektiven Grundlagen, um über das Kleingruppenstadium hinauszukommen und weil der Referenzpol im aktuellen Stadium Priorität hat.“

    Gegenüber nahezu allen historischen Analogien, die Tino P. zieht, und gegenüber seinem Exkurs habe ich heftigen Widerspuch anzumelden insbesondere gegen seine ganz spezielle Art des Lenin(ismus)-bashing.
    Da kommt bei mir Erinnerung auf an so manch einschlägige Brandrede aus dem Hause Sozialdemokratie. Konsequent klassifiziert Tino P. die Hartnäckigkeit, mit der viele Mitglieder der PDL Etatismus und Parlamentsfixiertheit zelebrieren in einem erläuternden Kommentar u.a. mit:
    „(…) die Partei sitzt auf einer unverarbeiteten, verdrängten und unverdauten schweren stalinistischen Vergangenheit, nicht nur die Alten im Osten, auch die im Westen sind mitbeteiligt. Das ist unsympathisch, gefährlich und abstossend.“
    Und vergißt dabei, daß gerade aus dem Westen, aus den Beständen der ehemaligen WASG, v.a. wackere Sozialdemokraten in die PDL stießen. Sind die weniger abstoßend ?
    Aber darüber wird ja hier an dieser Stelle noch zu sprechen sein…

    Ich wage eine Voraussage: Für Erfolge in einer neuen Etappe sozialer Revolten ist eine, im wohl verstandenen Sinne, zielführende kommunistische Avantgarde ebenso eine Bedingung wie eine möglichst breite und möglichst konsequente antikapitalistische Bewegung. Das bedingt sich und das sind für manche unter uns dann eben zwei Aufgaben.
    Übrigens in diesem Sinn hat Jürgen Suttner mit seinem Beitrag (siehe weiter oben) für einen zeitgemäßen Demokratischen Zentralismus als wichtige Organisationsmethode und effektive Möglichkeit, seine Erkenntnis mit einer praktischen Dimension zu verbinden, vollkommen Recht.

    Solidarische Grüße
    Frank Braun, Köln, SoKo

  49. 49 systemcrash 27. Dezember 2011 um 0:14 Uhr

    „Übrigens in diesem Sinn hat Jürgen Suttner mit seinem Beitrag (siehe weiter oben) für einen zeitgemäßen Demokratischen Zentralismus als wichtige Organisationsmethode und effektive Möglichkeit, seine Erkenntnis mit einer praktischen Dimension zu verbinden, vollkommen Recht.“ — frank braun
    http://arschhoch.blogsport.de/2011/12/17/zwischen-skylla-und-charybdis/?jal_edit_comments=1634#commentform

    „Solch ein ‚Konzept revolutionären Bruchs‘ muß massenhaft Akzeptanz finden, wenn nicht schon aktivierend wirken, muß kulturell hegemoniefähig sein, im Hier und Jetzt eine Rolle spielen. Deswegen macht es hier keinen erkennbaren Sinn, im Zusammenhang mit der NAO z.B. über die ’21 Aufnahmebedingugen in die Komintern‘ oder den ‚Demokratischen Zentralismus‘ diskutieren zu wollen.“ — derselbe frank braun
    http://arschhoch.blogsport.de/2011/12/03/revolutionaerer-bruch-was-ist-das/#comment-1629

    ein praktisches beispiel für zentristische schizophrenie ;)

    http://systemcrash.wordpress.com/2011/12/26/warum-muss-eine-revolutionare-organisation-demokratisch-zentralistisch-sein/

  50. 50 richard didicher 28. Januar 2012 um 17:53 Uhr

    liebe genossInnen, in meinen augen macht es wenig sinn sich in diskussionen über vergangenes zu verzetteln sondern bei all den brennenden problemen in ganz europa sich solidarisch mit den protestierenden massen auf der strassen (griechenland) zu zeigen. solikomitees könnten da helfen. es gibt auch hier in deutschland genug gefrusstete griechInnen. ich persönlich bin mit einer zusammen. das wäre eine möglichkeit endlich dieses ausbeuterische system in ganz europa zu stürzen.

  51. 51 guenter 02. März 2012 um 22:34 Uhr

    hab´das ganze erst jetzt gesehen.
    (frage an admin: hat die debatte geendet oder wo ist sie jetzt zu finden?)
    ich finde den eingangsbeitrag von tino ziemlich gut. das eine mir bis jetzt unbekannte telegramm von lenin (über die geforderte erschießung von hunderten von prostituierten, den spott über genoss(inn)en, die die rev. „mit liebe“ zu ende führen wollten) ist erschreckend.
    trotzdem möchte ich daran erinnern, daß die sozialrev. 2x versuchten, lenin zu ermorden. auch trotzki, der später die wiederzulassung aller sowjetparteien forderte, erinnerte daran, daß die verbotenen parteien „nicht unschuldig“ waren.
    daß die anarchisten nichts kapierten, zeigte sich ja auch an ihrem verhalten im spanischen bürgerkrieg, wo 2 millionen „keine macht für nieman“-anarchos erst die stalinisten mal machen und groß werden ließen, und am schluß in deren volksfront eintraten.
    und was kronstadt betrifft, scheint es sich doch um eine konterrevolution gehandelt zu haben (auch der unvollständig zitierte serge war letztendlich für die niederschlagung): pierre broue zitiert in seiner trotzki-biographie aus -im kreml-archiv gefundenen- briefen von weißgardisten, die den führern des aufstandes nahelegen, doch besser als kritische kommunisten zu posen.
    und die exil-literatur der weißgarden hatte immer offen ausgesprochen, daß ein sieg in kronstadt ihr ticket zurück an die macht gewesen wäre.
    nichtsdestotrotz sollte in einer rev. org. m.E. eine gewisse bandbreite und meinungsverschiedenheiten zu solcen fragen zulässig sein. dann muß man sich bei meinungsverschiedenheiten auch nicht immer gleich spalten.

    netzwerk oder organisation oder dachverband? hab ich noch keine festgelegte meinung. vielleicht erst mal dachverband. netzwerk ist zu loose. eine partei MUSS in deutschland an wahlen teilnehmen, sonst wird der parteicharakter aberkannt.

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