Konkurrenz oder Kooperation

Im 7. Jahrhundert vor Chr. entwickelte sich im griechischen Kulturraum aus dem Verkehr zwischen den griechischen Koloniestädten im Mittelmeerraum erstmals ein dauerhafter Markt. Zwischen den griechischen Pflanzstädten wurden zunächst nur Zufallsprodukte und Gastgeschenke ausgetauscht. Aus diesem regen Verkehr entwickelte sich die dauerhafte und marktorientierte Warenproduktion im griechischen Kulturkreis . In diesem aufregenden 7. Jahrhundert lebte der Bauer und Hobby-Sänger Hesiod.
Von ihm stammen die Zeilen: „Fördernd ist Konkurrenzverhalten (eris = Streit, Wetteifer) für die Menschen. Daher grollt der Töpfer dem Töpfer und der Zimmermann dem Zimmermann …“ (Hesiod, Werke und Tage 24ff).
Dass Konkurrenzverhalten förderlich sei, ist eine Erfahrung, die nicht aus der Arbeitswelt des Bauern stammt. Aus seiner bäuerlichen Erfahrung wusste Hesiod ganz im Gegenteil zu berichten, wie wichtig gegenseitige Hilfe ist: „Lade zum Mahl vor allem, der in deiner Nähe wohnt. Stößt dir nämlich auf dem Hof ein Unglück zu, rennen die Nachbarn ungegürtet herbei, während die Vettern sich erst lang gürten. Ein böser Nachbar ist eine Plage, so sehr wie ein guter dir Glück bringt. Ansehen wird dem zuteil, dem ein guter Nachbar zuteil ward. Auch wirst du wohl kaum ein Rind verlieren, es sei denn der Nachbar ist ein Schuft. Leihe dir vom Nachbarn reichlich und erstatte ihm reichlich mit gleichem Maß, ja reichlicher noch, wenn du kannst, damit du auch in der Not einen verlässlichen Freund an ihm hast.“ Hesiod, Werke und Tage, 340ff.
Wie kommt also ein Mensch dazu, sowohl die Nachbarschaftshilfe wie auch die Konkurrenz als nützlich zu loben?
Es sind unterschiedliche Verhaltensweisen, die auf unterschiedliche Bedingungen reagieren. Die Arbeit des (vorkapitalistischen) Bauern kommt nicht ohne Nachbarschaftshilfe aus. Aber Töpfer und Zimmermann sind Warenproduzenten, die nicht wie der vorkapitalistische Bauer Lebensmittel für den Selbstverbrauch produzieren, sondern deren Lebensunterhalt davon abhängt, dass andere ihnen ihr Arbeitsprodukt abkaufen. Töpfer und Zimmermann produzierten Waren für einen beschränkten Markt. Ein paar umliegende Dörfer konnten nur einen Töpfer und einen Zimmermann ernähren. Für zwei von ihnen reichte der Absatz nicht. Das ist der Grund, warum ein Töpfer des anderen Feind, und ein Zimmermann des anderen Konkurrenten war. Konkurrenzverhalten ist Überlebensverhalten für Warenbesitzer in einem engen Markt. Indem ein Töpfer seinen Konkurrenten schlecht machte, steigerte er seine eignen Absatzchancen. Beschäftigung des einen brachte Mangel an Beschäftigung für den anderen. Der Misserfolg des einen begünstigte den Erfolg des Konkurrenten. Konkurrenzverhalten, das die eigene Leistung herausstreicht und die Leistung der anderen schlecht macht, bestimmte von Anfang an das Leben der nichtbäuerlichen Handwerker. Viele griechische Handwerker der Antike sind deshalb heute noch mit Namen bekannt. In München ist eine rotfigurige Amphore des Keramikmalers Euthymides ausgestellt, auf der mit Handwerker-Stolz und Konkurrenten-Häme geschrieben steht: „So etwas hat Euphronios nie zustande gebracht.“
Wer den Zusammenhang bis jetzt noch nicht durchschaut hat: Wer als Linker andere Linke schlecht macht, der benimmt sich wie ein Handwerker, der in seinen Lesern und Zuhörern den Markt sieht, aus dem er Konkurrenten vertreiben will.
Bei bürgerlichen Politikern ist dieses Konkurrenzverhalten normal und einsichtig. Sie wollen die Wähler von ihren politischen Konkurrenten fern halten und an sich binden. Ihr Markt ist das „Wahlvolk“.
Bei (radikalen) Linken macht dieses Verhalten wenig oder gar keinen Sinn. Sie bilden sich vielleicht ein, dass sie irgendwelche „Anhänger“ von ihren Konkurrenten loseisen und dann an sich binden können.
Eigentlich sollte man annehmen, dass dieser Illusion durch langjährigen Misserfolg längst der Boden entzogen wurde.
Karl Marx nannte Konkurrenz „die innere Natur des Kapitals“. (Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 317). Wer sich als Konkurrent sieht, der andere Konkurrenten aus dem Feld schlagen muss, der denkt in den Kategorien Kapitals und atmet die Luft des Kapitals.

Die Lebens- und Existenzbedingungen der Lohnarbeiter sind andere. Solange sich Lohnarbeiter gegenseitig als Konkurrenten begreifen, so lange bleiben sie Spielball für kapitalistische Interessen. Die Arbeitsweise der Lohnarbeiter basiert nicht auf individueller Leistung, sondern auf Kooperation. Als Einzelner ist jeder Lohnarbeiter unbedeutend, als Teil eines Produktionsganzen bringen die Lohnarbeiter Produkte hervor, vor denen alle Leistungen von Genies der Vergangenheit verblassen. Ein Frühstücksjoghurt besteht aus 10 Vorprodukten, die von 10 verschiedenen Lieferfirmen stammen. Ein Mittelklassewagen besteht aus 10.000 Einzelteilen, die von 200 verschiedenen Firmen geliefert werden. Ein Großflugzeug wird aus 6 Millionen Teilen zusammengesetzt. Da verliert sich jede Spur einer individuellen Leistung.
„Im planmäßigen Zusammenwirken mit anderen streift der Arbeiter seine individuellen Schranken ab und entwickelt sein Gattungsvermögen“, schrieb Karl Marx vor 150 Jahren. (Kapital I, MEW 23, 349.)
Siehe auch: Karl Marx über Kooperative (gesellschaftliche) Arbeit Gilt nicht Gleiches für jede emanzipatorische, politische Arbeit?
Als Einzelner ist jeder Linker unbedeutend, aber im planmäßigen Zusammenwirken mit anderen streift er seine individuellen Schranken ab und entwickelt das Gattungsvermögen. Gattungsvermögen ist das, was nur die Menschheit als Ganzes (oder eine große Menschengruppe) zu leisten imstande ist.
Mackergehabe und Konkurrenzdenken bauen auf Einzelleistungen. Revolutionen sind ein kooperatives „Massenprodukt“.
In den aktuellen sozialen Bewegungen hat man das linke Mackergehabe und das linke Konkurrenzdenken längst satt. Deshalb werden aus vielen linken Aktionen Partei- und Organisationsfahnen verbannt. Nicht nur in diesem Punkt sind die Bewegungen längst klüger und weiter als alle selbsternannten „Avantgarden“.

Wal Buchenberg, 12.12.2011

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • email
  • Tumblr
  • Wikio
  • del.icio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • PDF

32 Antworten auf „Konkurrenz oder Kooperation“


  1. 1 khs 12. Dezember 2011 um 20:54 Uhr

    Wal: „Mackergehabe und Konkurrenzdenken bauen auf Einzelleistungen. Revolutionen sind ein kooperatives „Massenprodukt“.

    Hallo Wal,
    ich finde es ätzend als zielfördernd, wenn Du meinst, hier Belehrungen zum Sozialverhalten abgegeben zu müssen. Dieser Blog ist keine Selbsterfahrungsgruppe, auch wenn es so scheinen mag. Den „BochumerInnen“ (d.h. ihren programmatischen Positionen) erweist Du damit keinen Dienst.

    Schreib hier doch bitte darüber, warum im „Bochumer Programm“ wichtige Bereich wie zum Beispiel die Patriarchatsfrage ausgelassen wurde oder wo ihr selber noch Schwächen und Ergänzungen seht. Das würde mich freuen.

    Vieleicht kommen wir hier mal weiter, wenn jede(r) vor seiner/ihrer eigenen Tür beginnt zu kehren.

    mrg
    khs

  2. 2 systemcrash 12. Dezember 2011 um 21:03 Uhr

    „Wal: „Mackergehabe und Konkurrenzdenken bauen auf Einzelleistungen. Revolutionen sind ein kooperatives „Massenprodukt“.“

    der satz stimmt nicht einmal inhaltlich — unabhängig vom sozialarbeiter-gehabe —; ich bin sicher, wenn es weder einen lenin noch einen trotzki 1917 gegeben hätte, hätte es keine oktoberrevoltion gegeben. („wenn ihm ein ziegelstein auf den kopf gefallen wäre“)

    es gibt da einen aufsatz von roman rosdolsky „die rolle des individuums in der geschichte“ … ich muss den mal raussuchen ;)

  3. 3 systemcrash 12. Dezember 2011 um 21:49 Uhr

    „Als Einzelner ist jeder Linker unbedeutend, aber im planmäßigen Zusammenwirken mit anderen streift er seine individuellen Schranken ab und entwickelt das Gattungsvermögen. Gattungsvermögen ist das, was nur die Menschheit als Ganzes (oder eine große Menschengruppe) zu leisten imstande ist.“

    ein kurzer blick in den aufsatz von rosdolsky („die rolle des zufalls und der „grossen männer“ in der geschichte“, olle und wolter, KRITIK Nr. 14, 1977) hat mich davon überzeugt, dass die auffassung von herrn buchenberg und die von marx diametralal entgegengesetzt ist. ich muss leider ein längeres zitat bringen. bitte um entschuldigung.

    „sie (die herrschaft der sachlichen verhältnisse) hat ihnen die aufgabe gestellt, an die stelle der herrschaft der verhältnisse und der zufälligkeit über die individuuen die HERRSCHAFT DER INDIVIDUUEN [herv v mir] über die zufälligkeit und die verhältnisse zu setzen“. das privateigentum --setzt marx fort-- kann nur aufgehoben werden … unter der bedingung einer allseitigen entwicklung der indivuduuen , weil eben der vorgefundene verkehr und die vorgefundenen produktivkräfte allseitig sind und nur von allseitig entwickelten individuen angeignet, d h zur freien betätigung ihres lebens gemacht werden können“ (marx in der „deutschen ideologie“, zit nach roman rosdolsky)

    man sieht, herr buchenberg geht dem von marx beschriebenen ideologischen schein der herrschaft sachlicher verhältnisse voll auf dem leim, wenn er schreibt:

    „Ein Frühstücksjoghurt besteht aus 10 Vorprodukten, die von 10 verschiedenen Lieferfirmen stammen. Ein Mittelklassewagen besteht aus 10.000 Einzelteilen, die von 200 verschiedenen Firmen geliefert werden. Ein Großflugzeug wird aus 6 Millionen Teilen zusammengesetzt. Da verliert sich jede Spur einer individuellen Leistung.“

    diese spur ist aber immer noch vorhanden, denn jede arbeitsleistung ist individuell, selbst bei 6 millionen einzelteilen. nur herr buchenberg vollendet ideologisch, was das kapital jeden tag exerziert: die verwandlung des lohnarbeiters in ein sachliches anhängsel des kapitalverhältnisses; nur dass herr buchenberg uns das als [kollektives] gattungsvermögen verkaufen will, was in wirklichkeit der rückfall in den „rohen kommunismus“ (ökonomisch-philosophische manuskripte) ist, also der „vorindividuelle [vor-aufklärerische] kommunismus“.

  4. 4 khs 12. Dezember 2011 um 22:59 Uhr

    Hallo Wal,
    ich finde Du machst Dir das mit Deinen Erklärungen etwas einfach, wenn Du glaubst, mit einem (1!!!)Marx-Zitat einen so komplexen Zusammenhang betreffend Gesellschaft-Staat-Individuum im Kapitalismus auf den Punkt bringen zu könnnen(*). Da begrüße ich es, wenn Dir systemcrash gestützt auf Rosdolsky inhaltlich entgegen tritt (den „Herrn“ kann er sich allerdings irgendwo hinstecken).

    So und nun zu meiner Position in dieser Frage:

    In einschlägigen empirisch-theoretischen Untersuchungen verschwinden gewöhnlich die Konturen zwischen dem, was in den Begriff des Individuums als Widerspiegelung gesellschaftlicher Verhältnisse eingeht, und den Vermittlungsformen tatsächlich gelebter Individualität des empirischen Individuums. Für Hegel war diese Unterscheidung dagegen zentral. Er verortete im Begriff des Individuums das Wirken des Weltgeistes unter Absehung des Empirischen, dessen höchste Vermittlungsform als Abstraktum sich im Staat materialisierte. Erst als Staatsbürger entsprach das Individuum seinem Begriff. Hierin vollzogen sich Vernunft und Sittlichkeit in ihrer höchsten Form, während sie in qualitativ unentwickelterer Form in der Familie und in den anderen gesellschaftlichen vom Staat geschiedenen Bereichen als logische und tatsächliche Voraussetzung davon angesehen wurden. Und letztlich galten diejenigen, die im und durch den Staat handelten, Hegel als „Geschäftsführer des Weltgeistes“. Hegel, der sich damit auf den Standpunkt stellte, den Zusammenhang „Gesellschaft – Individuum – Staat“ als Totalität des sich selbstverwirlichenden Weltgeists dialektisch zu begreifen, schuf damit ideengeschichtlich betrachtet die Voraussetzung, die Sache vom „Kopf auf die Füße“ zu stellen. Für Marx und Engels war daher der Begriff des Individuums nicht das Zusichkommen einer transzendenten Idee, sondern in der begrifflichen Abstraktion Widerspiegelung einer verarbeiteten empirischen Wirklichkeit. In diesem Sinne ließ sich nun der allgemeine Begriff des Individuums folgendermaßen fassen: „Die Weise, in der die Menschen ihre Lebensmittel produzieren, hängt zunächst von der Beschaffenheit der vorgefundenen und zu reproduzierenden Lebensmittel ab. Diese Weise der Produktion ist nicht bloß nach der Seite hin zu betrachten, daß sie die Reproduktion der physischen Existenz der Individuen ist. Sie ist vielmehr schon, eine bestimmte Art, ihr Leben zu äußern, eine bestimmte Lebensweise derselben. Wie die Individuen ihr Leben äußern, so sind sie. Was sie sind, fällt also zusammen mit ihrer Produktion, sowohl damit, was sie produzieren, als auch damit, wie sie produzieren. Was die Individuen sind, das hängt also ab von den materiellen Bedingungen ihrer Produktion.“ (MEW3/21 )

    Indem in dieser Weise das Individuum als ein Tätiges und die Gesellschaft und vermittelst der selben sich selbst gestaltendes Individuum begriffen wurde, konnte nun die Geschichte endlich als Aktion der Individuen selber und nicht mehr als das Zusichkommen eines Weltgeistes analysiert werden.

    Wenn nun aber die Individuen „immer von sich“ ausgingen, warum schufen sie sich Verkehrsverhältnisse, über die sie selber nicht diese Bewußtheit erlangten? Die Antwort dazu war wiederum in den gesellschaftlichen Verhältnissen selber zu suchen: „In den bisherigen Surrogaten der Gemeinschaft, im Staat usw. existierte die persönliche Freiheit nur für die in den Verhältnissen der herrschenden Klasse entwickelten Individuen und nur, insofern sie Individuen dieser Klasse waren.“ (MEW 3/74) Kurzum: die ökonomischen Verhältnisse und die daraufbasierenden Herrschafts- und Machtstrukturen mußten sich auch im allgemeinen Begriff des Individuums abbilden. Oder anders: Das Individuum mußte sich aufspalten in ein persönliches und ein Klassenindividuum.

    Diese Spaltung tritt erst in der bürgerlichen Gesellschaft in ihrer reinsten Form hervor. Unter diesen objektiven Bedingungen (Verkehrsverhältnisse, Teilung der Arbeit) können sich die Menschen nun als persönliches Individuum begreifen. (MEW 3/76). Dies tun sie aber mittels des Eigentums, des Staates, der Religion, also mittels der „Surrogate“, die gleichermaßen ihre Bestimmungsgründe verdunkeln. Und daher wird es erst die bewußte Aktion der „revolutionären Proletarier“ sein, die diese „Verselbständigungen“ aufhebt. (MEW 3/75)

    In den „Pariser Manuskripten“ und in dem Aufsatz „Zur Judenfrage“ (bzw. Die heilige Familie), die inhaltlich wichtige Vorarbeiten für Marx ( und Engels) waren, finden wir diese Aufspaltung thematisiert als Doppelung des Individuums in die Figur des Citoyen und des Bourgeoie. Marx interessierten dabei, die damit zusammenhängenden Entfremdungen und Verdinglichungen. Marx und Engels nahmen diese Vorarbeiten in die in der „Deutschen Ideologie“ entfalteten Argumentation auf und widmeten diesem Zusammenhang einen extra Abschnitt ( Verhältnis von Staat und Recht zum Eigentum, MEW 3/61ff). Und sie betonten ausdrücklich, daß der Staat in der bürgerlichen Gesellschaft eine „besondere Existenz neben und außer der bürgerlichen Gesellschaft geworden“ ist.

    Wollen wir also einen umfassenden allgemeinen Begriff des Individuums in der bürgerlichen Gesellschaft definieren, welcher von der Gesellschaft als dialektisch-materialistisch begriffenem Ganzen ausgeht, dann müssen wir das persönliche Individuum als ein tätiges (Geschlechtsindividuum) und als ein Ensemble gesellschaftlicher Verhältnisse betrachten, worin es zudem Klassenindivuum Staatsbürger und Marktindividuum ist.

    Marx hat mit seinem „Kapital“ die ökonomische Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft dechiffriert. Ich denke es ist zulässig, werkimmanent zu behaupten, daß Marx erst durch diese wissenschaftliche Leistung, den allgemeinen Begriff des Individuums, wie er aus den innersten Zusammenhängen der bürgerlichen Gesellschaft strukturiert wird, zustande gebracht hat. Günter Jacob kommt das Verdienst zu, in seiner Arbeit „Kapitalismus und Lebenswelt“ (Hamburg 1986) den Nachweis dafür erbracht zu haben.

    Ausgehend vom Lohnarbeiter als der (quantitativ) vorherrschenden ökonomischen Figur, an der sich das Klassenverhältnis der modernen bürgerlichen Gesellschaft verifiziert, läßt sich aufweisen, daß sich das persönliche Individuum an der Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft (vermittelst der Verdinglichung/Entfremdungen, wie sie sich im Geldfetisch focussieren) nicht als Klassenindividuum erfährt, sondern als Marktindividuum. Als Warenbesitzer der Geldware. Für diese Ware ist der Revenuefond Lohn die Quelle, deren Zusammenhang zum Wert/Mehrwert in der Zirkulation – also im konsumierenden Warentausch – ausgelöscht erscheint. Wo die Arbeitskraft ihren Gebrauchswert mit dem Kapital gegen Lohn eintauscht, beginnt die Sphäre, wo der innere Zusammenhang zwischen Marktindividuum und Klassenindividuum aufscheint. Jedoch bleibt diese Schnittstelle in der modernen bürgerlichen Gesellschaft durch die Verrechtlichung des Lohnarbeitsverhältnis von der Vorstellung überlagert, wie sie in der Zirkulation bestimmend ist, daß es sich nämlich um einen gleichen Tausch (den Tauschakt gleichberechtigter freier Bürger) handelt. Erst in der unmittelbaren Unterordnung der Lohnarbeiters unter den Prozeß der Naturaneignung, wie er durch das Kapital kommandiert wird, und in der Aneignung des Produkts der Lohnarbeit durch das Kapital selber, wird Klassenindividualität (!!!) beim Lohnarbeiterindividuum erfahrbar.

    Diese Erfahrung erlischt – wie zuvor beschrieben – in der Zirkulation. Die damit einhergehende Verarbeitungsform ist eine Individualität, die durch das Nichtwissen ihrer Bestimmungsgründe geprägt ist. Wenngleich die Revenuequelle Lohn den lohnarbeitenden Konsumenten in der Realisierung der persönlichen Interessen begrenzt, so ist es nicht dieser Zusammenhang als solcher, der die klassenmäßige Präformation des (lohnarbeitenden) persönlichen Individuums deutlich werden läßt (lassen kann), sondern die Tatsache, daß alle zirkulativen Handlungen letztlich darauf gerichtet sein müssen, die Ware Arbeitskraft wieder herzustellen bzw. ihre Verkaufsfähigkeit vorzubereiten (Kinder/Jugendliche).

    Als Staatsbürger erfährt sich das lohnarbeitende Individuum (bzw. das Individuum mit der Lohnarbeit als Lebensperspektive) nicht mehr auf der Grundlage seiner besonderen durch die Warentauschverhältnisse vermittelten Interessen. Es erkennt im und durch den Staat die Abtrennung des sogenannten allgemeinen Interesses vom privaten an. Hierdurch wird es möglich, daß das lohnarbeitende Individuum in einen die Sonderinteressen begrenzenden politisch-rechtlichen Verkehr mit seinesgleichen und den anderen bürgerlichen Individuen treten kann, die als Kapitalisten die Träger der ökonomischen Verhältnisse sind. Hierdurch werden die im allgemeinen Begriff des Individuums enthaltenen gesamtgesellschaftlichen Bezüge (der Mensch als Ensemble gesellschaftlicher Verhältnisse) vollends verdunkelt. Soziale Auseinandersetzungen bzw. die Formulierung materieller Interessen erscheinen somit in der Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft von ihren zugrundeliegenden Bestimmungsgründen abgetrennt.

    In der modernen bürgerlichen Gesellschaft haben sich Tendenzen eines hedonistisch kompensierenden Verhaltens herausgebildet, die es dem bürgerlichen Individuum ermöglichen, mit den in diesen Strukturen wirkenden Widersprüchen umzugehen. Das Erleben und Ausleben dieses Hedonismus hat wiederum seine Ursachen in dem gesellschaftlichen Reichtum, der durch das Individuum als Produzent unter den Bedingungen der modernen Arbeitsteilung und ihrer entfalteten Produktivkräfte geschaffen wurde. Dennoch erscheint dieser Hedonismus nur als subjektive Lebensäußerung und als Eskapade. Müßigang und Genußfähigkeit werden zwar in ihrer ökonomischen Determiniertheit begriffen, aber dieses Begreifen bleibt mit der Oberfläche der Gesellschaft verhaftet, indem der Blick nur auf die Verteilung nicht aber auf das Zustandekommen des gesellschaftlichen Reichtums gerichtet bleibt.

    Spiegelt man den allgemeinen Begriff des Individuums gegen seine erlebte/gelebte Individualität, dann scheint die „Gefangenschaft in der Verdinglichung komplett“ (Jacobs). In dieser Annahme liegt meines Erachtens (ideologisch betrachtet) die gegenwärtige Unfähigkeit der radikalen Linken begründet, sich mit den Zielvorstellungen ihrer Praxis über das Hier und Jetzt zu erheben. Von daher affirmiert sie die Verhältnisse nur, statt die Realität dahingehend zu untersuchen, wie in den Verarbeitungs- und Vermittlungsformen der Individuen die in ihnen enthaltenen Widerspriiche zwischen Erlebtem und seinem Bestimmungsgrund aufscheinen. Infolgedessen perpetuiert solch eine Alltagspolitik diese als „Gehäuse“ (Adorno) betrachtete Verdinglichung und trägt mit dazu bei, daß der erreichte Grad der Vergesellschaftung des Individuums, wie er sich heute in diesen Verdinglichungsformen darstellt, nicht zum Ausgangspunkt einer Aufhebung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft genommen wird.

    Eine Theorie, deren aus den Verhältnissen vermittelter Impetus die Aufhebung der warenproduzierenden Gesellschaft ist, muß sich einen zeitgenössischen allgemeinen Begriff des Individuums erarbeiten. Dies trägt die Chance in sich, diese Entfremdungen und Verdinglichungen auch praktisch durchbrechen zu können. Dazu ist es allerdings erst einmal nötig zu untersuchen, wie sich die Formen der Vergesellschaftung im Prozeß der Individuation vergegenständlichen. Zeitgenössische bürgerliche Theoretiker legen dazu empirisches Material en masse vor. Allein ihnen fehlt der Bezug zu einer die Gesellschaft auf den begriffbringenden Theorie bzw. dieser Bezug ist ungenügend bei ihnen entwickelt. Die Methode der Marxschen Kritik der Politischen Ökonomie verfügt über ein angemessenes theoretischen Instrumentarium. Dies gilt es endlich zu nutzen.

    Quelle: http://www.infopartisan.net/archive/kamue/kamue07.html

    mrg
    khs

    *)Radikale Linke sind auch heute übrigens oftmals Angehörige des Proletariats, deswegen halte ich Deine Unterscheidung für Mumpitz.

    Bezug: „Bei (radikalen) Linken macht dieses Verhalten wenig oder gar keinen Sinn. Sie bilden sich vielleicht ein, dass sie irgendwelche „Anhänger“ von ihren Konkurrenten loseisen und dann an sich binden können. Eigentlich sollte man annehmen, dass dieser Illusion durch langjährigen Misserfolg längst der Boden entzogen wurde….Die Lebens- und Existenzbedingungen der Lohnarbeiter sind andere.“

  5. 5 systemcrash 12. Dezember 2011 um 23:57 Uhr

    junge, junge, jetzt werden langsam die bretter ziemlich dick.
    ok, also ich hab nix dagegen ;) … ich fürchte nur, die SIB wird sagen, dass diese debatten weit über das hinausgehen, was als minimalkonsens für eine NAO erforderlich ist.

    aus der andere seite: lieber im vorfeld möglichst viele fragen diskutieren als nach der gründung kartenhäuser zusammenbrechen sehen. also von mir aus: bringt weiter solche interessanten themen :)

  6. 6 Wal Buchenberg 13. Dezember 2011 um 9:13 Uhr

    Zitat khs: „Schreib hier doch bitte darüber, warum im „Bochumer Programm“ wichtige Bereich wie zum Beispiel die Patriarchatsfrage ausgelassen wurde oder wo ihr selber noch Schwächen und Ergänzungen seht. Das würde mich freuen.“

    Hallo khs,
    ich kann dir gerne die Freude machen. Ich und andere „Bochumer“ (vor allem Robert) haben uns hier, im Marx-Forum und bei Trend-Online zur besonderen Unterdrückung und Ausbeutung der Frauen im Kapitalismus geäußert.

    Im Bochumer Programm wird die Fragestellung – abgesehen von der Forderung „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ – nicht weiter behandelt, weil dieses Programm für einen begrenzten Zeitraum (Endphase des Kapitalismus) gilt. Ich sehe mich überfordert, für diesen begrenzten Zeitraum eine sinnvolle, eigene Perspektive für die Frauenemanzipation aufzuzeigen. Falls und soweit es noch gesetzliche Ungleichbehandlung von Frauen und Männer gibt, wären das Punkte, die ins Programm aufzunehmen wären. Da bin ich für jede Anregung dankbar.

    Wo wir selber „Schwächen und Ergänzungen“ sehen? Diese Frage finde ich in diesem Blog ziemlich verfehlt. Das Bochumer Programm wurde und wird hier im NAO-Blog ständig schlecht gemacht, diffamiert und nicht einmal als Diskussionsgrundlage akzeptiert, und da sollen wir unserseits hingehen und unser eigenes, kollektives Arbeitsprodukt schlecht machen? Nein, danke!
    Du hast ja sachlich und anerkennend kritisch auf unsere Vorschläge reagiert. Ich habe kein Problem mit dir über alle Fragen diskutieren, das muss aber nicht in diesem Blog sein. Dieser Blog ist nicht mehr als „SIB-Blog“ erkennbar und noch weniger als (strömungsübergreifende) Diskussionsplattform.

    Zur Frage Individuum im Kapitalismus und Kommunismus hast du mir vorgeworfen, ich hätte nur ein einziges (!) Marx-Zitat angeführt. Diesen Vorwurf kann ich nicht auf mir sitzen lassen. ;-)
    Ich verweise auf das Stichwort „Individuum“ im Karl-Marx-Lexikon.
    Die dortigen Ausführungen von Marx teile und unterstütze ich. Ich verweise insbesondere auf die Passagen, wo Marx auf den Zusammenhang von Kapitalismus und „gegeneinander gleichgültige Individuen“ hinweist.
    in seiner Kritik an Feuerbach schrieb Marx: „In seiner Wirklichkeit ist (das Individuum) die Zusammenfassung (Ensemble) der gesellschaftlichen Verhältnisse.“ Kurz: Das Individuum ist nichts ohne die anderen.
    Bemerkenswert finde ich auch folgende Stelle:
    „Wenn der Mensch von Natur gesellschaftlich ist, so entwickelt er seine wahre Natur erst in der Gesellschaft, und man muss die Macht seiner Natur nicht an der Macht des einzelnen Individuums, sondern an der Macht der Gesellschaft messen.“ K. Marx, Hl. Familie, MEW 2, 138.

    Wer pure Individualität lobt, kann sich nicht auf Karl Marx berufen, und wer in den Folgen und Auswirkungen des Kapitalismus nur Negatives findet, kann und darf sich nicht auf Karl Marx berufen.
    meint Wal

  7. 7 DGS / TaP 13. Dezember 2011 um 10:57 Uhr

    Ihr Lieben,

    ich erlaube mir mal, auf das zuzurückzukommen, was wohl die ‚politische Botschaft‘ des Textes sein sollte:

    „Fördernd ist Konkurrenzverhalten (eris = Streit, Wetteifer) für die Menschen. Daher grollt der Töpfer dem Töpfer und der Zimmermann dem Zimmermann …“ (Hesiod, Werke und Tage 24ff).

    „Mackergehabe und Konkurrenzdenken bauen auf Einzelleistungen. Revolutionen sind ein kooperatives ‚Massenprodukt‘.
    In den aktuellen sozialen Bewegungen hat man das linke Mackergehabe und das linke Konkurrenzdenken längst satt. Deshalb werden aus vielen linken Aktionen Partei- und Organisationsfahnen verbannt. Nicht nur in diesem Punkt sind die Bewegungen längst klüger und weiter als alle selbsternannten ‚Avantgarden‘.“

    Zwei Töpfer haben ein Ziel und eine Strategie: Möglichst viel Tontöpfe zu verkaufen – und zwar zu einem möglichst niedrigen Preis (sodaß sie viele loswerden), aber trotzdem mit möglichst viel Gewinn (sodaß sie ihren Aufwand möglichst reduzieren müssen, damit beides [niedriger Preis und hoher Gewinn] gleichzeitig möglich).

    In der Debatte zwischen den BochumerInnen und SIB + Systemcrash geht es aber nicht um derartige Konkurrenz, sondern um die Fragen:

    A. Welches Ziel soll überhaupt in absehbarer angestrebt werden? 1. Die sofortige Abschaffung der Lohnarbeit? (Bochum) Oder 2. Übergangsgesellschaft, in der so etwas wie Lohnarbeit noch fortbesteht (SIB + Systemcrash)?

    Und B.: Welche Mittel sind die für die jeweiligen Ziele besser geeigneten: 1. Eine Strategie der gradueller Veränderungen (Bochum)? Oder eine Strategie des revolutionären Bruchs (SIB + Systemcrash)? – wobei das Kuriose ist, daß die BochumerInnen das verbalradikalere Ziel mit den sanfteren Mitteln anstreben… – Letzteres ist allerdings gar keine so neue diskursive Situation: Auch die Linkspartei verspricht das Blaue vom Himmel, ohne Mittel zu dessen Erreichung zu benennen. Und solange es innerhalb der Grünen noch eine relevante Anzahl von Linken gab, profilierten sich die Realo/as auch nicht über Kleinmütigkeit bei den Zielen, sondern mittels Großmäuligkeit hinsichtlich dessen, was sich in Koalitionen mit der SPD erreichen lasse.

    Und wenn soziale Bewegungen derartigen Frage nicht diskutieren wollen (wie Wal lobt), dann sind sie nicht die ‚Avantgarde‘, die über die MarxistInnen und anderen RevolutionärInnen hinaus ist, sondern der Sumpf, in dem die Linke steckt und der mit einer gehörigen Menge revolutionärer Theorie trockengelegt werden muß, damit die Linke wieder Boden unter den Füßen gewinnt.

  8. 8 Wal Buchenberg 13. Dezember 2011 um 11:07 Uhr

    Hallo DGS,
    du wiederholst dich.
    Eine Menge argumentfreie Vorwürfe und Diffamierungen gegen das Bochumer Programm, kein eigener Diskussionsansatz von dir, der aus dem von dir konstatierten „Sumpf“ herausführen könnte.

    In einem Punkt hast du mich jedoch in Erstaunen versetzt, obwohl du immer behauptest, das Bochumer Programm sei „reformistisch“ oder „sozialdemokratisch“ gibst du nun zu, dass die „Bochumer“ für möglichst rasche Beseitigung der Lohnarbeit eintreten und kämpfen, während du für längere Beibehaltung der Lohnarbeit in einer Übergangsgesellschaft bist.
    Zitat DGS: „Welches Ziel soll überhaupt in absehbarer angestrebt werden? 1. Die sofortige Abschaffung der Lohnarbeit? (Bochum) Oder 2. Übergangsgesellschaft, in der so etwas wie Lohnarbeit noch fortbesteht (SIB)?
    Das ist nun endlich mal eine klare und sachliche Gegenüberstellung jenseits von dummer Polemik. Davon wünschte ich mir mehr.

    Auch eine andere Feststellung von dir hat mich gefreut:
    Zitat: „wobei das Kuriose ist, daß die BochumerInnen das verbalradikalere Ziel mit den sanfteren Mitteln anstreben“.
    In der Tat, das Bochumer Programm vertritt hier eine viel radikalere Position als du. In der Tat, wir streben dieses radikalere Ziel mit „sanfteren Mitteln“ an als Du. Du findest das „kurios“, also schwer begreiflich.
    Diese Frage wäre also auch eine Diskussion wert. Das müsste aber eine sachliche Diskussion sein und nicht das, was hier abgeht.

    Gruß Wal

  9. 9 DGS / TaP 13. Dezember 2011 um 11:27 Uhr

    Lieber Wal,

    daß Ihr behauptet, die Lohnarbeit (sofort) abschaffen zu wollen, habe ich von Anfang zur Kenntnis genommen.

    Nur ist das ein doppelter Utopismus: 1. Der sofortige Sprung vom Kapitalismus in den Kommunismus ist unmöglich (jboe und DGS/TaP). Und 2.: Die Abschaffung der Lohnarbeit „mittels Selbstverwaltung der Unternehmen durch die Werktätigen“, ohne Bruch mit der – u.a. auf den bestehenden Staatsapparat gestützen – Macht des Kapitals und ohne auch die Marktkonkurrenz zu beseitigen, bewerkstelligen zu wollen, ist linkssozialdemokratischer Gradualismus.

    Wer/welche noch mal nachlesen will:

    Wow, Bochumer Programm-Vorschlag!

    Für Organisierung mit revolutionärer Perspektive!

    Für eine neue Internationale Arbeiterassoziation? Oder für einen Bund der RevolutionärInnen?

    und

    Was spricht eigentlich gegen Lenins Parteitheorie?

  10. 10 Wal Buchenberg 13. Dezember 2011 um 11:41 Uhr

    Hallo DGS,
    was meinst du denn, was du mit ständiger Wiederholung der ewig gleichen Vorwürfe erreichen kannst?

    Ja, offenbar liegen hier irgendwie unterschiedliche Zielvorstellungen und Methoden vor. Das weiß inzwischen jeder.
    Die nächste Frage wäre jedoch, wo liegen zwischen uns gemeinsame Schnittpunkte?

    Ich kann mich täuschen, aber ich sehe auf deiner Seite keine Bereitschaft, nach Gemeinsamkeiten und nach gemeinsamen Schnittmengen zu suchen.
    Als Hinweis: Ich habe den Eindruck, dass unsere Verschiedenheiten sich vor allem auf Maßnahmen nach einer sozialen Revolution beziehen.
    Wenn das so wäre, dann ist mindestens der Ansatz des Bochumer Programms eine gemeinsame Diskussionsgrundlage: Der Ansatz nämlich eine antikapitalistische Strategie zu entwerfen, die uns und alle Besitzlosen über den Kapitalismus hinausführt und dem Kapitalismus ein Ende macht. Mindestens in diesem Ziel sind wir uns doch einig oder nicht?
    Zwar hast du irgendwann mal gesagt, die Forderungen des Bochumer Programmes seien „beliebig“ oder „austauschbar“. Selbst wenn das für dich so wäre, dann sehe ich keinen Grund, dass du sagst: Okay, mit diesen Forderungen kann ich leben und ich will noch diese oder jene Forderung dazu haben. Dann hätten wir schon (fast) eine Einigung.

    Mein Vorschlag im Guten: Hören wir erstmal auf, uns über den „revolutionären Bruch“ zu streiten und zu polemisieren, und diskutieren wir über die 10, 15 oder 20 Jahre, die noch davor liegen. Für diesen Zeitraum müsste doch eine Einigung möglich sein.

    Gruß Wal

    P.S. Ich stehe aber dir und deinem Adlatus nicht im Wege, wenn du nach einer x-ten Neuauflage des Kommunistischen Manifests suchst. Nur: Dafür taugt das NAO-Projekt nicht. Man kann nicht gleichzeitig ein „korrektes Weltanschauungsprogramm“ wollen, in dem alle Weisheiten stehen, die man persönlich für wichtig hält, und gleichzeitig eine strömungsübergreifende Organisierung. Beides zusammen geht nicht. Was man ein Breite gewinnt, das verliert man an Tiefe – und umgekehrt. Bei dir habe ich den Eindruck, du willst beides. Auf diese Weise bekommst du weder das eine noch das andere.

  11. 11 DGS / TaP 13. Dezember 2011 um 12:58 Uhr

    Lieber Wal,

    „Ich kann mich täuschen, aber ich sehe auf deiner Seite keine Bereitschaft, nach Gemeinsamkeiten und nach gemeinsamen Schnittmengen zu suchen.“

    Die Verstädigung über Gemeinsamkeiten wäre ganz einfach, wenn es hier um die Gründung des x-ten antikapitalistischen Netzwerkes, Bündnisses o.ä. gehen würde.
    Das, was mir und den anderen SIB-Mitgliedern notwendig erscheint, ist aber eine revolutionäre, mindestens antikapitalistische Organisation.

    „Ich habe den Eindruck, dass unsere Verschiedenheiten sich vor allem auf Maßnahmen nach einer sozialen Revolution beziehen.“

    Das DANACH halte ich auch für ausklammerungsfähig; ich bin ja für die Einbeziehung von revolutionären AnarchistInnen und anderen nicht-marxistischen RevolutionärInnen.

    Aber der – abgesehen von der Frage, was wir genau unter Revolution verstehen (Prozeß mit Bruch? oder Prozeß ohne Bruch?) – entscheidende Punkt ist, daß Ihr zwar außerhalb des Bochumer Programm von „sozialer [m.E. sollte „und politischer“ hinzugesetzt werden, dg] Revolution“ sprecht, davon aber im Bochumer Programm nichts steht.

    Und daraus folgen – hatte ich bisher den Eindruck – ganz unterschiedliche Vorstellungen für die heutige Arbeit in Gewerkschaften und anderen sozialen Bewegungen:

    Während ich sage (und ich denke, zumindest Systemcrash stimmt mir da zu): Die revolutionäre Perspektive muß auch in jedem Flugi, das heute von RevolutionärInnen geschrieben und verteilt wird; bei jeder Rede, die heute von RevolutionärInnen bei einer Demo gehalten wird, vorkommen, lehnt Ihr das als ‚leninistischen Avantgardismus‘ ab, weil das die Massen überfordere oder sogar bevormunde.

    Wie sollen wir da eine gemeinsame Organisation gründen?! – Klar, in einem Bündnis kann das nebeneinander stehen. Eine Organisation, deren Fraktionen zu jedem aktuellen Ereignis zwei unterschiedliche Flugis verteilt (eines, in dem die rev. Persp. vorkommt, und eines, in dem sie nicht vorkommt), bräuchte doch gar nicht erst gegründet werden, oder?

    „Wenn das so wäre, dann ist mindestens der Ansatz des Bochumer Programms eine gemeinsame Diskussionsgrundlage: […]. Zwar hast du irgendwann mal gesagt, die Forderungen des Bochumer Programmes seien ‚beliebig‘ oder ‚austauschbar‘. Selbst wenn das für dich so wäre, dann sehe ich keinen Grund, dass du sagst: Okay, mit diesen Forderungen kann ich leben und ich will noch diese oder jene Forderung dazu haben. Dann hätten wir schon (fast) eine Einigung.“

    Klar, sicherlich werden eine ganze Reihe von Forderungen aus dem Bochumer Programm auch in dem Programm der Organisation, die evtl. gegründet wird, stehen. Und einige davon werden vielleicht auch Gegenstand zentraler Kampagnen der Organisation in den nächsten fünf bis zehn Jahren (vgl. das – konstruktive – Ende meiner Kritik am Linkspartei-Grundsatzprogramm: Für fünf Schwerpunkt-Kampagnen der nächsten 15 Jahre) sein.

    „Hören wir erstmal auf, uns über den ‚revolutionären Bruch‘ zu streiten und zu polemisieren, und diskutieren wir über die 10, 15 oder 20 Jahre, die noch davor liegen.“

    Bin ich ziemlich schnell dabei – nur damit ich in Bezug auf Bewegungspolitik bzw. den Zeithorizont der nächsten rund 15 Jahre handlungsfähige bin, brauche ich / will ich erst einmal eine revolutionäre Organisation, d.h.: eine Organisation, die den rev. Bruch als – kurz- und mittelfristig zwar nicht möglich, aber dennoch – notwendig propagiert.

    Wenn Ihr Euch entweder bis Ende nächsten oder Anfang übernächsten Jahres geduldet oder aber Euch doch noch mit dem ‚Avantgardismus‘ (wie oben beschrieben) anfreundInet, dann können wir sicherlich in der einen oder anderen Weise eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten finden.

    Mit kommunistischen Grüßen

    dg

  12. 12 Wal Buchenberg 13. Dezember 2011 um 13:56 Uhr

    Zitat DGS:
    „Die revolutionäre Perspektive muss auch in jedem Flugi … vorkommen. Ihr lehnt das ab….
    Wie sollen wir da eine gemeinsame Organisation gründen?!“ Und:
    „Wenn ihr Euch bis Ende nächsten oder Anfang übernächsten Jahres geduldet…. dann können wir sicherlich in der einen oder anderen Weise …. Gemeinsamkeiten finden.“

    Hallo DGS,
    das verstehe ich von Dir als höfliche Aufforderung, bei dem NAO-Projekt den Ausgang zu suchen.
    Allerdings habe ich gelernt, deine Stellungnahmen nur als Wortmeldungen einer Minderheit zu nehmen.
    Solange von der SIB nichts Ähnliches vermeldet wird, hat sich für mich in diesem Blog auch nichts geändert.

    Gruß Wal

  13. 13 DGS / TaP 13. Dezember 2011 um 14:41 Uhr

    Lieber Wal,

    nun überlies doch bitte nicht einfach die andere Hälfte von dem, was ich geschrieben habe: „oder aber Euch doch noch mit dem ‚Avantgardismus‘ (wie oben beschrieben) anfreundInet“… -

    Und gerne können wir ja auch gucken, was bei der von khs vorgeschlagenen vis-a-vis-Diskussion rauskommt (ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr Euch daran beteiligt).

    Aber klar ist schon, daß die SIB schon Ende Nov. (und zwar einvernehmlich) beschlossen (und veröffentlicht) hatte:

    „der blog soll vor allem der Verständigung jener Gruppen und Einzelpersonen aus einem breiten marxistischen, (post)autonomen und (post)antiimperialistischen sowie anarchistischen Spektrum, das diese fünf Essentials teilt, dienen – und zwar mit dem Ziel einer Klärung, welche weiteren Fragen vor einer eventuell Organisationsgründung beantwortet werden sollten und wie sie zu beantworten wären.“

    Du hast vorgeschlagen, die Diskussion über den rev. Bruch zurückzustellen; ich würde auch vorschlagen, sie auszusetzen und sie dann – auf besser vorbereiteter Grundlage in dem von khs vorgeschlagenen Rahmen – wiederaufzunehmen. -

    Aber unrealistisch wäre, von der SIB zu erwarten, unter Aufgabe des revolutionären Bruchs nach Gemeinsamkeiten zu suchen, die in eine gemeinsame Organisationsgründung zu münden. – Vllt. überzeugt Ihr uns ja bei dem ‚Bruch-workshop‘ noch von etwas anderem – aber das ist, zumindest für mich, der Stand der Dinge. -

    Und hier gibt’s ja noch genug außer dem rev. Bruch zu diskutieren:

    http://arschhoch.blogsport.de/about/20-kontroversen/.

    Nur ran den Speck!

  14. 14 Wal Buchenberg 13. Dezember 2011 um 15:16 Uhr

    Hallo DGS,
    Zitat: „Aber unrealistisch wäre, von der SIB zu erwarten, unter Aufgabe des revolutionären Bruchs nach Gemeinsamkeiten zu suchen“.
    Das ist ein gedankliches Konstrukt von dir.
    Ganz zu Anfang hatte ich überhaupt kein Problem mit der Formulierung „revolutionärer Bruch“. Ich nahm das einfach als (zugegeben komische) Umschreibung für das allgemeinsprachliche Wort „Revolution“. Damit hatte ich noch nie ein Problem. Je länger aber die Diskussion um diesen ominösen „Bruch“ ging, desto mehr gewann ich den Eindruck, dass hier mindestens eine Katze im Sack angepriesen wird, wenn nicht sogar eine Neuauflage der Russischen Revolution. Ich möchte aber unmissverständlich wissen, worauf ich mich einlasse, und wofür ich mich einsetzen und andere gewinnen soll.
    So lange diese Bruch-Katze nicht aus ihrem „revolutionären“ Sack freigelassen ist, so lange wirst du keine Zustimmung von mir sehen.
    Da bist du in der Pflicht, und alle, die auf dieser komischen Floskel bestehen.
    Einerseits gibst du zu, dass die Diskussion um den ominösen „Bruch“ in der Sackgasse steckt, andererseits machst du die Zustimmung zu dieser unerklärten Floskel zur Voraussetzung aller weiteren Diskussion. Dazu fällt mir nichts mehr ein.

    Ich nehme deine (vielen) Kommentare und Meinungen zu Kenntnis. Aber relevant ist für mich, was die SIB als Ganzes zu sagen hat.

    Von einer Einladung zu einem „Workshop“ weiß ich nichts.
    Und da Thema, Teilnehmer und Nichtöffentlichkeit dieses „Workshops“ ohne mich abgesprochen wurden, käme eine Einladung an mich auch zu spät.
    Ich werde aber dem Ergebnis eures Workshops mit Interesse entgegensehen – sofern es publik gemacht wird.

    Für weitere Wortmeldungen habe ich heute keine Zeit.

    Gruß Wal

  15. 15 DGS / TaP 13. Dezember 2011 um 15:23 Uhr

    Es gibt bisher weder ein Konzept noch eine Einladung, sondern khs will bis Jan. einen Vorschlag entwickeln:

    http://arschhoch.blogsport.de/2011/12/12/face-to-face-aussprache/#comment-1446

  16. 16 systemcrash 13. Dezember 2011 um 17:48 Uhr

    ich habe gerade festgestellt, dass herr buchenberg keine abweichenden meinungen in seinem „marx-forum“ mag, meine wurde jedenfalls gelöscht. für mich ist der herr damit politsch ad acta gelegt. die SIB mag mit ihm diskutieren, was sie will, ich werde mit dem NIX ZU TUN HABEN !

    http://marx-forum.de/diskussion/forum_entry.php?id=6274

  17. 17 DGS / TaP 13. Dezember 2011 um 18:03 Uhr

    Hast Du noch den Text, den Du da gepostet hattest?

  18. 18 systemcrash 13. Dezember 2011 um 18:07 Uhr

    „Als Einzelner ist jeder Linker unbedeutend, aber im planmäßigen Zusammenwirken mit anderen streift er seine individuellen Schranken ab und entwickelt das Gattungsvermögen. Gattungsvermögen ist das, was nur die Menschheit als Ganzes (oder eine große Menschengruppe) zu leisten imstande ist.“

    ein kurzer blick in den aufsatz von rosdolsky („die rolle des zufalls und der „grossen männer“ in der geschichte“, olle und wolter, KRITIK Nr. 14, 1977) hat mich davon überzeugt, dass die auffassung von herrn buchenberg und die von marx diametralal entgegengesetzt ist. ich muss leider ein längeres zitat bringen. bitte um entschuldigung.

    „sie (die herrschaft der sachlichen verhältnisse) hat ihnen die aufgabe gestellt, an die stelle der herrschaft der verhältnisse und der zufälligkeit über die individuuen die HERRSCHAFT DER INDIVIDUUEN [herv v mir] über die zufälligkeit und die verhältnisse zu setzen“. das privateigentum --setzt marx fort-- kann nur aufgehoben werden … unter der bedingung einer allseitigen entwicklung der indivuduuen , weil eben der vorgefundene verkehr und die vorgefundenen produktivkräfte allseitig sind und nur von allseitig entwickelten individuen angeignet, d h zur freien betätigung ihres lebens gemacht werden können“ (marx in der „deutschen ideologie“, zit nach roman rosdolsky)

    man sieht, herr buchenberg geht dem von marx beschriebenen ideologischen schein der herrschaft sachlicher verhältnisse voll auf dem leim, wenn er schreibt:

    „Ein Frühstücksjoghurt besteht aus 10 Vorprodukten, die von 10 verschiedenen Lieferfirmen stammen. Ein Mittelklassewagen besteht aus 10.000 Einzelteilen, die von 200 verschiedenen Firmen geliefert werden. Ein Großflugzeug wird aus 6 Millionen Teilen zusammengesetzt. Da verliert sich jede Spur einer individuellen Leistung.“

    diese spur ist aber immer noch vorhanden, denn jede arbeitsleistung ist individuell, selbst bei 6 millionen einzelteilen. nur herr buchenberg vollendet ideologisch, was das kapital jeden tag exerziert: die verwandlung des lohnarbeiters in ein sachliches anhängsel des kapitalverhältnisses; nur dass herr buchenberg uns das als [kollektives] gattungsvermögen verkaufen will, was in wirklichkeit der rückfall in den „rohen kommunismus“ (ökonomisch-philosophische manuskripte) ist, also der „vorindividuelle [vor-aufklärerische] kommunismus“.

    http://arschhoch.blogsport.de/2011/12/12/konkurrenz-oder-kooperation/

  19. 19 khs 13. Dezember 2011 um 18:16 Uhr

    @ DGS

    „Es gibt bisher weder ein Konzept noch eine Einladung, sondern khs will bis Jan. einen Vorschlag entwickeln.“

    Na, ich hoffe doch, dass es mehrere Vorschläge geben wird, die in einer vorbereitenden Sitzung /einem vorbereitenden Arbeitsgang dahingehend abgesprochen werden, damit die Arbeitstagung eine verbindliche TO bekommt.

    mrg
    khs

  20. 20 Mattte 13. Dezember 2011 um 19:49 Uhr

    Ganz zu Anfang hatte ich überhaupt kein Problem mit der Formulierung „revolutionärer Bruch“. Ich nahm das einfach als (zugegeben komische) Umschreibung für das allgemeinsprachliche Wort „Revolution“. Damit hatte ich noch nie ein Problem. Je länger aber die Diskussion um diesen ominösen „Bruch“ ging, desto mehr gewann ich den Eindruck, dass hier mindestens eine Katze im Sack angepriesen wird, wenn nicht sogar eine Neuauflage der Russischen Revolution.

    Um vielleicht mal einen Schritt aufeinander zu zugehen, könnte man die Formulierung ja überdenken.
    „Revolution deren Ziel eine Gesellschaft der freien Individuen ist“
    die Formulierung ist alles andere als perfekt, kann aber vielleicht ein Denkanstoß geben um sich einander anzunähern. Hier gilt es natürlich zu klären, ob die persönlichen Schmerzgrenzen eine Änderung überhaupt möglich machen.

  21. 21 systemcrash 13. Dezember 2011 um 20:23 Uhr

    „Hier gilt es natürlich zu klären, ob die persönlichen Schmerzgrenzen eine Änderung überhaupt möglich machen.“

    es geht nicht um „persönliche schmerzgrenzen“, sondern um politische inhalte.

    allerdings, wenn jemand politische kritik und persönliche befindlichkeit(en) nicht trennen kann, mag er einer therapiegruppe für altersstarrsinnige revolutionsrentner beitreten, von der NAO sollte er aber möglichst abstand halten

  22. 22 DGS / TaP 13. Dezember 2011 um 22:59 Uhr

    @ Systemcrash (13. Dezember 2011 um 18:07 Uhr):

    Heißt das: Der Kommentar, den Du hier bereits am 12. Dezember 2011 um 21:49 Uhr gepostet hattest, ist der, der im Marx-Forum als der dortigen netiquette widersprechend gelöscht wurde?! – Absurd.

    @ Mattte:

    „Revolution deren Ziel eine Gesellschaft der freien Individuen ist“

    Nee, eine antikapitalistische (und auch antipatriarachale und antirassistische) Revolution führt nicht sogleich zu „freien Individuen“ im emphatischen Sinne.
    Die gibt es, wenn überhaupt, erst im Kommunismus – und auch da sind es noch „freie Individuen“, die sich mit den anderen Mitgliedern der Gesellschaft verständigen müssen und Naturrestriktionen unterliegen.

    Akzeptabel wäre für mich bspw.:

    „Politische und gesellschaftliche Revolution(en), die Macht des Kapitals, der Männer und der Weißen bricht/brechen.“

  23. 23 Mattte 13. Dezember 2011 um 23:27 Uhr

    Nee, eine antikapitalistische (und auch antipatriarachale und antirassistische) Revolution führt nicht sogleich zu „freien Individuen“ im emphatischen Sinne.

    Ja, natürlich – die Formulierung von mir ist lediglich unscharf.

    „Politische und gesellschaftliche Revolution(en), die Macht des Kapitals, der Männer und der Weißen bricht/brechen.“

    Auch für mich akzeptabel. Allerdings wahrscheinlich nicht für alle und wenn sicherlich nur für „subjektive Revolutionäre“, also eine Adressierung die hier nicht ganz unumstritten ist.

  24. 24 systemcrash 13. Dezember 2011 um 23:27 Uhr

    „@ Systemcrash :

    Heißt das: Der Kommentar, den Du hier bereits am 12. Dezember 2011 um 21:49 Uhr gepostet hattest, ist der, der im Marx-Forum als der dortigen netiquette widersprechend gelöscht wurde?! – Absurd.“

    wem sagst du das ;)

    in seinem forum den minidiktator spielen und die russische revolution verdammen, wegen „unfreiheit“. solche heuchlerischen typen braucht das land

    zu Mattte:

    „Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt aber der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion. Wie der Wilde mit der Natur ringen muß, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muß es der Zivilisierte, und er muß es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse; aber zugleich erweitern sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehen, daß der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichsten Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen zu vollziehen. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gibt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwenigkeit als seiner Basis aufblühen kann. Die Verkürzung des Arbeitstages ist die Grundbedingung.“

    --- karl marx, das KAPITAL, Band 3

  25. 25 DGS / TaP 13. Dezember 2011 um 23:32 Uhr

    @ Wal:

    Nachtrag zu meiner Antwort von 15:23 Uhr, da Du Deinen Kommentar nach meiner Antwort noch nachbearbeitet hattest:

    „Ganz zu Anfang hatte ich überhaupt kein Problem mit der Formulierung „revolutionärer Bruch“. Ich nahm das einfach als (zugegeben komische) Umschreibung für das allgemeinsprachliche Wort „Revolution“. Damit hatte ich noch nie ein Problem. Je länger aber die Diskussion um diesen ominösen „Bruch“ ging, desto mehr gewann ich den Eindruck, dass hier mindestens eine Katze im Sack angepriesen wird, wenn nicht sogar eine Neuauflage der Russischen Revolution. Ich möchte aber unmissverständlich wissen, worauf ich mich einlasse, und wofür ich mich einsetzen und andere gewinnen soll.“

    1. Auch das Wort „Revolution“ taucht im Bochumer Programm nicht auf.

    2. Robert (1 und 2) hatte die fragliche Diskussion mit der Unterstellung, die SIB würde die Oktoberrevolution als modellhaft ansehen, eröffnet.

    3. Auf meinen Satz,

    „Die expliziten Stellungnahmen von Robert Schlosser zum Konzept des revolutionären Bruchs sind allerdings zweideutig:

    Einerseits schreibt er: ‚Die ‚Oktoberrevolution’ war die perfekte Vollendung eines ‚Konzeptes des revolutionären Bruchs’.‘ (Quelle) – und danach kritisiert er die leninsche Konzeption, die zur Oktoberrevolution führte, womit dann also das perfekte Konzept des revolutionären Bruch verworfen zu sein scheint.
    Andererseits heißt es aber: ‚Ein neues ‚Konzept des revolutionären Bruchs’ kann aus meiner Sicht überhaupt nur durch ebenso kritische wie würdigende Überwindung des Konzepts des Bolschewiki erarbeitet und zur Erfolg versprechenden Grundlage einer neuen antikapitalistischen Organisation werden.‘, womit also zumindest die Möglichkeit eines post- oder nicht-leninistischen Konzeptes des revolutionären Bruchs zugestanden zu sein scheint.“

    antwortete Robert:

    „Das scheint nicht nur so, sondern ist so! Dieses Konzept muss für heute verworfen werden!“

    4. Dir selbst war ja aufgefallen:

    „Die andere Seite (darunter auch ich) haben immer wieder vermutet oder unterstellt, dass mit ‚revolutionärem Bruch‘ das Russische Revolutionsmodell gemeint sei. Das wurde […] abgestritten.

    Wer hat denn nun den versucht, den „revolutionären Bruch“ auf das Modell der Oktoberrevolution festzulegen???

  26. 26 systemcrash 13. Dezember 2011 um 23:40 Uhr

    DG

    hör doch endlich auf!
    herr buchenberg ist politisch nicht ernst zu nehmen und eine debatte mit ihm bringt nichts, da er sich sofort auf seine empfindliche persönlichkeit zurückzieht, wenn es inhaltlich eng für ihn wird.

    ich für meinen teil werde nur noch auf inhaltlich relevante problemstellungen eingehen, falls er hier noch posten sollte.
    als „person“ (soweit man das im inet beurteilen kann) ist er jedenfalls für mich völlig uninteressant und ich würde niemals einem club beitreten, wo er auch wäre…da bin ich radikaler anhänger von marx …..groucho marx ;)

    http://arschhoch.blogsport.de/2011/12/14/bochumer-unterstellungen-in-sachen-revolutionaerer-bruch/

  27. 27 Kim B. 15. Dezember 2011 um 17:34 Uhr

    Systemcrash,

    wenn du diese Ankündigung so ernst nimmst, wie jene zweimalige, dich an diesem Ort nicht mehr an der Diskussion zu beteiligen, wird es vielleicht doch noch etwas mit dir und Herrn Dühr .. äh Buchenberg.

    Gruß
    Kim

  28. 28 systemcrash 15. Dezember 2011 um 17:40 Uhr

    so weit ich weiss, hat sich friedrich engels ziemlich abgequält mit herrn dühring. zu meiner schande muss ich gestehen, dass ich den anti-dühring nie gelesen habe (rotwerd ;) ) …aber ich bin mir völlig sicher, dass die arbeit an einem „anti-buchenberg“ absolut verschwendet wäre ;)

  29. 29 NN 15. Dezember 2011 um 21:52 Uhr

    @ systemcrash

    Du schreibst:

    DG

    hör doch endlich auf!
    herr buchenberg ist politisch nicht ernst zu nehmen und eine debatte mit ihm bringt nichts, da er sich sofort auf seine empfindliche persönlichkeit zurückzieht, wenn es inhaltlich eng für ihn wird.

    ich für meinen teil werde nur noch auf inhaltlich relevante problemstellungen eingehen, falls er hier noch posten sollte.
    als „person“ (soweit man das im inet beurteilen kann) ist er jedenfalls für mich völlig uninteressant und ich würde niemals einem club beitreten, wo er auch wäre…da bin ich radikaler anhänger von marx …..groucho marx

    Wenn das mal so einfach wäre. Natürlich kommt DG an Wal Buchenberg nicht vorbei. Er hat mit seinem Marx-Forum und der konsequenten Ausrichtung auf Karl Marx und Friedrich Engels umseren Blick zurück auf das Schaffenswerk von Marx und Engels geführt und uns zur originären Quelle zurückgeführt und weicht davon konsequent nicht ab. Es ist sicher schwierig, wenn jemand die Rolle des Richter, Anklägers und Ausführers anzunehmen scheint.

    Du dagegen hast deine Rolle als Hofnarr gefunden.

  30. 30 systemcrash 15. Dezember 2011 um 22:46 Uhr

    soweit ich weiss, waren die hofnarren immer die einzig weisen im umkreis der könige ;) ^^

  31. 31 systemcrash 15. Dezember 2011 um 22:48 Uhr

    über die rolle (oder die nichtrolle) von herrn buchenberg will ich mich nicht weiter äussern. der interessiert mich null

  1. 1 Organisationsdebatte. Ein Einwurf von G. Karfeld « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! Pingback am 23. Dezember 2011 um 8:03 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.



ORGANISIERUNGSDEBATTE: