Face-to-Face Aussprache

Gen. G. Karfeld schreibt:

„Der revolutionäre Bruch kann sich somit nur auf die Auflösung der Kontrolle der Produktionsmittel durch das Kapital beziehen. Ohne diesen Bruch sind keine wesentlichen gesellschaftlichen Änderungen durchzusetzen. Die Diskussion kann sich also nicht um das ob, sondern nur um das wie drehen.“
http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=20437&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=41f2def371

Und schließt an:

„Die eigentliche Frage stellt sich nun, wie transferiert man diese Zusammenhänge in das Bewußtsein der Lohnabhängigen“

Sie ist m. E. der 2. Schritt vor dem 1. Denn der erste Schritt wäre die Klärung folgender Frage: Was heißt heute konkret „Kontrolle der Produktionsmittel“, wer übt sie aus?

Bei Lenin in Staat und Revolution heißt es Marx zitierend:

„“Wenn Du das letzte Kapitel meines ‚Achtzehnten Brumaire‘ nachsiehst, wirst Du finden, daß ich als nächsten Versuch der französischen Revolution ausspreche, nicht mehr wie bisher die bürokratisch-militärische Maschinerie aus einer Hand in die andere zu übertragen, sondern sie zu ZERBRECHEN“ (hervorgehoben von Marx), „und dies ist die Vorbedingung jeder wirklichen Volksrevolution auf dem Kontinent. Dies ist auch der Versuch unserer heroischen Pariser Parteigenossen.“ (S. 709, „Neue Zeit“, XX, 1, 1901/1902.) (16) (Die Briefe von Marx an Kugelmann sind in russischer Sprache in mindestens zwei Ausgaben erschienen, eine davon unter meiner Redaktion und mit einem Vorwort von mir.) (17) ?“
http://www.mlwerke.de/le/le25/le25_426.htm

Marx/Lenin geht es also um den Staat als „bürokratisch-militärische Maschinerie“. Die bürgerliche Republik in den spätkapitalistischen Metropolen ist aber mehr als nur ein repressiver Staatsapparat. Er funktioniert gerade auch dadurch, dass er durch ideologische Staatsapparate ergänzt wird.(*)

Ich will mit meinen Zeilen hier keine weitere virtuelle Debatte mehr lostreten, wo die üblichen Verdächtigen wider zig schnell geschossene Kommentare abgeben, die z. T. im Stil der beleidigten Leberwurst gehalten (ich möchte nicht so oder so angeredet werden), bei mir nur noch Gähnen hervorrufen.

Was wir brauchen, denke ich, ist eine Face-to-Face Aussprache (keine öffentliche Info-Veranstaltung sondern eine Art Arbeitstreffen) über den „rev.Bruch“ mit dem Ziel zur Einheit zu kommen. Gen. Karfelds Thesen wären einen Einstieg, weil er sachlich und seriös (aber m.E. nicht fehlerfrei) argumentiert. In Berlin müsste das doch möglich sein zu organisieren?

Das wäre mein Vorschlag.

Mrg
Khs

*) Daraus ergibt sich für mich, dass der sog. rev. Bruch Teil eines Prozesses ist – einer Transformation, die von mehreren rev. Brüchen geprägt sein wird, aber auch von Kontinuitäten, weshalb ich einer unsubsstantiierten Floskel „rev. Bruch“ skeptisch bis ablehnend gegenüberstehe. UND wie oben empfohlen, ist eine persönliche Ansprache zur Erläuterung dessen, was ich hier andeute, einfach der bessere Weg.

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8 Antworten auf „Face-to-Face Aussprache“


  1. 1 systemcrash 12. Dezember 2011 um 19:33 Uhr

    „Marx/Lenin geht es also um den Staat als „bürokratisch-militärische Maschinerie“. Die bürgerliche Republik in den spätkapitalistischen Metropolen ist aber mehr als nur ein repressiver Staatsapparat. Er funktioniert gerade auch dadurch, dass er durch ideologische Staatsapparate ergänzt wird.“

    die „ideologischen staatsapparate“ ändern aber nichts am repressiven charakter des staates, es bedeutet nur, dass ein teil der unterklassen ebenfalls „bürgerliche ideologien“ vertreten/übernommen haben. was das an der notwendigkeit des revolutionären bruchs ändert, erschliesst sich mir nicht. es bedeutet höchstens, den ideologischen kampf zu fokussieren und sich auch ein paar gedanken über das verhältnis von sozialen verhältnissen und bewusstsein zu machen. und das ist ein höchst komplexes thema, welches unter anderem kulturelle, pädagogische und psychologische/psychoanalytische aspekte enthält. das wird richtig weh tun im kopp ;)

    „Daraus ergibt sich für mich, dass der sog. rev. Bruch Teil eines Prozesses ist – einer Transformation, die von mehreren rev. Brüchen geprägt sein wird, aber auch von Kontinuitäten, weshalb ich einer unsubsstantiierten Floskel „rev. Bruch“ skeptisch bis ablehnend gegenüberstehe.“

    eine nette umschreibung für ein (reformistisches) etappenmodell („kontinuitäten“ !!!) in ungezählter auflage *gähn* ;)

    gegen eine veranstaltung ist nichts einzuwenden. wer face to face möchte, kann das machen.
    für mich sind die „bochumer“ politische gegner, und entsprechend werde ich agieren

  2. 2 khs 12. Dezember 2011 um 20:42 Uhr

    Hallo lieber Genosse „Systemcrash“,

    „mit de Dialektik haste det nicht so, wa?“

    Wenn eine gewisse Quantität in eine neue Qualität umschlägt, dann geht die ja nicht stofflich unter – oder? Das Schul- und Bildungswesen als ideologischer Staatsapparat (übrigens ebenso wenig von den Unterklassen betrieben wie ARD und ZdF), wird ja wohl weiterbestehen müssen, zumindest wird die Schuljugend nach dem (1.) rev. Bruch ja nicht zu Haus bleiben müssen – gleichwohl wird die Schule nicht mehr die alte bürgerliche Staatsschule sein.
    Auch wird es vermutlich nicht mehr nötig sein, 50 verschiedene Mittelklassemodelle zu bauen – aber Autos wird es doch noch geben oder? Die Bundeswehr wird dagegen komplett abgeschafft, denn an ihre Stelle tritt die Volksbewaffnung, na ja und so weiter…

    Nichts für ungut.

    Übrigens habe ich keine Veranstaltung vorgeschlagen, sondern ein Arbeitstreffen. Deine Teilnahme würde ich gerne begrüßen, wenn Deine hiesigen politischen Blog-Gegner von Dir auch zugelassen werden.

    mrg
    khs

  3. 3 systemcrash 12. Dezember 2011 um 20:50 Uhr

    was du als grossartige erkenntnis der „kontinuität“ feierst, hat marx viel schöner mit den „muttermalen“ beschrieben

    mit dem lesen hast du es nicht so, wa ;)

    klar, alle die wollen, sollen kommen …ich wollte nur die frontstellung(en) klarmachen ;)

  4. 4 DGS / TaP 13. Dezember 2011 um 11:13 Uhr

    Ich finde den Vorschlag gut (die SIB wird ihn allerdings frühstens nächste Woche beraten können).

    Allerdings würde ich nicht einfach eine „Aussprache“ vorschlagen, in der dann irgendein Formelkompromiß gesucht wird.

    Vielmehr sollte das dann m.E. eher ein Seminar/Workshop sein, wo die verschiedenen relevanten Fragen anhand vorbereiteter Referate (aus jeweils unterschiedlichen Perspekiven) diskutiert werden: Repressive Staatsapparate heute?; Ideologische Staatsapparate (Althusser) / „Kasematten“ der Zivilgesellschaft (Gramsci) heute?; Genossenschaftliche Übergangsstrategien / ökonomischer Gradualismus; Marktkonkurrenz und die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel; Was kommt nach dem ‚Sturm aufs Winterpalais‘ (Lenin/Trotzki) und dem ‚langanhaltendem Volkskrieg‘ (Mao) – Neukonzeptionierung oder Aufgabe des revolutionären Bruchs? usw.

    PS.:
    Althusser hatte ja den Begriff der „Ideologischen Staatsapparate“ aufgebracht.
    Als sich die KPF von der Diktatur des Proletariats verabschiedete, schrieb er:

    Wer das Ziel der Zerschlagung des bestehenden Staatsapparates aufgibt, wer über das Absterben des Staates schweigt und beides durch den Begriff der ‚Demokratisierung des Staates‘ ersetzt, der reduziere das „ganze Ensemble des Klassenkampfs in Ökonomie, Politik und Ideologie“ auf den politischen Klassenkampf, letztlich auf „Wahl- und parlamentarische Kämpfe“; die neue Strategie der KPF sei „demokratische[s] Abenteurertum“ (in: Peter Schöttler, Statt eines Vorwortes: Vier Fragen an Louis Althusser (1978), in: Louis Althusser, Die Krise des Marxismus, VSA: Hamburg, 1978, 7 – 17 [12 – 13]).

    Althussers ISA-Aufsatz:

    Ideologie und ideologische Staatsapparate (html-Datei)
    Ideologie und ideologische Staatsapparate (pdf-Datei) [von der gedruckten Fassung in Louis Althusser, Ideologie und Ideologische Staatsapparate. Aufsätze zur marxistischen Theorie, VSA: Hamburg/Westberlin, 1977, 108 – 153 leicht abweichende Übersetzung]

  5. 5 khs 13. Dezember 2011 um 11:44 Uhr

    Hallo DGS,

    ich habe mich über Deine Antwort gefreut und stimme Dir zu, dass „Aussprache“ ein wenig zu unbestimmt ist.

    Deswegen hieß es auch in der Klammer „eine Art Arbeitstreffen“. Ein Treffen mit Referaten wäre optimal.

    Welches die Themen sein sollten, wie Du sie mit anführst: „Repressive Staatsapparate heute?; Ideologische Staatsapparate (Althusser) / „Kasematten“ der Zivilgesellschaft (Gramsci) heute?; Genossenschaftliche Übergangsstrategien / ökonomischer Gradualismus….“, dazu möchte ich mir ein wenig Zeit nehmen und auch andere sollten sich dafür Zeit lassen. Aber im Januar 2012 sollte dieser Workshop inhaltlich schon stehen.

    mrg
    khs

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