Den Kapitalismus kann man nicht wegbomben

immer wieder gibt es verzweiflungstaten sog anarchistischer, autonomistischer oder stadtguerillaistischer gruppen, die meinen, mit dem wegbomben einzelner repräsentanten des systems sei dieses zu erschüttern.
http://www.tagesschau.de/inland/ackermann226.html

das gegenteil ist der fall. erstens führt es nur zur solidarisierung breiter Massen mit den opfern krimineller anschläge, dem bürgerlichen staat wird ein vorwand für die kriminalisierung der radikalen linken geliefert und — was am schlimmsten ist —, an die stelle von Massenaktionen eines politisch bewussten proletariats agieren kleine gruppen ohne gesellschaftliche verankerung, was noch einmal die ohnehin schon vorhandene ohnmacht und entpolitisierung der unterklassen verstärkt. diese ganze „strategie“ ist also absolut kontraproduktiv.
das einzige, was hilft, ist geduldiges aufklären der Massen, um diese zu eigenständigen politischen strukturen und aktionen zu verhelfen.
unsere rache am kapitalismus ist viel zu gross, als dass diese nur an einzelnen austauschbaren köpfen vollzogen werden kann. unser kampf gilt dem ganzen system.

“ Was die Eunuchen und Pharisäer der Moral auch immer sagen mögen, das Rachegefühl besteht zu Recht. Es ist das höchste moralische Verdienst der Arbeiterklasse, daß sie nicht mit untätiger Gleichgültigkeit auf das schaut, was in dieser besten aller möglichen Welten vor sich geht. Nicht die unerfüllten Rachegefühle des Proletariats zu ersticken, sondern sie im Gegenteil anzustacheln, zu vertiefen und sie gegen die wahren Ursachen aller Ungerechtigkeit und menschlicher Niedertracht zu richten – das ist die Aufgabe der Sozialdemokratie.

Wenn wir uns terroristischen Akten widersetzen, so nur deshalb, weil individuelle Rache uns nicht zufriedenstellt. Die Rechnung, die wir mit dem kapitalistischen System zu begleichen haben, ist zu umfangreich, um sie einigen Beamten, genannt Minister, zu überreichen. Lernen zu sehen, daß all die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, alle Beleidigungen, denen der menschliche Körper und Geist ausgesetzt sind, entstellte Auswüchse und Äußerungen der bestehenden sozialen Ordnung sind, um unsere ganze Kraft auf einen gemeinsamen Kampf gegen dieses System zu richten, – das ist die Richtung, in der der brennende Wunsch nach Rache seine höchste moralische Befriedigung finden kann.“
---leo trotzki über rache
http://systemcrash.wordpress.com/trotzki-uber-rache/

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2 Antworten auf „Den Kapitalismus kann man nicht wegbomben“


  1. 1 ulf 09. Dezember 2011 um 1:50 Uhr

    http://lnl.blogsport.de/2011/12/08/zur-briefbombe-auf-ackermann/

    Zur Briefbombe an Ackermann…
    8. Dezember 2011
    in Nachrichten
    Geschlossen

    …dokumentieren wir hier 5 ältere Artikel zum Thema:

    „Anarchistische Bombenleger“?! (graswurzelrevolution)

    Zu den Briefbomben in Italien (Indymedia)

    Briefbomben von Anarchisten? (anarchistischer Funke)

    Schon wieder wir? (graswurzelrevolution)

    Keine Solidarität mit den „anarchistischen“ BriefbomberInnen (Libertäre Aktion Winterthur)

    Sollte es zu der aktuellen Briefbombe Erklärungen aus der anarchistischen Bewegung (z.B. von der realen FAI) geben, werden wir sie veröffentlichen.

    Solidarität mit der Anarchistischen Föderation Italiens (FAI)

    Gegen die Militaristen die sich „Informelle Anarchistische Föderation“ (FAI) nennen

  2. 2 DGS / TaP 09. Dezember 2011 um 17:36 Uhr

    Hallo Systemcrash,

    auch der Beitrag kommt mir etwas pauschal geraten vor.

    Gleichmal zur Überschrift:

    „Den Kapitalismus kann man nicht wegbomben“

    Ich würde sagen: Das hängt vielmehr von der konkreten Konstellation ab, in der sich ein rev. Bruch vollzieht.

    „immer wieder gibt es verzweiflungstaten sog anarchistischer, autonomistischer oder stadtguerillaistischer gruppen, die meinen, mit dem wegbomben einzelner repräsentanten des systems sei dieses zu erschüttern.“

    Die können m.E. auch nicht alle über einen Leisten gebrochen werden. Und v.a. scheint mir die psychologisierende Erklärung „verzweiflungstaten“ fragwürdig zu sein.
    Und im vorliegenden Fall kann durchaus bezweifelt werden, ob es sich überhaupt um AnarchistInnen handelt. Ich habe mir ein paar der von Ulf verlinkten Texte angesehen; die scheinen mir recht informativ zu sein.

    - So heißt die Gruppierung, in deren Namen die Ackermann-Aktion unternommen wurden „Federazione Anarchica Informale“ (FAI). Die gleiche Abkürzung verwandte zuvor schon eine legale anarchistische Organisation in Italien – die „Federazione Anarchica Italiana“ (http://de.indymedia.org/2010/12/297116.shtml). Linke können an einem derartigen Namens- bzw. Abkürzungsverwirrspiel kaum ein Interesse haben.
    - Die Floskel die deutschsprachig aus der aktuellen Anschlagserklärung zitiert wird, klingt nach Nazi-Sprache: „In dem Schreiben wird von ‚3 Explosionen gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger‘ geredet.“ (meine Hv.) „Nicht nur die in linken Kreisen unübliche Wortwahl der FAI stößt auf Ablehnung.“, berichtet Peter Nowak bei Telepolis. Bereits in einem früheren Artikel informierte er: Die 2004 an Prodi adressierte Sendung enthielt „das Buch ‚Lust‘ des nationalistischen und faschistenfreundlichen Schriftstellers Gabriele D‘Annunzio. In der letzten Erklärung der anonymen Feuerwerker wird vor einem marxistischen Krebsgeschwür gewarnt. Diese Terminologie ist wohl bei den Freunden von Annunzio, nicht aber in linken Kreisen üblich.“ (meine Hv.)

    Also, die Ackermann-Aktion, u.a. die wenig Zielsicherheit garantierende Aktionsform „Briefbombe“, und ihre Begründung läßt sich durchaus kritisieren, ohne eine Grundsatz-Diskussion über militante Aktionen führen zu müssen.

    „erstens führt es nur zur solidarisierung breiter Massen mit den opfern krimineller anschläge“

    Jetzt versteckst Du Dich aber hinter den Massen, was Du sonst den BochumerInnen in aller Schärfe zum Vorwurf machst…

    Wichtiger als auf die Massen im allgemeinen zuschielen ist m.E., ob militante Aktionen in sozialen Bewegungen, in denen relevante Teile der Massen aktiv sind, auf Anklang stoßen.

    „dem bürgerlichen staat wird ein vorwand für die kriminalisierung der radikalen linken geliefert“

    Einerseits gibt es staatliche Repression sowieso, wenn sich die gesellschaftlichen Widersprüche zuspitzen, und oft genug ist Antirepressionsarbeit auch eine Gelegenheit, neue BündnispartnerInnen zu gewinnen. Das Kriminalisierungs-Risiko sollte daher m.E. nicht zum ausschlaggebenden Gesichtspunkt gemacht werden.

    Falls der ganze Problemkreis genauer diskutiert werden soll, was meines Erachtens aber keine vorrangige Aufgabe unseres Prozesses ist (siehe aber dort: http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/13/k-6-c-gewaltfrage-und-repressionsgefahr/ und dort: http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/13/k-7-c-nicht-klandestin-oder-halb-klandestin/), hier ein paar einschlägige links:
    http://theoriealspraxis.blogsport.de/1996/12/15/die-phasen-des-kampfes-der-roten-armee-fraktion-gegen-das-gesellschaftssystem-der-brd-1971-1996/,
    http://theoriealspraxis.blogsport.de/2011/04/21/doku-eine-feministische-kritik/
    und
    http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/07/22/die-linke-die-gruenen-die-sozialen-bewegungen-und-die-gewalt-diskussion/.

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