»Revolutionärer Bruch«? Worüber reden wir hier überhaupt?

Karl Mueller hat in der neuen Ausgabe der Onlinezeitung Trend die Frage des „revolutionären Bruchs“ aufgegriffen. Unter dem Titel „Der Sturm auf das Winterpalais war gestern“ wirft der Autor der Sozialistischen Inititiative (SIB) vor, „dass ihr Verständnis vom ‚revolutionären Bruch‘ in erster Linie nur ein Lippenbekenntnis ist“.

Lassen wir mal beseite, ob das besonders glücklich formuliert ist. Richtig ist, dass die SIB bisher nicht dargelegt hat, was sie konkret unter einem „revolutionären Bruch“ versteht. Mueller macht es leider auch nicht besser.

„Wenn unter ‚revolutionären Bruch‘ im Grunde genommen heute immer noch der Leninsche Weg verstanden wird, der weiland in einen unbestritten erfolgreichen Sturz der zaristischen Selbstherrschaft mündete“, sei „eine absolute Blindheit für die heutigen Klassenstrukturen und Kampfbedingungen des Proletariats in den Metropolen die Folge“. Wieso „Folge“? Müsste es, um einen Sinn zu ergeben, nicht „Ursache“ heißen? Aber sei’s drum. Mag eine Fehleinschätzung Ursache und Folge von Blindheit zugleich sein. Das klingt alles wortgewaltig. Leider bleibt nebulös, was Mueller stattdessen vorschlägt.

Und weiter geht’s: „Der Sturm aufs Winterpalais war gestern, heute geht es nicht mehr um die Errichtung einer demokratischen Republik auf der Grundlage der Gewaltenteilung, sondern um die proletarische Revolution, d.h. die Staats- und damit Machtfrage steht in einem völlig anderen gesellschaftlichen Kontext als weiland 1917.“ Ging es im Oktober 1917 in Russland nicht um die proletarische Revolution? Ging es nicht genau um die Frage, ob die im Februar 1917 begonnene Revolution im bürgerlich-demokratischen Rahmen bleiben oder, auf dem Wege der Übertragung der ganzen Macht an die Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, zu einer proletarisch-sozialistischen werden würde? Dass sich der gesellschaftliche Kontext ständig (und über ein Jahrhundert sogar beträchtlich) verändert, ist wohl so unstrittig wie banal. Interessant wäre zu diskutieren, worin diese Veränderungen bestehen.

Schließlich schreibt Mueller: „Wenn mensch nun die Geschichte des untergegangenen ‚realexistierenden Sozialismus‘ noch als wichtige historische Erfahrung dazu nimmt, dann wird es gänzlich prekär, wenn in Sachen ‚revolutionärer Bruch‘ fast nur in der theoretischen Mottenkiste gekramt wird.“ Was soll das bedeuten? Weder die SIB noch sonst jemand, soweit ich sehe, hat in dieser Debatte vorgeschlagen, aus der „Geschichte des untergegangenen ‚realexistierenden Sozialismus‘“ ein „Revolutionsmodell“ zu übernehmen. Was für eines sollte das auch sein? Administrative Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse von oben unter den Bedingungen einer sowjetischen Besatzungsmacht? Oder Partisanenkrieg wie in Jugoslawien? Aber dass diese Geschichte eine „wichtige historische Erfahrung“ darstellt – kann man das ernsthaft bestreiten? Sollen wir das einfach als Fußnote abhaken?

Das Konstruktivste an Muellers Artikel ist wohl die von ihm zitierte Frage der Il-Manifesto-Gruppe von 1969: „Die antikapitalistische Revolution ist also zugleich reif und nicht reif. Der Klassenantagonismus bringt den Widerspruch hervor, aber er besitzt nicht aus sich selbst heraus die Kraft, die Alternative zu produzieren. Dennoch, wenn man die Revolution nicht auf einen reinen Voluntarismus, auf reine, revolutionäre Subjektivität, reduzieren will, oder, im umgekehrten Sinne, nicht in den Evolutionismus zurückfallen will, auf welcher objektiven materiellen Basis kann man dann eine revolutionäre Alternative rekonstruieren?“

Das ist ein Gedanke, über den man diskutieren kann. Wenn die Revolution „zugleich reif und nicht reif“ ist, kommt der Frage der Organisation – nicht im engen formalen Sinne, sondern im weiteren Sinne der „Klasse für sich“ – eine Schlüsselrolle zu. Leider machen die Genossen von Il Manifesto dann aber eine Rolle rückwärts, indem sie die falsche Alternative „reiner Voluntarismus“ versus „Evolutionismus“ präsentieren (womit hier wohl eine Haltung gemeint ist, die davon ausgeht, dass sich der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus von selbst vollziehen wird, wenn die Bedingungen dafür reif genug sind). Ich denke, es ist klar, wie mechanisch diese Gegenüberstellung ist: Es geht nicht um das eine oder das andere, sondern darum, auf der Grundlage der „objektiven materiellen Basis“ (worauf sonst?), „eine revolutionäre Alternative (zu) rekonstruieren“.

Offensichtlich kann man die Dinge auch komplizierter machen, als sie sind. „Revolutionärer Bruch“ bedeutet im Kern, die Eigentumsverhältnisse zu ändern. Im Moment kontrollieren in der Bundesrepublik Deutschland die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung zwei Drittel allen Vermögens, während 50 Prozent der Bevölkerung per Saldo – Eigentum minus Schulden – buchstäblich nichts besitzen.

Dies ist – anders als die Partei Die Linke oder vielleicht attac meinen – in erster Linie nicht ein Problem der Verteilungsgerechtigkeit. Es ist vor allem ein Problem der gesellschaftlichen Macht – zehn Prozent (und innerhalb dieser Gruppe ist das Eigentum ja auch nicht gleich verteilt) treffen Entscheidungen über die Lebensumstände von Millionen Menschen, und das nicht mal nach übergeordneten, gesellschaftlichen Kriterien, sondern auf der Grundlage von Renditeerwartungen. Die Verfügung, das Eigentum und die effektive Kontrolle an den Hauptproduktionsmitteln aus den Händen einer kleinen gesellschaftlichen Minderheit an die Mehrheit zu übertragen, zu sozialisieren – das ist, was der „revolutionäre Bruch“ beinhaltet.

Wie machen wir das aber? Marx und Engels hatten im Kommunistischen Manifest (es tut mir leid, dass ich in die „Mottenkiste“ greife), ein paar Vorschläge, die man gewiss nicht eins zu eins auf das 21. Jahrhundert übetragen kann. Aber man kann sie sich ja mal ansehen. Da wird z. B. eine „starke Progressivsteuer“ vorgeschlagen. Klingt nicht sehr revolutionär? Ich bin überzeugt, das große Kapital würde das anders sehen. Stellen wir uns vor, eine linke, meinetwegen reformistische, Regierung würde eine solche Maßnahme auf die Tagesordnung setzen. Dies würde sofort den heftigsten Widerstand des Besitzbürgertums auf sich ziehen. Die Regierung müsste entweder den Rückzug antreten oder die Maßnahme schnell umsetzen. Wäre dies möglich ohne eine Massenbewegung, gestützt allein auf die Macht der Finanzämter? Die Antwort ist klar, denke ich. Eine solche Massenbewegung würde aber, um allein in dieser einen (ich gebe zu, zentralen) Frage erfolgreich zu sein, eine Art „Doppelmacht“ auf die Tagesordnung setzen müssen.

Ich will es hierbei erstmal bewenden lassen. Es geht mir nicht darum, ein „Revolutionsmodell“ zu entwickeln, sondern strategische Szenarien zu diskutieren. Auch wenn diese heute und morgen nicht auf der politischen Tagesordnung stehen mögen, geht es dabei nicht um Kaffeesatzleserei oder Esoterik oder den „Leninschen Weg“, unter dem vermutlich jeder etwas anderes versteht. Es geht um ganz konkrete Fragen.

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23 Antworten auf „»Revolutionärer Bruch«? Worüber reden wir hier überhaupt?“


  1. 1 DGS / TaP 03. Dezember 2011 um 15:00 Uhr

    Sehr schön Gen. jboe!

    Nur zwei kleine Ergänzungen.

    Karl schreibt:

    „Ein Blick in die SIB-Erklärung vom 28.11. lässt allerdings auch deutlich erkennen, dass ihr Verständnis vom ‚revolutionären Bruch‘ in erster Linie nur ein Lippenbekenntnis ist. Das, was die SIB darunter versteht, basiert weder auf einer gemeinsam erarbeiteten Bilanzierung der Geschichte der ArbeiterInnenbewegung (und der eigenen Geschichte darin), noch – und das ist viel schlimmer – ist dieser Begriff aus einer Analyse der Klassen- und Machtverhältnisse sowie den aktuellen und prognostizierten Handlungsmöglichkeiten des Proletariats heute abgeleitet.“

    Ich – als nicht nur politische AktivistIn, sondern auch GesellschaftswissenschaftlerIn – bin sehr für „Bilanzierung der Geschichte der ArbeiterInnenbewegung“ zu haben – nur brauchen wir darüber in einer eventuell zu gründenden neuen Organisation die nächste Jahre und Jahrzehnte am allerwenigsten eine Einigung.
    Ich finde, heute könnten GenossInnen aus autonomer, maoististischer, trotzkistischer, brandlerianischer, realsozialistischer, luxemburgsistischer usw. Richtung in einer gemeinsamen revolutionären Organisation zusammenarbeiten, ohne vorher ihre Geschichtsanalyse vereinheitlichen zu müssen.
    Das kann und soll in einer solchen Organisation diskutiert werden; und Theoriearbeit sollte auch nicht auf die lange Bank geschoben und nicht nur dann betrieben werden, wenn es das pragmatische Bewegungs- und Organisationsgeschäft gerade mal zuläßt. Aber eine Einigung auf diesem Feld sollte m.E. nicht zu einer Organisationsgründungsvoraussetzung gemacht werden -

    zumal für die wenigsten RevolutionärInnen, die nach 1977 politisch sozialisiert wurden, die historischen Streits zwischen Luxemburg, Trotzki, Brandler/Thalheimer und Luxemburg noch identitätsstifend sind:
    Sie werden entweder einfach ignoriert (was weniger gut ist) oder es werden fallweise deren Argumente geprüft (was vernünftig ist).

    jboe schreibt:

    „Offensichtlich kann man die Dinge auch komplizierter machen, als sie sind. ‚Revolutionärer Bruch‘ bedeutet im Kern, die Eigentumsverhältnisse zu ändern. […]. Es ist vor allem ein Problem der gesellschaftlichen Macht – zehn Prozent […] treffen Entscheidungen über die Lebensumstände von Millionen Menschen, und das nicht mal nach übergeordneten, gesellschaftlichen Kriterien, sondern auf der Grundlage von Renditeerwartungen.“

    Es geht m.E. schon auch weiterhin um die Frage der Staatsmacht und die Staatsapparate, mit der sie ausgeübt wird – repressiv und ideologisch.

    Und: 1917 konnte noch erfolgreich auf die massenhafte Desertion von Soldaten aus der zaristischen Armee gesetzt werden; heute können die Herrschenden, wenn nötig, mit einigen HighTech-Waffen und zuverlässigen Eliteeinheiten, Menschenmassen niederhalten, für deren Niederhaltung 1917 ebenfalls Massenarmeen erforderlich waren. -
    Aber soweit, daß wir auf dieses Problem eine Antwort finden müßten, sind wir ja noch lange nicht. -

    Aber um zu wissen, daß die Macht- und Staatsfrage wichtig ist, braucht es nicht unbedingt eines historisches Gedächtnisses, das bis 1917 und 1936 zurückreicht, sondern es reicht Chile 1973, das Scheitern der Alternativökonomie-Bewegung und der autonomen Freiraumpolitik der 1970er und 1980er, das Scheitern der PS/KPF-Regierung in Frankreich in den 80er Jahren und den Mißerfolg des Versuchs von Zapatistas und RAF der 1990er Jahre, durch ‚Fragen stellen‘ und über ‚neue Politik‘ reden, die Machtfrage zu umgehen, im Kopf zu haben.

  2. 2 systemcrash 03. Dezember 2011 um 15:05 Uhr

    was ist eigentlich mit der „materiellen basis“ in der frage von il manifesto gemeint? nur der stand der produktivkräfte ?

    dann sind die bedingungen für eine revolution überreif!

    was bleibt denn dann noch ausser der unreife des subjektiven faktors? gut, vlt gibts auch für den noch andere erklärungen als nur mangelnde bildung, geistiger konservatismus oder angst vor den ungewissen folgen. aber letzten endes läuft es immer auf die selbe fragestellung hinaus: vertreten wir ein politisches programms des konsequenten bruchs mit dem kapitalismus oder wollen wir arzt im kapitalistischen krankenhaus der bürgerlichen gesellschaft sein. dann ist die anpassung (opportunismus) schon beschlossene sache.

    man mag das voluntarismus nennen …aber: der revolutionäre WILLE* ist der schlüssel zum ganzen** !

    -----
    *das problem der VERMITTLUNG revolutionärer inhalte ist damit aber noch nicht angesprochen

    **wenn auch für sich allein genommen nicht ausreichend

  3. 3 jboe 03. Dezember 2011 um 15:11 Uhr

    @ DGS/TaP:

    Es geht m.E. schon auch weiterhin um die Frage der Staatsmacht und die Staatsapparate, mit der sie ausgeübt wird – repressiv und ideologisch.

    Das sehe ich genauso, was ich ja an meinem Beispielszenario: Linksregierung führt „progressive Einkommenssteuer“ ein – Staatsapparat sabotiert – Massenmobilisierung – Doppelmacht – angedeutet habe. Ich wollte die Frage an dieser Stelle aber nur anreißen und nicht ausführlich behandeln ;-)

  4. 4 systemcrash 03. Dezember 2011 um 15:28 Uhr

    „Mögen die deutschen Regierungssozialisten schreien, die Herrschaft der Bolschewiki in Rußland sei ein Zerrbild der Diktatur des Proletariats. Wenn sie es war oder ist, so nur, weil sie eben ein Produkt der Haltung des deutschen Proletariats war, die ein Zerrbild auf sozialistischen Klassenkampf war. Wir alle stehen unter dem Gesetz der Geschichte, und die sozialistische Gesellschaftsordnung läßt sich eben nur international durchführen. Die Bolschewiki haben gezeigt, daß sie alles können, was eine echte revolutionäre Partei in den Grenzen der historischen Möglichkeiten zu leisten imstande ist. Sie sollen nicht Wunder wirken wollen. Denn eine mustergültige und fehlerfreie proletarische Revolution in einem isolierten, vom Weltkrieg erschöpften, vom Imperialismus erdrosselten, vom internationalen Proletariat verratenen Lande wäre ein Wunder. Worauf es ankommt, ist, in der Politik der Bolschewiki das Wesentliche vom Unwesentlichen, den Kern von dem Zufälligen zu unterscheiden. In dieser letzten Periode, in der wir vor entscheidenden Endkämpfen in der ganzen Welt stehen, war und ist das wichtigste Problem des Sozialismus geradezu die brennende Zeitfrage: nicht diese oder jene Detailfrage der Taktik, sondern: die Aktionsfähigkeit des Proletariats, die Tatkraft der Massen, der WILLE ZUR MACHT [!!!!herv von mir] des Sozialismus überhaupt. In dieser Beziehung waren Lenin und Trotzki mit ihren Freunden die ersten, die dem Weltproletariat mit dem Beispiel vorangegangen sind, sie sind bis jetzt immer noch die einzigen, die mit Hutten ausrufen können: Ich hab’s gewagt!

    Dies ist das Wesentliche und Bleibende der Bolschewiki-Politik. In diesem Sinne bleibt ihnen das unsterbliche geschichtliche Verdienst, mit der Eroberung der politischen Gewalt und der praktischen Problemstellung der Verwirklichung des Sozialismus dem internationalen Proletariat vorangegangen zu sein und die Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit in der ganzen Welt mächtig vorangetrieben zu haben. In Rußland konnte das Problem nur gestellt werden. Es konnte nicht in Rußland gelöst werden. Und in diesem Sinne gehört die Zukunft überall dem „Bolschewismus“.“

    ---rosa luxemburg, zur russischen revolution
    http://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1918/russrev/teil4.htm

  5. 5 Micha Prütz 03. Dezember 2011 um 17:09 Uhr

    Genau so ist es.Nur einen kleinen Punkt würde ich anders sehen.Heute stellt sich z.b.in Griechenland die Frage des revolutionären Bruchs sehr konkret.Die herrschende Klasse in Griechenland im Verbund mit den gesamten herrschenden Klassen in Europa hat keinen Spielraum für Reformen mehr.Jetzt heißt es eben:Die oder wir.An dieser Frage kann man sich auch durch noch so viele Klassenanalysen nicht herumdrücken.Und da hilft dann doch ein Blick auf die Bolschewiki und Lenin.Die vermochten es eben in einer komplizierten Situation mit einer höchst differenzierten Strategie,
    die Mehrheit der Arbeiterklasse für den revolutionären Bruch zu gewinnen.Dies anzuerkennen und auf die heutigen Verhätnisse kreativ anzuwenden,
    heißt noch lange nicht den Lenin von 1903 oder 1921
    zu goutieren.
    Manchen ist offenbar der Ernst der Lage für die europäische Arbeiterklasse noch nicht so richtig ins Bewußtsein gedrungen.
    Danke Jörn für die Klarstellungen!!!

  6. 6 systemcrash 03. Dezember 2011 um 17:50 Uhr

    deine zuspitzung „wir oder die“ ist völlig richtig! trotzdem müssen wir verstehen, dass es auch innerhalb der lohnabhängungen soziale schichtungen gibt, die man für die entwicklung einer revolutionären strategie berücksichten muss. ein büroangestellter, der den ganzen tag die tastatur eines computers quält, ist sicher objektiv ein „proletarier“, aber alles, was mit der tradition der arbeiterbewegung zu tun hat, wird ihm wohl fremd sein. er trägt keine „blaumänner“, er hat keine schwarzen fingernägel und seine hände haben sicherlich auch keine schwielen; jedenfalls nicht vom computer, sondern vlt weil er in der freizeit kraftsport betreibt;)

    solche soziologischen veränderungen müssen wir verstehen und für die politische praxis umsetzen. der „trend“ hat schon recht: eine revolutionäre strategie braucht die konkrete klassenanalyse ….aber die instrumente dafür findet man immer noch in der „mottenkiste“ von marx, lenin, trotzki und rosa luxemburg ;)

  7. 7 jboe 03. Dezember 2011 um 18:26 Uhr

    [edit: Ich habe mir mal erlaubt, die Pseudonym-Spekulationen zu löschen. – Die Tücken der Technik scheinen nicht nur beim Hyperlinks Setzen zu lauern. ;-) . DGS/TaP].

  8. 8 systemcrash 03. Dezember 2011 um 19:41 Uhr

    DG hat mich gebeten, diesen kommentar zu löschen.
    ich komme dieser bitte nach, weil es mir in erster linie um die inhalte geht, und nicht um die personen.
    trotzdem sollten kommentare (also inhaltliche positionen) bestimmten personen (also namen(skürzeln)) zuordbar sein. ich bitte daher in zukunft darauf zu achten, wer was unter welchen namen veröffentlicht.

  9. 9 Wat. 03. Dezember 2011 um 21:14 Uhr

    Es geht mir nicht darum, ein „Revolutionsmodell“ zu entwickeln, sondern strategische Szenarien zu diskutieren. Auch wenn diese heute und morgen nicht auf der politischen Tagesordnung stehen mögen, geht es dabei nicht um Kaffeesatzleserei oder Esoterik oder den „Leninschen Weg“, unter dem vermutlich jeder etwas anderes versteht. Es geht um ganz konkrete Fragen.

    Ja, es geht um ganz konkrete Fragen. Fragen die vor allem an der Klasse der Lohnarbeiter orientiert sind.

    Und da stellt sich sofort die Frage nach der Emanzipation der Lohnabhängigen!

    Denn egal wie einmal unter den dann gegebenen Umständen eine Revolution vollzogen wird (mehr oder weniger blutig oder gar unblutig, wer kann das heute sagen) – ohne Emanzipation der Lohnarbeiter von den jetzigen Verhältnissen ist diese nicht als proletarische Revolution zu haben.

    Die Lohnabhängigen selbst müssen diese vollziehen, da beißt die Maus keinen Faden ab… wenn es eine proletarische Revolution sein soll.

    Also gilt es mE alles zu unterstützen, was die eigene Emanzipation der Lohnabhängigen vorantreiben könnte.
    … daß sie dazu auch noch zu einer handlungsfähigen Gesamtklasse werden müssen, versteht sich in diesem Zusammenhang (für mich) von selbst.

    PS Ich finde es gut, wenn Ihr SIBs Euch jetzt zu diesem Thema verständigt, mein Post hier hofft, einen bisher aus meiner Sicht vernachlässigten Aspekt einbringen zu können.

    Liebe Grüße – Wat.

  10. 10 systemcrash 03. Dezember 2011 um 22:08 Uhr

    „ohne Emanzipation der Lohnarbeiter von den jetzigen Verhältnissen ist diese nicht als proletarische Revolution zu haben.“

    siehe da, die befreiung der arbeiterklasse kann nur das werk der arbeiterklasse selbst sein. das haben wir vorher echt nicht gewusst. danke für die erleuchtung

    aber wie die arbeiter die „wissenschaftliche“ einsicht in die gesellschaftlichen verhältnisse bekommen sollen — und das auch noch als „handlungsfähige gesamtklasse“ — wird wohl ewig dein geheimnis bleiben. oder glaubst du, dass auch ohne revolutionäre (wissenschaftliche) theorie die „alte scheisse“ (marx) überwunden werden kann ?

  11. 11 Wat. 03. Dezember 2011 um 22:19 Uhr

    @systemcrash

    Klar bleibt das mein Geheimnis, wenn Du immer alles sofort abblockst.

    Im übrigen war das Marx angelehnt – was ich schrieb…

    Btw. Wenn ich einen Aspekt zum Nachdenken einwerfe, dann ist der zum Nachdenken, nicht zum im Sekundentakt meinerseits sofort Paroli bieten (wollen).
    Denkt bitte darüber nach – mach ich ja mit Euren Texten auch.

    Und in meinetwegen einer Woche oder zwei rede ich dann evtl. wieder mit, wenns um Nachdenkergebnisse geht. :~)

  12. 12 systemcrash 03. Dezember 2011 um 22:19 Uhr

    „Die Vorstellung ist entsetzlich, daß die ganze Klasse, mit all ihrer Rückständigkeit je nach Sektor, Hautfarbe und Nationalität, den Schiedsrichter spielen soll, der über Fragen der revolutionären Strategie entscheidet. In einer Gewerkschaft, die eine Art ökonomische Einheitsfront ist, oder in einer politischen Einheitsfront müssen natürlich alle aktiv daran Beteiligten ihre Kritik offen vortragen können. Aber die Vorstellung, daß Arbeiter, die Priestern folgen, Arbeiter, die Stalinisten sind, Arbeiter, die zu sozialdemokratischen Parteien gehören, Druck ausüben sollen, um die Politik der revolutionären Marxisten zu bestimmen, diese Vorstellung wird die Macht der Bourgeoisie aufrechterhalten, bis eine Atombombe die Frage beseitigt.“
    James Robertson, anhang zu „lenin und die avantgardepartei“
    http://www.bolshevik.org/deutsch/archiv/lenin_avantgardepartei_de.html

  13. 13 systemcrash 03. Dezember 2011 um 22:33 Uhr

    ja, das ist ein marx zitat (auch das wusste ich ;) ), aber marx hatte eben noch keine organisationstheorie (so wie er auch keine psychologie, soziobiologie oder informatik hatte). marxismus ist eine wissenschaft und kein glaubensbekenntnis (obwohl ich selber „religiös“ bin, aber das ist ein anderes thema ;) )

    wenn du an eine „handlungsfähige gesamtklasse“ GLAUBST, dann will ich dir diesen glauben auf keinen fall nehmen. des menschen wille ist sein himmelreich ;) … aber einer „revolutionären organisation“ werden wir mit DIESEM glauben nicht einen schritt näher kommen

  14. 14 jboe 03. Dezember 2011 um 22:35 Uhr

    @ systemcrash: Und wie du jemals zu einer Organisation kommen willst, wenn du jeden, der einen vielleicht nicht hundertprozentig ausgereiften Gedanken in die Debatte wirft, erstmal zusammenstauchst, bleibt wohl dein Geheimnis? Du „one man revolution“ …

  15. 15 systemcrash 03. Dezember 2011 um 22:43 Uhr

    zumindest bleiben dann die übrig, die gestählt genug sind, diese aufgabe durchzuhalten.

    was wir hier machen ist kindergarten….was glaubt ihr, was für einen druck revolutionäre aushalten müssen, wenns wirklich hart auf hart geht!?!

    und ich behaupte nicht, dass ich das durchhalten werde, denn ich bin eher ein softie ;)

    schöner song ;)

  16. 16 systemcrash 03. Dezember 2011 um 23:22 Uhr
  17. 17 systemcrash 04. Dezember 2011 um 12:47 Uhr

    „Die gewaltige Figur von Trotzki hat viele per -
    sönlich wie programmatisch labile Elemente ange -
    zogen , die von der zerfallenden Komintern
    abgestossen wurden. Dies führte, zusammen mit der Demoralisation aufgrund der von der Arbeiterklasse erlittenen Niederlagen, die im Zweiten Weltkrieg kumulierten, zu einem langwierigen und nicht immer erfogreichen Ausleseprozess.
    (…)
    Die einzige echte Probe [für einen Revolutionär, Anm v mir] liegt in einer energischen, allseitigen Beteiligung am Lebendigen Klassenkampf.

    L.D. Trotzki schrieb in seinem Artikel „Vor dem frischen Grab Kote Zinadses“ (7. Janauar 1931):

    „Ganz ausserordentliche Umstände — Zarismus, die Illegalität, Gefängnis und Verbannung, der jahrelange Kampf gegen die Menschewiki und vor allem die Erfahrung von drei Revolutionen-- waren notwendig. um Kämpfer wie Kote Zinadse hervorzubringen. Die Kommunistischen Parteien des Westens haben bislang Kämpfer vom Typ eines Zinadse noch nicht hervorgebracht. Darin besteht ihre fortwährende Schwäche; historisch verursacht, aber nichtsdestoweniger eine Schwäche. Die Linke Opposition in den westlichen Ländern bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme und muss sich dieser Schwäche sehr wohl bewusst sein.“
    http://www.bolshevik.org/deutsch/archiv/Spartacist_de_1974_02.pdf

    was trotzki 1931 über die „linke opposition des westens“ sagt, gilt erst recht für die kleinbürgerliche linke des 21 . Jahrhunderts. wir können nichts dafür, in diesen Zeiten geboren worden zu sein, trotzdem hat niemand von uns erfahrungen darin, wie man sich in wirklich zugespitzten politischen (klassenkampf-)situationen zu verhalten hat.
    was wir hier betreiben, ist rein das theoretisch-programmatische feld zu sondieren. der schritt in die praktische umsetzung steht hier nicht einmal ansatzweise zur debatte.

  18. 18 Frank Braun 04. Dezember 2011 um 16:15 Uhr

    Hallo jboe, Hallo Ihr anderen,

    mit der Erwiderung gegen die Polemik in ‚trend-online’ zum Thema ‚revolutionärer Bruch’ bin ich einverstanden. Allerdings ist mir dazu schon noch mehr eingefallen.

    Eines vorab. Im SIB-Papier heißt es, zu den ‚unverhandelbaren Punkten’ soll auch das „Konzept des revolutionären Bruchs“ gehören. Ich gehe davon aus, daß da rein semantisch nicht hingeschrieben wurde, was man eigentlich dachte. Denn tatsächlich kenne ich keine/n einzigen Zeitgenossin/en, der/die dieses Konzept für die europäischen Verhältnisse heute zum Ausdruck bringen kann. Die SIB-AutorInnen dachten wohl eher an „Notwendigkeit des revolutionären Bruchs“. An diesem, so formulierten Essential für eine ‚Neue Antikapitalistische Organisation’ allerdings kann es unter AntikapitalistInnen keinen Zweifel geben. Dazu ein paar Gedanken.

    1. In meiner eigenen Erfahrung als antikapitalistischer Aktivist habe ich mich immer wieder der ersten gewerkschaftlichen Schulung zu „Lohn, Preis, Profit“ erinnert und auch an die Lektüre von Schriften zur „Kritik der Politischen Ökonomie“. Dort im Vorwort schreibt Karl Marx:
    „In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen.“ (MEW Bd. 13, S. 8)
    Dieser Satz saust mir bis heute durch den Kopf, wenn ich mit den neuesten, ganz aktuellen Erscheinungsformen v.a. der kapitalistischen Verwertungskrise konfrontiert bin. Im selben Text, ein paar Zeilen später, beschreibt Marx dann, wohin sich das gesellschaftlich entwickeln kann:
    „Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein.“ (ebenda, S. 9)

    Angesehen davon, daß das mit den Revolutionen wohl nur auf längere historische Sicht Geltung haben kann – immerhin gibt es ja noch die barbarische Perspektive-, gehe ich davon aus, daß es AntikapitalistInnen heute zu ihrer Aufgabe machen müssen, die konkrete Analyse dieses Widerspruchs zwischen Produktivkraftentwicklung und kapitalistischen Produktionsverhältnissen zur Grundlage ihres Handelns zu machen. Dies muß – wie oben angedeutet – zu den basics einer ‚Neuen Antikapitalistischen Organisation’ gehören.

    2. Aus meiner Sicht gehört noch ein zweites grundlegendes Merkmal zur Beschreibung der Notwendigkeit revolutionären Bruchs.
    Wenn Marx von Produktionsverhältnissen Waren produzierender Gesellschaften schreibt, die im Großen und Ganzen vom Willen der Menschen unabhängig sind, dann entspricht auch dies der sinnlichen Erfahrung vieler Menschen, daß nämlich die kapitalistischen Produktionsverhältnisse scheinbar unveränderbar unsere Zukunft bestimmen, wie sie unsere Vergangenheit bestimmt haben. Was liegt in Anerkenntnis dieser Sichtweise da näher, als den Menschen den Vorschlag zu unterbreiten, alles, was den scheinbaren Selbstlauf der kapitalistischen Reproduktion ausmacht, zu revolutionieren. Die Eigentumsverhältnisse, die ausgehöhlten Formen der bürgerlichen Demokratie, die private Aneignung gesellschaftlicher Produktion, die Produktion von Tausch- statt von Gebrauchswerten usf.
    Um ein mit den beiden geschilderten Erkenntnissen verbundenes Projekt beginnen zu können, muß ich nicht ein paar Semester im Fach ‚Parteibildung’ oder in ‚Revolutionskonzept’ studiert haben.

    Frank Braun, Köln, SoKo

    P.S.:

    Das kleine Intro am Anfang des SIB-Papiers vom März diesen Jahres, ein Zitat von Il Manifesto an Lotta Continua von 1972, muß jetzt schon herhalten, damit ‚Karl Müller’ (trend-online) einen bescheidenen Einstiegspunkt in die Kritik der SIB-Initiative findet. Das ist es, was mich ärgert – dieser unlautere, oberlehrerhafte Arbeitsstil.

    Es mag dieses SIB-Papier sich in vielerlei Hinsicht von dem unterscheiden,
    --- was heute von dem zeitgemäßen revolutionären Programm erwartet werden muß,
    --- was definitiv und massenhaft nachvollziehbar begründet, warum eine grundsätzliche Revolutionierung der Produktionsverhältnisse vonnöten ist,
    --- warum der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung dasjenige Menetekel ist, welches kraft Expropriation der Expropriateure und Schaffung geeigneter Formen gesellschaftlicher Verfügungsgewalt zu beseitigen ist,
    --- was man das relevante Dokument für Parteibildung und –aufbau nennen könnte,
    --- das ideelle Kettenglied in der Orientierung der ArbeiterInneklasse auf eigene Interessen, das Werden der Klasse für sich usf.

    Na, und ?

    Warum hat einer wie ‚Karl Müller’, bisher jedenfalls, nicht den Arsch in der Hose gehabt, um das alles, mehr als 20 Jahre nach 1989, prägnant und zureichend zu beantworten ?
    Da sagen welche: ‚Ja, wir brauchen endlich eine antikapitalistische Organisation!’, geben zum Ausdruck, wie und warum erste Schritte in diese Richtung sofort gegangen werden können, kaum daß die Erkenntnis darüber reif ist. Und sagen auch, warum u.a. die eben genannten Fragen dabei beantwortet werden müßten, und einer wie ‚Karl Müller’ beginnt larmoyant dazu / dagegen zu dozieren !
    ‚Karl Müller’ weiß, das steht in besagtem SIB-Papier, daß all die e.g. wohlfeilen Fragen, von den AutorInnen ausrücklich nicht beantwortet werden oder werden können, sondern daß sie dafür auf einen kollektiven Prozeß unter den antikapitalistischen Linken setzen, zumindest unter denjenigen, die solcherart Notwendigkeit sehen.

    Was ist daran falsch ?

    Eine rhetorische Frage. Denn die beschriebene Konstellation sagt bereits: Es steht zu vermuten, daß Dozierende gar nicht Teil desjenigen subjektiven Faktors sein möchten, der einen Prozess antikapitalistischer Organisierung auf den Weg bringen möchte.

  19. 19 jboe 23. Dezember 2011 um 13:05 Uhr

    Hallo Frank,

    Du hast natürlich Recht: Mit dem „Konzept des revolutionären Bruchs“ im „Na endlich“-Papier ist kein konkreter strategischer Plan, sondern, wie Du schreibst, eher die Notwendigkeit des revolutionären Bruchs gemeint.

    Wenn Du nahelegst, es wäre praktisch beinahe unmöglich „dieses Konzept für die europäischen Verhältnisse heute zum Ausdruck (zu) bringen“, möchte ich aber Einspruch anmelden. Zwischen einem ausgearbeiteten Detailplan für die kommenden Aufgaben und dem Stochern im Nebel einer ungewissen Zukunft gibt es eine Menge Platz. Mein Artikel ganz oben ist ein Plädoyer dafür, dass wir wieder den intellektuellen Mut fassen sollten, strategische Hypothesen aufzustellen (was etwas ganz anderes ist, als Patentrezepte für die Revolution zu entwerfen). Dies war das zentrale Thema unseres (leider zu früh verstorbenen) Zeitgenossen Daniel Bensaid, dessen Werk in der deutschen Linken bislang viel zu wenig rezipiert worden ist.

    Bensaid geht von einem historischen Studium des proletarischen Revolutionszyklus seit der Pariser Kommune aus und kommt zu dem Schluss, dass es dabei im 19. und 20. Jahrhundert im Wesentlichen zwei Varianten gab: Den Generalstreik, der zum Aufstand führt („insurrectional general strike“) und den verlängerten Volkskrieg. Beispiele für das erste „Modell“ sind u. a. Rußland 1917, Deutschland 1918, Spanien 1936, Beispiele für das zweite China (1927-49), Jugoslawien (1941-45). Und es gibt natürlich viele Beispiele, in denen sich beide Strategien ergänzten, z. B. in Kuba 1956-59 oder Nicaragua 1977-79.

    Ist das für uns von mehr als historischem Interesse? Ich meine schon. Es liegt auf der Hand, dass unsere strategische Hypothese für Europa nicht der „Volkskrieg“, sondern der Generalstreik ist, konkreter, politische Massenstreiks, die in einer gewissen Situation zur Entstehung von demokratischen Komitees oder Räten führen, die in der Lage sind, die Machtfrage zu stellen (oder auch nicht). Dies ist kein Selbstläufer, aber auch kein völlig unwahrscheinliches Szenario für Europa. Rosa Luxemburg, auch wenn sie zeitlich weiter von uns entfernt ist, hat uns in dieser Hinsicht viel mehr zu sagen als Che Guevara, das Idol unseres Freundes Olivier Besancenot.

  20. 20 Frank Braun 26. Dezember 2011 um 13:15 Uhr

    Lieber jboe,

    da stimme ich dir nun wieder gerne zu, „dass wir wieder den intellektuellen Mut fassen sollten, strategische Hypothesen aufzustellen (…)“
    Leider haben wir, wir alle radikalen Kritiker des real existierenden Kapitalismus hier im Land, es bisher nicht geschafft, jene Konstellation zu generieren, die es uns kollektiv und in praktischer Dimension ermöglicht, diese Arbeit zu verrichten.
    Gerade deshalb komme ich ja zu meiner Aussage, wir haben kein ‚Konzept revolutionären Bruchs‘ erkennen aber die ‚Notwendigkeit‘ eines haben zu müssen.

    Und übrigens: Alle existierenden Kollektive der antikapitalistischen Linken leiden an den gleichen Gebrechen, weswegen die krampfhafte Aufrechterhaltung ihres ‚Besitzstandes‘ mich auch so gar nicht überzeugt.

    Redaktionell habt ihr SIB-GenossInnen da leider ein bißchen geschludert. Aber sei’s drum, das kann korrigiert werden.

    Was Bensaid betrifft, habe ich zu wenig Kenntnisse, glaube aber, daß die Richtung seiner von dir zitierten Erwägungen zweifellos stimmig ist. Das Ganze erinnert mich von der Tragweite her an die 1930/40er Jahre, als sich insbesondere in den unterentwickelt gehaltenen Ländern gegen den erbitterten Widerstand der etablierten KP’s aus dem Dunstkreis der KPdSU das Konzept neu-demokratischer Revolutionen der chinesischen Kommunisten durchsetzte, was dann weltweit neue Perspektiven auch in der Bündnispolitik eröffnete.
    ‚Volkskrieg‘ oder ‚Neu-demokratische Revolution‘ kann für europäische Verhältnisse freilich nicht als Vorlage dienen.
    Ein Blick ins Griechenland dieser Tage zeigt, wie verheerend perspektivlos ein Fehlen zeitgemäßer strategischer Optionen ist, wo die führende Kraft der antikapitalistischen Linken in Griechenland, die KKE, als Perspektive nur den Eintritt in ihre Reihen und ein seltsame anmutendes ‚antimonopolitisches Bündnis‘ anbieten kann und alle anderen Formationen aus dieser Linken über einen Sektencharakter nicht hinauskommen.

    Solch ein ‚Konzept revolutionären Bruchs‘ muß massenhaft Akzeptanz finden, wenn nicht schon aktivierend wirken, muß kulturell hegemoniefähig sein, im Hier und Jetzt eine Rolle spielen. Deswegen macht es hier keinen erkennbaren Sinn, im Zusammenhang mit der NAO z.B. über die ’21 Aufnahmebedingugen in die Komintern‘ oder den ‚Demokratischen Zentralismus‘ diskutieren zu wollen.

    Solidarische Grüße
    Frank Braun, Köln, SoKo

  21. 21 systemcrash 26. Dezember 2011 um 20:32 Uhr
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