Leo Trotzki: Porträt des Nationalsozialismus

angesichts der mordserie des „nationalsozialistsichen untergrunds“ ist die frage „was ist eigentlich faschismus“ wieder von (im doppelten wortsinn) „brennender“ aktualität.

den meines erachtes besten analytischen ansatz dazu bietet der artikel von leo trotzki: „porträt des nationalsozialismus“.
dieser grossartige essay bringt nicht nur eine darstellung der sozialen basis der faschistischen ideologie im deklassierten („verzweifelten“) kleinbürgertum, sondern nimmt auch „psychoanalytische“ erklärungsmuster für faschistische bewegungen, wie sie bei Wilhelm Reich („Massenpsychologie des Faschismus“) und den späteren vertretern der „frankfurter schule“ zu finden sind, theoretisch vorweg.

„Der Faschismus entdeckte den Bodensatz der Gesellschaft für die Politik. Nicht nur in den Bauernhäusern, sondern auch in den Wolkenkratzern der Städte lebt neben dem zwanzigsten Jahrhundert heute noch das zehnte oder dreizehnte. Hunderte Millionen Menschen benutzen den elektrischen Strom, ohne aufzuhören, an die magische Kraft von Gesten und Beschwörungen zu glauben. Der römische Papst predigt durchs Radio vom Wunder der Verwandlung des Wassers in Wein. Kinostars laufen zur Wahrsagerin. Flugzeugführer, die wunderbare, vom Genie des Menschen erschaffene Mechanismen lenken, tragen unter dem Sweater Amulette. Was für unerschöpfliche Vorräte an Finsternis, Unwissenheit, Wildheit! Die Verzweiflung hat sie auf die Beine gebracht, der Faschismus wies ihnen die Richtung. All das, was bei ungehinderter Entwicklung der Gesellschaft vom nationalen Organismus als Kulturexkrement ausgeschieden werden mußte, kommt jetzt durch den Schlund hoch; die kapitalistische Zivilisation erbricht die unverdaute Barbarei. Das ist die Physiologie des Nationalsozialismus.“

den ganzen artikel lesen:
http://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1933/06/natsoz.htm

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • email
  • Tumblr
  • Wikio
  • del.icio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • PDF

3 Antworten auf „Leo Trotzki: Porträt des Nationalsozialismus“


  1. 1 Wolfgang F. Huaf 03. Dezember 2011 um 4:04 Uhr

    Schlecht, weil es wieder mal nicht um den Faschismus als solchen, sondern lediglich über die Frage des Erfolgs des Faschismus geht.

    Besser:

    Konrad Hecker
    Der Faschismus
    und seine demokratische Bewältigung
    München 1996
    354 Seiten A5 € 20.–
    ISBN-13: 978-3-929211-02-3
    ISBN-10: 3-929211-02-5

  2. 2 jboe 03. Dezember 2011 um 11:06 Uhr

    „Schlecht“ ist ein Kommentar, der in diesem Zusammenhang nicht von einer anderen Sicht auf die Dinge, sondern schlicht von Unkenntnis zeugt. Der Artikel, aus dem Systemcrash oben zitiert, erschien am 13. Juli in »Die neue Weltbühne«, damals schon im Prager Exil. „Unbegreiflich, wie das einer schreiben kann, der nicht in Deutschland lebt“, kommentierte Kurt Tucholksky.

    Der Text behandelt nicht „lediglich“ den Erfolg des deutschen Faschismus (obwohl auch das keine Nebensächlichkeit wäre), sondern seine soziale Basis, Ideologie, seinen Klassencharakter und seine unvermeidlich auf einen neuen Krieg abzielende Dynamik.

    Er ist einer von vielen Artikeln, in denen sich Trotzki zwischen 1929 und 33 intensiv mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus und der verfehlten Politik von KPD und SPD befaßt hat. Wer sich als Marxist ernsthaft mit dieser Zeit beschäftigt, muss das lesen, ob nun Trotzist oder Nichttrotzkist. Die komplette zweibändige Ausgabe der „Schriften über Deutschland“ ist teuer, aber es gibt eine gute Auswahl, die man antiquarisch mit ein bisschen Glück für 15 Euro bekommen kann.

    http://www.buchfreund.de/productListing.php?used=1&productId=39002285

    http://www.antiquariat.de/angebote/FR15249155.html

  3. 3 systemcrash 03. Dezember 2011 um 11:23 Uhr

    „„Schlecht“ ist ein Kommentar, der in diesem Zusammenhang nicht von einer anderen Sicht auf die Dinge, sondern schlicht von Unkenntnis zeugt.“

    aber jboe, bitte hier nicht so einen beleidigenden und unsolidarischen diskussionsstil einführen ;)

    danke für deinen kommentar :)

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.



ORGANISIERUNGSDEBATTE: