Zum Stand der Programm- und Organisierungsdebatte

[der folgende SIB-Beschluß als .pdf-Datei]

1. Die Programm- und Organisierungsdebatte hat – im Prinzip erfreulicherweise – erhebliche Geschwindigkeit bekommen.

2. Wir bedauern, daß wir in der aktuellen Diskussion über den „revolutionären Bruch“, den Leninismus, die sowjetische Geschichte usw. längere Zeit nicht annährend in der ganzen Breite unserer Mitglieder und als Gruppe bisher gar nicht eingreifen konnten.
Eine frühere Beteiligung hätte vielleicht einige polemische Überschärfen und das Verrennen der Diskussion auf bestimmten Nebenstrecken vermeiden helfen.

3. Wir bedauern ebenfalls, daß wir zunächst von den AutorInnen des „Bochumer Programms“ zu Stellungnahmen zu ihrem Programm und weiteren Texten und nun von Systemcrash zu Stellungnahmen zu Äußerungen aus dem Bochumer AutorInnenkreis gedrängt werden.
Dies überfordert allein schon unsere Arbeitskapazitäten. Wir sehen unsere Rolle in dieser Debatte aber auch politisch nicht in der eines (realsozialistischen) „Zentralkomitees“ oder einer solchen „Zentralen Kontrollkommission“. Wir können und wollen nur für uns sprechen und sagen, welche Mindestanforderungen unseres Erachtens an ein etwaiges Organisierungsprojekt zu stellen sind, sowie was darüber hinaus unsere Vorschläge sind, sowie schließlich – im Rahmen unserer Arbeitskapazitäten – auf Vorschläge von anderen antworten.

4. Wir halten an unseren fünf im „Na endlich“-Papier benannten Schmerzgrenzen fest.
Dies heißt nicht, daß wir nicht auch bereit wären, über diese fünf Schmerzgrenzen zu diskutieren. Aber der blog soll vor allem der Verständigung jener Gruppen und Einzelpersonen aus einem breiten marxistischen, (post)autonomen und (post)antiimperialistischen sowie anarchistischen Spektrum, das diese fünf Essentials teilt, dienen – und zwar mit dem Ziel einer Klärung, welche weiteren Fragen vor einer eventuell Organisationsgründung beantwortet werden sollten und wie sie zu beantworten wären. – Die SAV hat in der Berliner Veranstaltung am 3.5. in der Werkstatt der Kulturen zurecht festgestellt, daß allein auf der Grundlage unserer fünf Essentials keine Organisationsgründung möglich ist.

5. Wir stellen fest, daß bspw. in Form eines Papiers von Avanti – Projekt undogmatische Linke eine Stellungnahme zur Frage des revolutionären Bruchs vorliegt, die weitaus konkreter als unsere Kurzformel ist, und schließen uns dieser an:
„Alle geschichtliche Erfahrung lehrt, dass das Kapital seine Macht nicht kampflos preisgibt, nur weil etwa die Bevölkerungsmehrheit es so will. Deswegen gehen wir von der Notwendigkeit einer Revolution aus, […].“
„Ob eine künftige Revolution – friedlich oder überwiegend friedlich – verläuft, darüber lässt sich heute nur spekulieren. Letztlich wird es sowohl auf die Macht und Stärke der revolutionären Bewegung als auch auf die verbliebene Stärke der alten Machteliten ankommen. Sicher ist nur, dass die gesellschaftliche und ökonomische Macht des Kapitals gebrochen werden muss. Dies ist in jedem Fall eine Machtfrage, die nicht einfach durch die Gewinnung einer parlamentarischen Mehrheit entschieden werden kann, da alle Erfahrung zeigt, dass die Regeln der bürgerlichen Demokratie nur noch wenig wert sind, wenn die Profite bedroht sind.“ (Avanti)

6. Wir möchten auch alle GenossInnen, die sich bisher an der Diskussion beteiligen, bitten zu erläutern, wie sie zur Frage des revolutionären Bruchs stehen. Wir sollten klären, wie weit unsere Gemeinsamkeiten bisher reichen, und alle an der Diskussion beteiligten GenossInnen sollten wissen, woran sie in dieser Frage sind.

7. Wir sind logischerweise auch weiterhin bereit, mit dem Bochumer AutorInnenkreis über deren Programmentwurf und die Kritik, die von SIB-Mitgliedern daran geäußert wurde, zu diskutieren. Wir möchten die AutorInnen einladen zu diesem Zweck, zu einem bilateralen Gespräch und/oder einer Veranstaltung nach Berlin zu kommen. Wir wären aber auch bereit, zu diesem Zweck nach Bochum oder in eine andere Stadt zu kommen.

8. Wir streben eine Organisationsgründung und kein weiteres Netzwerk an. Sollte aber eine Organisationsgründung auf der Grundlage unserer fünf Essentials, deren gemeinsamer inhaltlicher Konkretisierung und Ausfüllung sowie weiterer gemeinsamer Inhalte, Forderungen und strategischer Vorstellungen (noch) nicht möglich sein, so sind wir – nach Ziehung einer Zwischenbilanz der Diskussion zu gegebener Zeit – bereit, auch losere Kooperationsformen als eine gemeinsame Organisationsgründung zu prüfen und ggf. zu vereinbaren.

9. Für die weitere Diskussion im blog möchten wir zwei Vorschläge zur Diskussion stellen:

a) Wir möchten vorschlagen, den blog auf eine Moderierung der Kommentare durch die jeweiligen Artikel-AutorInnen umzustellen.1 Dies soll nach unserer Vorstellung nicht zu einer Reduzierung der politischen Bandbreite der veröffentlicht werdenden Kommentare führen. Wenn die einzelnen Kommentare aber immer erst durch die jeweiligen Artikel-AutorInnen freigeschaltet werden müssen, so würde dies eine Verlangsamung der Diskussion bedeuten, was hoffentlich zu weniger hektischen und emotionsgeladenen Formulierungen einladen und mehr GenossInnen ermöglichen würde, der Debatte lesend und schreibend zu folgen. Die Geschwindigkeit der letzten Tage scheint uns einen tendenziell GenossInnen mit wenig freier Zeit (auch GenossInnen der SIB selbst) ausschließenden Charakter zu haben.

b) Vor einiger Zeit wurden 20 Kontroversen, die bisher angesprochen wurden, zusammengestellt. Wir möchten vorschlagen, die Diskussion in nächster Zeit auf die Kontroversen zu den sechs Punkten, die in den letzten Tage besonders auf Interesse stießen, zu konzentrieren und diese jeweils spezifisch (d.h.: in getrennten threads des blogs) zu diskutieren:
K 2: Exklusiver oder vorrangiger Antikapitalismus? Oder aber: Umfassende Revolutionierung aller Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse?
K 6.b): Strategien – Gradualismus oder revolutionäre Politik?
K 6.d): Anarchistische und/oder marxistische Strategie?
K 7.d): Org.charakter – „entschiedenster, immer weitertreibender Teil“ DER oder Serviceeinrichtung FÜR soziale Bewegungen?
sowie
K 7.e): Org.charakter – innerorganisatorische Demokratie
K 8.c): Reizwörter – Diktatur des Proletariats.
Neu zu der Diskussion hinzukommende GenossInnen und Gruppen sind aber gerne eingeladen, auch weiterhin umfassende Diskussionspapiere zur Debatte beizusteuern.

10. Wir möchten alle an der Diskussion beteiligten GenossInnen bitten, Persönliche und Politische Erklärung sowie Ankündigungen, unter bestimmten Bedingungen nicht mehr mitzumachen, auf das unumgängliche Maß zu beschränken.

Sozialistische Initiative Berlin – 28.11.2011

  1. D.h., daß GenossInnen, die Artikel schreiben, sich danach regelmäßig wieder in die blog-Verwaltung einloggen, neue Kommentare sichten und diese freischalten müßten. Redaktionell-politische Entscheidung sollen damit – wie bereits im Haupttext gesagt – nicht verbunden sein. Der Vorschlag zielt allein darauf, eine gewisse Verlangsamung der Abfolge der einzelnen Kommentare zu erreichen. [zurück]
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15 Antworten auf „Zum Stand der Programm- und Organisierungsdebatte“


  1. 1 systemcrash 29. November 2011 um 19:17 Uhr

    „Wir bedauern ebenfalls, daß wir zunächst von den AutorInnen des „Bochumer Programms“ zu Stellungnahmen zu ihrem Programm und weiteren Texten und nun von Systemcrash zu Stellungnahmen zu Äußerungen aus dem Bochumer AutorInnenkreis gedrängt werden.
    Dies überfordert allein schon unsere Arbeitskapazitäten. Wir sehen unsere Rolle in dieser Debatte aber auch politisch nicht in der eines (realsozialistischen) „Zentralkomitees“ oder einer solchen „Zentralen Kontrollkommission“.“

    also sorry, das ist ja nun eine ganz schwache ausrede. wenn man so ein ehrgeiziges projekt wie die vereinigung der radikalen linken in deutschland anstrebt, dann sollte man auch in der lage sein, politische stellungnahmen zumindest zu den hauptprotagonisten der gegenwärtigen diskussion abzugeben. eine gewisse verantwortung der „moderation“ hat die SIB m e schon, denn sonst ufert der ganze prozess ins unendliche aus. einen vorgeschmack davon kann man bereits auf diesem blog bekommen. wenn die SIB noch sinn darin sieht, mit den bochumern zu diskutieren, ist das eure entscheidung, die ich akzeptiere. aber zumindest die einhaltung eurer eigenen fünf essentials solltet ihr fordern als eintrittskarte in den prozess. dass sie letzten endes nicht ausreichen, weiss jeder. aber nur ihre akzeptanz (und wirkliches verstehen) ermöglicht überhaupt, dass das ganze ein projekt der „radikalen linken“ wird, und nicht der etwas linkeren (oder „kritischeren“) LINKEN

  2. 2 DGS / TaP 30. November 2011 um 11:50 Uhr

    „also sorry, das ist ja nun eine ganz schwache ausrede. wenn man so ein ehrgeiziges projekt wie die vereinigung der radikalen linken in deutschland anstrebt, dann sollte man auch in der lage sein, politische stellungnahmen zumindest zu den hauptprotagonisten der gegenwärtigen diskussion abzugeben.“

    Wir sind halt (noch) keine Organisation, sondern eine kleine Gruppe von GenossInnen aus unterschiedlichen ideologische Traditionen (Feminismus, Maoismus, Ökosozialismus, Trotzkismus, …). Wir können also – auch abgesehen von unseren Zeitgrenzen – nicht einfach loslegen, sondern müssen Vieles auch unter uns erst diskutieren – und müssen Manches auch noch genauer diskutieren als wir es bisher gemacht haben.
    Also, dauert es manchmal mit den Stellungnahmen. – Und die ganzen Szene-Gruppen, die für unser Projekt in Betracht kommen, benötigen zum Lesen, Diskutieren und Schreiben augenscheinlich noch mehr Zeit (ansonsten hätten wir uns ja wahrscheinlich – wenn schon keine Zustimmung – zumindest die eine oder andere polemische Absage eingehandelt).
    Also bitte – mehr Sorgfalt und mehr Geduld.

    „aber zumindest die einhaltung eurer eigenen fünf essentials solltet ihr fordern als eintrittskarte in den prozess.“

    Es gibt von unserer Seite aus Voraussetzungen für eine Organisationsgründung. Die haben wir jetzt noch mal bekräftigt.
    Aber jedenfalls m.E. wäre es kontraproduktiv, bereits für den Diskussionsprozeß Eintrittskarten zu verlangen.
    Im Gegenteil:
    Zum einen gehe ich davon aus, daß ‚wir‘ so gute Argumente haben, daß sich zumindest auch der eine oder die andere GradualistIn überzeugt läßt.
    Und zum anderen: Was sich auch an falscher Kritik häufig lernen läßt, ist: Schwachpunkte und Unklarheiten/Unverständlichkeiten der eigenen Positionen zu erkennen und die eigene Argumentation weiterzuentwickeln.

  3. 3 richard 30. November 2011 um 18:43 Uhr

    Hallo, können wir mal ne Liste erstellen, mit Name(Kürzel), Alter, Broterwerb?

    Das würde mir helfen, weil ich lerne gerne und dafür ist es wichtig, etwas über den Sprecher zu wissen. Kennt ihr das Bild eines Dialoges. Sprecher, Empfänger und das Objekt worüber man spricht. Alles drei sollten wir mal etwas genauer beleuchten. Und nicht nur das Objekt.

    Dazu bräuchte man sich auch nicht treffen. ich kann nämlich nicht so irgendwo hinfahren, wie Bonn, Bochum oder Berlin. Versteh auch nicht, wie das die andere schaffen.

    MsG
    Richard

  4. 4 systemcrash 30. November 2011 um 19:00 Uhr

    das dürfte auch für den verfassungsschutz interessant sein … am besten noch mit klarname und adresse ;)

  5. 5 richard 30. November 2011 um 19:12 Uhr

    Also, Kommunisten stört das nicht und Anarchisten auch nicht.

  6. 6 systemcrash 30. November 2011 um 19:41 Uhr

    und den nazis würde die arbeit auch erleichtert werden … falls es nicht eh V leute sind ;)

  7. 7 richard 01. Dezember 2011 um 14:21 Uhr

    Macht dir das Spaß, Menschen Angst zu machen? Ich finde deine Art hier zum Teil destruktiv, obwohl du von der VI. sprichst, benimmst du dich nicht so, sondern probierst überall einen Keil rein zu treiben.

    Vielleicht bis du ja ein V-Mann!!!!

  8. 8 SWH 01. Dezember 2011 um 17:57 Uhr

    Hallo Richard mit kleinem R (Empfänger),

    ich heiße Stanislaw W. Hirschfeld (SWH), bin 18 1/2 Jahre alt und erwerbe mein Brot beim Bäcker. Möchtest Du vielleicht noch meine Kontoauszüge sehen; oder wie wäre es mit meinen gelungensten Urlaubsfotos (Argentinien & Laos)? Dann sende mir bitte Deine Adresse über das Kontaktformular auf meinem tollen Weblog!

    Mit sonnigen Grüßen,
    SWH (Sprecher)

    PS: Nach Bonn würde ich auch nicht fahren wollen. Wozu denn auch?

  9. 9 systemcrash 01. Dezember 2011 um 18:35 Uhr

    die VI ????? …. ist es schon soweit ? ;)

    v männer bei trotzkisten ? ja klar, so eine 10 mann/frau truppe ist wahnsinnig interessant ;)

  10. 10 richard 01. Dezember 2011 um 21:22 Uhr

    Meinte natürlich die IV.

    So eine Liste, die nicht zurück verfolgt werden kann auf die einzelne Personen, halte ich für den Dialog für sinnvoll und für das Vertrauen.

    Bei sysemcrash ist mein Vertrauen nur noch begrenzt vorhanden.

    Sofern so eine Liste Anklang findet, könnte diese vielleicht eröffnet werden, natürlich freiwillig. Falls nur ich das so sehe, dann braucht man so eine Liste auch nicht.

    Mit Name meinte ich auch nicht den vollständigen Namen, sondern eben das Kürzel, welches verwendet wird.

    MsG
    Richard

  11. 11 systemcrash 01. Dezember 2011 um 22:25 Uhr

    du sollst mir auch nicht „vertrauen“ (aufgrund von was denn, schreiben kann jeder alles), sondern selber kritisch denken. das ist die einzige bedingung, die überhaupt zur existenz einer „revolutionären organisation“ führen kann.

    aber solange wir uns mit gradualisten, sozialdarwinisten und weiss der teufel was rumschlagen, ist die NAO ein traum, der uns vlt beflügeln mag, der aber niemals wirklichkeit werden kann

    und das wäre doch schade

    und was deine „liste“ betrifft …da wirst du wohl alleine draufstehen

  12. 12 richard 01. Dezember 2011 um 22:52 Uhr

    Ich habe es dir schonmal geschrieben, für mich bist du entweder verrückt oder ein V-Mann.

    Ich soll dir vertrauen, aufgrund von dem was du schreibst? Du spinnst wohl. Würde ich in berlin wohnen, würde ich dir einen Arschtritt verpassen, dass du eine Woche nicht mehr sitzen kannst!!!!!!!!!!!!!!!!

  13. 13 systemcrash 01. Dezember 2011 um 23:14 Uhr

    nicht mal lesen kannst du

    die gewaltandrohung überlese ich jetzt mal, sie passt aber ins bild

  1. 1 Vermehrtes Interesse an der Debatte – Ergänzte Regeln für den blog « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! Pingback am 10. März 2012 um 20:30 Uhr
  2. 2 Vermehrtes Interesse an der Debatte – Ergänzte Regeln für den blog « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! - Debatte zur Neugruppierung der radikalen Linken Pingback am 08. Mai 2012 um 19:10 Uhr
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