NAO am Scheideweg ?

nachdem jetzt eine zeitlang eine vorsortierung vorgenommen wurde, wie eine „neugruppierung der radikalen linken“ (SIB) stattfinden könnte und welche inhaltlichen bedingungen dafür gegeben sein müssen, scheint jetzt die Initiative in eine erste bewährungsprobe zu geraten.

die diskussion um das sogenannte „bochumer programm“ (http://www.marx-forum.de/sozialismus/Bochum.pdf) hat zu tage befördert, dass die vertreter dieses „programms“ ein offen reformistisches konzept vertreten. da es im NAO prozess aber um die bildung einer „revolutionären alternative“ geht, ist die abgrenzung revolutionärer konzepte (die sicherlich ein gewisses spektrum haben können) von „gradualistischen“ (http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/13/6-a-strategien-gradualismus-oder-revolutionaere-politik/) die erste existenzvoraussetzung für dieses projekt. wenn es schon im vorfeld nicht gelingt, da zu einer inhaltlichen abgrenzung zu gelangen und dadurch den kreis der potentiell intesessierten in geradezu beliebiger schwammigkeit auszuwählen, ist dieses „projekt“ schon tot bevor es das erste mal in die windeln machen kann.

ich werde daher meine weitere teilnahme an den NAO diskussionen davon abhängig machen, ob die SIB (die ja den rahmen für dieses prokjekt vorgibt) dazu eine eindeutige stellungnahme abgibt.

wenn diese notwendige abgrenzung zu den „bochumern“ nicht erfolgen sollte, ist die „NAO initiative“ nicht mehr meine und werde mich dann – vorerst – darauf beschränken müssen, meine überlegungen und positionen hier zu veröffentlichen.

ich bin mir aber sicher, dass linksabspaltungen von diesem projekt dann vorprogrammiert sind, und vlt ist mit diesen kräften dann ein neustart für eine WIRKLICH REVOLUTIONÄRE UMGRUPPIERUNG möglich. (http://www.trend.infopartisan.net/trd1011/t371011.html)

„Die IV. Internationale sucht kein Allheilmittel noch erfindet sie irgendeines. Sie steht voll und ganz auf dem Boden des Marxismus, der einzigen revolutionären Doktrin, die es erlaubt, die Wirklichkeit zu verstehen, die Ursachen der Niederlagen zu erkennen und bewußt den Sieg vorzubereiten. Die IV. Internationale setzt die Tradition des Bolschewismus fort, der dem Proletariat zum ersten Mal gezeigt hat, wie die Macht zu erobern ist. Die IV. Internationale fegt die Quacksalber, Scharlatane und ungebetene Moralprediger hinweg. In einer auf Ausbeutung gegründeten Gesellschaft ist die oberste Moral, die Moral der sozialistischen Revolution. Gut sind die Mittel und Methoden, die das Klassenbewußtsein der Arbeiter, ihr Vertrauen auf ihre eigene Kräfte und ihre Opferbereitschaft für den Kampf erhöhen. Unzulässig sind die Methoden, die den Unterdrückten Furcht und Unterwürfigkeit einflössen, den Geist des Protestes und der Revolte ersticken oder den Willen der Massen durch den Willen der Führer, die Überzeugungskraft durch den Zwang und die Analyse der Wirklichkeit durch Demagogie und Fälschung ersetzen. Genau deshalb sind die Sozialdemokratie, die den Marxismus prostituiert hat, wie auch der Stalinismus, Antithese des Bolschewismus, Todfeind der proletarischen Revolution und ihrer Moral.

Der Wirklichkeit ins Auge sehen; nicht den Weg des geringsten Widerstandes suchen; die Dinge beim Namen nennen; den Massen die Wahrheit sagen, so bitter sie auch sein mag; Hindernisse nicht fürchten; streng sein in den kleinen Dingen wie in den großen; Wagemut, wenn die Stunde der Aktion kommt; das sind die Regeln der IV. Internationale. Sie hat bewiesen, daß sie gegen den Strom zu schwimmen versteht. Die nächste geschichtliche Welle wird sie auf ihren Gipfel heben.“ — Leo Trotzki, übergangsprogramm der IV. internationale

http://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1938/uebergang/ueberg2.htm#ban

nur in diesem geist wird eine neue revolutionäre organisation entstehen können, die die dünnen fäden der revolutionären kontinuität wieder aufnehmen kann, um so den langen zeitraum der nichtexistenz einer marxistischen Klassenbewegung mühsam zu überwinden.

die objektiven bedingungen der kapitalistischen krise sind überreif. was fehlt, ist die organisierung der avantgardesektoren der arbeiterklasse. ihnen müssen wir ein neues rotes banner der hoffnung pflanzen, was frei ist von sozialdemokratischem opportunismus und stalinistischen polizeistaatsmethoden.

wenn dies nicht gelingen sollte, ist uns die barbarei gewiss —

der fortschritt bleibt immer nur eine MÖGLICHKEIT … wir sollten alles dafür tun, sie auch zu ERGREIFEN !

zuerst veröffentlicht: http://systemcrash.wordpress.com/2011/11/27/nao-am-scheideweg/

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16 Antworten auf „NAO am Scheideweg ?“


  1. 1 jboe 27. November 2011 um 13:55 Uhr

    Lieber „Systemcrash“,

    jetzt lass doch mal die Kirche im Dorf. Hier ist noch lange nichts gegründet, und Du schwafelst schon von Linksabspaltungen, mit denen man einen Neubeginn unternehmen könnte.

    Die SIB hat im März erklärt, dass für sie fünf Punkte „unverhandelbar“ sind. Dazu gehört u. a. der „revolutionäre Bruch“. Es gibt gewiss die Notwendigkeit, ruhig und sachlich zu konkretisieren, was damit gemeint ist, aber es gibt überhaupt keinen Anlass, jetzt in Hysterie zu verfallen oder noch einmal eine „eindeutige Stellungnahme“ abzugeben.

    Sinnvoller wäre es wohl, die Frage zu diskutieren, wie die Organisation – nach innen und außen – funktionieren und agieren soll. Wollen wir uns in zentralen politischen Fragen (z. B. Afghanistankrieg – das wäre vielleicht noch einfach, aber: Libyenkrieg – das wäre schon schwieriger geworden) eine gemeinsame Position erarbeiten? Oder ist es auch okay, wenn wir drei oder vier Positionen dazu haben? Wäre das nur für eine gewisse Zeit okay oder auch auf Dauer? Wollen wir eine Organisation, die ihre Kräfte bündelt und z. B. in den Gewerkschaften eine gemeinsame Strategie verfolgt, oder wollen wir eine Organisation, in der lediglich gemeinsame „Essentials“ Konsens sind, auf deren Grundlage dann jede Gruppe irgendwie vor sich hinwurschtelt? Wenn wir sagen, wir wollen auf Basis einer gemeinsamen Positionen koordiniert vorgehen und unsere Ressourcen optimieren – wie machen wir das: Gibt die Führung Anweisungen an die Ortsgruppen aus? Nun, letzteres würde ich ablehnen, aber man muss diese Fragen diskutieren.

  2. 2 systemcrash 27. November 2011 um 14:03 Uhr

    ich persönlich glaube in der anfangsphase nur an ein netzwerk der subjektiven revolutionäre.

    die fünf SIB essentials sind aber die mindestbedingung.

    innerhalb dieses netzwerks haben alle beteiligten volle propagandafreiheit.
    in fragen, wo alle beteiligten konsens herstellen, kann es „offizielle NAO“ stellungnahmen geben. das dürfte aber nur einen sehr schmalen raum politischer fragen einnehmen.

    für alle fragen gilt volles recht auf bildung von plattformen, tendenzen und fraktionen.

    die explizite ablehnung reformistischer und gradualistischer konzepte ist aber auch da die eintrittskarte ;)

  3. 3 systemcrash 27. November 2011 um 14:30 Uhr

    und was die „linksapspaltungen“ betrifft …

    ich verwette meinen arsch, dass die kommen ;)

  4. 4 jboe 27. November 2011 um 14:50 Uhr

    Ich habe (wie du) nicht die leisesten Zweifel daran, dass es „Linksabspaltungen“ geben wird. Ich halte es nur (anders als du) für völlig ausgeschlossen, dass diese einen halbwegs sinnvollen Neubeginn in die Wege leiten können. Offen ist lediglich die Frage, ob die NAO je zustande kommt und wie sie aussehen wird. Aber da halte ich es mit Gramsci: »Pessimismus der Intelligenz, Optimismus des Willens«.

  5. 5 DGS / TaP 27. November 2011 um 15:33 Uhr

    „ich persönlich glaube in der anfangsphase nur an ein netzwerk der subjektiven revolutionäre.“

    Ja, das sehe auch so.

    Und dann kann – aufgrund theoretisch-praktischer Diskussionen und politisch-praktischer Zusammenarbeitserfahrungen – geklärt werden, zwischen welchen Kräfte die inhaltlichen und strategischen Gemeinsamkeiten für eine Organisationsgründung reichen.

    Eine solche Organisationsgründung wäre m.E. aber nicht als Abspaltung zu vollziehen, sondern: Auch der Teil, der (oder ja vielleicht auch: die verschiedenen Teile, die) sich zu (einer) Organisation(en) vereinheitlichen und verfestigen, sollten weiterhin Teil des Netzwerkes bleiben.

    Ein echtes Problem bekämen wir aber, wenn ein Teil der subjektiven RevolutionärInnen, auch subjektive ReformistInnen dabei haben wollen würden…

    Auch solche Bündnisse sind zwar prinzipiell richtig und notwendig, aber daß das eine trag- und ausstrahlungsfähige Basis für ein kontinuierliches und themenübergreifendes Netzwerk wäre, wage ich stark zu bezweifeln.

  6. 6 systemcrash 27. November 2011 um 16:12 Uhr

    @jboe

    ich kenne das gramsci zitat in einer etwas anderen version:

    „pessimismus des verstandes, optimismus des willens“

    und ich mag es sehr :) !

  7. 7 systemcrash 27. November 2011 um 16:59 Uhr

    ok, inteligencia würde selbst ich als „intelligenz“ übersetzen, obwohl ich im italienischen nur ciao und amore verstehe ;)

  8. 8 jboe 27. November 2011 um 17:00 Uhr

    @ systemcrash: „pessimismo dell‘intelligenza l‘ottimismo della volontà“ :-)

  9. 9 Wolfgang F. Huaf 27. November 2011 um 17:33 Uhr

    Das Zitat ist genau widersprüchlich wieder jeder einzelne Trottel, der hier postet: Wal Kuchenzwerg, Dr. Detlef Georg Schulze, Braincrash.

  10. 10 jboe 27. November 2011 um 17:52 Uhr

    Ihre Syntax wirkt irgendwie derangiert, Herr H. Man kann Sie beim besten Willen nicht verstehen.

  11. 11 systemcrash 27. November 2011 um 17:52 Uhr

    das ganze leben besteht und entwickelt sich in und aus widersprüchen ….das nennt man dialektik ;)

    aber wie schon bertrand russel bemerkte:

    „es ist ein jammer, dass die dummköpfe so selbstbewusst sind
    und die klugen so voller zweifel“ ;)

  12. 12 Heini 27. November 2011 um 19:56 Uhr

    Profilneurotiker und Online-Revolutionäre unter sich. Am besten macht jeder von Euch seine eigene Komintern auf. Ach nee, geht nicht, dann gibt es ja niemanden, den ihr auschliessen könnt – und das tut ihr ja doch am liebsten, gell?

    Seit einem halben Jahr, eher weniger, wird hier etwas „diskutiert“ (=wechselseitig geschrieben, nicht miteinander geredet und schon gar nicht gehandelt) und schon möchte man sich wechseltig wegen Abweichung aus der noch nicht gegründeten Organisation ausschliessen. Klasse Ergebnis. Immmerhin, dank Internet wurde dieses Resultat (beschleunigt) schon in einem halben Jahr erzielt. Im Real Life hätte es sicher 2-4 Jahre gedauert, bis man sich überworfen hätte. Respekt!

  13. 13 Wolfgang F. Huaf 27. November 2011 um 20:23 Uhr

    „es ist ein jammer, dass die dummköpfe so selbstbewusst sind
    und die klugen so voller zweifel“

    du kannst echt nur widersprüchliches posten, ne? Zweifel und Selbstbewusstsein ist gar kein Widerspruch. Aber Hauptsache, du hast mal wieder ein Zitat irgendeines langweiligen Philosophen und damit deinem ziemlich anstrengenden wie fortgeschrittenen Selbstbewusstsein hier wieder Futter gegeben. Nach der Logik von Russel bist du jedenfalls vor Wal und Dr. Georg der größte Dummkopp.

  14. 14 systemcrash 27. November 2011 um 20:25 Uhr

    „Die Vorstellung ist entsetzlich, daß die ganze Klasse, mit all ihrer Rückständigkeit je nach Sektor, Hautfarbe und Nationalität, den Schiedsrichter spielen soll, der über Fragen der revolutionären Strategie entscheidet. In einer Gewerkschaft, die eine Art ökonomische Einheitsfront ist, oder in einer politischen Einheitsfront müssen natürlich alle aktiv daran Beteiligten ihre Kritik offen vortragen können. Aber die Vorstellung, daß Arbeiter, die Priestern folgen, Arbeiter, die Stalinisten sind, Arbeiter, die zu sozialdemokratischen Parteien gehören, Druck ausüben sollen, um die Politik der revolutionären Marxisten zu bestimmen, diese Vorstellung wird die Macht der Bourgeoisie aufrechterhalten, bis eine Atombombe die Frage beseitigt.“
    --- james robertson, in verteidigung des demokratischen zentralismus
    http://www.bolshevik.org/deutsch/archiv/lenin_avantgardepartei_de.html

  15. 15 systemcrash 27. November 2011 um 20:27 Uhr

    @Huaf

    das erscheint dir nur so durch das virtuelle medium, in wirklichkeit steht bei mir über allem ein fragezeichen ;)

  16. 16 Wolfgang F. Huaf 27. November 2011 um 21:00 Uhr

    „Auf jeden Fall ein sehr selbstbewusstes Fragezeichen“ (Bertrand Russel)

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