DKP zu Klassenanalyse und Organisationsdebatte

ich möchte die genossInnen auf einen artikel der DKP zur klassenanalyse hinweisen, der meines erachtens Michas These von der existenz „sehr reflektierter leute“ in der DKP bestätigt, zum anderen aber durchaus auch für uns eine grundlage sein könnte, die notwendigkeit einer zeitnahen (empirischen) klassenanalyse mit der herstellung eines programmatischen rahmens („eckpunkte“) zu verzahnen.

„Eine deutliche, in den „Thesen“ formulierte Meinungsverschiedenheit sehe ich schließlich in der Frage des „Hereintragens des sozialistischen Bewusstseins“ in die Arbeiterbewegung. Das Bild vom „Hereintragen“ mag ja unglücklich sein, darum bevorzuge ich schon seit langem die im gleichen Zusammenhang von Karl Kautsky geprägte und von Lenin übernommene Formulierung der „Verbindung von Arbeiterbewegung und wissenschaftlichem Sozialismus“.

Doch im Kern geht es hier um den gleichen Sinnzusammenhang: Es muss ein Bewusstsein vermittelt werden, das hinausgeht über „ein trade-unionistisches Bewusstsein (…), d.h. die Überzeugung von der Notwendigkeit, sich in Verbänden zusammenzuschließen, einen Kampf gegen die Unternehmer zu führen, der Regierung diese oder jene für die Arbeiter notwendigen Gesetze abzutrotzen u. a. m.“[i]. Ein solches Bewusstsein entsteht nicht von selbst, sondern nur „auf Grund tiefer wissenschaftlicher Einsicht“, wie Lenin in „Was tun?“ zustimmend Kautsky zitiert.[ii] Die tiefste Ursache dafür ist der „täuschende Schein“ der ökonomischen und politischen Erscheinungen in der bürgerlichen Gesellschaft, der die wirklichen Verhältnisse zwischen den agierenden Menschen verkehrt erscheinen lässt. Was das z. B. für die Krisenerfahrung und –erklärung bedeutet, können wir vielleicht noch in der Diskussion klären.

Ich denke also, die zentrale Frage „Wie lernt die Klasse wieder kämpfen?“ muss ergänzt werden um die Frage „Wie lernen wir es wieder und besser, in diesen Kämpfen den wissenschaftlichen Sozialismus zumindest den fortgeschrittensten VertreterInnen der Klasse näher zu bringen?“ [herv von mir]

hier der link zum artikel:

http://www.kominform.at/article.php/20111122000157608

[falls der link nicht funzt, URL einfach kopieren und ins browserfenster einfügen ;) ]

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10 Antworten auf „DKP zu Klassenanalyse und Organisationsdebatte“


  1. 1 richard 23. November 2011 um 15:38 Uhr

    Ich denke also, die zentrale Frage „Wie lernt die Klasse wieder kämpfen?“ muss ergänzt werden um die Frage „Wie lernen wir es wieder und besser, in diesen Kämpfen den wissenschaftlichen Sozialismus zumindest den fortgeschrittensten VertreterInnen der Klasse näher zu bringen?

    Wie viel Kampferfarhung hast du denn? Könntest du das mal schildern?

    Das Proletariat, welches sich vornehmlich auf der Straße durchsetzen muss, hat zehn mal mehr Kampferfahrung als so mancher Sesselpupser. Denn anders können Sie sich nicht durchsetzten. Gerne diffamiert man diese Gruppe als „Lumpen“, nur um sich im gleichen Augenblick selber etwas zu erheben.

    Weist du was für mich fortschrittlich ist? Wenn Menschen, die von sich behaupten wissenschaftlich auf der Höhe sind, ihre sieben Sachen packen und zu den Leuten gehen, die angeblich nicht auf der Höhe sind. Dort können Sie dann ihre Theorie in der Praxis mal anwenden!

    MsG
    Richard

  2. 2 Pham 23. November 2011 um 19:46 Uhr

    Das Kapital macht es vor, wie man Bewusstsein in die Massen hineinträgt (bzw. aus ihnen hervorholt). Bewusstsein entsteht durch die beständige Wiederholung der immergleichen simplen Botschaften, und indem in jedem Moment – egal, was man tut – das System als die Konstante und Voraussetzung für alles affirmiert wird.

    Sogar wer die Theorie dieser Ökonomie studiert hat und zum Experten geworden ist, wird nicht automatisch zum Gegner oder Revolutionär, weil er ins System viel zu verstrickt ist. Es bedarf der gemeinsamen Aktion von Überzeugten. Wie oben für die Ideologie des Kapitals beschrieben, muss die Wissenschaft der Ökonomie Einzug in den Alltag finden. Die allen eingebläute, auf dem Kopf stehende, kapitalistische Moral muss auf die Füße gestellt werden. Eigentümer müssen als die Parasiten der Gesellschaft gelten. Wenn Arbeiter die Mehrwertproduktion durchschauen und sich darüber, dass Kapitalisten ihnen permanent einen Großteil ihres Arbeitsprodukts rauben, mindestens so aufregen wie über die 2-Cent-Preiserhöhung von Benzin am Ferienanfang, hat sich ein qualitativer Sprung in der Erkenntnis ereignet. Damit ist zwar noch längst nichts überwunden. Aber eine produktive Grundverachtung gegen alles Kapitalistische wäre entfacht.

    Und wie erzeugt man diese Einstellung im Proletariat? Indem man sie vorlebt, indem man sich mit der eigenen Belegschaft zusammenschließt und seinen Chef wie einen Räuber behandelt, sich den Betrieb zurückholt; indem man auf alle Direkten Aktionen setzt, die mit den verfügbaren Leuten gerade möglich und zweckmäßig sind. Der Widerstand im vom Kapital eröffneten Klassenkampf muss jedem in Fleisch und Blut übergehen. Er muss zum selbstverständlichen (Über-)Lebensstil einer ganzen Klasse werden, die sich ihrer Knechtschaft bewusst geworden ist. Bevor dieser Umschwung von Bewusstsein und Lebenspraxis nicht stattgefunden hat, sind revolutionäre Aktionen nicht zu erwarten und kaum möglich.

  3. 3 systemcrash 24. November 2011 um 2:16 Uhr

    @richard

    das fett hervorgehobene zitat stammt von achim bigus, dem autor des artikels. (ich kenne achim bigus persönlich, auch wenn es lang her ist ;) . er ist ein aktivist erster güteklasse und hat — so weit ich weiss-- in einem autobetrieb in osnabrück gearbeitet. dort war er in der IG metall und in lokalen linken gruppen aktiv)

    falls du den link nicht aktivieren kannst, der artikel ist auch bei scharf links gespiegelt:

    http://www.scharf-links.de/48.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=19973&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=ed82f6ee84

  4. 4 systemcrash 24. November 2011 um 2:23 Uhr

    @Pham

    ich glaube, das kulturelle hegemonie der unterklassen in der bürgerlichen gesellschaft eine illusion ist. der gute gramsci hat sich sicher was dabei gedacht. aber gramsci war eben ein intellektueller und kein arbeiter. die mehrheit der lohnabhängigen kann sich schhlicht und ergreifend nicht nach feierabend zu hause hinsetzen und marxistische literatur studieren. wer glaubt, das das im Massenmassstab möglich ist, rennt einem proletarischen hollywood hinterher …DAS wird es niemals geben können; …und es wäre auch gar nicht erstrebenswert

  5. 5 systemcrash 24. November 2011 um 2:28 Uhr

    ansonsten halte ich mich bei der „Massenarbeit“ an martin luther:

    du sollst deine perlen nicht vor die säue werfen ;)

    ansonsten erinnert mich der spruch von der „praxis“ sehr an das beliebte:

    „geh doch nach drüben“ ;)

  6. 6 Richard 24. November 2011 um 4:50 Uhr

    die mehrheit der lohnabhängigen kann sich schhlicht und ergreifend nicht nach feierabend zu hause hinsetzen und marxistische literatur studieren. wer glaubt, das das im Massenmassstab möglich ist, rennt einem proletarischen hollywood hinterher …

    ansonsten halte ich mich bei der „Massenarbeit“ an martin luther:
    du sollst deine perlen nicht vor die säue werfen

    ansonsten erinnert mich der spruch von der „praxis“ sehr an das beliebte:

    „geh doch nach drüben“

    merkst du nicht, wie du hier „marxistische literatur“ und die Bibel bzw. Luther in Bezug setzt. Das passiert dir schon öfters. Was versteckt sich dahinter?

    Es sind nicht „das kulturelle hegemonie der unterklassen“ die uns trennen, sondern es ist der Kapitalismus. Es nutzt nichts alles auf die alten Schinken runter brechen zu wollen, wenn es so klar vor einem steht. Es darf nicht weiter das Kapital(vermögen) eines Menschen darüber bestimmen, zu welcher Klasse er eingestuft wird. Ich behaupte, dass jemand ohne Kapital, trotzdem einer Klasse angehört, die sich eben nicht über ihr Kapital(vermögen) definiert. Das Leben besteht eben nicht aus Kapitalverhältnissen, WENN es die einzelnen Menschen nicht zulassen würden. (siehe deine eigenen Freunde)

    Hat mal jemand daran gedacht, dass die „Lumpen“ nur „Lumpen“ sind, weil sie nicht so mies wie die anderen sein wollen? Und die „Arbeiter“ gerne „Arbeiter“ sind, weil sie wissen, dass sie dadurch anderen mehr geben als der Rest. Doch nicht eine Studie über Marx Literatur hat die Menschen dazu geführt. Und wer suggeriert, alles sollten Marx studieren, dann wäre die Welt glücklich, der spinnt meiner Meinung nach!

  7. 7 systemcrash 24. November 2011 um 10:27 Uhr

    „merkst du nicht, wie du hier „marxistische literatur“ und die Bibel bzw. Luther in Bezug setzt. Das passiert dir schon öfters. Was versteckt sich dahinter?“

    diese frage ist ein wenig komplex und da kann ich dich nur auf meinen blog verweisen.

    „Ich behaupte, dass jemand ohne Kapital, trotzdem einer Klasse angehört, die sich eben nicht über ihr Kapital(vermögen) definiert.“

    ja, die nennt man proletarier oder lohnabhängige

    „Das Leben besteht eben nicht aus Kapitalverhältnissen, WENN es die einzelnen Menschen nicht zulassen würden. (siehe deine eigenen Freunde)“

    es gibt nicht kapitalverhältnisse (plural), sondern DAS kapitalverhältnis.
    und das ist auch keine frage des „zulassens“, sondern man wird in diese verhältnisse hineingeboren. sich ÜBER diese verhältnisse zu erheben (und sie revolutionär zu überwinden) erfordert tiefere einsicht in die gesellschaftlichen verhältnisse. ansonsten wirkt sich das kapitalverhältnis auf ALLE verhältnisse aus, sogar auf die intimsten („das private ist politisch“)

    „Und die „Arbeiter“ gerne „Arbeiter“ sind, weil sie wissen, dass sie dadurch anderen mehr geben als der Rest“

    tja, dann ist ja alles in ordnung ;)

  8. 8 systemcrash 24. November 2011 um 10:30 Uhr

    „Und wer suggeriert, alles sollten Marx studieren, dann wäre die Welt glücklich, der spinnt meiner Meinung nach!“

    was die menschen glücklich macht, weiss ich nicht, aber marx hat mal etwas sehr schönes gesagt, vlt versöhnt dich das etwas mit ihm:

    „Setze den Menschen als Menschen und sein Verhältnis zur Welt als ein menschliches voraus, so kannst du Liebe nur gegen Liebe austauschen, Vertrauen nur gegen Vertrauen etc. Wenn du die Kunst genießen willst, mußt du ein künstlerisch gebildeter Mensch sein; wenn du Einfluß auf andre Menschen ausüben willst, mußt du ein wirklich anregend und fördernd auf andere Menschen wirkender Mensch sein. Jedes deiner Verhältnisse zum Menschen – und zu der Natur – muß eine bestimmte, dem Gegenstand deines Willens entsprechende Äußrung deines wirklichen individuellen Lebens sein.“
    ---marx, ökonomisch-philosophische manuskripte

  9. 9 Pham 25. November 2011 um 17:51 Uhr

    systemcrash: „die mehrheit der lohnabhängigen kann sich schhlicht und ergreifend nicht nach feierabend zu hause hinsetzen und marxistische literatur studieren.“

    Ich wollte nicht andeuten, dass sie das tun sollten oder dass das sinnvoll wäre. Sicher kann man den Kapitalismus wie jeden Gegenstand beliebig lange studieren und wird immer wieder etwas neues herausfinden. Die grundlegenden Erkenntnisse, die eine Revolution für die Arbeiterklasse nahelegen, scheinen mir jedoch sehr gefestigt, etwa dass Ausbeutung und Profitproduktion einander bedingen und dass der Kapitalismus krisenhaft ist. Eine Einsicht zumindest in diese Tatsachen dürfte aber wohl für ein revolutionäres Bewusstsein notwendig sein. Diese Einsicht wäre bereits sehr folgenreich, weil man sich z.B. mit Kollegen über dasselbe unterhalten könnte, ohne aneinander vorbeizureden. Man hätte denselben Bezugsrahmen. Der Weg von der allgemeinen Einsicht in die Ausbeutungsverhältnisse zur allgemeinen Entscheidung zum Generalstreik wäre dann sehr kurz. Und mit Generalstreik meine ich nicht das Stück, das einige Südeuropäer in letzer Zeit aufgeführt haben, sondern die Übernahme der gesamten Produktion eines Landes durch die Arbeiter.

  10. 10 Richard 26. November 2011 um 19:47 Uhr

    Hallo Systemcrash,

    ich versuche dir mal zu zeigen, wie löchrig die Worte eines Menschen sind, indem ich eine Kritik zu diesem deinem Zitat versuche:

    „Setze den Menschen als Menschen und sein Verhältnis zur Welt als ein menschliches voraus, so kannst du Liebe nur gegen Liebe austauschen, Vertrauen nur gegen Vertrauen etc. Wenn du die Kunst genießen willst, mußt du ein künstlerisch gebildeter Mensch sein; wenn du Einfluß auf andre Menschen ausüben willst, mußt du ein wirklich anregend und fördernd auf andere Menschen wirkender Mensch sein. Jedes deiner Verhältnisse zum Menschen – und zu der Natur – muß eine bestimmte, dem Gegenstand deines Willens entsprechende Äußrung deines wirklichen individuellen Lebens sein.“

    1.

    so kannst du Liebe nur gegen Liebe austauschen

    Liebe heißt immer geben, es ist überhaupt nicht darauf gerichtet, was man zurück erhält. Somit ist Liebe kein Tauschobjekt. Sondern es ist ein aktives Handeln ohne jedwede Gegenerwartung.

    2.

    Vertrauen nur gegen Vertrauen etc

    Vertrauen, also Glaube im Enddefekt, gibt es zwischen Menschen so selten, dass auch hier ein echter Austausch nicht möglich ist. Sondern man hofft nur auf ein gegenseitiges Vertrauen, doch in 99,99999999999 % wird das Vertrauen nicht so zurückgegeben, wie man es gegeben hat. Vertrauen kann überhaupt nur im göttlichen Maßstab existieren und nicht im irdischen. Denn das Leben ändert sich ständig, was du heute als Vertrauen siehst, kann morgen bereits Verrat bedeuten.

    3.

    Wenn du die Kunst genießen willst, musst du ein künstlerisch gebildeter Mensch sein

    Das ist der Hohn hoch zehn. Der Künstler leidet für sein Werk, mehr als der Genießer jemals erfahren wird. Wenn einer leidet und der andere genießt, dann ist das eben kein Tausch, sondern es ist vulgär.

    Den Rest erspare ich dir und mir. Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig Einblick in Dinge geben, die du wohl noch nie gesehen hasst.

    Deinen Marx kannst du in die Tonne werfen. Natürlich kannst du aus seiner Literatur lernen, aber nicht indem dem du jede Passage auf irgendwelche Gegebenheiten überträgst, ohne dir deine eigenen Wort für diese Gegebenheiten zu suchen.

    Um es mal deutlich zu sagen: Ich schätze du hast zu lange in der Bibel gelesen und dann Marx danach, und nun denkst du, jede Passage enthielte eine allumfassende Weisheit. Dem ist aber nicht so, weil sich die Welt ständig dreht.

    Nur eines bleibt wohl, dass die Menschen sich lieber streiten, als gemeinschaftlich zu handeln als Gleichberechtigte unter Gleichberechtigten.

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