Was spricht eigentlich gegen Lenins Parteitheorie?

[der folgende Text als .pdf-Datei]

Wal Buchenberg schreibt zu meinem Text „Für eine neue IAA? Oder für einen Bund der RevolutionärInnen?“:

„Weiter habe ich den Eindruck, dass du unter ‚Parteibildung’ an die (gescheiterten) Rezepte eines Lenin denkst, während ich bei ‚Parteibildung’ an die bewusste Gegnerschaft möglichst der 90 Prozent Besitzlosen gegen die herrschende Klasse der Kapitalisten samt Anhang denke.
Siehe dazu: http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_p/partei.html

Abgesehen davon, daß ich wohl von „Parteibildung“ bisher nur den Gen. Karl-Heinz Schubert zitierend gesprochen habe, liegst Du damit nicht falsch – nur, daß ich die sog. „Rezepte eines Lenins“ keinesfalls für gescheitert halte. Soweit ich mich auskenne, würde ich sagen: Diese „Rezepte“ wurden – außer von Lenin selbst (dessen ‚Anwendung’ immerhin in die Oktoberrevolution mündete) und vielleicht Mao (dessen eventuelle ‚Anwendung’ immerhin in die chinesische Revolution mündete) – bisher noch gar nicht ‚angewendet’ und vielfach nicht einmal verstanden!

Klar, es ist einfach Lenins, Parteikonzeption so abzubürsten, wie es Rudi Dutschke machte:

„So kam es denn zu einem Partei-Typus, in dem nicht die Klassenzugehörigkeit, sondern die politisch-menschliche Besonderheit, Berufsrevolutionär in der aufgezwungenen Illegalität des Zarismus zu sein, entscheidend war.“ (zit. nach Karl-Heinz Schubert in trend 7-8/2011)

Dutschke kritisiert hier Lenin zum einen für etwas, womit er – gegen den Proletkult (heutige De-KonstruktivistInnen würden sagen: gegen den Klassenessentialismus1) seiner Zeit, Stalins und der K-Gruppen der 70er Jahre – recht hatte: Bürgerliche Klassenherkunft steht einer (analytischen) Einsicht in die Funktionsweise der herrschenden Verhältnisse und der (gleichfalls: analytischen) Benennung, was erfolgsträchtige und was aussichtslose Strategien zu deren Veränderung sind, nicht entgegen2. Und bürgerliche Klassenherkunft steht selbst einer (politischen) Parteiergreifung gegen die herrschenden Verhältnisse nicht prinzipiell entgegen – auch, wenn sie sie eher unwahrscheinlich macht.
Marx hat brauchbare Analysen des Funktionierens der kapitalistischen Produktionsweise geschrieben, weil er wissenschaftliche Arbeit geleistet hat und nicht, weil er Fabrikarbeiter gewesen wäre. Und Friedrich Engels hat seine bourgeoise Herkunft nicht gehindert, sich dem Kampf gegen die kapitalistische Produktionsweise anzuschließen.
Deshalb war es richtig, daß Lenin sagte: Eine Organisation von RevolutionärInnen muß keine Organisation ausschließlich von Lohnabhängigen, gar ausschließlich manuellen FabrikarbeiterInnen sein, sondern die Mitgliedschaft in einer solchen Organisation ist eine Frage der analytischen Einsicht und der politischen Parteilichkeit und der Bereitschaft zu verläßlicher Mitarbeit.

Zum zweiten unterliegt Dutschke in dem angeführten Zitat einem grundlegenden Mißverständnis der leninschen Parteitheorie. Dutschke nimmt eine Gleichsetzung „politisch-menschliche Besonderheit“ = „Berufsrevolutionär“ = wegen der „aufgezwungenen Illegalität des Zarismus“ (gemeint: nicht Illegalität des Zarismus, sondern Illegalisierung zahlreicher politischer Tätigkeiten durch den Zarismus) vor.

Klar funktioniert Repression heute anders als unter der Zarenherrschaft – und deshalb halte ich nicht für sinnvoll, eine Organisation, deren Gründung wir hier diskutieren, klandestin zu organisieren.
Die Klandestinität ist nicht das charakteristische Merkmal einer revolutionären Organisation. Manchmal ist Klandestinität für RevolutionärInnen notwendig, manchmal sogar für reformistische Organisationen der ArbeiterInnenbewegung und unter faschistische Herrschaft sogar für bürgerliche DemokratInnen.

Die grundlegenden Einsichten Lenins betreffen nicht die Frage der Klandestinität, sondern das Verhältnis von Organisation und Bewegung, von theoretischer und politischer Praxis:
Eine zutreffende Analyse und die Entwicklung einer erfolgsträchtigen Strategie kommen nicht einfach dadurch zustande, daß sich etwas bewegt. Aufgrund der widersprüchlichen Struktur aller Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse (Widerspruch zwischen herrschender und ausbeutender Seite sowie beherrschter und ausgebeuteter Seite) bewegt sich immer irgend etwas; sind die gesellschaftliche Verhältnisse keine statischen – und indiziert „Bewegung“ folglich auch nicht einen nahen Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Ein Streik, eine Fabrikbesetzung, eine Hausbesetzung, die Besetzung eines AKW-Bauplatzes, Stein- und Molliwürfe, Schüsse in die Beine von führenden Beamten und Richtern, Bomben gegen Stützpunkte imperialistischer Armeen usw. mögen – unter je spezifischen Bedingungen – erfolgsträchtige Mittel des revolutionären Kampfes sein (oder auch nicht). Ob sie es sind und ob es also sinnvoll ist, sie einzusetzen, läßt dagegen nur durch theoretische (Analyse-)Praxis ermitteln.
Die RAF meinte:
„Praxislos ist die Lektüre des ‚Kapital’ nichts als bürgerliches Studium. Praxislos sind programmatische Erklärungen nur Geschwätz. Praxislos ist proletarischer Internationalismus nur Angeberei. Theoretisch den Standpunkt des Proletariats einnehmen, heißt ihn praktisch einnehmen. Die Rote Armee Fraktion redet vom Primat der Praxis. Ob es richtig ist, den bewaffneten Widerstand jetzt zu organisieren, hängt davon ab, ob es möglich ist; ob es möglich ist, ist nur praktisch zu ermitteln.“ (S. 40)
Ja, manchmal bleibt – mangels ausgereifter Analyse – RevolutionärInnen nichts anderes übrig, als zu improvisieren – als einfach mal auszuprobieren, ob eine ‚neue Idee’ ‚funktioniert’.
Ja, manchmal ist pragmatisches trial & error als Notlösung unvermeidlich; aber als Standardmethode revolutionärer Praxis ist pragmatisches Ausprobieren nicht zu empfehlen. Dies ist die erste grundlegende Einsicht Lenins! „Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben.“ (http://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1902/wastun/kap1d.htm).

Wenn ich etwas provozieren darf, würde ich daher gerne die oben zitierten Worte der RAF umdrehen:
Ohne Was tun?, Staat und Revolution, Lenins Linksradikalismus-Schrift, die Kritik des Gothaer Programms usw. zu lesen, ist Streiken und selbst Bomben Zünden bestenfalls reformistische Praxis, Trade-Unionismus (nur-Gewerkschaftertum – und dessen Öko-, Bildungs-, Mieten- usw. -Analogien – im Rahmen der bestehenden Verhältnisse).

Die erste Einsicht Lenins in Was tun? ist eng mit einer zweiten Einsicht in die Grenzen spontaner Bewegungen (egal ob „proletarisch“, Öko-, Frauen- oder Studierendenbewegung) verbunden: Erst theoretische Einsicht ermöglicht den Übergang von reformistisch-spontaner Symptombekämpfung zu revolutionär-struktureller Ursachenbekämpfung3:

„Die Streiks der neunziger Jahre zeigen schon viel mehr Symptome der Bewußtheit: es werden bestimmte Forderungen aufgestellt, es wird im voraus erwogen, welcher Zeitpunkt der beste ist, es werden bestimmte Fälle und Beispiele aus anderen Orten erörtert usw. Waren die Rebellionen lediglich eine Auflehnung unterdrückter Menschen, so stellten die systematischen Streiks bereits Keimformen des Klassenkampfes dar, aber eben nur Keimformen. An und für sich waren diese Streiks ein trade-unionistischer und noch kein sozialdemokratischer [nach heutigem Sprachgebrauch: revolutionärer, dg] Kampf; sie kennzeichneten das Erwachen des Antagonismus zwischen den Arbeitern und den Unternehmern, aber den Arbeitern fehlte – und mußte auch fehlen – die Erkenntnis der unversöhnlichen Gegensätzlichkeit ihrer Interessen zu dem gesamten gegenwärtigen politischen und sozialen System, das heißt, es fehlte ihnen das sozialdemokratische Bewußtsein. In diesem Sinne blieben die Streiks der neunziger Jahre, trotz ihres gewaltigen Fortschritts im Vergleich zu den ‚Rebellionen’, eine rein spontane Bewegung. […]. Die Geschichte aller Länder zeugt davon, daß die Arbeiterklasse ausschließlich aus eigener Kraft nur ein trade-unionistisches Bewußtsein hervorzubringen vermag, d.h. die Überzeugung von der Notwendigkeit, sich in Verbänden zusammenzuschließen, einen Kampf gegen die Unternehmer zu führen, der Regierung diese oder jene für die Arbeitet notwendigen Gesetze abzutrotzen u.a.m.“
(http://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1902/wastun/kap2a.htm#parta)

Das dem so war, lag nicht daran, daß Arbeiter zu blöde wären (vgl. dagegen: http://arschhoch.blogsport.de/2011/08/20/von-der-philosophie-zur-politik/#comment-120), mehr hinzubekommen, sondern an der Logik von Bewegungspolitik: Bewegungspolitik als solche ist nicht mehr als spontaner Protest – „die Überzeugung von der Notwendigkeit, sich in Verbänden“ – oder BürgerInneninitiativen, autonomen Kleingruppen o.ä. – „zusammenzuschließen, einen Kampf gegen die Unternehmer zu führen, der Regierung diese oder jene für die Arbeiter notwendigen Gesetze abzutrotzen“ und tausenderlei mehr Symptombekämpfung!
Die „unversöhnliche Gegensätzlichkeit [d]er Interessen zu dem gesamten gegenwärtigen politischen und sozialen System“ ist nichts, was durch irgendeine Klassen- oder sonstige Gruppenzugehörigkeit automatisch (oder – für HegelianerInnen: „latent“) bereits vorhanden ist (und von RevolutionärInnen einfach nur „manifest“ gemacht, ‚herausgekitzelt’ werden müßte). Vielmehr hängt diese Gegensätzlichkeit von einem komplexen politischen, ideologischen, theoretischen usw. Produktionsprozeß ab.4

Und selbst die rein politische Tätigkeit bedarf, um Kontinuität zu erlangen, um nicht bei jeder Protestwelle von Null anzufangen, mehr als spontaner Bewegung – nämlich organisierter politischer Tätigkeit (siehe: http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/12/k-1-was-ist-ueberhaupt-der-vorteil-einer-organisation/); also Leuten, die auch die Mühen der Ebenen zwischen den Bewegungshochs auf sich nehmen. Meinetwegen können wir diesbzgl. mit Dutschke von „politisch-menschliche[r] Besonderheit“, nämlich: Bereitschaft, diese Arbeit zu leisten, und mit Lenin von „Berufsrevolutionären“ und -revolutionärinnen sprechen.
Wir können es meinetwegen auch etwas nüchterner formulieren – so wie es im „Na endlich“-Papier gemacht wurde:
Wir brauchen ein Minimum an „organisatorische Verbindlichkeit“ (konkret: Leute, die sich auf einander verlassen können; eine funktionierende Arbeitsteilung; kontrollierbare Strukturen statt autonomer WG-Politik und Unverbindlichkeit usw.); und:
„Das neue Projekt sollte keine Mitgliederpartei, kein Verein von ‚Karteileichen’ sein, sondern eine Organisation von Aktivisten. Zweitens ist es u. E. nicht zielführend jeden sofort aufzunehmen, der den Kapitalismus irgendwie doof findet oder was gegen Sparpolitik hat. Eine gewisse theoretische Basis (deshalb wichtig: nicht nur ‚Kampagnenreiterei’, sondern auch Selbst-Qualifikation), aber auch so was wie eine ‚corporate identity’ sollten wir schon verlangen, soll heißen: Wer bei dem Projekt mitmacht, sollten wissen warum“.
Ja, soviel „politisch-menschliche Besonderheit“, diese Kriterien zu erfüllen, sollte schon sein! Wer/welche das nicht will, muß ja nicht mitmachen…

Die dritte Einsicht Lenins in Was tun? ist eine Konkretisierung der Einsicht, daß revolutionäre Praxis gegen das „gesamte gegenwärtige politische und soziale System“ gerichtet ist. Nicht nur bei den Aufnahmekriterien für Mitgliedern, sondern auch für die politische Praxis (Bündnispolitik; revolutionäre Intervention in spontane Bewegungen) verbietet sich jeder Proletkult:

„Das Bewußtsein der Arbeiterklasse kann kein wahrhaft politisches sein, wenn die Arbeiter nicht gelernt haben, auf alle und jegliche Fälle von Willkür und Unterdrückung, von Gewalt und Mißbrauch zu reagieren, welche Klassen diese Fälle auch betreffen mögen, und eben vom sozialdemokratischen und nicht von irgendeinem anderen Standpunkt aus zu reagieren. Das Bewußtsein der Arbeitermassen kann kein wahrhaftes Klassenbewußtsein sein, wenn die Arbeiter es nicht an konkreten und dazu unbedingt an brennenden (aktuellen) politischen Tatsachen und Ereignissen lernen, jede andere Klasse der Gesellschaft in allen Erscheinungsformen des geistigen, moralischen und politischen Lebens dieser Klassen zu beobachten; wenn sie es nicht lernen, die materialistische Analyse und materialistische Beurteilung aller Seiten der Tätigkeit und des Lebens aller Klassen, Schichten und Gruppen der Bevölkerung in der Praxis anzuwenden. Wer die Aufmerksamkeit, die Beobachtungsgabe und das Bewußtsein der Arbeiterklasse ausschließlich oder auch nur vorwiegend auf sie selber lenkt, der ist kein Sozialdemokrat, denn die Selbsterkenntnis der Arbeiterklasse ist untrennbar verbunden mit der absoluten Klarheit […] Vorstellungen von den Wechselbeziehungen aller Klassen der modernen Gesellschaft. Darum eben ist die Predigt unserer ‚Ökonomisten’, daß der ökonomische Kampf das weitest anwendbare Mittel zur Einbeziehung der Massen in die politische Bewegung sei, so überaus schädlich und ihrer praktischen Bedeutung nach so überaus reaktionär. Um Sozialdemokrat zu werden, muß der Arbeiter eine klare Vorstellung haben von dem ökonomischen Wesen und dem sozialen und politischen Gesicht des Gutsbesitzers und des Pfaffen, des hohen Beamten und des Bauern, des Studenten und des Lumpenproletariers, muß er ihre starken und schwachen Seiten kennen, muß er sich in den landläufigen Phrasen und all den Sophistereien auskennen, mit denen jede Klasse und jede Schicht ihre egoistischen Neigungen und ihr wahres ‚Innere’ verhüllt, muß er sich darin auskennen, welche Institutionen und welche Gesetze diese oder jene Interessen zum Ausdruck bringen und in welcher Weise sie es tun.“
(http://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1902/wastun/kap3c.htm)

„Das politische Klassenbewußtsein kann dem Arbeiter nur von außen gebracht werden, das heißt aus einem Bereich außerhalb des ökonomischen Kampfes, außerhalb der Sphäre der Beziehungen zwischen Arbeitern und Unternehmern. Das Gebiet, aus dem allein dieses Wissen geschöpft werden kann, sind die Beziehungen aller Klassen und Schichten zum Staat und zur Regierung, sind die Wechselbeziehungen zwischen sämtlichen Klassen. Deshalb darf man auf die Frage: Was ist zu tun, um den Arbeitern politisches Wissen zu vermitteln? – nicht allein die Antwort geben, mit der sich in den meisten Fällen die Praktiker begnügen – von den Praktikern, die zum ‚Ökonomismus’ neigen, ganz zu schweigen –, nämlich die Antwort: ‚Zu den Arbeitern gehen’. Um den Arbeitern politisches Wissen zu vermitteln, müssen die Sozialdemokraten in alle Klassen der Bevölkerung gehen, müssen sie die Abteilungen ihrer Armee in alle Richtungen aussenden.“
(http://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1902/wastun/kap3e.htm)

Damit haben wir also – fernab von Klandestinität – drei Kriterien (Charakteristika oder Anforderungen), die für Lenin eine revolutionäre Organisation ausmachen:

  1. Theorie und Verbindlichkeit (vs. Spontaneismus)
  2. Ziel des Umsturzes der Gesellschaftsstruktur (revolutionär-politisch) (vs. Symptombekämpfung [reformistisch-ökonomistisch)
  3. interklassistische Zusammensetzung und Bündnisorientierung der Organisation der RevolutionärInnen (vs. Ouvrierismus [‚Kult der schwieligen Faust’]).

Was spricht denn nun gegen diese Kriterien, liebe AntilenistInnen?!

  1. Klassenessentialismus, von Essenz = Wesen: Annahme einer wesenhaften Beziehungen zwischen einer bestimmten Klassenlage sowie bestimmten analytische Einsichten und politischen Positionen; die Klasselage sei das ‚innere’ Wesen, das Wesentliche, das Andere die davon abhängende, bloße ‚äußere Erscheinung’, bzw. die ‚Erscheinung’ sei latent schon im ‚innere’ (oder ‚tieferen’) Wesen vorhanden, müssen nur noch (evolutionär) entfaltet, zum Erscheinen gebracht, manifest gemacht werden. Vgl. zu dieser – vielfältig Anwendung findenden – hegelianischen Argumentationsfigur auch: http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/05/22/und-noch-eine-begriffserlaeuterung-der-deutsche-materielle-rechtsstaat-ist-philosophischer-idealismus/. [zurück]
  2. Vgl. dazu: http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/11/07/konvergenzen-des-wissenschaftstheoretischen-relativismus/. [zurück]
  3. Vgl. dazu auch: http://interkomm.so36.net/archiv/2008-08-30/nse.pdf, S. 34 (spontan setzen sich die ohnehin schon hegemonialen – und nicht die revolutionären – Ideen durch), FN 88 und 89. [zurück]
  4. Damit dieser Einsicht ist Lenin einen entscheidenden Schritt über den in diesem Punkt noch recht naiv Optimismus des Kommunistischen Manifest, auf den sich Wal Buchenberg beruft, hinausgegangen:
    „Aber mit der Entwicklung der Industrie vermehrt sich nicht nur das Proletariat; es wird in größeren Massen zusammengedrängt, seine Kraft wächst, und es fühlt sie mehr … Die Arbeiter beginnen damit, Koalitionen gegen die Bourgeois zu bilden; sie treten zusammen zur Behauptung ihres Arbeitslohns. Sie stiften selbst dauernde Assoziationen, um sich für die gelegentlichen Empörungen zu verproviantieren. Stellenweise bricht der Kampf in Aufständen aus … Es bedarf aber bloß der Verbindung, um die vielen Lokalkämpfe von überall gleichem Charakter zu einem nationalen, zu einem Klassenkampf zu zentralisieren. Jeder Klassenkampf ist aber ein politischer Kampf …“ (Kommunistisches Manifest zit. n. http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_p/partei.html)
    „Der entscheidende, das marxistische Denken umwälzende Gedanke in Was tun? ist“ demgegenüber, „daß sich eine Politik nie einfach aus der Klassenbestimmung ergibt, sondern daß – umgekehrt – ein und dieselbe Klassenbestimmung mit verschiedenen, ja einander entgegengesetzten Politiken artikuliert sein kann. Dieser Gedanke bricht radikal mit der Vorstellung, wie wir sie auch bei Marx und Engels in manchen Formulierungen gefunden haben, daß sich der Zusammenhalt und die Organisierung der Arbeiter mehr oder minder aus der ökonomischen Entwicklung des Kapitalismus selbst ergeben würde. So ist Schluß mit jeder Illusion über ein letztliches Zusammenfallen von Partei und Klasse durch die Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft. Die Partei und ihre Politik werden erst zu einem Gegenstand von Theorie.“ (Wieland Elfferding, Klassenpartei und Hegemonie. Zur impliziten Parteientheorie des Marxismus, in: ders. / Michael Jäger / Thomas Scheffler, Marxismus und Theorie der Parteien (Argument-Sonderband AS 91), Argument: [West]berlin, 1983, 7-35 [17 f.]). [zurück]
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30 Antworten auf „Was spricht eigentlich gegen Lenins Parteitheorie?“


  1. 1 Wal Buchenberg 21. November 2011 um 19:28 Uhr

    Hallo Detlef Georgia,

    ich denke, es macht wenig Sinn, über eine Organisierung der subjektiven Revolutionäre nachzudenken, wenn das nicht in der Weise geschieht, dass die „Parteibildung“ aller Besitzlosen im Fokus steht.
    Zu dem Ziel „Parteibildung aller Besitzlosen beiderlei Geschlechts“ kann die Organisierung der subjektiven Revolutionäre allenfalls ein Mittel sein.

    Solange die „Parteibildung der 90 Prozent Besitzlosen“ gegen die „Partei der Revolutionäre“ ausgespielt wird, kann aus der „Partei der Revolutionäre“ beim besten Willen nichts werden.

    meint Wal Buchenberg

    P.S. Wieso kann ich in meinen Kommentaren hier nicht die Fehler korrigieren, obwohl ich in diesem Blog als User angemeldet bin?

  2. 2 DGS / TaP 22. November 2011 um 0:38 Uhr

    Lieber Wal,

    was heißt denn für Dich genau „im Fokus“ steht?

    Wenn subjektive RevolutionärInnen organisiert werden sollen, dann können nur Leute organisiert werden, die zumindest beanspruchen, eine revolutionäre Praxis zu entfalten.

    Solange die allermeisten Lohnabhängigen nicht revolutionäre Positionen einnehmen, sondern bestenfalls die Linkspartei wählen und vielfach weiterhin die neoliberale SPD oder sogar CDU wählen, dann ist eine Organisation von möglichst vielen Lohnabhängigen eindeutig etwas ANDERES (ich sage nicht: Überflüssiges) als eine Organisation von subjektiven RevolutionärInnen.

    Im zweiten Schritt stellen sich dann die Fragen: Wie lassen sich möglichst viele Leute von revolutionären Positionen überzeugen? Wer ist die vorrangige Zielgruppe? (Sicherlich Lohnabhängige eher als Groß-Besitzer von Produktionsmitteln…).

    Und: Wenn sich die Organisation der subjektiven RevolutionärInnen an dieser Überzeugungsarbeit versuchen soll, kann die Definition von „revolutionär“ jedenfalls nicht völlig individueller Beliebigkeit überlassen werden, sondern ist mindestens eine Minimalgemeinsamkeit für die Argumentationsrichtung der Organisation notwendig.

    @ PS.: Alle Leute, die Kommentare schreiben, können unmittelbar nach dem Posten noch Fehler korrigieren. Da aber nicht Debatten nachträglich umgeschrieben werden sollen, ist dies software-seitig nur begrenzte Zeit möglich.

  3. 3 Wat. 22. November 2011 um 1:05 Uhr

    - OT -

    @DGS

    @ PS.: Alle Leute, die Kommentare schreiben, können unmittelbar nach dem Posten noch Fehler korrigieren. Da aber nicht Debatten nachträglich umgeschrieben werden sollen, ist dies software-seitig nur begrenzte Zeit möglich.

    Sobald ich auf „Bearbeiten“ gehe, wird ein Anmelden oder Registrieren bei WordPress verlangt. Wenn Du angemeldet bist, kommt trotzdem (muß auch eine Zeitschiene haben) erneut das entsprechende Fenster, also noch mal einloggen, dann zweimal zurück, dann F5 Thread aktualisieren, dann kann geändert werden. Heißt dann auch nicht mehr „Bearbeiten“; „Edit“.
    (benutzter Browser: FF)

    @DGS, später lösche ruhig diesen Beitrag. Wenn sich hier eine Debatte entwickelt, stört das nur den Lesefluß… ich wollte es aber einmal hier kurz zur Erklärung hingeschrieben haben.

    Außerdem krieg ich nur so den Haken bei der Kommentarbenachrichtigung rein ;-)

  4. 4 systemcrash 22. November 2011 um 1:39 Uhr
  5. 5 systemcrash 22. November 2011 um 2:04 Uhr

    noch ein kleines lenin zitat
    (gewidmet der schönen stadt bochum)

    „Der moderne Imperialismus (des 20. Jahrhunderts) hat für einige fortgeschrittene Länder eine privilegierte Monopolstellung geschaffen, und auf dieser Grundlage hat sich überall in der II. Internationale der Typus der verräterischen Führer, der Opportunisten, der Sozialchauvinisten herausgebildet, die die Interessen ihrer Zunft, ihrer dünnen Schicht der Arbeiteraristokratie vertreten… Der Sieg des revolutionären Proletariats ist unmöglich ohne Kampf gegen dieses Übel, ohne Entlarvung, Brandmarkung und Vertreibung der opportunistischen, sozialverräterischen Führer.“ (Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, 1920)

  6. 6 Neoprene 22. November 2011 um 3:12 Uhr

    Die Broschüre „Lenin und die Avantgardepartei“ (der IKL) gibt es als seitengetreues PDF auch bei mir:
    http://neoprene.blogsport.de/2006/02/20/lenin-und-die-avantagardepartei/

  7. 7 systemcrash 22. November 2011 um 3:19 Uhr

    @Neoprene

    ich glaube, lenin und die avantgarde partei erschien, als die robertson anhänger noch internationale spartacist tendenz hiessen. der name IKL kam glaub ich später. da waren sie schon ein bürokratischer kult. die internationale bolschewistische tendenz versucht das revolutionäre erbe der iST zu bewahren, leider sind sie auch nichts anderes als eine webseiten sekte. aber ihre artikel sind solide orthodox. allerdings china als „deformierten arbeiterstaat“ zu bezeichnen, scheint mir jenseits einer noch minimal vorhanden fähigheit zur realitätswahrnehmung zu liegen ;)

  8. 8 Wal Buchenberg 22. November 2011 um 10:24 Uhr

    Hallo Detlef Georgia, hallo Alle,

    Nochmals in wenigen Worten:
    Wir „Bochumer“ (nur einer von uns lebt in Bochum ;-) haben ein Programm für die Endphase des Kapitalismus in Deutschland/Europa vorgelegt, das für die 90 Prozent Besitzlosen (und damit auch für „subjektiven RevolutionärInnen“) Richtungspunkte und Überquerungspunkte angibt, die aus dem Kapitalismus heraus- und zu einer emanzipierten, selbstbestimmten Gesellschaft ohne Lohnarbeit (also auch ohne Kapital und ohne Warenproduktion) hinführen. Der Zeithorizont dieses Programms ist die Endphase des Kapitalismus. Ein „revolutionärer Bruch“ wird damit nicht großmundig „gefordert“, sondern gefördert und in die Wege geleitet.
    Unser Programm begründet nicht die Gegnerschaft zum Kapitalismus, sondern setzt sie voraus. Unser Programm beschreibt nicht die nachkapitalistische Gesellschaft, sondern überlässt das der Selbstbestimmung der dann lebenden Menschen.

    Unser Leitsatz, um den sich alle unseren Programmpunkte drehen, heißt: „Hier und heute sind Schritte zur Emanzipation nur dort zu erreichen, wo alle gemeinsam und direkt planen und entscheiden.“

    Mag sein, dass wir unsere Vorstellung unzureichend formuliert und ungenügend erklärt haben.
    Mag sein, dass andere radikale Linke ein klareres Bild der revolutionären Aufgaben haben, die vor uns stehen.
    Solchen Eindruck erwecken wenigstens die vielfältigen negativen Reaktionen auf unseren Programmvorschlag.
    Wer bessere Vorschläge hat, der soll sie konkretisieren und ausformulieren. Ohne neue programmatische Grundlage wird es jedenfalls keine erfolgreiche Organisierung von radikalen Linken geben.
    Wem das „Bochumer Programm“ nicht passt, der muss selbst ein anderes erstellen. Vom Himmel fällt es nicht –

    meint Wal Buchenberg

    P.S. Das Bochumer Programm ist hier nachzulesen: http://www.marx-forum.de/sozialismus/Bochum.pdf

  9. 9 Entdinglichung 22. November 2011 um 12:02 Uhr

    den drei von DGS herausgearbeiteten Punkten als „bleibendem Erbe“ von „Was Tun“ kann ich voll und ganz zustimmen, darüber hinaus empfehle ich allen, diese Schrift zu lesen@ nicht als kanonischen Text sondern als Beispiel, wie unter konkreten Umständen (Russland um 1900) eine konkrete Politik entwickelt wurde … ein „Was Tun“ für die BRD 2011 muss erst geschrieben werden

  10. 10 systemcrash 22. November 2011 um 12:25 Uhr

    @ Entdinglichung

    es gibt aber einen kleinen unterschied zwischen WAS TUN und uns heutigen. zur zeit lenins war NUR die zweite internationale die autorität auf dem gebiet der marxistischen theorie. selbst ein lenin war im grunde nur ein kautskyianer, der aber im gegensatz zu seinem lehrer, ernst nahm, was dieser nur in der theorie lehrte, um dann in der praxis ein opportunist zu sein.

    HEUTE haben wir es aber mit HUNDERTEN von (mini)strömungen zu tun, die alle von sich behaupten, dass revolutionäre programm zu verkörpern.
    da zu einer vereinheitlichung zu kommen, ist viel schwerer, weil man die existenzgründe jeder einzelnen gruppe verstehen muss, um sie auf dieser grundlage dann integrieren zu wollen. ausserdem sind es meistens propagandagruppen ohne wirkliche praxis. das heisst, der ganze umgruppierungsprozess würde nur über die theoretische kritik laufen. und darüber IST KEINE VEREINHEITLICHUNG IN EINEM GRÖSSEREN MASSSTAB MÖGLICH. soviel habe ich in über 30 jahren beschäftigung mit linker politik gelernt.
    wenn es nicht gelingt, zumindest in ansätzen, auch eine gemeinsame PRAXIS zu entwickeln, wird die umsetzung eines WAS TUN21 (also ein moderner organisationsplan) unmöglich.

  11. 11 Wat. 22. November 2011 um 13:42 Uhr

    Der entscheidende, das marxistische Denken umwälzende Gedanke in Was tun? ist“ demgegenüber, „daß sich eine Politik nie einfach aus der Klassenbestimmung ergibt, sondern daß – umgekehrt – ein und dieselbe Klassenbestimmung mit verschiedenen, ja einander entgegengesetzten Politiken artikuliert sein kann. Dieser Gedanke bricht radikal mit der Vorstellung, wie wir sie auch bei Marx und Engels in manchen Formulierungen gefunden haben, daß sich der Zusammenhalt und die Organisierung der Arbeiter mehr oder minder aus der ökonomischen Entwicklung des Kapitalismus selbst ergeben würde. So ist Schluß mit jeder Illusion über ein letztliches Zusammenfallen von Partei und Klasse durch die Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft. Die Partei und ihre Politik werden erst zu einem Gegenstand von Theorie.“ (Wieland Elfferding, Klassenpartei und Hegemonie. Zur impliziten Parteientheorie des Marxismus, in: ders. / Michael Jäger / Thomas Scheffler, Marxismus und Theorie der Parteien (Argument-Sonderband AS 91), Argument: [West]berlin, 1983, 7-35 [17 f.]).

    (Herv. von mir)

    Damit hat Lenin also ‚gebrochen‘…
    … im Jahre 19xx.

    Wir schreiben heute 2011 in dem wir sehen, daß Lenins Versuch auf einem anderen Weg als Marx und Engels meinten, zum Kommunismus, also der Emanzipation, zu kommen, gescheitert ist.
    Die Lohnarbeiter wollten diesen Weg nicht, konnten ihn nicht gehen, dieses möglicherweise als Konterrevolution(en) abzutuen, scheint mir zu kurzsichtig.

    Es geht in erster Linie um die Emanzipation der Lohnabhängigen von den Verhältnissen, wenn wir irgendwann mal in der Assoziation freier Produzenten ankommen wollen – diesen Weg können sie, die Lohnabhängigen, nur alle gemeinsam gehen, den Weg kann ihnen mE auch niemand fest vorlegen, denn den bestimmte ein ‚Herr‘ (auch wenn dieser sich als Revolutionär bezeichnet) – von Herren aller Art müßten sie nun aber gerade sich frei machen wollen.
    … das hats mit der Emanzipation so auf sich.

    Revolutionäre können sie auf diesem Weg nur begleiten, sie dürften ihnen diesen Weg nicht einmal vorab ‚freischießen‘, denn auch das müßten die Lohnabhängigen schon ‚alleine‘ machen wollen können.

    Wir können ihnen helfen und ich meine, wir sollten das auch tun, daß sie das alleine wollen(!).

    Dh. verkürzt gesprochen, sie dürfen sich dazu nicht mehr als Lohnabhängige verstehen, sich müßten sich als andere, als Arbeiter, nicht mehr abhängig von Lohn, verstehen wollen und können(!).

    Und das können sie nicht über einen gut gelungenen Vortrag, was denn so kommen könnte – sie könnten es, wenn sie schon erfahren/erlebt haben, daß sich ihr Leben anders gestalten läßt.
    Das gelingt auch nicht, wenn ihnen ‚bessere Verhältnisse‘ vorgesetzt werden.

    Der Grundstein dazu muß noch in hiesigen Verhältnissen gelegt werden. Über die im Bochumer Programm vorgeschlagene Kommunalisierung und Demokratisierung, die nicht einfach nur aus dem Kopf oder den Klassikern kommt, sondern in zb. Bewegungen um Re-Kommunalisierung und De-Privatisierung ihre heutige bereits durchaus vorhandene Eingangs-Entsprechung findet.

    Dazu können und sollen sich Revolutionäre organisatorisch vereinen.

    Dazu – dh auf der Grundlage, daß sie den Lohnarbeitern in ihrem Kampf ‚beistehen‘, nicht dazu, diesen Kampf für sie zu führen.
    ‚Beistehen‘ kann ich aber nur in einer Durchmischung, nicht in einer elitären Abhebung.

    Soweit meine Ansicht zu Deiner Frage @DGS, was gegen Lenins Parteitheorie spricht.

  12. 12 Neoprene 22. November 2011 um 13:49 Uhr

    Zu systemcrash
    „lenin und die avantgarde partei erschien, als die robertson anhänger noch internationale spartacist tendenz hiessen.“

    Ja und Nein: Die Broschüre ist ursprünglich, nämlich schon 1978, von der US-Sektion der damaligen internationalen Spartacist Tendenz herausgegeben worden. Die deutsche Übersetzung hat die SpAD, die deutsche Sektion (Nachfolgerin der TLD), nunmehr als Sektion der umbenannten IKL, aber erst 1997 herausgegeben.

    Meiner PDF-Version und dem HTML-Text der IBT liegt übrigens derselbe OCR-Scan zugrunde.

  13. 13 systemcrash 22. November 2011 um 13:57 Uhr

    „Dazu – dh auf der Grundlage, daß sie den Lohnarbeitern in ihrem Kampf ‚beistehen‘, nicht dazu, diesen Kampf für sie zu führen.
    ‚Beistehen‘ kann ich aber nur in einer Durchmischung, nicht in einer elitären Abhebung.“

    das ist das berühmte vermittlungsproblem: wie kommt die revolutionäre theorie im massenmassstab in die köpfe?

    die frage ist sicher interessant und berechtigt ….

    aber: SOLLTEN WIR NICHT ERST KLÄREN, WAS ÜBERHAUPT DIE „REVOLUTIONÄRE THEORIE“ ist ?

    und uns DANN über die vermittlung gedanken machen?

    oder glaubt ihr, dass sich marx und lenin über das vermittlungsproblem gedanken gemacht haben als sie antike philosophie, bürgerliche nationalökonomie und den hegelschen weltgeist studiert haben?

    ich glaube das nicht ;)

  14. 14 systemcrash 22. November 2011 um 14:04 Uhr

    @ neoprene

    ok ;)

    … ich hätte dann den ENGLISCHEN titel nennen sollen, nächstes mal mache ich es besser ! :)

  15. 15 Mattte 22. November 2011 um 18:19 Uhr

    Einfacher und kurzer Vorschlag für revolutionäre Theorie:

    Ist der/die ideologische Überbau und Anleitung zu radikalen Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Die angestrebte Umwälzung ist keine Reform der vorhandenen Produktionsverhältnisse, sondern schafft aus der historischen Situation heraus, ganz neue eigene Produktionsweisen. Für den Weg dorthin werden fortschrittliche Reformen und Gruppen die diese vertreten, unterstützt, wobei aber immer die neue Gesellschaft im Fokus bleibt. Bekämpft werden hingegen Maßnahmen die zum Nachteil für die Mehrheit der Besitzlosen werden. Betont werden dabei immer die Klassenunterschiede und die historische Aufgabe der jeweiligen Klasse.
    Adressaten der revolutionären Theorie sind demnach die Besitzlosen, die (frei nach Lenin) keine Produktionsmittel besitzen und von ihrer gesellschaftlichen Stellung keine positive Einstellung zur herrschenden Gesellschaftsform haben.

  16. 16 Frank Braun 22. November 2011 um 20:54 Uhr

    Hallo Detlef Georgia,
    Hallo Ihr anderen,

    Chapeau, Detlef Georgia ! Deine Ausführungen zum ‘Bochumer Programm’ und zu den besonderen Einlassungen von Wal Buchenberg sind überzeugend. In demselben Maße, wie Buchenberg e.a. nichts über den Zweck ihrer Radikaldemokratie verlautbaren und dessen Inhalt mit einem strategischen Ziel nicht zu verbinden suchen, ist nur eingeschränkt hilfreich, was da angeboten wird.

    Indes kann Radikaldemokratie ein wesentliches politisches Werkzeug in den Händen derer sein, die eine Revolutionierung der Verhältnisse für unabdingbar halten – eben als Übergangsprogramm (…auch schon als Minimalprogramm !), welches die Verhältnisse, wo die Herrschenden nicht mehr so recht können, die Beherrschten aber noch nicht so ganz wollen (…oder auch nicht können, weil sie nichts zu beißen haben), ganz hübsch zum Tanzen bringen.

    Wal Buchenberg ist wohl zugute zu halten, daß er naßforschen Gemüts nicht bemerkt, wie die von ihm als wesentlich zitierten und immer wieder ins Feld geführten Kriterien, wonach er bemißt, was zu tun und zu lassen ist, in eine politische Beliebigkeit und Planlosigkeit führen: ‚Mehrheit der Bevölkerung’ oder ‚Minderheit’ oder ‚90% der Besitzlosen’ als ausschlaggebende Wegweiser sind ja doch keinesfalls entscheidende Instanzen. Wie soll ich denn bitte mit solcherart stumpfen Waffen den Faschismus erfolgreich bekämpft haben ? Und überhaupt: Wenn die Zeiten auf Reaktion stehen, ist es wohl gerade falsch ein Revolutionär zu sein ? Als einer, der sich in einer prekären sozialen Lage befindet, kann ich mir diese Albernheiten doch gar nicht leisten.

    DGS hat meines Erachtens recht, wenn und wie sie dagegen die Erörterung der Leninschen Parteitheorie ins rechte Licht rückt. Sie schießt allerdings über das Ziel hinaus, wenn sie in einem vorhergehenden statement („Für eine neue Internationale Arbeiterassoziation? Oder für einen Bund der RevolutionärInnen?“) Alternativen nahelegt, die derzeit faktisch gar keine sind.

    Denn ich sehe nicht so recht, wie ein politisches Ensemble von bundesweit vielleicht fünf- bis sechshundert ‚subjektiven RevolutionärInnen’ – und das unter den gegebenen Bedingungen bewegungsarmer Zeit – ausreichen sollte, die eigene subjektive Attitude nicht in den Subjektivismus der Avantgarden der 1970er Jahre abrutschen zu lassen. Stattdessen, würde ich auch den ‚subjektiven RevolutionärInnen’ als gar nicht so kleine Hauptaufgabe vorschlagen, der derzeitig antikapitalistischen oder zumindest Kapitalismus kritischen Grundstimmung endlich einen organisatorischen Ausdruck zu verschaffen, mit der Option ‚auf Breite zu gehen’.
    In Wahrnehmung dieser Aufgabe wird es sich dann ohnehin erweisen, wer von den ‚subjektiven RevolutionärInnen’ etwas über den Tag hinaus zu sagen hat und wer zu einer erforderlichen antikapitalistischen Aktivierung der Massen tatsächlich beiträgt. In diesem Sinne bin ich geradezu über Strömungen, Tendenzen, kleine und große Avantgarden in einer antikapitalistischen Organisation gespannt. Welche Kollektive also vermögen dann aus lebendiger Sozialkritik einen lebhaften Antikapitalismus zu gestalten ?

    Frank Braun, Köln, Sozialistische Kooperation (SoKo)

  17. 17 DGS / TaP 23. November 2011 um 2:02 Uhr

    Lieber Frank,

    „DGS hat meines Erachtens recht, wenn und wie sie dagegen die Erörterung der Leninschen Parteitheorie ins rechte Licht rückt. Sie schießt allerdings über das Ziel hinaus, wenn sie in einem vorhergehenden statement („Für eine neue Internationale Arbeiterassoziation? Oder für einen Bund der RevolutionärInnen?“) Alternativen nahelegt, die derzeit faktisch gar keine sind.
    Denn ich sehe nicht so recht, wie ein politisches Ensemble von bundesweit vielleicht fünf- bis sechshundert ‚subjektiven RevolutionärInnen’ – und das unter den gegebenen Bedingungen bewegungsarmer Zeit – ausreichen sollte, die eigene subjektive Attitude nicht in den Subjektivismus der Avantgarden der 1970er Jahre abrutschen zu lassen. Stattdessen, würde ich auch den ‚subjektiven RevolutionärInnen’ als gar nicht so kleine Hauptaufgabe vorschlagen, der derzeitig antikapitalistischen oder zumindest Kapitalismus kritischen Grundstimmung endlich einen organisatorischen Ausdruck zu verschaffen, mit der Option ‚auf Breite zu gehen’.“

    1.

    „neue IAA“ war der Vorschlag, den Wal machte; neuer „Bund der Kommunisten“ war der Vorschlag, den Wal ablehnte und auch mir auf absehbare Zeit zu eng wäre. „Bund der RevolutionärInnen“ ist der Vorschlag, der mir richtig erscheint.

    2.

    Von den 70er Jahren habe ich kaum einen eigenen Eindruck. Aber der KB der (späten) 80er Jahre war m.E. okay; auf alle Fälle besser als alles, was wir heute haben.

    3.

    „Hauptaufgabe vorschlagen, der derzeitig antikapitalistischen oder zumindest Kapitalismus kritischen Grundstimmung endlich einen organisatorischen Ausdruck zu verschaffen, mit der Option ‚auf Breite zu gehen’.“

    Ich sage ja nicht, daß eine Organisation der AntikapitalistInnen falsch wäre. Aber: Zum einen sagt auch die Linkspartei, antikapitalitisch zu sein. Und zweitens: Eine gemeinsame Organisation von GradualistInnen und Revolutionären ist einfach etwas Anderes als eine Organisation von RevolutionärInnen.
    M.E. brauchen wir vordringlich eine – einigermaße flächendeckende – revolutionäre Organisation.
    Wenn wir die haben, können wir gerne diskutieren, ob wir außerdem eine gemeinsame Organisation von GradualistInnen und RevolutionärInnen gründen (wollen) – oder ob diesbzgl. Bündnisse vorzuziehen sind.

    4.

    Bliebe die Frage, wie sich eine Wiederholung der KPD/ML-, KPD/AO- und KBW-Erfahrungen der 70er Jahre vermeiden läßt.
    Nun, den post-maoistischen ‚chinesischen‘ Deutsch-Nationalismus wird hoffentlich niemandE im Namen des Kommunismus wiederholen; hoffentlich werden sich auch MaoistInnen und TrotzkistInnen nicht mehr gegenseitig militant angreifen.

    Und – was ‚unsere Organisation‘ anbelangt:
    1. Klar sollte m.E. sein, daß wir auch mit ReformistInnen bündnisbereit sind.
    2. Und auch klar sollte m.E. sein, daß wir mit anderen revolutionären Gruppen und Organisationen erstrecht bündnisbereit sind:
    Mal angenommen, uns gelingt es nicht, SAV und RIO einerseits sowie bestimmte soft-antideutsche und neo-ML-Gruppen in der (post)autonomen und (post)antiimp-Szene andererseits vom Mitmachen zu überzeugen, dann wäre diese Gruppen hoffentlich trotzdem unsere primären BündnispartnerInnen und nicht unsere HauptfeindInnen.

  18. 18 Wal Buchenberg 23. November 2011 um 9:40 Uhr

    Hallo Frank, hallo Detlef G.,
    Frank, du möchtest wieder „die Leninsche Parteitheorie ins rechte Licht rücken“
    Detlef Georgia, du möchtest die „SAV und RIO einerseits sowie bestimmte soft-antideutsche und neo-ML-Gruppen in der (post)autonomen und (post)antiimp-Szene andererseits vom Mitmachen überzeugen“.

    Damit ist eure Katze aus dem Sack.

    Ich meine, einen großen Satz macht eure Katze nicht, und es ist kein Satz nach vorn, sondern ein Sprung in die unreflektierte, gescheiterte Vergangenheit.

    Man wird Lenins Parteikonzept nicht gerecht, wenn man nur auf die Jahre 1905 bis 1918 in Russland schaut. Für dieses Land und diese Zeit war das Parteikonzept Lenins tatsächlich nützlich.
    Die Geschichte ging aber weiter von 1918 bis 1989, und niemand kann ernsthaft behaupten, diese Entwicklung hätte nichts mit dem Leninschen Parteikonzept zu tun gehabt.
    Siehe meine Kritik der politischen Ökonomie der Sowjetunion: http://www.marx-forum.de/geschichte/sowjetunion/sowjetunion_inhalt.html

    Gruß Wal Buchenberg

  19. 19 systemcrash 23. November 2011 um 10:01 Uhr

    „…hoffentlich werden sich auch MaoistInnen und TrotzkistInnen nicht mehr gegenseitig militant angreifen.“

    dass maoisten trotzkisten angegriffen haben ist mir bekannt… vom umgekehrten fall ist mir nichts bekannt

    „…SAV und RIO einerseits sowie bestimmte soft-antideutsche und neo-ML-Gruppen in der (post)autonomen und (post)antiimp-Szene andererseits vom Mitmachen zu überzeugen…“

    was heisst hier mitmachen? ein gemeinsamer dikussionsprozess ist sicher realisierbar, aber keine GEMEISAME organisation, denn bis auf RIO haben alle anderen genannten gruppen eben KEINE revolutionär-programmatische grundlage. und was frank braun „breite“ nennt, ist in wirklichkeit programmatische liquidation des revolutionären marxismus!

  20. 20 systemcrash 23. November 2011 um 10:07 Uhr

    „Die Geschichte ging aber weiter von 1918 bis 1989, und niemand kann ernsthaft behaupten, diese Entwicklung hätte nichts mit dem Leninschen Parteikonzept zu tun gehabt.“

    ja, sie hatte etwas mit dem leninschen parteikonzept „zu tun gehabt“: sie wurde nämlich durch den stalinismus zerstört und seine repräsentanten wurden ermordet und exiliert.

    aber natürlich, herr buchenberg sieht natürlich die dinge in einem viel weiteren licht. er glaubt in lenin* bereits den geist stalins entdecken zu können. genauso wie bei marx der gulag angelegt war und bei jesus die inquisation. solche geschichtsinterpreten sind sicher hochspannend zu lesen … aber besser in einem fantasy roman als in einer ernsthaften politischen debatte ;)

    ----
    * es war lenin, der den begriff arbeiterstaat mit bürokratischen auwüchsen „erfunden“ hat (nicht trotzki) und der mit seiner letzten kraft (er hatte einen schlaganfall!) den kampf gegen den grossrussischen chauvinismus stalins in der georgienfrage aufnahm. er wollte ein bündnis mit trotzki gegen stalin eingehen („ich plane eine bombe“), leider kam ein dritter schlaganfall dazwischen und trotzki versagte in dieser angelegenheit.
    wenn man das bei isaac deutscher nachliest, bekommt man ein ganz anderes bild von lenin. nicht der harte dogmatiker mit bürokratischen tendenzen (die lenin fraglos unterschätzt hat !), sondern ein mensch, bei dem leben und revolutionäre politische prinzipien im höchsten sinne EINS geworden waren.

  21. 21 systemcrash 23. November 2011 um 10:26 Uhr

    „Von den 70er Jahren habe ich kaum einen eigenen Eindruck. Aber der KB der (späten) 80er Jahre war m.E. okay; auf alle Fälle besser als alles, was wir heute haben.“

    der KB war sicher „besser“ als der rest der maojünger …aber mit revolutionärer politik hatte auch er nie was zu tun.

    wenn es euch wirklich um so ein „breites bündnis“ geht, plant ihr nur eine neuauflage von UAP oder VSP. das wurde schon damals nichts. zwischenzeitlich gab es noch den beilagen kreis und die NLO; auch die existieren nicht mehr. auch die französische NPA erscheint mir nicht wirklich ein erstrebenswerter zustand zu sein.

    „lieber weniger, aber besser“. diesen satz lenins könnte man in unserer situation so interpretieren: lieber mehr programmatische TIEFE als organisatorische „breite“, die ohnehin keine wirkliche substanz hat und bei der geringsten krise auseinanderfliegt und vom winde verweht wird ;)

    da hier zur zeit rosa kursiert, noch ein kurzes zitat aus trotzkis kleinen aufsatz „rosa luxemburg und die IV. internationale:

    „Die Krise der proletarischen Führung ist natürlich nicht mit einer abstrakten Formel zu überwinden. Es handelt sich um einen höchst langwierigen Prozeß. Nicht aber um den rein „geschichtlichen“ Prozeß, d. h. um die objektiven Voraussetzungen der bewußten Tätigkeit, sondern um eine ununterbrochene Kette von theoretischen, politischen und organisatorischen Aktionen, die darauf abzielen, die besten, zielbewußtesten Elemente des Weltproletariats unter einer unbefleckten Fahne zusammen zu schweißen, ihre Zahl und ihr Selbstvertrauen zu steigern, ihre Verbindung mit weiteren Schichten des Proletariats zu entwickeln und zu vertiefen, mit einem Worte: unter neuen, höchst schwierigen Bedingungen dem Proletariat seine geschichtliche Führung wiederzugeben. Die neuesten Spontaneitätskonfusionisten haben ebensowenig ein Recht, sich auf Rosa zu berufen, wie die elenden Kominternbürokraten gegenüber Lenin. Läßt man historisch überholtes beiseite, so können wir unsere Arbeit für die IV. Internationale mit vollem Recht unter das Zeichen der „Drei L“ stellen, nicht nur unter das von Lenin, sondern auch unter das von Luxemburg und Liebknecht.“
    http://marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1935/06/lux4int.html

    ich finde, das könnte doch glattweg für uns heutige NAOler geschrieben sein ;)

  22. 22 DGS / TaP 23. November 2011 um 16:12 Uhr

    Lieber Wal,

    1.

    „Detlef Georgia, du möchtest die ‚SAV und RIO einerseits sowie bestimmte soft-antideutsche und neo-ML-Gruppen in der (post)autonomen und (post)antiimp-Szene andererseits vom Mitmachen überzeugen‘.
    Damit ist eure Katze aus dem Sack.“

    Diese Katze war nie im Sack. Das habe ich schon im Mai in aller Offenheit verkündet: http://www.trend.infopartisan.net/trd0611/t030611.html, Abschnitte 4. und 8.a) (vgl. auch Abschnitt 3.).
    Wer/welche damit nicht einverstanden ist, hätte das schon längst vortragen und begründen können… -

    Und im übrigen:
    Abgesehen von den Inhalten: Ich sehe auch keine erhebliche Anzahl von Leute zwischen dem von mir im Mai skizzierten Spektrum und der Linkspartei, die für ein Organisationsprojekt in Frage kämen.
    Die Linkspartei hat gerade ein gradualustisch-antikapitalistisches Programm beschlossen. Warum sollten GradualistInnen aus dieser 70.000 Mitglieder-Partei austreten und ein – mit unsicheren Erfolgsaussichten behaftetes – neues Projekt anfangen?!
    Außerdem gibt es den bewegungstümelnden Flügel der IL und den ebenfalls bewegungstümelnden, aktionistischen Flügel der Vollautonomen. Diese Spektren kommen aber für eine Organisationsgründung (egal ob revolutionär oder gradualistisch) ohnehin nicht in Betracht. Für die ist es schon viel (im Falle der Vollautonomen: schon zu viel), sich in einem bündnisweiten Bündnis wie der IL zu organisieren.

    2.

    „und es ist kein Satz nach vorn“

    Ich verspreche auch keine großen Sprünge. Nur DemogogInnnen können heute in der BRD große Sprünge in Sachen revolutionärer Organisierung und Politik versprechen. Ich halte es diebzgl. im großen und ganzen mit der Gruppe Revolutionäre Perspektive Berlin:
    „Wir sind keine Illusionisten und keine Utopisten. Wir erwarten nicht den schnellen Erfolg. Unsere Praxis ist Teil eines langfristigen Prozesses. Ungeduld und Geduld sind unsere ständigen Begleiter. Zwischen dem was wir notwendig und richtig finden und dem was wir schaffen umzusetzen, bleibt mehr liegen als uns lieb ist.“ (http://perspektive.nostate.net/ueber_uns)

    3.

    „Man wird Lenins Parteikonzept nicht gerecht, wenn man nur auf die Jahre 1905 bis 1918 in Russland schaut. Für dieses Land und diese Zeit war das Parteikonzept Lenins tatsächlich nützlich.
    Die Geschichte ging aber weiter von 1918 bis 1989, und niemand kann ernsthaft behaupten, diese Entwicklung hätte nichts mit dem Leninschen Parteikonzept zu tun gehabt.“

    Die Parteirealität der KPdSU unter Stalin, Chruschtschow und Breschnew sowie ihrer Schwesterparteien entsprach also der von mir verteidigten Parteikonzeption in Was tun??! – Dann hast Du aber entweder meinen Text nicht gelesen oder im Geschichtsunterricht nicht aufgepaßt.

  23. 23 DGS / TaP 23. November 2011 um 16:38 Uhr

    @ Systemcrash:

    1.

    was heisst hier mitmachen? ein gemeinsamer dikussionsprozess ist sicher realisierbar, aber keine GEMEISAME organisation, denn bis auf RIO haben alle anderen genannten gruppen eben KEINE revolutionär-programmatische grundlage. und was frank braun ‚breite‘ nennt, ist in wirklichkeit programmatische liquidation des revolutionären marxismus!

    Erst mal diskutieren und dann – im Einigungsfalle: – gemeinsam gründen.

    Welche Kriterien werden denn Deinem Eindruck nach von diesen Spektren jeweils konkret verfehlt? Wovon müßten wir sie Deines Erachtens überzeugen (falls sie tatsächlich noch nicht überzeugt sein sollten), wenn es zu einer gemeinsamen Organisationsgründung kommen soll?

    2.

    der KB war sicher ‚besser‘ als der rest der maojünger …aber mit revolutionärer politik hatte auch er nie was zu tun.
    wenn es euch wirklich um so ein ‚breites bündnis‘ geht, plant ihr nur eine neuauflage von UAP oder VSP. das wurde schon damals nichts. zwischenzeitlich gab es noch den beilagen kreis und die NLO; auch die existieren nicht mehr. auch die französische NPA erscheint mir nicht wirklich ein erstrebenswerter zustand zu sein.

    Ja, der KB hätte noch etwas theoretischer und etwas feministischer sei können – würde ich sagen. Aber ansonsten?! (Wir können auch nicht alles bereits am Anfang verlangen – zumal ohnehin niemandE alles klar hat.)
    Das VSP-Spektrum wäre mir für die heutige Gründung einer neuen Organisation eher zu eng als breit. Falls es wirklich so eng bleiben sollte, könnten wir der Einfachheit halber in den RSB eintreten.
    Wg. „Beilagen“-Kreis: Dazu hattest Du doch neulich einen Text verlinkt. Kannst Du daraus vielleicht einen eigenen Arikel machen – link + kurze Zusammenfassung, falls sich das lohnt?
    Dito wegen Kritik am VSP-Programm.

  24. 24 DGS / TaP 23. November 2011 um 16:58 Uhr

    Nachtrag @ Frank:

    „Hauptaufgabe vorschlagen, der derzeitig antikapitalistischen oder zumindest Kapitalismus kritischen Grundstimmung endlich einen organisatorischen Ausdruck zu verschaffen, mit der Option ‚auf Breite zu gehen’.“

    Siehe dazu inzwischen zum einen – in Bezug auf die Linkspartei – auch noch meinen hiesigen Kommentar vom 23. November 2011 um 16:12 Uhr, Abschnitt 1.

    Und zum anderen:

    Logischerweise müßte eine Organisation, wie sie mir vorschwebt in Krisen-Bündnissen usw. konstruktiv mitarbeiten und bei Krisen-Protesten mit Flugis präsent sein, versuchen bei Diskussionsveranstaltungen mit diesem Spektrums ins Gespräch zu kommen und Leute zu überzeugen usw.

    Aber mit den dort:
    http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/03/demonstration-fuer-alternativen-zum-kapitalismus-berlin-und-ffm-sa-12-nov-12-h-jew-hbf/
    und dort:
    http://www.scharf-links.de/48.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=19530&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=10f32f16ca
    angedeuteten Positionen und Argumenten.

    Und nicht mit dem „Dabei sein ist alles“-Interventionismus, den ein Teil der Interventionistischen Linken betreibt:

    „Wir wissen aber auch, dass gerade die Linke erst einmal zuhören muss: dass sie das Zuhören wieder lernen muss. Wenn die Demonstrant_innen in Madrid und Athen nicht nur die Funktionär_innen der bürgerlichen Parteien, sondern auch die Agitator_innen linker Gruppen und Grüppchen vom Platz gestellt haben, haben sie sich zu Recht gegen einen politischen Autoritarismus gewehrt, der glaubt, den Aufständischen die Welt erst erklären zu müssen, gegen die sie sich schon erhoben haben. Das letzte, was die Empörten auf den Plätzen der großen und kleinen Städte dieser Welt brauchen, sind Flugblätter, die ihnen den Kapitalismus, den Fetischcharakter der Ware oder die Notwendigkeit erklären, sich der Arbeiterklasse anzuschließen.“ -

    Und wenn wir das mit dem Präsentsein, dem Konstruktivsein, dem Argumentieren usw. gut hinbekommen, dann wächst unsere eventuelle zukünftige Organisation vielleicht jedes Jahre um zehn oder vielleicht auch ein paar mehr Prozent – aber eine solche revolutionäre Organisation wäre trotzdem etwas anderes als einer vagen „Kapitalismus kritischen Grundstimmung […] einen organisatorischen Ausdruck zu verschaffen“.

    Ich hoffe, das:

    „Wir sind fest überzeugt (sonst würden wir uns nicht in das neue Projekt einbringen wollen), dass die Zeit trotz aller Schwierigkeiten reif ist für ein organisatorisches Angebot an dieses ‚Spektrum der subjektiven RevolutionärInnen‘ oder (um’s mal ohne Marxismus-Kauderwelsch mit Heinrich Böll zu sagen) für ‚jenes höhere Wesen, dass wir verehren‘.“

    „Viele GenossInnen haben für unseren Geschmack zu lange in Sozialforen gesessen, Teile auch der radikalen Linken sind saft-, kraft- und mutlos geworden. […]. Wir hätten’s jetzt gern mal etwas handfester, soll heißen ‚Raus aus dem Zirkelwesen‘ und ‚Kein Friede mit dem Kapitalismus‘. Dazu gehört Offenheit und Dialog / Kompromissbereitschaft, aber eben auch der Mut, die eigenen revolutionären Positionen wieder mit ein wenig (*) mehr Selbstbewusstsein zu vertreten.“

    „Für uns gibt es […] 5 unverhandelbare Punkte:
    1. Konzept des revolutionären Bruchs„.

    „Die neue Organisation wird revolutionär sein oder sie wird gar nicht sein.“

    „Wichtig sind uns nur zwei Dinge: Das neue Projekt sollte keine Mitgliederpartei, kein Verein von ‚Karteileichen‘ sein, sondern eine Organisation von Aktivisten. Zweitens ist es u. E. nicht zielführend jeden sofort aufzunehmen, der den Kapitalismus irgendwie doof findet oder was gegen Sparpolitik hat. Eine gewisse theoretische Basis (deshalb wichtig: nicht nur ‚Kampagnenreiterei‘, sondern auch Selbst-Qualifikation), aber auch so was wie eine ‚corporate identity‘ sollten wir schon verlangen,“ (jew. meine Hv.)

    im „Na endlich“-Papier waren ernst gemeint.

    (*) Dazu hatte ich bereits in meinem ersten Papier zur unserer Debatte angemerkt, daß sich das „für meinen Geschmack allerdings noch zu zaghaft an[hört].“

  25. 25 systemcrash 24. November 2011 um 1:43 Uhr

    „…SAV und RIO einerseits sowie bestimmte soft-antideutsche und neo-ML-Gruppen in der (post)autonomen und (post)antiimp-Szene andererseits vom Mitmachen zu überzeugen…“

    für eine ausgiebige kritik an dem aufgeführten spektrum müsste man sich mehr zeit nehmen. meine kenntnisse über den KB sind eher sehr schmal, weil ich nach meinem bruch mit dem KBW kein interesse mehr am dem maoismus hatte. ich erinnere mich aber, dass es eine broschüre der GIM hamburg zum KB gab … vlt find ich die irgendwo online

    die SAV ist zwar vorgeblich trotzkistisch, aber mindestens in der staatsfrage ist sie reformistisch (polizei = arbeiter in uniform). insgesamt ist die ganze politik der SAV unscharf-schwammig, mit einem wort: zentristisch.

    antideutsche verbieten sich m e von selbst, selbst in ihrer soften variante. und irgendwann müsste man sich ja auch mal zu israel/palästina äussern

    tja, und ML ist eben das codewort für das stalinistisch-ideologische zerrbild des marxismus. natürlich sollte man versuchen, einen diskussionsprozess in gang zu bringen, aber eine gemeinsame organisation wäre wie GIM mit KPD/ML … also heringsalat mit himbeersosse ;)

    überzeugen müsste man m e in folgenden punkten:

    --- überganngsprogramm
    --- internationale organisation
    --- avantgardepartei
    --- theorie der permanenten revolution
    --- revolutionäre haltung zum „stalinismus“

    die broschüre zum beilagenkreis werde ich in einem kurzen artikel vorstellen und den link dazusetzen.
    allerdings ist diese broschüre recht lang und komplex, ich werde mich also auf ein paar wesentliche punkte beschränken müssen

  26. 26 systemcrash 24. November 2011 um 1:49 Uhr

    nachtrag: kritik an der VSP hat m e nur ein rein historisches interesse…wir sollten wirklich aufpassen, hier nicht zu viel stoffhuberei zu betreiben. das ganze ist jetzt schon hoffnungslos überfrachtet

  27. 27 B.I.Bronsteyn 08. März 2012 um 18:33 Uhr

    „Damit haben wir also – fernab von Klandestinität – drei Kriterien (Charakteristika oder Anforderungen), die für Lenin eine revolutionäre Organisation ausmachen:
    + Theorie und Verbindlichkeit (vs. Spontaneismus)
    + Ziel des Umsturzes der Gesellschaftsstruktur (revolutionär-politisch) (vs. Symptombekämpfung [reformistisch-ökonomistisch)
    + interklassistische Zusammensetzung und Bündnisorientierung der Organisation der RevolutionärInnen (vs. Ouvrierismus [‚Kult der schwieligen Faust’]).“

    Sinnvoll auf den Punkt gebracht.
    Modisches Lenin-Bashing ist auch aus meiner Sicht unangebracht.

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