K 8.d): Reizwörter – Kopftuch

Hier wird die unter dem Titel „Kontroversen“ – aufgrund einer Anregung von Wal Buchenberg begonnene – Kategorie von Beiträgen fortgesetzt. Zu Themen, zu denen sich bisher unterschiedliche Positionen abzeichneten, werden diese Positionen kurz dargestellt. In den Kommentaren kann diese Diskussion dann vertieft werden. Es steht aber auch weiterhin allen frei, umfassende analytische, programmatische und/oder strategische Diskussionspapiere – als eigenständige blog-Beiträge – zu unserer Debatte beizusteuern.

Kontroverse 8.d): Kopftuch

Auch das Reizthema „Kopftuch“ wurde – vermutlich auch vor dem Hintergrund der entsprechenden Debatte in der französischen NPA – in dem „Na endlich“-Papier angesprochen:

„Es gibt keine ‚Kopftuchpflicht’ im Koran, insofern hat das nichts mit religiöser Selbstbestimmung zu tun (auch wenn das viele Muslima natürlich subjektiv anders sehen), sondern v. a. mit religiös verbrämter patriarchalischer Unterdrückung der muslimischen Frauen.“

In einem Kommentar im blog Entdinglichung kommentiert hatte ich dazu angemerkt:

„Ich würde sagen: Mit dem Kopftuch verhält es sich nicht anders als mit den Kindern: Ob Kopftuch oder keines – entscheidet jede alleine. – Wer/welche wirklich freiwillig (!) ein Kopftuch tragen will (egal aus welchen – u.U. wie irrtümlich auch immer – Gründen) soll dies tun dürfen. – Das wirklich schwierige Problem scheint mir zu sein, inwieweit unter gegenwärtigen Bedingungen rechtliche Interventionen des Staates (und das heißt des bürgerlich-patriarchal-rassistischen Staates) hilfreich sein können, um eine wirkliche Freiwilligkeit der Entscheidung sicherzustellen. Da wäre ich grundsätzlich sehr skeptisch (die gerade eingeführte Sondergesetzgebung zu Zwangsehen, ergänzend zur ohnehin bestehenden Strafbarkeit von Nötigung, scheint mir den Frauen praktisch wenig zu nutzen1, aber starke kulturkämpferische, euro- und christentum-zentristische Symbolik zu sein); ich würde aber auch nicht von vornherein jede vielleicht denkbar Regelung ausschließen. Also: schwieriges Thema.“

  1. „Das wirkliche Problem, das von dieser Strafnorm nicht angegangen wird, liegt vielmehr auf zwei anderen Ebenen:
    1. Eine Nötigung – ob nun im allgemeinen oder speziell zur Ehe – kann kaum bewiesen, also auch nicht bestraft werden, wenn sich das Nötigungsopfer der Nötigung beugt und die Nötigung selbst dann bestreitet, falls Dritte die – vermeintliche – Tat anzeigen. Dieses Problem kann auch durch Schaffung eines Sonderstraftatbestandes gegen Zwangsehen nicht umgangen werden.
    2. Noch schwieriger wird es, wenn das vermeintliche Nötigungsopfer den von Dritten wahrgenommenen Zwang selbst gar nicht als solchen wahrnimmt, sondern alles als ganz ‚natürlich’ oder ‚normal’ empfindet. Angesichts dieser Situation dürfte kaum strafrechtlicher Zwang des Staates, sondern feministische Agitation und Propaganda das Mittel der Wahl sein – wobei auch diese darauf zu achten hätten, die Grenze zu Pater- bzw. vielmehr Materialismus nicht zu überschreiten.“ (http://www.trend.infopartisan.net/trd0611/t030611.html) [zurück]
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2 Antworten auf „K 8.d): Reizwörter – Kopftuch“


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