K 8.b): Reizwörter – Stalin

Hier wird die unter dem Titel „Kontroversen“ – aufgrund einer Anregung von Wal Buchenberg begonnene – Kategorie von Beiträgen fortgesetzt. Zu Themen, zu denen sich bisher unterschiedliche Positionen abzeichneten, werden diese Positionen kurz dargestellt. In den Kommentaren kann diese Diskussion dann vertieft werden. Es steht aber auch weiterhin allen frei, umfassende analytische, programmatische und/oder strategische Diskussionspapiere – als eigenständige blog-Beiträge – zu unserer Debatte beizusteuern.

8.b): Reizwörter – Stalin

In dem „Na endlich“-Text heißt es zu diesem Thema:

„Auch wenn dies momentan völlig unrealistisch ist, muss darüber hinaus eine Zusammenarbeit auch möglich sein mit ‚Traditionskommunisten’, die – ohne gleich zu Trotzkisten oder Anarchisten zu mutieren – (ernsthaft) ‚poststalinistische’ Positionen beziehen (Wir nennen mal exemplarisch den Genossen Steigerwald). Schluss (nicht mit der Bereitschaft zu Diskussion und Aktionseinheit, aber mit der Bereitschaft zur Bildung einer gemeinsamen Organisation) ist für uns da, wo 70 Jahre Stalinismus abgesehen von einigen ‚Exzessen’ (‚Wo gehobelt wird, da fallen Späne’) gerechtfertigt oder sogar verklärt werden und der Zusammenbruch von 1989 auf den Verrat von Chrustschow und / oder Gorbatschow zusammenschnurrt (ebenfalls nur exemplarisch: Kurt Gossweiler, Hans Heinz Holz).“

Unzeit-gemäß setzte dagegen in dem blog Entdinglichung die Akzente anders:

„Man sollte mit Stalinisten weniger über die Vergangenheit und mehr über die Gegenwart und Zukunft debattieren.“

Daran anschließlichen formulierte ich wiederum:

In diesem Sinne würde ich gut finden, wenn Trotz alledem – wenn ich recht sehe die ehemalige BRD-Auslandssektion der türkisch-kurdischen Organisation Bolschevik Partizan – dabei wären – trotz deren Position zur Stalin-Frage und wegen deren scharfen Blicks auf den deutschen Imperialismus sowie auf die Grenze zwischen internationaler Solidarität einerseits und Alternative-Imperialismus / europäischem Paternalismus andererseits sowie deren Positionen zum Geschlechterverhältnis, die selbst für nicht-stalinistische MarxistInnen bemerkenswert wären (auch, wenn sie auch noch nicht feministisch sind), z.B.: „Physische und sexuelle Gewalt ist das brutalste und grausamste Machtinstrument von Männerherrschaft. Frauen werden weltweit vergewaltigt, geschlagen, ermordet. Sie sind der Männergewalt überall ausgesetzt: In der Familie/Partnerschaft, auf der Strasse, am Arbeitsplatz, im Stadtteil, in der Dorfgemeinschaft, in gesellschaftlichen Institutionen (vom Sportverein bis hin zu Religionsgemeinschaften); […]. Schaffen wir eine kommunistische Frauenorganisierung!“ (meine Hv.).
Und im Fall des ebenfalls schon erwähnten Arbeiterbundes für den Wiederaufbau der KPD würde mich weniger dessen Antwort auf die historische „Stalin-Frage“ als vielmehr dessen industrialistisch-naturwissenschafts-gläubiges Weltbild, das sie auch heute noch eine post-kapitalistischen Nutzung der Atomenergie propagieren läßt, stören, während mir andererseits auch dessen scharfer Blick auf den deutschen Imperialismus und auf Antisemitismus durchaus sympathisch ist.
Grüppchen wie die MLPD sollten m.E. dagegen – ganz unabhängig von ihrer Position zu Stalin, sondern – wegen ihres heutigen (pseudo-)populistischen Propagandastils keinen Einfluß auf die Organisation haben.
Ebenfalls keine fruchtbare organisations-interne Zusammenarbeitsmöglichkeit sehe mit Gruppen wie der Kommunistischen Initiative, an der u.a. der o.g. Kurt Gossweiler beteiligt ist,

  • deren heutige politische Identität sich vor allem daraus speist, die Parole vom Aufbau „eine[r] einheitliche[n] Kommunistische[n] Partei, die fest auf dem Boden des Marxismus-Leninismus steht“, auszugeben,
  • ohne auch nur die Frage aufzuwerfen, ob schon der Marxismus-Leninismus Stalins eine Revision sowohl des Marxismus als auch des Leninismus darstellte

und

  • im übrigen daran arbeiten, realsozialistische Post-StalinistInnen, wie Gossweiler, wieder ins Lager der expliziten StalinstInnen zu integrieren,

und

  • zur Gegenwart im übrigen nicht vielmehr zu sagen haben als, „Faschisierungstendenzen“ einerseits und Hizbollah als „heroisches Beispiel“ andererseits zu beschwören.
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3 Antworten auf „K 8.b): Reizwörter – Stalin“


  1. 1 systemcrash 14. November 2011 um 12:33 Uhr
  2. 2 SJH 10. März 2012 um 2:45 Uhr

    Was soll der Quatsch? Als müssten ausgerechnet Stalinisten am Einsteigen in euren klapprigen Bollerwagen gehindert werden, wo wir doch bekanntlich im Panzer des Weltgeistes unterwegs sind.

  1. 1 20 Kontroversen « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! Pingback am 09. März 2012 um 23:29 Uhr
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