K 7.d): Org.charakter – „entschiedenster, immer weitertreibender Teil“ DER oder Serviceeinrichtung FÜR soziale Bewegungen?

Hier wird die unter dem Titel „Kontroversen“ – aufgrund einer Anregung von Wal Buchenberg begonnene – Kategorie von Beiträgen fortgesetzt. Zu Themen, zu denen sich bisher unterschiedliche Positionen abzeichneten, werden diese Positionen kurz dargestellt. In den Kommentaren kann diese Diskussion dann vertieft werden. Es steht aber auch weiterhin allen frei, umfassende analytische, programmatische und/oder strategische Diskussionspapiere – als eigenständige blog-Beiträge – zu unserer Debatte beizusteuern.

Kontroverse 7.d): Org.charakter – „entschiedenster, immer weitertreibender Teil“ DER oder Servieeinrichtung FÜR sozialen Bewegungen?

Zum „Avantgarde“-Begriff hieß es in dem „Na endlich“-Papier:

„Im übrigen kennen wir auch keine einzige Gruppe oder Strömung mit revolutionärem Anspruch, die heute noch behauptet ‚Avantgarde’ zu sein (na gut, vielleicht mit Ausnahme der ‚Spartacist Arbeiterpartei’) – alle (oder viele) wollen es werden. Bitte sehr, nehmen wir’s doch einfach sportlich – wer die beste Politik macht, hat den größten Einfluss in der revolutionären Bewegung.“

Ich dazu meinerseits angemerkt:

„Damit wäre ich einverstanden, wenn in dem Satz das ‚zu sein‘ unterstrichen wird – und wir noch hinzufügen, daß es selbstverständlich darum geht, Vorschläge zu machen, die Kämpfe gegen Herrschaft und Ausbeutung voranbringen (dt. vor = frz. avant); ansonsten könnten wir uns jede politische Aktivität eh gleich sparen und anderen Freizeitvergnügungen nachgehen. (Angemerkt sei noch, daß ich intuitiv den Begriff ‚Führung‘ […] zur Beschreibung des Verhältnisses Organisation – Bewegung problematischer finde, als den der Avantgarde.)“

Frank Braun berichtete demgegenüber von einer anscheinend gegenteiligen Positinierung: „Keineswegs akzeptabel seien Neuauflagen avantgardistischer Konzepte.“
Klärungsbedürftig scheint hier zunächst zu sein, ob eine Differenz in der Sache1 vorliegt oder ob es sich ausschließlich um unterschiedliche Verständnisse des Wortes „Avantgarde“ handelt.
Etwaige Differenzen in der Sache dürften unmittelbare Auswirkungen auf das innerhalb von Bündnissen (s. dazu Kontoverse K 4) für richtig gehaltene Agieren haben.

PS.:
Das Zitat in der Artikel-Überschrift stammt aus Kommunistischen Manifest.

  1. Eine solche Differenz in der Sache scheint mir jedenfalls (ohne an dieser Stelle in eine – sicherlich an anderer gebotenen und nachzuholenden – Detail-Diskussion des folgenden Zitates eintreten zu wollen) dann vorzuliegen, wenn – unabhängig von unserer hiesigen Debatte – Teile der Interventionistischen Linken in Bezug auf die occupy-Bewegung formulieren: „Wir wissen aber auch, dass gerade die Linke erst einmal zuhören muss: dass sie das Zuhören wieder lernen muss. Wenn die Demonstrant_innen in Madrid und Athen nicht nur die Funktionär_innen der bürgerlichen Parteien, sondern auch die Agitator_innen linker Gruppen und Grüppchen vom Platz gestellt haben, haben sie sich zu Recht gegen einen politischen Autoritarismus gewehrt, der glaubt, den Aufständischen die Welt erst erklären zu müssen, gegen die sie sich schon erhoben haben. Das letzte, was die Empörten auf den Plätzen der großen und kleinen Städte dieser Welt brauchen, sind Flugblätter, die ihnen den Kapitalismus, den Fetischcharakter der Ware oder die Notwendigkeit erklären, sich der Arbeiterklasse anzuschließen.“ [zurück]
Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • email
  • Tumblr
  • Wikio
  • del.icio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • PDF

6 Antworten auf „K 7.d): Org.charakter – „entschiedenster, immer weitertreibender Teil“ DER oder Serviceeinrichtung FÜR soziale Bewegungen?“


  1. 1 systemcrash 13. November 2011 um 18:27 Uhr

    der begriff avantgarde drückt natürlich erst einmal einen anspruch aus. auch die SpAD ist natürlich nicht die avantgarde, allerdings hält sie sich für einen kern dafür (wie ich meine, fälschlicherweise).
    dass dieser begriff instinktiv auf ablehnung stösst, liegt natürlich an der degeneration der russsichen revolution. in der avantgarde wittert man die bürokratie von morgen. so ganz falsch ist diese assoziation auch gar nicht, denn natürlich lag ein teil der bürokratisierung auch in der partei begründet. aber man tut dem guten lenin von WAS TUN wirklich unrecht. sein organisationsplan hatte allein zum inhalt, eine handlungsfähige, organisatorisch zentralisierte und programmatisch basierte arbeiterpartei für ganz russland herzustellen. überspitzt könnte man sagen, der stalinismus konnte in der partei fuss fassen, nicht weil es zuviel leninismus gegeben hat, sondern ZUWENIG! (natürlich gab es noch einen haufen anderer gründe: allgemeine rückständigkeit russlands, dezimierung der arbeiterklasse im bürgerkrieg, internationale isolierung der revolution usw.)

    aber wie gesagt, die organisationsfrage kann in der NAO erst dann gewinnbringend diskutiert werden, wenn der PROGRAMMATISCHE GRUNDKONSENS wirklich klar ist. solange scheint mir eine (dezentrale) netzwerkstruktur ein (wenn auch aus einem mangel geborener) vorteil zu sein.

  2. 2 Querverweis 28. November 2011 um 9:11 Uhr

    Siehe dort den Vorschlag von Barbie, den Begriff „Avantgarde“ durch den Begriff „Katalysator“ zu ersetzen:

    http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/23/eine-kurze-kritik-am-leninschen-parteikonzept/#comment-1091.

  1. 1 20 Kontroversen « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! Pingback am 14. November 2011 um 13:05 Uhr
  2. 2 Zum Stand der Organisierungs- und Programmdebatte « Theorie als Praxis Pingback am 25. November 2011 um 17:53 Uhr
  3. 3 SIB: Zum Stand der Programm- und Organisierungsdebatte (Nov. 2011) « Gruppen-Stellungnahmen Pingback am 09. April 2012 um 12:44 Uhr
  4. 4 20 Kontroversen « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! - Debatte zur Neugruppierung der radikalen Linken Pingback am 08. Mai 2012 um 18:28 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.



ORGANISIERUNGSDEBATTE: