K 7.a): Org.Charakter – Netzwerk – Partei – Organisation

Hier wird die unter dem Titel „Kontroversen“ – aufgrund einer Anregung von Wal Buchenberg begonnene – Kategorie von Beiträgen fortgesetzt. Zu Themen, zu denen sich bisher unterschiedliche Positionen abzeichneten, werden diese Positionen kurz dargestellt. In den Kommentaren kann diese Diskussion dann vertieft werden. Es steht aber auch weiterhin allen frei, umfassende analytische, programmatische und/oder strategische Diskussionspapiere – als eigenständige blog-Beiträge – zu unserer Debatte beizusteuern.

Kontroverse 7.a): Org.Charakter: Netzwerk – Partei – Organisation

Zentrale offene Frage für unseren Diskussionsprozeß ist m.E., ob denn am Ende das Ausmaß der personellen Beteiligung und der inhaltlichen Gemeinsamkeiten für eine Organisationsgründung ausreicht.
Alternativ oder auch als Vorlauf für eine Organisationsgründung käme auch die Bildung eines Netzwerkes oder themenübergreifenden, kontinuierlichen Bündnisses verschiedener revolutionärer Gruppen und Einzelpersonen in Betracht. In diesem Sinne hatte Frank Braun geschrieben:

„Ich kann nicht einschätzen, ob diese Gruppen [die bereits existierenden antikapitalistischen Klein-Organisationen und Gruppen] nicht doch noch […] einen relevanten Teil des Rückgrats der antikapitalistischen Linken darstellen. Wir sollten das nicht auch noch zerkloppen bevor dazu eine Alternative steht. Die Konsequenz: Es sollte im ersten Anlauf um ein antikapitalistisches Netzwerk als Organisationsform gehen und es sollte bloß die Erwartung auf eine dann anzustrebende einzige Organisation statt vieler kleiner Zentralkomitees zum Gegenstand eines programmatischen Papiers gemacht werden.“

Ich hatte dazu meinerseits zwei Präzisierungen vorschlagen:

„‘Prüfung‘ statt ‚Erwartung‘, und das Ergebnis der Prüfung kann auch sein, daß dem genannten ersten Schritt (Netzwerk/Prüfungsdebatte) auf absehbare Zeit kein zweiter Schritt (Organisationsgründung) folgt, sondern das Netzwerk (ohne eine konkrete Organisationsgründungsabsicht) für gemeinsame Demonstrationsaufrufe, inhaltlichen Austausch u.ä. fortgeführt wird.“

Edith Bartelmus-Scholich plädierte für ein Netzwerk antikapitalistischer kommunaler Bündnisse:

„Ein Netzwerk antikapitalistischer kommunaler Bündnisse könnte Themen von vor Ort bearbeiten, aber auch gemeinsame bundesweite Kampagnen und Widerstandsaktionen. Es würde einen schnellen Start ermöglichen und einen stetigen Aufbau nicht nur der Organisation, sondern auch eines linken Milieus in den Städten. Kampagnen und Widerstandsaktionen sollten neben inhaltlicher Arbeit die bundesweite Klammer darstellen. Dies erfordert neben gemeinsamen Debatten auch demokratisch legitimierte Organe. Denkbar wäre z.B. ein Netzwerkrat dessen Mitglieder in den Basisgruppen gewählt (und ggf. abgewählt) werden. […]. Der Antritt zu Kommunalwahlen wäre einem solchen Bündnis möglich. Es ist aber zu bedenken, dass er viele Kräfte absorbiert und den Schwerpunkt der Aktivitäten auf die Rathausarbeit verschieben wird.“

Falls als Zwischenergebnisses unseres Diskussionsprozesses die Gründung einer Organisation vereinbart wird, stellt sich schließlich die Frage, was für eine Organisation es sein soll. Die Gruppe Arbeitermacht (GAM) spricht speziell von einer „antikapitalistischen, revolutionären Partei“, RIO von einer „neuen revolutionären ArbeiterInnenpartei“.
Die SIB dazu in ihrer Antwort auf die GAM-Stellungnahme geschrieben:

Wir finden gut, daß Ihr die Frage aufwerft oder in Erinnerung ruft, wo die Reise hingehen soll: Netzwerk und/oder Organisation oder „Partei“. Auch wir fänden ein Netzwerk als Dauerlösung unzureichend. Trotzdem kann ein Netzwerk ein notwendiger Zwischenschritt sein – nur sollte dann unserer Auffassung nach klargestellt werden, daß das Netzwerk mit dem Ziel gegründet wird, dieses mittelfristig in eine Organisation umzuwandeln oder ggf. durch eine Organisation zu ergänzen, wenn ausreichende Gemeinsamkeiten und ausreichende Beteiligung gegeben sind. Aber wir betonen noch einmal: Was erste Schritte und die Abfolge der einzelnen Schritte anbelangt, gehen wir offen und kompromißbereit in die Debatte hinein – auch wenn wir logischerweise Präferenzen haben, von denen wir im Moment überzeugt sind.
Zum Begriff „Partei“ teilen wir die Skepsis der hier bisher schon geposteten Kommentare. Im üblichen Sprachgebrauch ist das Wort im Sinne von „Organisation, die sich an Wahlen beteiligt“ besetzt. – Geht es Euch darum? Oder was macht für Euch den Unterschied zwischen einer „Partei“ und anderen politischen Organisationen aus?
Ihr schreibt, Ihr teilt unseren „Traum, eine leninistische Massenpartei“ aufzubauen. Genau gesagt sprachen wir allerdings von unserem jugendlichen (!) Traum „von einer revolutionären Massenorganisation“. Wir denken allerdings nicht, daß wir heute daran gehen können, ihn zu verwirklichen. Das leninistische Modell scheint uns das Modell einer AktivistInnenpartei zu sein – und massenhaft kommunistische AktivistInnen wird es wahrscheinlich erst ab einer vorrevolutionären oder revolutionären Situation geben. Davon sind wir weit, weit entfernt.

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2 Antworten auf „K 7.a): Org.Charakter – Netzwerk – Partei – Organisation“


  1. 1 systemcrash 13. November 2011 um 17:16 Uhr

    ich glaube nicht, dass die GAM den begriff partei so verwendet, dass zwingend wahlbeteiligung stattfinden muss. partei steht einfach für den höchsten grad der organisierung des klasseninteresses, also in leninistischer terminologie: die avantgardepartei.

    (vergl. dazu: http://www.bolshevik.org/deutsch/archiv/lenin_avantgardepartei_de.html)

    ob WAS TUN immer noch für uns heutige gültig ist, ist sicher eine spannende frage. aber eine avantgardeorganisation setzt eine so hohe programmatische übereinstimmung voraus, dass sie für den NAO prozess bestenfalls am ende stehen kann (zumal propagandagruppen eben in erster linie propaganda – also ideologischen kampf – machen können).

    für die NAO (im anfangsstadium) bietet sich ein netzwerk als mittel dee wahl an, da man die strittigen fragen offen lassen kann und trotzdem in den punkten, wo übereinstimmung herrscht, auch praktische absprachen und koordination machen kann. natürlich muss der GRUNDKONSENS so gross sein, dass nicht über jeden fliegenfurz eine endlosdebatte erfolgt. die fünf SIB essentials scheinen mir schon eine gute grundlage zu sein, allerdings bin ich mir nicht sicher, wie alle protagtonisten sie INTERPRETIEREN.

    vergleich auch: http://systemcrash.wordpress.com/2011/11/05/was-muss-ein-revolutionares-programm-heute-enthalten/

  2. 2 systemcrash 13. November 2011 um 17:26 Uhr
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