K 1: Was ist überhaupt der Vorteil einer Organisation?

Aufgrund einer Anregung von Wal Buchenberg beginne ich hier eine neue Kategorie von Beiträgen: „Kontroversen“. Zu Themen, zu denen sich bisher unterschiedliche Positionen abzeichneten, werden diese Positionen kurz dargestellt. In den Kommentaren kann diese Diskussion dann vertieft werden. Es steht aber auch weiterhin allen frei, umfassende analytische, programmatische und/oder strategische Diskussionspapiere – als eigenständige blog-Beiträge – zu unserer Debatte beizusteuern.

K 1: Was ist überhaupt der Vorteil einer (revolutionären) Organisation – gegenüber Netzwerken, Bündnissen und anlaß-bezogenen Kleingruppen?

Diese Frage wurde bisher überraschend wenig diskutiert, sondern eine Antwort anscheinend als selbstverständlich vorausgesetzt. In Anbetracht der Organisierungsfeindlichkeit in vielen sozialen Bewegungen und auch weiterhin in Teilen der autonomen Szene scheint es mir aber durchaus wichtig zu sein, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Ich hatte daher im Mai folgende Antwort vorgeschlagen:

„Ich würde den AutorInnen [des „Ich sag’, wie’s ist“-Papieres von 1988] im Kern Recht geben – auch wenn die Begrifflichkeit von ‚Kaderorganisation’, ‚demokratischer Zentralismus’, ‚Zellenprinzip’ und ‚Avantgardeanspruch’ schon damals – und heute erst recht – einen etwas altbackenen Klang hat(te). Mit der angeratenen sprachlichen Modernisierung würde ich sagen: Auch heute ist eine Organisation zumindest potentiell politisch wirksamer als bloße autonome Kleingruppen. Sie kann – (eine entsprechende Praxis vorausgesetzt) Wirksamkeitsgrenzen überschreiten, die Kleingruppen oder spontane Bewegungen per se (auch bei der besten Praxis) nicht überschreiten können. Eine kollektive, übergreifende und kontinuierliche Weiterentwicklung von theoretischer und politischer Praxis beinhaltet die Chance, zu besseren Ergebnissen zu kommen. Dies zu erreichen, sollte in der Tat der Anspruch einer solchen Organisation sein – und damit ist dann auch verbunden, in Bewegungen nicht einfach nur mitzuschwimmen, sondern zu versuchen, orientierend zu wirken. Ob derartige Vorschläge dann auch akzeptiert werden – ob also die prätendierte Avantgarde auch tatsächlich Avantgarde ist –, steht dann allerdings auf einem anderen Blatt (wie in dem dokumentierten Text auch schon erkannt wurde). Und eine solche Organisation bedarf auch demokratisch strukturierter verbindlicher Entscheidungsfindung.“

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5 Antworten auf „K 1: Was ist überhaupt der Vorteil einer Organisation?“


  1. 1 Frank Braun 16. November 2011 um 22:38 Uhr

    „Was ist überhaupt der Vorteil…?“ muß nicht weiter behandelt werden…

    Der Intro-Text hängt etwas in der Luft. Nicht deswegen, weil die Autorin DGS, sich das wünscht, sondern weil im Rahmen der NaO-Inititative (noch) nicht klar ist, welche Ziele und welche weltanschaulichen Grundlagen eine neue antikapitalistische Organisation im Einzelnen haben soll und – in der Konsequenz – mit welchen Mitteln, Organisationsform also auch, sie jene Ziele erstreiten will. Denn die Organisationsform ist ja von den weltanschaulichen und programmatischen Grundlagen abhängig..

    Unterstellt, die aktuellen kapitalistischen Produktionsverhältnisse hindern uns, die wesentlichen Menschheitsprobleme zu lösen oder wenigstens deren Lösung einige Schritte näher zu kommen, dann bleibt für eine antikapitalistische Organisationsidee nur, für die Aufhebung dieser Verhältnisse und deren Ersetzung durch geeignetere einzutreten. Tun wir dies aber, ziehen wir uns den Zorn derer zu, die von den kapitalistisch geprägten politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen direkt profitieren oder in deren Auftrag handeln.
    Allein schon dieser Umstand zwingt zu organisiertem Handeln im Kollektiv mit all den gleich Gesinnten. Und die jeweils entsprechende Form des Handelns – das ist Organisation.

    Die im Intro-Text unterstellte „…Organisationsfeindlichkeit in vielen sozialen Bewegungen und auch weiterhin in Teilen der autonomen Szene…“ ist so umstandslos eher nicht gegeben. Statt dessen gehe ich davon aus, daß da verschiedene Einschätzungen dessen vorliegen, was wohl erstritten werden soll und davon macht man abhängig, was an Organisation, Organisationsgrad und Organisationskultur erforderlich ist.
    Wenn jemandem das mit den ‚kapitalistischen Produktionsverhältnissen’ alles viel zu kompliziert ist und mit ‚Sozialismus/Kommunismus’ erst recht, dann reicht dem oder der vielleicht ein gut gelungener Flashmob oder/und ein soziales/autonomes Zentrum mit Disco zur Erringung meiner unmittelbarsten politischen Bedürfnisse. Aber den Kapitalismus und damit die Quelle des Übels werden letztgenannte Organisationsformen nicht in Frage stellen können.

    Die eingangs gestellte Frage, ob überhaupt eine oder sogar eine revolutionäre Organisation vonnöten ist, kann ganz getrost als eine Konsequenz dessen betrachtet werden, wie intensiv man in die herrschenden Verhältnisse eingreifen will – oder eben nicht. Auch deren spezielle Organisationskultur (Demokratischer Zentralismus, Generierung einer Avantgarde, Minderheitenschutz etc.) sollte strikt von dem abgeleitet werden, was man programmatisch will und dazu an gesellschaftlicher Praxis realisieren muß.

    Machen wir diesen case zu; die Frage „Was ist überhaupt der Vorteil…?“ muß nicht weiter behandelt werden und hüten wir uns vor Vorwürfen wie ‚Organisationsfeindlichkeit‘. Viel spannender dürften dann die Diskussionen unter 7a) bis 7d) werden, wenn feststeht, was weltanschaulich und politisch als das z.Zt. Richtige und Machbare erachtet wird.

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