Archiv für November 2011

Versuch einer Bilanz der bisherigen Debatten

da die SIB ihr statement abgegeben hat zum stand der debatte, möchte ich ebenfalls eine art zwischenbilanz ziehen. (mehr…)

3 Videos zur Geschichte zur Geschichte des Kommunistischen Bundes und des AK

Entdinglichung verlinkt drei Videos zur Geschichte des Kommunistischen Bundes (KB) und des AK bzw. ak (vormals: Arbeiterkampf; heute: analyse & kritik):

Die bei Georg Fülberth und Frank Deppe entstandene Dissertation von Michael Steffen zum gleichen Thema (Geschichten vom Trüffelschwein. Politik und Organisation des Kommunistischen Bundes 1971 bis 1991, Uni Marburg, 2002) ist online zugänglich: http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2002/0060/pdf/z2001-0060.pdf.

Cover_Trüffelschwein

Darin befindet sich – als Teil des I. Kapitels – ein Abschnitt zum Maoismus des KB:

2. Zum chinesischen Bezugsmodell (Exkurs)

  • 1 Volkskriegskonzept
  • 2 Partei und Massen
  • Massenlinie
    Einheit, Kritik, Einheit

  • 3 Klassenkampf im Sozialismus, Kulturrevolution
  • 4 Trikontparadigma
  • 5 Konvergenztheorem
  • 6 Revisionismuskritik
  • Partei- und Staatsfrage
    Stalinfrage
    Friedliche Koexistenz
    Friedlicher Übergang“

    Gedruckt ist die Untersuchung bei Assoziation A erschienen: Berlin, 2002, ISBN 3-935936-07-9.

    Zum Stand der Programm- und Organisierungsdebatte

    [der folgende SIB-Beschluß als .pdf-Datei]

    1. Die Programm- und Organisierungsdebatte hat – im Prinzip erfreulicherweise – erhebliche Geschwindigkeit bekommen.

    2. Wir bedauern, daß wir in der aktuellen Diskussion über den „revolutionären Bruch“, den Leninismus, die sowjetische Geschichte usw. längere Zeit nicht annährend in der ganzen Breite unserer Mitglieder und als Gruppe bisher gar nicht eingreifen konnten.
    Eine frühere Beteiligung hätte vielleicht einige polemische Überschärfen und das Verrennen der Diskussion auf bestimmten Nebenstrecken vermeiden helfen.

    3. Wir bedauern ebenfalls, daß wir zunächst von den AutorInnen des „Bochumer Programms“ zu Stellungnahmen zu ihrem Programm und weiteren Texten und nun von Systemcrash zu Stellungnahmen zu Äußerungen aus dem Bochumer AutorInnenkreis gedrängt werden.
    Dies überfordert allein schon unsere Arbeitskapazitäten. Wir sehen unsere Rolle in dieser Debatte aber auch politisch nicht in der eines (realsozialistischen) „Zentralkomitees“ oder einer solchen „Zentralen Kontrollkommission“. Wir können und wollen nur für uns sprechen und sagen, welche Mindestanforderungen unseres Erachtens an ein etwaiges Organisierungsprojekt zu stellen sind, sowie was darüber hinaus unsere Vorschläge sind, sowie schließlich – im Rahmen unserer Arbeitskapazitäten – auf Vorschläge von anderen antworten.

    4. Wir halten an unseren fünf im „Na endlich“-Papier benannten Schmerzgrenzen fest.
    Dies heißt nicht, daß wir nicht auch bereit wären, über diese fünf Schmerzgrenzen zu diskutieren. Aber der blog soll vor allem der Verständigung jener Gruppen und Einzelpersonen aus einem breiten marxistischen, (post)autonomen und (post)antiimperialistischen sowie anarchistischen Spektrum, das diese fünf Essentials teilt, dienen – und zwar mit dem Ziel einer Klärung, welche weiteren Fragen vor einer eventuell Organisationsgründung beantwortet werden sollten und wie sie zu beantworten wären. – Die SAV hat in der Berliner Veranstaltung am 3.5. in der Werkstatt der Kulturen zurecht festgestellt, daß allein auf der Grundlage unserer fünf Essentials keine Organisationsgründung möglich ist.

    5. Wir stellen fest, daß bspw. in Form eines Papiers von Avanti – Projekt undogmatische Linke eine Stellungnahme zur Frage des revolutionären Bruchs vorliegt, die weitaus konkreter als unsere Kurzformel ist, und schließen uns dieser an:
    „Alle geschichtliche Erfahrung lehrt, dass das Kapital seine Macht nicht kampflos preisgibt, nur weil etwa die Bevölkerungsmehrheit es so will. Deswegen gehen wir von der Notwendigkeit einer Revolution aus, […].“ (mehr…)

    Für einen Antiimperialismus mit emanzipatorischer Orientierung!

    Die Internationalen KommunistInnen (InterKomm) Berlin haben folgenden Aufruf nach Bonn zu den Protesten gegen den Afghanistan-Krieg verfaßt:

    Vor zehn Jahren nahmen die USA und mit ihnen verbündete Staaten, darunter die rot-grün regierte BRD, den Anschlag auf das World Trade Center in New York zum Anlaß, einen immer noch andauernden Krieg gegen die damalige afghanische Regierung und die von ihr unterstützte reaktionär-islamistische al-Qaida-Organisation zu beginnen. In dieser Auseinandersetzung zwischen Imperialismus und reaktionärem Antiimperialismus stehen wir in doppelter Opposition zu beiden Lagern.

    (mehr…)

    SCHLUSS MIT DER PRINZIPIENREITEREI

    „Man kann sehr wohl eine Organisation gründen, und sich erst dann mit der Frage eines Grundsatzprogrammes beschäftigen.“ Michael Prütz (SIB) am 13.11.2011 hier im Blog

    Die schlimmsten Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten.

    Da das „Na endlich –Papier“ statt diskutierbarer programmatischen Positionen fast nur feuilletonistische Beschreibungen von derzeitigen Klassenverhältnissen und Mutmaßungen über den subjektiven Faktor enthält, wurde versucht diesen Mangel mit der Nennung von fünf Prinzipien auszugleichen. Ganz offensichtlich, um nicht mit jeder/m über alles diskutieren zu müssen.

    Das positive Element an diesem Papier – nämlich für eine strömungsübergreifende Debatte unter antikapitalistischen Kräften jenseits der Linkspartei zu motivieren, die die Gründung einer neuen antikapitalistischen Organisation befördert – wird spätestens nach dem 13.11. in diesem Block mit einer unerträglichen, hohlen Prinzipienreiterei(*) kaputt gemacht. Von der sprachlichen Form, in der dies geschieht ganz zu schweigen. Es ist einfach nur noch lächerlich zu lesen, was hier so an Blasen(**) abgesondert wird, während inhaltliche Angebote, die sich auf die hiesigen Klassenverhältnisse beziehen, als reformistisch diffamiert werden.

    Wer „subjektive Revolutionäre“ zusammenschließen will, sollte zunächst einmal akzeptieren, dass dieses Selbstbild bei jeder/m Einzelnen Bestand hat, anstatt mit einem willkürlichen Griff in die theoretische Mottenkiste eine ideologische Demontage des/der Anderen zu unternehmen.

    Das „Na endlich-Papier“ beginnt mit einem „Manifesto-Zitat“ von 1972. Wenn dies nicht nur Zierrat gewesen sein soll, dann lasst Euch – liebe SIB-GenossInnen – auch von den Manifesto-Erfahrungen ein wenig leiten:

    „Die Manifesto-Gruppe war nie spontaneistisch; sie war sich vielmehr stets bewußt, daß die Organisation sich nicht aus der Massenbewegung entwickelt, sondern als Beziehung zwischen dieser Bewegung, der bereits erarbeiteten revolutionären Theorie und der bisher angeeigneten geschichtlichen Erfahrung entsteht. Sie war allerdings stets überzeugt, daß der Kontakt zur Klasse, zur Bewegung, wenn auch nicht ausreichend, so doch unbedingt notwendig ist. Die Gültigkeit einer revolutionären Strategie und Organisation läßt sich nämlich mit Sicherheit nur außerhalb von ihr, in der engen Verbindung zu den Massen und ihren Bedürfnissen verifizieren. Deshalb konnte das Manifesto sich keine Organisation geben, ohne von Anfang an über eine bedeutende Massenbasis und über die Instrumente zur Verwirklichung einer bedeutsamen Praxis zu verfügen.
    Fehlt es an diesen Elementen, so birgt eine neue Organisation bereits das Risiko der Zersplitterung, des Jakobinertums in sich, das sich in Ihrer ganzen weiteren Entwicklung noch zu verstärken droht. Darüber hinaus wird sie unweigerlich dazu tendieren, nicht die Linie der ganzen Klasse, sondern die der kleinen, in ihr organisierten Gruppe zum Ausdruck zu bringen.
    Auch große revolutionäre Parteien – wie die bolschewistische und die chinesische – sind zwar auf einer sehr schmalen Basis entstanden, aber in einer ganz anderen historischen Situation, in der keine traditionsreiche und politisch aktive Massenbewegung wie die Italienische existierte, und nicht in einem Land und in einem Moment, dessen bedeutendstes Merkmal gerade darin besteht, daß die Massen als stark politisierte Protagonisten unmittelbar in den Kampf eingreifen. In diesem Kontext eine Organisation der Minderheit zu schaffen, konnte und kann daher nur bedeuten, die Weichen falsch zu stellen.“

    Aus: WARUM UND WIE KONSTITUIEREN WIR UNS ALS ORGANISIERTE POLITISCHE BEWEGUNG DES MANIFESTO – Vorschläge der Versammlung der Delegierten der Manifesto- Zentren in Rimini am 5.11.1971 (der komplette Text erscheint in TREND 12/2011 am 2.12.2011)

    Aus dem Org-Bericht für diese Versammlung:

    „Bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge ist das Manifesto nach wie vor eine ungleichmäßig verbreitete Bewegung einer Minderheit. Zur Zeit gibt es 86 Zentren des Manifesto; unter Zentren verstehen wir Gruppen, die zwar verschieden groß, aber organisiert sind, die zu einer kontinuierlichen Aktion fähig sind und einen eigenen Sitz haben. Sie erfassen 57 Provinzhauptstädte, d.h. zwei Drittel des ganzen Landes. Außerdem existieren mehr als 10 Manifesto-Gruppen, die noch nicht in der Lage sind, eine systematische oder kontinuierliche Arbeit zu leisten, und die über keinen eigenen Sitz verfügen.“

    *) Der so genannte „revolutionäre Bruch“ ist nichts anderes als ein Code für Lenins „Staat und Revolution“. Eine Diskussion über den Leninschen Staatsbegriff und die daraus abzuleitenden programmatischen Überlegungen, wären sicherlich eine lehrreiche und spannende Debatte, wenn dabei der Leninsche Staatsbegriff mit Rolle und Funktion des bürgerlichen Staats in den spätkapitalistischen Metropolen konfrontiert würde. Das Gesicht der Klassenwirklichkeit zuzuwenden, würde auch in der Parteifrage durchaus „zielfördernd“ sein, denn hinter der Phrase von der „Verbindlichkeit“ verbirgt sich ja nicht anderes als der Wunsch nach einer Org-Struktur und Aufgabenstellung, wie sie Lenin in „Was tun“ begründet hat.

    **) Als DGS zwischendrin einmal, um gedanklichen Einhalt beim schnellen Posten anmahnte, verhallte diese Bitte recht schnell. Offensichtlich ist ein unmoderierter Blog ungeeignet, eine Debatte zwischen Personen zu befördern, die aus unterschiedlichen Spektren im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander losgehen.

    Ein paar Überlegungen zur „Frauenfrage“

    in dem thread „feminismus und antikapitalistische organisierung“ entwickelt Pham mit eloquenten worten, dass es in wirklichkeit gar keine „unterdrückung“ der frauen gibt.
    http://arschhoch.blogsport.de/2011/10/06/broschuere-feminismus-und-antikapitalistische-organisierung/

    eine antikapitalistsiche organisation sollte sicherlich auch etwas kompetentes zur „frauenfrage“ zu sagen haben, zumal die altbackenen rezepte von „kommunistischer frauenbewegung“ aus claras zetkins zeiten sicher keinen menschen mehr hinterm ofen hervorlocken und mit der heutigen gesellschaftlichen situation auch nichts mehr zu tun haben.

    obwohl ich ihm inhaltlich nicht zustimmen kann, hat er mich doch gezwungen, mich etwas eingehender mit der „sache“ zu beschäftigen.
    ich hatte schon vorher dafür plädiert, den fokus mehr auf den „kulturellen“ aspekt zu legen und weniger auf den ökonomischen. aber dieser gedanke war in dieser abstraktheit natürlich wenig aussagefähig.

    dann erinnerte ich mich, dass ich vor jahren einen sonderband vom ARGUMENT zur ästhetisierung und sexualisierung des weiblichen körpers gelesen hatte ( Frauenformen 2, Sexualisierung, Argument-Verlag 1983, herausgegeben von Frigga Haug). es handelt sich dabei um eine ziemlich umfangreiche darstellung weiblicher sozialisationsformen. (man sollte dabei im hinterkopf behalten, dass der lebensprozess immer auch gleichzeitig ein „vergesellschaftungsprozess“ ist. zweitens ist wichtig, die unterscheidung von „sex“ und „gender“ zu beachten. eine unterscheidung, die leider in der deutschen sprache nicht existiert)

    aus diesem buch möchte ich ein zitat bringen, was m e zum kern der problematik führt.

    „aber frauen machen auch die erfahrung, dass es eine FÄHIGKEIT ist, sich nach den regeln und anordnungen (aus-)zurichten. diese fähigkeit zu erlangen, ihr zuzustimmen, macht den GENUSS [herv von mir] aus. die selbsttätige aneignung der regeln bestimmt selbstbewusste aktivität, die indienstnahme der anordnung durch das tätige „zur schau stellen“ des eigenen körpers, stellt das „sich zur sklavin machen“ dar [in dem kapitel ging es nicht um SM praktiken ;) , sondern um die diskursive ästhetisierung und mediale darstellung weiblicher „unterordnung“ als gesellschaftliche „norm-alität“]. (…) die beherrschung der regeln, die sicherheit, die sie geben, weil sie erkannt wurden --- z b im spiel um die männer, mit einem mann---, produziert Macht und stärke bei den einzelnen [Frauen]. die subjektiven glücksgefühle und erfolge beim bedienen dieses regelsystems sind also nicht etwas illusionäres, das sich die einzelnen frauen nur einbilden, sondern PRAXIS [herv von mir], wobei zugleich durch die taten die sexuelle anordnung und die in ihr wohnende unterdrückung wiederhergestellt werden.
    (…) die frauen lebten beides in einer person, sie waren selbstbewusst und handlungsfähig in fremdbestimmten verhältnissen.“ (S.93/94)

    es handelt sich also nicht nur im lebensprozess um die reproduktion von „herrschaftsverhältnissen“, sondern mit dem einfügen in diese ist auch ein gewinn von KOMPETENZ verbunden, die mit anerkennung und lust verbunden ist.

    nur wenn einem diese ambivalenz der angelegenheit klar ist, versteht man, welche dimensionen die „frauenemanzipation“ beinhaltet: es handelt sich um nicht weniger als die aufarbeitung und überwindung einer mehrtausendjährigen [kulturellen] zurichtungsgeschichte des weiblichen, um darüber zum wesentlichen zu gelangen, zur entwicklung des eigenen individuellen SELBST, in einer gesellschaft, in der jeder und jede nach seinem/ihrem gusto glücklich werden kann, weil der gegensatz von individuum und gesellschaft immer wieder auf ein minimum reduziert werden muss und kann.

    Der Kampf gegen Stuttgart21 ist auch bei einer Abstimmungsniederlage ein Erfolg

    Am heutigen Sonntag findet in Baden-Württemberg eine in Deutschland seltene Volksabstimmung über das Stuttgarter Bahnhofs-Megaprojekt statt. Die Abstimmung kann von den Gegnern von Stuttgart 21 nicht gewonnen werden, und dennoch hat der Kampf gegen Stuttgart21 die politische Lage in Deutschland verändert.

    Die Volksabstimmung kann von den Stuttgart21-Gegnern nicht gewonnen werden, weil in ganz Baden-Württemberg eine Frage abgestimmt wird, die eigentlich nur die Einwohner von Stuttgart angeht. Je weiter die 7,6 Millionen wahlberechtigten Baden-Württemberger von diesem Konfliktherd entfernt leben, desto eher wird sich die Gegnerschaft auf ein „antistaatliches Bauchgefühl“ reduzieren – im Sinne von: „Die da oben verschleudern unser gutes Geld!“.

    Die Abstimmung kann von den Stuttgart21-Gegnern nicht gewonnen werden, weil die Landesbehörden eine doppelte Hürde eingebaut haben: Die Mehrheit der abgegebenen Stimmen reicht den Gegnern nicht zum Sieg. Sie müssen auch noch ein Quorum von einem Drittel aller Stimmberechtigten überspringen. Bei einer relativ hohen Stimmbeteiligung von etwa 40 Prozent müssten die Gegner mindestens 2,3 Millionen Gegenstimmen und damit deutlich über 80 Prozent der abgegebenen Stimmen stellen. Bei einer noch niedrigeren Beteiligung müssten die Gegner nahezu 100 Prozent der Stimmen stellen. Das macht die ganze Abstimmung zu einer Farce.

    Die Abstimmung kann von den Stuttgart21-Gegner nicht gewonnen werden, weil der Abstimmungstext absichtlich unklar im Juristenjargon verfasst ist. Der Abstimmungstext lautet:
    „Stimmen Sie der Gesetzesvorlage „Gesetz über die Ausübung von Kündigungsrechten bei den vertraglichen
    Vereinbarungen für das Bahnprojekt Stuttgart 21 (S 21-Kündigungsgesetz)“ zu?“
    Es erfolgen drei Hinweise:
    „Mit „Ja“ stimmen Sie für die Verpflichtung der Landesregierung, Kündigungsrechte zur Auflösung der vertraglichen
    Vereinbarungen mit Finanzierungspflichten des Landes bezüglich des Bahnprojekts Stuttgart 21 auszuüben.
    Mit „Nein“ stimmen Sie gegen die Verpflichtung der Landesregierung, Kündigungsrechte zur Auflösung der
    vertraglichen Vereinbarungen mit Finanzierungspflichten des Landes bezüglich des Bahnprojekts Stuttgart 21
    auszuüben.
    Sie haben 1 Stimme. Bitte in nur einen Kreis ein Kreuz (X) einsetzen.“

    Trotz der voraussichtlichen Abstimmungs-Niederlage der Stuttgart21-Gegner hat der Kampf gegen das Mega-Projekt die politische Lage in Deutschland verändert.

    Wie bei den Kämpfen gegen andere Großprojekte, dem Bau von Kernkraftwerken, der Einrichtung von Atom-Lagern, dem Ausbau des Frankfurter Flughafens, dem Kampf gegen Castor-Transporte usw. wird durch den Kampf gegen Stuttgart21 an diesem einen Punkt den Herrschenden die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel (was Investitionsentscheidungen mit einschließt) streitig gemacht. Der Kampf gegen Stuttgart21 ist deshalb im Kern ein antikapitalistischer Kampf. Diese Bedrohung wird von den Kapitalisten und ihren Staatsdienern auch klar gesehen. Sie haben sich dahingehend geäußert, dass durch ein Scheitern von Stuttgart21 die kapitalistischen Investitionsfreiheit am „Standort Deutschland“ in Frage gestellt wird.
    In diesem Kampf gegen kapitalistische Großprojekte verstärkt und manifestiert sich auf Seiten der Gegner die richtige Vorstellung, dass die kapitalistische Profitwirtschaft keineswegs „im Interesse aller“ ist, sondern nur ganz Wenigen dient, und die Lebensgrundlagen der Vielen zerstört. Das ist ein antikapitalistisches Potential, das radikale Linke fördern sollten.

    Die heutige Volksabstimmung ist eine bürokratische Angelegenheit, die von der Staatsmacht organisiert ist, und die den „Bürgern“ nur die Aufgabe zuweist, ein Kreuzchen zu machen. Egal, wie das Abstimmungsergebnis lauten wird, die Stuttgart21-Gegner haben den Druck auf die Staatsmacht hochgeschraubt, den Herrschenden die freie Machtausübung erschwert und die Staatsmacht in die Defensive gedrängt. Das werden sich andere lokale Kämpfe zum Vorbild nehmen. Konfliktpunkte gibt es zu Hauf.

    Wal Buchenberg, 27.11.2011

    NAO am Scheideweg ?

    nachdem jetzt eine zeitlang eine vorsortierung vorgenommen wurde, wie eine „neugruppierung der radikalen linken“ (SIB) stattfinden könnte und welche inhaltlichen bedingungen dafür gegeben sein müssen, scheint jetzt die Initiative in eine erste bewährungsprobe zu geraten.

    die diskussion um das sogenannte „bochumer programm“ (http://www.marx-forum.de/sozialismus/Bochum.pdf) hat zu tage befördert, dass die vertreter dieses „programms“ ein offen reformistisches konzept vertreten. da es im NAO prozess aber um die bildung einer „revolutionären alternative“ geht, ist die abgrenzung revolutionärer konzepte (die sicherlich ein gewisses spektrum haben können) von „gradualistischen“ (http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/13/6-a-strategien-gradualismus-oder-revolutionaere-politik/) die erste existenzvoraussetzung für dieses projekt. wenn es schon im vorfeld nicht gelingt, da zu einer inhaltlichen abgrenzung zu gelangen und dadurch den kreis der potentiell intesessierten in geradezu beliebiger schwammigkeit auszuwählen, ist dieses „projekt“ schon tot bevor es das erste mal in die windeln machen kann.

    ich werde daher meine weitere teilnahme an den NAO diskussionen davon abhängig machen, ob die SIB (die ja den rahmen für dieses prokjekt vorgibt) dazu eine eindeutige stellungnahme abgibt.

    wenn diese notwendige abgrenzung zu den „bochumern“ nicht erfolgen sollte, ist die „NAO initiative“ nicht mehr meine und werde mich dann – vorerst – darauf beschränken müssen, meine überlegungen und positionen hier zu veröffentlichen.

    ich bin mir aber sicher, dass linksabspaltungen von diesem projekt dann vorprogrammiert sind, und vlt ist mit diesen kräften dann ein neustart für eine WIRKLICH REVOLUTIONÄRE UMGRUPPIERUNG möglich. (http://www.trend.infopartisan.net/trd1011/t371011.html)

    „Die IV. Internationale sucht kein Allheilmittel noch erfindet sie irgendeines. Sie steht voll und ganz auf dem Boden des Marxismus, der einzigen revolutionären Doktrin, die es erlaubt, die Wirklichkeit zu verstehen, die Ursachen der Niederlagen zu erkennen und bewußt den Sieg vorzubereiten. Die IV. Internationale setzt die Tradition des Bolschewismus fort, der dem Proletariat zum ersten Mal gezeigt hat, wie die Macht zu erobern ist. Die IV. Internationale fegt die Quacksalber, Scharlatane und ungebetene Moralprediger hinweg. In einer auf Ausbeutung gegründeten Gesellschaft ist die oberste Moral, die Moral der sozialistischen Revolution. Gut sind die Mittel und Methoden, die das Klassenbewußtsein der Arbeiter, ihr Vertrauen auf ihre eigene Kräfte und ihre Opferbereitschaft für den Kampf erhöhen. Unzulässig sind die Methoden, die den Unterdrückten Furcht und Unterwürfigkeit einflössen, den Geist des Protestes und der Revolte ersticken oder den Willen der Massen durch den Willen der Führer, die Überzeugungskraft durch den Zwang und die Analyse der Wirklichkeit durch Demagogie und Fälschung ersetzen. Genau deshalb sind die Sozialdemokratie, die den Marxismus prostituiert hat, wie auch der Stalinismus, Antithese des Bolschewismus, Todfeind der proletarischen Revolution und ihrer Moral.

    Der Wirklichkeit ins Auge sehen; nicht den Weg des geringsten Widerstandes suchen; die Dinge beim Namen nennen; den Massen die Wahrheit sagen, so bitter sie auch sein mag; Hindernisse nicht fürchten; streng sein in den kleinen Dingen wie in den großen; Wagemut, wenn die Stunde der Aktion kommt; das sind die Regeln der IV. Internationale. Sie hat bewiesen, daß sie gegen den Strom zu schwimmen versteht. Die nächste geschichtliche Welle wird sie auf ihren Gipfel heben.“ — Leo Trotzki, übergangsprogramm der IV. internationale

    http://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1938/uebergang/ueberg2.htm#ban

    nur in diesem geist wird eine neue revolutionäre organisation entstehen können, die die dünnen fäden der revolutionären kontinuität wieder aufnehmen kann, um so den langen zeitraum der nichtexistenz einer marxistischen Klassenbewegung mühsam zu überwinden.

    die objektiven bedingungen der kapitalistischen krise sind überreif. was fehlt, ist die organisierung der avantgardesektoren der arbeiterklasse. ihnen müssen wir ein neues rotes banner der hoffnung pflanzen, was frei ist von sozialdemokratischem opportunismus und stalinistischen polizeistaatsmethoden.

    wenn dies nicht gelingen sollte, ist uns die barbarei gewiss —

    der fortschritt bleibt immer nur eine MÖGLICHKEIT … wir sollten alles dafür tun, sie auch zu ERGREIFEN !

    zuerst veröffentlicht: http://systemcrash.wordpress.com/2011/11/27/nao-am-scheideweg/

    Politische Erklärung

    „Und dafür,
    soll eine Mehrheit der Menschen bereit sein, die Reformfähigkeit der parlamentarischen Demokratie aufzugeben? Ich bitte Euch!!“--- Don (vertreter der „bochumer“)

    wenn dies zum spektrum INNERHALB des NAO prozesses gehört, bin ich weg und werde hier nicht mehr posten.
    auf einzelne beiträge hier im forum behalte ich mir vor, in MEINEM blog zu schreiben.

    ich fordere die SIB hier dringend auf, eine politische (er)klärung herbeizuführen, um schaden vom NAO projekt abzuwenden.

    Berlin, 26. November 2011

    systemcrash

    http://systemcrash.wordpress.com

    WAS TUN: PLATTFORM FÜR MARXISTISCHE KONVERGENZ

    21 Bedingungen in die Aufnahme der Komintern

    vorbemerkung:

    die 21 bedingungen sollen nur als beispiel dienen, welche essentials für die aufnahme in eine „revolutionäre organisation“ gelten sollten. natürlich müsste das ganze auf historisch überholtes bereinigt und ein bezug zur AKTUELLEN situation hergestellt werden. aber als vor- oder grundlage einer solchen aufgabe scheint mir dieses komintern dokument geeignet zu sein. nur in diesem sinne sollte es verstanden werden. (mehr…)




    ORGANISIERUNGSDEBATTE: