Babylonisches Sprachgewirr

Ein Bericht vom SoKo-Arbeitstreffen am 15.10.11 in Köln mit Robert Schlosser.

Da hat uns die Sozialistische Initiative Berlin (SIB) ja ein besonderes Ei ins Nest gelegt. Eine ‚Neue antikapitalistische Organisation’ soll es sein, die ‚Na-endlich!’ zu schaffen ist.
Das gleichnamige Papier von März 2011 zirkuliert seitdem durch die Republik und trifft offenbar auf den Nerv derer, die sich als AntikapitalistInnen sehen und die alt-reformistische Kasperei der Partei ‚Die Linke.’ (PDL) auf der einen und den unverbindlichen Aktionismus der Interventionistische Linken (IL) auf der anderen gerne durch ein planvolleres, gehaltvolleres und, im wahren Sinne des Wortes, radikaleres Angebot wenigstens ergänzt sehen möchten.
Zu jenen, die sich als solidarische Kritiker des genannten Berliner Papiers einbrachten, gehört Robert Schlosser (Bochum) 2, den die SoKo auf ihrem Arbeitstreffen am 15.10. im Kölner Autonomen Zentrum (AZ) als Referenten eingeladen hatte. Die SoKo gehört zu den Förderern der SIB-Initiative – was lag da näher als Schlosser einzuladen und dessen Thesen zur Diskussion zu stellen.

Noch fehlen programmatische Konturen …

Bei seinen Überlegungen zum Thema ‚Revolutionärer Bruch’ 1 betonte Schlosser mehrfach, sei es nicht sinnvoll, über Organisationsmodelle nachzudenken, wenn man keine Klarheit über die programmatischen Konturen habe, die man erarbeiten wolle. Und es sei daher kritisch zu beurteilen, daß im SIB-Papier von fünf unverhandelbaren Essentials, z.B. ‚Revolutionärer Bruch’, die Rede sei, aber unklar bliebe aufgrund welcher Programmatik.
Es mache es schon einen Unterschied, ob man für die hiesigen Verhältnisse eher die Erfahrungen der Pariser Commune oder die der Oktoberrevolution in den Vordergrund rücken möchte. Abgesehen davon, daß Form und Inhalt eines solchen revolutionären Umbruchs ohnehin nicht irgendwelchen Schablonen folge, kann als sicher angenommen werden, daß ein revolutionärer Umbruch mindestens die sichtbare Rückgabe zentralstaatlicher Verfügungsformen in die Hände der Kommunen gewährleisten muß. Und es reiche auch nicht aus, wenn ‚Enteignung’ der großen Kapitalien gefordert wird, ohne daß zeitgemäße Formen von ‚Aneignung’ entwickelt werden. Schließlich könne auch nicht darauf verzichtet werden, moderne Formen öffentlicher Politikgestaltung und Willensbildung in eine revolutionäre Strategie und Taktik einzuarbeiten. Man könne sich nicht einerseits über die ‚facebook-Proteste’ von Tunesien und Ägypten freuen, andererseits aber die neuen Medien und deren Möglichkeiten außen vor lassen.

Die anschließende Diskussion war von großer Unsicherheit geprägt, ob denn die antikapitalistische Organisationsdebatte infolge des SIB-Papiers überhaupt geführt werden solle, indem ‚revolutionärer Bruch’ als Essential festgeschrieben oder nicht besser darauf verzichtet wird. Und, so argumentierten einzelne, ein Kaderprogramm solle das nicht sein, was da entstehen muß. Eine Teilnehmerin äußerte sogar, es gäbe keinen linken Standpunkt, der nicht basisdemokratisch sein, was ihr einigen Widerspruch einbrachte.
Zur ‚Ehrenrettung’ der Berliner führte dagegen ein Teilnehmer ins Feld, daß deren erster Aufschlag ja ‚nur’ etwas sein könne, was eine Form von verdichteter und organisierter Verständigung unter denjenigen anbieten soll, die von der Notwendigkeit eines revolutionären Bruchs bereits überzeugt seien. Zustimmend äußerte ein weiterer, käme es jetzt, angesichts der eklatanten Schwäche der antikapitalistischen Bewegung darauf an, die auch von Schlosser angestoßene Programmentwicklung zu forcieren und die Berliner Initiative u.a. dafür zu nutzen.

… und ein überzeugendes radikaldemokratisches Minimalprogramm

Mit dem Referenten des Nachmittags, Robert Schlosser, war ja auch einer der Autoren des kürzlich publizierten ‚Bochumer Programm’ 3 zugegen, welches sowohl im blog der SIB als auch im Autoren-blog und inzwischen auch anderweitig ganz gut besprochen wird.
Den zweiten Diskussionsblock eröffnete er mit dem Hinweis, daß diesem Vorschlag für ein revolutionäres bzw. radikaldemokratische Minimalprogramms eine intensive blog-Diskussion voranging. Er selbst, Schlosser, der über die Kritik der politischen Ökonomie Zugang zu den programmatischen Fragen suche, wies gleich zu Beginn darauf hin, daß im Fokus der Betrachtungen für ein Minimalprogramm nicht die allgemeine Kapitalismuskritik stehen solle, sondern v.a. die nüchterne Kapitalkritik und damit die Frage: „Was ist eigentlich möglich unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen und was nicht?“
Daraus wiederum ließen sich dann all jene Elemente eines Minimalprogramms ableiten, welche in der Konsequenz zusammen genommen das Kapitalverhältnis und damit den Kapitalismus in Frage stellen.
Von umfassender Kommunalisierung und Demokratisierung der Energieversorgung bis zum Einfordern der bürgerlichen Freiheiten und der Abschaffung der Lohnarbeit mittels Selbstverwaltung der Unternehmen durch die Werktätigen müsse der radikaldemokratische Forderungskatalog reichen. Für sich genommen würde etwa ArbeiterInnenselbstverwaltung keine Abschaffung der Waren produzierenden Wirtschaft bedeuten, würde auch Kommunalisierung nicht schon den anarchischen Konkurrenzcharakter kapitalistische Produktion aufheben, aber es wären wichtige und zugleich verständliche Schritte in diese Richtung.

Die Diskussion danach unter den TeilnehmerInnen des Arbeitstreffens offenbarte neben einem Interesse an der Thematik eben auch den Mangel im Umgang damit. Natürlich gab es auch Einwände, ob denn das Begriffspaar ‚Kommunalisierung und Demokratisierung’ unter den herrschenden Verhältnisse nicht wieder direkt in den bürgerlichen Parlamentarismus führe, aus dem dann wieder mühselig herausgefunden werden müsse. Es gab auch Detailkritik, z.B. von einer Teilnehmerin, die eine sanktionsfreie Mindestsicherung sowie entsprechende ökologische Mindeststandards als notwendigen Teil eines Minimalprogramms sah, wovon im Bochumer Programm allerdings keine Rede sei.

Schlosser erwiderte sinngemäß, daß es sich bei diesem Programmentwurf um ein fort zu entwickelndes Arbeitspapier handelt und noch einige Erweiterungen denkbar seien; andererseits mit dem Hinweis darauf, daß nur geändert werden könne, was für die Menschen sichtbar sei und als erreichbar gelten könne. Man dürfe nicht vergessen, so Schlosser, daß ‚Revolution’ oft auch als bloßer Fetischbegriff gebraucht würde, hinter dem sich alles Mögliche an Widerspruch verberge, was, wenn nicht hinterfragt, mindestens ein babylonisches Sprachgewirr verursache. Auch ein mehr oder weniger gelungener Vortrag dieser Widersprüche reiche wohl nicht aus, das zeigt die Geschichte, um einen kommunistischen Standpunkt verallgemeinern zu helfen.

Resümee

Erste zaghafte Schritte unter der Überschrift ‚Neue antikapitalistische Organisation ? Na, endlich!’ sind vollzogen. Robert Schlosser und andere haben mit ihrer Kritik am SIB-Papier eine Akzentuierung der Initiative eingefordert, die mehr programmatisch orientiert ist. Der Nachmittag in Köln hat gezeigt, daß diese Forderung zu recht gestellt wird. Die SoKo wird sich dafür einsetzen, daß systematischer und planvoller an den Grundlagen antikapitalistischer Programmatik gearbeitet wird.
Gleichwohl gilt, ohne organisierte Verständigung unter den beteiligten lokalen Gruppen geht dies wohl kaum. Auch für diese sehr praktische Kärrnerarbeit ist schon eine Menge an Energie aufzubringen. Wer die Notwendigkeit dieser Kärrnerarbeit nicht erkennt, wird seine politische Programmatik nur als Privatier konsumieren können.

Frank Braun, Köln, Sozialistische Kooperation (SoKo), 17.10.11

  1. siehe z.B. unter www.sozialistische-kooperation.de (‚Projekte-Neue antikapitalist.Organisation’) mit einer Dokumentation bisheriger Papiere zum Thema. Siehe auch unter dem SIB-blog http://arschhoch.blogsport.de/ mit allen Texten und Kommentaren dazu. [zurück]
  2. Vgl. Robert Schlossers website unter http://www.rs002.de/Soziale_Emanzipation/Start.htm [zurück]
  3. Das ‚Bochumer’ Programm wurde zuerst unter http://marx-forum.de/diskussion/forum_entry.php?id=5775 veröffentlich und hernach auch im SIB-Diskussionblog http://arschhoch.blogsport.de/ sowie in weiteren linken online-Portalen. [zurück]
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15 Antworten auf „Babylonisches Sprachgewirr“


  1. 1 Wal Buchenberg 19. Oktober 2011 um 10:44 Uhr

    Hallo Frank, hallo Leute,
    die Fragen „was ist wünschenswert“ und „was ist heute oder morgen davon machbar“ wird uns noch weiter beschäftigen.
    Ich habe versucht, meine Antwort zu diesen Fragen zu formulieren.
    Wurde etwas länger, so dass ich hier nur den Link setze:
    http://marx-forum.de/diskussion/forum_entry.php?id=5953

    Gruß Wal

  2. 2 Frank Braun 19. Oktober 2011 um 22:26 Uhr

    Lieber Wal,

    bevor ich auf die Essenz deiner Ausführungen im genannten link eingehe, hier spontan erstmal ein Lob dafür (darf ich das überhaupt ?), daß du und andere aus Eurem Karl-Marx-Diskussionsforum hier solcherart an der Diskussion der SIB-Inititiave teilnehmt.

    Tatsächlich erzeugen bei mir Sätze wie: „Deshalb ist die Kommunalisierung und Demokratisierung auf lokaler Ebene ein kommunistischer Keim, ein wichtiges kommunistisches Element…“ (siehe dein Aufsatz via link) bei mir aufmerksames Staunen und auch eine, ich gebe es zu, Erwartungshaltung, was zur Ergänzung einer kommunistischen Strategie und auch taktisch alles sonst noch so getan werden müßte.
    Z.B. wie sieht es etwa mit der Machtfrage aus ? Wie bereiten wir uns darauf vor, welche Elemente kommunistischer Identität werden denn dafür gebraucht und müssen generiert werden ? Denn es kann ja nicht ausgeschlossen werden, daß vor Bildung demokratischer und kommunaler Genossenschaften ’ne ganze Menge Ärger zu bewältigen ist.
    Allein, meine Fragen, zu dem was noch alles kommen müßte, hindern mich nicht daran, von der startegischen und taktischen Sinnhaftigkeit eines radikaldemokratischen Minimalprogramms überzeugt zu sein; von daher ist euer ‚Projekt: Bochumer Programm‘ sicher eines, was Weiterentwicklung verdient.

    Übrigens, von wegen SoKo-Treffen mit Robert Schlosser: Das beste daran war, finde ich ganz ihne Ironie, daß man ‚mal miteinander gesprochen hat. Das schafft Erdung.

    Meint solidarisch grüßend
    Frank Braun

  3. 3 Wal Buchenberg 20. Oktober 2011 um 11:05 Uhr

    Hallo Frank,
    bei deiner Frage „Wie sieht es etwa mit der Machtfrage aus?“ bitte ich folgendes zu bedenken:

    Bei der Pariser Kommune spitzte sich die Machtfrage auf den Besitz der Waffen zu. Die Waffen der Pariser Revolutionäre wurden schließlich mit den Waffen der regulären französischen Armee besiegt.
    Die Revolutionäre in Russland hatten reguläre Truppen auf ihrer Seite, mit denen sie das Telegraphenamt, den Bahnhof und die Regierungsgebäude eroberten. Den anschließenden Bürgerkrieg gewannen reguläre Truppen der Roten Armee gegen die regulären Truppen der Reaktion. Wo nach der Niederlage Hitler-Deutschlands in Europa kommunistische Regime entstanden, dann nicht als Folge eines Volksaufstandes, sondern durch eine militärischen Eroberung durch „kommunistische“ Truppen.
    Auch der Sieg der KP in China war nicht das Resultat eines Volksaufstandes, sondern quasi eine militärische Eroberung des Landes gegen die Truppen der Guomindang.
    Wer solche militärischen Kategorien auf entwickelte kapitalistische Staaten überträgt, der kommt (wie schon F. Engels im 19. Jahrhundert) zu dem Schluss, dass eine militärische Machtergreifung entweder nicht wünschenswert oder aussichtslos ist – wahrscheinlich beides.

    Ich finde, wir sollten stattdessen zwei Fragestellungen durchdenken:
    Die erste Fragestellung ist: Was lässt sich alles mit „ziviler Gewalt“ erreichen?
    In Frankreich haben kürzlich Lohnarbeiter ihre Chefs „gekidnappt“. Das ist zivile, nichtmilitärische Gewalt. Gegen diese zivile Gewalt ist die Staatsmacht weitgehend hilflos. Wenn nicht nur in einem, sondern in zwei, drei, vier Unternehmen die Lohnarbeiter in ihrem Betrieb auf diese oder ähnliche Weise die „Macht ergreifen“, lässt sich mit militärischer und polizeilicher (staatlicher) Gewalt dagegen wenig tun. Ich kenne keine Betriebsbesetzung in der Geschichte der Arbeiterbewegung, bei dem die Staatsmacht sich getraut hätte, die Besetzung mit militärischer Gewalt niederzuschlagen.

    Die zweite Fragestellung ist: Was kommt auf uns zu bei einem wirklichen Zusammenbruch bzw. einem Stillstand des Kapitalismus?
    Die heutigen Lohnarbeiter und Stadtbewohner haben kaum Lebensmittelvorräte. Die Lebensmittel, die in den Geschäften liegen, reichen höchstens, um die Wohnbevölkerung einer Stadt drei oder vier Tage lang zu ernähren. Dann müssen zusätzliche Lebensmittel vom Land bzw. von den Lebensmittelfabriken in die Städte gebracht und verteilt werden. Heizung und Wasserversorgung funktionieren nicht ohne Strom. Auch die Lebensadern des Staatsapparates sind abhängig von Elektrizität.
    Wer also in einer kommenden großen Krise die Strom-, Wasser- und Lebensmittelversorgung in der Hand hat, der übt faktisch die Macht aus. Ich denke, in der künftigen Revolution der kapitalistischen Metropolen kommt die Macht nicht mehr aus den Gewehrläufen, sondern aus der Strom- und Lebensmittelversorgung.

    Das sind kurzgefasst meine Überlegungen zum Thema „Machtfrage“.

    Beste Grüße
    Wal

  4. 4 Frank Braun 20. Oktober 2011 um 20:57 Uhr

    Hallo Wal,

    einmal abgesehen davon, daß bei ‚Machtfrage‘ noch viel mehr geklärt werden müßte, außer deiner ‚Militärbetrachtung‘ (die noch dazu in deinen historischen Herleitungen, mit Verlaub, ganz schön über den Daumen gepeilt sind), stellt sich hier und jetzt politisch die Frage: Wie ist gesellschaftlche Gegenmacht zu gewinnen, zu organiseren und fortzuentwickeln. Alle, buchstäblich alle Erfahtrungen in militanten oder militärischen Widerstand, in Formen ‚zivilier Gewalt‘ und meinetwegen auch solchen mit pazifistischer Zivilcourage, solche aus dem Engagement im parlamentarischen und natürlich auch außerparlamentarischen Raum werden eine Rolle spielen.

    Ich müßte mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wollte ich nicht zur Kenntnis nehmen, daß die ‚andere Seite‘ da ganz skrupellos die gesamte Klaviatur der Konterrevolution kennt und betreibt.
    Wenn also ‚Gegenmacht‘ die Parole ist, so stelle ich mir die Frage, welche Eigenschaften eine Kämpferin, ein Kämpfer erwerben muß, damit das revolutionäre Unterfangen nicht ideologisch und nicht politisch scheitert… und auch nicht subjektiv an Personalmangel.
    Das wäre geradezu ein Universum unterschiedlichster Aspekte: Organisationsfragen, diverse strategische und taktische Fragen, Bildungsfragen etc.
    Ist gegen ‚zivile Gewalt‘, wie du schreibst, „die Staatsmacht weitgehend hilflos“ ? Mmh, höre ich die ‚Staatsmacht‘ da gerade lachen ? Ich meine, um den Begriff nochmal zu bemühen: Die ganze Klaviatur muß es sein !
    Und um nochmal auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: kommunistische Identität ist mehr als ‚Demokratisierung und Kommunalisierung‘. Letzteres gut zu machen ist von großer taktische Bedeutung, strategisch aber einer von mehreren wichtigen Themenbereichen.
    Aber da haben wir ja einen Hoffnungsschimmer. Die SIB-Iniative kann uns allen bei etwas gutem Willen den Diskussionsprozeß bringen, den es baucht, damit kommunistische Identität mit solcher anderer Auffassungen Schritte wirklicher Bewegung vollziehen und emanzipatorische Gesellschaftstheorie entwickeln kann. Wenn dir ‚Demokratisierung und Kommunalisierung‘ reicht. OK. Mir nicht !

    Es grüßt solidarisch
    Frank

  5. 5 Wal Buchenberg 21. Oktober 2011 um 9:37 Uhr

    So ist das: An welcher Stelle wir auch bohren, es treten hundert Differenzen und Fragen zur Tage.

    Ich sehe zwei Wege, damit umzugehen:
    Der einfache Weg: Nicht nachfragen und nicht nachbohren. Die Oberfläche sauber kitten und verputzen. An dieser Oberfläche findet dann ein neues Firmenschild Halt.
    Der schwere Weg: Sich vor Differenzen nicht fürchten. Weiter bohren und weiter nachfragen, bis wir gemeinsamen Grund finden, der trägfähig und ausbaufähig ist.

    Ich bin für den zweiten Weg.

    Gruß Wal Buchenberg

  6. 6 Wal Buchenberg 21. Oktober 2011 um 10:03 Uhr

    Hallo Frank,
    in meiner vorigen Antwort hatte ich ganz vergessen, inhaltlich auf deine Argumente einzugehen. Also:

    Ich will aus deinem „Universum der möglichen Mittel“ nichts ausschließen, befürworte aber eine Zielrichtung, die ihren Schwerpunkt auf „zivile“ Mittel setzt. Meine Begründung habe ich versucht oben zu geben.
    Deine Parole „Gegenmacht“ finde ich problematisch. Gegenmacht ist ein „Anti“, das auf die Gegenseite fixiert ist. So habe ich mich auch gegen die Namensgebung „Neue antikapitalistische Organisation“ ausgesprochen.
    Wenn schon das Wort „Macht“ vorkommen muss, dann wäre ich für „Mehrheitsmacht“.

    Gruß Wal Buchenberg

    @Moderatoren: Falls das möglich ist, könnt ihr diese Antwort in meine vorherige Antwort einfügen.

  7. 7 Waler Schumacher 21. Oktober 2011 um 10:36 Uhr

    Hallo Frank, Hallo Wal,
    Ihr macht da ein Faß auf, dass ich z.Zt. für nicht wirklich aktuell halte.
    Trotzdem wäre es wunderbar, wenn Eure angesprochenen Themen in geordneter Form (d.h. als Positionspapiere von max. 1 Seite!!) gegossen werden könnten und DANN in die Diskussinen um das SIB-Papier mit einfließen würden.
    Würde sehr helfen, um eine kollektive (und keine Zweier) Diskussion zu entwickeln.
    Ich hoffe, dass das in Eurer beider Sinn ist.
    Beste Grüpße Walter

  8. 8 Wal Buchenberg 21. Oktober 2011 um 11:27 Uhr

    Hallo Walter,
    danke für deinen Vorschlag. Aber so ganz verstehe ich ihn nicht.
    Wir sollen „Positionen“ zu Papier bringen. Haben wir das nicht gemacht? Und mehr als eine Seite DIN A4 haben wir auch nicht verbraucht. ;-) Was hast du also auszusetzen an einer „Zweierdiskussion“?
    Übrigens: Hättest inhaltlich zu einer Frage Stellung genommen, wäre es schon eine „Dreierdiskussion“ geworden. ;-)
    Gibt es denn eine „Annahmestelle“ für Positionspapiere? Ich dachte bislang, dass in diesem Blog die kollektive Diskussion stattfinden soll oder liege ich da falsch?

    Mit fragendem Gruß
    Wal

  9. 9 Wat. 21. Oktober 2011 um 13:23 Uhr

    Hallo Frank Braun,

    was willst Du denn gegen eine Konterrevolution verteidigen, was eine Mehrheit dann vielleicht noch gar nicht verteidigt sehen will?

    Nein, es ist mir zu leicht von Konterrevolutionen zu sprechen, wenn sich die ‚Vergangenheit‘ etwas zurück holen will.

    Das kann sie nämlich nur, wenn sie dazu den Rückhalt in der großen Mehrheit der Bevölkerung findet. So sie sich auf den Kopf stellen kann, wenn sie diese eben nicht findet.

    Wer würde denn dann gegen eine Konterrevolution kämpfen?
    Eine Minderheit, die mal wieder weiß, was für die Mehrheit gut ist…

    Dann sind wir aber ganz schnell wieder außerhalb emanzipatorischer Wege.

    Wir schaffen es, Rückhalt in der Bevölkerung zu haben, weil wir selbst Teil der Bevölkerung sind oder es gibt nichts, was es wert wäre, schon verteidigt zu werden.

    Es ist nicht so, daß ich nicht auch meine Kampfgruppen-Lehrerfahrungzeit gehabt hätte, aber mit der Waffe in der Hand schaffst Du auf Dauer nichts, was irgendetwas mit Freiheit und Emanzipation von Individuen zu tun hat.

    Ich spreche nur für mich:
    Auf eine Neuauflage von Staatsautoritärem Sozialismus lege ich keinen gesteigerten Wert.
    Das wäre, wie die Geschichte zeigt, keine Übergangsphase.

    Eine Übergangsphase gibts mE nur, wenn dieser Weg von Anbeginn emanzipatorisch gegangen wird.

  10. 10 Wal Buchenberg 22. Oktober 2011 um 19:28 Uhr

    Hallo Leute,
    eigentlich wollte ich den folgenden Text „Schuldenerlass für Griechenland! Sterbehilfe für Banken!“ in diesem Blog posten, weiß aber nicht wie das gehen soll (angemeldet bin ich), deshalb nur der Link zum Marx-Forum:
    http://marx-forum.de/diskussion/forum_entry.php?id=5965
    Gruß Wal Buchenberg

  11. 11 Frank Braun 23. Oktober 2011 um 18:09 Uhr

    Hallo Wat.,

    einmal abgesehen davon, daß du kaum einen finden wirst, der sich sozusagen zu einem ’stattsautoritären Sozialismus‘ auch noch bekennt … und das ganze Ding der Verhinderung staatsautoritärer Richtung wohl eher anders als durch das Herausquetschen eines Bekenntnisses quasi auf den Punkt erfolgen muß.
    Also abgesehen davon ist mir deine Sichtweise auf ‚Konterrevolution‘ unter dem Aspekt von Erfahrungen mit dem real existierenden Sozialismus (…und des offiziellen propagandistischen Umgangs damit), ziemlich einseitig und daher wenig erhellend.
    War Allende und sein Bündnis 1973 vom Volk ungeliebt, als dann die konterrevolutionären Panzer rollten ? Und: Da sich ‚nur‘ eine Minderheit dieses chilenischen Volkes realiter wehrte, einige auch mit Waffen, ist dieses zur-Wehr-setzen zu delegitimieren ? Wohl kaum.
    Also, lieber Wat., machen wir uns auf den Weg und kümmern wir uns um alle Quellen der Erkenntnis über ‚Revolution und Konterrevolution‘. Meinetwegen auch um jene, die sich um Theorie und Praxis ‚zivilen Widerstands‘ scharten, wiewohl Generationen vor uns ja gerade diesen ‚zivilen Widerstand‘ für sich genommen als unzureichend kritisiert mußten, wollten sie ihre Not irgendwie mildern…

    Meint freundlich grüßend
    Frank Braun, Köln, SoKo

  12. 12 Wat. 23. Oktober 2011 um 20:24 Uhr

    Hallo Frank Braun,

    Also, lieber Wat., machen wir uns auf den Weg und kümmern wir uns um alle Quellen der Erkenntnis über ‚Revolution und Konterrevolution‘.

    Da hast Du nun schon mal meine ‚Quelle‘ dazu bekommen und die unterscheidet sich doch sehr zu der, die ich noch vor reichlich 20 Jahren (im Realexistierenden) mit meinem damaligen Wissen und der damaligen Erfahrung vertreten hätte… ;-)

    Es geht mir nicht darum Widerstand zu delegitimieren sondern (organisierten) Widerstand einer dann evtl. nur sehr kleinen Gruppe das Wort zu reden…

    Denn eine konkrete Situation, die Widerstand gegen zb. eine Konterrevolution nötig machen würde, haben wir derzeit nicht. Und wenn wir diese Situation haben, ist evtl. vieles anders, als wir heute ‚bedenken‘ könnten.

    Entscheidend ist, wieviele schon mit uns sind. Das sagt uns dann was sinnvoll sein könnte.

    Wir können nicht alle Eventualitäten vorher abklären, wir sollten das mE auch nicht tun.

    Abgesehen davon hielt ich eben auch für erwähnenswert, daß in etwas schneller staatsautoritärer Sozialismus drin ist, als mans vermuten könnte, wenn Du das anders siehst – seis drum.

    Meinetwegen auch um jene, die sich um Theorie und Praxis ‚zivilen Widerstands‘ scharten, wiewohl Generationen vor uns ja gerade diesen ‚zivilen Widerstand‘ für sich genommen als unzureichend kritisiert mußten, wollten sie ihre Not irgendwie mildern…

    Ja, wie ich schrieb, wir haben dann Rückhalt in der Bevölkerung, weil wir Bevölkerung sind, oder… Klingt hart, so gern ich beschützen möchte und selbst beschützt werden möchte – ist es wirklich hilfreich sich ‚windeln‘ zu lassen?

    Ich denke, wir müssen lernen uns dauerhaft für etwas einzusetzen, wenn wir es tatsächlich haben wollen – und wir müssen dazu (soll nicht zynisch klingen) auch lernen, wenn wir das nicht tun, werden wir es nicht bekommen oder nicht behalten.

    Wir können uns gern Erfahrungen angucken, aber daraus feste Pläne zu schmieden, halte wenigstens ich eben für nicht angebracht.
    Und so hatte ich Dich eben verstanden, daß Du das vorab auch für Dich geklärt sehen willst.

    Liebe Grüße – Wat.

  13. 13 Wal Buchenberg 25. Oktober 2011 um 7:49 Uhr

    Hallo Wat.

    solange du dich so ausdrückst, dass dich Leute verstehen, die keine Linken sind (Kollegen, Verwandte und FreundInnen), machst du nichts verkehrt.

    Im übrigen finde ich das breite (peinliche?) Schweigen, das in dieser Plattform der Iniative „NAO“ herrscht, ätzender als unsere Meinungsverschiedenheit mit Frank.

    Ich denke, SIB & Co. müssen nicht nur ihren Sprachstil ändern, sondern ihr Verhalten.
    Mit den Top-down-Methoden, wie sie noch vorherrschen, kann man heute nirgendwo was erreichen, und schon gar nicht eine neue linke Organisation gründen.
    Dazu gehört viel Offenheit, viel Diskussionsbereitschaft, viel Transparenz, viel Beteiligung von Allen. Davon ist noch nichts zu spüren.
    Statt dessen werden Podiumsdiskussionen mit geladenen „Verwandten“ abgehalten oder hinter verschlossener Tür diskutiert.

    Das heißt unsere Erwartungen auf Sparflamme schalten.

    Gruß Wal

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