Eine neue antikapitalistische Organisation ? Na, endlich ! Aber mit welchem Programm ?

So ähnlich war im März dieses Jahres das gut 30-seitiges Papier aus Berlin überschrieben, welches seitdem durch die Republik zirkuliert. Wenn man so will, starker Tobak, dieses Dokument. Aber es enthält, recht eingängig verfaßt, vor allem eine nüchterne Beschreibung der Schwäche aktueller antikapitalistischer Bewegung und macht Vorschläge, diese Schwäche zu analysieren und zu beseitigen.

Deren AutorInnen aus dem Umfeld des Berliner Antikrisenbündnisses, stadtbekannte Unruhestifter und Aufwiegler, bringen zum Ausdruck: Eine neue antikapitalistische Organisation muß es sein, was da am Ende einer sorgfältig entfalteten Diskussion und gemeinsamer Praxis stehen soll. Revolutionär soll diese Organisation sein und nicht an kapitalistischer Krisenlösung interessiert. Orientiert an der Lösung grundlegender gesellschaftlicher Probleme vom Standpunkt der ArbeiterInnenklasse, also eben auch ‚klassenorientiert’ soll sie sein und als Methode der Politik soll ‚Einheitsfront’ gelten und alles soll ein gewisses, ein deutliches Maß, an Verbindlichkeit aufweisen.

Natürlich weisen die AutorInnen der Sozialistischen Initiative Berlin (SIB) auch auf vorhandene Projekte wie die Partei ‚Die Linke.’ (PDL) oder die Interventionistische Linke (IL) hin. Deren Scheitern soll ausgiebig begründet werden, bevor man zu neuen Ufern aufbricht.
Dies aber sollte nicht schwer fallen: Während sich die PDL dieser Tage mehr und mehr als parlamentsfixierte Jobbörse herausstellt mit einem im Resultat ganz und gar nicht antikapitalistischen Charakter, scheint die IL in den letzten Monaten wegen Unverbindlichkeit quasi zu implodieren.

Inzwischen erfreut sich die Berliner Initiative einer Beachtung, die sie aus einem Geheimtipp bald zu einem linksradikalen Diskussionsfokus machen könnte. Wir von der Sozialistischen Kooperation (SoKo) haben die Berliner Initiative von Anfang an unterstützt, weil wir antikapitalistische, parteiübergreifende Kooperation anstreben. Auch andere Zusammenhänge der antikapitalistischen Linken haben sich eingeklinkt und bringen ihre ganz eigene Geschichte ein.
Z.B. jene Gruppe um Robert Schlosser und Wal Buchenberg im Internetblog ‚Karl-Marx-Diskussionsforum’. Die haben sich in den letzten Monaten die Frage gestellt: Was hat die antikapitalistische Linke an programmatischer Substanz zu bieten und was muß Gegenstand eines radikaldemokratischen, revolutionären ‚Minimalprogramms’ sein?
Herausgekommen ist u.a. das ‚Bochumer Programm’. Wir haben Robert Schlosser nach Köln eingeladen. Er wird seine Überlegungen zu diesem Programm referieren und seine Position zur Berliner Initiative zur Diskussion stellen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen dort teilzunehmen.

Das Arbeitstreffen findet am Samstag, dem 15.10., von 14h – 18h im Autonomen Zentrum (AZ) in Köln-Kalk, Wiersbergstr. 44 (U-Bahn Kalk-Kapelle) statt. Der thematische und zeitliche Ablaufplan wird im Vorfeld rechtzeitig zur Verfügung gestellt. Für Wasser, Kaffee und Kekse wird gesorgt – natürlich wird es auch Pausen geben. Wir bitten alle interessierten FreundInnen und GenossInnen um Voranmeldung über email via info@sozialistische-kooperation.de. Aktuelle Infos, Texthinweise und Infos zur Berliner Initiative (SIB) unter www.sozialistische-kooperation.de sowie natürlich in diesem blog.

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9 Antworten auf „Eine neue antikapitalistische Organisation ? Na, endlich ! Aber mit welchem Programm ?“


  1. 1 Wal Buchenberg 04. Oktober 2011 um 15:58 Uhr

    Es ist eine scheinbare Nebensächlichkeit, aber wenn das Kind „na endlich“ das Licht der Welt erblicken sollte, dann hat es einen besseren Namen verdient als irgendeine „Anti-Partei“.
    Ich meine, ein Organisationsname, der ein „Anti“ enthält, geht gar nicht.

    In Frankreich hat sich ja eine neue linke Partei gegründet („Neue Antikapitalistische Partei“ http://de.wikipedia.org/wiki/Nouveau_Parti_Anticapitaliste, die irgendwie zum Vorbild der jetzigen Organisationsdebatte geworden ist. Ich denke, mit ihrem Programm können wir vielleicht in manchem konform gehen, mit ihrem Namen nicht.

    Nehmen wir mal ein paar fiktive Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum:

    Antiausländer-Partei (NPD)
    Antizensur-Partei (Piraten)
    Antisoziale Partei (FDP)
    Antifortschrittspartei (CDU)
    Antiliberale Partei (SPD)
    Wahre antiliberale Partei (Die Linke)
    AntiGammelfleisch-Partei (Grüne)

    Käme irgendeine dieser Parteien mit so einem „Anti-Namen“ über die 5-Prozent-Hürde?

    Ein Anti-Name geht gar nicht.

    Wer ein „Anti“ vor sich her trägt, signalisiert, dass er nicht über seine Gegner hinausdenkt und nicht über sie hinauskommt.
    Eine „Anti“-Partei ist der Schmerz, der untrennbar mit der Krankheit verwirkt und verwoben ist.
    Eine „Anti“-Partei ist kein Heilmittel gegen die Krankheit.

    Wie wäre es mit ein bisschen Selbstbewusstsein?

    Statt „Wir sind gegen …“ zum Beispiel: „Wir sind die anderen 90 Prozent!“ (Sprich: Die 90 Prozent Lohnabhängigen dieser Gesellschaft auf deren Rücken es sich die 10 Prozent, die im Rampenlicht stehen, gut gehen lassen.)

    Gruß Wal

  2. 2 Wal Buchenberg 05. Oktober 2011 um 8:09 Uhr

    Hallo Leute,
    hier hatte ich gestern einen Kommentar zur Namensgebung „Antikapitalistische Organisation“ gepostet, der nicht freigegeben wurde.

    War das ein Versehen oder schlechter Stil?

    Gruß Wal Buchenberg

  3. 3 DGS / TaP 05. Oktober 2011 um 14:18 Uhr

    Weder noch. Die blogsport-Software sortiert manche Kommentare in eine ‚Moderationsschleife‘ ein – diese Kommentare müssen wir dann erst manuell freischalten.

  4. 4 Richard 06. Oktober 2011 um 12:49 Uhr

    Zitat: „Natürlich weisen die AutorInnen der Sozialistischen Initiative Berlin (SIB) auch auf vorhandene Projekte wie die Partei ‚Die Linke.’ (PDL) oder die Interventionistische Linke (IL) hin. Deren Scheitern soll ausgiebig begründet werden, bevor man zu neuen Ufern aufbricht.“

    Was die (PDL) betrifft, finde ich, dass man nicht von „Scheitern“ reden kann. Schließlich gibt es diese Partei noch nicht allzu lange. Außerdem wird wohl der größte Grund beim „scheitern“ sein, dass eben nicht die gesamte Partei einen antikapitalistischen Kurs einschlagen möchte. Dafür mag es auch einige Gründe geben. Denn was nutzt einem der richtige Kurs, wenn man nicht genügend Stimmen erhält, um parlamentarischen Einfluss zu bekommen. Der Kreis innerhalb der Partei, der sich zu einem antikapitalistischen Kurs bekennt, beträgt gerade mal 2-3 Prozent. Und eine solche Randgruppe kann eben nicht die Politik der Partei bestimmen. Im Sinne der Mehrheit dieser Partei kann daher nicht von „scheitern“ geredet werden.

    Sollte diese SiB Initiative wirklich Erfolg haben, dann hilft es auch nicht andere als gescheitert zu bezeichnen. Vielmehr kann man erkennen, dass es an der politischen Alternative fehlt. Und hier kommt natürlich nicht nur inhaltlich etwas zur Sprache, sondern was kann eine parlamentarische Organisation innerhalb der Gesetzeslage überhaupt anbieten. Vielleicht stößt die PDL einfach an Mauern, die sich nicht überwinden lassen. Die Frage ist, lässt sich diese Mauer durch den Druck der Straße einreißen und was kann man dafür tun, dass es so kommt.

    @Wal Buchenberg

    Namen sind nicht wirklich entscheidend, sondern was sich dahinter verbirgt. So gesehen hast du natürlich Recht. „anti“ ist erstmal negativ besetzt, aber erst wenn der Inhalt klar ist, kann man sich einen anderen Namen geben, der aber für sich keine Bedeutung haben wird, solange der Inhalt unklar bleibt. Und der Begriff Kommunismus oder Kommunisten ist meiner Meinung nach gefährlich (im Sinne von Erfolgsversprechend), weil er suggeriert, man würde sich an bestimmte Formen der Organisation anlehnen, die zum Teil schwierig zu kommunizieren sind. Sobald der Inhalt von SiB klar wird, findet man bestimmt etwas Geeignetes.

  5. 5 Frank Braun 10. Oktober 2011 um 21:19 Uhr

    Lieber Wal Buchenberg,
    du sprichst mir quasi aus dem Herzen, wenn du bei einer Namensgebung für dieses Projekt in Form von ‚anti…‘ Unbehagen empfindest. Das ist, wie du m.E. richtig schreibst, ein Ausdruck mangelnden Selbstbewußtseins.
    Das Thema ‚Name des Projekts‘ ist also nicht ein ‚dünnes Brett‘ sondern Ausdruck von vielmehr. Das kann so wohl nicht bleiben oder wollen wir nur eine bessere, effektivere Partei ‚Die Linke.‘ ? Das aber wäre mir auch zu wenig und auch objekiv zu wenig.
    Es wird also im Verlauf des Projekts ausgangs der SIB-Initiative auch darum gehen, den Impetus des ‚Kommunistischen Manifest‘ irgendwie zeitgemäß in Begriffe zu packen – nicht weniger und nicht mehr.

    Gruß
    Frak Braun, Köln, Sozialistische Kooperation (SoKo)

  6. 6 KapitalismusReformer 23. März 2012 um 19:37 Uhr

    Fortschrittliche Kapitalisten. Kapitalismus Reformer. Reform Partei irgend sowas. Wobei der Name eigentlich zweitrangig sein müsste, es geht ja ums Programm. Aber stimmt schon, „Anti“ ist für viele ein Rotes Tuch.
    Kapitalismus reformieren

  7. 7 KapitalismusReformer 26. März 2012 um 12:05 Uhr

    Ergänzung
    Die grösste Schwäche der Antikapitalistischen Bewegungen liegt darin dass selten Lösungen präsentiert werden. Es reicht nicht nur die Fehler im System aufzudecken. Es braucht auch konkrete und Umsetzbare Lösungsvorschläge. Die fehlenden konstruktiven Elemente sind meines Erachtens der Hauptgrund warum die Antikapitalistischen Bewegungen keine wirklichen Resultate hervorbringen.

  1. 1 Veranstaltungen mit SIB-Mitgliedern « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! Pingback am 03. Oktober 2011 um 9:40 Uhr
  2. 2 Neue Texte zur Programm- und Organisierungsdebatte « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! Pingback am 07. Oktober 2011 um 12:09 Uhr
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