Wow, Bochumer Programm-Vorschlag!

Aus der auch hier schon öfter erwähnten Diskussion (1 und 2) zwischen Robert Schlosser (1, 2, 3 und 4) und Wal Buchenberg (1, 2 und 3) ergab sich unter Beteiligung weiterer GenossInnen die Entwicklung eines Programm-Entwurfes, der am Samstag (17.09.) im Marx-Forum als .html- und .pdf-Version veröffentlicht wurde.
Als Kernsatz des Programm-Vorschlages darf wohl dieser Satz, „Hier und heute sind Schritte zur Emanzipation nur dort zu erreichen, wo Alle gemeinsam und direkt planen und entscheiden.“, gelten; ansonsten fällt die Fokussierung des Vorschlages auf Klassenfragen auf: „Abschaffung der Lohnarbeit mittels Selbstverwaltung der Unternehmen durch die Werktätigen ist unser wichtigstes Ziel.“
Das Geschlechterverhältnis kommt nur in Form der Forderung, „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, vor. Der Staatsrassismus und der Rassismus auch unter weißen Lohnabhängigen werden leider gar nicht thematisiert. Und mir als RechtstheoretikerIn fällt noch auf, daß die „Freiheit der Information, der Rede, der Versammlung und der Organisation“ gefordert wird, ohne daß gesagt wird, wie bzw. ob sich diese von den im Grundgesetz ohnehin bereits erwähnten entsprechenden Freiheiten unterscheiden soll. -
Aber ein Anfang ist gemacht; und beim Marx-Forum hat sogar schon eine inhaltliche Diskussion zu dem Vorschlag begonnen: http://marx-forum.de/diskussion/forum_entry.php?id=5787 ff.
Was ich gute finde ist, daß die Mindestlohnforderung dynamisch gefaßt ist und die Abschaffung von Hartz IV nicht im Sinne einer schlichten Abschaffung, d.h.: Rückkehr zur alten Regelung (Arbeitslosengeld – Arbeitslosenhilfe – Sozialhilfe) formuliert ist:

„– Mindestlohn in Höhe von 50% des Durchschnittslohns (derzeit 21,42 Euro); […]
- Abschaffung der Hartz-Gesetze. Arbeitslosengeld für die Dauer der Arbeitslosigkeit;“

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22 Antworten auf „Wow, Bochumer Programm-Vorschlag!“


  1. 1 Michael Schilwa 20. September 2011 um 15:57 Uhr

    Ich finde Georgias Reaktion auf das „Bochumer Programm“ etwas zu euphorisch.
    „Wow“ war jedenfalls nicht das, was mir nach der Lektüre als erstes in den Sinn kam.
    Aber das überhaupt über „Programmfragen“ diskutiert wird ist ja schon mal ein begrüßenswerter Fortschritt.

    Einige der Forderungen scheinen mit sehr heißer Nadel gestrickt.

    Ein generelles Verbot von Nacht / Schichtarbeit z.B. wird nicht mal im Kommunismus funktionieren (Krankenhäuser, Feuerwehr, ÖPNV / Taxigewerbe usw.) – aber über diesen Punkt wird auch im „Marx-Forum“ selbst schon heftig gestritten.

    Dass die Bochumer nicht darauf eingehen, ob und wenn ja wie und von wem ein kommunalisiertes und demokratisiertes Energie-/Lebensmittelversorgungs-, Transport- und Bildungswesen überregional koordiniert werden soll, hat Georgia schon zu Recht kritisiert.

    „Volle Selbstverwaltung der Sozialversicherungen durch die Versicherten“ – o.k.
    Aber unter Beibehaltung der privaten Kranken- und Rentenversicherung ?

    Dezentrale und demokratische Organisierung und Entscheidung wird sich ohne Konflikt mit Staat und Kapital nicht verwirklichen lassen.
    Andererseits soll mensch nicht den Apfelbaum dafür kritisieren, dass er kein Birnbaum ist.
    Das „Bochumer Programm“ will gar kein Grundsatzprogramm sein und also sollten wir es auch nicht als solches kritisieren.
    Es handelt sich aus meiner Sicht um einen Mix aus Aktions- und Übergangsprogramm.
    Bei letzterem kommt mensch nicht an der guten alten „Systemfrage“ vorbei.
    Dass die Bochumer diese auszuklammern versuchen, zeigt sich an den oben angesprochenen Ungereimtheiten.

    Michael Schilwa 20.9.11

  2. 2 Wal Buchenberg 20. September 2011 um 16:58 Uhr

    Hallo Michael,
    nur kurz zu deinen Einwänden:
    a) dass ein generelles Verbot der Nacht- und Schichtarbeit nicht funktioniert, das ist uns allen klar. Die Frage ist, wie und ob man im Vorhinein schon alle möglichen Ausnahmen benennen kann. Darüber ist die Diskussion noch nicht abgeschlossen.

    b) dass unser Vorschlag einer weitgehenden Kommunalisierung und Demokratisierung öffentlicher Bereiche von dir mit dem Hinweis auf notwendige Zentralisierung gekontert wird, finde ich an den Problemen, die uns drücken, vorbeigedacht.

    c) Krankenkasse und Rentenversicherung sind selbstverständlich ebenso Teil der Sozialversicherungen wie die Unfall- und Pflegeversicherung. Da hätte ein Blick in Wikipedia genügt.

    d) Die „Systemfrage“ ist im Bochumer Programm keineswegs ausgeklammert, wie du meinst. Sie ist als quasi „private“ Zielvorstellung der Programm-Macher formuliert: „Abschaffung der Lohnarbeit mittels Selbstverwaltung der Unternehmen durch die Werktätigen ist unser wichtigstes Ziel“. Dieses Ziel muss aber nicht von jedem geteilt werden, der sich dieses Aktionsprogramm und die (Übergangs)Forderungen zu eigen macht.

    Gruß von Wal Buchenberg

  3. 3 Robert Schlosser 22. September 2011 um 17:50 Uhr

    Hallo Michael,
    selbstverständlich steht es jedem frei unseren Vorschlag für ein „revolutionäres Minimalprogramm“ anders zu verstehen, etwa als Mix aus Aktions- und Übergangsprogramm. Ich möchte jedoch kurz auf folgendes hinweisen:
    1. Jedes Programm, dass auf Gesellschaftsveränderung abzielt und nur von wenigen Menschen unterstützt wird, kann nur als Vorschlag und Absichtserklärung verstanden werden (was man als Forderung durchsetzen möchte oder als Ziel selbst realisieren will).
    2. Jedes Programm erfordert zu seiner erfolgreichen Umsetzung die „Aktion“. Dies gilt nicht nur für Programme, die durch das Wort Aktion verlängert werden.
    3. Ob die Durchsetzung eines Programms zu einem Übergang in eine andere Gesellschaftsordnung führt, hängt weniger von den Inhalten des Programms als von der Dynamik der Auseinandersetzungen und letztlich davon ab, ob die Mehrheit der kämpfenden Menschen eine andere Gesellschaftsordnung bewusst angestrebt.

    Es gibt ja heute allerhand „Aktionsprogramme“ von Organisationen, denen hauptsächlich eins gemeinsam ist: dass eigentlich niemand dafür in Aktion tritt. Diese Aktionsprogramm gleichen nicht selten eher langen Wunschzetteln, die nichts auslassen wollen. Ihr größter Wunsch ist aber die Überschrift selbst, dass doch bitte Aktion stattfinden solle.

    Irgendein Programm dadurch von anderen Programmen unterscheiden zu wollen, dass man es „Aktionsprogramm“ nennt, davon halte ich aus erwähnten Gründen gar nichts.
    Ich jedenfalls lege Wert, darauf, dass der Vorschlag für ein „revolutionäres Minimalprogramm“ eben ein Vorschlag ist für das, was der von uns gewählte Name aussagt. Nicht mehr und auch nicht weniger.

    Grüße von Robert Schlosser

    p.s. Zum Thema Nacht- und Schichtarbeit verweise ich noch auf die überarbeitete Fassung unseres Textes.

  4. 4 Richard 23. September 2011 um 3:22 Uhr

    Also ich freue mich erstmal, dass es Leute in Westdeztschland giebt, die hier kommunizieren.

    Süde und Nord Deutschland fehlen noch.

    Zu dnm Papier: Da gibts es noch viel diskussionsbedarf. Darf ich mal paar wörter sagen, Beamtentum abschafffen, keine Unternehmen mehr das sind verfassungsfragen. Die erstmal ganz weit weg gehören.

    Aber wie gesagt, deutschland weite diskussion ist willkommen. deshalb doch Wow.

  5. 5 Wal Buchenberg 23. September 2011 um 10:37 Uhr

    Niemand von uns ist Verfassungsrechtler. Ob die Abschaffung des Beamtentums oder die Übernahme der Unternehmen durch die Belegschaften in die bestehende Verfassung passt oder nicht, das können und müssen wir nicht beurteilen.
    Unser Gesichtspunkt bei der Formulierung des Bochumer Programms ist: Wo drückt die große Mehrheit der Menschen der Schuh? Wie müssen neue Schuhe aussehen, damit die große Mehrheit der Menschen damit vorankommt? Unser Gesichtspunkt war nicht: Passen die neue Schuhe zur alten Verfassung?

    Wer einen Konflikt sieht zwischen der alten Verfassung und neuen Schuhen für Millionen Menschen, soll die alte Verfassung den neuen Schuhen anpassen, nicht umgekehrt.

    Gruß Wal Buchenberg

  6. 6 regelmässiger leser 23. September 2011 um 11:44 Uhr

    Nur mal so ein kleines Feedback an die DiskutantInnEn:

    es gibt so einige LeserInnen die sich nicht an der Debatte beteiligen aber diese dennoch interessiert verfolgen.

    Ich und ein paar andere sind sehr gespannt wie sich das in Zukunft noch entwickelt. Fakt ist: es gibt die dringende Notwendigkeit einer neuen Organisierung!

    Auf weiterhin produktive Entwicklungen in dieser längst überfälligen Debatte.

    PS: vielleicht sollte noch gezielt „Werbung“ bzw. Anzeigen in linken/autonomen/anarchistischen Zeitschriften geschaltet werden um auf die Debatte hinzuweisen und somit die Leserschaft zu erweitern. Ich denke auch gerade in autonomen Zusammenhängen ist hiervon noch relativ wenig bekannt.

  7. 7 Michael Schilwa 27. September 2011 um 18:00 Uhr

    Hallo Robert, Hallo Bochum

    ich komme leider erst jetzt dazu, auf deinen Beitrag zu antworten.

    Mit deinen drei Punkten am Anfang bin ich völlig einverstanden – sie gelten für jede Art von Programm.
    Meine Charakterisierung „Mix aus Aktions- und Übergangsprogramm“ war keineswegs kritisch oder gar abwertend gemeint – im Gegenteil.
    Ich wollte nur nicht Dinge kritisieren (etwa: „zu wenig für ein Grundsatzprogramm“), die gar nicht von Euch intendiert waren.

    Wir brauchen natürlich alles und am Besten schnell und gleichzeitig:

    * „Minimal“Forderungen /ein „Aktions“programm, anknüpfend an den konkreten Interessen und Kämpfen der Lohnabhängigen

    * „Übergangs“Forderungen, die von dort sozusagen eine Brücke schlagen zu Macht- und Systemfragen

    * „grundsätzliche“ programmatische und strategische Debatten (Verhältnis von Sozialismus und Demokratie, Linke(?) Wachstumskritik, Bewertung und Relation von Klassen- und Geschlechterverhältnissen etc., pp.)

    * Aber natürlich auch eine Diskussion darüber, in welchem organisatorischen Rahmen wir das so vorantreiben können, dass diese Forderungen eben nicht „lange Wunschzettel“ bleiben, sondern auch tatsächlich mal in’s Leben treten.

    Ohne ein Erwachen des „schlafenden Riesen“ ArbeiterInnenklasse wird das natürlich nicht funktionieren, aber bis dahin nur zu studieren, zu privatisieren oder den eigenen kleinen Zirkel zu pflegen, halte ich auch für keinen guten Plan.

    In der Hoffnung, dass wir zu all diesen Fragen im Austausch bleiben,
    mit solidarischen Grüssen Michael Schilwa

  8. 8 Wolfgang Waldner 28. September 2011 um 11:04 Uhr

    Ihr solltet Euer Programm unbedingt um einen wichtigen Punkt ergänzen, der allerdings eine wesentliche Abwendung von marxistischen Vorstellungen in die Richtung des Keynesianismus beinhaltet.

    Die Kapitalisten konnten nur deshalb so erfolgreich die Arbeiter durch Massenarbeitslosigkeit unter Druck setzen, weil die Marxisten jede Wirtschaftskrise als „unvermeidbare Krise des Kapitalismus“ geradezu bejubelt haben, statt die restriktive Geldpolitik zu bekämpfen, mit der die Krisen (nach Keynes etc.) absichtlich verursacht werden (zum Zweck der Deflation der Löhne und Preise).

    Ihr solltet Euch also in einer „Übergangsforderung“ gegen die absichtliche Verursachung von Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit durch das Kapital und seine Notenbanken und Regierungen erklären, mit der (siehe Naomi Klein) das Kapital seine „Schock-Therapien“ mit Lohn- und Sozialabbau in der Vergangenheit immer wieder durchsetzen konnte.

    Andernfalls habt Ihr nämlich keine Argumente gegen die TINA-Politik des Kapitals und seiner Interessenvertreter.

  9. 9 Wat. 29. September 2011 um 11:37 Uhr

    @Wolfgang Waldner (Keynesianer)

    sei gegrüßt.

    Das ist ein Programm-Vorschlag, den kann mE jeder nehmen und davor, dahinter und dazwischen schreiben, was er (noch) für wichtig hält.
    Und wenn Du einen Punkt davon rauslassen möchtest, weil Du damit nicht konform gehen kannst, dann tue auch das.

    Ich für meinen Teil (für andere konnte ich noch nie sprechen und werde das auch nicht tun) hätte da das allerwichtigste Argument:

    Ich möchte von keiner Minderheit mehr ‚verwaltet, geleitet, verplant‘ werden, dabei ist mir egal welche. Keine heißt: Keine.

    Wenn Du (wieder) meinst, der Schritt ist zu groß, mach kleinere Schritte – ich lauf auch diese mit Dir mit – um irgendwann ‚anzukommen‘. ;-)

    Liebe Grüße – Wat.

  10. 10 Richard 01. Oktober 2011 um 12:47 Uhr

    Hallo,

    habe leider einige wenige ermutigende Diskussionen geführt, um weitere Gruppen hier aktiv einzuführen. Vielleicht kann einer von euch mir irgendwie Argumente geben oder mich wieder etwas aufbauen.

    Anhören musste ich mir: „Klarheit vor Einheit“
    Anhören musste ich mir: „Wir wollen eine Kaderorganisation“

    Diese Gruppe will sich noch nicht mal an der Diskussion beteiligen, obwohl sie sich sozialistisch und revolutionär bezeichnet. (Natürlich waren die Leute noch relativ jung.) Mir fehlen da dann einfach alle Argumente und ich frage mich, wie man mit solchen Gruppen auf der Straße eine Einheit bilden kann, wenn diese Gruppen sich der Diskussion verweigert.

    Weiter habe ich mit Leuten gesprochen, die sich nach den lateinamerikischen bzw. mexikanischen linken Strömungen definieren. Die halten nun wiederum „die völlige Abwendung/Aberkennung vom Eigentum“ (vor allem die indigenen Gruppen) als falsch. Denn sie beanspruchen quasi ihr Land und ihr Haus, das diese Familien ernährt. Und weil diese Aberkennung des Eigentums falsch sein soll, können auch diese sich nicht einreihen.

    Da frage ich mich natürlich, ob diese Gruppen überhaupt gewillt sind, die momentane Lage zu verändern, oder ob sie nur so tun, als wollten sie das. Sie brüsten sich für einige Jahre als politische Gefangene im Knast gewesen zu sein oder wollen dort wohl hin, aber wirklich solidarisch und demokratisch innerhalb der linken Strömungen wollen sie nicht sein.

    Also ich würde mich freuen, wenn die Leute, die dieser Initiative offen gegenüber sind, sich von solchen Gruppen nicht abhalten lassen. Sondern im Gegenteil, dass wir uns diesem Gegenwind aus den eigenen Reihen ohne Scheu und Angst entgegenstellen. Es war und ist wohl jedem klar, dass dieser Versuch nicht mal so eben zum Erfolg führt. Und wir sollten uns daher nicht abhalten lassen, eine antikapitalistische Organisation aufzubauen.

    Aber wer sich nicht an der Diskussion beteiligen will, und dadurch quasi antisolidarisch auftritt, der kann sich auch nicht hinstellen und behaupten, er würde versuchen den Kapitalismus zu überwinden. Das sollten wird diesen Gruppen klar sagen, meine Meinung.

    MsG
    Richard

  11. 11 Wat. 01. Oktober 2011 um 14:03 Uhr

    Hallo Richard

    „Vielleicht kann einer von euch mir irgendwie Argumente geben oder mich wieder etwas aufbauen.

    Anhören musste ich mir: „Klarheit vor Einheit“
    Anhören musste ich mir: „Wir wollen eine Kaderorganisation““

    Ich habe mir etwas zu Maxime gemacht – nicht unbedingt zu missionieren, nein, da erntete ich zumeist eine Denkblockade-Haltung.
    Irgendwie ist mir das im Nachhinein auch verständlich.
    Es wirft doch jemand seine aus seinem bisherigen Wissen und Erfahrung gewonnenen Erkenntnisse nicht mal eben über Board, weil da ein anderer ein andere Meinung agitiert.

    Mein Vorschlag: Versuchs mal damit, diesen Menschen Fragen zu stellen.

    Was sie daran hindert, dieses oder jenes zu tun und es vor allem mit anderen zu tun, die ‚wenigstens‘ in einigen Punkten gleicher oder ähnlicher Ansicht sind.
    Natürlich nicht so abstrakt; an konkreten Beispielen.

    Trotzdem – machs nicht auf Biegen und Brechen.

    Die Bereitschaft für anderes, neues kann nur von den Menschen selbst kommen. Die kannst Du nicht implementieren.

    Und mal so unter uns beiden: Kaderpartei ist aus meiner Sicht nämlich ziemlich dreist, hieße es doch, alle anderen sind, weil sie dumme Kinder sind, auch so zu behandeln.
    Woraus schließen diese Menschen, daß sie das eine und die anderen das andere sind^^.

    Ich bin im Osten groß geworden, erst als Arbeiter, dann als Kader. Dh. ab einem bestimmten Punkt sah ich mich durch diese Umstände genötigt, denen, die mich durch ihre (produktive) Arbeit ernährten, sagen zu müssen, wie sie richtig arbeiten sollen.
    Hallo, gehts noch?

    Darf ich Dich bitten einmal ins „Marx-Forum“ zu gehen und Dir die verschiedenen Threads durchzulesen, die wir für unser Programm in der Formulierung insgesamt gebraucht haben – Vielleicht findest Du dort auch das eine oder andere Argument für Dich selbst, was Dich eigene Fragen beantworten läßt und davon ausgehend, dann Fragen an andere formulieren.

    Kopf hoch, den haben wir nicht umsonst ‚oben‘.

    Liebe Grüße – Wat.

  12. 12 DGS / TaP 09. Oktober 2011 um 18:45 Uhr

    @ Richard:

    „habe leider einige wenige ermutigende Diskussionen geführt, […].
    Anhören musste ich mir: ‚Klarheit vor Einheit‘
    Anhören musste ich mir: ‚Wir wollen eine Kaderorganisation‘“

    1.

    „Kaderorganisation“ ist meiner Meinung nach kein inhaltlicher Streitpunkt, sondern allenfalls eine Sprachstil-Frage. Auch in dem „Na endlich“-Papier stand schon:

    „Das neue Projekt sollte keine Mitgliederpartei, kein Verein von „Karteileichen“ sein, sondern eine Organisation von Aktivisten. Zweitens ist es u. E. nicht zielführend jeden sofort aufzunehmen, der den Kapitalismus irgendwie doof findet oder was gegen Sparpolitik hat.“

    Haben denn die GenossInnen weitere Kriterien genannt, damit es sich deren Erachtens um eine „Kader-“ und nicht um eine „Massenorganisation“ handelt?

    2.

    Und: „Klarheit vor Einheit“ – ja, deshalb machen wir ja nicht bei der Linkspartei mit, wollen auch nicht nur bei irgendwelchen Bewegungen profillos – oder allein über kulturelle oder steinerne Symbole profiliert – mitschwimmen, sondern eine revolutionäre Organisation aufbauen.
    Um uns heute an diese Arbeit zu machen, müssen wir allerdings nicht bereits auf jede Frage, die sich aus der vergangenen und zukünftigen Geschichte ergibt, eine gemeinsame Antwort haben.
    Zu welchen Punkten ist den GenossInnen denn Klarheit besonders wichtig?

    „Diese Gruppe will sich noch nicht mal an der Diskussion beteiligen, obwohl sie sich sozialistisch und revolutionär bezeichnet.“

    Falls sie sich nur nicht öffentlich vorwagen wollen sollten: Wir ständen auch per mail oder für nicht-öffentliche Treffen zur Verfügung, wenn es darum geht, etwaige Anfangs-Vorbehalte und eventuelle Mißverständnisse auszuräumen, Fragen zu beantworten oder Vorschläge entgegenzunehmen.

    „Weiter habe ich mit Leuten gesprochen, die sich nach den lateinamerikischen bzw. mexikanischen linken Strömungen definieren. Die halten nun wiederum ‚die völlige Abwendung/Aberkennung vom Eigentum‘ (vor allem die indigenen Gruppen) als falsch.“

    Es sagt ja auch niemandE, daß alle Eigentumsformen auf einen Schlag abgeschafft werden sollen; aber eines sollte schon klar sein: Es geht um einen Prozeß, der einen revolutionären Bruch beinhaltet, nicht um bruchlosen, graduellen Übergang.
    Dies ist vielleicht eher ein Punkt, an dem es schwierig ist, mit autonom-zapatistischen Linken zu einer Einigung zu kommen.

    „Sie brüsten sich für einige Jahre als politische Gefangene im Knast gewesen zu sein oder wollen dort wohl hin, aber wirklich solidarisch und demokratisch innerhalb der linken Strömungen wollen sie nicht sein.“

    Ich denke, es ist klar: Keiner und keine schließt sich mal einfach so einem neuen Projekt an – und zumal GenossInnen, die z.B. als ehemalige Gefangene oder als FunktionärInnen bereits existierender Organisationen einen gewissen Namen haben, oder mehr oder minder traumatisch gescheiterte Projekte hinter sich haben oder gerade an einem eigenen neuen Projekt arbeiten, werden doppelt vorsichtig sein, sich Hals über Kopf in ein neues Projekt zu stürzen, nur weil ein paar Leute in Berlin, Köln und Bochum ein paar Papiere geschrieben haben.

    Trotzdem wäre natürlich sehr gut, wenn sich die GenossInnen zumindest für Gespräche gewinnen lassen, in denen Vorbehalte und Möglichkeiten ausgelotet werden können.
    Wir sind allerdings ein bißchen überfordert, kurzfristig alle anzuschreiben, mit denen wir gerne reden würden. Aber wir freuen uns, wenn wir eingeladen werden oder GenossInnen Gesprächskontakte vermitteln.

  13. 13 Richard 09. Oktober 2011 um 20:07 Uhr

    Hallo,

    werde dies mal weitergeben. Vielleicht ist ein direkter Kontakt zu euch wirklich besser.

    MsG
    Richard

  14. 14 Entdinglichung 10. Oktober 2011 um 11:43 Uhr

    was mir (neben den von DSG angemerkten Leerstellen) im Programmentwurf fehlt bzw. was mir noch einfällt:

    * der Bereich ökologie/Umwelt/Naturverhältnis ist zwar im Punkt der Kommunalisierung schon angerissen, kommunale AKWs and andere Dreckschleudern unter proletarischer Kontrolle sind aber nicht wirklich besser

    * Festbeträge für Mindestlöhne können in Inflationszeiten problematisch werden, Kombinierung mit „gleitender Lohnskala“, Preiskontrolle?

    * Schuldenerlass?

  15. 15 Wat. 12. Oktober 2011 um 12:13 Uhr

    @Entdinglichung

    „* der Bereich ökologie/Umwelt/Naturverhältnis ist zwar im Punkt der Kommunalisierung schon angerissen, kommunale AKWs and andere Dreckschleudern unter proletarischer Kontrolle sind aber nicht wirklich besser“

    Es geht ja nun gerade darum, nicht nur das Kontroll-Personal auszutauschen.

    Wenn sie selbst meinen, daß das Dreckzeug und Dreckschleudern sind, werden sie den Gebrauch ändern oder gar beenden.

    Aber eben nicht, weil irgendwer anders meint, daß sie das abschaffen müssen; weil sie selbst ihr Leben und ihre Gesundheit und die ihrer Kinder schützen wollen.

    Da bin ich guter Dinge… an dem Ort leben ja nicht nur die MA der AKWs und anderer Dreckschleudern.

    „* Festbeträge für Mindestlöhne können in Inflationszeiten problematisch werden, Kombinierung mit „gleitender Lohnskala“, Preiskontrolle?“

    Der Mindestlohn ist von uns extra dynamisch gefaßt.

    Um höchstmögliche Löhne mußt Du immer kämpfen, aber wenn Du das tust und immer wieder erreichst, hast Du da Deine ‚gleitende‘ Lohnskala.

    Ein vorher festgelegtes Rund-um-Sorglos-Paket gibt es nicht. Du muß ständig für das eintreten, was Dir das Leben Leben sein und werden läßt.

    Du kannst keine Preise kontrollieren, aber Du kannst mit anderen dafür sorge tragen, daß Du die anfallenden Preise zahlen kannst.

    „* Schuldenerlass?“

    ?

  16. 16 Entdinglichung 12. Oktober 2011 um 12:36 Uhr

    Schuldenerlass: Entschuldung von Privathaushalten wie auch Verzicht der BRD auf die ihr zustehenden Schulden weltweit

  17. 17 Richard 12. Oktober 2011 um 13:00 Uhr

    Schuldenerlass von Privathaushalten? Nur wenn es eine allgemeine Bondenreform gibt und jeder Mieter zum Eigentümer wird.

    Sollen etwa die Häuserbesitzer oder Unternehmen jetzt dafür belohnt werden, dass Sie sich verschuldet haben, ohne wirklich das Risiko selber zu tragen. All die Folgekosten, werden doch schon lange umgeschlagen auf alle.

    Das ganze Problem: Lohn, Banken, Profit hängt zusammen. Sobald einige denken, irgendwie hole ich für mich mehr raus, als der Rest bekommt, entsteht Streit, Neid, Missgunst und all die Folgekosten in der Gesellschaft, also das Gegeneinander.

    Ich würde sofort auf die Barrikaden gehen, wenn hier irgendwer seine Schulden erlassen bekommt, während ich, der brav nur das ausgegeben hat, was er hat, wieder der dumme bin. Wenn ein Schuldenerlass für Private, dann auch eine vollständige Enteignung! Genauso die Staaten, welcher Staat nicht mehr zahlen kann, der muss sämtliches Eigentum dem Staat übergeben, also keine Privatbesitz mehr. Nur dann kann von Schuldenerlass gesprochen werden.

    Alles andere würde nur dazu führen, dass diejenigen, die Schulden machen konnten und können, auch noch dafür belohnt werden, dass sie den Mitmenschen alles ungefragt wegnehmen.

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