Neues und altes zum Verhältnis von Feminismus und Marxismus:

Robert Schlosser schreibt in seinem neuen, vergangenes Wochenende bei „trend. onlinezeitung“ erschienenen Papier „Sortieren oder diskutieren?“ (s. dazu auch den hiesigen Beitrag von Frank Braun: „Geduldig zuhören“):

„Es geht gerade nicht darum, ‚Kapitalismus- und Patriarchatskritik wieder zusammen zu bringen', sondern sie deutlich zu unterscheiden!!! Nur so kann deutlich werden, dass die Herrschaft des Mannes über die Frau nicht durch Klassenkampf zwischen Lohnarbeit und Kapital aufzuheben ist. Die Autonomie der Frauenbewegung muss anerkannt, durchgesetzt und gewahrt bleiben, auch mit eigenen Zielen und Programm!“

Ich setze in meinem blog Theorie als Praxis die Doku-Serie „Als es noch einen revolutionären Feminismus gab…“ fort – diesmal mit einem Papier Schweizer Feministinnen von 1990 (und einer Antwort von Frauen aus der radikal):

„Um mit einem bekannten, wenn auch patriarchal motivierten Bild zu sprechen: Es ist realistisch, ein Ei an die Sonne zu legen und zu sagen: Es wird möglicherweise lange dauern, aber schlußendlich kann ein Küken ausschlüpfen. (Echt? die verblüffte S’in. Mao lesen [Ausgewählte Werke, Bd. I, 369], sagen die Hg.). Eine revolutionäre Politik wird nicht dadurch falsch, daß es lange dauert. Die Eroberung der proletarischen Macht als Weg zur Befreiung der Frau zu propagieren bedeutet einen Stein an die Sonne zu legen und das Ausschlüpfen eines Kükens anzukündigen. Revolutionärer Feminismus setzt die Eroberung der feministischen Macht als Ziel. Das kann zwar auch lange dauern – aber immerhin ist es ein Ei und nicht Stein in der Sonne.“

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14 Antworten auf „Neues und altes zum Verhältnis von Feminismus und Marxismus:“


  1. 1 systemcrash 21. August 2011 um 19:15 Uhr

    zum verhältnis von kapitalismuskritik und frauenfrage
    ---------------------------------------------------------------

    ich beginne mit einem geständnis. ich halte diese frage in der gegenwärtigen politischen lage nicht für einen zentralen ansatzpunkt in der umgruppierung der radikalen linken. da aber dieses thema offensichtlich die initiatoren der „neuen antikapitalistischen organisation“ heftig umtreibt (übrigens alles männer ;) werde ich mich mal (notgedrungen ;) äussern ;)

    richtig ist es auf alle fälle, dass man es nicht erwarten kann, dass patriarchale strukturen allein dadurch verschwinden, dass „proletarische machtergreifungen“ stattfinden. dazu sind patriarchale strukturen zu sehr in fleisch und blut übergegangen. auch ist es richtig, aus dieser tatsache eine (relative) automie von politischen frauenstrukturen abzuleiten. wo es aber wirklich falsch wird, ist, wenn man glaubt, dass es erforderlich ist, neben der marxistischen kritik eine „feministische“ entwickeln zu müssen. denn die frauenfrage steht nicht „quer“ zur klassenfrage, sondern ist im gegenteil ein integraler bestandteil einer emanzipatoren praxis, die allein auf der klassenanalyse basiert sein kann. wenn man jeden weiteren sozialen widerspruch (geschlecht, nation, hautfarbe, alter, sexuelle orientierung… ad infinitum) als eigenständigen bereich revolutionärer politik definiert, führt das nur zu eins: die zersplitterung der revolutionären kräfte ist vorprogrammiert.

    sicher hatte historisch die entstehung der feminismen eine berechtigung auch aus dem versagen der linken und arbeiterbewegung, aber von ihrem ganzen charakter her, sind die feminismen kleinbürgerliche bestrebungen, die zwar das berechtigte anliegen von „fraueninteressen“ vertreten, aber ohne den revolutionären ausweg aus der bürgerlichen gesellschaft vertreten zu können, da dieser notwendig nur über proletarischen klassenkampf hergestellt werden kann.

    wenn die initiatoren der NAO meinen, den marxismus mit feminismus, ökosozialismus und postmodernismus bereichern zu müssen, dann können sie ihre bemühungen gleich einstellen. dieses konzept wird schon vertreten von den myriaden pseudotrotzkistischer sekten, die seit 40 jahren bestenfalls auf der stelle treten (in wirklichkeit ihren politischen bankrott schon längst offenbart haben)

    ich teile das anliegen der (notwendigen) umgruppierung der radikalen linken. wenn dies aber die programmatische grundlage der NAO ist, ist dies nicht „mein“ projekt

  2. 2 Frage 21. August 2011 um 19:54 Uhr

    Was hat NATO mit Antikapaitalismuns zu tun? Nichts!

    Also warum sollte nur irgendein Antikpatilalist irgendentwas mit der NATO zu tun haben. Ich sehe das ist doch eine logische Trennung.

    Denn erst der das Kapital erzeugt die Kriege!

  3. 3 systemcrash 22. August 2011 um 9:29 Uhr

    NATO = north atlantic treaty organization

    NAO = neue antikaptiatalistische organisation

    aber du hast insofern recht, als die trennung von der NAO irgendwann „logisch“ werden könnte ;)

  4. 4 DGS / TaP 22. August 2011 um 10:07 Uhr

    @ systemcrash:

    1.

    „die initiatoren der „neuen antikapitalistischen organisation“ heftig umtreibt (übrigens alles männer ;)

    Ganz so schrechklich ist es nicht und war es auch im Falle des AutorInnenkreises des „Na endlich“-Papieres vom März nicht. -
    Aber, ja: Sowohl an der SIB als auch an der Organisierungs- und Programmdebatte im allgemeinen sind bei weitem nicht soviel FrauenLeseben beteiligt, wie es ihrem Bevölkerungsanteil oder auch nur ihrem Anteil an den Erwerbstätigen entspräche.

    Ich sehe nicht, wie auf dieser Grundlage heute (heute, wo auch Frauen nicht mehr auf Kinder, Küche, Kirche bzw. kommunistische Sozialarbeit reduziert sind, sondern auch in der politischen und theoretischen Praxis aktiv sind, wenn auch kaum in marxistischen Strukturen, noch weniger als früher) eine gesamtgesellschaftlich relevante revolutionäre Praxis entfaltet werden soll.

    Und die Zeit, in der eine Arbeitsteilung nach dem Motto, „Die Männer sind für die Allgemeinpolitik, die Frauen für den Frauenkram zuständig“, funktionierte, sind auch definitiv vorbei.

    Revolutionäre Theorie und darauf aufbauende Politik setzt allerspätestens heute voraus, daß zum einen das Geschlechterverhältnis ein zentrales Thema für die – etwaig zu gründende – Gesamtorganisation ist (und nicht die Spielwiese für die dort organisierten Frauen), und zum anderen, daß der Wechselwirkung zwischen dem Geschlechterverhältnis und den anderen gesellschaftlichen Strukturen Rechnung getragen wird.

    2.

    „denn die frauenfrage steht nicht ‚quer‘ zur klassenfrage,“

    Doch, Frauen in jeder Klasse werden von Männern aus jeder Klasse vergewaltigt, geschlagen usw. Bourgeoisie-Frauen mögen Haus- und Erziehungsarbeit an Personal delegieren können; aber in der Erwerbsarbeit sind wiederum alle Frauen den gleichen patriarchalen Strukturen unterworfen (Häufung von Frauen auf den unteren Qualifikations-, Lohn- etc. -Stufen; sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz).

    3.

    „sondern ist im gegenteil ein integraler bestandteil einer emanzipatoren praxis, die allein auf der klassenanalyse basiert sein kann.“

    Wo/Wie ist denn dieser marxistische Anspruch auf umfassende Zuständigkeit für „emanzipatorische praxis“ theoretisch und politisch eingelöst?!

    „wenn man jeden weiteren sozialen widerspruch (geschlecht, nation, hautfarbe, alter, sexuelle orientierung… ad infinitum) als eigenständigen bereich revolutionärer politik definiert, führt das nur zu eins: die zersplitterung der revolutionären kräfte ist vorprogrammiert.“

    Einheitspostulate, die den Widersprüchen in der Wirklichkeit nicht Rechnung tragen, werden nicht funktionieren – es sei, denn sie würden repressiv durchgesetzt. – Dazu noch mal ein Zitat aus dem Schweizer Papier:

    „Vor der Revolution der Nationalen Befreiung von 1979 in Nicaragua war die Frauenorganisation AMPRONAC formell autonom, theoretisierte ihre Autonomie aber nicht als politische Notwendigkeit. Während der Revolution unterstellte sie sich im Glauben an ein geschlechtsneutrales ‚Allgemeininteresse‘ der Führung der Frente Sandinista. Sie organisierte die Massenbasis der Revolution, garantierte Versorgung, Unterschlupf, Meldedienste, Pflege der Verwundeten und ähnliches. Ein Teil der Frauen kämpfte bewaffnet in der geschlechtlich-gemischten Guerilla. Als dann nach der Revolution die Frauen vom Waffendienst in den sandinistischen Streitkräften ausgeschlossen wurden, protestierten Guerillas gegen die Verweigerung des elementaren Rechts, bewaffnet für die Befreiung zu kämpfen.
    Der Frente hatte unter dem Deckmantel eines dringlichen und angeblich geschlechtsneutralen ‚Allgemeininteresses‘ die Männermacht stabilisiert. Das weitere ergab sich dann von selbst. Der Frente stoppte die Land- und Betriebsbesetzungen und garantiere das kapitalistische Eigentum an den Produktionsmitteln. Mit der Agrarreform – Kernstück der Revolution – schaffte er eine neue Zwischenklasse von Landeigentümern und Familienoberhäuptern. Ganz folgerichtig gingen 92% der Landtitel der Agrarreform an Männer, 8% an die Frauen. Ebenso folgerichtig konnte das sandinistische Alimentengesetz die Schwängerer nicht zu Versorgungsleistungen an kleine Kinder zwingen, garantierte ihnen aber den Zugriff auf eheliche und uneheliche Kinder im arbeitsfähigen Alter (mehrwertproduzierende Arbeitskräfte!). Ebenso folgerichtig war die Opposition gegen die Lockerung des somozistischen Abtreibungsgesetzes, das dem Schwängerer ein Veto-Recht erteilt, auch in den sandinistischen Reihen enorm.
    Die wichtigsten ausbeutbaren Arbeitskräfte der sandinistischen Agrarreform blieben die Frauen: ohne Eigentum an Produktionsmitteln und ausgeschlossen von der Mitgliedschaft aus den Kooperativen. Frauen hatten weiterhin 18 Stunden pro Tag zu arbeiten, Männer neun. Illegale Abtreibung war weiterhin die häufigste Todesursache von Frauen im gebährfähigen Alter. Die frisch bestätigten Familienoberhäupter beanspruchten gegen alle aufklärerische Propaganda ihr Eigentumsrecht, ‚ihre‘ Frauen zu schlagen und zu vergewaltigen.“

    4.

    „sicher hatte historisch die entstehung der feminismen eine berechtigung auch aus dem versagen der linken und arbeiterbewegung, aber von ihrem ganzen charakter her, sind die feminismen kleinbürgerliche bestrebungen, die zwar das berechtigte anliegen von ‚fraueninteressen‘ vertreten, aber ohne den revolutionären ausweg aus der bürgerlichen gesellschaft vertreten zu können, da dieser notwendig nur über proletarischen klassenkampf hergestellt werden kann.“

    Genau das ist doch das Problem: Im ersten Schritt wird von vielen Marxisten und auch einigen Marxistinnen für den Marxismus Allgemeinzuständigkeit für jede „emanzipatorische Praxis“ beansprucht – und im zweiten Schritt aber nur die Überwindung der „bürgerlichen gesellschaft“ und folglich der „proletarische klassenkampf“ als wirklich emanzipatorisch anerkannt.

    Siehe zur Kritik an der Ablehnung eines „Rechts“ auf sog. „Selbstbestimmung eines antipatriarchalen Kampfpols“ auch:
    http://theoriealspraxis.blogsport.de/images/ProKo_zu_Komm_Pat.pdf (bes. S. 1 unten / 2 oben, 16 unten, 17, 18 letzter Absatz im Haupttext).

  5. 5 systemcrash 22. August 2011 um 10:23 Uhr

    der sandinismus ist ein ganz schlechts besispiel, der ist eben KEINE revolutionär-marxistische bewegung.

    trotzdem stimme ich dir soweit zu, dass „frauenemanzipation“ nicht allen über „arbeiterkämpfe“ (das binnen I macht die sache nicht besser) erfolgen kann. die frauenunterdrückung basiert nicht nur auf ökonomischen faktoren, sondern auch auf kulturellen und psychologischen. daher bin auch ich für „autonome frauenstrukturen“, die aber in ein konzept eingebettet sind, über die überwindung der klassenverhältnisse „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“

  6. 6 DGS / TaP 22. August 2011 um 10:39 Uhr

    Ohne der damit aufgeworfenen Frage nach dem marxistischen oder nicht-marxistischen Charakter des theoretischen Humanismus des jungen Marx an dieser Stelle nachzugehen -

    auf dieser Grundlage ist doch problemlos eine Einigung mit den allermeisten Feministinnen möglich (http://arschhoch.blogsport.de/2011/07/26/feminismen/).

    Klar gibt es die liberalen Feministinnen, die die Herrschaft der kapitalistischen Produktionsweise hinnehmen oder sogar befürworten – aber das gehört eigentlich eher in den Kontext des 90er Jahre Übergangs von „Feminismus“ zu „gender studies“ und „gender mainstreaming“.

    Und klar, sind sowohl mit Radikalfeministinnen als auch (links)sozialdemokratischen Feministinnen, die Kapitalismus-Kritik im begrifflichen Horizont von „sozialer Gleichheit/Ungleichheit“ und „Gerechtigkeit“ betreiben, kontroverse Diskussionen über deren jeweilige – unterschiedliche – Kapitalismus-Begriffe erforderlich; aber gerade, wenn die marxistische Meßlatte mit dem Humanismus des jungen Marx eher niedrig gelegt wird, ist das doch kein wirkliches Hindernis für eine Verständigung.

  7. 7 systemcrash 22. August 2011 um 10:46 Uhr

    verständigung setzt immer gleiche oder doch zumindest ähnliche methodische ansätze voraus. der marxismus verortet alle probleme im klassenwiderspruch, die feminismen im geschlechterverhältnis.

    wenn man sich soweit einigen könnte, dass frauenbefreiung nicht ohne den sturz des kapitalverhältnisses zu haben ist, und der sturz des kapitalverhältnisses allein nicht ausreicht, um patriarchale strukturen zu überwinden --- dann wären wir einen echten schritt weiter ;)

  8. 8 @DGS / TaP 22. August 2011 um 16:21 Uhr

    Wäre es in Ordnung, wenn alle Antikapitalisten mit einem revolutionären Verständnis sich uneingeschränkt hinter den Forderungen einer feministischen, hoffentlich ebenfalls revolutionären, Plattform einreihen?

    Der Kampf der Feministen ist, nach meinen Verständnis, auf der selben Richtung/Weg, ob und wie weit weiter vorne oder als der Klassenkampf, könnte man immer noch diskutieren.

  9. 9 DGS / TaP 22. August 2011 um 23:50 Uhr

    @ Namenlos:

    „Wäre es in Ordnung, wenn alle Antikapitalisten mit einem revolutionären Verständnis sich uneingeschränkt hinter den Forderungen einer feministischen, hoffentlich ebenfalls revolutionären, Plattform einreihen?“

    Ja, denke schon. Wobei „einer feministischen, hoffentlich ebenfalls revolutionären, Plattform“ ein weites Feld ist…

    @ systencrash:

    „wenn man sich soweit einigen könnte, dass frauenbefreiung nicht ohne den sturz des kapitalverhältnisses zu haben ist, und der sturz des kapitalverhältnisses allein nicht ausreicht, um patriarchale strukturen zu überwinden --- dann wären wir einen echten schritt weiter ;)

    Ja, auch da würde ich nicht grundsätzlich widersprechen:

    a) In Anbetracht der real-historischen Verflechtung von Patriarchat und Kapitalismus (also auf dem Niveau der Analyse konkreter Gesellschaftsformationen), des gesellschaftlichen Kräfteverhältnisses, des aktuellen Zahlenverhältnisses zwischen Männern und Frauen, der (Selbst)verortung eines Großteils der Feministinnen als Teil einer – jedenfalls i.w.S. verstandenen – Linken ist das wahrscheinlich.

    b) Auch in dem Sinne, daß Frauen (und Männer) auch nach einer isolierten Überwindung des Patriarchats dem Lohnarbeit-Kapital-Verhältnis unterworfen blieben, also Frauen auch dann nicht vollständig „frei“ wären, würde ich zustimmen.

    c) Nur: Abstrakt würde ich schon sagen, daß ein nicht-patriarchaler Kapitalismus denkbar ist. Der Kapitalismus als Produktionsweise interessiert sich nur für freie und gleiche WarenbesitzerInnen; nicht für Frauen und Männer, Schwarze und Weiße.

  10. 10 systemcrash 23. August 2011 um 8:57 Uhr

    darum ist die wahrheit auch immer konkret ;)

  11. 11 DGS / TaP 23. August 2011 um 10:38 Uhr

    Lenin sagt ja, daß er das von Hegel hat – ohne daß er und ohne daß die Hg.Innen der Werke-Ausgabe eine Quelle nennen.

    Weißt Du vllt. wo das bei Hegel steht? -

    Und jenseits der Philologie:

    Ich denke nicht, daß sich die Analyse von Produktionsweisen und Gesellschaftsformationen (die i.d.R. die Überlagerung unterschiedlicher Produktionsweisen sind) gegeneinander ausspielen läßt; so wird die durchaus ebenfalls konkrete Erkenntnis, daß die kapitalistische Produktionsweise doppelt freie Lohnarbeit voraussetzt nicht dadurch falsch, daß nachgewiesen wird, daß in Gesellschaftsformationen, in denen die kapitalistische Produktionsweise herrscht, in untergeordneter Weise auch Sklavenarbeit vorkommt.

    Und zurück zu unserem Thema:
    Stellenwert, Reichweite und Begründung der möglichen Einheit von Feministinnen und MarxistInnen hängt davon ab, ob wir den Zusammenhang von Patriarchat und Kapitalismus auf der Ebene der Produktionsweise oder auf der Ebene von Gesellschaftsformationen sehen.

  12. 12 systemcrash 23. August 2011 um 10:49 Uhr

    nein, die hegel quelle kenne ich leider nicht und muss auch gestehen, dass ich kein experte für philosophsiche fragen bin ;)

    wie gesagt, ich denke, dass in der frauenfrage ökonomie, kultur und psychologie „verschränkt“ sind. insofern wäre eine rein „ökonomische“ begründung für „frauenemanzipation“ immer zu kurz gedacht. aber so eine starke trennung von „basis“ und „überbau“ gibt es auch nur im vulgärmarxismus.

    ich persönlich lehne den begriff „feminismus“ für eine revolutionäre frauenpolitik ab, aber wenn die inhalte in die richtige richtung gehen, will ich mich über begriffe nicht streiten, wenn denn die definition stimmt ;)

  13. 13 systemcrash 23. August 2011 um 10:59 Uhr

    das patriarchat findet ja eher in der ausserökonomischen sphäre statt, also in der reproduktion von paar- und familienstrukturen. insofern fand ich den spruch „das private ist politisch“ immer sehr gut.

    natürlich spiegelt sich auch das patriarchat in beschäftigungszahlen, lohnquoten und geschlechterspezifische anteile in führungspositionen. aber diese punkte sind m e nicht essentiell für die reproduktion patriarchaler strukturen. viel wichtiger ist die herstellung dieser strukturen in den paar- und familienbeziehungen selbst, die dann auch noch durch eine entsprechende populär-kultur (werbung, mode, TV, zeitschrifen …) flankiert wird

  14. 14 DGS / TaP 23. August 2011 um 11:02 Uhr

    @ 10:49 h: Okay. [Systemcrashs Kommentar von 10:59 h war zwischenzeitlich im Spam versackt.]

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