Was ist die sozialistische Initiative Berlin-Schöneberg (SiBS)? Fragen einer lesenden Links-Radikalen

1. Was ist die SiBS eigentlich?

Die SiBS ist eine politische Initiative von ursprünglich 5, jetzt 7 Genossinnen und Genossen, die sich zum Ziel gesetzt hat, einen Beitrag zur Neu-Formierung der radikalen Linken in Deutschland zu leisten. Die radikale Linke in ihrer jetzigen Form ist nicht in der Lage, gesellschaftlich Einfluss zu gewinnen, sie schwankt Kampagnen-Hudelei und Resignation. Von systematischer Arbeit im Stadtteil oder Betrieb kann keine Rede sein. Überall in Europa gibt es Um- und Neugruppierungsprozesse der radikalen Linken, und auch in Deutschland stehen diese auf der Tagesordnung. Uns ist klar, dass das ein schwieriger und langfristiger Prozess ist. Aber er ist notwendig. Alle unsere Mitglieder sind gesellschaftlich oder politisch aktiv.

2. Seid ihr eine trotzkistische Gruppe?

Von den 7 SiBSlern bezeichnen sich 3 als Trotzkisten und 4 nicht. Wir sind also keine trotzkistische Gruppe, aber wir finden es richtig und wichtig, und auch modellhaft für die Zukunft, dass Trotzkisten und andere radikale Strömungen zusammen arbeiten. Wir diskutieren mit allen antikapitalistischen Gruppen und Individuen, um unser oben dargestelltes Ziel zu erreichen. Wir wollen auch einen neuen politischen Stil einführen, nämlich den der solidarischen Auseinandersetzung. Darum beteiligen wir uns weder an Trotzkisten-, Anarchisten- oder sonstigem Gruppenbashing.

3. Habt ihr ein Programm?

Nein, wir haben kein Programm. Wir fänden es auch vermessen, wenn sich 7 Leute hinsetzen würden um einen Programmentwurf für die gesamte antikapitalistische Linke schreiben würde. Allerdings glauben wir, dass ein zukünftiger Programmentwurf verschiedene Elemente enthalten muss. Auf der einen Seite ein Minimalprogramm, das die unmittelbaren Interessen der Lohnabhängigen und Prekären usw. aufgreift, auf der anderen Seite müsste in einem zukünftigen Programmentwurf klar und deutlich die Zielvorstellung definiert werden. Genauso wichtig wie ein Programmentwurf scheint uns eine gemeinsame politische Praxis zu sein, die nachhaltig und mobilisierend wirkt. Durch das gesamte zukünftige Programm müssen sich außerdem feministische und ökologische Komponenten ziehen.

4. Wie schätzt ihr das Potenzial für eine neue Gruppierung in Deutschland ein?

Auch wenn die radikale Linke in Deutschland sehr stark zersplittert ist, glauben wir, dass das Potenzial relativ groß ist. Wir haben allerdings eingesehen, dass der Prozess zur Neugruppierung wahrscheinlich länger dauern wird, als wir uns das wünschen. Wir haben begonnen, diese Diskussion mit anderen zu führen, und sind erfreut darüber, dass es außer uns sehr, sehr viele Gruppen und Individuen gibt, die die Problemlage ähnlich sehen.

5. Kann man bei euch mitmachen?

Ja, wer bei uns mitmachen will, kann sich melden bei michael-pruetz@gmx.de. Jeder kann bei uns mitmachen, unabhängig davon, wo er oder sie sonst noch organisiert ist.

Michael Prütz (SiBs)

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5 Antworten auf „Was ist die sozialistische Initiative Berlin-Schöneberg (SiBS)? Fragen einer lesenden Links-Radikalen“


  1. 1 systemcrash 10. August 2011 um 10:34 Uhr

    zur frage des programms

    ein sog. minimalprogramm ist eigentlich der stand der „alten“ sozialdemokratie (2. internationale). die dritte internationale (und später trotzki) entwickelten die methodik der übergangsforderungen, die an den unmittelbaren interessen der unterdrückten ansetzen, in ihrer logik aber über das system hinausweisen: also die Machtfrage stellen.

    ein katalog von minalforderungen kann sinn machen, um für bestimmte aktionen zu werben oder um aktionseinheiten (einheitsfronten) zu bilden, als programmatische grundlage für eine „neue antikapitalistische organisation“ ist es aber eindeutig der falsche ansatz. alles, was hinter die theoretischen errungenschaften der dritten (und vierten) internationale zurückfällt, wird nur einen „neuen reformismus“ (also alten wein in neuen schläuchen) hervorbringen.

    auch wenn ich als unverbesserlicher sektierer abgestempelt werde, mit diesem vorwurf kann ich gut leben ;)

    „Die IV. Internationale sucht kein Allheilmittel noch erfindet sie irgendeines. Sie steht voll und ganz auf dem Boden des Marxismus, der einzigen revolutionären Doktrin, die es erlaubt, die Wirklichkeit zu verstehen, die Ursachen der Niederlagen zu erkennen und bewußt den Sieg vorzubereiten. Die IV. Internationale setzt die Tradition des Bolschewismus fort, der dem Proletariat zum ersten Mal gezeigt hat, wie die Macht zu erobern ist. Die IV. Internationale fegt die Quacksalber, Scharlatane und ungebetene Moralprediger hinweg. In einer auf Ausbeutung gegründeten Gesellschaft ist die oberste Moral, die Moral der sozialistischen Revolution. Gut sind die Mittel und Methoden, die das Klassenbewußtsein der Arbeiter, ihr Vertrauen auf ihre eigene Kräfte und ihre Opferbereitschaft für den Kampf erhöhen. Unzulässig sind die Methoden, die den Unterdrückten Furcht und Unterwürfigkeit einflössen, den Geist des Protestes und der Revolte ersticken oder den Willen der Massen durch den Willen der Führer, die Überzeugungskraft durch den Zwang und die Analyse der Wirklichkeit durch Demagogie und Fälschung ersetzen. Genau deshalb sind die Sozialdemokratie, die den Marxismus prostituiert hat, wie auch der Stalinismus, Antithese des Bolschewismus, Todfeind der proletarischen Revolution und ihrer Moral.“ (trotzki, übergangsprogramm)

  2. 2 Richard 10. August 2011 um 17:57 Uhr

    Zitat: „ein katalog von minalforderungen kann sinn machen, um für bestimmte aktionen zu werben oder um aktionseinheiten (einheitsfronten) zu bilden, als programmatische grundlage für eine „neue antikapitalistische organisation“ ist es aber eindeutig der falsche ansatz.“

    Was die politischen Forderungen angeht, mag das obige richtig sein. Aber bei einer neuen antikapitalistische Organisation gibt es mehr als „nur“ politische Forderungen. Genaugenommen münden politische Forderungen erst aus dem Verhalten der Mitglieder dieser Organisation. Das soll heißen: Wenn von einer Gesellschaft die Rede ist, die sich nicht zuerst, oder gar nicht, über das Geld definiert und selektiert, dann müsste diese Organisation dieses vorleben und zwar in der Praxis. Alles was an politischen Forderungen gestellt wird, müsste innerhalb dieser Organisation gelebt werden.

    Die Wörter „Genossen(innen)“, „Solidarität“, „Gleichberechtigung“ müssen zuallererst innerhalb der Organisation durch bestimmtes Verhalten vorgelebt werden. Hier können sehr wohl bestimmte Forderungen diskutiert werden. Hier können sehr wohl Genossenschaften gebildet werden.

    Es gibt politische Forderungen, aber will diese antikapitalistische Organisation wirklich bestehen über den Tag hinaus, so müssen unabdingbare und erkennbare Forderungen innerhalb der Organisation gestellt und diskutiert werden. Diese Forderungen sollten dann zur Wahl gestellt werden und unveränderbar sein. Man muss sich darauf verlassen, dass diese Forderungen von allen akzeptiert werden, die dieser Organisation irgendwie verbunden sind.

    Könnte man dies dann öffentlich kundtun, wäre sowas ein Magnet und würde andere einladen.

    Politische Forderungen sind einfach zu Theoretisch, es müssen praktische Forderungen für das JETZT gefunden werden, die innerhalb dieses Kapitalismus von Einzelnen gelebt werden. Auch deshalb, weil eine Revolution nicht geplant werden kann und das eintreten dieser Revolution mehrere Menschenleben dauern kann.

    Leider kann ich nicht besser und wissenschaftlicher dies formulieren. Aber es liegt meiner Meinung auf der Hand, dass diese Organisation mehr als politische Forderungen stellt, nämlich ein bestimmtes gewünschtes Verhalten der Mitmenschen.

    Keine Ahnung, wie das ausgedrückt werden soll, aber TEILEN ist irgendwie die Lösung, auch innerhalb dieser Organisation.

  3. 3 ulf 11. August 2011 um 4:29 Uhr

    „Die SiBS ist eine politische Initiative von ursprünglich 5, jetzt 7 Genossinnen und Genossen, die sich zum Ziel gesetzt hat, einen Beitrag zur Neu-Formierung der radikalen Linken in Deutschland zu leisten.“

    neu-formierung les ich mal als neu-/um-gruppierung und da stellt sich schon die frage: das ist also euer ziel ? hm.

  4. 4 Richard 14. August 2011 um 22:21 Uhr

    Am 7. 8. 2011 wurde dieser Artikel geschrieben. Heute ist der 14. 7. Eine Woche vergangen. Was ich mich frage? Wenn das hier ein Arschhoch-bloog oder was auch immer ist, warum können innerhalb eine Woche, bei diesen englischren Verhältnissen, in deutschland keiner hier den Mund aufmachen?

    erst denke ich, vielleicht sind sie alt und müde, hallo michael, dann aber denke ich, sie sind feige.

    Also was seid ihr? Meldet euch mal zu Wort. Bitte.

    p.s. Am Freitag abend haben die b.. sogar um 1.00 Uhr die wildfremden Leute kontrolliert, auf dem weg, wo der Fischmarkt ist, richtung Altona. Hier ist voll die konntrolle und angst unterweg. am dem abend hatt ich ärger, mit so leuten mit ner flasche sekt, voll die assis, kein schwantz in der hose. aber die mädels stehen drauf.

  5. 5 DGS / TaP 17. August 2011 um 13:54 Uhr

    @ Ulf:

    1. Das langfristige politische Ziel ist mindestens der Sturz der Herrschaft der kapitalistischen Produktionsweise, die auf dem Warencharakter der Arbeitskraft und der dadurch bewirkten privaten Aneignung des Mehrwertes beruht.
    Um diesen Sturz zu bewirken, werden revolutionäre Mittel als notwendig angesehen.

    2. Seit dem „Quietscheentchen“-Papier bin ich einigermaßen optimistisch, daß wir uns auch auf die Not-wendigkeit der revolutionären Überwindung von Patriarchat und Rassismus verständigen können.

    3. Und das unmittelbare ‚operative‘ Ziel ist, die Aussichten für die eventuelle Gründung einer Organisation, die einen signifikanten Beitrag zu einem solchen langfristigen und komplexen revolutionären Prozeß leisten kann, zu sondieren. -

    so würde ich zumindest den Stand der Dinge sehen.

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