Termine und andere Hinweise (3)

– Mit einem NACHTRAG (v. 1.8.) zum Papst-Besuch am 22./23.9. –

I. Hinweise

► Kürzlich ging es hier zwei-mal um diversity managment. Auch die Jungle World beschäftigte sich im Juni damit:

„Diversity Management ist eigentlich nichts Neues, aber in Deutschland noch nicht besonders etabliert. […]. Dabei wird die Diskussion in Deutschland nicht nur ein paar Jahrzehnte verspätet geführt, der Diversity-Ansatz wird in ihr auch noch besonders reaktionär interpretiert.“

► Die Hamburger Frauen_Lesben-Gruppe AMIGA, die 2010 im Bündnis mit der dortige Linksjugend [’solid], der Sozialistischen Linken (SoL), der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) und anderen antimilitaristischen Gruppen an Protesten gegen den Auftritt der Bundeswehr und anderer Kriegsmarinen beim Hafengeburtstag in Hamburg beteiligt war, hat sich in einem längeren – undatierten – Papier zu Antimilitarismus auch zu Fragen der Organisierung geäußert:

„Viele von uns sind schon lange in den linken politischen Zusammenhängen, haben dort bei den verschiedensten Aktivitäten mitgewirkt, positive und negative Erfahrungen gesammelt. Wir finden es wichtig, dass diese Erfahrungen nicht verloren gehen, dass Fehler nicht ständig wiederholt werden und gelungene Aktionen in die Planung für neue Strategien einfließen können.
Organisierung ermöglicht uns, einen roten Faden in unsere politische Arbeit zu bekommen, anstatt isoliert voneinander dieselben Überlegungen zu machen ohne voneinander zu wissen. Organisierung bedeutet für uns, effektiver zu arbeiten, im Austausch miteinander zu sein, ein ‚kollektives Bewusstsein‘ zu entwickeln, um handlungsfähig und interventionsfähig zu werden.
Um das zu erreichen, halten wir es für notwendig, gemeinsame Ziele, Erfahrungen aus der bisherigen Praxis und verschiedene Ansätze zusammen zu tragen und daraus eine Plattform zu entwickeln. Auf dieser Basis wäre eine organisierte, gemeinsame feministische Politik möglich.

Organisierung geht also über punktuelle Bündnisse, die zeitlich begrenzt sind hinaus und soll eine kontinuierliche Gegenmacht aufbauen entwickeln.
Ganz besonders wichtig ist uns die feministische Organisierung: Der gesellschaftliche backlash bezüglich Sexismus zeigt sich auch im Zurückdrängen der einstmals antisexistischen Kriterien innerhalb der Linken. Es ist zu beobachten, dass vor allem die männlich sozialisierten und sich selbst als Männer bezeichnenden Menschen wieder mehr entweder offen, versteckt, provokant oder sonstwie sexistisch auftreten. Daran zeigt sich, dass den meisten ein wirkliches Interesse fehlt, ihre Privilegien, mit denen sie in der patriarchalen Gesellschaft ausgestattet wurden, abzugeben.
Wir wollen keine Energie mehr in nervenaufreibende und letztendlich unproduktive Kämpfe gegen die sexistischen Strukturen in gemischten Zusammenhängen stecken. Deshalb organisieren sich einige von uns ausschließlich in FrauenLesbenTransgender-Zusammenhängen, einige auch in anderen antipatriarchalen Zusammenhängen.“

Daß „Erfahrungen nicht verloren gehen, dass Fehler nicht ständig wiederholt werden und gelungene Aktionen in die Planung für neue Strategien einfließen“ sollten usw . – das gilt sicherlich nicht nur für feministische Organisierung. – Wäre schön von Euch zu hören, was diejenigen von Euch, die sich nicht ausschließlich in FrauenLesbenTransgender-Zusammenhängen, sondern auch in gemischten antipatriarchalen Zusammenhängen organisieren, von dem hier diskutierten Projekt halten würden, wenn als Resultat des Diskussionsprozesses klargestellt würde, daß es hier um Organisierung geht, die gleichermaßen antipatriarchal wie antikapitalistisch ist.

II. Termine

► Bleiben wir gleich am Thema „Geschlechterverhältnis“: Am 13.8. sollen bundesweit in verschiedenen Städten unter dem Namen Slutwalk Demonstrationen gegen ein „Klima, in dem von sexualisierter Gewalt betroffene Frauen für Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe verantwortlich gemacht werden“, stattfinden (noch nicht in allen Städten steht der genaue Termin fest).

„Egal ob du dich als Slut/Schlampe fühlst und den Begriff positiv oder ironisch für dich aneignen willst oder ihn aufgrund seiner negativen Bedeutung gänzlich ablehnst, sei am 13.08.2011 dabei wenn in verschiedenen Städten Deutschlands Menschen für ihr Recht auf Selbstbestimmung hinsichtlich Körper, Geschlecht, Sexualität und Begehren auf die Straße gehen.
Wir haben es satt in einem System zu leben, das sexualisierte Gewalt, Übergriffe und Belästigungen verharmlost, legitimiert und den Betroffenen die Schuld gibt!
Gemeinsam müssen wir gesellschaftliche Strukturen, die Sexismus hervorbringen überdenken, aufbrechen und uns auch mit anderen Herrschaftsmechanismen kritisch auseinandersetzen. Nur so haben wir die Chance Sexismus zu überwinden.“

Ehrlich gesagt: „aufbrechen“ und „kritisch auseinandersetzen“ klingt ja für meinen Geschmack noch etwas zaghaft.1 Da zitiere ich doch gleich noch etwas layout-Material aus dem AMIGA-Papier:

Aber jedenfalls wird von „System“ und „gesellschaftliche Strukturen“ gesprochen. Das ist immerhin deutlicher als die vage Rede von „Diskriminierung“ und „Vorurteilen“, die in Teilen – jedenfalls der Berliner – queer-Szene wieder üblich geworden ist (1 und 2).
Und zu den „anderen Herrschaftsmechanismen“ sei auf die hiesige Diskussion über die Verschränkung von Patriarchat und Kapitalismus verwiesen.
Bisher existieren im übrigen Slutwalk-Vorbereitungsgruppen in folgenden Städten: Hamburg (Beginn: 15 h Hachmannpl.), Berlin (Beginn: 15 h, Wittenbergplatz), Bad Oldesloe (Beginn: 10:30 h, Bahnhofsvorplatz), Bielefeld (Datum steht noch nicht fest), Bremen (Datum scheint ebenfalls noch nicht festzustehen), Frankfurt am Main (15h Kaisersack / gegenüber dem Hauptbahnhof), Freiburg (voraussichtlich erst im September), Leipzig (Termin scheint noch nicht festzustehen), München (dito), Münster (scheint insgesamt noch nicht viel klar zu sein), Passau (bereits am 23.7.), Ruhrgebiet (findet am 13.8. in Dortmund statt), Stuttgart (13.8., 16 h, Ort noch unklar). Aus Hannover wird nach Hamburg gefahren.

Wichtig ist auch noch diese Info auf der faq-Seite des blog des Hamburger Slutwalks:

„Bei der SlutWalk Bewegung geht es nicht darum, endlich mal halbnackt durch die Stadt laufen zu dürfen. Es geht darum, Menschen nicht die Schuld an sexuellen Übergriffen zu geben – selbst wenn sie halbnackt durch die Stadt laufen. Es geht darum, sich ein Klima zu erkämpfen, in dem ein selbstbetsimmtes Leben hinsichtlich Körper, Begehren, Aussehen, Sexualität und Geschlecht möglich ist. SlutWalks richten sich gegen Sexismus, Vergewaltigungsmythen und -verharmlosungen, sowie alle Formen von sexualisierter Gewalt.“

Eine Übersicht über die bisherige Medienberichterstattung gibt es im blog des Slutwalk Berlin. Ein wichtiger Diskussionsbeitrag zum Thema findet sich im Mädchenblog (Sind Slutwalks wirklich sinnvoll?, vgl. dazu auch noch: Das Recht, asexuell zu leben). Bei der Mädchenmannschaft diskutiert Magda folgende drei Einwäde gegen Slutwalks:

„Es macht keinen Sinn, ein sexistisches Wort wie ‚Slut’ positiv zu besetzen“
„SlutWalk spricht eher jüngere Frauen an (und schließt daher ältere Frauen und sich nicht als Frauen definierende Menschen aus)“
„Bei den SlutWalks geht es um Sexyness (und nicht etwa um die Bekämpfung von Sexismus).“

Außerdem wurde dort ein ganzes Dossier zum Thema Slutwalks eingerichtet (s. Kasten in der rechten Randspalte auf der Startseite des blogs).

► Am 3. September 2011 wird in Berlin eine Mietenstop-Demo stattfinden (Start: 14 Uhr Hermannplatz).

► Eine Woche darauf (10.9.11) findet in Berlin wieder die bundesweite „Freiheit statt Angst“-Demo statt.

► Bereits am 9. Juli wurde hier auf den kommenden Roten Abend in Berlin hingewiesen: Mi., den 3.8. – Thema: Das Buch „Indien und die Naxaliten – Agrarrevolten und kapitalistische Modernisierung“

► An gleicher Stelle, ebenfalls im Zielona Gora (Grünberger Str. 73, Berlin-Friedrichshain), finden am 01.08. (mit Manfred Grashof [Ex-RAF]) und am 15.8. (mit Klaus Steiniger [DKP]) zwei Veranstaltungen zur portugiesischen Nelken-Revolution von 1974 statt.
Ein Text von Frieder Otto Wolf zur Nelken-Revolution findet sich dort:

„Die vorläufige Niederlage der portugiesischen Arbeiterklasse ist für die westeuropäische Linke ein Exempel. Ebenso wie es der faschistische Putsch in Chile für die lateinamerikanische Linke war: Ein Exempel, das die Bourgeoisie statuiert hat, um die Unmöglichkeit eines sozialistischen Übergangs in einer der zentralen Einflusszonen des Imperialismus zu demonstrieren – aber auch ein lehrreicher Beispielfall, den die Linke studieren muss, um aus eigenen Fehlern zu lernen und den neuesten Fortschritten der Bourgeoisie in konterrevolutionärer Strategie und Taktik entgegnen zu können.“

Frieder Otto Wolf lehrte während der Revolution, bis 1977, in Coimbra/Portugal. Auf seiner homepage findet sich sein seinerzeitiger „Abschiedbrief“ (auf Portugiesisch).

► Und noch eine Vorschau ins nächste Jahr: Am 24. und 25.3.2012 wird Kassel eine SALZ-Konferenz „Ökologie und Mobilität“ stattfinden.
Aus dem vorläufigen Programm:

„Unser tägliches Leben spielt sich räumlich in immer weiteren Kreisen ab. Aus beruflichen Gründen müssen viele immer weitere Wege zurücklegen. Um Beruf und Privates vereinbaren zu können, müssen Wege zur täglichen Unterbringung der Kinder zurückgelegt werden. Unsere Mobilität führt dazu, dass menschliche Beziehungen über immer größere Entfernungen gepflegt werden wollen. Wir sind unterwegs und selten am Ziel. Wenn Mobilität zum Zwang wird, dann eröffnet sie keine Freiheit mehr.
- Wie können wir die Souveränität über unsere Mobilitätsbedürfnisse wieder zurückgewinnen?
- Wie können Mobilitätsbedürfnisse ressourcenschonend verwirklicht werden?
Andere Formen der Mobilität bedingen andere Formen der Produktion. Eine „Autoökonomie“, die auf dem massenhaften Verkauf von Automobilen beruht, wäre nicht mehr zweckdienlich. Eine Gesellschaft, deren Produktivität nicht mehr wesentlich auf dem immensen Verbrauch von fossiler Energie basiert, muss anders produzieren. Eine Gesellschaft, die weniger auf physische Mobilität setzt, muss den Austausch zwischen den Menschen anders organisieren.
- Wie kann eine Ökonomie jenseits der Automobilität aussehen?
- Wie kann der Umbau der Industrie auf Niedrigenergiestandards aussehen?
- Wie kann die Vernetzung der Produktion realisiert werden, ohne Menschen und Güter über riesige geografische Dimensionen zu bewegen?
- Wie können sich Menschen begegnen, ohne weite räumliche Distanzen zu überwinden?“
(Quelle: Facebook)

– NACHTRAG (v. 1.8.) zum Papst-Besuch am 22./23.9. –

► Ach, und der Papst kommt am 22./23.9. nach Berlin. Dafür gibt es zwei Protestbündnisse: Ein jedenfalls eindeutig reformistisch dominiertes Bündnis (u.a. LSVD, Die Linke Berlin, Untergliederungen von SPD und Grünen, Humanistische Union) und ein zweites Bündnis, das von Gruppen aus der (post)autonomen Szene gebildet, wurde. Das reformistische Bündnis veranstaltet, als Teil seines „friedlichen Protest[es]“, am 22. eine um 16 h am Brandenburger Tor beginnende Demonstration. Das Szene-Bündnis scheint dagegen aktionistischere Vorstellungen zu haben: „Wir rufen alle Freund_innen von Emanzipation und befreiter Gesellschaft dazu auf, Ratzinger und seinen Groupies die Show zu versauen. Gönnen wir ihnen keine ruhige Minute.“ Und bei-de Bündnisse haben für die Zeit bis Ende Sept. verschiedene Diskussionsveranstaltungen organisiert; das Szene-Bündnis für den 20. August auch eine Kundgebung vor der vatikanischen Botschaft. Außerdem findet am 17.9. wieder der allherbstliche 1.000-Kreuze-Marsch christlich-fundamentalistischer AbtreibungsgegnerInnen statt. Zu den Gegenaktionen im Vorjahr: siehe dort. Zur Textproduktion der beiden Bündnis habe ich mich in meinem blog Theorie als Praxis geäußert.
Veranstaltungen des Szene-Bündnisses (an dem – mit [anscheinend distanzierter] Unterstützung von Antifa Klein-Paris und Gr*I*P – der AK Linker Feminismus, der AK mit ohne Behinderung, das Antifaschistisches Bündnis Süd-Ost, die Autonome Neuköllner Antifa, die Emanzipative Antifaschistische Gruppe, der faq – Antisexistische Infoladen, die FelS AG Queerfeminismus und Mutvilla direkt beteiligt sind):

2.9. CHRISTLICHER FUNDAMENTALISMUS
19:00 Uhr · K9 · Kinzigstraße 9
Referent: Georg Klauda · Publikationen: „Die Vertreibung aus dem Serail“
Attentate, Verschleierung, Zwangsehen – der öffentliche Focus liegt klar auf dem äußeren Feindbild Islam. Das gerade in den Kreisen, die „den Islam“ als per se menschenverachtend stigmatisieren, Positionen dominieren, die nur wenig mit Frauenrechten, Achtung sexueller Minderheiten usw. zu tun haben, wird gern vergessen. In der Veranstaltung wird Georg Klauda auf den radikalen Rand der christlichen Glaubensgemeinschaften eingehen und auch dessen Verbindungen ins moderte christliche Lager aufzeigen.
Die Veranstaltung ist eine Kooperation von NEA und VOSIFA

15.9. DER KLERIKALE PANZERGENERAL UND SEIN TRUPP
Die braunen Seilschaften Joseph Ratzingers und der katholischen Kirche
15.9.2011 · 19:00 Uhr · Bunte Kuh · Bernkasteler Straße 78
Referent_innen: North-East Antifascists [NEA]
Die HJ-Mitgliedschaft Joseph Ratzingers war im Rahmen seiner Ernennung zum Papst immer wieder Gegenstand der öffentlichen Debatte. Das sich das Kirchenoberhaupt seit Jahren Antisemitisch und Geschichtsrevisionistisch äußert wurde hingegen kaum thematisiert. Selbst glühende Franco-Anhänger wie Erzbischof Marcel Lefebvre oder Holocaustleugner wie der Pius-Bruder Williamson konnten sich in der Vergangenheit Ratzingers Schutz gewiss sein.
Sei es das Verhalten von Benedikt XVI, die offizielle Anerkennung des Vatikans als eigener Staat durch Benito Mussolini 1929 oder die Fluchthilfe für hochrangige Nazi-Kriegsverbrecher, die braunen Seilschaften der katholischen Kirche haben eine lange Tradition.

  1. Auch bei der etwas ‚wiedervereinigungs‘-tümelnden Erläuterung im Hamburg-Slutwalk-blog zur Terminierung der Slutwalks kräuselt sich meine semi-antideutsche Seele: „Der historische Hintergrund dieses Tages ist uns bewusst, gleichwohl sehen wir ihn nicht als Grund, um die SlutWalks nicht an diesem Datum stattfinden zu lassen. Im Gegenteil: 50 Jahre nach dem Bau der Mauer und knapp 22 Jahre nach dem Fall dieser, gehen Menschen solidarisch im gesamten Land auf die Straßen, weil sie Mauern wie Sexismus und Vergewaltigungsmythen innerhalb des gesellschaftlichen Systems einreißen möchten. Mauern, die schon viel länger und in zu vielen Köpfen existieren.“ [zurück]
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