Ohne die Klasse ist alles Nichts, mit ihr allein aber geht es auch nicht

Robert Steigerwald (DKP, Marxistische Blätter) schreibt in einer e-mail der SoKo-internen-Mailingliste (hier mit dessen freundlicher Genehmigung auszugsweise wiedergegeben).

„(…) Solches Streben nach Zusammenfassung des Potentials ist ja nicht neu und sicher bei jedem von uns, dem es um die Sache geht, ein brennendes Thema und es hat ja auch schon Anläufe gegeben. Warum ging das nicht weiter? Sicher habe da auch ich „Schuld“, komme darauf noch zurück.
Wir alle wissen, daß der Kerkermeister im „Fidelio“ recht hat, wenn er singt: Wenn sich Nichts mit Nichts verbindet ist und bleibt die Summe klein.
Das Streben nach Zusammenfassung hat zwei Motive (mindestens): einmal das Wissen um die jeweilige eigene Kleinheit und zweitens die Hoffnung, Zusammenführung änderte da etwas grundsätzlich. Wäre diese Hoffnung begründet? Nur dann, wenn das mit bestimmten Voraussetzungen verbunden wäre. Es müßte wenigstens ein Minimum an Gemeinsamkeiten ideologisch-politischer Art erreicht werden. Ich meine, in der SoKo gäbe es das. Aber wer oder was ist die SoKo? Wer nimmt von ihr Notiz? Irgend eine größere Org., etwa eine Partei, meinetwegen: die DKP?
Das hängt mit der „Ruhe“ in der Klasse zusammen: erst wenn der Riese aufwacht, werden sich grundsätzlich neue Arbeitsbedingungen herausbilden. Aber die haben wir derzeit nicht. Und warum das so ist und was man dagegen tun könnte, darüber wäre ein Verständigungsprozeß doch wichtig. (…)
Ich denke, es müßte eine breite (!) Zusammenarbeitsmöglichkeit gefunden werden (nix mit „Partei von neuem Typus“ die braucht man, wenn man die Machtfrage stellen, sich zum Sturm auf die Festung bereit machen muß).
Ich sehe Grenzen: eine links, eine rechts, die ich nicht überschreiten würde. Ich denke, man kann nicht zusammen arbeiten, mit Kräften, die von Stalin nicht loskommen, und anderen, die ihren Hauptpart darin sehen, ihn als die Wurzel allen Übels zu sehen (Wurzel war er schon, aber so einfach lagen und liegen die Dinge nicht). Ich kann aber auch nicht damit klarkommen, daß andere meinen, man komme zum Sozialismus durch Wirtschaftsdemokratie oder Summierung von Reformen.
Am grundlegenden Bruch mit dem Kapitalismus geht kein Weg zum Sozialismus vorbei. Aber innerhalb der so gezogenen Grenzen sollte „Freiheit“ walten können, und wer meint, dazu brauche man dennoch eine Partei von neuem Typus, der steht mit seinem Bewußtsein, wenn ich das richtig wahrnehme, meilenweit fern von den Adressaten, um die es uns vor allem gehen müßte.
Vor diesem Hintergrund sehe ich die Dinge und – ich will nicht miesmachen, es aber doch sagen: Der neue Berliner Versuch wird nicht weiter führen als unsere Soko. Erinnert Euch daran, wie sie begann, welche Vorstellungen es gab: Kooperation sollte es sein, ich habe gemeint, zum Kooperieren müßte man mehr Kraft haben, als wir haben, drum wurde daraus Koordination und das ist ja gut so. Es wird ja koordiniert. Aber wieder die Frage: Wer nimmt’s wahr? Wie ist die Wirkung?
Ohne die Klasse ist alles Nichts, mit ihr allein aber geht es auch nicht, ist meine Meinung.

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