Archiv für Juni 2011

Hineintragen kann man einen Sack Kartoffeln, aber kein Bewusstsein …

schreibt jW-Redakteur Jörn Boewe in seinen, Anfang 2011 bei facebook veröffentlichten „Zehn Thesen über dummen und intelligenten Leninismus“. Der Autor schlägt vor, „Lenin sanft vom Sockel zu holen, um ihn wieder handhabbar zu machen für die revolutionäre Praxis von heute“ und plädiert für einen „intelligenten Leninismus“ mit „einer gewissen syndikalistischen oder luxemburgistischen ‚Abweichung‘“.
„(Rosa) Luxemburgs (…) Überlegungen zur Dialektik von Massenstreiks, Partei und Gewerkschaften sowie zum Verhältnis von parlamentarischer und außerparlamentarischer Arbeit (gehören) in den Werkzeugkasten des revolutionären Marxismus, und es ist sinnlos und mechanistisch, sie Lenins Partei- und Revolutionskonzept entgegenzustellen. Es existiert nicht nur keine Schwierigkeit, diese ineinander zu integrieren, sondern im Gegenteil, sogar die Notwendigkeit, das zu tun.“ (mehr…)

Na endlich? Ein Streit …

… schreibt Freitag-Redakteur Tom Strohschneider heute in seinem Blog Lafontaines Linke über einen publizistischen Schlagabtausch zwischen Michael Prütz und Michael Schilwa von der Sozialistischen Initiative Berlin-Schöneberg und Dr. Thomas Seibert, Vorstandssprecher des Instituts Solidarische Moderne (ISM).

Die Debatte war auf Anregung Strohschneiders zustande gekommen, nachdem Seibert das Schöneberger Papier, das auch den Anstoß für die Diskussion in diesem Blog gegeben hat, mit den Worten kommentiert hatte: „Da sitzen die, die immer da sitzen. Lasst sie sitzen.“

„Seibert ist erkennbar aus auf eine ‚mosaiklinke‘ Arbeitsteilung“, charakterisieren Prütz und Schilwa die Position des „Bewegungsphilosophen“ (Linksparteivizechefin Katja Kipping) in ihrem Beitrag: „Radikale Kapitalismus-Kritik hat durchaus ihre Berechtigung (in der schwersten Legitimationskrise des Kapitalismus seit Jahrzehnten sowieso), ist aber eher was für’s Feuilleton oder die gefühlt 23. Marxismus/Sozialismus/Kommunismus-Konferenz. Richtige ‚Realpolitik‘ machen wir lieber mit Andrea Ypsilanti, Katja Kipping und Sven Giegold.“

Wogegen Seibert setzt: „Eine revolutionäre Organisierung zielt nicht auf Repräsentation, sondern schlägt in den Kämpfen praktisch wie theoretisch eine bestimmte Vorgehensweise vor und richtet sich dabei an die, die dieses besondere Vorgehen zu ihrer eigenen Sache machen wollen.“ Was Prütz und Schilwa wahrscheinlich sogar unterschreiben würden.

Gemeint ist bei Seibert aber am Ende doch etwas anderes: „Gelingen kann so verstandene ‚revolutionäre Einheit‘ nur, wenn die Vielheiten der Erfahrungen und Subjektivitäten, also die Vielheiten der Kämpfe und ihre (bleibend!) unterschiedlichen Logiken so aufeinander bezogen werden, dass keiner der beteiligten Terme (Klasse, gender, race, aber auch Herrschaft, Ausbeutung und Subjektivierung, also Disziplin, Norm, Kontrolle, ‚Mehrheit‘ und ‚Minderheit‘, also Widerspruch der Klassen, Fluchten der ‚Minderheiten‘, Ästhetiken der Existenz, Reform, Revolution, Reformation) die anderen auf Dauer dominiert.“

Nun denn. Wer wie Seibert meint, Herrschaft, Ausbeutung, Klasse – also die Frage, ob ich für mein Geld arbeiten muss oder ob mein Geld für mich ‚arbeitet‘ – seien keine realen gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern „Terme“– also Begriffe, Denkinhalte –, die andere „Terme“ dominieren (was Seibert aber nicht gut findet), der sollte Prütz, Schilwa und „die, die immer da sitzen“, in der Tat sitzen lassen und vor allem selbst am besten da sitzen bleiben, wo er sitzt. Für den Rest dokumentieren wir an dieser Stelle den Beitrag von Prütz und Schilwa. Seiberts Beitrag und die komplette Debatte, inklusive der Moderation von Tom Strohschneider, findet sich hier.

Diversity-Management statt Klassenkampf?

Eine Wortmeldung aus der Traditionalisten-Ecke / Von Michael Prütz und Michael Schilwa (Sozialistische Initiative Berlin-Schöneberg)

Wenn schon der (wahrlich vorsichtige und bescheidene) Versuch, eine Debatte über die Bündelung / (Selbst)organisierung der radikalen Linken in Deutschland anzustoßen und dabei ausgetretenen Pfade zu verlassen (z.B. einen ernsthaften Dialog zwischen „Post-Autonomie“ und „Offenem Marxismus“ wieder zu beleben) beim „Bewegungsphilosophen“ Thomas Seibert zu ganz und gar nicht „diskursiven“, sondern recht rustikalen Reaktionen führt („Da sitzen die, die immer da sitzen. Lasst sie sitzen.“), dann gibt das Anlass zu der Hoffnung, dass wir mit unsere Initiative doch irgendwas richtig gemacht haben. (mehr…)

Die aktuelle Lage, die Linkspartei, und die radikale Linke

„An der Spitze der Partei wird Lafontaine das betreiben, was viele bis heute für verrückt halten: Die Vereinigung der deutschen Linken, die Vereinigung von Linkspartei und SPD.“
- Brigitte Fehrle, Berliner Zeitung, 10./11. Oktober 2009

Von Michael Prütz, 18.10.2009, bei www.scharf-links.de

Als sich im Dezember 2008 die ersten Antikrisenbündnisse bildeten, war die gängige Meinung vieler Teilnehmer, auch wenn das nicht immer öffentlich ausgesprochen wurde, dass es folgende Gleichung gäbe: Finanzkrise = Wirtschaftskrise = Massenarbeitslosigkeit = wachsende Verelendung = Entwicklung von Widerstandspotenzial. Unter dieser Prämisse wurden die beiden ersten großen Demonstrationen am 28. März 2009 organisiert. Mit ca. 50.000 Teilnehmern war dies ein erster Erfolg, der zu der Vermutung Anlass gab, dass sich hier eine neue außerparlamentarische Bewegung formiert. Doch jetzt im Herbst 2009 muss man feststellen, dass die Gleichung bisher in keiner Weise aufgegangen ist. Statt wachsender Massenarbeitslosigkeit gibt es Kurzarbeit, statt Sozialabbau ein äußerst vorsichtiges Lavieren der herrschenden Parteien. Tatsache ist, dass die Krise, die ja noch wie vor existiert, bei der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung noch nicht
angekommen ist. Offensichtlich haben wir die Möglichkeiten des bürgerlichen Staates zur Abwehr der Krise deutlich unterschätzt. (mehr…)

„Eine wirklich ‚Neue Linke‘ muss emanzipatorisch sein – oder sie wird nicht sein“

schrieb Barbara Suhr-Bartsch in einem 2007 auf dem Blog des „Netzwerks Linke Opposition“ erschienenen Beitrag. Das Netzwerk und sein Blog sind längst eingeschlafen, der Text aber ist immer noch aktuell und lesenswert:

„Der existenziell linke Kanon aus avantgardistisch-ideologischen Selbstbefriedigungen, dialektischen Haarspaltereien, gegenseitigen Verhackstückungen in inneren Zirkeln und unemanzipierter Zögerlichkeit in der Öffentlichkeit ist antiquiert. Er erweist sich in der aktuellen Situation als genauso wenig weiterführend wie die Anbiederung an die bestehenden Verhältnisse in parlamentarischen Vertretungen oder gar Regierungsbeteiligungen, die linke Politik zur dekadenten Selbstauflösung verdammen.“

Weiter bilanziert die Autorin die Gründung der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) und deren Fusion mit der Partei des demokratischen Sozialismus (PDS): „Die Chance, die mit der bundesweiten Gründung der WASG geboten war, lag in der Möglichkeit, der Linken Deutschlands, ihren unterschiedlichen Protagonisten und Fraktionen eine Basis zu schaffen für die Einlassung auf gemeinsame Ziele und die folgende gemeinsame Umsetzung dieser Ziele. Zur produktiven Nutzung dieser Chance hätte es in Anbetracht der Lage in der deutschen Linken allerdings einer Phase umfassender Reflexion bedurft, um sich einer gemeinsamen Verantwortung bewusst werden, die bekannten Rituale und Umgangsformen kritisch durchleuchten und den bourgeoisen Macht- und Positionsspielchen in den eigenen Reihen eine emanzipierte Absage erteilen zu können. Diese Chance wurde nicht genutzt und ist unwiederbringlich verloren. “ > weiterlesen …

Vom Tahrir-Platz zur Puerta del Sol: Fünf Thesen über die neuen Protestbewegungen

Nachdem Linke in Europa in den letzten Monaten staunend auf die Revolten in den arabischen Ländern geblickt haben, springt der Funke nun nach Südeuropa über: In Spanien campieren Jugendliche auf den Plätzen, in Portugal haben Proteste gegen die Sparpolitik die Regierung zu Fall gebracht und in Griechenland versammelten sich 100.000 Menschen gegen Privatisierungen und soziale Einschnitte. Was lässt sich ein gutes halbes Jahr nach Beginn der Aufstände in Tunesien über den Charakter der neuen Bewegungen, ihre Beweggründe und Akteure sagen? Welche Fragen wirft das für die organisierte Linke auf? Der folgende Beitrag soll eine Diskussion über diese Fragen eröffnen. (mehr…)

Antworten und andere Texte

Diese Beitrag versucht alle Papiere, die bisher zur aktuellen Organisierungs- und Programmdebatte erschienen sind, aufzulisten.

Überblick:

I. Der Text, auf den sich das Papier „Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich!“ der Sozialistischen Initiative Berlin-Schöneberg vom März 2011 vor allem bezieht

II. Der Schöneberger Text

III. Ein nahezu zeitgleich veröffentlichter Text der Sozialistischen Kooperation mit ähnlicher Stoßrichtung, aber ohne direkten Bezug auf das Schöneberger Papier

IV. Direkte Antworten auf den Schöneberger Text

1. im blog Entdinglichung
2. im blog Lafontaines Linke von Wolfgang Hübner (Neues Deutschland) und Tom Strohschneider (Freitag)
3. bei scharf-links
Logo_scharf-links
4. im blog Theorie als Praxis
5. bei trend. onlinezeitung
6. Außerdem

V. Diskussionsveranstaltungen zum Schöneberger Papier

VI. Weitere Texte, die sich nicht direkt auf das Schöneberger Papier beziehen, aber auf verschiedenen internet-Seiten im Umfeld der Debatte veröffentlicht oder dieser zugeordnet wurde (mehr…)

Nächster Versuch

„Mag sein, dass eine kleine Debatte im Internet und eine Diskussionsrunde mit 40 Teilnehmern nicht der Hebel sind, der in der Linken irgend etwas in wirkliche Bewegung versetzt. Interessant ist, was da geschrieben und gesprochen wird, auf seine Weise trotzdem – weil es für einen ganz bestimmten Übergangsbereich zwischen dem linken Flügel der Linkspartei und dem parteiungebundenen Spektrum durchaus aussagekräftig ist“, schreibt Freitag-Redakteur Tom Strohschneider in seinem Blog Lafontaines Linke

Kontrovers, aber erfrischend

„Der Stein ist jedenfalls ins Rollen gekommen, die Debatte wird weitergehen“, schreibt Rainer Balcerowiak in der heutigen Ausgabe der jungen Welt.

Vereinigen statt Spalten!

Stellungnahme des RSB zum Text „Neue antikapitalistische Organisation? – Na endlich“ der SIBS

Wir – revolutionäre AntikapitalistInnen in der BRD – haben Grund zur Hoffnung:
der französische Generalstreik im Herbst 2010,
die kämpferischen Streiks von Wisconsin im Winter 2010/11,
das Aufleben der sozialen und Studierenden-Bewegung in Großbritannien
die Bewegung für „wahre Demokratie“ im spanischen Staat im Mai 2011
die eskalierenden offenen Klassenkämpfe im bankrotten Griechenland
und nicht zuletzt die revolutionär-demokratische Welle in der arabischen Welt

führen uns vor Augen, dass mit dem Ausbruch der letzten großen Krise (2008) die bürgerliche Weltordnung instabil geworden ist. Dies sind die konkreten Bedingungen für die Möglichkeit revolutionärer Politik heute. Wenn ein Anstieg sozialer Kämpfe auch in der BRD mittelfristig nicht ausbleiben kann, dann muss sich die revolutionäre Linke schon heute zusammenraufen, um nicht im entscheidenden Moment desorganisiert dazustehen. (mehr…)

Debatte, neue antikapitalistische Organisation

Ein Beitrag von G. Karfeld, in: www.scharf-links.de




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